Pilocarpin | Glaukom

Pilocarpin ist ein bewährtes Medikament zur Behandlung des Glaukoms, das durch Senkung des Augeninnendrucks das Sehvermögen schützt. Als Parasympathomimetikum wirkt es direkt auf die Muskulatur des Auges und verbessert den Abfluss der Augenflüssigkeit. Dieser Artikel bietet Ihnen einen umfassenden Überblick über Anwendung, Wirkungsweise, Nebenwirkungen und wichtige Hinweise zur Therapie mit Pilocarpin.

⚕️ Medizinischer Hinweis zu Pilocarpin | Glaukom

Inhaltsverzeichnis

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Was ist Pilocarpin?

Pilocarpin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Parasympathomimetika, der seit über 100 Jahren in der Augenheilkunde eingesetzt wird. Das Medikament wird hauptsächlich zur Behandlung des Glaukoms (Grüner Star) verwendet und gehört zu den Cholinergika, die das parasympathische Nervensystem stimulieren. Ursprünglich wurde Pilocarpin aus den Blättern des südamerikanischen Strauchs Pilocarpus jaborandi gewonnen, heute wird es synthetisch hergestellt.

Wichtige Information: Pilocarpin ist in Deutschland als Augentropfen in verschiedenen Konzentrationen (0,5% bis 4%) erhältlich und wird zur Senkung des Augeninnendrucks bei Glaukom eingesetzt. Die Anwendung sollte ausschließlich nach ärztlicher Verordnung erfolgen.

Chemische Eigenschaften und Darreichungsformen

Pilocarpin ist ein Alkaloid mit der chemischen Formel C₁₁H₁₆N₂O₂ und wird in der Regel als Pilocarpinhydrochlorid verwendet. Das Medikament ist gut wasserlöslich und eignet sich daher hervorragend für die Herstellung von Augentropfen. In Deutschland sind folgende Darreichungsformen verfügbar:

Augentropfen

Die häufigste Darreichungsform mit Konzentrationen von 0,5%, 1%, 2% und 4%. Diese werden direkt ins Auge getropft und wirken lokal am Ort der Anwendung.

Augengel

Eine länger wirkende Form, die seltener angewendet werden muss. Besonders geeignet für Patienten, die nachts eine kontinuierliche Wirkung benötigen.

Tabletten

In seltenen Fällen wird Pilocarpin in Tablettenform zur Behandlung von Mundtrockenheit (Xerostomie) bei Sjögren-Syndrom oder nach Strahlentherapie eingesetzt.

Wirkungsweise von Pilocarpin

Die Wirkung von Pilocarpin beruht auf der Stimulation cholinerger Rezeptoren, insbesondere der Muskarinrezeptoren. Diese Rezeptoren befinden sich in verschiedenen Geweben des Auges und spielen eine wichtige Rolle bei der Regulation des Augeninnendrucks.

Wirkmechanismus im Auge

1

Bindung an Rezeptoren

Pilocarpin bindet an Muskarinrezeptoren (M3-Rezeptoren) im Ziliarmuskel und in der Regenbogenhaut (Iris).

2

Kontraktion des Ziliarmuskels

Die Aktivierung führt zu einer Kontraktion des Ziliarmuskels, wodurch sich das Trabekelmaschenwerk öffnet und der Abfluss des Kammerwassers verbessert wird.

3

Pupillenverengung (Miosis)

Gleichzeitig verengt sich die Pupille durch Kontraktion des Musculus sphincter pupillae, was zusätzlich den Kammerwasserabfluss begünstigt.

4

Senkung des Augeninnendrucks

Durch den verbesserten Abfluss sinkt der Augeninnendruck innerhalb von 30-60 Minuten um durchschnittlich 20-30%.

30-60 Min

Wirkungseintritt nach Anwendung von Pilocarpin-Augentropfen

Anwendungsgebiete

Primäres Offenwinkelglaukom

Das primäre Offenwinkelglaukom ist die häufigste Form des Glaukoms und betrifft in Deutschland etwa 1-2% der Bevölkerung über 40 Jahre. Bei dieser Erkrankung ist der Abfluss des Kammerwassers chronisch gestört, was zu einem erhöhten Augeninnendruck und langfristig zu Schädigungen des Sehnervs führt. Pilocarpin wird hier eingesetzt, um:

  • Den Augeninnendruck zu senken und auf einem normalen Niveau zu halten (10-21 mmHg)
  • Das Fortschreiten der Erkrankung zu verlangsamen
  • Den Sehnerv vor weiteren Schädigungen zu schützen
  • Das Gesichtsfeld zu erhalten

Akuter Winkelblock (Glaukomanfall)

Der akute Winkelblock ist ein augenärztlicher Notfall, bei dem der Kammerwinkel plötzlich verlegt wird und der Augeninnendruck innerhalb kurzer Zeit auf Werte über 40-60 mmHg ansteigen kann. Pilocarpin spielt hier eine wichtige Rolle in der Notfallbehandlung:

Notfall-Anwendung: Bei einem akuten Glaukomanfall wird Pilocarpin hochdosiert (2-4%) eingesetzt, um die Pupille zu verengen und den Kammerwinkel zu öffnen. Dies ist jedoch nur eine Erstmaßnahme – die definitive Behandlung erfordert meist einen laserchirurgischen oder operativen Eingriff.

Weitere Anwendungsgebiete

Engwinkelglaukom-Prophylaxe

Bei Patienten mit anatomisch engen Kammerwinkeln kann Pilocarpin vorbeugend eingesetzt werden, um einem Glaukomanfall vorzubeugen.

Nach Augenoperationen

Zur Pupillenverengung nach bestimmten Augenoperationen oder bei medikamentös bedingter Pupillenerweiterung.

Sjögren-Syndrom

In Tablettenform zur Behandlung von Mundtrockenheit bei dieser Autoimmunerkrankung (5 mg, 3-4 mal täglich).

Dosierung und Anwendung

Die Dosierung von Pilocarpin muss individuell angepasst werden und hängt von der Schwere der Erkrankung, dem Ansprechen auf die Behandlung und der Verträglichkeit ab. Eine ärztliche Überwachung ist während der gesamten Therapie erforderlich.

Indikation Konzentration Dosierung Häufigkeit
Chronisches Offenwinkelglaukom 0,5% – 2% 1-2 Tropfen 3-4 mal täglich
Akuter Glaukomanfall 2% – 4% 1 Tropfen Alle 5-10 Minuten initial
Engwinkel-Prophylaxe 1% – 2% 1 Tropfen 2-3 mal täglich
Nach Pupillenerweiterung 1% 1 Tropfen Einmalig bis 2-mal

Richtige Anwendung von Augentropfen

Schritt-für-Schritt Anleitung

Hände waschen: Reinigen Sie Ihre Hände gründlich mit Seife und Wasser, um Infektionen zu vermeiden.
Kopf zurücklegen: Neigen Sie den Kopf nach hinten und ziehen Sie das untere Augenlid vorsichtig nach unten, um eine Tasche zu bilden.
Tropfen einbringen: Halten Sie die Flasche über dem Auge und drücken Sie einen Tropfen in die gebildete Tasche. Vermeiden Sie den Kontakt der Flaschenspitze mit dem Auge.
Auge schließen: Schließen Sie das Auge für 1-2 Minuten und drücken Sie leicht auf den inneren Augenwinkel, um ein Abfließen in die Nase zu verhindern.
Überschüssige Flüssigkeit entfernen: Tupfen Sie überschüssige Tropfen mit einem sauberen Tuch ab.

Nebenwirkungen von Pilocarpin

Wie alle Medikamente kann auch Pilocarpin Nebenwirkungen verursachen. Die Häufigkeit und Schwere variieren individuell und sind oft dosisabhängig. Die meisten Nebenwirkungen betreffen das Auge selbst, systemische Nebenwirkungen sind seltener.

Häufige Nebenwirkungen (>1/10)

Sehstörungen
  • Verschwommenes Sehen, besonders in der Dämmerung
  • Eingeschränkte Nachtsicht durch verengte Pupille
  • Akkommodationskrämpfe
  • Schwierigkeiten beim Fokussieren
Augenbeschwerden
  • Brennen und Stechen nach Anwendung
  • Tränenfluss
  • Rötung der Bindehaut
  • Lidkrämpfe (Blepharospasmus)
Kopfschmerzen
  • Stirnkopfschmerzen
  • Schmerzen um die Augen herum
  • Besonders zu Beginn der Therapie
  • Meist nach 1-2 Wochen abklingend

Gelegentliche Nebenwirkungen (1/100 bis 1/10)

  • Kurzsichtigkeit: Vorübergehende Myopie durch Akkommodationsspasmus
  • Netzhautablösung: Besonders bei Risikopatienten mit hoher Myopie
  • Iritis/Uveitis: Entzündliche Reaktionen im Auge
  • Linsentrübung: Bei Langzeitanwendung möglich
  • Schwitzen: Besonders im Gesichtsbereich
  • Speichelfluss: Erhöhte Speichelproduktion

Seltene aber schwerwiegende Nebenwirkungen (<1/100)

Systemische Nebenwirkungen

Bei systemischer Aufnahme (besonders bei höheren Dosen oder bei Anwendung ohne Tränenpunkt-Kompression) können auftreten:

  • Bronchospasmus (Verengung der Atemwege)
  • Bradykardie (verlangsamter Herzschlag)
  • Blutdruckabfall
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Durchfall und Bauchkrämpfe
  • Vermehrtes Schwitzen am ganzen Körper

Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen

Absolute Kontraindikationen

Pilocarpin darf in folgenden Situationen nicht angewendet werden:

  • Überempfindlichkeit: Bekannte Allergie gegen Pilocarpin oder einen der Hilfsstoffe
  • Akute Iritis/Uveitis: Entzündung der Regenbogenhaut oder mittleren Augenhaut
  • Unkontrolliertes Asthma bronchiale: Risiko schwerer Bronchospasmen
  • Akuter Herzinfarkt: In der akuten Phase kontraindiziert
  • Mechanische Verlegungen im Magen-Darm-Trakt: Bei Tablettenform

Relative Kontraindikationen und Vorsicht

Netzhautprobleme

Besondere Vorsicht bei Patienten mit Netzhautlöchern, -rissen oder hoher Myopie wegen des Risikos einer Netzhautablösung. Regelmäßige Kontrollen erforderlich.

Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Bei Patienten mit Herzrhythmusstörungen, Bradykardie oder Hypotonie sollte die Anwendung nur unter engmaschiger Kontrolle erfolgen.

Atemwegserkrankungen

Vorsicht bei Asthma, COPD oder anderen obstruktiven Lungenerkrankungen wegen der Gefahr von Bronchospasmen.

Magen-Darm-Erkrankungen

Bei Magengeschwüren, entzündlichen Darmerkrankungen oder Gallensteinen ist Vorsicht geboten.

Anwendung in besonderen Patientengruppen

Schwangerschaft und Stillzeit

Die Datenlage zur Anwendung von Pilocarpin in der Schwangerschaft ist begrenzt. Tierexperimentelle Studien haben keine eindeutigen Hinweise auf fruchtschädigende Wirkungen ergeben, dennoch sollte die Anwendung nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.

Empfehlung: In der Schwangerschaft sollte Pilocarpin nur angewendet werden, wenn es unbedingt erforderlich ist. In der Stillzeit ist Vorsicht geboten, da der Wirkstoff möglicherweise in die Muttermilch übergeht. Alternative Behandlungsmöglichkeiten sollten mit dem Arzt besprochen werden.

Kinder und Jugendliche

Bei Kindern wird Pilocarpin seltener eingesetzt, da das Glaukom in dieser Altersgruppe weniger häufig vorkommt. Wenn eine Anwendung notwendig ist, sollten niedrigere Konzentrationen (0,5-1%) verwendet werden, und die Dosierung muss besonders sorgfältig überwacht werden.

Ältere Patienten

Bei älteren Patienten ist keine generelle Dosisanpassung erforderlich, jedoch sollte die Behandlung aufgrund möglicherweise bestehender Begleiterkrankungen und Komedikationen besonders sorgfältig überwacht werden.

Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten

Pilocarpin kann mit verschiedenen anderen Medikamenten interagieren, was die Wirkung verstärken, abschwächen oder zusätzliche Nebenwirkungen verursachen kann.

Wichtige Arzneimittelinteraktionen

Medikamentengruppe Wirkung der Kombination Klinische Bedeutung
Anticholinergika (z.B. Atropin, Tropicamid) Gegenseitige Wirkungsabschwächung Vermeiden oder zeitlich versetzen
Betablocker (systemisch oder als Augentropfen) Verstärkte Augendrucksenkung, mögliche Bradykardie Engmaschige Kontrolle erforderlich
Cholinesterasehemmer (z.B. bei Myasthenia gravis) Verstärkte cholinerge Wirkung Dosisanpassung möglich
Carboanhydrasehemmer (z.B. Acetazolamid) Additive Augendrucksenkung Kann therapeutisch genutzt werden
Prostaglandin-Analoga (z.B. Latanoprost) Additive Augendrucksenkung Häufige Kombination in der Praxis

Interaktionen mit anderen Augentropfen

Wenn mehrere Augentropfen gleichzeitig angewendet werden müssen, sollte zwischen den einzelnen Anwendungen ein Abstand von mindestens 5-10 Minuten eingehalten werden. Dies verhindert, dass ein Tropfen den anderen aus dem Auge spült und gewährleistet eine optimale Aufnahme aller Wirkstoffe.

Reihenfolge der Anwendung: Wenn Augentropfen und Augengel kombiniert werden, sollten zuerst die Tropfen und danach das Gel angewendet werden, da das Gel länger im Auge verbleibt und eine Barriere bilden könnte.

Besondere Hinweise zur Anwendung

Auswirkungen auf die Verkehrstüchtigkeit

Pilocarpin kann die Sehfähigkeit erheblich beeinträchtigen, insbesondere in den ersten Stunden nach der Anwendung und bei Dämmerung oder Dunkelheit. Die medikamentös verengte Pupille lässt weniger Licht ins Auge, was das Sehen bei schlechten Lichtverhältnissen erschwert.

Wichtiger Sicherheitshinweis: Nach der Anwendung von Pilocarpin sollten Sie mindestens 1-2 Stunden warten, bevor Sie aktiv am Straßenverkehr teilnehmen oder Maschinen bedienen. Besonders nachts oder in der Dämmerung ist die Sehfähigkeit eingeschränkt. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt, wie Sie Ihre täglichen Aktivitäten am besten planen können.

Kontaktlinsen

Während der Behandlung mit Pilocarpin-Augentropfen sollten grundsätzlich keine Kontaktlinsen getragen werden. Falls das Tragen von Kontaktlinsen unumgänglich ist, müssen diese vor der Anwendung entfernt und dürfen frühestens 15 Minuten nach der Anwendung wieder eingesetzt werden.

Langzeitanwendung und Kontrollen

Bei einer Langzeittherapie mit Pilocarpin sind regelmäßige augenärztliche Kontrollen unerlässlich:

Empfohlene Kontrolluntersuchungen

Augeninnendruckmessung: Alle 3-6 Monate zur Überprüfung der Wirksamkeit
Gesichtsfelduntersuchung: Jährlich zur Früherkennung von Gesichtsfeldausfällen
Sehnervenkontrolle (Papillenbeurteilung): Alle 6-12 Monate
Netzhautuntersuchung: Jährlich, besonders bei Myopie
Linsenkontrolle: Regelmäßig zur Früherkennung von Linsentrübungen

Alternativen zu Pilocarpin

In den letzten Jahrzehnten wurden zahlreiche neue Glaukom-Medikamente entwickelt, die in vielen Fällen besser verträglich sind und seltener angewendet werden müssen. Pilocarpin wird heute häufig als Zusatzmedikation eingesetzt, wenn andere Wirkstoffe allein nicht ausreichend wirksam sind.

Moderne Glaukom-Therapie

Wirkstoffgruppe Beispiele Vorteile Anwendung
Prostaglandin-Analoga Latanoprost, Tafluprost, Travoprost Sehr wirksam, 1x täglich, gut verträglich Meist Erstlinientherapie
Betablocker Timolol, Betaxolol Gut wirksam, kostengünstig 2x täglich
Alpha-2-Agonisten Brimonidin Zusätzliche neuroprotektive Wirkung 2-3x täglich
Carboanhydrasehemmer Dorzolamid, Brinzolamid Alternative bei Kontraindikationen für Betablocker 2-3x täglich
Parasympathomimetika Pilocarpin Wirksam bei Engwinkelglaukom 3-4x täglich

Wann ist Pilocarpin die beste Wahl?

Engwinkelglaukom

Pilocarpin ist besonders wirksam bei Engwinkelglaukom, da es durch die Pupillenverengung den Kammerwinkel öffnet – ein Effekt, den andere Glaukom-Medikamente nicht haben.

Kombinations-Therapie

Wenn andere Medikamente den Augeninnendruck nicht ausreichend senken, kann Pilocarpin als Zusatzmedikation wirksam sein.

Kontraindikationen für andere Wirkstoffe

Bei Unverträglichkeit oder Kontraindikationen für modernere Glaukom-Medikamente kann Pilocarpin eine Alternative sein.

Aufbewahrung und Haltbarkeit

Die richtige Lagerung von Pilocarpin-Augentropfen ist wichtig für die Wirksamkeit und Sicherheit des Medikaments:

Lagerungshinweise

  • Temperatur: Bei Raumtemperatur (15-25°C) lagern, nicht einfrieren
  • Licht: Vor direkter Sonneneinstrahlung schützen
  • Feuchtigkeit: Flasche fest verschlossen halten
  • Haltbarkeit nach Anbruch: Geöffnete Augentropfen sind in der Regel 4 Wochen haltbar
  • Verfallsdatum beachten: Nicht nach Ablauf des Verfallsdatums verwenden
  • Aufbewahrung: Außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren

Erkennung von verdorbenen Augentropfen

Verwenden Sie die Augentropfen nicht mehr, wenn:

  • Die Lösung verfärbt oder trüb geworden ist
  • Flocken oder Partikel sichtbar sind
  • Das Verfallsdatum überschritten ist
  • Die Flasche länger als 4 Wochen geöffnet ist
  • Die Tropferspitze beschädigt oder verunreinigt wurde

Kosten und Verfügbarkeit

Pilocarpin ist in Deutschland verschreibungspflichtig und wird von den gesetzlichen Krankenkassen im Rahmen der Glaukom-Therapie erstattet. Die Kosten variieren je nach Hersteller, Packungsgröße und Konzentration.

Wirtschaftliche Aspekte: Pilocarpin gehört zu den kostengünstigeren Glaukom-Medikamenten. Eine Packung mit 10 ml Augentropfen kostet zwischen 8 und 15 Euro, je nach Konzentration und Hersteller. Generika sind verfügbar und noch günstiger.

Verfügbare Präparate in Deutschland

In Deutschland sind verschiedene Pilocarpin-Präparate erhältlich, sowohl als Originalpräparate als auch als Generika. Die häufigsten Konzentrationen sind 1%, 2% und 4%. Ihr Augenarzt wird die für Sie geeignete Konzentration und das passende Präparat auswählen.

Praktische Tipps für Patienten

Verbesserung der Verträglichkeit

Anwendungszeitpunkt

Wenden Sie Pilocarpin möglichst abends an, damit die stärksten Sehbeeinträchtigungen in die Schlafenszeit fallen. Besprechen Sie mit Ihrem Arzt einen individuellen Anwendungsplan.

Kühlschrank-Lagerung

Manche Patienten empfinden gekühlte Augentropfen als angenehmer. Die Lagerung im Kühlschrank ist möglich, aber nicht erforderlich.

Erinnerungshilfen

Nutzen Sie Smartphone-Apps, Wecker oder Medikamentendosen mit Zeitfächern, um keine Anwendung zu vergessen.

Angehörige einbeziehen

Lassen Sie sich von Familienangehörigen bei der Anwendung helfen, wenn Sie Schwierigkeiten haben, die Tropfen selbst zu verabreichen.

Umgang mit Nebenwirkungen

Was tun bei Beschwerden?

Kopfschmerzen: Meist vorübergehend, klingen nach 1-2 Wochen ab. Bei Bedarf können Sie nach Rücksprache mit dem Arzt Schmerzmittel einnehmen.
Sehstörungen: Passen Sie Ihre Aktivitäten an, vermeiden Sie Autofahren bei Dämmerung. Bessere Beleuchtung zu Hause kann helfen.
Brennen nach Anwendung: Meist nur kurz, verschwindet nach wenigen Minuten. Gekühlte Augentropfen können angenehmer sein.
Anhaltende Beschwerden: Kontaktieren Sie Ihren Augenarzt, wenn Nebenwirkungen länger anhalten oder sich verschlimmern.

Aktuelle Forschung und Entwicklungen

Obwohl Pilocarpin ein sehr altes Medikament ist, gibt es weiterhin Forschungsaktivitäten, um die Anwendung zu verbessern und neue Einsatzgebiete zu erschließen:

Neue Darreichungsformen

Forscher arbeiten an innovativen Darreichungsformen, die die Anwendungshäufigkeit reduzieren und die Verträglichkeit verbessern könnten:

  • Langzeit-Depot-Systeme: Implantate oder Kontaktlinsen, die Pilocarpin über mehrere Wochen kontinuierlich freisetzen
  • Nanopartikel-Formulierungen: Verbesserte Aufnahme und längere Wirkdauer
  • Kombinationspräparate: Fixkombinationen mit anderen Glaukom-Medikamenten in einer Flasche

Neue Anwendungsgebiete

Aktuelle Studien untersuchen den Einsatz von Pilocarpin bei weiteren Erkrankungen:

Trockenes Auge

Niedrig dosiertes Pilocarpin könnte die Tränenproduktion anregen und bei bestimmten Formen des trockenen Auges helfen.

Strahlenbedingte Speicheldrüsenschädigung

Tabletten werden bereits bei Mundtrockenheit nach Kopf-Hals-Bestrahlung eingesetzt, weitere Indikationen werden erforscht.

Neurologische Erkrankungen

Mögliche Anwendung bei bestimmten Formen von Pupillenstörungen und autonomen Funktionsstörungen.

Zusammenfassung

Pilocarpin ist ein bewährtes und wirksames Medikament zur Behandlung des Glaukoms, insbesondere des Engwinkelglaukoms. Trotz der Verfügbarkeit modernerer Alternativen hat es weiterhin seinen festen Platz in der Glaukom-Therapie, vor allem als Zusatzmedikation oder bei speziellen Indikationen.

Kernpunkte zur Pilocarpin-Therapie

  • Wirksame Senkung des Augeninnendrucks durch Verbesserung des Kammerwasserabflusses
  • Besonders geeignet bei Engwinkelglaukom
  • Anwendung 3-4 mal täglich erforderlich
  • Häufigste Nebenwirkungen: Sehstörungen, Kopfschmerzen, Augenbrennen
  • Regelmäßige augenärztliche Kontrollen unerlässlich
  • Korrekte Anwendungstechnik wichtig für optimale Wirkung
  • Vorsicht im Straßenverkehr, besonders bei Dämmerung

Die Behandlung mit Pilocarpin erfordert Geduld und konsequente Anwendung. Sprechen Sie mit Ihrem Augenarzt über alle Fragen und Bedenken bezüglich Ihrer Therapie. Eine gute Zusammenarbeit zwischen Patient und Arzt ist der Schlüssel zum Erfolg der Glaukom-Behandlung und zum Erhalt Ihrer Sehkraft.

Was ist Pilocarpin und wofür wird es verwendet?

Pilocarpin ist ein Wirkstoff aus der Gruppe der Parasympathomimetika, der hauptsächlich als Augentropfen zur Behandlung des Glaukoms (Grüner Star) eingesetzt wird. Es senkt den Augeninnendruck durch Verbesserung des Kammerwasserabflusses und Verengung der Pupille. Besonders wirksam ist Pilocarpin bei Engwinkelglaukom und als Notfallmedikament bei akutem Glaukomanfall.

Wie oft muss Pilocarpin angewendet werden?

Die übliche Anwendungshäufigkeit von Pilocarpin-Augentropfen liegt bei 3-4 mal täglich, je nach Schwere der Erkrankung und Konzentration des Präparats. Bei akutem Glaukomanfall kann initial alle 5-10 Minuten getropft werden. Die genaue Dosierung und Häufigkeit wird individuell vom Augenarzt festgelegt und sollte konsequent eingehalten werden.

Welche Nebenwirkungen hat Pilocarpin?

Die häufigsten Nebenwirkungen von Pilocarpin sind verschwommenes Sehen, eingeschränkte Nachtsicht durch die verengte Pupille, Kopfschmerzen sowie Brennen und Rötung des Auges nach der Anwendung. Diese Beschwerden sind meist vorübergehend und bessern sich nach 1-2 Wochen. Seltener können systemische Nebenwirkungen wie Schwitzen, Speichelfluss oder bei empfindlichen Patienten Atembeschwerden auftreten.

Kann ich mit Pilocarpin Auto fahren?

Die Verkehrstüchtigkeit kann durch Pilocarpin erheblich eingeschränkt sein, besonders in den ersten Stunden nach der Anwendung und bei Dämmerung oder Dunkelheit. Die verengte Pupille lässt weniger Licht ins Auge, was das Sehen bei schlechten Lichtverhältnissen erschwert. Sie sollten mindestens 1-2 Stunden nach der Anwendung warten und nachts besonders vorsichtig sein oder auf das Fahren verzichten.

Gibt es moderne Alternativen zu Pilocarpin?

Ja, es gibt zahlreiche moderne Glaukom-Medikamente, die oft besser verträglich sind und seltener angewendet werden müssen. Dazu gehören Prostaglandin-Analoga (1x täglich), Betablocker, Alpha-2-Agonisten und Carboanhydrasehemmer. Pilocarpin hat jedoch weiterhin seinen Stellenwert, besonders bei Engwinkelglaukom oder als Zusatzmedikation, wenn andere Wirkstoffe allein nicht ausreichend wirksam sind.


Letzte Bearbeitung am Montag, 1. Dezember 2025 – 10:47 Uhr von Alex, Webmaster von med-nebenwirkungen.de.

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