Cotrimoxazol ist ein bewährtes Kombinationspräparat aus zwei antibakteriellen Wirkstoffen, das seit Jahrzehnten erfolgreich zur Behandlung verschiedener bakterieller Infektionen eingesetzt wird. Dieser Beipackzettel informiert Sie umfassend über die richtige Anwendung, Dosierung und mögliche Nebenwirkungen von Cotrimoxazol. Erfahren Sie, wann das Medikament eingesetzt wird, wie es wirkt und worauf Sie bei der Einnahme besonders achten sollten.
⚕️ Medizinischer Hinweis zu Cotrimoxazol Beipackzettel – Dosierung | Nebenwirkungen
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Was ist Cotrimoxazol?
Cotrimoxazol ist ein antibakterielles Kombinationspräparat, das aus zwei Wirkstoffen besteht: Sulfamethoxazol und Trimethoprim. Diese beiden Substanzen wirken synergistisch zusammen und verstärken ihre antibakterielle Wirkung gegenseitig. Das Mischungsverhältnis beträgt dabei 5:1 (Sulfamethoxazol zu Trimethoprim), was sich als besonders effektiv erwiesen hat.
Wichtige Information zur Wirkstoffkombination
Die Kombination von Sulfamethoxazol und Trimethoprim greift Bakterien an zwei verschiedenen Stellen ihres Stoffwechsels an. Dadurch wird die Entwicklung von Resistenzen erschwert und die antibakterielle Wirkung deutlich verstärkt. Diese Synergie macht Cotrimoxazol zu einem besonders wirksamen Antibiotikum.
Zusammensetzung und Darreichungsformen
| Darreichungsform | Sulfamethoxazol | Trimethoprim | Anwendung |
|---|---|---|---|
| Tablette forte | 800 mg | 160 mg | Erwachsene und Jugendliche |
| Tablette normal | 400 mg | 80 mg | Kinder ab 6 Jahren |
| Suspension (5 ml) | 200 mg | 40 mg | Säuglinge und Kleinkinder |
| Infusionslösung | 400 mg | 80 mg | Stationäre Behandlung |
Anwendungsgebiete von Cotrimoxazol
Cotrimoxazol wird zur Behandlung verschiedener bakterieller Infektionen eingesetzt, bei denen die verursachenden Bakterien nachweislich empfindlich gegenüber diesem Wirkstoff sind. Die Anwendung sollte immer auf Basis einer ärztlichen Diagnose erfolgen.
Hauptindikationen
Atemwegsinfektionen
Akute Bronchitis: Bei bakterieller Ursache und nachgewiesener Empfindlichkeit
Pneumonie: Besonders bei Pneumocystis jirovecii (PCP) bei immungeschwächten Patienten
Exazerbation bei COPD: Zur Behandlung bakterieller Schübe
Harnwegsinfektionen
Akute Zystitis: Unkomplizierte Blasenentzündungen
Pyelonephritis: Nierenbeckenentzündungen
Rezidivierende HWI: Bei wiederholten Harnwegsinfekten
Magen-Darm-Infektionen
Bakterielle Enteritis: Durchfallerkrankungen bakteriellen Ursprungs
Typhus: In bestimmten Fällen als Alternative
Shigellosen: Bakterielle Ruhr
Weitere Indikationen
Toxoplasmose: Besonders bei Immunsuppression
Nocardiose: Seltene bakterielle Infektion
Prophylaxe: Bei immungeschwächten Patienten
Dosierung von Cotrimoxazol
Die Dosierung von Cotrimoxazol richtet sich nach dem Alter des Patienten, der Art und Schwere der Infektion sowie der Nierenfunktion. Eine individuelle Anpassung durch den behandelnden Arzt ist wichtig für den Therapieerfolg.
Standarddosierung für Erwachsene
Normalgewichtige Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren
Standarddosierung: 2-mal täglich 1 Tablette forte (960 mg) oder 2-mal täglich 2 Tabletten normal (960 mg)
Einnahmezeiten: Morgens und abends im Abstand von etwa 12 Stunden
Behandlungsdauer: In der Regel 5-7 Tage, bei schweren Infektionen bis zu 14 Tage
Dosierung bei Kindern
Säuglinge ab 6 Wochen bis 6 Monate
Dosierung: 2-mal täglich 2,5 ml Suspension
Entspricht: 100 mg Sulfamethoxazol + 20 mg Trimethoprim pro Dosis
Kinder 6 Monate bis 5 Jahre
Dosierung: 2-mal täglich 5 ml Suspension
Entspricht: 200 mg Sulfamethoxazol + 40 mg Trimethoprim pro Dosis
Kinder 6 bis 12 Jahre
Dosierung: 2-mal täglich 10 ml Suspension oder 2-mal täglich 1 Tablette normal
Entspricht: 400 mg Sulfamethoxazol + 80 mg Trimethoprim pro Dosis
Jugendliche ab 12 Jahren
Dosierung: Wie Erwachsene – 2-mal täglich 1 Tablette forte
Entspricht: 800 mg Sulfamethoxazol + 160 mg Trimethoprim pro Dosis
Spezielle Dosierungen
Bei Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie (PCP)
Behandlung: 3- bis 4-mal täglich 2 Tabletten forte (entspricht 15-20 mg Trimethoprim/kg Körpergewicht täglich) über 14-21 Tage
Prophylaxe: 1-mal täglich 1 Tablette forte oder 3-mal wöchentlich 2 Tabletten forte
Bei eingeschränkter Nierenfunktion
| Kreatinin-Clearance | Dosisanpassung | Einnahmeintervall |
|---|---|---|
| Über 30 ml/min | Normale Dosis | 2-mal täglich |
| 15-30 ml/min | Halbe Dosis | 2-mal täglich |
| Unter 15 ml/min | Kontraindiziert | Nicht anwenden |
Einnahmehinweise
Für eine optimale Wirkung und Verträglichkeit sollten folgende Einnahmeregeln beachtet werden:
- Mit ausreichend Flüssigkeit: Tabletten mit mindestens einem großen Glas Wasser einnehmen
- Zu den Mahlzeiten: Die Einnahme während oder nach den Mahlzeiten verbessert die Verträglichkeit
- Regelmäßige Intervalle: Möglichst gleichbleibende Einnahmezeiten einhalten (z.B. 8 Uhr und 20 Uhr)
- Ausreichend trinken: Während der Behandlung täglich mindestens 2 Liter Flüssigkeit zu sich nehmen
- Vollständige Therapie: Die verordnete Behandlungsdauer einhalten, auch wenn Symptome bereits abklingen
Nebenwirkungen von Cotrimoxazol
Wie alle Arzneimittel kann auch Cotrimoxazol Nebenwirkungen verursachen. Die Häufigkeit und Schwere können individuell sehr unterschiedlich sein. Bei schweren oder anhaltenden Nebenwirkungen sollte umgehend ein Arzt kontaktiert werden.
Häufigkeit von Nebenwirkungen
Sehr häufig (> 1 von 10)
- Erhöhte Kaliumwerte im Blut (Hyperkaliämie)
- Hautausschlag
- Übelkeit
Häufig (1 von 10 bis 1 von 100)
- Pilzinfektionen (oral, vaginal)
- Kopfschmerzen
- Durchfall
- Erbrechen
- Erhöhte Leberwerte
- Juckreiz
Gelegentlich (1 von 100 bis 1 von 1.000)
- Verminderung der weißen Blutkörperchen
- Verminderung der Blutplättchen
- Schwindel
- Appetitlosigkeit
- Allergische Reaktionen
- Nesselsucht
Schwerwiegende Nebenwirkungen
Sofort ärztliche Hilfe erforderlich bei:
- Stevens-Johnson-Syndrom: Schwere Hautreaktionen mit Blasenbildung, Fieber und Schleimhautbeteiligung
- Toxische epidermale Nekrolyse: Lebensbedrohliche Hautablösung
- Blutbildveränderungen: Ausgeprägte Verminderung von Blutzellen (Agranulozytose, aplastische Anämie)
- Schwere allergische Reaktionen: Atemnot, Schwellungen im Gesicht, Kreislaufprobleme
- Leberversagen: Gelbsucht, dunkler Urin, starke Müdigkeit
- Nierenversagen: Deutlich verminderte Urinausscheidung
Nebenwirkungen nach Organsystemen
Blut und Lymphsystem
- Verminderung der roten Blutkörperchen (Anämie)
- Verminderung der weißen Blutkörperchen (Leukopenie, Neutropenie)
- Verminderung der Blutplättchen (Thrombozytopenie)
- Megaloblastäre Anämie (bei Folsäuremangel)
- Hämolytische Anämie (bei G6PD-Mangel)
Immunsystem
- Allergische Reaktionen verschiedener Schweregrade
- Serumkrankheit-ähnliche Reaktionen
- Anaphylaktischer Schock (sehr selten)
- Arzneimittelfieber
- Lupus-ähnliches Syndrom
Nervensystem
- Kopfschmerzen
- Schwindel
- Periphere Neuropathie (Nervenschädigungen)
- Aseptische Meningitis (selten)
- Tremor (Zittern)
- Apathie und Depression
Magen-Darm-Trakt
- Übelkeit und Erbrechen
- Durchfall
- Appetitlosigkeit
- Bauchschmerzen
- Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)
- Pseudomembranöse Kolitis (schwere Darmentzündung)
- Stomatitis (Mundschleimhautentzündung)
Leber und Galle
- Erhöhte Leberwerte (Transaminasen)
- Gelbsucht (Ikterus)
- Leberfunktionsstörungen
- Hepatitis (Leberentzündung)
- Cholestatische Hepatitis
- Lebernekrose (sehr selten)
Haut und Unterhautgewebe
- Hautausschlag (makulopapulös)
- Juckreiz
- Lichtempfindlichkeit (Photosensibilität)
- Erythema multiforme
- Stevens-Johnson-Syndrom
- Toxische epidermale Nekrolyse (Lyell-Syndrom)
- DRESS-Syndrom (Drug Rash with Eosinophilia and Systemic Symptoms)
Nieren und Harnwege
- Erhöhte Kreatininwerte
- Interstitielle Nephritis
- Kristallurie (Kristallausscheidung im Urin)
- Nierenversagen
- Tubulusnekrose
Stoffwechsel
- Hyperkaliämie (erhöhte Kaliumwerte)
- Hyponatriämie (erniedrigte Natriumwerte)
- Hypoglykämie (erniedrigter Blutzucker)
- Hyperglykämie (erhöhter Blutzucker)
- Folsäuremangel bei Langzeittherapie
Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen
Absolute Gegenanzeigen
Cotrimoxazol darf nicht angewendet werden bei:
- Überempfindlichkeit: Bekannte Allergie gegen Sulfonamide oder Trimethoprim
- Schwerer Nierenfunktionsstörung: Kreatinin-Clearance unter 15 ml/min
- Schwerer Leberschädigung: Ausgeprägte Leberinsuffizienz
- Schweren Blutbildveränderungen: Bestehende Knochenmarkschädigung
- G6PD-Mangel: Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel (Favismus)
- Megaloblastärer Anämie: Durch Folsäuremangel bedingt
- Neugeborenen: Erste 6 Lebenswochen (Ausnahme: PCP-Therapie)
- Schwangerschaft: Besonders im ersten und letzten Trimenon
Relative Gegenanzeigen – Besondere Vorsicht erforderlich
Eingeschränkte Nierenfunktion
Bei mäßiger Niereninsuffizienz ist eine Dosisanpassung erforderlich. Regelmäßige Kontrolle der Nierenwerte notwendig.
Leberfunktionsstörungen
Bei leichter bis mäßiger Leberinsuffizienz engmaschige Überwachung der Leberwerte durchführen.
Folsäuremangel
Patienten mit Mangelernährung, chronischem Alkoholkonsum oder Malabsorption benötigen eventuell Folsäure-Supplementierung.
Bronchialasthma
Erhöhtes Risiko für allergische Reaktionen – sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich.
Porphyrie
Kann akute Porphyrie-Attacken auslösen – nur nach strenger Indikationsstellung anwenden.
Schilddrüsenerkrankungen
Kann Schilddrüsenfunktionstests beeinflussen – Überwachung der Schilddrüsenwerte empfohlen.
Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft
Erstes Trimenon: Cotrimoxazol ist kontraindiziert. Trimethoprim wirkt als Folsäure-Antagonist und kann theoretisch zu Neuralrohrdefekten führen.
Zweites Trimenon: Anwendung nur bei zwingender Notwendigkeit und fehlenden Alternativen. Strenge Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich.
Drittes Trimenon: Kontraindiziert, besonders ab der 32. Schwangerschaftswoche. Risiko für Kernikterus beim Neugeborenen durch Verdrängung von Bilirubin aus der Plasmaproteinbindung.
Stillzeit
Cotrimoxazol geht in die Muttermilch über. Die Anwendung während der Stillzeit wird nicht empfohlen, da beim Säugling das Risiko für Kernikterus und hämolytische Anämie besteht. Bei zwingender Behandlungsnotwendigkeit sollte abgestillt werden.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Cotrimoxazol kann mit zahlreichen anderen Arzneimitteln interagieren. Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, die Sie einnehmen, einschließlich rezeptfreier Präparate und Nahrungsergänzungsmittel.
Wichtige Arzneimittelinteraktionen
Verstärkung der Wirkung von Cotrimoxazol
Diuretika
Interaktion: Thiaziddiuretika erhöhen das Risiko für Thrombozytopenie und Blutungen, besonders bei älteren Patienten.
Maßnahme: Engmaschige Blutbildkontrollen durchführen
ACE-Hemmer & Sartane
Interaktion: Erhöhtes Risiko für Hyperkaliämie (zu hohe Kaliumwerte), besonders bei Niereninsuffizienz.
Maßnahme: Regelmäßige Kontrolle der Kaliumwerte
Methotrexat
Interaktion: Cotrimoxazol erhöht die Toxizität von Methotrexat durch Verdrängung aus der Proteinbindung.
Maßnahme: Kombination möglichst vermeiden oder Methotrexat-Dosis reduzieren
Phenytoin
Interaktion: Verlangsamter Abbau von Phenytoin kann zu toxischen Spiegeln führen.
Maßnahme: Phenytoin-Spiegel überwachen, ggf. Dosisanpassung
Verstärkung der Wirkung anderer Medikamente
Orale Antikoagulanzien (Warfarin)
Cotrimoxazol verstärkt die gerinnungshemmende Wirkung. Engmaschige INR-Kontrollen erforderlich, Dosisanpassung meist notwendig.
Orale Antidiabetika (Sulfonylharnstoffe)
Verstärkte blutzuckersenkende Wirkung mit Hypoglykämie-Risiko. Häufigere Blutzuckerkontrollen durchführen.
Digoxin
Erhöhte Digoxin-Spiegel möglich, besonders bei älteren Patienten. Digoxin-Spiegel kontrollieren.
Ciclosporin
Erhöhtes Risiko für Nierenfunktionsstörungen. Nierenwerte und Ciclosporin-Spiegel überwachen.
Pyrimethamin
Erhöhtes Risiko für megaloblastäre Anämie. Blutbildkontrollen intensivieren, Folsäure-Gabe erwägen.
Amiodaron
Erhöhtes Risiko für ventrikuläre Arrhythmien. EKG-Kontrollen durchführen.
Abschwächung der Wirkung
- Rifampicin: Beschleunigter Abbau von Trimethoprim – Wirksamkeit kann verringert sein
- Antazida: Verminderte Aufnahme bei gleichzeitiger Einnahme – zeitlichen Abstand einhalten
- Procain und Benzocain: Lokalanästhetika können die Wirkung von Cotrimoxazol abschwächen
Laborwertveränderungen
Cotrimoxazol kann verschiedene Laborwerte beeinflussen:
- Kreatinin: Falsch erhöhte Werte ohne tatsächliche Nierenfunktionsstörung möglich
- Kalium: Häufig erhöhte Werte durch kaliumsparende Wirkung
- Schilddrüsenhormone: Kann TSH-Werte beeinflussen
- Folsäure: Erniedrigte Werte bei Langzeittherapie
- Leberwerte: Vorübergehende Erhöhung von Transaminasen möglich
Überdosierung
Symptome einer Überdosierung
Akute Überdosierung kann folgende Symptome verursachen:
- Übelkeit, Erbrechen und Durchfall
- Kopfschmerzen, Schwindel und Verwirrtheit
- Sehstörungen
- Kristallurie (Kristalle im Urin) bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr
- Knochenmarkdepression mit Blutbildveränderungen
- Elektrolytstörungen, besonders Hyperkaliämie
- Nieren- und Leberschäden bei schwerer Überdosierung
Maßnahmen bei Überdosierung
Bei Verdacht auf Überdosierung sofort einen Arzt kontaktieren oder den Giftnotruf anrufen!
- Magenentleerung: Innerhalb der ersten Stunde nach Einnahme sinnvoll
- Aktivkohle: Zur Bindung noch nicht resorbierter Wirkstoffe
- Forcierte Diurese: Ausreichende Flüssigkeitszufuhr zur Förderung der Ausscheidung
- Urinalkalisierung: Durch Natriumbicarbonat zur besseren Ausscheidung von Sulfonamiden
- Folinsäure: Bei Knochenmarkdepression zur Antagonisierung der Trimethoprim-Wirkung
- Hämodialyse: Bei schwerer Überdosierung oder Nierenversagen zur Elimination von Trimethoprim
- Symptomatische Behandlung: Überwachung und Behandlung von Elektrolytstörungen, Blutbildveränderungen
Besondere Patientengruppen
Ältere Patienten
Bei älteren Patienten ist besondere Vorsicht geboten, da das Risiko für schwerwiegende Nebenwirkungen erhöht ist:
- Höheres Risiko für Hyperkaliämie, besonders bei gleichzeitiger Einnahme von ACE-Hemmern oder Sartanen
- Erhöhtes Risiko für Thrombozytopenie und Blutungen
- Häufigere schwere Hautreaktionen
- Oft eingeschränkte Nierenfunktion – Dosisanpassung erforderlich
- Engmaschigere Kontrollen von Blutbild, Nieren- und Leberwerten notwendig
Kinder und Jugendliche
Bei der Anwendung bei Kindern sollten folgende Punkte beachtet werden:
- Nicht anwenden: Bei Säuglingen unter 6 Wochen (außer zur PCP-Behandlung)
- Gewichtsadaptierte Dosierung: Genaue Berechnung nach Körpergewicht notwendig
- Darreichungsform: Bei jüngeren Kindern Suspension bevorzugen
- Ausreichend Flüssigkeit: Besonders wichtig zur Vermeidung von Kristallurie
- Längere Behandlung: Bei Therapie über 2 Wochen Blutbildkontrollen durchführen
Patienten mit Niereninsuffizienz
| Nierenfunktion (GFR) | Dosisanpassung | Kontrollmaßnahmen |
|---|---|---|
| GFR > 30 ml/min | Normale Dosis möglich | Regelmäßige Nierenwertkontrollen |
| GFR 15-30 ml/min | Halbe Dosis empfohlen | Engmaschige Überwachung, Dosisanpassung nach Spiegeln |
| GFR < 15 ml/min | Kontraindiziert | Alternative Antibiotika wählen |
| Dialysepatienten | Nach Dialyse zusätzliche Dosis | Spiegelbestimmung sinnvoll |
Patienten mit Lebererkrankungen
Bei Leberfunktionsstörungen:
- Leichte bis mäßige Störungen: Anwendung möglich unter engmaschiger Kontrolle der Leberwerte
- Schwere Leberinsuffizienz: Kontraindiziert
- Regelmäßige Kontrollen: Leberwerte vor Behandlungsbeginn und während der Therapie überwachen
- Bei Verschlechterung: Therapie sofort abbrechen
Aufbewahrung und Haltbarkeit
Lagerungsbedingungen
Richtige Aufbewahrung von Cotrimoxazol
- Temperatur: Nicht über 25°C lagern, vor Hitze schützen
- Licht: In der Originalverpackung aufbewahren, um den Inhalt vor Licht zu schützen
- Feuchtigkeit: Trocken lagern, Blisterpackungen nicht öffnen bis zur Einnahme
- Kindersicherheit: Außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren
- Suspension: Angebrochene Suspension maximal 14 Tage bei Raumtemperatur haltbar
Haltbarkeit
- Tabletten: Siehe Verfalldatum auf der Verpackung, in der Regel 3-5 Jahre
- Trockensaft: Ungeöffnet gemäß Verfalldatum, nach Zubereitung nur 14 Tage haltbar
- Nach Ablauf: Nicht mehr verwenden – über die Apotheke entsorgen
- Entsorgung: Nicht über Abwasser oder Hausmüll entsorgen, Rückgabe in der Apotheke
Kontrollen während der Therapie
Notwendige Laborkontrollen
Vor Therapiebeginn
Blutbild: Komplettes Blutbild mit Differentialblutbild
Nierenwerte: Kreatinin, Harnstoff, GFR
Leberwerte: GOT, GPT, Bilirubin
Elektrolyte: Besonders Kalium
Während Kurzzeittherapie
Bei Risikopatien: Kontrolle nach 3-5 Tagen
Normale Patienten: Keine routinemäßigen Kontrollen bei kurzer Therapie
Bei Symptomen: Sofortige Kontrolle bei Auftreten von Nebenwirkungen
Bei Langzeittherapie
Blutbild: Alle 2-4 Wochen
Nieren-/Leberwerte: Monatlich
Elektrolyte: Alle 2 Wochen
Folsäure: Bei Bedarf supplementieren
Bei Hochdosistherapie (PCP)
Blutbild: Mindestens 2x wöchentlich
Nierenwerte: Alle 2-3 Tage
Kalium: Täglich überwachen
Klinische Kontrolle: Engmaschig
Warnsymptome für Therapieabbruch
Therapie sofort beenden und Arzt kontaktieren bei:
- Hautausschlag, besonders mit Blasenbildung oder Schleimhautbeteiligung
- Fieber, Halsschmerzen, Mundgeschwüre (Zeichen für Blutbildveränderungen)
- Unerklärliche Blutergüsse oder Blutungen
- Gelbfärbung von Haut oder Augen (Gelbsucht)
- Starke Atemnot oder Husten
- Schwere Durchfälle
- Deutlich verminderte Urinausscheidung
Resistenzentwicklung und rationaler Einsatz
Resistenzlage
Die Resistenzraten gegenüber Cotrimoxazol variieren je nach Region und bakteriellem Erreger erheblich. In Deutschland zeigen aktuelle Daten folgende Resistenzsituation:
- E. coli (Harnwegsinfekte): Resistenzrate etwa 20-30%, daher nicht mehr Mittel der ersten Wahl
- Pneumocystis jirovecii: Resistenzen sehr selten, weiterhin Mittel der Wahl
- Staphylococcus aureus: Variable Resistenzraten, Antibiogramm erforderlich
- Streptococcus pneumoniae: Zunehmende Resistenzen in einigen Regionen
Rationaler Antibiotikaeinsatz
Wichtige Grundsätze für den verantwortungsvollen Einsatz:
- Indikationsstellung: Nur bei gesicherter bakterieller Infektion einsetzen
- Antibiogramm: Bei schweren Infektionen Erregernachweis und Resistenztestung anstreben
- Therapiedauer: Verordnete Dauer einhalten, nicht vorzeitig abbrechen
- Dosierung: Ausreichend hoch dosieren, Unterdosierung fördert Resistenzen
- Alternativen prüfen: Bei hohen Resistenzraten andere Antibiotika bevorzugen
- Nicht teilen: Verordnetes Antibiotikum nicht an andere Personen weitergeben
Fazit und wichtige Hinweise
Cotrimoxazol ist ein wirksames antibakterielles Kombinationspräparat mit breitem Anwendungsspektrum. Die korrekte Dosierung und Beachtung der Anwendungshinweise sind entscheidend für den Therapieerfolg und die Vermeidung von Nebenwirkungen.
Wichtigste Punkte im Überblick:
- Cotrimoxazol kombiniert zwei Wirkstoffe, die synergistisch wirken
- Die Dosierung richtet sich nach Alter, Gewicht und Schwere der Infektion
- Ausreichende Flüssigkeitszufuhr während der Behandlung ist wichtig
- Nebenwirkungen können von leicht bis schwerwiegend reichen
- Bei Hautreaktionen, Fieber oder Blutungsneigung sofort ärztliche Hilfe suchen
- Nicht in Schwangerschaft und Stillzeit anwenden
- Viele Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglich
- Bei Nierenfunktionsstörungen Dosisanpassung erforderlich
- Vollständige Therapiedauer einhalten, auch bei Besserung der Symptome
- Regelmäßige Kontrollen bei Langzeittherapie notwendig
Haftungsausschluss: Dieser Beipackzettel dient der Information und ersetzt nicht das Beratungsgespräch mit Ihrem Arzt oder Apotheker. Bei Fragen zur Anwendung oder bei Auftreten von Nebenwirkungen wenden Sie sich bitte an medizinisches Fachpersonal. Die Informationen wurden nach bestem Wissen zusammengestellt, erheben aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Im Zweifelsfall gilt die offizielle Fachinformation des Herstellers.
Was ist Cotrimoxazol und wofür wird es angewendet?
Cotrimoxazol ist ein antibakterielles Kombinationspräparat aus Sulfamethoxazol und Trimethoprim im Verhältnis 5:1. Es wird zur Behandlung verschiedener bakterieller Infektionen eingesetzt, insbesondere bei Atemwegsinfektionen, Harnwegsinfektionen, Magen-Darm-Infektionen und zur Behandlung sowie Prophylaxe der Pneumocystis-jirovecii-Pneumonie bei immungeschwächten Patienten. Die beiden Wirkstoffe wirken synergistisch und verstärken ihre antibakterielle Wirkung gegenseitig.
Wie wird Cotrimoxazol richtig dosiert?
Die Standarddosierung für Erwachsene beträgt 2-mal täglich 1 Tablette forte (960 mg) im Abstand von etwa 12 Stunden. Kinder erhalten eine gewichtsadaptierte Dosierung, meist als Suspension. Die Einnahme sollte mit ausreichend Flüssigkeit und vorzugsweise zu den Mahlzeiten erfolgen. Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist eine Dosisanpassung erforderlich. Die Behandlungsdauer beträgt in der Regel 5-7 Tage, bei schweren Infektionen bis zu 14 Tage.
Welche Nebenwirkungen können bei Cotrimoxazol auftreten?
Häufige Nebenwirkungen sind Hautausschlag, Übelkeit, Durchfall und erhöhte Kaliumwerte. Zu den schwerwiegenden, aber seltenen Nebenwirkungen gehören schwere Hautreaktionen wie das Stevens-Johnson-Syndrom, Blutbildveränderungen, allergische Reaktionen und Leber- oder Nierenschäden. Bei Auftreten von Hautausschlag mit Blasenbildung, Fieber, Halsschmerzen, unerklärlichen Blutungen oder Gelbsucht sollte die Therapie sofort abgebrochen und ein Arzt kontaktiert werden.
Wann darf Cotrimoxazol nicht angewendet werden?
Cotrimoxazol ist kontraindiziert bei Überempfindlichkeit gegen Sulfonamide oder Trimethoprim, schwerer Nieren- oder Leberinsuffizienz, schweren Blutbildveränderungen, G6PD-Mangel und bei Neugeborenen in den ersten 6 Lebenswochen. Auch in der Schwangerschaft, besonders im ersten und letzten Trimenon, und während der Stillzeit sollte das Medikament nicht angewendet werden. Bei älteren Patienten und eingeschränkter Nierenfunktion ist besondere Vorsicht geboten.
Welche Wechselwirkungen hat Cotrimoxazol mit anderen Medikamenten?
Cotrimoxazol interagiert mit zahlreichen Medikamenten. Es verstärkt die Wirkung von oralen Antikoagulanzien (Warfarin), Antidiabetika und Methotrexat. In Kombination mit ACE-Hemmern, Sartanen oder kaliumsparenden Diuretika besteht ein erhöhtes Risiko für Hyperkaliämie. Die gleichzeitige Einnahme mit Phenytoin kann zu toxischen Spiegeln führen. Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, die Sie einnehmen, um gefährliche Wechselwirkungen zu vermeiden.
Letzte Bearbeitung am Montag, 1. Dezember 2025 – 14:25 Uhr von Alex, Webmaster von med-nebenwirkungen.de.