Mumps, auch als Ziegenpeter bekannt, ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die vor allem Kinder betrifft, aber auch bei Erwachsenen auftreten kann. Die Krankheit äußert sich typischerweise durch eine schmerzhafte Schwellung der Ohrspeicheldrüsen und kann unbehandelt zu ernsthaften Komplikationen führen. Dank der Einführung der MMR-Impfung (Masern-Mumps-Röteln) ist die Erkrankungsrate in Deutschland deutlich zurückgegangen, dennoch kommt es immer wieder zu lokalen Ausbrüchen, besonders in Gemeinschaftseinrichtungen.
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Was ist Mumps (Ziegenpeter)?
Mumps ist eine akute Viruserkrankung, die durch das Mumpsvirus aus der Familie der Paramyxoviren verursacht wird. Der umgangssprachliche Name „Ziegenpeter“ leitet sich von der charakteristischen Schwellung der Ohrspeicheldrüsen ab, die dem Gesicht ein aufgeschwemmtes Aussehen verleiht. Die Erkrankung ist hochansteckend und wird durch Tröpfcheninfektion übertragen.
Vor der Einführung der MMR-Impfung in den 1970er Jahren war Mumps eine der häufigsten Kinderkrankheiten weltweit. In Deutschland wurden 2023 laut Robert Koch-Institut etwa 230 Mumpsfälle gemeldet, was im Vergleich zu den 1960er Jahren mit über 100.000 Fällen jährlich einen dramatischen Rückgang darstellt.
Übertragungswege und Ansteckungsgefahr
Das Mumpsvirus wird hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion übertragen, wenn infizierte Personen husten, niesen oder sprechen. Auch der direkte Kontakt mit kontaminierten Oberflächen kann zur Ansteckung führen, da das Virus außerhalb des Körpers mehrere Stunden überleben kann.
Ansteckungszeitraum
Infizierte Personen sind bereits 2 Tage vor dem Auftreten der ersten Symptome ansteckend und bleiben es bis zu 5 Tage nach Beginn der Drüsenschwellung. Dies macht die Eindämmung der Erkrankung besonders schwierig, da die Ansteckung häufig erfolgt, bevor die Erkrankung erkannt wird.
Risikogruppen für Ansteckung
Besonders gefährdet sind:
- Ungeimpfte Kinder zwischen 5 und 14 Jahren
- Jugendliche und junge Erwachsene ohne ausreichenden Impfschutz
- Personen in Gemeinschaftseinrichtungen wie Schulen, Kindergärten oder Universitäten
- Medizinisches Personal ohne Immunisierung
- Immungeschwächte Personen
Symptome und Krankheitsverlauf
Die Symptome von Mumps entwickeln sich typischerweise in mehreren Phasen. Nach der Inkubationszeit von 16 bis 18 Tagen beginnt die Erkrankung meist mit unspezifischen Beschwerden, bevor die charakteristischen Symptome auftreten.
Phase 1: Prodromalstadium (Tag 1-2)
Unspezifische Symptome wie Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Müdigkeit, leichtes Fieber (bis 38°C) und Gliederschmerzen. Viele Patienten fühlen sich wie bei einer beginnenden Erkältung.
Phase 2: Akutstadium (Tag 3-7)
Charakteristische Schwellung der Ohrspeicheldrüsen (Parotis), meist beidseitig. Fieber steigt auf 39-40°C an. Schmerzen beim Kauen und Schlucken, besonders bei sauren Speisen. Das Gesicht nimmt eine typische „Hamsterbacken“-Form an.
Phase 3: Abklingphase (Tag 8-10)
Die Schwellung geht allmählich zurück, das Fieber sinkt. Die Schmerzen lassen nach, und der Allgemeinzustand verbessert sich deutlich. Nach etwa 10 Tagen sind die meisten Symptome verschwunden.
Hauptsymptome im Detail
Speicheldrüsenschwellung
Die charakteristische Schwellung der Ohrspeicheldrüsen (Parotis) tritt bei etwa 70% der symptomatischen Fälle auf. Sie beginnt meist einseitig und wird innerhalb von 1-2 Tagen beidseitig. Die Schwellung ist druckempfindlich und kann das Ohrläppchen nach oben drücken.
Fieber
Hohes Fieber zwischen 39-40°C ist typisch für die akute Phase. Es tritt meist am 2.-3. Krankheitstag auf und hält 3-4 Tage an. Bei Kindern kann das Fieber auch höher ausfallen als bei Erwachsenen.
Schmerzen
Starke Schmerzen im Bereich der geschwollenen Drüsen, die beim Kauen, Schlucken und bei Berührung zunehmen. Besonders saure oder harte Nahrungsmittel verstärken die Beschwerden deutlich.
Mundtrockenheit
Durch die eingeschränkte Speichelproduktion der entzündeten Drüsen kommt es zu ausgeprägter Mundtrockenheit. Dies kann das Schlucken zusätzlich erschweren und das Geschmacksempfinden beeinträchtigen.
Kopf- und Gliederschmerzen
Ausgeprägte Kopfschmerzen und Muskelschmerzen im ganzen Körper sind häufige Begleitsymptome, die bereits vor der Drüsenschwellung auftreten können.
Allgemeines Krankheitsgefühl
Starke Abgeschlagenheit, Schwäche und Appetitlosigkeit begleiten die gesamte Erkrankung. Viele Patienten fühlen sich mehrere Wochen nach Abklingen der akuten Symptome noch erschöpft.
Asymptomatische Verläufe
Bei etwa 30-40% der Mumps-Infektionen treten keine oder nur sehr milde Symptome auf. Diese asymptomatischen Verläufe sind besonders bei Kindern unter 5 Jahren häufig. Trotz fehlender Symptome können diese Personen das Virus übertragen und sind somit eine wichtige Infektionsquelle.
Komplikationen und Folgeerkrankungen
Obwohl Mumps in den meisten Fällen harmlos verläuft, können ernsthafte Komplikationen auftreten, die vor allem bei Jugendlichen und Erwachsenen häufiger sind als bei Kindern.
Häufige Komplikationen
- Meningitis (Hirnhautentzündung): Tritt bei etwa 10% der Fälle auf, meist mit gutartigem Verlauf
- Orchitis (Hodenentzündung): Betrifft 20-30% der männlichen Patienten nach der Pubertät
- Pankreatitis (Bauchspeicheldrüsenentzündung): Bei etwa 4% der Erkrankten
- Oophoritis (Eierstockentzündung): Bei 5% der weiblichen Patienten nach der Pubertät
- Innenohrschwerhörigkeit: Selten, aber kann zu dauerhafter Taubheit führen (1:20.000 Fälle)
Orchitis – Hodenentzündung bei Männern
Die Hodenentzündung ist eine der gefürchtetsten Komplikationen bei männlichen Patienten nach der Pubertät. Sie tritt typischerweise 4-8 Tage nach Beginn der Drüsenschwellung auf und äußert sich durch:
- Starke Schmerzen und Schwellung eines oder beider Hoden
- Erneuter Fieberanstieg auf 39-40°C
- Rötung und Überwärmung des Hodensacks
- Übelkeit und Erbrechen
In etwa 30-50% der Fälle sind beide Hoden betroffen. Die Entzündung kann zu einer Atrophie (Schrumpfung) des betroffenen Hodens führen. Unfruchtbarkeit als Folge ist jedoch selten und tritt nur bei etwa 13% der Patienten mit beidseitiger Orchitis auf.
Wichtiger Hinweis zu Fruchtbarkeit
Obwohl die Hodenentzündung bei Mumps häufig vorkommt, führt sie nur in seltenen Fällen zu dauerhafter Unfruchtbarkeit. Selbst bei beidseitigem Befall bleibt die Zeugungsfähigkeit meist erhalten. Dennoch sollte die Impfung zur Vorbeugung ernst genommen werden.
Neurologische Komplikationen
Das Mumpsvirus kann das zentrale Nervensystem befallen und verschiedene neurologische Erkrankungen auslösen:
Aseptische Meningitis
Die häufigste neurologische Komplikation tritt bei etwa 10% der Mumps-Patienten auf. Symptome umfassen starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Lichtempfindlichkeit und Erbrechen. Die Prognose ist in den meisten Fällen gut, und die Erkrankung heilt ohne bleibende Schäden aus.
Enzephalitis
Eine Gehirnentzündung ist mit 1:6.000 Fällen sehr selten, kann aber schwerwiegend verlaufen. Sie äußert sich durch Bewusstseinsstörungen, Krampfanfälle und neurologische Ausfälle. Die Sterblichkeit liegt bei etwa 1-2%, und bei 25% der Überlebenden bleiben neurologische Folgeschäden.
Hörverlust und Taubheit
Mumps ist eine der häufigsten Ursachen für erworbene einseitige Taubheit bei Kindern. Die Innenohrschwerhörigkeit tritt bei etwa 1 von 20.000 Erkrankungen auf und entwickelt sich meist plötzlich während der akuten Phase. In den meisten Fällen ist nur ein Ohr betroffen, und der Hörverlust ist irreversibel.
Diagnose von Mumps
Die Diagnose von Mumps basiert auf der klinischen Untersuchung, der Anamnese und labordiagnostischen Verfahren. Eine sichere Diagnosestellung ist wichtig für die Einleitung geeigneter Maßnahmen und die Vermeidung von Komplikationen.
Klinische Diagnose
Die charakteristische beidseitige Schwellung der Ohrspeicheldrüsen in Kombination mit Fieber und einem bekannten Mumps-Kontakt in den letzten 2-3 Wochen ist oft ausreichend für eine klinische Diagnose. Der Arzt untersucht:
- Die Größe und Konsistenz der geschwollenen Speicheldrüsen
- Die Mundöffnung des Stensen-Gangs (Ausführungsgang der Ohrspeicheldrüse)
- Andere Speicheldrüsen auf mögliche Beteiligung
- Anzeichen für Komplikationen wie Hodenschwellung oder neurologische Symptome
Labordiagnostik
Virusnachweis
Der direkte Nachweis des Mumpsvirus kann durch verschiedene Methoden erfolgen:
- PCR (Polymerase-Kettenreaktion): Hochsensitiver Nachweis von Virus-RNA aus Speichel, Rachenabstrich oder Urin
- Virusisolierung: Anzucht des Virus aus Körperflüssigkeiten in Zellkulturen (aufwendig, wird selten durchgeführt)
Antikörpernachweis
Die serologische Diagnostik weist spezifische Antikörper im Blut nach:
- IgM-Antikörper: Zeigen eine akute oder kürzlich durchgemachte Infektion an, nachweisbar ab dem 5. Krankheitstag
- IgG-Antikörper: Weisen auf eine durchgemachte Infektion oder Immunität hin
- Titeranstieg: Ein vierfacher Anstieg der IgG-Antikörper zwischen zwei Proben im Abstand von 2-3 Wochen bestätigt die Diagnose
Differentialdiagnosen
Andere Erkrankungen können ähnliche Symptome wie Mumps verursachen und müssen ausgeschlossen werden:
- Bakterielle Parotitis (eitrige Speicheldrüsenentzündung)
- Speichelsteine (Sialolithiasis)
- Andere Virusinfektionen (EBV, CMV, HIV)
- Lymphknotenschwellung bei anderen Infektionen
- Speicheldrüsentumoren
Behandlung und Therapie
Es gibt keine spezifische antivirale Therapie gegen Mumps. Die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome und die Vorbeugung von Komplikationen. In den meisten Fällen heilt die Erkrankung innerhalb von 7-10 Tagen von selbst aus.
Schmerzlinderung
Paracetamol oder Ibuprofen zur Fiebersenkung und Schmerzlinderung. Die Dosierung richtet sich nach Alter und Gewicht. Bei Kindern unter 12 Jahren sollte kein Aspirin verwendet werden (Reye-Syndrom-Risiko).
Ruhe und Schonung
Bettruhe während der Fieberphase ist wichtig. Körperliche Anstrengung sollte für mindestens 2 Wochen vermieden werden, besonders bei Hodenentzündung oder Pankreatitis.
Flüssigkeitszufuhr
Ausreichend Trinken ist wichtig, um Austrocknung vorzubeugen. Geeignet sind Wasser, ungesüßte Tees oder verdünnte Säfte. Saure Getränke sollten vermieden werden, da sie die Schmerzen verstärken.
Ernährung
Weiche, leicht zu kauende Nahrung bevorzugen. Brei, Suppen, Joghurt und Pudding sind gut geeignet. Saure, scharfe oder harte Speisen meiden, da sie die Speichelproduktion anregen und Schmerzen verstärken.
Kühlung
Kalte Umschläge oder Eisbeutel auf die geschwollenen Drüsen können die Schmerzen lindern. Die Kühlung sollte nicht direkt auf die Haut erfolgen, sondern in ein Tuch eingewickelt werden.
Mundhygiene
Regelmäßiges Mundspülen mit Kamillentee oder Salbeitee kann beruhigend wirken. Gründliche Zahnpflege ist wichtig, auch wenn sie schmerzhaft sein kann.
Behandlung von Komplikationen
Orchitis (Hodenentzündung)
Bei Hodenentzündung sind zusätzliche Maßnahmen erforderlich:
- Strikte Bettruhe und Hochlagerung des Hodensacks
- Kühlung mit Eisbeuteln (in Tuch gewickelt)
- Suspensorium (stützende Unterhose) zur Entlastung
- Höher dosierte Schmerzmittel
- In schweren Fällen: Kortikosteroide zur Entzündungshemmung (umstritten)
Meningitis und Enzephalitis
Bei Verdacht auf neurologische Komplikationen ist eine stationäre Überwachung notwendig:
- Lumbalpunktion zur Diagnosesicherung
- Intensivmedizinische Überwachung bei Enzephalitis
- Symptomatische Behandlung mit Schmerzmitteln und Flüssigkeitsausgleich
- Bei Krampfanfällen: Antikonvulsiva
Pankreatitis
Die Bauchspeicheldrüsenentzündung erfordert:
- Nahrungskarenz für 24-48 Stunden
- Intravenöse Flüssigkeitszufuhr
- Schmerztherapie
- Langsamer Kostaufbau mit fettarmer Nahrung
Isolation und Hygienemaßnahmen
Um die Ausbreitung des Virus zu verhindern, sollten erkrankte Personen:
- Für mindestens 5 Tage nach Beginn der Drüsenschwellung zu Hause bleiben
- Gemeinschaftseinrichtungen meiden
- Engen Kontakt zu anderen Personen vermeiden
- Beim Husten und Niesen Mund und Nase bedecken
- Häufig die Hände waschen
- Persönliche Gegenstände wie Handtücher und Geschirr nicht teilen
Impfung gegen Mumps – Die beste Prävention
Die Mumps-Impfung ist die effektivste Methode zur Vorbeugung der Erkrankung. Sie wird als Kombinationsimpfstoff MMR (Masern-Mumps-Röteln) oder MMRV (zusätzlich mit Varizellen) verabreicht. Die Impfung ist gut verträglich und bietet einen langanhaltenden Schutz.
Empfohlener Impfplan (STIKO-Empfehlung 2024)
- 1. Impfung: Im Alter von 11-14 Monaten
- 2. Impfung: Im Alter von 15-23 Monaten (Mindestabstand 4 Wochen)
- Nachholimpfung: Für alle ungeimpften Kinder und Jugendlichen
- Erwachsene (nach 1970 geboren): Einmalige Impfung bei unklarem Impfstatus
- Medizinisches Personal: Zweimalige Impfung empfohlen
Wirksamkeit und Schutzdauer
Die MMR-Impfung bietet einen sehr guten Schutz gegen Mumps:
- Nach der ersten Impfung: etwa 80-85% Schutz
- Nach der zweiten Impfung: etwa 88-95% Schutz
- Die Schutzwirkung hält mindestens 15-20 Jahre an, wahrscheinlich lebenslang
- Auch bei Impfdurchbrüchen verläuft die Erkrankung meist milder
Impfstoffsicherheit und Nebenwirkungen
Die MMR-Impfung ist sehr sicher und wird seit über 50 Jahren weltweit eingesetzt. Mögliche Nebenwirkungen sind meist mild und vorübergehend:
Häufige Nebenwirkungen (1-10%)
- Rötung, Schwellung oder Schmerzen an der Einstichstelle
- Leichtes Fieber (meist 7-12 Tage nach der Impfung)
- Vorübergehender Hautausschlag
- Leichte Schwellung der Lymphknoten
Seltene Nebenwirkungen (0,1-1%)
- Fieberkrämpfe bei Kleinkindern
- Vorübergehende Gelenkschmerzen (vor allem bei Jugendlichen und Erwachsenen)
- Leichte Schwellung der Ohrspeicheldrüsen
Sehr seltene Nebenwirkungen (unter 0,01%)
- Allergische Reaktionen
- Vorübergehende Thrombozytopenie (Verminderung der Blutplättchen)
Wichtig zu wissen
Die in den 1990er Jahren aufgestellte Behauptung, die MMR-Impfung würde Autismus verursachen, wurde durch zahlreiche große Studien weltweit eindeutig widerlegt. Die ursprüngliche Studie wurde als Betrug entlarvt, und der Autor verlor seine ärztliche Zulassung. Es gibt keinen wissenschaftlichen Zusammenhang zwischen der MMR-Impfung und Autismus.
Kontraindikationen
Die MMR-Impfung sollte nicht durchgeführt werden bei:
- Schwangerschaft (Impfung sollte mindestens 1 Monat vor einer geplanten Schwangerschaft erfolgen)
- Schwerer Immunschwäche (HIV, Chemotherapie, hochdosierte Kortikosteroide)
- Schweren allergischen Reaktionen auf frühere MMR-Impfungen
- Akuten fieberhaften Erkrankungen (Verschiebung bis zur Genesung)
Riegelungsimpfung bei Ausbrüchen
Bei Mumps-Ausbrüchen in Gemeinschaftseinrichtungen kann eine Riegelungsimpfung sinnvoll sein. Ungeimpfte Kontaktpersonen sollten innerhalb von 3 Tagen nach Exposition geimpft werden. Auch wenn die Impfung eine bereits erfolgte Ansteckung nicht mehr verhindern kann, schützt sie vor zukünftigen Infektionen.
Mumps in der Schwangerschaft
Eine Mumps-Infektion während der Schwangerschaft ist selten, da die meisten Frauen im gebärfähigen Alter durch Impfung oder durchgemachte Erkrankung immun sind. Dennoch sollte die Erkrankung ernst genommen werden.
Risiken für Mutter und Kind
Studien zeigen folgende Erkenntnisse:
- Im ersten Schwangerschaftsdrittel besteht ein erhöhtes Risiko für Fehlgeburten
- Missbildungen beim Kind sind nicht zu erwarten
- Die Erkrankung verläuft bei Schwangeren nicht schwerer als bei nicht-schwangeren Frauen
- Eine Übertragung auf das ungeborene Kind ist möglich, aber selten
- Neugeborene von erkrankten Müttern sollten nach der Geburt überwacht werden
Vorgehen bei Mumps-Kontakt in der Schwangerschaft
Schwangere ohne Immunschutz, die Kontakt zu Mumps-Kranken hatten, sollten:
- Sofort ihren Frauenarzt informieren
- Den Immunstatus durch Antikörperbestimmung klären lassen
- Bei fehlender Immunität engmaschig überwacht werden
- Eine Impfung ist während der Schwangerschaft nicht möglich
Wichtig für die Familienplanung
Frauen mit Kinderwunsch sollten ihren Mumps-Impfschutz vor einer Schwangerschaft überprüfen und gegebenenfalls auffrischen lassen. Nach einer MMR-Impfung sollte eine Schwangerschaft für mindestens 1 Monat vermieden werden.
Mumps bei Erwachsenen
Obwohl Mumps als typische Kinderkrankheit gilt, erkranken zunehmend auch Jugendliche und Erwachsene. In den letzten Jahren machten Erwachsene über 40% der gemeldeten Mumps-Fälle in Deutschland aus.
Besonderheiten bei Erwachsenen
Mumps verläuft bei Erwachsenen oft schwerer als bei Kindern:
- Höheres Fieber und stärkeres Krankheitsgefühl
- Längere Krankheitsdauer
- Häufigere und schwerere Komplikationen
- Orchitis bei 20-30% der männlichen Patienten nach der Pubertät
- Oophoritis bei etwa 5% der weiblichen Patienten
- Höheres Risiko für Pankreatitis und neurologische Komplikationen
Gründe für Erkrankungen bei Erwachsenen
Mehrere Faktoren tragen dazu bei, dass auch Erwachsene an Mumps erkranken:
- Fehlende oder unvollständige Impfung (nur eine Impfdosis statt zwei)
- Nachlassender Impfschutz nach vielen Jahren
- Personen, die vor Einführung der Impfung geboren wurden und die Krankheit nicht durchgemacht haben
- Impfversager (bei 5-12% wirkt die Impfung nicht vollständig)
Prävention für Erwachsene
Erwachsene, die nach 1970 geboren wurden und keinen oder nur einen unklaren Impfschutz haben, sollten ihren Impfstatus überprüfen und gegebenenfalls eine MMR-Impfung nachholen. Dies gilt besonders für Personen in Gesundheitsberufen, Gemeinschaftseinrichtungen oder bei geplanten Reisen in Endemiegebiete.
Mumps-Ausbrüche in Gemeinschaftseinrichtungen
Trotz hoher Impfraten kommt es immer wieder zu lokalen Mumps-Ausbrüchen in Schulen, Universitäten, Sportvereinen oder militärischen Einrichtungen. Diese Ausbrüche zeigen, dass auch geimpfte Personen erkranken können, wenn auch meist mit milderem Verlauf.
Ursachen für Ausbrüche
- Enger Kontakt zwischen vielen Menschen begünstigt die Übertragung
- Auch zweifach geimpfte Personen können erkranken (Impfdurchbrüche)
- Einzelne ungeimpfte Personen können als Infektionsquelle dienen
- Nachlassender Impfschutz bei jungen Erwachsenen
- Verzögerte Erkennung und Meldung von Fällen
Maßnahmen bei Ausbrüchen
Bei Mumps-Ausbrüchen sollten folgende Schritte eingeleitet werden:
- Schnelle Identifizierung und Isolierung erkrankter Personen
- Überprüfung des Impfstatus aller Kontaktpersonen
- Riegelungsimpfung für ungeimpfte oder nur einmal geimpfte Personen
- Information und Aufklärung über Symptome und Übertragungswege
- Verstärkte Hygienemaßnahmen
- Ausschluss erkrankter Personen für mindestens 5 Tage nach Symptombeginn
- Meldung an das zuständige Gesundheitsamt
Prognose und Langzeitfolgen
Die Prognose bei Mumps ist in den meisten Fällen ausgezeichnet. Die Erkrankung heilt in der Regel ohne bleibende Schäden aus, und nach durchgemachter Infektion besteht eine lebenslange Immunität.
Günstige Faktoren
- Unkomplizierter Verlauf bei etwa 90% der symptomatischen Fälle
- Vollständige Genesung innerhalb von 1-2 Wochen
- Lebenslange Immunität nach durchgemachter Erkrankung
- Niedrige Sterblichkeitsrate (unter 0,01%)
Mögliche Langzeitfolgen
In seltenen Fällen können dauerhafte Folgen auftreten:
- Taubheit: Bleibende einseitige Schwerhörigkeit bei etwa 1:20.000 Fällen
- Subfertilität: Verminderte Fruchtbarkeit bei etwa 13% der Männer mit beidseitiger Orchitis
- Neurologische Folgen: Sehr selten nach schwerer Enzephalitis (Epilepsie, kognitive Einschränkungen)
- Diabetes mellitus: Sehr seltene Spätfolge nach Pankreatitis (umstritten)
Immunität nach Erkrankung
Nach einer durchgemachten Mumps-Infektion besteht in der Regel eine lebenslange Immunität. Zweitinfektionen sind extrem selten und verlaufen meist sehr mild. Die natürlich erworbene Immunität ist stabiler als der Impfschutz, weshalb früher durchgemachte Erkrankungen im Kindesalter als vorteilhaft angesehen wurden. Heute überwiegen jedoch die Vorteile der Impfung deutlich, da Komplikationen vermieden werden können.
Meldepflicht und rechtliche Aspekte
Mumps unterliegt in Deutschland der Meldepflicht nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG). Dies dient der Überwachung der epidemiologischen Situation und der Einleitung von Maßnahmen zur Eindämmung von Ausbrüchen.
Meldepflicht
Folgende Fälle müssen gemeldet werden:
- Krankheitsverdacht, Erkrankung und Tod an Mumps
- Direkter oder indirekter Nachweis des Mumpsvirus
- Meldepflichtig sind Ärzte und Labore
- Meldung muss namentlich an das zuständige Gesundheitsamt erfolgen
- Meldung muss unverzüglich, spätestens innerhalb von 24 Stunden erfolgen
Tätigkeits- und Besuchsverbote
Nach § 34 IfSG gelten folgende Regelungen:
- Erkrankte und krankheitsverdächtige Personen dürfen Gemeinschaftseinrichtungen nicht besuchen oder dort tätig sein
- Das Verbot gilt bis 5 Tage nach Abklingen der Drüsenschwellung
- Ausscheider (symptomlose Träger) unterliegen keinem Tätigkeitsverbot
- Die Leitung der Gemeinschaftseinrichtung muss über die Erkrankung informiert werden
Historische Entwicklung und globale Situation
Mumps wurde erstmals 1790 vom britischen Arzt Robert Hamilton ausführlich beschrieben. Das Virus selbst wurde 1934 von Claude D. Johnson und Ernest William Goodpasture isoliert.
Entwicklung der Impfung
Die Geschichte der Mumps-Impfung umfasst mehrere Meilensteine:
- 1948: Erste inaktivierte Mumps-Impfstoffe, die sich als wenig wirksam erwiesen
- 1967: Entwicklung des ersten wirksamen Lebendimpfstoffs (Jeryl Lynn-Stamm) durch Maurice Hilleman
- 1971: Einführung des MMR-Kombinationsimpfstoffs
- 1974: Empfehlung der MMR-Impfung in Deutschland
- 1991: Empfehlung der zweiten MMR-Impfung
Globale Situation heute
Die weltweite Mumps-Situation ist sehr unterschiedlich:
- In Ländern mit hohen Impfraten (>95%) sind Mumps-Erkrankungen selten geworden
- In Deutschland werden jährlich 200-800 Fälle gemeldet (im Vergleich zu über 100.000 vor der Impfära)
- In vielen Entwicklungsländern ist Mumps noch endemisch
- Die WHO strebt eine weltweite Elimination von Mumps an
- Ausbrüche treten auch in Industrieländern auf, meist in Gemeinschaftseinrichtungen
Zusammenfassung und Fazit
Mumps ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die vor allem durch die charakteristische Schwellung der Ohrspeicheldrüsen gekennzeichnet ist. Obwohl die Erkrankung meist harmlos verläuft, können ernsthafte Komplikationen wie Hodenentzündung, Hirnhautentzündung oder Taubheit auftreten, besonders bei Jugendlichen und Erwachsenen.
Die MMR-Impfung bietet einen sicheren und effektiven Schutz gegen Mumps. Seit ihrer Einführung ist die Zahl der Erkrankungen dramatisch zurückgegangen. Die Impfung ist gut verträglich, und schwere Nebenwirkungen sind extrem selten. Trotz gelegentlicher Impfdurchbrüche verlaufen Erkrankungen bei geimpften Personen meist deutlich milder.
Für die Gesundheit der Bevölkerung ist es wichtig, hohe Impfraten aufrechtzuerhalten. Nur so können vulnerable Gruppen geschützt und die Elimination von Mumps erreicht werden. Eltern sollten ihre Kinder entsprechend den STIKO-Empfehlungen impfen lassen, und Erwachsene mit unklarem Impfstatus sollten ihren Schutz überprüfen und gegebenenfalls auffrischen lassen.
Bei Verdacht auf Mumps ist eine ärztliche Vorstellung wichtig, um die Diagnose zu sichern und Komplikationen frühzeitig zu erkennen. Die Behandlung konzentriert sich auf die Linderung der Symptome und die Vorbeugung von Komplikationen. Mit der richtigen Therapie heilt die Erkrankung in den meisten Fällen folgenlos aus.
Was ist Mumps und wie wird es übertragen?
Mumps, auch Ziegenpeter genannt, ist eine hochansteckende Viruserkrankung, die durch das Mumpsvirus verursacht wird. Die Übertragung erfolgt hauptsächlich durch Tröpfcheninfektion beim Husten, Niesen oder Sprechen. Das Virus kann auch durch direkten Kontakt mit kontaminierten Oberflächen übertragen werden und außerhalb des Körpers mehrere Stunden überleben.
Welche Symptome sind typisch für Mumps?
Die charakteristischen Symptome von Mumps sind eine schmerzhafte Schwellung der Ohrspeicheldrüsen, meist beidseitig, hohes Fieber zwischen 39-40°C, Kopf- und Gliederschmerzen sowie Schmerzen beim Kauen und Schlucken. Die Symptome treten nach einer Inkubationszeit von 16-18 Tagen auf und halten etwa 7-10 Tage an.
Wie wirksam ist die MMR-Impfung gegen Mumps?
Die MMR-Impfung bietet einen sehr guten Schutz gegen Mumps. Nach der ersten Impfung besteht ein Schutz von etwa 80-85%, nach der zweiten Impfung steigt dieser auf 88-95%. Die Impfung ist gut verträglich, und die Schutzwirkung hält mindestens 15-20 Jahre an, wahrscheinlich sogar lebenslang.
Welche Komplikationen können bei Mumps auftreten?
Zu den häufigsten Komplikationen gehören Hodenentzündung (Orchitis) bei 20-30% der männlichen Patienten nach der Pubertät, Hirnhautentzündung (Meningitis) bei etwa 10% der Fälle, Bauchspeicheldrüsenentzündung bei 4% sowie selten Taubheit oder Eierstockentzündung. Komplikationen treten bei Jugendlichen und Erwachsenen häufiger auf als bei Kindern.
Wie wird Mumps behandelt und wie lange ist man ansteckend?
Es gibt keine spezifische Therapie gegen Mumps. Die Behandlung konzentriert sich auf Symptomlinderung durch Schmerzmittel, Fiebersenkung, Ruhe und ausreichend Flüssigkeit. Erkrankte Personen sind bereits 2 Tage vor Symptombeginn bis 5 Tage nach Auftreten der Drüsenschwellung ansteckend und sollten in dieser Zeit Kontakte zu anderen Menschen meiden.
Letzte Bearbeitung am Sonntag, 30. November 2025 – 9:10 Uhr von Alex, Webmaster von med-nebenwirkungen.de.