Metamizol ist ein bewährtes Schmerzmittel und fiebersenkendes Medikament, das bei mittleren bis starken Schmerzen sowie hohem Fieber zum Einsatz kommt. Der Wirkstoff, auch unter dem Namen Novaminsulfon bekannt, wird seit Jahrzehnten in der Schmerztherapie verwendet. Dieser umfassende Beipackzettel informiert Sie über die korrekte Anwendung, Dosierung, mögliche Nebenwirkungen und wichtige Sicherheitshinweise zu Metamizol.
⚕️ Medizinischer Hinweis zu Metamizol Beipackzettel – Dosierung | Nebenwirkungen
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Was ist Metamizol?
Metamizol, auch bekannt als Novaminsulfon oder Dipyron, ist ein nicht-opioides Analgetikum aus der Gruppe der Pyrazolone. Das Medikament wurde bereits 1922 entwickelt und hat sich seitdem als wirksames Schmerz- und Fiebermittel etabliert. In Deutschland ist Metamizol verschreibungspflichtig und wird unter verschiedenen Handelsnamen wie Novalgin, Novaminsulfon oder Berlosin vertrieben.
Wichtige Basisinformationen
Wirkstoff: Metamizol-Natrium
Wirkstoffgruppe: Nicht-opioides Analgetikum und Antipyretikum
Verschreibungsstatus: Rezeptpflichtig
Darreichungsformen: Tabletten, Tropfen, Injektionslösungen, Zäpfchen
Wirkmechanismus
Metamizol entfaltet seine Wirkung durch mehrere Mechanismen im Körper. Der Wirkstoff hemmt die Bildung von Prostaglandinen, körpereigenen Botenstoffen, die Schmerzen und Fieber auslösen. Anders als andere Schmerzmittel wirkt Metamizol sowohl zentral im Gehirn als auch peripher im Gewebe. Zusätzlich besitzt es eine muskelentspannende (spasmolytische) Komponente, die besonders bei krampfartigen Schmerzen hilfreich ist.
Anwendungsgebiete von Metamizol
Metamizol wird bei verschiedenen Schmerzzuständen und Fiebererkrankungen eingesetzt. Die Anwendung erfolgt insbesondere dann, wenn andere Schmerzmittel nicht ausreichend wirksam sind oder nicht vertragen werden.
Akute Schmerzen
Postoperative Schmerzen nach chirurgischen Eingriffen, Verletzungsschmerzen, Zahnschmerzen und andere akute Schmerzzustände mittlerer bis starker Intensität.
Chronische Schmerzen
Tumorschmerzen bei Krebserkrankungen sowie andere chronische Schmerzzustände, wenn alternative Behandlungen nicht ausreichend wirksam sind.
Kolikschmerzen
Krampfartige Schmerzen bei Nieren-, Gallen- oder Darmkoliken dank der zusätzlichen spasmolytischen Wirkung des Medikaments.
Hohes Fieber
Fiebersenkung bei hohen Temperaturen, die auf andere fiebersenkende Maßnahmen nicht ansprechen oder wenn andere Antipyretika kontraindiziert sind.
Dosierung und Anwendung
Die Dosierung von Metamizol muss individuell angepasst werden und richtet sich nach Alter, Körpergewicht, Schmerzintensität und individueller Verträglichkeit. Die Behandlung sollte mit der niedrigsten wirksamen Dosis über den kürzest möglichen Zeitraum erfolgen.
Dosierungsempfehlungen für Erwachsene
| Darreichungsform | Einzeldosis | Maximale Tagesdosis | Einnahmeintervall |
|---|---|---|---|
| Tabletten (500 mg) | 500-1000 mg | 4000 mg (8 Tabletten) | Alle 6-8 Stunden |
| Tropfen (500 mg/ml) | 20-40 Tropfen | 160 Tropfen | Alle 6-8 Stunden |
| Injektion (1000 mg/2ml) | 1000-2500 mg | 5000 mg | Alle 6-8 Stunden |
| Zäpfchen (1000 mg) | 1000 mg | 4000 mg | Alle 6-8 Stunden |
Dosierung bei Kindern und Jugendlichen
Bei Kindern erfolgt die Dosierung streng gewichtsabhängig. Die empfohlene Einzeldosis beträgt 8-16 mg pro Kilogramm Körpergewicht. Die maximale Tagesdosis sollte 60 mg/kg Körpergewicht nicht überschreiten.
Dosierungsbeispiele für Kinder:
- Kind mit 10 kg: 80-160 mg pro Einzeldosis (max. 600 mg/Tag)
- Kind mit 20 kg: 160-320 mg pro Einzeldosis (max. 1200 mg/Tag)
- Kind mit 30 kg: 240-480 mg pro Einzeldosis (max. 1800 mg/Tag)
- Jugendlicher mit 50 kg: 400-800 mg pro Einzeldosis (max. 3000 mg/Tag)
Besondere Anwendungshinweise
Orale Einnahme
Tabletten sollten unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit eingenommen werden. Tropfen können in Wasser oder einem anderen Getränk aufgelöst werden. Die Einnahme kann unabhängig von den Mahlzeiten erfolgen, bei empfindlichem Magen empfiehlt sich die Einnahme zu den Mahlzeiten.
Intravenöse Anwendung
Die Injektion muss langsam erfolgen (nicht schneller als 1 ml pro Minute bzw. 500 mg pro Minute), da sonst das Risiko für einen Blutdruckabfall steigt. Der Patient sollte während der Injektion liegen und noch mindestens 30 Minuten danach unter Beobachtung bleiben.
Rektale Anwendung
Zäpfchen werden nach Möglichkeit nach dem Stuhlgang eingeführt. Die Wirkung tritt bei dieser Darreichungsform etwas verzögert ein, hält dafür aber länger an.
Nebenwirkungen von Metamizol
Wie alle Arzneimittel kann auch Metamizol Nebenwirkungen verursachen. Die schwerwiegendste, wenn auch sehr seltene Nebenwirkung ist die Agranulozytose, ein lebensbedrohlicher Mangel an weißen Blutkörperchen. Die Häufigkeit dieser Komplikation wird auf etwa 1 Fall pro 1 Million Anwendungen geschätzt.
Häufigkeit von Nebenwirkungen
Häufig (1-10%)
- Hautreaktionen (Rötung, Juckreiz, Ausschlag)
- Blutdruckabfall, besonders bei zu schneller Injektion
- Verfärbung des Urins (rötlich, klinisch unbedeutend)
Selten (0,01-0,1%)
- Allergische Reaktionen mit Atembeschwerden
- Herzrasen (Tachykardie)
- Schwitzen
- Mundtrockenheit
Sehr selten (<0,01%)
- Agranulozytose (schwerer Mangel weißer Blutkörperchen)
- Thrombozytopenie (Mangel an Blutplättchen)
- Anaphylaktischer Schock
- Stevens-Johnson-Syndrom
- Akutes Nierenversagen
⚠ Warnzeichen einer Agranulozytose
Brechen Sie die Einnahme sofort ab und kontaktieren Sie unverzüglich einen Arzt, wenn folgende Symptome auftreten:
- Plötzliches hohes Fieber
- Schüttelfrost
- Halsschmerzen und Schluckbeschwerden
- Entzündungen im Mund- und Rachenraum
- Entzündungen im Anal- oder Genitalbereich
Diese Symptome können auf eine lebensbedrohliche Komplikation hinweisen und erfordern sofortige medizinische Behandlung!
Allergische und anaphylaktische Reaktionen
Metamizol kann in seltenen Fällen schwere allergische Reaktionen auslösen. Das Risiko ist erhöht bei Patienten mit Asthma bronchiale, chronischer Urtikaria oder bekannten Unverträglichkeiten gegenüber anderen Schmerzmitteln. Anaphylaktische Reaktionen können sich innerhalb von Minuten bis zu einer Stunde nach der Einnahme entwickeln.
Symptome allergischer Reaktionen
- Hautausschlag, Nesselsucht, Hautrötung
- Juckreiz, Brennen der Haut
- Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge oder Rachen
- Atemnot, Engegefühl in der Brust
- Pfeifende Atmung (Bronchospasmus)
- Kreislaufkollaps, Bewusstlosigkeit
Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen
Metamizol darf in bestimmten Situationen nicht angewendet werden. Vor Beginn der Behandlung muss der Arzt prüfen, ob Kontraindikationen vorliegen.
Absolute Gegenanzeigen
- Bekannte Überempfindlichkeit gegen Metamizol oder andere Pyrazolone
- Störungen der Knochenmarkfunktion oder Erkrankungen des blutbildenden Systems
- Genetischer Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel (Risiko für Hämolyse)
- Akute intermittierende Porphyrie
- Schwangerschaft im ersten und letzten Trimester
- Stillzeit (bei Einzeldosen über 500 mg)
- Säuglinge unter 3 Monaten oder mit einem Körpergewicht unter 5 kg
- Analgetika-Asthma-Syndrom in der Vorgeschichte
Relative Kontraindikationen und Vorsichtsmaßnahmen
Nierenerkrankungen
Bei eingeschränkter Nierenfunktion sollte die Dosierung reduziert werden, da die Ausscheidung verzögert ist. Eine längerfristige Anwendung sollte vermieden werden. Regelmäßige Kontrollen der Nierenwerte sind erforderlich.
Lebererkrankungen
Patienten mit Leberfunktionsstörungen benötigen eine angepasste Dosierung. Die Leberwerte sollten vor Therapiebeginn und während längerer Behandlung kontrolliert werden.
Herz-Kreislauf-Erkrankungen
Bei instabilen Kreislaufverhältnissen, niedrigem Blutdruck oder Herzinsuffizienz ist besondere Vorsicht geboten, da Metamizol den Blutdruck senken kann.
Asthma und Allergien
Patienten mit Asthma bronchiale, chronischer Urtikaria oder bekannten Unverträglichkeiten gegenüber Schmerzmitteln haben ein erhöhtes Risiko für allergische Reaktionen.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Metamizol kann mit anderen Arzneimitteln interagieren und deren Wirkung verstärken oder abschwächen. Informieren Sie Ihren Arzt über alle Medikamente, die Sie einnehmen, einschließlich rezeptfreier Präparate und Nahrungsergänzungsmittel.
Blutverdünnende Mittel
Metamizol kann die Wirkung von Antikoagulanzien wie Warfarin verstärken. Engmaschige Kontrolle der Blutgerinnung erforderlich.
Immunsuppressiva
Die gleichzeitige Anwendung mit Ciclosporin kann dessen Blutspiegel senken. Regelmäßige Spiegelkontrollen sind notwendig.
Antidiabetika
Die blutzuckersenkende Wirkung oraler Antidiabetika kann verstärkt werden. Blutzuckerkontrollen intensivieren.
Alkohol
Die gleichzeitige Einnahme mit Alkohol kann die Wirkung beider Substanzen verstärken und sollte vermieden werden.
Blutdrucksenker
Metamizol kann die blutdrucksenkende Wirkung von Antihypertensiva verstärken, insbesondere bei parenteraler Gabe.
Methotrexat
Die Toxizität von Methotrexat kann durch Metamizol erhöht werden. Diese Kombination sollte vermieden werden.
Klinisch relevante Arzneimittelinteraktionen
Verstärkung der Wirkung durch Metamizol
- Orale Antikoagulanzien: Erhöhtes Blutungsrisiko
- Antidiabetika: Verstärkte Blutzuckersenkung
- Lithium: Erhöhte Lithiumspiegel im Blut
- Methotrexat: Verstärkte Toxizität
- Sedativa: Verstärkte dämpfende Wirkung
Abschwächung der Wirkung
- Ciclosporin: Verringerte Immunsuppression
- Bupropion: Reduzierte antidepressive Wirkung
Schwangerschaft und Stillzeit
Anwendung in der Schwangerschaft
Die Anwendung von Metamizol in der Schwangerschaft ist eingeschränkt möglich und muss sorgfältig abgewogen werden.
Erstes Trimester (1.-12. Schwangerschaftswoche)
Metamizol ist im ersten Trimester kontraindiziert. Tierexperimentelle Studien haben Hinweise auf Fruchtschädigungen ergeben. Eine Anwendung sollte nur in absoluten Ausnahmefällen nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung erfolgen.
Zweites Trimester (13.-28. Schwangerschaftswoche)
Im zweiten Trimester kann Metamizol nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung kurzfristig angewendet werden, wenn keine therapeutischen Alternativen zur Verfügung stehen. Die Behandlung sollte mit der niedrigsten wirksamen Dosis über den kürzest möglichen Zeitraum erfolgen.
Drittes Trimester (ab 29. Schwangerschaftswoche)
Im letzten Schwangerschaftsdrittel ist Metamizol kontraindiziert. Der Wirkstoff kann vorzeitige Wehenhemmung verursachen und das Risiko für Blutungen bei Mutter und Kind erhöhen. Zudem besteht die Gefahr eines vorzeitigen Verschlusses des Ductus arteriosus beim Ungeborenen.
Anwendung in der Stillzeit
Metamizol und seine Abbauprodukte gehen in die Muttermilch über. Bei Einzeldosen bis 500 mg ist ein Abstillen nicht erforderlich. Bei höheren Dosen oder wiederholter Anwendung sollte für 48 Stunden abgestillt werden. Bei längerfristiger Behandlung ist das Abstillen zu erwägen.
Besondere Patientengruppen
Ältere Patienten
Bei älteren Patienten über 65 Jahren ist aufgrund veränderter Stoffwechselvorgänge und häufiger Begleiterkrankungen besondere Vorsicht geboten. Die Dosierung sollte vorsichtig eingestellt werden, beginnend mit niedrigeren Dosen. Das Risiko für Nebenwirkungen, insbesondere Blutdruckabfall, ist erhöht.
Kinder und Jugendliche
Bei Kindern erfolgt die Dosierung streng gewichtsabhängig. Metamizol darf bei Säuglingen unter 3 Monaten oder mit einem Körpergewicht unter 5 kg nicht angewendet werden. Bei Kindern sollte die Behandlungsdauer so kurz wie möglich gehalten werden.
Patienten mit eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion
Bei Patienten mit Nieren- oder Leberinsuffizienz muss die Dosis reduziert werden. Eine Langzeitanwendung sollte vermieden werden. Regelmäßige Kontrollen der Organ- und Blutwerte sind erforderlich. Bei schwerer Nieren- oder Leberinsuffizienz ist Metamizol kontraindiziert.
Überdosierung
Eine Überdosierung mit Metamizol kann zu schwerwiegenden Komplikationen führen. Die Symptome einer Überdosierung sind dosisabhängig und können von Übelkeit und Erbrechen bis zu lebensbedrohlichen Zuständen reichen.
Symptome einer Überdosierung
- Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen
- Schwindel, Benommenheit, Bewusstseinsstörungen
- Starker Blutdruckabfall (Hypotonie)
- Beschleunigter Herzschlag (Tachykardie)
- Krämpfe
- Akutes Nierenversagen
- Leberfunktionsstörungen
- Störungen der Blutbildung
Bei Verdacht auf Überdosierung sofort den Notarzt (112) rufen!
Maßnahmen bei Überdosierung
Es gibt kein spezifisches Gegenmittel (Antidot) für Metamizol. Die Behandlung erfolgt symptomatisch und unterstützend. Bei kürzlich erfolgter Einnahme kann Aktivkohle gegeben werden. In schweren Fällen können intensivmedizinische Maßnahmen wie Kreislaufstabilisierung, Dialyse oder Blutreinigung notwendig sein.
Aufbewahrung und Haltbarkeit
Richtige Lagerung
- Lagerungstemperatur: Bei Raumtemperatur (15-25°C) lagern
- Lichtschutz: In der Originalverpackung aufbewahren, um vor Licht zu schützen
- Feuchtigkeit: Vor Feuchtigkeit schützen
- Aufbewahrungsort: Außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren
- Haltbarkeit: Nach Ablauf des Verfallsdatums nicht mehr verwenden
- Angebrochene Packungen: Tropfen sind nach Anbruch 6 Monate haltbar
Entsorgung
Nicht verwendete oder abgelaufene Arzneimittel sollten nicht über das Abwasser oder den Hausmüll entsorgt werden. Bringen Sie nicht benötigte Medikamente zur Entsorgung in Ihre Apotheke zurück. Diese Maßnahme hilft, die Umwelt zu schützen.
Verkehrstüchtigkeit und Bedienen von Maschinen
Metamizol kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen soweit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr oder zum Bedienen von Maschinen beeinträchtigt wird. Dies gilt in verstärktem Maße bei höheren Dosierungen, in Kombination mit Alkohol oder anderen dämpfenden Arzneimitteln sowie zu Behandlungsbeginn.
Beeinträchtigungen können auftreten durch:
- Schwindel und Benommenheit
- Blutdruckabfall mit Schwächegefühl
- Verlangsamte Reaktionszeit
- Konzentrationsstörungen
- Müdigkeit
Wichtige Hinweise für die Anwendung
Wann sollten Sie einen Arzt aufsuchen?
Kontaktieren Sie sofort einen Arzt bei:
- Anzeichen einer allergischen Reaktion (Hautausschlag, Atemnot, Schwellungen)
- Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen (Verdacht auf Agranulozytose)
- Ungewöhnlichen Blutungen oder blauen Flecken
- Starkem Blutdruckabfall oder Kreislaufproblemen
- Anhaltenden oder sich verschlimmernden Schmerzen
- Anzeichen einer Nierenfunktionsstörung (verringerte Urinmenge, Schwellungen)
- Gelbfärbung der Haut oder Augen (Gelbsucht)
Regelmäßige Kontrollen
Bei längerfristiger Anwendung von Metamizol (länger als eine Woche) sollten regelmäßige ärztliche Kontrollen erfolgen, einschließlich:
- Blutbildkontrollen (insbesondere Leukozyten und Thrombozyten)
- Nierenfunktionswerte (Kreatinin, Harnstoff)
- Leberfunktionswerte (Transaminasen, Bilirubin)
- Blutdruckmessungen
Dauer der Anwendung
Metamizol sollte ohne ärztliche Verordnung nicht länger als 3-4 Tage eingenommen werden. Bei anhaltenden Schmerzen oder wenn sich die Beschwerden verschlimmern, muss ein Arzt aufgesucht werden, um die Ursache abzuklären.
Alternativen zu Metamizol
Je nach Indikation und individueller Situation können verschiedene alternative Schmerzmittel in Betracht gezogen werden:
Nicht-opioide Analgetika
- Paracetamol: Gut verträglich, aber weniger entzündungshemmend
- Ibuprofen: Entzündungshemmend, aber mit gastrointestinalen Nebenwirkungen
- Diclofenac: Stark entzündungshemmend, Vorsicht bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen
- Naproxen: Längere Wirkdauer, ähnliches Nebenwirkungsprofil wie Ibuprofen
Opioide Analgetika
Bei sehr starken Schmerzen, die auf nicht-opioide Analgetika nicht ausreichend ansprechen, können schwache Opioide (Tramadol, Tilidin) oder starke Opioide (Morphin, Oxycodon) eingesetzt werden. Diese sind verschreibungspflichtig und mit einem höheren Nebenwirkungs- und Abhängigkeitspotenzial verbunden.
Häufig gestellte Fragen zu Metamizol
Warum ist Metamizol in einigen Ländern verboten?
In einigen Ländern wie den USA, Großbritannien oder Schweden ist Metamizol nicht zugelassen oder wurde vom Markt genommen. Der Grund ist das seltene, aber schwerwiegende Risiko einer Agranulozytose. In Deutschland und vielen anderen europäischen Ländern ist das Medikament weiterhin verfügbar, da der Nutzen bei richtiger Anwendung das Risiko überwiegt. Die Verschreibungspflicht und strenge Überwachung sollen die Sicherheit gewährleisten.
Kann Metamizol süchtig machen?
Metamizol hat kein Suchtpotenzial im engeren Sinne. Es verursacht keine körperliche Abhängigkeit wie Opioide. Dennoch sollte eine Langzeitanwendung vermieden werden, da bei chronischer Einnahme eine psychische Gewöhnung eintreten kann und das Risiko für Nebenwirkungen steigt.
Warum verfärbt sich der Urin rot?
Eine rötliche Verfärbung des Urins nach Einnahme von Metamizol ist harmlos und auf Stoffwechselprodukte des Wirkstoffs zurückzuführen. Diese Verfärbung hat keine medizinische Bedeutung und verschwindet nach Absetzen des Medikaments wieder. Sie sollte nicht mit Blut im Urin verwechselt werden.
Ist Metamizol stärker als Ibuprofen?
Die Wirkstärke ist schwer direkt zu vergleichen, da beide Medikamente unterschiedliche Wirkmechanismen haben. Metamizol wirkt besonders gut bei krampfartigen Schmerzen und hat eine stärkere fiebersenkende Wirkung. Ibuprofen ist stärker entzündungshemmend. Bei starken Schmerzen wird Metamizol oft als wirksamer empfunden, hat aber ein anderes Nebenwirkungsprofil.
Wie schnell wirkt Metamizol?
Die Wirkung setzt je nach Darreichungsform unterschiedlich schnell ein:
- Intravenöse Injektion: 15-30 Minuten
- Tabletten/Tropfen: 30-60 Minuten
- Zäpfchen: 45-90 Minuten
Die maximale Wirkung wird nach etwa 1-2 Stunden erreicht, die Wirkdauer beträgt 4-6 Stunden.
Zusammenfassung
Metamizol ist ein wirksames Schmerz- und Fiebermittel, das bei mittleren bis starken Schmerzen sowie hohem Fieber eingesetzt wird. Die besondere Stärke liegt in der Behandlung krampfartiger Schmerzen dank der zusätzlichen spasmolytischen Wirkung. Bei bestimmungsgemäßem Gebrauch und unter Beachtung der Kontraindikationen ist Metamizol ein sicheres und gut verträgliches Medikament.
Die wichtigsten Punkte im Überblick:
- Wirkung: Schmerzlindernd, fiebersenkend und krampflösend
- Dosierung: Individuell angepasst, 500-1000 mg pro Einzeldosis bei Erwachsenen
- Anwendung: Oral, rektal oder intravenös möglich
- Wichtigste Nebenwirkung: Sehr seltene, aber schwerwiegende Agranulozytose
- Kontraindikationen: Blutbildungsstörungen, erstes und letztes Schwangerschaftsdrittel
- Wechselwirkungen: Beachten bei Blutverdünnern, Immunsuppressiva, Antidiabetika
- Anwendungsdauer: Möglichst kurz, ohne ärztliche Verordnung maximal 3-4 Tage
- Kontrollen: Bei Langzeitanwendung regelmäßige Blutbildkontrollen
Metamizol sollte nur nach ärztlicher Verordnung und unter Beachtung aller Sicherheitshinweise angewendet werden. Bei Fragen oder Unsicherheiten wenden Sie sich an Ihren Arzt oder Apotheker. Lesen Sie vor der Anwendung stets die Packungsbeilage und besprechen Sie mögliche Risiken mit Ihrem behandelnden Arzt.
Stand der Information: 2024. Dieser Beipackzettel ersetzt nicht das Gespräch mit Ihrem Arzt oder Apotheker. Bei gesundheitlichen Fragen oder Beschwerden konsultieren Sie immer einen medizinischen Fachmann.
Wann darf Metamizol nicht eingenommen werden?
Metamizol darf nicht angewendet werden bei bekannter Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff, Störungen der Blutbildung, genetischem Glucose-6-Phosphat-Dehydrogenase-Mangel, akuter intermittierender Porphyrie sowie im ersten und letzten Schwangerschaftsdrittel. Auch Säuglinge unter 3 Monaten oder mit einem Körpergewicht unter 5 kg dürfen das Medikament nicht erhalten.
Wie wird Metamizol richtig dosiert?
Die Dosierung von Metamizol richtet sich nach Alter, Körpergewicht und Schmerzintensität. Erwachsene nehmen üblicherweise 500-1000 mg pro Einzeldosis, maximal 4000 mg pro Tag. Bei Kindern erfolgt die Dosierung gewichtsabhängig mit 8-16 mg pro Kilogramm Körpergewicht als Einzeldosis. Die Einnahme sollte im Abstand von 6-8 Stunden erfolgen.
Welche Nebenwirkungen kann Metamizol verursachen?
Die häufigsten Nebenwirkungen sind Hautreaktionen und Blutdruckabfall bei zu schneller Injektion. Die schwerwiegendste, aber sehr seltene Nebenwirkung ist die Agranulozytose (schwerer Mangel an weißen Blutkörperchen), die etwa 1 Fall pro 1 Million Anwendungen betrifft. Warnzeichen sind plötzliches hohes Fieber, Schüttelfrost und Halsschmerzen, die sofortige ärztliche Behandlung erfordern.
Wie schnell wirkt Metamizol und wie lange hält die Wirkung an?
Die Wirkung von Metamizol setzt je nach Darreichungsform unterschiedlich schnell ein: Bei intravenöser Gabe nach 15-30 Minuten, bei Tabletten oder Tropfen nach 30-60 Minuten und bei Zäpfchen nach 45-90 Minuten. Die maximale Wirkung wird nach etwa 1-2 Stunden erreicht, die Wirkdauer beträgt in der Regel 4-6 Stunden.
Kann Metamizol während der Schwangerschaft eingenommen werden?
Metamizol ist im ersten und letzten Schwangerschaftsdrittel kontraindiziert. Im zweiten Trimester kann es nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung kurzfristig angewendet werden, wenn keine Alternativen verfügbar sind. Die Anwendung sollte mit der niedrigsten wirksamen Dosis über den kürzest möglichen Zeitraum erfolgen und nur unter ärztlicher Kontrolle stattfinden.
Letzte Bearbeitung am Samstag, 29. November 2025 – 9:24 Uhr von Alex, Webmaster von med-nebenwirkungen.de.