Aciclovir, auch unter dem Handelsnamen Zovirax bekannt, ist ein bewährtes antivirales Medikament zur Behandlung von Herpes-Infektionen. Seit seiner Einführung in den 1980er Jahren hat sich dieser Wirkstoff als Standardtherapie bei Herpes simplex und Herpes zoster etabliert. In diesem umfassenden Artikel erfahren Sie alles Wichtige über Wirkungsweise, Anwendungsgebiete, Dosierung und mögliche Nebenwirkungen von Aciclovir.
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Was ist Aciclovir?
Aciclovir ist ein antivirales Medikament, das zur Gruppe der Virostatika gehört und speziell zur Behandlung von Infektionen mit Herpesviren entwickelt wurde. Der Wirkstoff wurde in den 1970er Jahren von der Biochemikerin Gertrude Elion entdeckt, wofür sie 1988 den Nobelpreis für Medizin erhielt. Seit seiner Markteinführung im Jahr 1982 unter dem Handelsnamen Zovirax hat Aciclovir die Behandlung von Herpesinfektionen revolutioniert.
Kernfakten zu Aciclovir
Wirkstoffklasse: Nukleosidanalogon (antivirales Medikament)
Hauptanwendung: Behandlung von Herpes simplex und Herpes zoster (Gürtelrose)
Verfügbarkeit: Rezeptpflichtig in Tablettenform, teilweise rezeptfrei als Creme
Hersteller: GlaxoSmithKline (Originalprodukt Zovirax) und zahlreiche Generikahersteller
Wirkungsweise von Aciclovir
Die Wirkung von Aciclovir basiert auf einem hochspezifischen Mechanismus, der gezielt virusinfizierte Zellen angreift, während gesunde Körperzellen weitgehend verschont bleiben. Diese Selektivität macht Aciclovir zu einem besonders gut verträglichen antiviralen Medikament.
Selektive Wirkung
Die Besonderheit von Aciclovir liegt in seiner Selektivität: Da die Aktivierung des Wirkstoffs primär durch viruseigene Enzyme erfolgt, werden hauptsächlich infizierte Zellen betroffen. Gesunde Zellen verfügen nicht über die notwendigen Enzyme zur Aktivierung und bleiben daher weitgehend unbeeinträchtigt. Dies erklärt die gute Verträglichkeit des Medikaments bei gleichzeitig hoher antiviraler Wirksamkeit.
Anwendungsgebiete von Aciclovir
Aciclovir wird bei verschiedenen Herpesinfektionen eingesetzt, wobei die Wahl der Darreichungsform und Dosierung vom Schweregrad und der Lokalisation der Infektion abhängt.
Herpes simplex Typ 1
Lippenherpes (Herpes labialis): Die häufigste Anwendung von Aciclovir. Die Creme wird bei ersten Anzeichen wie Kribbeln oder Brennen aufgetragen.
Wirkung: Verkürzt die Heilungsdauer um durchschnittlich 1-2 Tage und reduziert die Symptomintensität.
Herpes simplex Typ 2
Genitalherpes: Behandlung akuter Ausbrüche und Suppressionstherapie zur Verhinderung von Rezidiven.
Dosierung: Höhere systemische Dosen erforderlich, meist 400-800 mg mehrmals täglich.
Herpes zoster (Gürtelrose)
Varizella-zoster-Virus: Behandlung der schmerzhaften Gürtelrose, besonders bei älteren Patienten und immungeschwächten Personen.
Therapieziel: Reduzierung der Schmerzen und Verhinderung von Komplikationen wie postzosterischer Neuralgie.
Windpocken (Varizellen)
Primärinfektion: Bei schweren Verläufen, besonders bei Erwachsenen oder immungeschwächten Kindern.
Prävention: Kann die Schwere der Erkrankung reduzieren, wenn früh begonnen wird.
Herpes-Enzephalitis
Lebensbedrohliche Infektion: Entzündung des Gehirns durch Herpes-simplex-Viren.
Behandlung: Intravenöse Hochdosistherapie im Krankenhaus, lebensrettende Maßnahme.
Prophylaxe
Immunsupprimierte Patienten: Vorbeugung von Herpesinfektionen bei Patienten nach Organtransplantation oder während Chemotherapie.
Langzeittherapie: Dauerhafte niedrigdosierte Einnahme zur Rezidivprophylaxe.
Darreichungsformen und Dosierung
Aciclovir ist in verschiedenen Darreichungsformen erhältlich, die je nach Schweregrad und Lokalisation der Infektion ausgewählt werden.
Verfügbare Darreichungsformen
Aciclovir-Creme (5%)
Anwendung: Äußerlich bei Lippenherpes
Verfügbarkeit: Rezeptfrei in der Apotheke
Dosierung: 5-mal täglich dünn auf die betroffenen Stellen auftragen
Behandlungsdauer: 5-10 Tage
Besonderheit: Wirkt am besten bei frühzeitigem Beginn in der Prodromalphase
Aciclovir-Tabletten
Stärken: 200 mg, 400 mg, 800 mg
Verfügbarkeit: Rezeptpflichtig
Einnahme: Mit ausreichend Flüssigkeit, unabhängig von Mahlzeiten
Hinweis: Gleichmäßige Verteilung über den Tag wichtig für konstanten Wirkspiegel
Aciclovir-Infusionslösung
Anwendung: Intravenös im Krankenhaus
Indikation: Schwere Infektionen, Herpes-Enzephalitis, immunsupprimierte Patienten
Dosierung: 5-10 mg/kg Körpergewicht alle 8 Stunden
Überwachung: Engmaschige Kontrolle der Nierenfunktion erforderlich
Dosierungsempfehlungen nach Indikation
| Erkrankung | Dosierung | Häufigkeit | Therapiedauer |
|---|---|---|---|
| Lippenherpes (Creme) | 5% Creme | 5-mal täglich | 5-10 Tage |
| Genitalherpes (Erstinfektion) | 200 mg | 5-mal täglich | 5-10 Tage |
| Genitalherpes (Rezidiv) | 200 mg | 5-mal täglich | 5 Tage |
| Genitalherpes (Suppression) | 400 mg | 2-mal täglich | 6-12 Monate |
| Gürtelrose | 800 mg | 5-mal täglich | 7 Tage |
| Windpocken (Erwachsene) | 800 mg | 4-mal täglich | 5-7 Tage |
| Prophylaxe (Immunsuppression) | 200-400 mg | 4-mal täglich | Nach Bedarf |
Wichtige Einnahmehinweise
Frühzeitiger Beginn: Die Behandlung sollte idealerweise innerhalb von 24-48 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome beginnen.
Ausreichend Flüssigkeit: Während der Therapie sollten mindestens 2-3 Liter Flüssigkeit pro Tag getrunken werden, um die Nierenfunktion zu unterstützen.
Therapietreue: Die vorgeschriebene Dosierung und Behandlungsdauer sollte eingehalten werden, auch wenn die Symptome bereits abgeklungen sind.
Wirksamkeit und Behandlungserfolg
Die Wirksamkeit von Aciclovir ist durch zahlreiche klinische Studien gut dokumentiert. Die Erfolgsrate hängt maßgeblich vom Zeitpunkt des Behandlungsbeginns ab.
Wirksamkeitsdaten aus klinischen Studien
Faktoren für optimale Wirksamkeit
Der Behandlungserfolg wird durch mehrere Faktoren beeinflusst:
- Zeitpunkt des Therapiebeginns: Je früher die Behandlung beginnt, desto besser die Wirkung. Idealerweise sollte bereits bei ersten Anzeichen (Prodromalstadium) mit der Therapie begonnen werden.
- Korrekte Dosierung: Die Einhaltung der empfohlenen Dosierung ist entscheidend für ausreichende Wirkspiegel im Körper.
- Immunstatus: Bei immungeschwächten Patienten kann die Wirksamkeit reduziert sein und höhere Dosen können erforderlich werden.
- Resistenzentwicklung: Bei sehr seltenen resistenten Virusstämmen (vor allem bei immunsupprimierten Patienten) kann die Wirksamkeit eingeschränkt sein.
Nebenwirkungen von Aciclovir
Aciclovir gilt als gut verträgliches Medikament mit einem günstigen Nebenwirkungsprofil. Die Art und Häufigkeit der Nebenwirkungen hängen von der Darreichungsform und Dosierung ab.
Häufige Nebenwirkungen (1-10% der Patienten)
Gastrointestinale Beschwerden
Übelkeit, Erbrechen, Durchfall oder Bauchschmerzen können auftreten, sind aber meist mild und vorübergehend.
Kopfschmerzen
Leichte bis moderate Kopfschmerzen gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen der systemischen Therapie.
Müdigkeit und Schwindel
Vorübergehende Erschöpfung oder Schwindelgefühle können besonders zu Beginn der Behandlung auftreten.
Hautreaktionen bei topischer Anwendung
Brennen, Stechen, Juckreiz oder Rötungen an der Applikationsstelle der Creme sind möglich.
Gelegentliche Nebenwirkungen (0,1-1% der Patienten)
Hautausschlag
Allergische Hautreaktionen mit Ausschlag, Juckreiz oder Nesselsucht können auftreten.
Erhöhte Leberwerte
Vorübergehende Erhöhung der Lebertransaminasen, meist ohne klinische Relevanz.
Lichtempfindlichkeit
Erhöhte Sonnenempfindlichkeit der Haut während der Behandlung.
Haarausfall
Reversibler Haarausfall bei längerer hochdosierter Therapie.
Seltene, aber schwerwiegende Nebenwirkungen
Nierenfunktionsstörungen
Bei hohen intravenösen Dosen oder unzureichender Flüssigkeitszufuhr kann es zu Nierenschädigungen kommen. Aciclovir kann in den Nierentubuli auskristallisieren und zu akutem Nierenversagen führen. Besonders gefährdet sind Patienten mit vorbestehenden Nierenproblemen, ältere Menschen und Patienten unter gleichzeitiger Einnahme anderer nephrotoxischer Medikamente.
Vorsichtsmaßnahmen: Ausreichende Flüssigkeitszufuhr (2-3 Liter täglich), regelmäßige Kontrolle der Nierenwerte, Dosisanpassung bei eingeschränkter Nierenfunktion.
Neurologische Nebenwirkungen
In sehr seltenen Fällen, besonders bei hohen Dosen oder eingeschränkter Nierenfunktion, können neurologische Symptome auftreten: Verwirrtheit, Halluzinationen, Krampfanfälle, Tremor, Bewusstseinsstörungen oder Koma.
Risikofaktoren: Höheres Alter, Niereninsuffizienz, hohe Dosierung, neurologische Vorerkrankungen.
Schwere allergische Reaktionen
Sehr selten können schwere allergische Reaktionen wie Angioödeme oder anaphylaktische Reaktionen auftreten, die sofortige medizinische Hilfe erfordern.
Gegenanzeigen und Vorsichtsmaßnahmen
Absolute Kontraindikationen
Aciclovir darf nicht angewendet werden bei:
- Bekannte Überempfindlichkeit: Gegen Aciclovir, Valaciclovir oder einen der sonstigen Bestandteile
- Schwere Nierenfunktionsstörungen: Ohne entsprechende Dosisanpassung (bei systemischer Anwendung)
Besondere Vorsicht erforderlich bei
Eingeschränkte Nierenfunktion
Bei Patienten mit Niereninsuffizienz ist eine Dosisanpassung erforderlich. Die Dosis muss entsprechend der Kreatinin-Clearance reduziert werden, um Akkumulation und Toxizität zu vermeiden.
Empfehlung: Regelmäßige Kontrolle der Nierenwerte während der Therapie.
Ältere Patienten
Bei älteren Menschen ist die Nierenfunktion häufig altersbedingt eingeschränkt, auch wenn die Laborwerte noch im Normbereich liegen. Eine vorsichtige Dosierung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind besonders wichtig.
Dehydratation
Patienten mit unzureichender Flüssigkeitszufuhr haben ein erhöhtes Risiko für Nierenkomplikationen. Während der Therapie sollte auf ausreichende Hydratation geachtet werden.
Neurologische Erkrankungen
Bei vorbestehenden neurologischen Störungen oder in der Vorgeschichte aufgetretenen neurologischen Reaktionen auf Cytotoxika ist besondere Vorsicht geboten.
Schwangerschaft und Stillzeit
Anwendung in der Schwangerschaft
Aciclovir wird in die Schwangerschaftskategorie B eingestuft. Umfangreiche Daten aus Schwangerschaftsregistern zeigen kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen oder andere schädliche Wirkungen auf das ungeborene Kind.
Empfehlung: Aciclovir kann in der Schwangerschaft angewendet werden, wenn der potenzielle Nutzen das theoretische Risiko überwiegt. Besonders bei schweren Herpesinfektionen oder Gürtelrose ist die Behandlung indiziert.
Besonderheit: Bei Genitalherpes kurz vor der Geburt kann eine Suppressionstherapie das Risiko eines Kaiserschnitts reduzieren und eine vaginale Entbindung ermöglichen.
Anwendung in der Stillzeit
Aciclovir geht in geringen Mengen in die Muttermilch über. Die Konzentrationen sind jedoch niedrig, und bisher wurden keine schädlichen Wirkungen bei gestillten Säuglingen beobachtet.
Empfehlung: Stillen kann unter Aciclovir-Therapie fortgesetzt werden. Bei systemischer Hochdosistherapie sollte der Säugling beobachtet werden.
Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten
Aciclovir weist im Vergleich zu vielen anderen Medikamenten relativ wenige klinisch relevante Wechselwirkungen auf. Dennoch sollten bestimmte Kombinationen beachtet werden.
Wichtige Arzneimittelinteraktionen
| Medikament/Wirkstoffgruppe | Wechselwirkung | Klinische Bedeutung |
|---|---|---|
| Probenecid | Verzögerte Ausscheidung von Aciclovir | Erhöhte Aciclovir-Spiegel, längere Halbwertszeit, mögliche Dosisreduktion erforderlich |
| Mycophenolatmofetil | Gegenseitige Erhöhung der Plasmaspiegel | Bei Niereninsuffizienz besondere Vorsicht, engmaschige Überwachung |
| Nephrotoxische Substanzen | Additive Nierenschädigung | Erhöhtes Risiko für Nierenversagen, Nierenwerte überwachen |
| Cimetidin | Verminderte renale Clearance | Erhöhte Aciclovir-Konzentrationen, meist klinisch nicht relevant |
| Zidovudin (AZT) | Mögliche neurologische Nebenwirkungen | Erhöhte Müdigkeit und Lethargie möglich, Patienten informieren |
Nephrotoxische Medikamente
Besondere Vorsicht ist geboten bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten, die ebenfalls die Nieren belasten können:
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac
- Aminoglykosid-Antibiotika (z.B. Gentamicin)
- Ciclosporin und Tacrolimus (Immunsuppressiva)
- Amphotericin B (Antimykotikum)
- Cisplatin und andere Chemotherapeutika
- Röntgenkontrastmittel
Resistenzentwicklung
Obwohl Aciclovir seit über 40 Jahren eingesetzt wird, ist die Resistenzentwicklung erfreulich selten. Resistenzen treten hauptsächlich bei immunsupprimierten Patienten auf, die über längere Zeiträume behandelt werden.
Mechanismen der Resistenz
Resistenzen entstehen durch Mutationen in den viralen Genen für:
- Thymidinkinase: Häufigster Mechanismus (95% der Fälle) – das Virus kann Aciclovir nicht mehr aktivieren
- DNA-Polymerase: Seltener – das virale Enzym erkennt Aciclovir-Triphosphat nicht mehr als Substrat
Resistenzhäufigkeit
Umgang mit Resistenzen
Bei Verdacht auf Aciclovir-Resistenz (therapierefraktäre Herpesinfektionen trotz korrekter Dosierung) stehen alternative Therapieoptionen zur Verfügung:
- Foscarnet: Wirkt unabhängig von der viralen Thymidinkinase, ist aber nephrotoxischer
- Cidofovir: Alternative bei Foscarnet-Resistenz oder -Unverträglichkeit
- Höhere Aciclovir-Dosen: Bei partieller Resistenz manchmal noch wirksam
Vergleich: Aciclovir vs. Valaciclovir
Valaciclovir ist ein Prodrug von Aciclovir, das im Körper zu Aciclovir umgewandelt wird. Es gibt wichtige Unterschiede zwischen beiden Wirkstoffen.
| Merkmal | Aciclovir | Valaciclovir |
|---|---|---|
| Bioverfügbarkeit | 10-20% | 54-65% |
| Einnahmehäufigkeit | 5-mal täglich | 2-3-mal täglich |
| Wirksamkeit | Gut bei korrekter Einnahme | Vergleichbar, bessere Compliance |
| Kosten | Günstiger (Generika) | Teurer |
| Anwendungskomfort | Häufige Einnahme erforderlich | Bequemere Einnahme |
| Nebenwirkungen | Vergleichbar | Vergleichbar |
Empfehlung zur Wahl
Aciclovir: Geeignet für Patienten, die mit der häufigen Einnahme zurechtkommen und Kosten sparen möchten. Auch als Creme zur topischen Anwendung.
Valaciclovir: Bevorzugt bei Patienten, bei denen die Therapietreue ein Problem darstellen könnte, oder wenn eine bequemere Einnahme gewünscht wird.
Wirksamkeit: Bei korrekter Einnahme sind beide Wirkstoffe gleich wirksam, da Valaciclovir im Körper zu Aciclovir umgewandelt wird.
Praktische Anwendungstipps
Optimale Anwendung der Aciclovir-Creme
Frühzeitiger Beginn
Beginnen Sie die Behandlung bereits bei den ersten Anzeichen wie Kribbeln, Brennen oder Spannungsgefühl – noch bevor Bläschen sichtbar werden. In dieser Prodromalphase ist die Wirksamkeit am höchsten.
Richtige Auftragstechnik
Tragen Sie die Creme dünn auf die betroffenen Stellen und die unmittelbare Umgebung auf. Verwenden Sie ein Wattestäbchen oder waschen Sie sich danach gründlich die Hände, um eine Virusübertragung zu vermeiden.
Regelmäßigkeit
Tragen Sie die Creme alle 4 Stunden auf (5-mal täglich), auch nachts wenn möglich. Regelmäßige Anwendung sorgt für konstante Wirkspiegel an der Infektionsstelle.
Hygiene beachten
Vermeiden Sie das Berühren der Bläschen und waschen Sie sich häufig die Hände. Verwenden Sie separate Handtücher und Trinkgefäße, um eine Übertragung auf andere Personen zu verhindern.
Tipps für die systemische Therapie
- Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie während der Behandlung mindestens 2-3 Liter Flüssigkeit pro Tag, um die Nierenfunktion zu unterstützen und das Risiko von Kristallbildung in den Nieren zu minimieren.
- Gleichmäßige Einnahme: Verteilen Sie die Dosen gleichmäßig über den Tag, um konstante Wirkspiegel zu erreichen. Stellen Sie sich gegebenenfalls Erinnerungen ein.
- Nicht vorzeitig abbrechen: Auch wenn die Symptome bereits nach wenigen Tagen abklingen, sollte die Therapie für die vorgeschriebene Dauer fortgesetzt werden, um Rezidive zu vermeiden.
- Bei Vergessen: Wenn Sie eine Dosis vergessen haben, nehmen Sie diese ein, sobald Sie daran denken. Wenn es jedoch fast Zeit für die nächste Dosis ist, lassen Sie die vergessene Dosis aus und fahren Sie mit dem normalen Schema fort. Nehmen Sie nicht die doppelte Dosis ein.
Lagerung und Haltbarkeit
Richtige Aufbewahrung
Tabletten: Bei Raumtemperatur (unter 25°C) in der Originalverpackung aufbewahren, um vor Feuchtigkeit zu schützen. Nicht im Badezimmer lagern.
Creme: Bei Raumtemperatur lagern, nicht einfrieren. Nach Anbruch innerhalb der auf der Packung angegebenen Frist verbrauchen (meist 3-6 Monate).
Kindersicherheit: Alle Arzneimittel außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren.
Haltbarkeit: Nach Ablauf des Verfallsdatums nicht mehr verwenden. Abgelaufene Medikamente in der Apotheke entsorgen.
Kosten und Verfügbarkeit
Die Kosten für Aciclovir variieren je nach Darreichungsform, Dosierung und Hersteller erheblich.
Preisübersicht (Stand 2024)
| Darreichungsform | Packungsgröße | Preisspanne | Verfügbarkeit |
|---|---|---|---|
| Aciclovir-Creme 5% | 2g Tube | 4-8 Euro | Rezeptfrei |
| Aciclovir-Creme 5% | 10g Tube | 12-20 Euro | Rezeptfrei |
| Aciclovir 200mg Tabletten | 25 Tabletten | 12-18 Euro | Rezeptpflichtig |
| Aciclovir 400mg Tabletten | 30 Tabletten | 18-30 Euro | Rezeptpflichtig |
| Aciclovir 800mg Tabletten | 35 Tabletten | 30-50 Euro | Rezeptpflichtig |
| Zovirax (Original) | Verschiedene | 2-3x teurer als Generika | Rezeptpflichtig/-frei |
Kostenerstattung
Gesetzliche Krankenkassen: Rezeptpflichtige Aciclovir-Präparate werden bei medizinischer Indikation von den gesetzlichen Krankenkassen erstattet. Patienten zahlen die gesetzliche Zuzahlung von 5-10 Euro pro Packung.
Rezeptfreie Creme: Die Kosten für rezeptfreie Aciclovir-Creme bei Lippenherpes müssen in der Regel selbst getragen werden, außer bei Kindern unter 12 Jahren oder in besonderen Ausnahmefällen.
Private Krankenversicherungen: Die Erstattung richtet sich nach dem individuellen Versicherungsvertrag, meist werden die Kosten übernommen.
Alternativen zu Aciclovir
Neben Aciclovir stehen weitere antivirale Medikamente zur Behandlung von Herpesinfektionen zur Verfügung.
Valaciclovir (Valtrex)
Vorteile: Bessere Bioverfügbarkeit, weniger häufige Einnahme (2-3x täglich statt 5x)
Nachteile: Teurer als Aciclovir
Empfohlen für: Patienten mit Compliance-Problemen
Famciclovir (Famvir)
Vorteile: Gute orale Bioverfügbarkeit, effektiv bei Herpes zoster
Nachteile: Teurer, weniger Langzeiterfahrung als mit Aciclovir
Empfohlen für: Gürtelrose, rezidivierende Genitalherpes
Brivudin (Zostex)
Vorteile: Nur einmal täglich, sehr wirksam bei Gürtelrose
Nachteile: Nur bei Herpes zoster zugelassen, nicht bei Herpes simplex, gefährliche Wechselwirkung mit 5-Fluorouracil
Empfohlen für: Speziell bei Gürtelrose
Penciclovir-Creme (Fenistil)
Vorteile: Topische Alternative bei Lippenherpes
Nachteile: Häufigere Anwendung erforderlich (alle 2 Stunden)
Empfohlen für: Lippenherpes als Alternative zur Aciclovir-Creme
Docosanol-Creme (Erazaban)
Vorteile: Anderer Wirkmechanismus, rezeptfrei
Nachteile: Weniger gut untersucht als Aciclovir
Empfohlen für: Leichte Fälle von Lippenherpes
Foscarnet
Vorteile: Wirksam bei Aciclovir-resistenten Viren
Nachteile: Nur intravenös, nephrotoxisch, Reservemedikament
Empfohlen für: Schwere Infektionen bei immunsupprimierten Patienten mit Resistenzen
Häufig gestellte Fragen zu Aciclovir
Kann Aciclovir Herpes heilen?
Nein, Aciclovir kann Herpesviren nicht vollständig aus dem Körper eliminieren. Die Viren verbleiben lebenslang in den Nervenzellen (Ganglien) und können nicht durch Medikamente erreicht werden. Aciclovir unterdrückt die Virusvermehrung während eines akuten Ausbruchs und kann die Häufigkeit von Rezidiven reduzieren, aber es heilt die Infektion nicht dauerhaft.
Wie lange dauert es, bis Aciclovir wirkt?
Bei frühzeitigem Beginn der Behandlung (innerhalb von 24-48 Stunden nach Symptombeginn) können viele Patienten bereits nach 24-48 Stunden eine Besserung der Symptome bemerken. Die Bläschen heilen schneller ab, und Schmerzen sowie Juckreiz lassen nach. Die vollständige Abheilung dauert je nach Schwere der Infektion 5-10 Tage.
Kann man Aciclovir langfristig einnehmen?
Ja, bei häufigen Rezidiven (mehr als 6 Ausbrüche pro Jahr) kann eine Langzeit-Suppressionstherapie sinnvoll sein. Studien zeigen, dass Aciclovir auch über Jahre hinweg sicher eingenommen werden kann. Die übliche Dosis beträgt 400 mg zweimal täglich. Nach 6-12 Monaten sollte gemeinsam mit dem Arzt überprüft werden, ob die Therapie fortgesetzt werden soll.
Macht Aciclovir abhängig?
Nein, Aciclovir hat kein Abhängigkeitspotenzial. Es kann jederzeit abgesetzt werden, ohne dass Entzugserscheinungen auftreten. Die Viren werden durch das Medikament nicht „gewöhnt“ oder aggressiver – nach Absetzen kehrt die natürliche Ausbruchshäufigkeit zurück.
Fazit und Zusammenfassung
Aciclovir ist ein bewährtes, sicheres und wirksames antivirales Medikament zur Behandlung von Herpesinfektionen. Seit über 40 Jahren hat es sich als Goldstandard in der Therapie von Herpes simplex und Herpes zoster etabliert.
Wichtigste Punkte im Überblick
✓ Wirkmechanismus: Selektive Hemmung der viralen DNA-Synthese durch Blockade der viralen DNA-Polymerase
✓ Anwendungsgebiete: Lippenherpes, Genitalherpes, Gürtelrose, Windpocken, Herpes-Enzephalitis
✓ Darreichungsformen: Creme (rezeptfrei), Tabletten (rezeptpflichtig), Infusionslösung (Klinik)
✓ Verträglichkeit: Gut verträglich mit meist milden Nebenwirkungen
✓ Wirksamkeit: Verkürzt Heilungsdauer, reduziert Symptome, verringert Rezidivhäufigkeit
✓ Sicherheit: Auch in Schwangerschaft und Stillzeit anwendbar
✓ Resistenz: Sehr selten bei immunkompetenten Patienten
Wichtige Warnhinweise
⚠ Frühzeitiger Beginn: Je früher die Behandlung beginnt, desto besser die Wirkung – idealerweise bei ersten Anzeichen
⚠ Ausreichend trinken: Während der Therapie mindestens 2-3 Liter Flüssigkeit täglich zur Unterstützung der Nierenfunktion
⚠ Therapietreue: Vorgeschriebene Dosierung und Behandlungsdauer einhalten, auch wenn Symptome abklingen
⚠ Nierenfunktion: Bei eingeschränkter Nierenfunktion Dosisanpassung erforderlich
⚠ Arzt konsultieren: Bei schweren Symptomen, fehlender Besserung oder Auftreten ungewöhnlicher Nebenwirkungen
Aciclovir bleibt trotz der Verfügbarkeit neuerer Alternativen ein wichtiges Medikament in der antiviralen Therapie. Die langjährige Erfahrung, das günstige Sicherheitsprofil und die Verfügbarkeit kostengünstiger Generika machen es zur Therapie der ersten Wahl bei vielen Herpesinfektionen. Bei korrekter Anwendung und unter Beachtung der Vorsichtsmaßnahmen können die meisten Patienten von einer wirksamen und sicheren Behandlung profitieren.
Was ist Aciclovir und wofür wird es verwendet?
Aciclovir ist ein antivirales Medikament zur Behandlung von Herpesinfektionen. Es wird eingesetzt bei Lippenherpes, Genitalherpes, Gürtelrose (Herpes zoster) und Windpocken. Das Medikament hemmt die Vermehrung der Herpesviren, indem es die virale DNA-Synthese blockiert. Aciclovir ist als Creme, Tabletten und Infusionslösung verfügbar und gilt als Standardtherapie bei Herpesinfektionen.
Wie schnell wirkt Aciclovir bei Lippenherpes?
Bei frühzeitigem Beginn der Behandlung können erste Verbesserungen bereits nach 24-48 Stunden spürbar sein. Die Wirksamkeit ist am höchsten, wenn die Behandlung bereits bei den ersten Anzeichen wie Kribbeln oder Brennen beginnt – noch bevor Bläschen sichtbar werden. Aciclovir verkürzt die Heilungsdauer im Durchschnitt um 1-2 Tage und reduziert die Intensität der Symptome deutlich.
Welche Nebenwirkungen hat Aciclovir?
Aciclovir ist im Allgemeinen gut verträglich. Häufige Nebenwirkungen umfassen leichte Kopfschmerzen, Übelkeit und Müdigkeit. Bei der Creme können lokale Hautreaktionen wie Brennen oder Juckreiz auftreten. Seltene, aber ernstere Nebenwirkungen sind Nierenfunktionsstörungen, besonders bei unzureichender Flüssigkeitszufuhr oder hohen Dosen. Neurologische Symptome wie Verwirrtheit treten sehr selten auf, meist nur bei Risikopatienten mit eingeschränkter Nierenfunktion.
Kann man Aciclovir in der Schwangerschaft einnehmen?
Ja, Aciclovir kann in der Schwangerschaft angewendet werden, wenn der Nutzen das Risiko überwiegt. Umfangreiche Daten aus Schwangerschaftsregistern zeigen kein erhöhtes Risiko für Fehlbildungen beim ungeborenen Kind. Aciclovir wird in die Schwangerschaftskategorie B eingestuft. Auch in der Stillzeit kann es verwendet werden, da nur geringe Mengen in die Muttermilch übergehen und bisher keine schädlichen Wirkungen bei gestillten Säuglingen beobachtet wurden.
Wie unterscheidet sich Aciclovir von Valaciclovir?
Valaciclovir ist ein Prodrug von Aciclovir mit besserer Bioverfügbarkeit (54-65% gegenüber 10-20%). Der Hauptvorteil liegt in der bequemeren Einnahme: Valaciclovir muss nur 2-3-mal täglich eingenommen werden, während Aciclovir 5-mal täglich erforderlich ist. Die Wirksamkeit ist vergleichbar, da Valaciclovir im Körper zu Aciclovir umgewandelt wird. Aciclovir ist als Generikum deutlich günstiger, während Valaciclovir die bessere Therapietreue durch seltenere Einnahme fördert.
Letzte Bearbeitung am Montag, 1. Dezember 2025 – 8:06 Uhr von Alex, Webmaster von med-nebenwirkungen.de.