Lungenembolie | Verschluss einer Lungenarterie

Eine Lungenembolie ist ein medizinischer Notfall, bei dem eine oder mehrere Lungenarterien durch ein Blutgerinnsel verschlossen werden. Diese lebensbedrohliche Erkrankung betrifft in Deutschland jährlich etwa 60.000 bis 100.000 Menschen und erfordert eine sofortige medizinische Behandlung. In diesem umfassenden Ratgeber erfahren Sie alles Wichtige über Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der Lungenembolie sowie präventive Maßnahmen zur Vermeidung dieser gefährlichen Komplikation.

⚕️ Medizinischer Hinweis zu Lungenembolie | Verschluss einer Lungenarterie

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Was ist eine Lungenembolie?

Inhaltsverzeichnis

Eine Lungenembolie (Pulmonalarterienembolie) entsteht, wenn ein Blutgerinnsel oder seltener andere Materialien wie Fett, Luft oder Tumorgewebe eine oder mehrere Lungenarterien verstopfen. In über 90 Prozent der Fälle stammt das Blutgerinnsel aus den tiefen Beinvenen oder Beckenvenen und wandert über das venöse System zum Herzen und schließlich in die Lunge. Dort blockiert es den Blutfluss, wodurch der betroffene Lungenabschnitt nicht mehr ausreichend durchblutet wird und die Sauerstoffversorgung des Körpers beeinträchtigt ist.

Wichtige Fakten zur Lungenembolie

Häufigkeit: In Deutschland erleiden jährlich etwa 60.000 bis 100.000 Menschen eine Lungenembolie. Die Inzidenz liegt bei etwa 75 bis 115 Fällen pro 100.000 Einwohner pro Jahr. Mit zunehmendem Alter steigt das Risiko deutlich an.

Sterblichkeit: Unbehandelt liegt die Sterblichkeitsrate bei etwa 30 Prozent. Mit rechtzeitiger Behandlung sinkt diese auf 2 bis 8 Prozent. Dennoch versterben in Deutschland jährlich etwa 40.000 Menschen an den Folgen einer Lungenembolie.

Ursachen und Entstehung der Lungenembolie

Die Lungenembolie ist meist die Folge einer tiefen Venenthrombose (TVT). Das Verständnis der Entstehungsmechanismen ist entscheidend für Prävention und frühzeitige Erkennung.

Die Virchow-Trias: Drei Hauptfaktoren der Thromboseentstehung

Verlangsamter Blutfluss

Längere Immobilität, etwa durch Bettlägerigkeit, lange Flug- oder Autoreisen, führt zu einer Verlangsamung des venösen Rückflusses. Dies begünstigt die Bildung von Blutgerinnseln in den Beinvenen.

Gefäßwandschädigung

Verletzungen der Venenwände durch Operationen, Traumata, Katheter oder entzündliche Prozesse schaffen Angriffspunkte für die Gerinnselbildung.

Erhöhte Gerinnungsneigung

Angeborene oder erworbene Gerinnungsstörungen, Krebserkrankungen, Hormontherapien oder Schwangerschaft erhöhen die Neigung zur Thrombosebildung.

Häufige Risikofaktoren im Detail

Operationen: Besonders orthopädische Eingriffe an Hüfte oder Knie erhöhen das Risiko um das 5- bis 10-fache
Immobilisation: Bettlägerigkeit über 3 Tage oder längere Reisen über 4 Stunden
Krebserkrankungen: 4- bis 7-fach erhöhtes Risiko, besonders bei Bauchspeicheldrüsen-, Lungen- und Magenkrebs
Hormonelle Faktoren: Antibabypille, Hormonersatztherapie, Schwangerschaft und Wochenbett
Vorerkrankungen: Herzinsuffizienz, chronische Lungenerkrankungen, frühere Thrombosen
Alter: Ab 60 Jahren steigt das Risiko deutlich an
Übergewicht: BMI über 30 verdoppelt das Risiko
Rauchen: Erhöht das Risiko um etwa 50 Prozent

Symptome und Anzeichen einer Lungenembolie

Die Symptome einer Lungenembolie können sehr unterschiedlich ausgeprägt sein und hängen vom Ausmaß der Gefäßverschlüsse ab. Während kleine Embolien manchmal unbemerkt bleiben oder nur leichte Beschwerden verursachen, führen massive Lungenembolien zu dramatischen Symptomen und können innerhalb kürzester Zeit lebensbedrohlich werden.

⚠️ NOTFALL: Bei Verdacht auf Lungenembolie sofort den Notruf 112 wählen!

Hauptsymptome der Lungenembolie

🫁 Plötzliche Atemnot

Tritt bei etwa 80 Prozent der Patienten auf. Die Atemnot beginnt meist plötzlich und verschlimmert sich bei körperlicher Anstrengung. Betroffene haben das Gefühl, nicht genug Luft zu bekommen.

💓 Beschleunigter Herzschlag

Tachykardie mit über 100 Schlägen pro Minute tritt bei etwa 70 Prozent auf. Das Herz versucht, den Sauerstoffmangel durch schnelleres Pumpen zu kompensieren.

🗡️ Brustschmerzen

Stechende, atemabhängige Schmerzen im Brustbereich treten bei 50 bis 70 Prozent auf. Die Schmerzen verstärken sich beim tiefen Einatmen oder Husten.

🩸 Bluthusten

Bei etwa 10 bis 30 Prozent der Patienten kommt es zum Abhusten von blutigem Auswurf. Dies deutet auf einen Lungeninfarkt hin.

😰 Angstgefühl

Viele Patienten berichten von starker Angst, Unruhe und Todesangst. Dies ist teilweise eine direkte Folge des Sauerstoffmangels.

💤 Bewusstseinsstörungen

Bei schweren Embolien können Schwindel, Benommenheit bis hin zur Bewusstlosigkeit auftreten. Dies ist ein Zeichen für kritischen Sauerstoffmangel.

Schweregrade der Lungenembolie

Leichte Lungenembolie

Weniger als 30% der Lungengefäße betroffen

Kreislauf stabil

Leichte Atemnot bei Belastung

Mittelschwere Lungenembolie

30-50% der Lungengefäße betroffen

Deutliche Atemnot

Erhöhte Herzfrequenz

Rechtsherzbelastung nachweisbar

Massive Lungenembolie

Über 50% der Lungengefäße betroffen

Schockzustand

Blutdruckabfall

Akute Lebensgefahr

Diagnose der Lungenembolie

Die Diagnose einer Lungenembolie ist oft herausfordernd, da die Symptome unspezifisch sein können und auch bei anderen Erkrankungen auftreten. Eine schnelle und sichere Diagnose ist jedoch lebensrettend.

Diagnostischer Ablauf

1. Klinische Untersuchung und Anamnese

Der Arzt erfragt die Symptome, Risikofaktoren und Vorerkrankungen. Eine körperliche Untersuchung gibt erste Hinweise auf Atemnot, Herzfrequenz und Blutdruck.

2. Wells-Score zur Risikoeinschätzung

Ein standardisiertes Punktesystem bewertet die Wahrscheinlichkeit einer Lungenembolie anhand klinischer Kriterien:

  • Klinische Zeichen einer tiefen Venenthrombose (3 Punkte)
  • Lungenembolie wahrscheinlicher als andere Diagnosen (3 Punkte)
  • Herzfrequenz über 100/min (1,5 Punkte)
  • Immobilisation oder Operation in den letzten 4 Wochen (1,5 Punkte)
  • Frühere Thrombose oder Embolie (1,5 Punkte)
  • Bluthusten (1 Punkt)
  • Krebserkrankung (1 Punkt)

Auswertung: 0-1 Punkte = niedriges Risiko, 2-6 Punkte = mittleres Risiko, über 6 Punkte = hohes Risiko

3. D-Dimer-Test

Ein Bluttest, der Abbauprodukte von Blutgerinnseln nachweist. Ein negativer D-Dimer-Test bei niedrigem klinischem Risiko schließt eine Lungenembolie mit hoher Sicherheit aus. Achtung: Ein positiver Test ist nicht spezifisch und kann auch bei anderen Erkrankungen erhöht sein.

4. Bildgebende Verfahren

Computertomographie-Angiographie (CT-Angiographie)

Der Goldstandard der Lungenembolie-Diagnostik. Mit Kontrastmittel werden die Lungengefäße dargestellt und Verschlüsse mit einer Sensitivität von über 95 Prozent erkannt. Die Untersuchung dauert nur wenige Minuten.

Ventilations-Perfusions-Szintigraphie (V/Q-Scan)

Alternative zur CT, besonders bei Kontrastmittelallergie oder Schwangerschaft. Die Untersuchung vergleicht Belüftung und Durchblutung der Lunge.

Echokardiographie (Herzultraschall)

Zeigt die Belastung des rechten Herzens und hilft bei der Schweregradeinschätzung. Kann direkt am Krankenbett durchgeführt werden.

5. Weitere Untersuchungen

  • EKG: Kann Zeichen der Rechtsherzbelastung zeigen
  • Röntgen-Thorax: Schließt andere Lungenerkrankungen aus
  • Blutgasanalyse: Misst Sauerstoff- und Kohlendioxidgehalt im Blut
  • Ultraschall der Beinvenen: Sucht nach der Thrombose als Emboliequelle

Behandlung der Lungenembolie

Die Therapie richtet sich nach dem Schweregrad der Lungenembolie und muss schnellstmöglich eingeleitet werden. Ziele sind die Auflösung des Gerinnsels, die Stabilisierung des Kreislaufs und die Verhinderung weiterer Embolien.

Akutbehandlung

Antikoagulation (Blutverdünnung)

Sofortmaßnahme: Beginn meist noch vor endgültiger Diagnosebestätigung bei hohem Verdacht

Heparin: Wird initial als Injektion oder Infusion gegeben, wirkt sofort

Moderne orale Antikoagulanzien (NOAKs): Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban – können oft direkt eingesetzt werden

Vitamin-K-Antagonisten: Marcumar/Warfarin – klassische Therapie, erfordert regelmäßige Kontrollen

Dauer: Mindestens 3 Monate, bei Risikofaktoren auch länger oder lebenslang

Thrombolyse (Gerinnselauflösung)

Indikation: Bei massiver Lungenembolie mit Kreislaufinstabilität

Wirkstoffe: Alteplase, Tenecteplase – lösen das Gerinnsel aktiv auf

Wirkung: Schnelle Verbesserung innerhalb von Stunden

Risiko: Erhöhte Blutungsgefahr, daher strenge Indikationsstellung

Erfolgsrate: Über 90 Prozent bei rechtzeitiger Anwendung

Kathetergestützte Therapie

Verfahren: Mechanische Entfernung oder lokale Auflösung des Gerinnsels über einen Katheter

Vorteil: Geringeres Blutungsrisiko als systemische Thrombolyse

Anwendung: Bei mittelschweren bis schweren Fällen, wenn Thrombolyse kontraindiziert ist

Methoden: Aspirationsthrombektomie, Fragmentierung, lokale Lyse

Chirurgische Embolektomie

Indikation: Bei lebensbedrohlicher Lungenembolie, wenn andere Therapien versagen oder kontraindiziert sind

Durchführung: Offene Operation am Herzen mit Herz-Lungen-Maschine

Erfolgsrate: 70-80 Prozent bei erfahrenen Zentren

Risiko: Hohe Komplikationsrate, nur als letzte Option

Supportive Maßnahmen

Begleitende Behandlung zur Stabilisierung

  • Sauerstoffgabe: Verbesserung der Sauerstoffversorgung über Nasensonde oder Maske
  • Schmerztherapie: Linderung der Brustschmerzen mit Analgetika
  • Kreislaufunterstützung: Bei Bedarf Flüssigkeitsgabe und kreislaufstabilisierende Medikamente
  • Überwachung: Monitoring auf Intensivstation bei schweren Fällen
  • Frühmobilisation: Nach Stabilisierung vorsichtige Bewegung zur Thromboseprophylaxe

Langzeittherapie und Nachsorge

Nach der Akutbehandlung ist eine konsequente Nachsorge entscheidend für den Behandlungserfolg und die Vermeidung von Komplikationen.

Antikoagulation

Die blutverdünnende Therapie wird in der Regel für mindestens 3 bis 6 Monate fortgesetzt. Bei bestimmten Risikofaktoren kann eine längerfristige oder lebenslange Antikoagulation notwendig sein:

  • Wiederholte Thromboembolien
  • Aktive Krebserkrankung
  • Angeborene Gerinnungsstörungen
  • Ungeklärte Ursache (idiopathische Lungenembolie)

Kontrolluntersuchungen

Regelmäßige ärztliche Kontrollen sind wichtig:

  • Nach 3 Monaten: Evaluation der Antikoagulationstherapie
  • Nach 3-6 Monaten: Echokardiographie zur Kontrolle der Rechtsherzfunktion
  • Bei persistierenden Beschwerden: Ausschluss einer chronischen Lungenembolie
  • Gerinnungskontrollen bei Vitamin-K-Antagonisten (INR-Wert zwischen 2,0 und 3,0)

Komplikationen und Spätfolgen

Akute Komplikationen

Lebensbedrohliche Sofortkomplikationen

Rechtsherzversagen: Die häufigste Todesursache bei massiver Lungenembolie. Das rechte Herz kann gegen den erhöhten Widerstand in der Lunge nicht mehr ausreichend pumpen.

Kardiogener Schock: Kreislaufzusammenbruch durch das Versagen der Herzpumpfunktion mit Multiorganversagen.

Lungeninfarkt: Absterben von Lungengewebe durch mangelnde Durchblutung, tritt bei etwa 10 Prozent der Patienten auf.

Chronische Komplikationen

Chronisch thromboembolische pulmonale Hypertonie (CTEPH)

Bei etwa 2 bis 4 Prozent der Patienten entwickelt sich innerhalb von 2 Jahren ein chronischer Lungenhochdruck. Ursache sind persistierende Gerinnselreste in den Lungengefäßen. Symptome sind zunehmende Atemnot und eingeschränkte Belastbarkeit.

Post-Thrombotisches Syndrom

Bei 20 bis 50 Prozent der Patienten mit tiefer Beinvenenthrombose entwickelt sich ein chronisches Venenleiden mit Schwellungen, Schmerzen und Hautveränderungen am betroffenen Bein.

Rezidiv-Thromboembolien

Ohne Antikoagulation liegt das Risiko für erneute Thromboembolien bei etwa 30 Prozent im ersten Jahr. Mit adäquater Therapie sinkt dieses auf 1 bis 3 Prozent.

Prävention und Vorbeugung

Die Vermeidung von Thrombosen ist der beste Schutz vor einer Lungenembolie. Präventive Maßnahmen sind besonders wichtig bei erhöhtem Risiko.

Allgemeine Präventionsmaßnahmen

🚶 Bewegung und Mobilität

Regelmäßige körperliche Aktivität fördert die Durchblutung und verhindert Blutstau. Mindestens 30 Minuten moderate Bewegung täglich wird empfohlen. Bei langen Reisen oder Büroarbeit regelmäßig aufstehen und umhergehen.

💧 Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

Mindestens 1,5 bis 2 Liter Wasser pro Tag trinken. Flüssigkeitsmangel macht das Blut dickflüssiger und erhöht das Thromboserisiko. Besonders wichtig bei Reisen und im Alter.

🏋️ Gewichtskontrolle

Übergewicht reduzieren, da dies das Thromboserisiko deutlich erhöht. Ein BMI unter 30 wird angestrebt. Kombination aus gesunder Ernährung und Bewegung ist optimal.

🚭 Rauchstopp

Rauchen aufgeben, da Nikotin die Gefäßwände schädigt und die Blutgerinnung fördert. Das Thromboserisiko sinkt bereits wenige Monate nach dem Rauchstopp deutlich.

🩺 Kompressionsstrümpfe

Bei Venenschwäche oder erhöhtem Risiko medizinische Kompressionsstrümpfe tragen. Diese verbessern den venösen Rückfluss und reduzieren das Thromboserisiko um bis zu 60 Prozent.

💊 Medikamentöse Prophylaxe

Bei hohem Risiko (Operation, Immobilisation, Krebs) vorbeugende Gabe von niedermolekularem Heparin. Die Injektionen werden täglich unter die Haut gegeben.

Spezielle Situationen

Reise-Thrombose-Prophylaxe

Bei Flügen oder Autofahrten über 4 Stunden:

  • Bequeme, nicht einengende Kleidung tragen
  • Kompressionsstrümpfe verwenden (Klasse 1 oder 2)
  • Alle 2 Stunden aufstehen und umhergehen
  • Fußgymnastik: Füße kreisen, Zehen bewegen, Wadenmuskulatur anspannen
  • Ausreichend trinken, Alkohol meiden
  • Bei hohem Risiko: Einmalige Heparin-Injektion vor Reiseantritt

Thromboseprophylaxe bei Operationen

Standardmaßnahmen im Krankenhaus:

  • Risikobewertung vor jedem operativen Eingriff
  • Frühmobilisation: Aufstehen bereits am Operationstag wenn möglich
  • Medizinische Thromboseprophylaxestrümpfe
  • Intermittierende pneumatische Kompression während und nach der Operation
  • Medikamentöse Prophylaxe mit niedermolekularem Heparin oder Fondaparinux
  • Fortsetzung für 7-35 Tage je nach Eingriffsart und Risiko

Prophylaxe bei Schwangerschaft

Schwangerschaft erhöht das Thromboserisiko um das 4- bis 5-fache:

  • Regelmäßige Bewegung und Schwangerschaftsgymnastik
  • Kompressionsstrümpfe ab dem 2. Trimester
  • Bei Risikofaktoren: Niedermolekulares Heparin während Schwangerschaft und Wochenbett
  • Besondere Vorsicht nach Kaiserschnitt
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr

Prognose und Lebensqualität nach Lungenembolie

Überlebensraten und Langzeitprognose

Sofortprognose: Mit rechtzeitiger Behandlung überleben 92 bis 98 Prozent der Patienten die Akutphase. Ohne Behandlung liegt die Sterblichkeit bei etwa 30 Prozent.

Langzeitprognose: Nach überstandener Lungenembolie haben Patienten eine gute Lebenserwartung. Die 5-Jahres-Überlebensrate liegt bei etwa 75 Prozent. Die Prognose hängt stark von Grunderkrankungen und Risikofaktoren ab.

Rezidivrisiko: Ohne Antikoagulation erleiden 15 bis 25 Prozent der Patienten innerhalb von 5 Jahren eine erneute Thromboembolie. Mit adäquater Therapie sinkt dieses auf unter 5 Prozent.

Lebensqualität und Rehabilitation

Viele Patienten erholen sich vollständig von einer Lungenembolie. Einige berichten jedoch über anhaltende Beschwerden:

  • Belastungsdyspnoe: 30 bis 50 Prozent klagen über Atemnot bei körperlicher Anstrengung
  • Reduzierte Leistungsfähigkeit: Müdigkeit und schnelle Erschöpfung in den ersten Monaten
  • Psychische Belastung: Angst vor erneuter Embolie, depressive Verstimmungen
  • Einschränkungen durch Antikoagulation: Blutungsrisiko, Kontrolluntersuchungen

Rehabilitationsmaßnahmen

Eine strukturierte Rehabilitation kann die Erholung beschleunigen:

  • Physiotherapie und Atemtherapie zur Verbesserung der Lungenfunktion
  • Bewegungstherapie mit schrittweiser Steigerung der Belastbarkeit
  • Schulungen zu Erkrankung, Medikation und Selbstmanagement
  • Psychologische Unterstützung bei Ängsten und Depressionen
  • Ernährungsberatung und Gewichtsmanagement
  • Sozialberatung zu beruflicher Wiedereingliederung

Besondere Patientengruppen

Lungenembolie bei Krebspatienten

Krebserkrankungen erhöhen das Thromboserisiko um das 4- bis 7-fache. Besonders betroffen sind Patienten mit Bauchspeicheldrüsen-, Lungen-, Magen- und Gehirntumoren sowie bei Chemotherapie. Die Behandlung erfolgt bevorzugt mit niedermolekularem Heparin für mindestens 3 bis 6 Monate. Bei aktiver Tumorerkrankung ist oft eine langfristige Antikoagulation notwendig.

Lungenembolie in der Schwangerschaft

Thromboembolien sind eine führende Todesursache bei Schwangeren in Industrieländern. Das Risiko ist besonders im letzten Schwangerschaftsdrittel und in den ersten 6 Wochen nach der Geburt erhöht. Die Diagnose ist erschwert, da viele Symptome auch physiologisch in der Schwangerschaft auftreten. Die Behandlung erfolgt mit niedermolekularem Heparin, da orale Antikoagulanzien dem Ungeborenen schaden können.

Lungenembolie im hohen Alter

Bei über 75-Jährigen steigt die Inzidenz auf über 300 Fälle pro 100.000 Einwohner. Die Diagnose ist oft schwierig, da Symptome unspezifisch sein können. Ältere Patienten haben ein höheres Blutungsrisiko unter Antikoagulation, weshalb eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung erforderlich ist. Die Prognose ist durch Begleiterkrankungen häufig eingeschränkt.

Zusammenfassung und Schlussfolgerungen

Die Lungenembolie ist ein medizinischer Notfall, der schnelles Handeln erfordert. Durch moderne Diagnostik und effektive Behandlungsmöglichkeiten können heute über 90 Prozent der Patienten gerettet werden. Entscheidend ist die frühzeitige Erkennung der Symptome und die sofortige Einleitung der Therapie.

Die Prävention spielt eine zentrale Rolle: Durch einfache Maßnahmen wie ausreichende Bewegung, Flüssigkeitszufuhr und bei Risikopatienten durch medikamentöse Prophylaxe kann das Auftreten von Thrombosen und Lungenembolien deutlich reduziert werden.

Nach überstandener Lungenembolie ist eine konsequente Nachsorge mit angemessener Antikoagulation wichtig, um Rezidive zu vermeiden. Die meisten Patienten erholen sich vollständig und können ein normales Leben führen. Bei anhaltenden Beschwerden stehen effektive Rehabilitationsmaßnahmen zur Verfügung.

Wichtige Merksätze zur Lungenembolie

  • Bei plötzlicher Atemnot, Brustschmerzen und beschleunigtem Herzschlag sofort den Notarzt rufen
  • Frühe Diagnose und Behandlung retten Leben – die Sterblichkeit sinkt von 30% auf unter 8%
  • Die meisten Lungenembolien entstehen aus tiefen Beinvenenthrombosen
  • Bewegung, ausreichend Trinken und bei Risiko Kompressionsstrümpfe schützen vor Thrombosen
  • Nach Lungenembolie ist eine mindestens 3-monatige Blutverdünnung notwendig
  • Die Prognose ist bei rechtzeitiger Behandlung gut – die meisten Patienten erholen sich vollständig

Was ist eine Lungenembolie und wie entsteht sie?

Eine Lungenembolie ist ein Verschluss einer oder mehrerer Lungenarterien durch ein Blutgerinnsel, das meist aus den Beinvenen stammt. In über 90 Prozent der Fälle wandert das Gerinnsel über das venöse System zum Herzen und von dort in die Lunge, wo es den Blutfluss blockiert und die Sauerstoffversorgung beeinträchtigt. Dies führt zu einer gefährlichen Belastung des Herzens und kann unbehandelt lebensbedrohlich sein.

Welche Symptome deuten auf eine Lungenembolie hin?

Die häufigsten Symptome sind plötzlich auftretende Atemnot (bei 80 Prozent), beschleunigter Herzschlag über 100 Schläge pro Minute, stechende atemabhängige Brustschmerzen und Angstgefühle. Bei schweren Fällen können Bluthusten, Schwindel und Bewusstseinsstörungen auftreten. Da diese Anzeichen auf einen medizinischen Notfall hindeuten, sollte sofort der Notruf 112 gewählt werden.

Wie wird eine Lungenembolie diagnostiziert?

Die Diagnose erfolgt durch mehrere Schritte: Zunächst wird das Risiko anhand klinischer Kriterien (Wells-Score) eingeschätzt und ein D-Dimer-Bluttest durchgeführt. Bei Verdacht folgt eine CT-Angiographie der Lunge, die mit über 95 Prozent Genauigkeit Verschlüsse nachweist. Ergänzend werden Herzultraschall, EKG und Ultraschall der Beinvenen eingesetzt, um das Ausmaß zu bestimmen und die Emboliequelle zu finden.

Wie wird eine Lungenembolie behandelt?

Die Standardbehandlung ist die sofortige Blutverdünnung mit Heparin-Injektionen oder modernen oralen Antikoagulanzien für mindestens 3 Monate. Bei lebensbedrohlichen Fällen wird eine Thrombolyse durchgeführt, die das Gerinnsel aktiv auflöst. Unterstützend erhalten Patienten Sauerstoff, Schmerzmedikamente und bei Bedarf kreislaufstabilisierende Maßnahmen. Die Behandlung erfolgt zunächst im Krankenhaus unter engmaschiger Überwachung.

Wie kann man einer Lungenembolie vorbeugen?

Wichtige Präventionsmaßnahmen sind regelmäßige Bewegung, ausreichende Flüssigkeitszufuhr von 1,5 bis 2 Litern täglich und das Vermeiden längerer Immobilität. Bei erhöhtem Risiko durch Operationen, lange Reisen oder Vorerkrankungen helfen Kompressionsstrümpfe und medikamentöse Prophylaxe mit niedermolekularem Heparin. Gewichtsnormalisierung, Rauchstopp und bei Langstreckenflügen regelmäßiges Aufstehen und Fußgymnastik reduzieren das Thromboserisiko deutlich.


Letzte Bearbeitung am Samstag, 29. November 2025 – 14:55 Uhr von Alex, Webmaster von med-nebenwirkungen.de.

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