Psoriasis / Autoimmun (Autoimmunerkrankungen)

Psoriasis, auch Schuppenflechte genannt, ist eine chronische Autoimmunerkrankung, die weltweit etwa 125 Millionen Menschen betrifft. Diese nicht ansteckende Hauterkrankung entsteht durch eine Fehlregulation des Immunsystems, bei der sich Hautzellen bis zu zehnmal schneller erneuern als normal. Die Erkrankung zeigt sich durch entzündete, schuppende Hautareale und kann erhebliche Auswirkungen auf die Lebensqualität haben. In diesem umfassenden Artikel erfahren Sie alles über Ursachen, Symptome, Diagnose und moderne Behandlungsmöglichkeiten der Psoriasis als Autoimmunerkrankung.

⚕️ Medizinischer Hinweis zu Psoriasis / Autoimmun (Autoimmunerkrankungen)

Inhaltsverzeichnis

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Was ist Psoriasis als Autoimmunerkrankung?

Psoriasis ist eine chronische, entzündliche Autoimmunerkrankung, die primär die Haut betrifft, aber auch andere Organsysteme beeinflussen kann. Bei dieser Erkrankung greift das eigene Immunsystem fälschlicherweise gesunde Hautzellen an, was zu einer beschleunigten Zellerneuerung führt. Während sich gesunde Hautzellen normalerweise alle 28 bis 30 Tage erneuern, geschieht dies bei Psoriasis-Patienten bereits innerhalb von 3 bis 4 Tagen.

Wichtige Fakten zur Psoriasis

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) schätzt, dass weltweit etwa 2-3% der Bevölkerung von Psoriasis betroffen sind. In Deutschland leiden rund 2 Millionen Menschen an dieser chronischen Hauterkrankung. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten, manifestiert sich jedoch häufig zwischen dem 15. und 25. Lebensjahr oder zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr.

125 Mio.
Betroffene weltweit
2-3%
der Weltbevölkerung
30%
entwickeln Psoriasis-Arthritis
10x
schnellere Zellerneuerung

Ursachen und Entstehungsmechanismus der Psoriasis

Genetische Faktoren

Die genetische Veranlagung spielt eine zentrale Rolle bei der Entstehung von Psoriasis. Studien zeigen, dass etwa 30-40% der Betroffenen mindestens einen Verwandten ersten Grades mit Psoriasis haben. Forscher haben mehr als 60 genetische Varianten identifiziert, die mit einem erhöhten Psoriasis-Risiko verbunden sind, wobei die Gene der HLA-Region (Human Leukocyte Antigen) auf Chromosom 6 besonders bedeutsam sind.

Immunologische Prozesse

Bei Psoriasis kommt es zu einer Fehlregulation des angeborenen und erworbenen Immunsystems. T-Lymphozyten, insbesondere Th1- und Th17-Zellen, spielen eine Schlüsselrolle im Krankheitsgeschehen. Diese Immunzellen setzen entzündungsfördernde Botenstoffe (Zytokine) frei, darunter:

  • Tumor-Nekrose-Faktor-alpha (TNF-α) – verstärkt Entzündungsreaktionen
  • Interleukin-17 (IL-17) – fördert die Proliferation von Keratinozyten
  • Interleukin-23 (IL-23) – aktiviert und erhält Th17-Zellen
  • Interleukin-22 (IL-22) – beschleunigt die Hautzellvermehrung

Auslösende Faktoren (Trigger)

Verschiedene Umwelt- und Lebensstilfaktoren können Psoriasis-Schübe auslösen oder verschlimmern:

Infektionen

Besonders Streptokokken-Infektionen des Rachens können eine Psoriasis guttata auslösen. Auch virale Infekte können Schübe begünstigen.

Stress

Psychischer Stress ist einer der häufigsten Auslöser für Psoriasis-Schübe und kann die Symptome deutlich verschlimmern.

Medikamente

Beta-Blocker, Lithium, ACE-Hemmer und plötzliches Absetzen von Kortison können Psoriasis triggern oder verschlechtern.

Hautverletzungen

Das Köbner-Phänomen beschreibt das Auftreten neuer Psoriasis-Herde an Stellen mechanischer Hautreizung oder Verletzung.

Alkohol und Rauchen

Beide Faktoren erhöhen das Risiko für Psoriasis und können den Krankheitsverlauf negativ beeinflussen.

Hormonelle Veränderungen

Pubertät, Schwangerschaft und Menopause können den Verlauf der Psoriasis beeinflussen.

Formen und Symptome der Psoriasis

Psoriasis vulgaris (Plaque-Psoriasis)

Mit etwa 80-90% aller Fälle ist die Plaque-Psoriasis die häufigste Form. Sie zeigt sich durch:

  • Scharf begrenzte, erhabene, rötliche Hautareale (Plaques)
  • Silbrig-weiße Schuppung auf den Plaques
  • Juckreiz unterschiedlicher Intensität
  • Bevorzugte Lokalisation: Ellenbogen, Knie, Kopfhaut, unterer Rücken
  • Größe variiert von münzgroß bis handtellergroß

Psoriasis guttata (Tropfenpsoriasis)

Diese Form tritt häufig nach Infektionen auf und betrifft vor allem Kinder und junge Erwachsene. Charakteristisch sind kleine, tropfenförmige, rötliche Läsionen, die am gesamten Körper auftreten können. Die Psoriasis guttata kann spontan abheilen oder in eine chronische Plaque-Psoriasis übergehen.

Psoriasis pustulosa

Eine seltenere, aber schwerwiegendere Form mit sterilen Eiterbläschen (Pusteln) auf geröteter Haut. Man unterscheidet:

Lokalisierte Form (Psoriasis pustulosa palmoplantaris)

Betrifft Handflächen und Fußsohlen mit gelblichen Pusteln, die zu braunen Krusten eintrocknen. Dies führt zu erheblichen funktionellen Einschränkungen im Alltag.

Generalisierte Form (Von-Zumbusch-Typ)

Ein medizinischer Notfall mit plötzlichem Auftreten zahlreicher Pusteln am ganzen Körper, begleitet von Fieber, Schüttelfrost und Krankheitsgefühl. Erfordert sofortige stationäre Behandlung.

Psoriasis inversa

Diese Form betrifft Hautfalten wie Achselhöhlen, Leistenregion, Bereich unter den Brüsten und Gesäßfalte. Die Läsionen sind glatt, glänzend und weniger schuppig, da die Feuchtigkeit in diesen Bereichen die Schuppenbildung reduziert. Oft wird diese Form durch Reibung und Schwitzen verschlimmert.

Psoriasis-Arthritis

Etwa 30% der Psoriasis-Patienten entwickeln eine entzündliche Gelenkerkrankung. Die Psoriasis-Arthritis kann sich manifestieren als:

  • Asymmetrische Oligoarthritis – Befall weniger Gelenke, oft an Händen und Füßen
  • Symmetrische Polyarthritis – ähnelt der rheumatoiden Arthritis
  • Spondylitis – Entzündung der Wirbelsäule
  • Daktylitis – Wurstförmige Schwellung ganzer Finger oder Zehen
  • Enthesitis – Entzündung der Sehnenansätze

Wichtiger Hinweis zur Psoriasis-Arthritis

Die Gelenkbeteiligung kann zu irreversiblen Schäden führen, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt und behandelt wird. Bei Gelenkschmerzen, Morgensteifigkeit oder Schwellungen sollte umgehend ein Rheumatologe konsultiert werden. Frühe Diagnose und Therapie sind entscheidend für die Prognose.

Diagnose der Psoriasis

Klinische Untersuchung

Die Diagnose wird in den meisten Fällen klinisch durch einen Dermatologen gestellt. Typische diagnostische Kriterien sind:

Auspitz-Phänomen

Beim vorsichtigen Entfernen der Schuppen zeigt sich punktförmige Blutung, da die Kapillaren bis in die obersten Hautschichten reichen.

Kerzenwachsphänomen

Beim Kratzen lösen sich die Schuppen wie Kerzenwachs in Schichten ab.

Phänomen des letzten Häutchens

Nach Entfernung der Schuppen wird ein dünnes, glänzendes Häutchen sichtbar.

Zusätzliche Diagnostik

Untersuchung Zweck Wann notwendig
Hautbiopsie Histologische Sicherung der Diagnose Bei unklaren Befunden oder atypischer Präsentation
Laboruntersuchungen Ausschluss anderer Erkrankungen, Entzündungsmarker Bei Verdacht auf systemische Beteiligung
Bildgebung (Röntgen, MRT, Ultraschall) Beurteilung von Gelenkveränderungen Bei Verdacht auf Psoriasis-Arthritis
PASI-Score Beurteilung des Schweregrades Verlaufskontrolle und Therapieplanung
DLQI-Fragebogen Einschätzung der Lebensqualität Erfassung der psychosozialen Belastung

Schweregrad-Beurteilung

Der PASI (Psoriasis Area and Severity Index) ist das wichtigste Instrument zur Beurteilung des Schweregrades:

  • PASI 0-10 – Leichte Psoriasis
  • PASI 10-20 – Mittelschwere Psoriasis
  • PASI > 20 – Schwere Psoriasis

Alternativ oder ergänzend wird die betroffene Körperoberfläche (BSA – Body Surface Area) berücksichtigt:

  • BSA < 3% – Leichte Form
  • BSA 3-10% – Mittelschwere Form
  • BSA > 10% – Schwere Form

Behandlungsmöglichkeiten der Psoriasis

Stufentherapie der Psoriasis

1

Topische Therapie (Leichte Psoriasis)

Kortikosteroide: Entzündungshemmende Salben und Cremes in unterschiedlichen Stärken. Klasse I (schwach) bis Klasse IV (sehr stark) je nach Lokalisation und Schweregrad.

Vitamin-D3-Analoga: Calcipotriol, Tacalcitol oder Calcitriol normalisieren die Zellteilung und wirken entzündungshemmend. Oft in Kombination mit Kortikosteroiden.

Weitere Optionen: Dithranol (Cignolin), Salicylsäure zur Schuppenlösung, Steinkohlenteer, Retinoide (Tazaroten).

2

Phototherapie (Lichttherapie)

UVB-Schmalspektrum (311 nm): Die Standardphototherapie mit 3-4 Behandlungen pro Woche über 6-12 Wochen. Ansprechrate von 70-80%.

PUVA-Therapie: Kombination aus Psoralen (lichtsensibilisierendes Medikament) und UVA-Bestrahlung. Besonders wirksam bei schweren Formen.

Excimer-Laser: Gezielte Bestrahlung einzelner Plaques mit 308 nm UVB-Licht, schont gesunde Haut.

3

Systemische konventionelle Therapie

Methotrexat: Immunsuppressivum, wöchentliche Gabe von 7,5-25 mg. Besonders bei Psoriasis-Arthritis wirksam. Regelmäßige Laborkontrollen erforderlich.

Ciclosporin: Starkes Immunsuppressivum für schwere, akute Schübe. Maximale Therapiedauer 2 Jahre wegen Nebenwirkungen.

Acitretin: Retinoid, besonders wirksam bei pustulösen Formen. Langfristige Anwendung möglich, aber strenge Verhütung bei Frauen notwendig.

Fumarsäureester: Immunmodulierend mit guter Langzeitverträglichkeit. Beginn mit niedriger Dosis und langsamer Steigerung.

4

Biologika (Biotechnologisch hergestellte Medikamente)

TNF-α-Inhibitoren: Adalimumab, Etanercept, Infliximab – blockieren den Entzündungsbotenstoff TNF-alpha.

IL-17-Inhibitoren: Secukinumab, Ixekizumab, Brodalumab – neuere Generation mit hoher Wirksamkeit (PASI 90 bei 60-70% der Patienten).

IL-23-Inhibitoren: Guselkumab, Tildrakizumab, Risankizumab – längste Wirkdauer, Injektionen alle 8-12 Wochen möglich.

IL-12/23-Inhibitor: Ustekinumab – bewährtes Biologikum mit gutem Sicherheitsprofil.

5

Small Molecules (Kleine Moleküle)

Apremilast: PDE-4-Hemmer in Tablettenform, wirkt entzündungshemmend. Vorteil: Orale Einnahme, keine Injektionen, keine Immunsuppression.

JAK-Inhibitoren: Deucravacitinib – neueste Entwicklung, hemmt spezifisch TYK2 (Tyrosinkinase 2). Zeigt vielversprechende Ergebnisse in Studien.

Therapiewahl nach Schweregrad

Leichte Psoriasis

Topische Therapie ausreichend
Kortikosteroide + Vitamin D3
Pflegeprodukte

Mittelschwere Psoriasis

Phototherapie
Ggf. systemische Therapie
Kombinationsbehandlung

Schwere Psoriasis

Systemische Therapie
Biologika bevorzugt
Interdisziplinäre Betreuung

Begleiterkrankungen bei Psoriasis

Psoriasis ist nicht nur eine Hauterkrankung, sondern eine systemische Erkrankung mit erhöhtem Risiko für verschiedene Komorbiditäten:

Kardiovaskuläre Erkrankungen

Patienten mit schwerer Psoriasis haben ein um 50% erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall. Die chronische Entzündung fördert Arteriosklerose. Risikofaktoren wie Bluthochdruck, erhöhte Blutfette und Diabetes treten häufiger auf.

Metabolisches Syndrom

Die Kombination aus Übergewicht, Insulinresistenz, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen tritt bei Psoriasis-Patienten 2-3 mal häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung.

Psychische Erkrankungen

Etwa 30% der Psoriasis-Patienten leiden unter Depressionen, 20% unter Angststörungen. Die sichtbaren Hautveränderungen, Juckreiz und chronische Schmerzen beeinträchtigen die Lebensqualität erheblich. Das Suizidrisiko ist im Vergleich zur Normalbevölkerung erhöht.

Weitere Komorbiditäten

  • Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: Morbus Crohn und Colitis ulcerosa treten häufiger auf
  • Nicht-alkoholische Fettleber: Erhöhtes Risiko bei Psoriasis-Patienten
  • Osteoporose: Besonders bei Psoriasis-Arthritis
  • Malignome: Leicht erhöhtes Risiko für Lymphome
  • Uveitis: Entzündung der mittleren Augenhaut

Bedeutung der Komorbidität

Die Behandlung von Psoriasis sollte immer ganzheitlich erfolgen. Regelmäßige Kontrollen von Blutdruck, Blutzucker, Blutfetten und Körpergewicht sind ebenso wichtig wie die Hautbehandlung. Eine interdisziplinäre Betreuung durch Dermatologen, Hausärzte, Rheumatologen und bei Bedarf Kardiologen sowie Psychotherapeuten ist optimal.

Lebensstil und Selbstmanagement

Ernährung bei Psoriasis

Eine spezielle Psoriasis-Diät gibt es nicht, aber bestimmte Ernährungsempfehlungen können den Krankheitsverlauf positiv beeinflussen:

Empfohlene Ernährungsweise

  • Mediterrane Kost: Reich an Omega-3-Fettsäuren (fetter Seefisch, Leinsamen, Walnüsse), Olivenöl, frischem Gemüse und Obst
  • Antioxidantien: Beeren, grünes Blattgemüse, Tomaten neutralisieren freie Radikale
  • Gewichtsreduktion: Bei Übergewicht Normalisierung des BMI – jedes verlorene Kilogramm verbessert die Symptome
  • Ausreichend Flüssigkeit: 2-3 Liter Wasser täglich für gesunde Haut

Zu meidende Nahrungsmittel

  • Alkohol: Verstärkt Entzündungen und kann Therapieeffekte reduzieren
  • Rotes Fleisch und Wurstwaren: Enthalten Arachidonsäure, die Entzündungen fördert
  • Zucker und Weißmehlprodukte: Fördern Entzündungsprozesse
  • Stark verarbeitete Lebensmittel: Enthalten oft entzündungsfördernde Zusatzstoffe

Hautpflege

Die richtige Basispflege ist ein wesentlicher Bestandteil der Psoriasis-Behandlung:

Grundregeln der Hautpflege

  • Tägliches Eincremen mit rückfettenden, harnstoffhaltigen (5-10% Urea) Produkten
  • Milde, pH-neutrale Reinigungsprodukte ohne Parfüm und Konservierungsstoffe verwenden
  • Kurze, lauwarme Duschen bevorzugen – zu heißes Wasser reizt die Haut
  • Haut nach dem Waschen vorsichtig trockentupfen, nicht rubbeln
  • Mechanische Reizung der Haut vermeiden (enge Kleidung, Kratzen)
  • Sonnenschutz verwenden – moderate Sonnenexposition kann helfen, Sonnenbrand verschlimmert

Stressmanagement

Da Stress ein wichtiger Triggerfaktor ist, sind Entspannungstechniken essentiell:

  • Progressive Muskelrelaxation nach Jacobson: Systematisches An- und Entspannen von Muskelgruppen
  • Meditation und Achtsamkeit: Reduziert Stress und verbessert den Umgang mit der Erkrankung
  • Yoga: Kombiniert Bewegung, Atmung und Entspannung
  • Autogenes Training: Selbstsuggestion zur Tiefenentspannung
  • Psychotherapie: Bei starker psychischer Belastung professionelle Unterstützung suchen

Sport und Bewegung

Regelmäßige körperliche Aktivität wirkt entzündungshemmend und verbessert die Lebensqualität:

  • Ausdauersport: Schwimmen (Chlorwasser anschließend abspülen), Walking, Radfahren – mindestens 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche
  • Krafttraining: Erhält Muskelmasse und Knochendichte, besonders wichtig bei Psoriasis-Arthritis
  • Gelenkschonende Sportarten: Wassergymnastik, Tai Chi bei Gelenkbeteiligung

Prognose und Verlauf

Psoriasis ist eine chronische Erkrankung, die nicht heilbar ist, aber gut kontrollierbar sein kann. Der Verlauf ist individuell sehr unterschiedlich:

Verlaufsformen

  • Chronisch-stationär: Gleichbleibende Symptomatik über lange Zeit
  • Schubweise: Wechsel zwischen Verschlechterungen und Besserungen
  • Kontinuierlich progredient: Langsame Verschlechterung über die Jahre
  • Selbstlimitierend: Spontane Abheilung möglich, besonders bei Psoriasis guttata

Faktoren für eine gute Prognose

Positive Prognosefaktoren

  • Früher Therapiebeginn und konsequente Behandlung
  • Geringe Krankheitsaktivität zu Beginn
  • Keine Gelenkbeteiligung
  • Normalgewicht und gesunder Lebensstil
  • Gutes Stressmanagement
  • Regelmäßige dermatologische Kontrollen
  • Therapietreue (Adhärenz)

Moderne Therapieziele

Heute gilt bei Psoriasis das Prinzip „Treat to Target“ – Behandlung bis zum Erreichen definierter Ziele:

  • PASI 90 oder 100: 90-100% Verbesserung des Hautbefundes
  • DLQI 0-1: Keine oder minimale Beeinträchtigung der Lebensqualität
  • Erscheinungsfreiheit: Komplette oder nahezu komplette Abheilung der Haut

Mit modernen Biologika sind diese ambitionierten Ziele bei vielen Patienten erreichbar. Studien zeigen, dass 60-80% der Patienten unter Biologika-Therapie eine PASI 90-Verbesserung erreichen können.

Forschung und Zukunftsperspektiven

Neue Wirkstoffe in Entwicklung

Die Psoriasis-Forschung ist sehr aktiv, zahlreiche neue Therapieansätze befinden sich in klinischen Studien:

  • Weitere IL-17-Inhibitoren: Bimekizumab (dual gegen IL-17A und IL-17F) zeigt in Studien PASI 100-Raten von über 60%
  • Orale TYK2-Inhibitoren: Neue Generation der Small Molecules mit verbesserter Wirksamkeit
  • IL-36-Inhibitoren: Speziell für pustulöse Psoriasis-Formen (Spesolimab bereits zugelassen)
  • Topische JAK-Inhibitoren: Ruxolitinib-Creme für leichte bis mittelschwere Formen

Personalisierte Medizin

Zukünftig sollen Biomarker und genetische Profile helfen, für jeden Patienten die optimale Therapie von Anfang an zu identifizieren. Künstliche Intelligenz wird zunehmend zur Vorhersage des Therapieansprechens eingesetzt.

Präventionsansätze

Forschung zu Präventionsstrategien bei genetisch vorbelasteten Personen läuft. Studien untersuchen, ob Lebensstilinterventionen den Ausbruch der Erkrankung verhindern oder verzögern können.

Leben mit Psoriasis – Zusammenfassung

Psoriasis ist eine komplexe Autoimmunerkrankung, die weit über die Haut hinausgeht. Dank moderner Therapien ist heute für die meisten Patienten ein nahezu beschwerdefreies Leben möglich. Entscheidend sind die frühe Diagnose, individuell angepasste Behandlung und ein ganzheitlicher Ansatz, der neben der medikamentösen Therapie auch Lebensstilmodifikation, psychosoziale Unterstützung und Management von Begleiterkrankungen umfasst.

Betroffene sollten sich nicht scheuen, mit ihrem Dermatologen offen über ihre Beschwerden und Therapieziele zu sprechen. Die Behandlung sollte so lange angepasst werden, bis eine zufriedenstellende Krankheitskontrolle erreicht ist. Mit der richtigen Therapie und Selbstmanagement können Psoriasis-Patienten heute eine Lebensqualität erreichen, die der von Gesunden nahekommt.

Was ist Psoriasis und wie entsteht sie?

Psoriasis ist eine chronische Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem fälschlicherweise gesunde Hautzellen angreift. Dies führt zu einer beschleunigten Zellerneuerung – statt alle 28-30 Tage erneuern sich die Hautzellen bereits innerhalb von 3-4 Tagen. Die Erkrankung hat eine genetische Komponente und wird durch verschiedene Faktoren wie Stress, Infektionen oder Medikamente getriggert.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es bei Psoriasis?

Die Behandlung erfolgt stufenweise: Bei leichten Formen kommen topische Therapien (Kortison, Vitamin-D3-Analoga) zum Einsatz. Bei mittelschweren Formen wird Phototherapie eingesetzt. Schwere Formen werden mit systemischen Medikamenten behandelt, wobei moderne Biologika (IL-17-, IL-23-Inhibitoren) besonders wirksam sind und bei 60-80% der Patienten eine deutliche Verbesserung erreichen.

Ist Psoriasis heilbar und wie ist die Prognose?

Psoriasis ist derzeit nicht heilbar, aber sehr gut kontrollierbar. Mit modernen Therapien, insbesondere Biologika, können heute 60-80% der Patienten eine 90-100%ige Verbesserung ihres Hautbefundes erreichen. Der Verlauf ist individuell unterschiedlich und reicht von milden Formen mit langen beschwerdefreien Phasen bis zu schweren chronischen Verläufen, die eine kontinuierliche Behandlung erfordern.

Welche Rolle spielt die Ernährung bei Psoriasis?

Eine spezielle Psoriasis-Diät existiert nicht, aber die Ernährung kann den Verlauf beeinflussen. Empfohlen wird mediterrane Kost mit viel Omega-3-Fettsäuren, Gemüse und Obst. Gewichtsreduktion bei Übergewicht verbessert die Symptome nachweislich. Gemieden werden sollten Alkohol, rotes Fleisch und stark verarbeitete Lebensmittel, da diese Entzündungsprozesse fördern können.

Welche Begleiterkrankungen können bei Psoriasis auftreten?

Psoriasis ist eine systemische Erkrankung mit erhöhtem Risiko für verschiedene Komorbiditäten. Etwa 30% der Patienten entwickeln eine Psoriasis-Arthritis. Das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen ist um 50% erhöht, metabolisches Syndrom tritt 2-3 mal häufiger auf. Auch Depressionen, Angststörungen und chronisch-entzündliche Darmerkrankungen kommen häufiger vor, weshalb eine ganzheitliche Betreuung wichtig ist.


Letzte Bearbeitung am Sonntag, 30. November 2025 – 16:41 Uhr von Alex, Webmaster von med-nebenwirkungen.de.

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