Notfall und Giftnotruf
Bei Lebensgefahr (etwa Bewusstlosigkeit, schwerer Atemnot, starken Brustschmerzen oder einer Vergiftung) wählen Sie den Rettungsdienst unter 112. Ist es dringend, aber nicht lebensbedrohlich, und die Arztpraxen sind geschlossen, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117. Bei Verdacht auf eine Vergiftung oder Überdosierung beraten die sieben Giftinformationszentren rund um die Uhr; die Nummer für Ihr Bundesland steht in der Tabelle auf dieser Seite.

Diese Seite hilft Ihnen, im Ernstfall schnell die richtige Nummer zu finden. In lebensbedrohlichen Fällen alarmieren Sie den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 [2].
- 112: Rettungsdienst bei lebensbedrohlichen Notfällen [2, 3]
- 116 117: ärztlicher Bereitschaftsdienst, rund um die Uhr, wenn die Arztpraxen geschlossen sind [1]
- Giftnotruf: Die Giftinformationszentren beraten rund um die Uhr bei Vergiftungen oder Verdacht darauf; die Nummer für Ihr Bundesland steht in der Tabelle unten [4, 5]
112 oder 116 117?
Unter 112 erreichen Sie den Rettungsdienst, der innerhalb kürzester Zeit bei den Betroffenen ist; er ist für lebensbedrohliche Erkrankungen zuständig [3]. Die Kassenärztliche Bundesvereinigung nennt als Beispiele für die 112 [2]:
- Bewusstlosigkeit oder erhebliche Bewusstseinstrübung
- schwere Atemnot
- starke Brustschmerzen oder Herzbeschwerden
- starke, nicht stillbare Blutungen
- Vergiftungen
- Suizidversuche
- akute und anhaltende Krampfanfälle
- Unfälle mit Verdacht auf starke Verletzungen, starke Verbrennungen, Ertrinkungs- und Stromunfälle
- eine plötzliche Geburt oder Komplikationen in der Schwangerschaft
- akute und anhaltende stärkste Schmerzen
Die 116 117 ist der ärztliche Bereitschaftsdienst. Er hilft, wenn drei Bedingungen zusammenkommen: Die Praxen sind geschlossen, etwa am Wochenende oder an einem Feiertag; es geht um Beschwerden, mit denen Sie sonst in eine Arztpraxis gehen würden; und die Behandlung kann aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten [2]. Beispiele sind eine Erkältung mit Fieber über 39 °C, anhaltender Brechdurchfall, wenn kaum Flüssigkeit aufgenommen wird, starke Hals- oder Ohrenschmerzen, akute Harnwegsinfekte sowie akute Rücken- oder Bauchschmerzen [2].
Die 116 117 ist 24 Stunden am Tag und 7 Tage die Woche erreichbar und mit einem deutschen Telefonvertrag kostenlos [1]. Sie wird ohne Vorwahl gewählt, vom Festnetz wie vom Handy aus [3]. Für lebensbedrohliche Fälle ist sie ausdrücklich nicht gedacht [1, 3]. Auf 116117.de finden Sie außerdem Bereitschaftspraxen in Ihrer Nähe und einen Verweis auf die Suche nach Notdienstapotheken [1].
Verdacht auf Vergiftung oder Überdosierung: Was tun?
In Deutschland gibt es derzeit sieben Giftinformationszentren. Sie beraten Anruferinnen und Anrufer bei Vergiftungen oder Vergiftungsverdacht 24 Stunden am Tag und 365 Tage im Jahr [5]. Die Beratung richtet sich an Laien ebenso wie an medizinisches Fachpersonal und umfasst ausdrücklich auch Vergiftungen durch Medikamente [7, 15]. Die Giftzentrale Bonn beschreibt, dass ihre Fachleute anhand der Angaben im Gespräch entscheiden, ob die eingenommene Substanz ungiftig ist, ob eine Beobachtung oder Behandlung durch eine Ärztin oder einen Arzt nötig ist oder ob der Notarzt alarmiert werden sollte [19].
Bei lebensbedrohlichen Zeichen wie Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen oder Verdacht auf eine Verätzung rät die Informationszentrale gegen Vergiftungen in Bonn, direkt den Notarzt über 112 zu rufen [7]. Für die ersten Schritte nennen die Giftnotrufe [8, 16]:
- Ruhe bewahren [16].
- Kein Erbrechen auslösen, auch nicht mit dem Finger im Hals oder mit Salzwasser. Erbrochenes kann in die Lunge geraten, und Salzwasser kann schwere Folgen haben [8, 16].
- Keine Milch geben. Milch ist kein Gegengift und kann die Aufnahme des Gifts über den Darm sogar beschleunigen [8, 16].
- Den Giftnotruf Ihres Bundeslandes anrufen und seinen Empfehlungen folgen [16].
- Packung, Flasche oder Reste des Mittels mitnehmen, wenn Sie in eine Praxis oder Klinik gehen sollen [9, 16].
Medizinische Kohle sollte nur von ärztlichem Personal gegeben werden [8]. Einem Kind, das etwas Giftiges geschluckt hat, kann man nach der Giftzentrale Bonn Wasser, Tee oder Saft in kleinen Schlucken zu trinken geben [8]. Ist eine Person bewusstlos, bringen Sie sie in die Seitenlage, flößen ihr keine Flüssigkeit ein, unternehmen keinen Brechversuch und rufen sofort den Notarzt [8]. Bei Augenkontakt, besonders mit Säuren, Laugen oder Kalk, die Augen sofort mindestens 10 Minuten unter fließendem Wasser spülen. Bei Hautkontakt benetzte Kleidung sofort entfernen und die betroffene Haut ausgiebig unter fließendem Wasser spülen [8].
Bei Medikamenten steht in Abschnitt 3 der Packungsbeilage, was bei einer zu großen Menge zu tun ist. Die Gebrauchsinformation eines Ramipril-Präparats etwa nennt: umgehend den Arzt informieren oder die Notaufnahme des nächsten Krankenhauses aufsuchen, nicht selbst zum Krankenhaus fahren, sondern eine andere Person bitten oder einen Krankenwagen rufen, und die Packung mitnehmen [17]. Wie die Packungsbeilage aufgebaut ist, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Was der Giftnotruf wissen muss
Die Informationszentrale gegen Vergiftungen in Bonn nennt die Fragen, die beim Anruf gestellt werden [9]:
- Wer ist betroffen? Kind, Erwachsener oder Tier, und bei Kindern: wie alt und wie schwer ungefähr. Ob eine Menge gefährlich ist, hängt sehr oft von Gewicht und Alter ab.
- Was wurde eingenommen? Möglichst die genaue Bezeichnung des Mittels, den Hersteller und die Dosisangabe.
- Wie viel? Wie viele Tabletten waren in der Packung, wie viele sind noch da, wie viel kann es höchstens gewesen sein?
- Wann? Steht der Zeitpunkt fest oder ist er nur vermutet?
- Wie? Geschluckt, auf die Haut, ins Auge, eingeatmet oder als Zäpfchen?
- Wie geht es der betroffenen Person? Zum Beispiel Husten, Erbrechen, Muskelzuckungen, Benommenheit oder Schmerzen.
- Ihre Telefonnummer für einen Rückruf.
Legen Sie die Substanz, die Pflanze oder die Verpackung bereit [9]. Das Merkblatt des Giftnotrufs Berlin nennt als weitere Fragen, warum die Substanz eingenommen wurde, wann die Person zuletzt gesund gesehen wurde und was bereits unternommen wurde [16].
Giftinformationszentren in Deutschland
Die Giftinformationszentren werden von den Ländern nach dem Chemikaliengesetz benannt [4]. Die Tabelle folgt dem Verzeichnis des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) mit Stand vom 22. Juli 2026 [4]. Jede Nummer und jede Zuständigkeit haben wir auf der Website des jeweiligen Zentrums gegengeprüft [6, 7, 10, 11, 12, 13, 14, 15].
| Giftinformationszentrum | Zuständig für | Notruf |
|---|---|---|
| Giftnotruf der Charité Universitätsmedizin Berlin | Berlin, Brandenburg [6] | 030 19240 [4, 6] |
| Informationszentrale gegen Vergiftungen am Universitätsklinikum Bonn | Nordrhein-Westfalen [10] | 0228 19240 [4, 7] |
| Giftnotruf Erfurt, Gemeinsames Giftinformationszentrum (HELIOS Klinikum Erfurt) | Mecklenburg-Vorpommern, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen [4, 11] | 0361 730730 [4, 11] |
| Vergiftungs-Informations-Zentrale, Universitätsklinikum Freiburg | Baden-Württemberg [12] | 0761 19240 [4, 12] |
| Giftinformationszentrum-Nord (GIZ-Nord), Universitätsmedizin Göttingen | Bremen, Hamburg, Niedersachsen, Schleswig-Holstein [4, 13] | 0551 19240 [4, 13] |
| Giftinformationszentrum Mainz, Universitätsmedizin Mainz | Rheinland-Pfalz, Hessen, Saarland [4, 14] | 06131 19240 [4, 14] |
| Giftnotruf München, TUM Klinikum rechts der Isar | Bayern [15] | 089 19240 [4, 15] |
Ist die Giftzentrale Bonn wegen vieler Anrufe nicht erreichbar, verweist sie selbst auf die anderen Giftnotrufe [7]. Der Giftnotruf der Charité empfiehlt Anrufenden aus anderen Bundesländern, ihren regional zuständigen Giftnotruf zu kontaktieren [6].
Hilfe in seelischen Krisen
Wenn Sie an Suizid denken oder in einer seelischen Krise sind, ist die TelefonSeelsorge Tag und Nacht erreichbar, kostenlos und anonym: unter 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123 [18]. Ein Suizidversuch ist immer ein Fall für den Notruf 112 [2].
Quellen
- 116117: Der Patientenservice (Startseite). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 10.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 10.10.2026
- Fragen und Antworten zum Patientenservice 116117. Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 10.10.2026
- Behörde Verzeichnis der Giftinformationszentren der Bundesrepublik Deutschland (von den Ländern gemäß Chemikaliengesetz § 16e Abs. 3 bezeichnet). Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Stand 22.07.2026. abgerufen am 10.10.2026
- Behörde Das Deutsche Vergiftungsregister: Daten sammeln, Leben retten (Fragen und Antworten). Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Stand 09.12.2025. abgerufen am 10.10.2026
- Giftnotruf der Charité, Startseite. Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 10.10.2026
- Informationszentrale gegen Vergiftungen Bonn, Startseite. Universitätsklinikum Bonn. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 10.10.2026
- Vergiftungsunfall: Was tun?. Informationszentrale gegen Vergiftungen, Universitätsklinikum Bonn. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 10.10.2026
- Anruf in der Giftzentrale. Informationszentrale gegen Vergiftungen, Universitätsklinikum Bonn. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 10.10.2026
- Jahresbericht 2021 (54. Bericht) der Informationszentrale gegen Vergiftungen des Landes Nordrhein-Westfalen. Informationszentrale gegen Vergiftungen, Universitätsklinikum Bonn. Stand 2021. abgerufen am 10.10.2026
- Giftinformationszentrum Erfurt. HELIOS Klinikum Erfurt. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 10.10.2026
- Vergiftungs-Informations-Zentrale Freiburg. Universitätsklinikum Freiburg. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 10.10.2026
- Giftinformationszentrum-Nord, Startseite. Universitätsmedizin Göttingen. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 10.10.2026
- Giftinformationszentrum der Länder Rheinland-Pfalz und Hessen sowie für das Saarland. Universitätsmedizin Mainz. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 10.10.2026
- Abteilung für Klinische Toxikologie und Giftnotruf München, Startseite. TUM Klinikum rechts der Isar. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 10.10.2026
- Behörde Risiko Vergiftungsunfälle bei Kindern, darin Merkblatt "Vergiftungen: Erste Maßnahmen" des Giftnotrufs Berlin. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Stand 2017. abgerufen am 10.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ramipril - 1 A Pharma® 5 mg Tabletten. 1 A Pharma GmbH. Stand 02/2022. abgerufen am 10.10.2026
- TelefonSeelsorge Deutschland, Startseite. TelefonSeelsorge Deutschland. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 10.10.2026
- Über uns. Informationszentrale gegen Vergiftungen, Universitätsklinikum Bonn. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 10.10.2026
Häufige Fragen
Wann rufe ich 112 und wann 116 117?
Die 112 ist für lebensbedrohliche Notfälle da, zum Beispiel bei Bewusstlosigkeit, schwerer Atemnot, starken Brustschmerzen oder Vergiftungen. Die 116 117 erreicht den ärztlichen Bereitschaftsdienst, wenn die Praxen geschlossen sind und die Beschwerden nicht bis zum nächsten Tag warten können.
Welcher Giftnotruf ist für mich zuständig?
Das hängt vom Bundesland ab; die Tabelle auf dieser Seite nennt alle sieben Giftinformationszentren mit ihren Nummern. Die Giftzentrale Bonn etwa verweist bei hohem Anrufaufkommen selbst auf die anderen Giftnotrufe.
Darf ich bei einer Vergiftung Erbrechen auslösen?
Nein. Die Giftnotrufe raten ausdrücklich davon ab, weder mit dem Finger im Hals noch mit Salzwasser. Erbrochenes kann in die Lunge geraten, und Salzwasser kann schwere Folgen haben.
Hilft Milch bei einer Vergiftung?
Nein. Milch ist kein Gegengift; nach der Giftzentrale Bonn kann sie die Aufnahme des Gifts über den Darm in vielen Fällen sogar beschleunigen.
Was soll ich für den Anruf beim Giftnotruf bereithalten?
Die Packung oder Reste des Mittels und Angaben dazu, wer betroffen ist (bei Kindern Alter und Gewicht), was, wie viel, wann und auf welchem Weg aufgenommen wurde und wie es der Person jetzt geht. Nennen Sie auch eine Telefonnummer für den Rückruf.
Was tun, wenn jemand zu viele Tabletten eingenommen hat?
Bei Bewusstlosigkeit, Krampfanfällen oder schwerer Atemnot sofort den Notruf 112 wählen. Ohne solche Zeichen den Giftnotruf des Bundeslandes anrufen und die Packung bereithalten; was bei einer zu großen Menge zu tun ist, steht außerdem in Abschnitt 3 der Packungsbeilage.
Ist die 116 117 kostenlos?
Ja, mit einem deutschen Telefonvertrag ist der Anruf kostenlos. Die Nummer ist rund um die Uhr erreichbar und wird ohne Vorwahl gewählt, vom Festnetz wie vom Handy aus.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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