BehandlungenBehandlung
Radiojodtherapie: Nebenwirkungen
Laut Fachinformation der Natriumiodid (I131) Hartkapsel zur Therapie ist nach der Behandlung einer gutartigen Schilddrüsenerkrankung eine Schilddrüsenunterfunktion sehr häufig, also bei 1 von 10 oder mehr; nach der Behandlung von Schilddrüsenkrebs sind unter anderem Speicheldrüsenentzündung, Mundtrockenheit, Geschmacksstörungen, Übelkeit, Kopfschmerzen und Müdigkeit sehr häufig. In der Schwangerschaft und Stillzeit ist die Behandlung laut Fachinformation kontraindiziert. Bei schwerer Atemnot oder starken Brustschmerzen nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung den Notruf 112; Nebenwirkungen von Arzneimitteln können Sie über nebenwirkungen.bund.de melden.

Laut Fachinformation der Natriumiodid (I131) Hartkapsel zur Therapie ist nach der Behandlung einer gutartigen Schilddrüsenerkrankung eine Schilddrüsenunterfunktion sehr häufig; nach der Behandlung von Schilddrüsenkrebs sind unter anderem eine Entzündung der Speicheldrüsen mit Mundtrockenheit, Geschmacks- und Riechstörungen, Übelkeit, Kopfschmerzen und Müdigkeit sehr häufig [1]. In der Schwangerschaft und Stillzeit ist die Behandlung kontraindiziert [1]. Weitere Behandlungen finden Sie unter Behandlungen, die Erkrankungen unter Schilddrüsenüberfunktion und Schilddrüsenunterfunktion.
Was bei der Radiojodtherapie passiert
Um Schilddrüsenhormone herstellen zu können, nimmt die Schilddrüse Jod auf. Diese Eigenschaft nutzt man laut IQWiG bei der Radiojodtherapie: Radioaktives Jod wird als Kapsel oder in Wasser gelöst eingenommen, sammelt sich in der Schilddrüse an und zerstört überaktive Zellen [11]. Laut Fachinformation reichert sich Natriumiodid (131I) in der Schilddrüse an; der Zerfall findet dort statt und führt zu einer selektiven Bestrahlung des Organs [1]. Den Unterschied zur Bestrahlung von außen und zu anderen inneren Bestrahlungen beschreibt die Seite Strahlentherapie.
Anwendungsgebiete: Laut Fachinformation ist die Radiojodtherapie der Schilddrüse bei Erwachsenen und Kindern zugelassen bei einer Überfunktion (Behandlung von Morbus Basedow, toxischer multinodulärer Struma oder autonomen Knoten) und zur Behandlung von papillären und follikulären Schilddrüsenkarzinomen und deren Metastasen. Sie wird häufig mit Operationen und einer Behandlung mit Thyreostatika kombiniert [1]. Bei einer Überfunktion kann radioaktives Iodid laut Fachinformation angewendet werden, wenn eine medikamentöse Behandlung ohne Erfolg verläuft oder nicht weiter fortgesetzt werden kann [1]. Bei medullärem oder anaplastischem Schilddrüsenkrebs wirkt sie laut Krebsinformationsdienst (KID) nicht, weil diese Tumoren kein Jod speichern [5].
Ablauf
Das Arzneimittel darf laut Fachinformation nur von dazu berechtigtem medizinischem Fachpersonal in speziell dafür bestimmten klinischen Bereichen angewendet werden. Die Kapsel sollte auf nüchternen Magen eingenommen und unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit geschluckt werden. Wie viel Aktivität gegeben wird, ergibt sich aus der klinischen Beurteilung; die Wirkung wird erst nach mehreren Wochen erreicht [1]. Laut IQWiG ist eine Radiojodtherapie in Deutschland mit einem Krankenhausaufenthalt von wenigen Tagen verbunden, um andere Menschen und die Umwelt nicht mit Strahlung zu belasten; während dieser Zeit wird man abgeschirmt und muss auf Besuche von Angehörigen in der Regel verzichten [11]. Für die Behandlung mit stark radioaktiven Substanzen gibt es laut KID (Stand der Seite: März 2018) in den Kliniken eigene Stationen [6].
Bei einer Überfunktion sollte laut Fachinformation vor Beginn der Behandlung nach Möglichkeit mit Medikamenten eine normale Stoffwechsellage hergestellt werden [1]. Dafür sind Thiamazol und Carbimazol laut ihren Fachinformationen zugelassen: Thiamazol zur Vorbereitung bzw. Intervalltherapie ergänzend zu einer Radioiodtherapie [13], Carbimazol zur Vorbereitung auf eine geplante Radioiodtherapie, besonders bei schweren Formen der Überfunktion, und zur Intervalltherapie danach [14]. Mehr dazu auf den Seiten Thiamazol, Carbimazol und Schilddrüsenmittel.
Präparate in Deutschland
Berücksichtigt ist ein Präparat, dessen deutsche Fachinformation frei zugänglich ist.
| Präparat | Wirkstoff | Form und Anwendung | Zulassungsinhaber | Grundlage |
|---|---|---|---|---|
| Natriumiodid (I131) Hartkapsel zur Therapie | Natriumiodid (131I), ein Radiopharmakon | Hartkapsel zum Einnehmen; Erwachsene und Kinder; verschreibungspflichtig | Curium Netherlands B.V., Niederlande | Fachinformation, Stand 11/2023 [1] |
Maßgeblich ist die Packungsbeilage des Präparats, mit dem Sie behandelt werden.
Nebenwirkungen laut Fachinformation
Die Häufigkeiten stammen laut Fachinformation aus der medizinischen Literatur. Das Sicherheitsprofil hängt auch von den Abständen zwischen den Behandlungen und der gesamten verabreichten Dosis ab; deshalb führt die Fachinformation die Nebenwirkungen getrennt nach der Behandlung gutartiger und bösartiger Erkrankungen auf [1].
Natriumiodid (I131) Hartkapsel zur Therapie: Behandlung einer gutartigen Erkrankung
| Häufigkeit | Nebenwirkungen |
|---|---|
| Sehr häufig | anhaltende Schilddrüsenunterfunktion, Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose); Augenbeteiligung bei Morbus Basedow (endokrine Ophthalmopathie) [1] |
| Häufig | vorübergehende Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose); Entzündung der Speicheldrüsen (Sialadenitis) [1] |
| Sehr selten | Stimmbandlähmung [1] |
| Nicht bekannt | anaphylaktoide Reaktionen; thyreotoxische Krise, Schilddrüsenentzündung (Thyreoiditis), Unterfunktion der Nebenschilddrüsen (Hypoparathyreoidismus) mit Senkung des Blutkalziums und Tetanie; Trockenheitssyndrom (Sicca-Syndrom); auffällige Leberfunktion; Iodakne; angeborene Schilddrüsenunterfunktion (kongenitale Hypothyreose); lokale Schwellungen [1] |
Diese Häufigkeiten gelten nur für Natriumiodid (I131) Hartkapsel zur Therapie (Hartkapsel zum Einnehmen) bei der Behandlung einer gutartigen Erkrankung.
Natriumiodid (I131) Hartkapsel zur Therapie: Behandlung einer bösartigen Erkrankung
| Häufigkeit | Nebenwirkungen |
|---|---|
| Sehr häufig | Mangel an roten Blutkörperchen (Erythrozytopenie), verminderte Blutbildung im Knochenmark (Knochenmarkdepression); gestörter Geruchssinn (Parosmie), Verlust des Geruchssinns (Anosmie); Sicca-Syndrom (Bindehautentzündung, Trockenheit der Augen und Nase); Entzündung der Speicheldrüsen (Sialadenitis) mit Mundtrockenheit, Speicheldrüsenschmerzen, Speicheldrüsenvergrößerung, Zahnkaries und Zahnverlust, Strahlenkrankheit, Übelkeit, Verlust des Geschmackssinns (Ageusie), Geschmacksstörung (Dysgeusie), Appetitlosigkeit; verminderte Funktion der Eierstöcke (Ovarialinsuffizienz), Menstruationsstörungen; grippeartige Erkrankung, Kopfschmerzen, Müdigkeit, Halsschmerzen [1] |
| Häufig | Mangel an weißen Blutkörperchen (Leukozytopenie) und Blutplättchen (Thrombozytopenie); Verengung des Tränengangs (Tränensekretion erhöht); erschwerte Atmung (Dyspnoe); Erbrechen; lokale Schwellungen [1] |
| Gelegentlich | Leukämie [1] |
| Selten | thyreotoxische Krise, vorübergehende Schilddrüsenüberfunktion [1] |
| Nicht bekannt | solide Karzinome, Blasenkarzinom, Dickdarmkarzinom, Magenkarzinom, Brustkrebs; aplastische Anämie, bleibende oder schwere Knochenmarkdepression; anaphylaktoide Reaktionen; Schilddrüsenentzündung (vorübergehende Leukozytose), Unterfunktion der Nebenschilddrüsen (Senkung des Blutkalziums, Tetanie), Schilddrüsenunterfunktion, Überfunktion der Nebenschilddrüsen (Hyperparathyreoidismus); Hirnödem; Engegefühl im Hals*, Lungenfibrose, Atemnot, obstruktive Lungenwegerkrankung, Lungenentzündung (Pneumonie), Entzündung der Luftröhre (Tracheitis), Funktionsstörung der Stimmbänder (Stimmbandlähmung, Dysphonie, Heiserkeit), Mundrachenschmerzen, pfeifendes Atemgeräusch (Stridor); Magenschleimhautentzündung (Gastritis), Schluckstörungen (Dysphagie); auffällige Leberfunktion; Blasenentzündung durch Strahlung (Strahlenzystitis); fehlende oder verminderte Samenzellen (Azoospermie, Oligospermie), Abnahme der männlichen Fruchtbarkeit; angeborene Schilddrüsenunterfunktion [1] |
* insbesondere bei bestehender Luftröhrenverengung. Diese Häufigkeiten gelten nur für Natriumiodid (I131) Hartkapsel zur Therapie (Hartkapsel zum Einnehmen) bei der Behandlung einer bösartigen Erkrankung.
Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Präparat sie verursacht hat. Laut Fachinformation bedeutet sehr häufig bei 1 von 10 oder mehr, häufig bei 1 von 100 bis unter 1 von 10, gelegentlich bei 1 von 1.000 bis unter 1 von 100, selten bei 1 von 10.000 bis unter 1 von 1.000 und sehr selten bei unter 1 von 10.000; nicht bekannt heißt, dass die Häufigkeit auf Grundlage der verfügbaren Daten nicht abschätzbar ist [1]. Zum Umrechnen hilft das Werkzeug Häufigkeit übersetzen.
Was die Fachinformation dazu beschreibt: Eine Entzündung der Speicheldrüsen kann mit Schwellung und Schmerzen, teilweisem Geschmacksverlust und Mundtrockenheit auftreten. Sie klingt im Allgemeinen von selbst oder mit entzündungshemmender Behandlung ab; vereinzelt sind dosisabhängige Fälle von bleibendem Geschmacksverlust und bleibender Mundtrockenheit beschrieben. Der Speichelmangel kann zu Karies und im weiteren Verlauf zu Zahnverlust führen [1]. Hohe Radioaktivitätsspiegel können Magen-Darm-Störungen auslösen, gewöhnlich innerhalb der ersten Stunden oder Tage nach der Anwendung [1].
Mehr zu Mundtrockenheit, Geschmacksstörungen, Übelkeit und Blutungen und Blutbild als Nebenwirkung von Medikamenten; die Tabellen dort zeigen Wirkstoffe mit eigener Seite, kein Radiojod.
Seltene und schwere Nebenwirkungen
Überfunktion und Luftröhre: Die Zerstörung von Schilddrüsengewebe kann laut Fachinformation innerhalb von 2 bis 10 Tagen nach der Behandlung eine bestehende Überfunktion verschlimmern oder zu einer thyreotoxischen Krise führen. 1 bis 3 Tage nach hohen Dosen kann es zu einer vorübergehenden Entzündung der Schilddrüse und der Luftröhrenschleimhaut mit der Gefahr einer schweren Verengung der Luftröhre kommen, besonders bei bestehender Luftröhrenverengung [1]. Bei der Behandlung einer Überfunktion sind schwerwiegende Komplikationen wie Herzbeschwerden laut IQWiG sehr selten; dazu kann es kommen, wenn zerstörte Zellen gespeichertes Schilddrüsenhormon freisetzen. Menschen mit erhöhtem Risiko für Herzerkrankungen wird laut IQWiG deshalb eine zusätzliche Behandlung mit Thyreostatika empfohlen [11].
Augen bei Morbus Basedow: Nach der Behandlung kann sich laut Fachinformation eine bestehende endokrine Ophthalmopathie verschlechtern; die Radiojodtherapie des Morbus Basedow sollte unter begleitender Behandlung mit Kortison (Corticosteroiden) durchgeführt werden [1]. Laut IQWiG kann die Behandlung die Autoimmunreaktion zunächst verstärken; möglicherweise können dadurch Augenprobleme zunehmen oder erst entstehen [12].
Niedriger Natriumspiegel: Nach einer Radiojodtherapie wurden laut Fachinformation schwere Formen einer Hyponatriämie bei älteren Patientinnen und Patienten nach vollständiger Entfernung der Schilddrüse berichtet; Risikofaktoren sind höheres Alter, weibliches Geschlecht, die Einnahme von Thiaziddiuretika und ein niedriger Natriumspiegel zu Beginn der Behandlung. Regelmäßige Messungen der Blutsalze sollen für diese Patientinnen und Patienten in Betracht gezogen werden [1]. Mehr zu Natriummangel.
Weitere schwere Nebenwirkungen: Eine strahlenbedingte Lungenentzündung und eine Lungenfibrose sind laut Fachinformation bei verstreuten (disseminierten) Lungenmetastasen eines differenzierten Schilddrüsenkarzinoms beschrieben worden, insbesondere nach einer Hochdosistherapie; bei Metastasen im Zentralnervensystem ist die Möglichkeit eines Hirnödems zu bedenken [1]. Als Spätfolge kann sich laut Fachinformation eine reversible Knochenmarkdepression mit isolierter Verminderung der Blutplättchen und der roten Blutkörperchen einstellen, die tödlich verlaufen kann [1].
Spätfolgen und Nachsorge
Schilddrüsenunterfunktion: Als Spätfolge nach der Radiojodtherapie einer Überfunktion kann sich laut Fachinformation dosisabhängig eine Schilddrüsenunterfunktion entwickeln. Sie kann sich innerhalb von Wochen oder Jahren nach der Behandlung zeigen, weshalb regelmäßige Kontrollen der Schilddrüsenfunktion und eine geeignete Hormonersatztherapie erforderlich sind [1]. Laut IQWiG muss man dann meist lebenslang Schilddrüsenhormone als L-Thyroxin-Tabletten einnehmen [11]. Levothyroxin ist laut Fachinformation von L-Thyroxin Henning unter anderem zur Schilddrüsenhormonsubstitution bei Hypothyreose jeglicher Ursache sowie zur Suppressions- und Substitutionstherapie bei Schilddrüsenkrebs zugelassen [15]. Mehr dazu: Levothyroxin und Schilddrüsenunterfunktion.
Speichel- und Tränendrüsen: Eine Funktionsstörung mit Sicca-Syndrom kann laut Fachinformation mit einer Verzögerung von einigen Monaten bis zwei Jahren auftreten; sie ist in den meisten Fällen reversibel, bei einigen bleiben die Beschwerden über mehrere Jahre bestehen [1]. Laut S3-Leitlinie Schilddrüsenkarzinom können akut auftretende Nebenwirkungen persistieren oder auch erst spät auftreten (Statement 5.67, Expertenkonsens) [4].
Zweite Krebserkrankung: Nach hohen Aktivitäten, wie sie gewöhnlich beim Schilddrüsenkarzinom gegeben werden, ist laut Fachinformation ein vermehrtes Auftreten von Leukämie beobachtet und ein vermehrtes Auftreten solider Tumoren nach hohen Aktivitäten beschrieben worden [1]. Laut S3-Leitlinie ist ein gewisses Risiko für Sekundärmalignome durch eine Radiojodtherapie prinzipiell anzunehmen; es ist abhängig von der kumulativen Dosis und dem Alter bei der Exposition (Statement 5.68, Konsens) [4]. Laut KID erhöht eine Radiojodtherapie bei Schilddrüsenkrebs das Risiko für eine zweite Krebserkrankung geringfügig [5]. Bei der Behandlung einer Überfunktion gilt laut IQWiG als unwahrscheinlich, dass eine Radiojodtherapie das Krebsrisiko erhöht; die Studienlage ist allerdings unklar [11].
Nachsorge: Patientinnen und Patienten, die eine Schilddrüsentherapie erhalten, sollten laut Fachinformation in angemessenen Abständen erneut untersucht werden [1]. Nach Paragraf 124 Absatz 4 der Strahlenschutzverordnung ist eine Person nach einer Behandlung mit radioaktiven Stoffen, die eine Überprüfung des langfristigen Erfolgs erfordert, über geeignete Zeitabstände für die Überprüfung zu informieren [10].
Was Sie tun können

Vor der Behandlung: Die eingenommenen Arzneimittel müssen laut Fachinformation vollständig erfasst werden, weil viele Wirkstoffe die Aufnahme von Radiojod in die Schilddrüse vermindern können (Abschnitt Andere Medikamente) [1]. Den Medikationsplan können Sie mit dem Werkzeug Medikationsplan vorbereiten, Fragen für das Gespräch mit dem Werkzeug Fragen für das Arztgespräch sammeln.
Rund um die Gabe: Um die Strahlenbelastung der Blase möglichst gering zu halten, muss die behandelte Person laut Fachinformation nach der Gabe viel trinken und häufig die Blase entleeren, insbesondere nach hohen Aktivitäten zur Behandlung von Schilddrüsenkrebs [1]. Zur Vermeidung einer Speicheldrüsenentzündung, wie sie nach einer hohen Radiojod-Dosis auftreten kann, sollten Patientinnen und Patienten laut Fachinformation angewiesen werden, vor der Therapie zitronensäurehaltige Süßigkeiten oder Getränke zu sich zu nehmen, um die Speichelproduktion anzuregen [1]. Laut S3-Leitlinie Schilddrüsenkarzinom können zur Anregung des Speichelflusses Zitrone oder saure Lutschbonbons eingesetzt werden; die Evidenz für Maßnahmen zum Speicheldrüsenschutz ist gering (Empfehlung 5.58, Empfehlungsgrad 0). Sie sollten laut Leitlinie nicht sofort nach der Gabe des Radiojods eingesetzt werden [4]. Was davon für Sie gilt, sagt Ihnen Ihr Behandlungsteam.
Gegen Beschwerden: Bei der Behandlung von Schilddrüsenkrebs nennt der KID (Stand der Seite: März 2018) gegen Schmerzen, Übelkeit und Mundtrockenheit schmerzlindernde Mittel und Medikamente, die dem Unwohlsein vorbeugen; bei Infektionen Antibiotika [6]. Mehr zu Übelkeit und Erbrechen.
Beschwerden, Beginn und Dauer können Sie im Nebenwirkungs-Tagebuch festhalten.
Verdacht melden: Über nebenwirkungen.bund.de melden Sie Nebenwirkungen von Arzneimitteln; die Meldung geht direkt an das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) oder das Paul-Ehrlich-Institut [16]. Wie die Meldung abläuft, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Wer die Behandlung nicht oder nur mit Vorsicht bekommen sollte
Laut Fachinformation darf Natriumiodid (131I) nicht angewendet werden bei Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen der sonstigen Bestandteile, in Schwangerschaft und Stillzeit, bei Schluckstörungen, Verengungen oder Ausstülpungen der Speiseröhre, aktiver Magenschleimhautentzündung, Schleimhautschäden im Magen und Magen- oder Zwölffingerdarmgeschwüren (Ulcus pepticum) sowie bei Verdacht auf eine eingeschränkte Beweglichkeit von Magen und Darm [1].
Vorsicht: Bei eingeschränkter Nierenfunktion ist laut Fachinformation eine sorgfältige Abwägung von Nutzen und Risiko nötig, weil eine höhere Strahlenbelastung möglich ist [1]. Bei Kindern und Jugendlichen ist die Indikation laut Fachinformation sorgfältig zu prüfen; die höhere Strahlenempfindlichkeit kindlichen Gewebes und die höhere Lebenserwartung müssen berücksichtigt werden. Eine Radiojodtherapie einer gutartigen Schilddrüsenerkrankung sollte bei Kindern und Jugendlichen laut Fachinformation nur in begründeten Ausnahmefällen durchgeführt werden, insbesondere bei einem Rückfall nach einer Behandlung mit Thyreostatika oder bei schwerwiegenden Nebenwirkungen von Thyreostatika [1]. Das Arzneimittel enthält Natrium und Saccharose; Patientinnen und Patienten mit der seltenen erblichen Fructose-Intoleranz, einer Glucose-Galactose-Malabsorption oder einem Saccharase-Isomaltase-Mangel sollten es laut Fachinformation nicht einnehmen [1].
Andere Medikamente
Viele Wirkstoffe können laut Fachinformation die Aufnahme von Radiojod in die Schilddrüse vermindern; relevante Arzneimittel müssen vor der Gabe vorübergehend abgesetzt werden. Als Beispiele nennt die Fachinformation Thyreostatika, Schilddrüsenhormone, iodhaltige schleimlösende Mittel (Expektorantien) und Vitaminpräparate, Amiodaron, iodhaltige Zubereitungen zur Anwendung auf der Haut und iodhaltige Kontrastmittel, mit Zeiträumen von 1 Woche bis zu mehreren Monaten [1]. Vor der Radiojodtherapie eines Schilddrüsenkarzinoms muss laut Fachinformation eine Schilddrüsenhormonsubstitution abgesetzt werden [1]. Welche Mittel Sie wann pausieren, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr zu Iod in Povidon-Iod und in Kontrastmitteln sowie im Ratgeber Medikamente vor Untersuchungen.
Schwangerschaft und Stillzeit
Schwangerschaft: Natriumiodid (131I) ist laut Fachinformation bei einer bestehenden oder vermuteten Schwangerschaft kontraindiziert oder wenn eine Schwangerschaft nicht ausgeschlossen wurde, weil es durch den Übertritt über die Plazenta beim Neugeborenen zu einer schweren und möglicherweise bleibenden Schilddrüsenunterfunktion kommen kann. Wird in der Schwangerschaft ein differenziertes Schilddrüsenkarzinom festgestellt, muss die Behandlung bis nach der Geburt verschoben werden [1]. Vor einer Radiojodtherapie soll laut S3-Leitlinie Schilddrüsenkarzinom eine Schwangerschaft ausgeschlossen werden (Empfehlung 5.51, Empfehlungsgrad A) [4]. Laut Embryotox ist eine Radiojodtherapie in der Schwangerschaft absolut kontraindiziert [3]. Nach Paragraf 120 Absatz 1 der Strahlenschutzverordnung hat die anwendende Ärztin oder der anwendende Arzt gebärfähige Personen vorher zu befragen, ob eine Schwangerschaft besteht oder bestehen könnte; bei offenen radioaktiven Stoffen gilt das entsprechend für stillende Personen [8].
Verhütung: Die Quellen nennen unterschiedliche Zeiträume. Laut Fachinformation sollte Frauen angeraten werden, innerhalb von 6 bis 12 Monaten nach der Verabreichung nicht schwanger zu werden; bei beiden Geschlechtern wird eine Verhütung für 6 Monate bei gutartiger Schilddrüsenerkrankung oder 12 Monate bei Schilddrüsenkrebs empfohlen, und Männer sollten 6 Monate lang keine Kinder zeugen [1]. Laut S3-Leitlinie Schilddrüsenkarzinom sollten gebärfähige Patientinnen mit Schilddrüsenkrebs nach einer Radiojodtherapie für 6 bis 12 Monate eine Schwangerschaft vermeiden (Empfehlung 5.54, Empfehlungsgrad B); bei Männern mit Schilddrüsenkrebs sollte eine Verhütung von 4 Monaten nach der Radiojodtherapie eingehalten werden (Empfehlung 5.55, Empfehlungsgrad B/0) [4]. Laut Embryotox sollte sechs Monate nach Abschluss einer Radiojodtherapie wegen einer Überfunktion eine Schwangerschaft sicher vermieden werden [3]. Was für Sie gilt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Fruchtbarkeit: Nach einer Radiojodtherapie bei Schilddrüsenkrebs kann es laut Fachinformation bei Männern und Frauen zu einer dosisabhängigen Beeinträchtigung der Fruchtbarkeit kommen; für Männer, die hohe Dosen benötigen könnten, sollte die Nutzung einer Samenbank in Betracht gezogen werden [1]. Bei Frauen können laut KID abhängig von der Radiojod-Dosis die Wechseljahre früher einsetzen [5].
Stillzeit: Weil Natriumiodid in die Muttermilch übergeht, muss das Stillen laut Fachinformation, wenn die Anwendung notwendig ist, mindestens 8 Wochen vor der Verabreichung beendet werden und sollte nicht fortgesetzt werden. Nach therapeutischen Dosen wird laut Fachinformation empfohlen, engen Kontakt zwischen Mutter und Säugling mindestens eine Woche zu vermeiden [1]. Laut S3-Leitlinie Schilddrüsenkarzinom sollte zwischen Abstillen und Radiojodgabe eine Latenz von mindestens 8 Wochen, möglichst jedoch 6 Monaten liegen (Empfehlung 5.52, Empfehlungsgrad B) [4]. Laut BfS können radioaktive Stoffe im Körper der Mutter auch beim Tragen oder Halten des Kindes zu einer äußeren Strahlenbelastung des Kindes führen; die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt sollte einschätzen, ob und wie lange ein längerer Körperkontakt zum Kind zu vermeiden ist [7]. Mehr in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.
Aktuelle Sicherheitsinformationen
Die Koordinierungsgruppe CMDh hat sich in ihrer Position vom 08.11.2017 zur regelmäßigen Sicherheitsbewertung von Natriumiodid (131I), nach einer Empfehlung des PRAC vom 26.10.2017, für einen Warnhinweis zu niedrigen Natriumspiegeln (Hyponatriämie) in Fachinformation und Packungsbeilage ausgesprochen. Danach wurden Fälle einer schweren Hyponatriämie bei Patientinnen und Patienten mit Schilddrüsenkrebs berichtet, die mit radioaktivem Iod behandelt wurden. Natriumiodid (131I) selbst verursacht eine Hyponatriämie laut CMDh nicht direkt; die Anweisungen zum Absetzen der Schilddrüsenhormone, zur iodarmen Diät und zur starken Flüssigkeitszufuhr tragen in dieser Patientengruppe aber dazu bei. Laut dem vorgesehenen Text für die Packungsbeilage wurden bei älteren Patientinnen und Patienten, denen die Schilddrüse entfernt wurde, niedrige Natriumspiegel beobachtet, vorwiegend bei Frauen und bei Einnahme von Diuretika wie Hydrochlorothiazid; dann kann die Ärztin oder der Arzt regelmäßig die Blutsalze kontrollieren [2]. Was Rote-Hand-Briefe und andere Sicherheitsinformationen sind, erklärt der Ratgeber Rote-Hand-Briefe und Rückrufe.
Strahlenschutz
Rechtlicher Rahmen: Nach Paragraf 124 Absatz 1 der Strahlenschutzverordnung hat der Strahlenschutzverantwortliche dafür zu sorgen, dass eine Person vor der Anwendung radioaktiver Stoffe über das Risiko informiert wird [10]. Nach Paragraf 122 Absatz 4 hat er dafür zu sorgen, dass eine mit radioaktiven Stoffen behandelte Person erst dann aus dem Strahlenschutzbereich entlassen wird, wenn davon ausgegangen werden kann, dass für Angehörige und Dritte eine effektive Dosis von nicht mehr als 1 Millisievert auftreten kann; ist eine frühere Entlassung aus medizinischen Gründen erforderlich, ist dies schriftlich zu begründen und der zuständigen Behörde mitzuteilen [9]. Nach Paragraf 124 Absatz 3 hat er außerdem dafür zu sorgen, dass die behandelte Person und die Betreuungs- oder Begleitperson nach der Anwendung geeignete schriftliche Hinweise erhalten, um die Strahlenbelastung oder Kontamination von Angehörigen, Dritten und Umwelt zu vermeiden oder so gering wie möglich zu halten; das gilt nicht, wenn eine solche Strahlenbelastung oder Kontamination ausgeschlossen werden kann oder die Person weiter stationär aufgenommen wird [10].
Strahlung nach der Gabe: Die Strahlung, die für die Behandlung wichtig ist, reicht laut KID (Stand der Seite: März 2018) nur wenige Millimeter weit. Beim Zerfall wird aber auch Strahlung frei, die über den eigenen Körper hinausgeht und Menschen in engem Kontakt gefährden kann; außerdem scheidet man die radioaktive Substanz für einige Zeit mit Stuhl, Urin, Schweiß oder Atemluft aus. Nach der Behandlung kontrollieren die Ärztinnen und Ärzte regelmäßig, wie viel Strahlung man noch abgibt [6].
Nach der Entlassung: Laut Fachinformation sollte enger Kontakt mit Säuglingen und Schwangeren für einen angemessenen Zeitraum vermieden werden; tritt Erbrechen auf, muss das Risiko einer Kontamination beachtet werden [1]. Je nach Situation empfehlen Ärztinnen und Ärzte laut KID, für einige weitere Tage allzu engen Körperkontakt zu Schwangeren, Stillenden und Kindern zu vermeiden [6].
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Nach hohen Dosen kann es laut Fachinformation 1 bis 3 Tage nach der Gabe zu einer vorübergehenden Entzündung der Schilddrüse und der Luftröhrenschleimhaut mit der Gefahr einer schweren Verengung der Luftröhre kommen, besonders bei bestehender Luftröhrenverengung; als Nebenwirkungen bei der Krebsbehandlung führt die Fachinformation unter anderem Engegefühl im Hals, Atemnot und ein pfeifendes Atemgeräusch (Stridor) auf [1]. Innerhalb von 2 bis 10 Tagen kann sich laut Fachinformation eine bestehende Überfunktion verschlimmern oder eine thyreotoxische Krise auftreten [1]. Schwere Atemnot, starke Brustschmerzen oder Herzbeschwerden, Bewusstlosigkeit oder erhebliche Bewusstseinstrübung, starke, nicht stillbare Blutungen sowie akute und anhaltende Krampfanfälle nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) unter anderem als Fälle für den Notruf 112. Der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 hilft laut KBV, wenn die Praxen geschlossen sind, es sich um Beschwerden handelt, mit denen man sonst eine Praxis aufsuchen würde, und die Behandlung aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten kann [17].
Quellen
- Fachinformation Fachinformation Natriumiodid (I131) Hartkapsel zur Therapie (Abschnitte 4.1 bis 4.8, 5.1, 13), Zul.-Nr. 64930.00.00. Curium Netherlands B.V.. Stand 11/2023 (Archivfassung vom 13.02.2025, abgerufen über web.archive.org). abgerufen am 21.10.2026
- Behörde Position der CMDh zu den regelmäßigen Sicherheitsberichten (PSUSA/00002753/201703) für Natriumiodid (131I), mit Anhang I bis III (Hyponatriämie), EMA/CMDh/695795/2017. Koordinierungsgruppe CMDh (Europäische Arzneimittel-Agentur), veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 08.11.2017 (PRAC-Empfehlung 26.10.2017). abgerufen am 21.10.2026
- Embryotox Embryotox: Hyperthyreose (Erkrankungen). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 21.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Schilddrüsenkarzinom, Langversion 1.3 (Kapitel 5.8.6 und 5.8.10: Empfehlungen 5.51, 5.52, 5.54, 5.55, 5.58, Statements 5.67 und 5.68), AWMF-Registernummer 031-056OL. Leitlinienprogramm Onkologie (Deutsche Krebsgesellschaft, Deutsche Krebshilfe, AWMF). Stand Version 1.3, September 2026; gültig bis zur nächsten Aktualisierung, Gültigkeitsdauer auf fünf Jahre geschätzt. abgerufen am 21.10.2026
- Schilddrüsenkrebs (Schilddrüsenkarzinom) (Abschnitte Ergänzende Radiojodtherapie, Leben und Alltag). Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ). Stand 07.01.2026 (Archivfassung vom 03.10.2026, abgerufen über web.archive.org). abgerufen am 21.10.2026
- Nuklearmedizin: Durchführung und Nebenwirkungen der Radionuklidtherapie. Krebsinformationsdienst, Deutsches Krebsforschungszentrum (DKFZ). Stand 21.03.2018 (Archivfassung vom 16.05.2026, abgerufen über web.archive.org). abgerufen am 21.10.2026
- Behörde Medizinische Strahlenanwendungen während der Stillzeit (Abschnitt Nuklearmedizinische Anwendungen in der Stillzeit). Bundesamt für Strahlenschutz (BfS). Stand 24.11.2025. abgerufen am 21.10.2026
- Behörde § 120 Strahlenschutzverordnung (StrlSchV): Schutz von besonderen Personengruppen (Absatz 1). Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand StrlSchV vom 29.11.2018, zuletzt geändert durch Art. 10 G v. 23.10.2024 (BGBl. 2024 I Nr. 324). abgerufen am 21.10.2026
- Behörde § 122 Strahlenschutzverordnung (StrlSchV): Beschränkung der Exposition (Absatz 4). Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand StrlSchV vom 29.11.2018, zuletzt geändert durch Art. 10 G v. 23.10.2024 (BGBl. 2024 I Nr. 324). abgerufen am 21.10.2026
- Behörde § 124 Strahlenschutzverordnung (StrlSchV): Informationspflichten (Absätze 1, 3 und 4). Bundesministerium der Justiz, gesetze-im-internet.de. Stand StrlSchV vom 29.11.2018, zuletzt geändert durch Art. 10 G v. 23.10.2024 (BGBl. 2024 I Nr. 324). abgerufen am 21.10.2026
- Wie wird eine Schilddrüsenüberfunktion behandelt? (Abschnitte Wie funktioniert eine Radiojodtherapie?, Wieso kann eine Schilddrüsenunterfunktion die Folge der Behandlung sein?). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 24.04.2024. abgerufen am 21.10.2026
- Basedow-Krankheit (Morbus Basedow) (Abschnitt Behandlung). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 14.03.2024. abgerufen am 21.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Thiamazol Henning (5 mg/20 mg Filmtabletten, 40 mg inject.) (Abschnitt 4.1). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 10/2025. abgerufen am 21.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Carbimazol 5 mg/10 mg Henning (Abschnitt 4.1). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 02/2025. abgerufen am 21.10.2026
- Fachinformation Fachinformation L-Thyroxin Henning 25 bis 200 (Tabletten) (Abschnitt 4.1). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 06/2023. abgerufen am 21.10.2026
- Behörde Nebenwirkungen melden: Startseite (Abschnitt "Sie möchten eine Nebenwirkung melden?"). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte und Paul-Ehrlich-Institut, nebenwirkungen.bund.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 21.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 21.10.2026
Häufige Fragen
Welche Nebenwirkungen hat eine Radiojodtherapie?
Laut Fachinformation der Natriumiodid (I131) Hartkapsel zur Therapie hängen die Nebenwirkungen weitgehend von der verabreichten Dosis ab, die wiederum von der Erkrankung abhängt. Nach der Behandlung einer gutartigen Erkrankung sind eine Schilddrüsenunterfunktion und bei Morbus Basedow eine Augenbeteiligung (endokrine Ophthalmopathie) sehr häufig, eine vorübergehende Überfunktion und eine Speicheldrüsenentzündung häufig. Nach der Behandlung von Schilddrüsenkrebs sind unter anderem Speicheldrüsenentzündung mit Mundtrockenheit, Geschmacks- und Riechstörungen, Übelkeit, Kopfschmerzen, Müdigkeit und Veränderungen des Blutbilds sehr häufig. Die Tabellen stehen im Abschnitt Nebenwirkungen laut Fachinformation.
Wie lange muss ich nach der Radiojodtherapie im Krankenhaus bleiben?
Laut IQWiG ist eine Radiojodtherapie in Deutschland mit einem Krankenhausaufenthalt von wenigen Tagen verbunden, damit andere Menschen und die Umwelt nicht mit Strahlung belastet werden; während dieser Zeit wird man abgeschirmt und muss auf Besuche von Angehörigen in der Regel verzichten. Nach Paragraf 122 Absatz 4 der Strahlenschutzverordnung hat der Strahlenschutzverantwortliche dafür zu sorgen, dass eine mit radioaktiven Stoffen behandelte Person erst dann aus dem Strahlenschutzbereich entlassen wird, wenn davon ausgegangen werden kann, dass für Angehörige und Dritte eine effektive Dosis von nicht mehr als 1 Millisievert auftreten kann.
Muss ich nach der Entlassung Abstand zu anderen Menschen halten?
Laut Fachinformation sollte enger Kontakt mit Säuglingen und Schwangeren nach der Anwendung für einen angemessenen Zeitraum vermieden werden. Laut Krebsinformationsdienst (Stand der Seite: März 2018) empfehlen Ärztinnen und Ärzte je nach Situation, für einige weitere Tage allzu engen Körperkontakt zu Schwangeren, Stillenden und Kindern zu vermeiden. Nach Paragraf 124 Absatz 3 der Strahlenschutzverordnung hat der Strahlenschutzverantwortliche dafür zu sorgen, dass Sie und Ihre Betreuungs- oder Begleitperson nach der Anwendung geeignete schriftliche Hinweise erhalten, um die Strahlenbelastung oder Kontamination von Angehörigen, Dritten und Umwelt zu vermeiden oder so gering wie möglich zu halten; das gilt nicht, wenn eine solche Strahlenbelastung oder Kontamination ausgeschlossen werden kann oder Sie weiter stationär aufgenommen werden. Mehr im Abschnitt Strahlenschutz.
Bekomme ich nach der Radiojodtherapie eine Schilddrüsenunterfunktion?
Eine Schilddrüsenunterfunktion ist nach der Behandlung einer gutartigen Erkrankung laut Fachinformation sehr häufig; sie kann sich innerhalb von Wochen oder Jahren nach der Behandlung zeigen, weshalb laut Fachinformation regelmäßige Kontrollen der Schilddrüsenfunktion und eine geeignete Hormonersatztherapie erforderlich sind. Laut IQWiG muss man dann meist lebenslang Schilddrüsenhormone als L-Thyroxin-Tabletten einnehmen. Mehr dazu: Schilddrüsenunterfunktion und Levothyroxin.
Wann darf ich nach einer Radiojodtherapie schwanger werden?
Die Quellen nennen unterschiedliche Zeiträume: Laut Fachinformation sollte Frauen angeraten werden, innerhalb von 6 bis 12 Monaten nach der Verabreichung nicht schwanger zu werden; eine Verhütung wird bei beiden Geschlechtern für 6 Monate (gutartige Erkrankung) oder 12 Monate (Schilddrüsenkrebs) empfohlen. Laut S3-Leitlinie Schilddrüsenkarzinom sollten gebärfähige Patientinnen mit Schilddrüsenkrebs nach einer Radiojodtherapie für 6 bis 12 Monate eine Schwangerschaft vermeiden (Empfehlungsgrad B). Laut Embryotox sollte sechs Monate nach Abschluss einer Radiojodtherapie wegen einer Überfunktion eine Schwangerschaft sicher vermieden werden. Was für Sie gilt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Darf ich während einer Radiojodtherapie stillen?
In der Stillzeit ist Natriumiodid (131I) laut Fachinformation kontraindiziert; ist die Anwendung notwendig, muss das Stillen laut Fachinformation mindestens 8 Wochen vor der Verabreichung beendet werden und sollte nicht fortgesetzt werden. Laut S3-Leitlinie Schilddrüsenkarzinom sollte zwischen Abstillen und Radiojodgabe eine Latenz von mindestens 8 Wochen, möglichst jedoch 6 Monaten liegen (Empfehlungsgrad B).
Was hilft gegen Mundtrockenheit und Speicheldrüsenentzündung?
Zur Anregung des Speichelflusses können laut S3-Leitlinie Schilddrüsenkarzinom Zitrone oder saure Lutschbonbons eingesetzt werden; die Evidenz für Maßnahmen zum Speicheldrüsenschutz ist laut Leitlinie gering (Empfehlungsgrad 0). Wann Sie damit beginnen, besprechen Sie mit Ihrem Behandlungsteam; laut Leitlinie sollte es nicht sofort nach der Gabe des Radiojods erfolgen. Speicheldrüsenentzündungen klingen laut Fachinformation im Allgemeinen von selbst oder mit entzündungshemmender Behandlung ab; vereinzelt sind bleibender Geschmacksverlust und Mundtrockenheit beschrieben.
Wann muss ich sofort ärztliche Hilfe holen?
Nach hohen Dosen kann es laut Fachinformation 1 bis 3 Tage nach der Gabe zu einer vorübergehenden Entzündung der Schilddrüse und der Luftröhrenschleimhaut mit der Gefahr einer schweren Verengung der Luftröhre kommen, besonders bei bestehender Luftröhrenverengung. Bei schwerer Atemnot, starken Brustschmerzen oder Herzbeschwerden, Bewusstlosigkeit oder starken, nicht stillbaren Blutungen nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung den Notruf 112. Mehr im Abschnitt Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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