KrankheitenKrankheit

Schlaganfall: Medikamente zur Vorbeugung

Bei einem Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns nicht mehr richtig durchblutet, meist weil ein Blutgerinnsel ein Gefäß verstopft; schon bei Verdacht wählen Sie sofort den Notruf 112. Um einem weiteren Schlaganfall vorzubeugen, werden laut IQWiG nach einem Hirninfarkt in der Regel Plättchenhemmer wie ASS oder Clopidogrel empfohlen, bei Vorhofflimmern stattdessen Gerinnungshemmer zum Einnehmen. Den meisten werden außerdem Cholesterinsenker empfohlen, meist Statine, und bei hohem Blutdruck Blutdrucksenker. Rauchstopp, Bewegung und eine ausgewogene Ernährung ergänzen die Behandlung.

Frau Ende sechzig mit kurzem grauem Haar in einer korallenroten Strickjacke geht mit einem Gehstock einen Gartenweg entlang, eine jüngere Frau begleitet sie
Bild: KI-generiert

Bei einem Schlaganfall wird ein Teil des Gehirns nicht mehr richtig durchblutet, meist weil ein Blutgerinnsel ein Gefäß verstopft; er ist ein Notfall, bei dem sofort der Notruf 112 nötig ist [2]. Nach einem ersten Schlaganfall ist das Risiko für einen weiteren erhöht [1]. Um dem vorzubeugen, werden laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nach einem Hirninfarkt in der Regel Plättchenhemmer empfohlen, bei Vorhofflimmern stattdessen Gerinnungshemmer zum Einnehmen; auch Blutdrucksenker und Cholesterinsenker können das Risiko senken [1]. Auch ein Rauchstopp, mehr Bewegung und eine ausgewogene Ernährung können sich positiv auswirken [1].

Was ist ein Schlaganfall?

Bei einem Schlaganfall bekommt ein Bereich des Gehirns nicht mehr genug Sauerstoff. Meist verstopft ein Blutgerinnsel ein Gefäß im Gehirn; ein solcher Schlaganfall heißt ischämischer Schlaganfall oder Hirninfarkt [2]. Die zweite, seltenere Ursache ist eine Blutung im Gehirn, etwa wenn ein Blutgefäß reißt [2]. Je schneller behandelt und die Sauerstoffversorgung wiederhergestellt wird, desto größer ist die Chance, dass der Schaden klein bleibt [2].

Verschwinden typische Schlaganfall-Beschwerden nach einigen Stunden von selbst, kann es sich um eine transitorische ischämische Attacke (TIA) handeln: Das Gerinnsel löst sich von allein wieder auf, bevor das Gehirn stärker geschädigt wird. Eine TIA weist auf ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko hin [2, 6]. Etwa 3 von 100 Menschen bekommen im Laufe ihres Lebens einen Schlaganfall; die Mehrzahl der Erkrankten ist über 60 Jahre alt [2].

Symptome

Typische Anzeichen eines Schlaganfalls sind laut IQWiG [3]:

  • plötzlich auftretende Schwäche, Taubheitsgefühle und Lähmungserscheinungen, meist auf einer Körperseite, etwa an Arm, Hand oder Bein; charakteristisch ist auch ein herunterhängender Mundwinkel,
  • Sprachstörungen: Schwierigkeiten, die richtigen Worte zu finden, verwaschenes oder lallendes Sprechen, manchmal auch Verständnisstörungen,
  • Gesichtsfeldausfall: Dinge auf einer Seite werden nicht mehr wahrgenommen; es kann auch sein, dass man plötzlich eine Zeit lang auf einem Auge nichts mehr sieht, und viele sehen alles doppelt,
  • Schwindel und Gangunsicherheit,
  • plötzliche, ungewohnt heftige Kopfschmerzen, meist durch eine Blutung im Gehirn; später können Lähmungen, Bewusstseinsstörungen, Übelkeit und Erbrechen hinzukommen.

Ein Schlaganfall kann zu Lähmungen, Schluck-, Sprach- und Sehstörungen, Konzentrationsstörungen und psychischen Problemen wie Depressionen oder Angststörungen führen; oft bessern sich die Beschwerden mit der Zeit, sie können aber auch bestehen bleiben [2]. Mehr: Depression.

Ursachen und Risikofaktoren

Die Blutgerinnsel bilden sich laut IQWiG meist in den Halsschlagadern oder im Herzen und werden mit dem Blut ins Gehirn geschwemmt [2]. Das Risiko erhöhen zum Beispiel Rauchen, wenig Bewegung, starkes Übergewicht, Bluthochdruck, ein erhöhter Cholesterinspiegel, eine Verengung der Halsschlagader (Karotis-Stenose) und Vorhofflimmern [2]. Für einen erneuten Schlaganfall nennt das IQWiG außerdem Diabetes und eine Schlafapnoe; deshalb ist es wichtig, diese Erkrankungen gut zu behandeln [1].

Medikamente als Ursache: Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen können laut Packungsbeilage mit einem geringfügig erhöhten Risiko für einen Herzanfall oder Schlaganfall einhergehen, insbesondere in hohen Dosen [25]. Arzneimittel wie Diclofenac sind laut Packungsbeilage mit einem erhöhten Risiko für Herzanfälle oder Schlaganfälle verbunden, vor allem bei hohen Dosen und länger dauernder Behandlung; nach einem Schlaganfall oder einer TIA darf Diclofenac nicht eingenommen werden [26]. Laut einem Rote-Hand-Brief der Zulassungsinhaber vom Juli 2013, abgestimmt mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), gilt diese Gegenanzeige seit einer europaweiten Überprüfung für Diclofenac in Darreichungsformen, die im ganzen Körper wirken (systemisch), bei Erkrankungen der Hirngefäße [27]. Mehr: Thromboserisiko durch Medikamente.

Diagnose und Akutbehandlung

Bei jedem Verdacht ist sofort der Rettungsdienst über die 112 zu rufen, ohne abzuwarten, ob die Beschwerden verschwinden [2]. Betroffene werden möglichst in ein auf Schlaganfälle spezialisiertes Krankenhaus gebracht; besonders geeignet sind spezialisierte Stationen (Stroke Units). Zu den Untersuchungen gehört oft eine Computer- oder Magnetresonanztomografie [2]. Bei einem Gerinnsel wird versucht, das Gefäß so schnell wie möglich wieder zu öffnen: mit einem Medikament, das das Gerinnsel über eine Infusion auflöst (Thrombolyse), und mit einem Katheter, der es entfernt (Thrombektomie). Beide Verfahren eignen sich nur für die ersten Stunden nach Beginn der Beschwerden [2]. Eine Blutung muss rasch gestoppt werden, wenn nötig durch eine Operation [2].

Behandlung ohne Medikamente

Rehabilitation: Die Rehabilitation beginnt meist schon im Krankenhaus und kann in einer Rehaklinik oder ambulant weitergehen. Je nach Bedarf gehören Physiotherapie, Fitnesstraining, Sprachheilbehandlung (Logopädie) mit Schlucktraining und Ergotherapie dazu [2]. Nach einem Schlaganfall gibt es die Möglichkeit, regelmäßig am Rehasport teilzunehmen; nach ärztlicher Verordnung übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten [1].

Lebensstil: Zur Vorbeugung eines erneuten Schlaganfalls nennt das IQWiG [1]:

  • Bewegung: an mindestens vier Tagen pro Woche mäßig körperlich aktiv sein, insgesamt mindestens 150 Minuten, und zweimal pro Woche alle großen Muskelgruppen trainieren; auch bei starken Einschränkungen möglichst wenig Zeit im Sitzen und Liegen verbringen [1].
  • Nicht rauchen: Rauchen schädigt die Gefäßwände; Beratung, Kurse und eine Nikotinersatztherapie können beim Aufhören helfen [1]. Mehr: Rauchen aufhören: Medikamente.
  • Ernährung: ausgewogen, zum Beispiel nach Art der Mittelmeerkost, und weniger als 6 Gramm Salz pro Tag; Nahrungsergänzungsmittel mit Omega-3-Fettsäuren zeigten in Studien keinen Effekt auf Schlaganfälle [1].
  • Alkohol: Menschen mit erhöhtem Schlaganfall-Risiko wird empfohlen, den Konsum zu beschränken [1].

Eingriffe an der Halsschlagader: Ablagerungen in einer verengten Halsschlagader können operativ entfernt werden, meist innerhalb der ersten zwei Wochen nach dem Schlaganfall; auch eine Gefäßstütze (Stent) ist möglich [1].

Behandlung mit Medikamenten

Mann Anfang siebzig mit weißem Haar und seine Frau sitzen in einem hellen Sprechzimmer einer Ärztin gegenüber und unterhalten sich ruhig
Bild: KI-generiert

Welche Vorbeugung sinnvoll ist, hängt laut IQWiG von weiteren Erkrankungen und Risikofaktoren ab [2]. Das IQWiG stützt seine Darstellung unter anderem auf die S2k-Leitlinie Sekundärprophylaxe ischämischer Schlaganfall und transitorische ischämische Attacke (Teil 1 und 2) der Deutschen Gesellschaft für Neurologie und der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft von 2022 [1]. Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Die Tabelle nennt Beispiele mit eigenem Steckbrief auf dieser Website; die Nebenwirkungen stammen aus der Packungsbeilage oder Fachinformation des genannten Wirkstoffs und gelten nur für ihn ("sehr häufig": bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig": bei bis zu 1 von 10). Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Medikamente zur Vorbeugung eines erneuten Schlaganfalls: Gruppen, Beispiele und Nebenwirkungen laut Packungsbeilage oder Fachinformation
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
Plättchenhemmer, wenn kein Vorhofflimmern besteht [1]Acetylsalicylsäure (ASS) in niedriger Dosierung, ClopidogrelVerhindern, dass die Blutplättchen zusammenklumpen, und beugen so Blutgerinnseln vor [8, 9]ASS, häufig: Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall, geringfügige Blutverluste aus dem Magen-Darm-Bereich [8]. Clopidogrel, häufig unter anderem: Blutergüsse, Nasenbluten, Magen- oder Darmblutungen, Durchfall, Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen oder Sodbrennen [9, 10]
Gerinnungshemmer zum Einnehmen (orale Antikoagulanzien) bei Vorhofflimmern [1, 4]DOAK: Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban, Dabigatran; Vitamin-K-Antagonist: PhenprocoumonDOAK hemmen bestimmte Gerinnungsfaktoren direkt; Vitamin-K-Antagonisten verdrängen einen Teil des Vitamin K, das die Leber für die Bildung einiger Gerinnungsfaktoren braucht [5]Apixaban bei Vorhofflimmern, häufig: Blutungen, etwa in den Augen, im Magen oder Darm, aus dem Enddarm, im Urin, aus Nase oder Zahnfleisch, Blutergüsse; Blutarmut, niedriger Blutdruck, Übelkeit, erhöhte Gamma-GT im Blut [12]. Rivaroxaban, häufig unter anderem: Blutarmut, Magen- oder Darmblutungen, Blutungen im Urogenitalbereich, Nasen- und Zahnfleischbluten, Blutergüsse, Schwindel, Kopfschmerzen [13]
Statine [1]Atorvastatin, Simvastatin, Rosuvastatin, PravastatinSenken das Cholesterin; laut IQWiG schützen und stabilisieren sie die Gefäßwände [1, 16]Atorvastatin, häufig unter anderem: Entzündung der Luftwege in der Nase, Halsschmerzen, Nasenbluten, allergische Reaktionen, Anstieg des Blutzuckers, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Gelenk-, Muskel- und Rückenschmerzen, Blutwerte, die auf eine gestörte Leberfunktion hinweisen können [16]
Weitere Cholesterinsenker, zusätzlich zu Statinen [1]EzetimibVermindert die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm und ergänzt die Wirkung der Statine [17]Häufig: Bauchschmerzen, Durchfall, Blähungen, Müdigkeit; zusammen mit einem Statin häufig auch Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Empfindlichkeit oder Schwäche der Muskulatur und erhöhte Leberwerte [17]
Blutdrucksenker bei Bluthochdruck; nach einem Schlaganfall laut NVL Hypertonie bevorzugt Calciumkanalblocker oder ACE-Hemmer sowie thiazidartige Diuretika [1, 7]Amlodipin; Ramipril; Indapamid, ChlortalidonAmlodipin erweitert die Blutgefäße, sodass das Blut leichter hindurchfließt [18]; Ramipril verringert die Bildung blutdrucksteigernder Substanzen und weitet die Blutgefäße [19]; Indapamid weitet ebenfalls die Blutgefäße und erhöht die Harnmenge nur wenig [20]Amlodipin, sehr häufig: Wassereinlagerungen (Ödeme); häufig unter anderem Kopfschmerzen, Schwindel, Schläfrigkeit, Herzklopfen, Hautrötung mit Wärmegefühl, Knöchelschwellungen [18]. Ramipril, häufig unter anderem: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindelgefühl, niedriger Blutdruck, trockener Reizhusten, erhöhte Kaliumwerte [19]

Plättchenhemmer nach einem Hirninfarkt

Nach einem Schlaganfall wird laut IQWiG in der Regel empfohlen, Plättchenhemmer einzunehmen, aber nur, sofern kein Vorhofflimmern besteht. Meist werden ASS oder Clopidogrel eingesetzt [1]. ASS in niedriger Stärke wird laut Packungsbeilage unter anderem zur Vorbeugung von TIA und Hirninfarkten angewendet, nachdem Vorläuferstadien aufgetreten sind [8]; Clopidogrel laut Packungsbeilage unter anderem nach einem Schlaganfall bei verkalkten Arterien [9].

Zwei Plättchenhemmer für kurze Zeit: Bei einem leichten Schlaganfall kann ASS laut IQWiG mit einem zweiten Plättchenhemmer kombiniert werden; die Behandlung beginnt unmittelbar nach dem Schlaganfall und dauert etwa 2 bis 4 Wochen, danach reicht es in der Regel aus, eines der Präparate dauerhaft einzunehmen [1]. Zugelassen ist dafür Clopidogrel zusammen mit ASS bei einer TIA mit mäßigem bis hohem Risiko oder einem leichten ischämischen Schlaganfall; laut Fachinformation sollte die Kombination innerhalb von 24 Stunden nach dem Ereignis beginnen und 21 Tage dauern, danach folgt ein einzelner Plättchenhemmer [10].

Prasugrel, ein Plättchenhemmer für Menschen mit akutem Koronarsyndrom, darf laut Fachinformation nicht angewendet werden, wenn früher ein Schlaganfall oder eine TIA aufgetreten ist [11]. Bei manchen Menschen kann zusätzlich ein Magenschutz mit einem Protonenpumpenhemmer sinnvoll sein [1]. Bei Clopidogrel sollte laut Fachinformation von der gleichzeitigen Anwendung von Omeprazol oder Esomeprazol abgeraten werden; zusammen mit Pantoprazol kann es angewendet werden [10]. Mehr: Herzinfarkt: Medikamente danach.

Gerinnungshemmer bei Vorhofflimmern

Vorhofflimmern erhöht langfristig das Risiko für Schlaganfälle; den meisten Menschen mit Vorhofflimmern werden laut IQWiG deshalb Gerinnungshemmer zum Einnehmen empfohlen [1]. Ein früherer Schlaganfall zählt dabei zu den stärksten Risikofaktoren [4]. Mittel wie ASS werden bei Vorhofflimmern laut IQWiG in der Regel nicht mehr eingesetzt, weil sie keinen ausreichenden Schutz vor Schlaganfällen bieten, aber das Blutungsrisiko erhöhen [4].

Infrage kommen direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) und Vitamin-K-Antagonisten; DOAK sind laut IQWiG meist die erste Wahl. Für Menschen, die mit einem Vitamin-K-Antagonisten gut eingestellt sind, gibt es laut IQWiG keinen medizinischen Grund, auf ein DOAK zu wechseln [1]. Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban und Dabigatran sind zugelassen, um Schlaganfällen bei Vorhofflimmern vorzubeugen, das nicht durch einen Herzklappenfehler bedingt ist [12, 13, 14, 15]; laut den Fachinformationen von Apixaban, Edoxaban und Dabigatran gilt das bei mindestens einem weiteren Risikofaktor, etwa einem früheren Schlaganfall oder einer TIA [12, 14, 15]. Bei Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon wird die volle Wirkung 3 bis 7 Tage nach Beginn erreicht; die Gerinnungsfähigkeit des Blutes wird regelmäßig kontrolliert, und Vitamin-K-haltige Lebensmittel und Alkohol können die Wirkung beeinflussen [4]. DOAK wirken schon nach einigen Stunden, der Gerinnungswert wird nicht kontrolliert [4]. Mehr: Vorhofflimmern und Blutverdünner.

Sicherheitsinformationen: Laut einem Rote-Hand-Brief der Zulassungsinhaber vom 23.05.2019, abgestimmt mit der EMA und dem BfArM, wird die Anwendung von DOAK bei Menschen mit Antiphospholipid-Syndrom (APS) nicht empfohlen, besonders bei hohem Risiko (positiv in allen drei Antiphospholipid-Tests). Grund ist ein möglicherweise erhöhtes Risiko für erneute Blutgerinnsel im Vergleich zu Vitamin-K-Antagonisten. Der Brief fordert Ärztinnen und Ärzte auf, bei Menschen mit APS, die bereits ein DOAK nehmen, zu prüfen, ob eine Fortsetzung der Behandlung angemessen ist, und eine Umstellung auf einen Vitamin-K-Antagonisten zu erwägen [21]. Laut einem Rote-Hand-Brief von Boehringer Ingelheim vom 27.10.2011, abgestimmt mit der EMA und dem BfArM, sollte vor einer Behandlung mit Dabigatran bei allen die Nierenfunktion überprüft werden; bei schwerer Einschränkung der Nierenfunktion darf Dabigatran nicht angewendet werden. Während der Behandlung sollte die Nierenfunktion überprüft werden, wenn eine Abnahme vermutet wird, bei Menschen über 75 Jahren oder mit eingeschränkter Nierenfunktion mindestens einmal im Jahr. Anlass war die Auswertung von Fallberichten aus Japan über tödliche Blutungen [22].

Cholesterinsenker

Den meisten Menschen werden nach einem Schlaganfall laut IQWiG Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels empfohlen, meist Statine. Sie schützen und stabilisieren die Gefäßwände und können dadurch der Bildung von Blutgerinnseln vorbeugen; Statine senken zudem das Risiko für einen Herzinfarkt [1]. In Deutschland sind mehrere Statine zugelassen; wer eines nicht verträgt, kann auf ein anderes umsteigen [1]. Atorvastatin wird laut Packungsbeilage angewendet, um erhöhte Blutfette zu verringern, wenn eine fettarme Ernährung und eine Umstellung des Lebensstils allein nicht ausreichen [16]. Es gibt weitere Cholesterinsenker, die zusätzlich zu Statinen eingenommen werden können, wenn diese nicht ausreichend wirken [1], zum Beispiel Ezetimib [17].

Blutdrucksenker

Ein erhöhter Blutdruck steigert das Schlaganfall-Risiko; ihn mit Medikamenten zu senken, verringert laut IQWiG das Risiko für einen erneuten Schlaganfall. Der Blutdruck sollte im Tagesdurchschnitt etwa zwischen 120/70 mmHg und 140/90 mmHg liegen [1]. Ist bei Bluthochdruck eine Behandlung mit Medikamenten angezeigt, soll laut Nationaler VersorgungsLeitlinie (NVL) Hypertonie, Version 1.0 von 2023, ein Behandlungsablauf angewendet werden (Empfehlung 7-1); er sieht nach einem Schlaganfall bevorzugt Calciumkanalblocker oder ACE-Hemmer sowie thiazidartige Diuretika vor [7]. Ramipril wird laut Packungsbeilage auch angewendet, um das Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall zu senken [19]. Mehr: Bluthochdruck.

Nebenwirkungen der Medikamente

Blutungen: Die bedeutendste Nebenwirkung von Gerinnungshemmern sind laut IQWiG Blutungen. Starke Blutungen sind eine ernsthafte Komplikation und müssen rasch im Krankenhaus behandelt werden [5]. Das Risiko steigt unter anderem mit höherem Alter, mit weiteren Gerinnungshemmern oder entzündungshemmenden Schmerzmitteln (NSAR), bei chronischen Nieren- oder Lebererkrankungen und bei anhaltend hohem Alkoholkonsum [5]. Plättchenhemmer erhöhen das Risiko für Magenblutungen besonders stark, wenn sie mit Schmerzmitteln wie Diclofenac, Ibuprofen oder Naproxen genommen werden [5]. Laut einem Informationsbrief der Zulassungsinhaber vom August 2013, abgestimmt mit der EMA und dem BfArM, wurden im Zusammenhang mit Clopidogrel wenige Fälle einer erworbenen Bluterkrankheit (erworbene Hämophilie) bei Menschen ohne vorherige Störung der Blutgerinnung berichtet. Ist die Diagnose bestätigt, müssen Betroffene laut Informationsbrief und Fachinformation von Spezialisten versorgt werden, und Clopidogrel muss abgesetzt werden; invasive Eingriffe sollten laut Informationsbrief vermieden werden [10, 24]. Mehr: Blutungen und Blutbild und Wechselwirkungen.

  • Vor Eingriffen: Informieren Sie Ärztinnen und Ärzte vor einer Operation oder einem anderen Eingriff über Ihre Gerinnungshemmer, auch vor dem Ziehen eines Zahns oder einer Darmspiegelung [4, 8]. Mehr: Medikamente vor der OP.
  • Statine: Gelenk-, Muskel- und Rückenschmerzen sind unter Atorvastatin laut Packungsbeilage häufig. Muskelschwäche, Empfindlichkeit oder Schmerzen der Muskeln oder ein rotbrauner Urin, besonders mit Unwohlsein oder erhöhter Temperatur, können laut Packungsbeilage durch einen seltenen krankhaften Muskelschwund (Rhabdomyolyse) verursacht sein. Die Packungsbeilage verlangt dann, die Einnahme abzubrechen und umgehend die Ärztin oder den Arzt zu informieren oder die nächstgelegene Notaufnahme aufzusuchen [16]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Mehr: Muskelschmerzen.
  • Blutdrucksenker: Wassereinlagerungen sind unter Amlodipin sehr häufig [18], trockener Reizhusten und erhöhte Kaliumwerte unter Ramipril häufig [19]. Laut einer Risikoinformation des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vom 28.05.2026 kann unter ACE-Hemmern jederzeit ein Angioödem auftreten, auch erst später in der Behandlung [23]. Mehr: Wassereinlagerungen, Reizhusten und Schwindel.

Nicht eigenmächtig absetzen: Beenden Sie die Einnahme von Rivaroxaban laut Packungsbeilage nicht ohne vorherige Rücksprache, weil damit schwerwiegende Erkrankungen verhindert werden können [13]; niedrig dosierte ASS unterbrechen oder beenden Sie laut Packungsbeilage nicht, ohne es vorher ärztlich abzusprechen [8]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Was die Packungsbeilagen zum Beenden sagen, steht auf den Seiten Apixaban absetzen, Rivaroxaban absetzen, Edoxaban absetzen, Clopidogrel absetzen, Atorvastatin absetzen und Ramipril absetzen.

Nebenwirkung melden: Nebenwirkungen können Sie laut Packungsbeilage Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem BfArM melden [8]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben nach dem Schlaganfall

Trauer und Niedergeschlagenheit sind nach einem Schlaganfall laut IQWiG normal. Manche Menschen entwickeln jedoch eine behandlungsbedürftige Depression, die oft nicht erkannt wird und auch die körperliche Genesung beeinträchtigen kann [2]. Beratungsstellen, Pflegeberatungsstellen und Selbsthilfegruppen unterstützen Betroffene und Angehörige; Angehörige können Pflegekurse besuchen [2]. Wer mehrere Medikamente nimmt, behält mit dem Medikationsplan den Überblick; mit der Einnahme-Erinnerung legen Sie Erinnerungen zu selbst gewählten Uhrzeiten in Ihrem Kalender an.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Anzeichen eines Schlaganfalls: Bei jedem Verdacht ist es das Wichtigste, sofort die Notrufnummer 112 anzurufen; warten Sie nicht ab, ob die Beschwerden von selbst verschwinden [3]. Für den Rettungsdienst ist wichtig: was passiert ist, welche Beschwerden aufgetreten sind, seit wann sie bestehen, wie alt die betroffene Person ist und wer anruft [3]. Bis der Rettungsdienst da ist, beruhigen Sie die Person und lassen sie nicht allein; bei Bewusstlosigkeit bringen Sie sie in die stabile Seitenlage. Reichen Sie keine Getränke oder Medikamente, denn es könnte eine Schluckstörung vorliegen [3].

Unter Gerinnungshemmern: Kopfschmerzen, einseitige Schwäche, Erbrechen, Krampfanfälle, vermindertes Bewusstsein und Nackensteifigkeit können laut Packungsbeilage von Rivaroxaban Anzeichen einer Blutung im Gehirn sein; das ist ein schwerer medizinischer Notfall, suchen Sie sofort eine Ärztin oder einen Arzt auf [13]. Bei lang anhaltender oder sehr starker Blutung, außergewöhnlicher Schwäche, Blässe, Schwindel, unerklärlichen Schwellungen, Atemlosigkeit oder Brustschmerzen informieren Sie laut Packungsbeilage sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [13]. Schwarzer Stuhl oder blutiges Erbrechen können laut Packungsbeilage von ASS Zeichen einer schweren Magenblutung sein; benachrichtigen Sie dann sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [8].

Unter ACE-Hemmern: Die Packungsbeilage von Ramipril nennt Schwellungen des Gesichts, der Lippen oder des Rachens, die das Schlucken oder Atmen erschweren, als mögliche Anzeichen einer schweren Überempfindlichkeitsreaktion und als Grund, die Einnahme umgehend abzubrechen und sich unverzüglich an eine Ärztin oder einen Arzt zu wenden [19]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe.

Quellen

  1. Wie lässt sich einem erneuten Schlaganfall vorbeugen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 05.08.2026. abgerufen am 17.10.2026
  2. Schlaganfall. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 05.08.2026. abgerufen am 17.10.2026
  3. Was sind die Anzeichen eines Schlaganfalls?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 05.08.2026. abgerufen am 17.10.2026
  4. Schlaganfällen vorbeugen bei Vorhofflimmern. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 04.10.2022. abgerufen am 17.10.2026
  5. Was sind Gerinnungshemmer?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.09.2022. abgerufen am 17.10.2026
  6. Behörde Schlaganfall. gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 16.12.2022. abgerufen am 17.10.2026
  7. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Hypertonie, Langfassung, Version 1.0 (AWMF-Register-Nr. nvl-009), Abbildung Therapie-Algorithmus zu Empfehlung 7-1. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Stand Version 1.0, 2023 (gültig bis 29.06.2028). abgerufen am 17.10.2026
  8. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation ASS-ratiopharm 100 mg TAH Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 17.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Clopidogrel ratiopharm 75 mg Filmtabletten. Teva B.V. (Zulassungsinhaber)/ratiopharm GmbH. Stand 02/2024. abgerufen am 17.10.2026
  10. Fachinformation Fachinformation Clopidogrel ratiopharm 75 mg Filmtabletten. Teva B.V. (Zulassungsinhaber)/ratiopharm GmbH. Stand 02/2024. abgerufen am 17.10.2026
  11. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Efient (Prasugrel), Anhang I: Fachinformation. SUBSTIPHARM (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2025 (EMA, aktualisiert am 22.07.2025). abgerufen am 17.10.2026
  12. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Eliquis (Apixaban), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage Eliquis 5 mg Filmtabletten. Bristol-Myers Squibb/Pfizer EEIG (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 04/2026 (EMA, aktualisiert am 10.04.2026). abgerufen am 17.10.2026
  13. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Rivaroxaban-ratiopharm 15 mg; 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 17.10.2026
  14. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Lixiana (Edoxaban), Anhang I: Fachinformation. Daiichi Sankyo Europe GmbH (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2025 (EMA, aktualisiert am 27.08.2025). abgerufen am 17.10.2026
  15. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Pradaxa (Dabigatranetexilat), Anhang I: Fachinformation. Boehringer Ingelheim International GmbH (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 11/2025 (EMA, aktualisiert am 24.11.2025). abgerufen am 17.10.2026
  16. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Atorvastatin-ratiopharm 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 17.10.2026
  17. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ezetimib-ratiopharm 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 17.10.2026
  18. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Amlodipin-ratiopharm 5 mg N Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2022. abgerufen am 17.10.2026
  19. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ramipril-ratiopharm 5 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 17.10.2026
  20. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Indapamid-ratiopharm 1,5 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 10/2024. abgerufen am 17.10.2026
  21. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Eliquis, Pradaxa, Lixiana/Roteas und Xarelto: Die Anwendung bei Patienten mit Antiphospholipid-Syndrom wird nicht empfohlen. Zulassungsinhaber in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 23.05.2019. abgerufen am 17.10.2026
  22. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Pradaxa (Dabigatranetexilat): Notwendigkeit der Überprüfung der Nierenfunktion. Boehringer Ingelheim; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 27.10.2011. abgerufen am 17.10.2026
  23. Behörde Risikoinformation: ACE-Hemmer-haltige Arzneimittel, Epinephrin/Adrenalin möglicherweise unwirksam bei durch ACE-Hemmer ausgelöstem Angioödem. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 28.05.2026. abgerufen am 17.10.2026
  24. Rote-Hand-Brief Informationsbrief zu Clopidogrel: Risiko von erworbener Hämophilie. Zulassungsinhaber clopidogrelhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM (veröffentlicht vom BfArM am 04.09.2013). Stand August 2013. abgerufen am 17.10.2026
  25. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 17.10.2026
  26. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Diclofenac-ratiopharm 50 mg magensaftresistente Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 17.10.2026
  27. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Diclofenac-haltigen Arzneimitteln: Kardiovaskuläre Risiken (Neue Kontraindikationen und Warnhinweise nach europaweiter Überprüfung der kardiovaskulären Sicherheit). Zulassungsinhaber systemisch angewendeter Diclofenac-haltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM (veröffentlicht vom BfArM am 16.07.2013). Stand Juli 2013. abgerufen am 17.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente bekommt man nach einem Schlaganfall?

Das hängt von der Ursache ab. Nach einem Hirninfarkt durch ein verstopftes Gefäß werden laut IQWiG in der Regel Plättchenhemmer wie ASS oder Clopidogrel empfohlen, sofern kein Vorhofflimmern besteht. Bei Vorhofflimmern kommen Gerinnungshemmer zum Einnehmen infrage, meist direkte orale Antikoagulanzien (DOAK). Den meisten werden außerdem Cholesterinsenker empfohlen, meist Statine; bei hohem Blutdruck kommen Blutdrucksenker hinzu. Welche Mittel Sie brauchen, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Wie lange muss ich nach einem Schlaganfall Blutverdünner nehmen?

In der Regel dauerhaft. Bei einem leichten Schlaganfall kann ASS laut IQWiG zunächst mit einem zweiten Plättchenhemmer kombiniert werden; diese Kombination beginnt unmittelbar nach dem Schlaganfall und dauert etwa 2 bis 4 Wochen, danach reicht es in der Regel aus, eines der Präparate dauerhaft einzunehmen. Laut Fachinformation von Clopidogrel sollte die Kombination mit ASS innerhalb von 24 Stunden beginnen und 21 Tage dauern. Wie lange Ihre Behandlung dauert, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Warum bekomme ich bei Vorhofflimmern kein ASS?

Mittel wie ASS werden bei Vorhofflimmern laut IQWiG in der Regel nicht mehr eingesetzt, weil sie dort keinen ausreichenden Schutz vor Schlaganfällen bieten, aber das Blutungsrisiko erhöhen. Stattdessen kommen Gerinnungshemmer zum Einnehmen infrage: direkte orale Antikoagulanzien wie Apixaban, Dabigatran, Edoxaban und Rivaroxaban oder Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon. Plättchenhemmer werden nach einem Schlaganfall laut IQWiG nur empfohlen, sofern kein Vorhofflimmern besteht.

Muss ich nach einem Schlaganfall ein Statin nehmen?

Den meisten Menschen werden nach einem Schlaganfall laut IQWiG Medikamente zur Senkung des Cholesterinspiegels empfohlen, meist Statine. Sie schützen und stabilisieren laut IQWiG die Gefäßwände. Wer ein Statin nicht verträgt, kann auf einen anderen Wirkstoff umsteigen; reicht ein Statin nicht aus, gibt es weitere Cholesterinsenker. Ob und welches Mittel Sie nehmen, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wie niedrig soll der Blutdruck nach einem Schlaganfall sein?

Laut IQWiG sollte der Blutdruck nach einem Schlaganfall im Tagesdurchschnitt etwa zwischen 120/70 mmHg und 140/90 mmHg liegen. Für Menschen mit Bluthochdruck, bei denen Medikamente angezeigt sind, soll laut Nationaler VersorgungsLeitlinie Hypertonie, Version 1.0 von 2023, ein Behandlungsablauf angewendet werden, der nach einem Schlaganfall bevorzugt Calciumkanalblocker oder ACE-Hemmer sowie thiazidartige Diuretika vorsieht. Welcher Zielwert für Sie gilt, vereinbaren Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Muss ich Blutverdünner vor einer Operation oder beim Zahnarzt absetzen?

Das entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Wichtig ist laut IQWiG, vor einer Operation oder einem anderen Eingriff über die Einnahme von Gerinnungshemmern zu informieren, auch vor kleineren Eingriffen wie dem Ziehen eines Zahns oder einer Darmspiegelung. Laut Packungsbeilage von Rivaroxaban beenden Sie die Einnahme nicht ohne vorherige Rücksprache, weil damit schwerwiegende Erkrankungen verhindert werden können. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Welche Schmerzmittel darf ich nach einem Schlaganfall nehmen?

Fragen Sie vorher Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke. Diclofenac darf laut Packungsbeilage nach einem Schlaganfall oder einer TIA nicht eingenommen werden. Ibuprofen sollten Sie laut Packungsbeilage nach einem Schlaganfall vorher ärztlich oder in der Apotheke besprechen. Zusammen mit Plättchenhemmern erhöhen entzündungshemmende Schmerzmittel wie Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen laut IQWiG das Risiko für Magenblutungen besonders stark.

Was ist eine TIA?

Bei einer transitorischen ischämischen Attacke (TIA) treten typische Schlaganfall-Beschwerden auf und verschwinden nach einigen Stunden von selbst wieder; ein Blutgerinnsel löst sich auf, bevor das Gehirn stärker geschädigt wird. Eine TIA weist laut IQWiG auf ein erhöhtes Schlaganfall-Risiko hin. Warten Sie bei Beschwerden nicht ab, ob sie verschwinden, sondern rufen Sie sofort den Notruf 112.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu

  • Krankheiten Thrombose

    Bei einer Thrombose verstopft ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß, meist eine Vene im Bein.

  • Krankheiten Lungenembolie

    Bei einer Lungenembolie verstopft ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß in der Lunge.

  • Krankheiten Hohes Cholesterin

    Hohes Cholesterin macht normalerweise keine Beschwerden, kann aber das Risiko für Herzinfarkt erhöhen.

  • Medikamente Amlodipin

    Amlodipin senkt den Blutdruck und hilft bei Angina pectoris.