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Blutverdünner (DOAK, Vitamin-K-Antagonisten, Heparine, Thrombozytenaggregationshemmer)

"Blutverdünner" ist der umgangssprachliche Name für Arzneimittel, die die Bildung von Blutgerinnseln hemmen. Das Blut machen sie laut IQWiG nicht flüssiger. Zu ihnen gehören die direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK), Vitamin-K-Antagonisten wie Phenprocoumon, Heparine als Spritze und Thrombozytenaggregationshemmer wie ASS oder Clopidogrel. Ihre wichtigste Nebenwirkung sind Blutungen. Viele Schmerzmittel, pflanzliche Mittel wie Johanniskraut und andere Arzneimittel können die Wirkung verändern.

Paar um die siebzig geht an einem sonnigen Herbsttag gemeinsam durch einen Park
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"Blutverdünner" ist der umgangssprachliche Name für Arzneimittel, die die Bildung von Blutgerinnseln im Blutkreislauf hemmen. Laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) machen sie das Blut nicht flüssiger; Fachleute sprechen von Gerinnungshemmern [18]. Unterschieden werden Mittel, die die Blutplättchen hemmen, und Mittel, die auf die Gerinnungsfaktoren wirken: direkte orale Antikoagulanzien (DOAK), Vitamin-K-Antagonisten und Heparine [6, 7, 18]. Ihre wichtigste Nebenwirkung sind Blutungen [18]. Einzelheiten zu jedem Wirkstoff stehen auf den verlinkten Wirkstoffseiten.

Was sind Blutverdünner?

Abschnitt 5.1 der Fachinformation ordnet Apixaban, Rivaroxaban und Edoxaban den direkten Faktor-Xa-Inhibitoren zu, Dabigatran den direkten Thrombininhibitoren, Enoxaparin der Heparingruppe und Acetylsalicylsäure (ASS), Clopidogrel, Prasugrel und Ticagrelor den Thrombozytenaggregationshemmern [1, 2, 3, 4, 7, 8, 9, 10, 11].

Die hier beschriebenen Faktor-Xa-Hemmer enden auf "-xaban", die niedermolekularen Heparine auf "-parin". DOAK werden laut IQWiG manchmal noch "neue orale Antikoagulanzien" (NOAK) genannt; Thrombozytenaggregationshemmer heißen auch Plättchenhemmer [18].

Wie Blutverdünner wirken

Die Untergruppen greifen an unterschiedlichen Stellen der Blutgerinnung an [1, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 18]:

Untergruppen der Blutverdünner und ihr Wirkprinzip
UntergruppeWirkprinzipWirkstoffe
Direkte orale Antikoagulanzien (DOAK)Apixaban, Rivaroxaban und Edoxaban hemmen direkt den Gerinnungsfaktor Xa [1, 2, 3]. Dabigatranetexilat wird im Körper zu Dabigatran umgewandelt, das direkt das Gerinnungsenzym Thrombin hemmt [4]. Die Wirkung setzt laut IQWiG nach einigen Stunden ein; der Gerinnungswert muss nicht kontrolliert werden [18]Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban, Dabigatran
Vitamin-K-AntagonistenDie Leber braucht Vitamin K, um einige Gerinnungsfaktoren zu bilden; die Mittel verdrängen einen Teil des Vitamin K und hemmen so deren Bildung. Sie wirken mit einer Verzögerung von einigen Tagen, der Gerinnungswert wird regelmäßig kontrolliert [18]Phenprocoumon
HeparineHeparin verstärkt die Wirkung des körpereigenen Gerinnungshemmers Antithrombin III, der unter anderem Faktor Xa und Thrombin hemmt [6]. Niedermolekulares Enoxaparin wirkt über Antithrombin III vor allem gegen Faktor Xa [7]. Heparine werden gespritzt, ihre Wirkung setzt sehr schnell ein [18]Heparin, Enoxaparin, Certoparin, Tinzaparin
ThrombozytenaggregationshemmerASS hemmt dauerhaft ein Enzym der Blutplättchen (Cyclooxygenase) und damit die Bildung von Thromboxan A2; die Wirkung hält für die Lebensdauer eines Blutplättchens an [8]. Clopidogrel und Prasugrel blockieren über ein Stoffwechselprodukt den ADP-Rezeptor P2Y12 der Blutplättchen, Ticagrelor bindet direkt und umkehrbar an diesen Rezeptor [9, 10, 11]ASS, Clopidogrel, Prasugrel, Ticagrelor

Plättchenhemmer bewirken laut IQWiG, dass sich die Blutplättchen nicht so leicht an verletzten Blutgefäßen anlagern und zu einem Gerinnsel verkleben; orale Antikoagulanzien wirken deutlich stärker als Plättchenhemmer [18]. Bei Phenprocoumon setzt die gerinnungshemmende Wirkung laut Packungsbeilage mit einer Verzögerung von etwa 36 bis 72 Stunden ein; ist eine rasche Gerinnungshemmung nötig, wird mit Heparin begonnen [5].

Wofür Blutverdünner eingesetzt werden

Die zugelassenen Anwendungsgebiete stehen in Abschnitt 4.1 der Fachinformation bzw. Abschnitt 1 der Packungsbeilage [1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11]:

  • DOAK: Vorbeugung von Schlaganfällen und Embolien bei nicht valvulärem Vorhofflimmern mit Risikofaktoren sowie Behandlung von tiefen Venenthrombosen und Lungenembolien und Vorbeugung von Rückfällen; Apixaban, Dabigatran und Rivaroxaban auch zur Vorbeugung von Thrombosen nach einem geplanten Hüft- oder Kniegelenksersatz [1, 2, 3, 4, 12].
  • Phenprocoumon: Behandlung und Vorbeugung von Thrombosen und Embolien sowie Langzeitbehandlung nach einem Herzinfarkt bei erhöhtem Risiko für Komplikationen durch Blutgerinnsel [5].
  • Heparine: laut Fachinformation von Heparin und Enoxaparin Vorbeugung von Thrombosen, etwa bei Operationen oder bei akut Erkrankten mit eingeschränkter Beweglichkeit, Behandlung von Thrombosen und Lungenembolien, Gerinnungshemmung bei der Blutwäsche (Hämodialyse) und Behandlung beim akuten Koronarsyndrom [6, 7].
  • Thrombozytenaggregationshemmer: ASS in niedriger Stärke unter anderem bei instabiler Angina pectoris, akutem Herzinfarkt, zur Vorbeugung eines erneuten Herzinfarkts und nach Vorläuferstadien eines Hirninfarkts [8]; Clopidogrel nach Herzinfarkt, ischämischem Schlaganfall oder bei peripherer arterieller Verschlusskrankheit sowie mit ASS beim akuten Koronarsyndrom [9]; Prasugrel und Ticagrelor jeweils zusammen mit ASS beim akuten Koronarsyndrom (Prasugrel bei einer Katheterbehandlung der Herzkranzgefäße), Ticagrelor auch nach einem Herzinfarkt mit hohem Risiko [10, 11].

Welcher Gerinnungshemmer infrage kommt, hängt laut IQWiG von der Erkrankung ab, außerdem vom Alter, von weiteren Erkrankungen und von möglichen Wechselwirkungen [18]. Mehr dazu: Thrombose, Lungenembolie, Herzinfarkt, Schlaganfall, koronare Herzkrankheit und pAVK.

Wirkstoffe der Gruppe

Mit geprüftem Wirkstoff-Steckbrief beschrieben sind auf dieser Website:

  • Acetylsalicylsäurez. B. Aspirin, ASS-ratiopharm 100 mg TAH, ASS-ratiopharm 500 mgSchmerzen und Fieber (500 mg); niedrig dosiert zur Hemmung der Blutplättchen, um Blutgerinnseln vorzubeugen (100 mg)
  • Apixabanz. B. EliquisVorbeugung und Behandlung von Blutgerinnseln, Vorbeugung von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern
  • Certoparinz. B. Mono-Embolex 3000 I.E. PROPHYLAXE Sicherheitsspritze, Mono-Embolex 8000 I.E. THERAPIE SicherheitsspritzeVorbeugung von Thrombosen bei Operationen, Schlaganfall und eingeschränkter Beweglichkeit; Gerinnungshemmung bei der Dialyse; Behandlung tiefer Venenthrombosen
  • Clopidogrelz. B. Clopidogrel ratiopharm, Iscover, PlavixVorbeugung von Blutgerinnseln nach Herzinfarkt, Schlaganfall oder TIA, bei akutem Koronarsyndrom, peripherer arterieller Verschlusskrankheit und Vorhofflimmern
  • Dabigatranz. B. Pradaxa, Dabigatranetexilat TEVAVorbeugung und Behandlung von Blutgerinnseln, Schlaganfallvorbeugung bei Vorhofflimmern
  • Edoxabanz. B. LixianaVorbeugung von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern, Behandlung von Thrombosen und Lungenembolien
  • Enoxaparinz. B. Clexane, InhixaVorbeugung und Behandlung von Blutgerinnseln, Herzinfarkt, Dialyse
  • Heparinz. B. Heparin-Natrium-5000-ratiopharm, Heparin-Natrium-7500-ratiopharm FS, Heparin-Natrium-25000-ratiopharmVorbeugung von Blutgerinnseln; außerdem Behandlung von Blutgerinnseln und Gerinnungshemmung bei Herz-Lungen-Maschine und Dialyse
  • Phenprocoumonz. B. Falithrom, Marcumar, PhenprogammaBehandlung und Vorbeugung von Thrombosen und Embolien, Langzeitbehandlung nach Herzinfarkt
  • Prasugrelz. B. Efient, Prasugrel-ratiopharmZusammen mit ASS zur Vorbeugung von Herzinfarkt und Schlaganfall nach akutem Koronarsyndrom mit Kathetereingriff
  • Rivaroxabanz. B. Rivaroxaban-ratiopharm, XareltoVorbeugung von Schlaganfällen bei Vorhofflimmern, Behandlung und Vorbeugung von Thrombosen und Lungenembolien
  • Ticagrelorz. B. Brilique, Ticagrelor-ratiopharmZusammen mit ASS nach Herzinfarkt oder bei instabiler Angina pectoris zur Vorbeugung weiterer Herzinfarkte und Schlaganfälle
  • Tinzaparinz. B. innohep 4.500 Anti-Xa I.E. Injektionslösung, innohep 10.000 Anti-Xa I.E./0,5 ml Injektionslösung, FertigspritzeVorbeugung von Thrombosen bei Operationen und Bettlägerigkeit, Gerinnungshemmung bei Dialyse, Behandlung von Blutgerinnseln

Als weitere Wirkstoffe nennt das IQWiG den Vitamin-K-Antagonisten Warfarin, den Plättchenhemmer Dipyridamol und den gespritzten Gerinnungshemmer Fondaparinux [18]. DOAK, Vitamin-K-Antagonisten und Plättchenhemmer werden als Tabletten eingenommen, Heparine unter die Haut oder in eine Vene gespritzt [18]. ASS in niedriger Stärke eignet sich laut Fachinformation nicht zur Behandlung von Schmerzen [8]; als Schmerzmittel gehört ASS zu den Nichtopioid-Schmerzmitteln.

Typische Nebenwirkungen

Die Tabelle zeigt die Einstufung fünf typischer Beschwerden; die Kategorien erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Häufigkeit ausgewählter Nebenwirkungen je Wirkstoff: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffBlutungen und blaue FleckenMagen-Darm-Blutungen und GeschwüreVeränderungen des BlutbildsLeberschäden und erhöhte LeberwerteHautausschlag
AcetylsalicylsäureHäufigHäufignicht genanntSehr seltenGelegentlich
ApixabanHäufigHäufigHäufigHäufigHäufig
CertoparinHäufigHäufigGelegentlichSehr häufigSelten
ClopidogrelHäufigHäufigGelegentlichSehr seltenGelegentlich
DabigatranHäufigHäufigHäufigHäufigGelegentlich
EdoxabanHäufigHäufigHäufigHäufigHäufig
EnoxaparinSehr häufigGelegentlichHäufigSehr häufigHäufig
HeparinSehr häufigSehr häufigHäufigSehr häufignicht genannt
PhenprocoumonSehr häufigSehr häufigSeltenSehr seltenSelten
PrasugrelHäufigHäufigHäufignicht genanntHäufig
RivaroxabanHäufigHäufigHäufigHäufigHäufig
TicagrelorSehr häufigHäufigNicht bekanntnicht genanntHäufig
TinzaparinHäufignicht genanntGelegentlichGelegentlichGelegentlich

Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung auf. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.

Blutungen

Weil das Blut langsamer gerinnt, dauert es länger, bis Wunden verschlossen werden und Blutungen stoppen [18]. Starke Blutungen sind laut IQWiG selten, aber eine ernsthafte Komplikation. Das Risiko steigt mit höherer Dosis, höherem Alter und der Anwendung weiterer Gerinnungshemmer, von NSAR oder anderen Schmerzmitteln; auch chronische Nieren- oder Lebererkrankungen, Gerinnungsstörungen, Krebs und anhaltend hoher Alkoholkonsum können Blutungen fördern [18]. Unter Phenprocoumon sind laut Packungsbeilage Blutungen an verschiedenen Organen möglich, insbesondere lebensbedrohliche Blutungen im Gehirn, im Magen-Darm-Trakt, in den Atemwegen, in Harnwegen und Gebärmutter, in Leber und Gallenblase und in den Augen [5]. Behandelte sollen laut Fachinformation sorgfältig auf Anzeichen einer Blutung überwacht werden [1, 2]. Für Apixaban steht bei Erwachsenen ein Gegenmittel (Andexanet alfa) zur Verfügung, für Dabigatran bei Erwachsenen mit lebensbedrohlichen oder nicht beherrschbaren Blutungen das Gegenmittel Idarucizumab [1, 4].

Leichtes Nasen- oder Zahnfleischbluten und blaue Flecken sind laut IQWiG in der Regel unproblematisch. Ärztlicher Rat ist wichtig bei starkem, anhaltendem Nasen- oder Zahnfleischbluten, großen Blutergüssen, rot verfärbtem Urin, dunkelrot oder schwarz verfärbtem Stuhl und Blut im Erbrochenen [19]. Sehr selten kommt es zu einer Hirnblutung; Anzeichen können plötzliche starke Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindel, Lähmungen, Taubheitsgefühle, Bewusstseinsstörungen oder Krämpfe sein [19]. Mehr dazu: Blutungen und Blutbildveränderungen.

Abfall der Blutplättchen unter Heparin (HIT)

Unter Heparin kann laut Fachinformation zu Beginn der Behandlung ein Abfall der Blutplättchen ohne Beteiligung von Antikörpern und ohne Thrombose auftreten (Typ I). Selten ist die durch Antikörper vermittelte Heparin-induzierte Thrombozytopenie Typ II, die mit Thrombosen oder Embolien in Arterien und Venen, Hautnekrosen und punktförmigen Hautblutungen einhergehen kann; sehr selten tritt sie erst Wochen nach Ende der Behandlung auf [6]. Das Risiko einer antikörpervermittelten HIT besteht auch bei niedermolekularen Heparinen; unter Enoxaparin tritt eine Thrombozytopenie üblicherweise zwischen dem 5. und 21. Behandlungstag auf; erhöht ist das HIT-Risiko nach Operationen, vor allem am Herzen, und bei Krebserkrankungen [7]. Die Zahl der Blutplättchen wird deshalb vor Beginn und während der Behandlung regelmäßig bestimmt [6, 7]. Verdächtig auf eine HIT sind laut Fachinformation von Enoxaparin jede neue Thrombose oder Embolie, schmerzhafte Hautveränderungen an der Einstichstelle und allergische Reaktionen während der Behandlung [7].

Rückenmarksnahe Betäubung und Eingriffe

Im Zusammenhang mit einer Spinal- oder Periduralanästhesie oder einer Lumbalpunktion wurde unter Heparinen über Blutergüsse im Wirbelkanal berichtet, die zu einer lang dauernden oder bleibenden Lähmung führen können [6, 7]. Unter Heparin-Natrium sind Spritzen in den Muskel wegen der Gefahr von Blutergüssen zu vermeiden [6]. Laut IQWiG sollten Ärztin oder Arzt vor Operationen, Eingriffen, Spritzen oder Impfungen rechtzeitig über die Behandlung informiert werden [19]. Der Eliquis-Packung liegt ein Patientenausweis bei, den Behandelte vor jeder Behandlung in Apotheke, Zahnarztpraxis und bei allen Ärzten zeigen sollen; auch für Dabigatran sieht die Produktinformation Patientenausweise vor [1, 4]. Mehr dazu: Medikamente vor der OP.

Kalium, Knochen und Haut unter Heparinen

Heparin kann die Ausschüttung des Hormons Aldosteron unterdrücken und so zu einem erhöhten Kaliumspiegel führen, besonders bei Diabetes, eingeschränkter Nierenfunktion oder unter Mitteln, die das Kalium erhöhen; der Kaliumspiegel soll bei diesen Menschen kontrolliert werden [6, 7]. Tägliche hochdosierte Heparin-Gaben über mehr als drei Monate können bei Schwangeren das Risiko für Knochenschwund (Osteoporose) erhöhen [6]. Hautnekrosen und Gefäßentzündungen der Haut wurden unter niedermolekularen Heparinen berichtet und sollten laut Fachinformation zum sofortigen Absetzen führen [7]. Mehr dazu: Kalium und Osteoporose.

Besonderheiten der Plättchenhemmer

Unter Clopidogrel wurde sehr selten eine thrombotisch-thrombozytopenische Purpura (TTP) beobachtet, manchmal schon nach kurzer Einnahme; sie ist potenziell lebensbedrohlich und muss sofort behandelt werden. Auch unter Prasugrel wurde eine TTP berichtet [9, 10]. Unter Ticagrelor wurde Atemnot berichtet, üblicherweise leicht bis mittelschwer; sie geht oft zurück, ohne dass die Behandlung beendet werden muss. Vorsicht gilt bei Asthma oder COPD [11]. ASS darf laut Fachinformation nicht angewendet werden, wenn Salicylate oder ähnliche Mittel schon einmal Asthmaanfälle ausgelöst haben; bei gefährdeten Menschen kann sie unter Umständen einen Gichtanfall auslösen [8]. Mehr dazu: Atemnot und Harnsäure und Gicht.

Wichtige Wechselwirkungen

Mann um die siebzig gießt mit Gartenhandschuhen Pflanzen auf seinem Balkon
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Phenprocoumon hat laut Packungsbeilage einen engen therapeutischen Bereich; bei jeder Begleitmedikation ist Vorsicht geboten [5]. Die Auswahl nennt Wechselwirkungen aus den Produktinformationen [1, 2, 3, 4, 5, 6, 8, 9, 11]:

Wichtige Wechselwirkungen von Blutverdünnern (Auswahl)
Zusammen mitWas passieren kann
Andere GerinnungshemmerBei DOAK kontraindiziert, außer bei einer Umstellung und in speziellen Situationen [1, 2, 4]. Clopidogrel zusammen mit oralen Antikoagulanzien wird nicht empfohlen, da Blutungen verstärkt werden können [9]. Unter Heparin ist mit Antikoagulanzien und Plättchenhemmern eine besonders sorgfältige Überwachung nötig [6]
NSAR wie Ibuprofen, Diclofenac oder Naproxen, ASSBei DOAK ist Vorsicht geboten; bei Dabigatran erhöhen Plättchenhemmer und NSAR das Risiko für Magen-Darm-Blutungen [1, 2, 4]. Bei Phenprocoumon können unter anderem ASS, Piroxicam und Coxibe die Wirkung verstärken [5]. Laut Fachinformation von ASS deuten experimentelle Daten darauf hin, dass Ibuprofen bei gleichzeitiger Anwendung die Wirkung niedrig dosierter ASS auf die Blutplättchen hemmen kann [8]. Mehr dazu: ASS oder Ibuprofen
Antidepressiva vom Typ SSRI und SNRI, z. B. SertralinBei Apixaban und Rivaroxaban ist Vorsicht geboten [1, 2]
Johanniskraut, Carbamazepin, Phenytoin, RifampicinKönnen die Spiegel von Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban und Dabigatran senken [1, 2, 3, 4]. Johanniskraut, Carbamazepin und Rifampicin können die Wirkung von Phenprocoumon abschwächen [5]
Starke Hemmstoffe von CYP3A4 bzw. P-Glykoprotein, z. B. Ketoconazol, Itraconazol, Ritonavir, ClarithromycinBei Apixaban wird die Kombination mit starken Hemmstoffen sowohl von CYP3A4 als auch von P-Glykoprotein wie Azol-Antimykotika (z. B. Ketoconazol, Itraconazol) und HIV-Proteasehemmern (z. B. Ritonavir) nicht empfohlen [1]; bei Dabigatran sind unter anderem Ketoconazol, Itraconazol, Ciclosporin und Dronedaron kontraindiziert [4]; bei Ticagrelor sind starke CYP3A4-Hemmer wie Ketoconazol, Clarithromycin und Ritonavir kontraindiziert [11]
Hemmstoffe von CYP2C19, z. B. Omeprazol, Esomeprazol, FluoxetinBei Clopidogrel ist ein niedrigerer Spiegel des wirksamen Stoffwechselprodukts zu erwarten; vom gleichzeitigen Gebrauch starker oder mäßig starker CYP2C19-Hemmer wird abgeraten [9]
Vitamin-K-haltige Lebensmittel und Präparate, GrapefruitVitamin K schwächt die Wirkung von Phenprocoumon ab; Grapefruit und ihr Saft können den Abbau hemmen und das Blutungsrisiko erhöhen [5]
AlkoholBei Phenprocoumon erhöht akuter Alkoholkonsum die Wirkung, regelmäßiger Konsum schwächt sie ab; die Packungsbeilage rät, Alkohol zu vermeiden [5]. Laut IQWiG kann Alkohol das Blutungsrisiko erhöhen [19]
Mittel, die den Kaliumspiegel erhöhenUnter Heparinen höheres Risiko für einen erhöhten Kaliumspiegel [6, 7]

Die Liste ist nicht vollständig; die Packungsbeilage von Marcumar nennt ausdrücklich auch frei verkäufliche und pflanzliche Mittel wie Schmerz-, Abführ- oder Stärkungsmittel sowie Vitaminpräparate [5]. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, bevor Sie ein neues Mittel dazunehmen. Einen Überblick über alle Ihre Medikamente gibt der Medikationsplan, Grundlagen erklärt der Ratgeber Wechselwirkungen.

Wann Blutverdünner nicht oder nur mit Vorsicht angewendet werden

Gegenanzeigen unterscheiden sich je nach Wirkstoff; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats [1, 2, 3, 4, 5, 6, 8, 9, 10, 11]:

  • DOAK: unter anderem eine akute, klinisch relevante Blutung und Erkrankungen mit hohem Risiko für schwere Blutungen wie frische Magen-Darm-Geschwüre [1, 2, 4], bei Apixaban und Rivaroxaban außerdem Lebererkrankungen mit Gerinnungsstörung [1, 2]. Dabigatran ist außerdem bei schwerer Nierenfunktionsstörung und bei künstlichen Herzklappen, die eine Gerinnungshemmung erfordern, kontraindiziert [4].
  • Phenprocoumon: unter anderem Erkrankungen mit krankhafter Blutungsneigung, schwere Leber- oder Nierenerkrankungen, ein schwerer Mangel an Blutplättchen und die Schwangerschaft [5].
  • Heparin: unter anderem eine bestehende oder frühere HIT Typ II, Erkrankungen mit Blutungsneigung und eine Spinal- oder Periduralanästhesie oder Lumbalpunktion [6].
  • Plättchenhemmer: eine akute Blutung und schwere Leberfunktionsstörungen bei Clopidogrel, Prasugrel und Ticagrelor [9, 10, 11]; bei Prasugrel ein Schlaganfall oder eine TIA in der Vorgeschichte [10], bei Ticagrelor eine frühere Hirnblutung [11]; bei ASS unter anderem akute Magen-Darm-Geschwüre, krankhafte Blutungsneigung und schwere, nicht eingestellte Herzschwäche [8].

Antiphospholipid-Syndrom: Für Menschen mit einer Thrombose in der Vorgeschichte, bei denen ein Antiphospholipid-Syndrom festgestellt wurde, werden DOAK nicht empfohlen [1, 2, 3, 4]. Darüber informierten die Zulassungsinhaber in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte mit einem Rote-Hand-Brief vom 23. Mai 2019 wegen eines möglicherweise erhöhten Risikos für erneute Thrombosen [12]. Mehr dazu: Rote-Hand-Briefe und Rückrufe.

Bei künstlichen Herzklappen wurden Apixaban und Rivaroxaban nicht untersucht und werden deshalb nicht empfohlen; Rivaroxaban soll außerdem nach einem Aortenklappenersatz per Katheter (TAVI) nicht zur Thromboseprophylaxe angewendet werden, und Edoxaban wird bei mechanischen Herzklappen nicht empfohlen [1, 2, 3]. Prasugrel wird bei Menschen ab 75 Jahren im Allgemeinen nicht empfohlen [10]. Mehr dazu: Medikamente im Alter.

Schwangerschaft und Stillzeit

Ob und wie in der Schwangerschaft eine Gerinnungshemmung nötig ist, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Apixaban soll laut Fachinformation in der Schwangerschaft vermieden werden, Dabigatran nur angewendet werden, wenn es unbedingt erforderlich ist; Rivaroxaban und Edoxaban sind in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert [1, 2, 3, 4]. Phenprocoumon darf laut Packungsbeilage in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, weil es zu Missbildungen und sogar zum Tod des ungeborenen Kindes führen kann; während der Behandlung und drei Monate danach muss eine Schwangerschaft vermieden werden [5]. Laut Embryotox erhöht Phenprocoumon das Risiko für Fehlbildungen und Fehlgeburten [13]. Ticagrelor wird in der Schwangerschaft nicht empfohlen [11].

Heparin ist laut Fachinformation nicht plazentagängig und geht nicht in die Muttermilch über [6]. Laut Embryotox können niedermolekulare Heparine in der Schwangerschaft angewendet werden, unter Enoxaparin und Heparin darf weiter gestillt werden [14, 15]. Eine niedrig dosierte ASS-Behandlung kann laut Embryotox bei entsprechender Indikation in der ganzen Schwangerschaft erfolgen und ist in der Stillzeit akzeptabel [16]. Clopidogrel darf laut Embryotox angewendet werden, wenn ASS nicht vertragen wird oder nicht ausreichend wirkt; unter einer langfristigen Behandlung sollte nicht gestillt werden [17].

Besser geeignete Mittel laut Embryotox: Als besser geeignete Alternative zu Phenprocoumon nennt Embryotox Heparine; wenn es die Grunderkrankung erlaubt, sollte laut Embryotox schon bei der Planung oder sofort nach Bekanntwerden der Schwangerschaft umgestellt werden [13]. Unter den Heparinen sollten laut Embryotox niedermolekulare Heparine bevorzugt angewendet werden, als Alternativen nennt es Dalteparin und Enoxaparin [14]. Statt Clopidogrel ist laut Embryotox eine niedrig dosierte ASS vorzuziehen, wenn das Therapieziel damit erreicht werden kann [17]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Unter Phenprocoumon kann laut Embryotox gestillt werden; beim Neugeborenen ist auf eine zuverlässige Vitamin-K-Vorbeugung zu achten [13]. Allgemeines lesen Sie in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.

Absetzen und Unterbrechen

Das Absetzen von Antikoagulanzien wegen Blutungen, Operationen oder anderer Eingriffe erhöht laut Fachinformation von Apixaban das Thromboserisiko [1]. Wer die Behandlung mit Phenprocoumon unterbricht oder vorzeitig beendet, hat laut Packungsbeilage ein Risiko für einen Gefäßverschluss durch Blutgerinnsel [5]. Ein vorzeitiger Abbruch einer thrombozytenhemmenden Behandlung, einschließlich Ticagrelor, könnte wegen der zugrunde liegenden Erkrankung das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herz-Kreislauf-Tod erhöhen und sollte vermieden werden [11]. Vor einer größeren Operation oder einem Eingriff wie einer Magenspiegelung kann es laut IQWiG nötig sein, die Behandlung vorher zu unterbrechen oder anzupassen; bei kleineren Eingriffen und Zahnbehandlungen muss die Einnahme nicht unbedingt unterbrochen werden [19]. Wer Clopidogrel einnimmt, soll das vor einem geplanten Eingriff der Ärztin, dem Arzt oder der Zahnärztin mitteilen [9]. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente absetzen.

Unterschied zu Schmerzmitteln wie NSAR

ASS wird je nach Stärke als Schmerzmittel oder zur Hemmung der Blutplättchen eingesetzt; die niedrige Stärke eignet sich laut Fachinformation nicht zur Behandlung von Schmerzen [8]. Zusammen mit entzündungshemmenden Schmerzmitteln wie hochdosierter ASS, Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen erhöhen Plättchenhemmer laut IQWiG das Risiko für Magenblutungen besonders stark [18]. Mehr dazu: NSAR und der Vergleich Apixaban oder Rivaroxaban.

Quellen

  1. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Eliquis (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation), und Anhang III: Patientenausweis. Bristol-Myers Squibb/Pfizer EEIG (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 04/2026. abgerufen am 12.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Rivaroxaban-ratiopharm 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 12.10.2026
  3. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Lixiana (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Daiichi Sankyo Europe GmbH (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2025. abgerufen am 12.10.2026
  4. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Pradaxa (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) Pradaxa 110 mg Hartkapseln, und Anhang III. Boehringer Ingelheim International GmbH (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 11/2025. abgerufen am 12.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Marcumar 3 mg Tabletten. Viatris Healthcare GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 12.10.2026
  6. Fachinformation Fachinformation Heparin-Natrium-5000-ratiopharm (Ampullen/Fertigspritzen), Version 1. ratiopharm GmbH. Stand 03/2020. abgerufen am 12.10.2026
  7. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Inhixa (Enoxaparin, EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Techdow Pharma Netherlands B.V. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2026. abgerufen am 12.10.2026
  8. Fachinformation Fachinformation ASS-ratiopharm 100 mg TAH Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 12.10.2026
  9. Fachinformation Fachinformation Clopidogrel ratiopharm 75 mg Filmtabletten. Teva B.V. (Zulassungsinhaber)/ratiopharm GmbH. Stand 02/2024. abgerufen am 12.10.2026
  10. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Efient (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). SUBSTIPHARM (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2025. abgerufen am 12.10.2026
  11. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Brilique (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) Brilique 90 mg Filmtabletten. AstraZeneca AB (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
  12. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Apixaban (Eliquis), Dabigatranetexilat (Pradaxa), Edoxaban (Lixiana/Roteas) und Rivaroxaban (Xarelto): Die Anwendung wird bei Patienten mit Antiphospholipid-Syndrom aufgrund eines möglicherweise erhöhten Risikos für rezidivierende thrombotische Ereignisse nicht empfohlen. Bayer AG, Boehringer Ingelheim International GmbH, Bristol-Myers Squibb/Pfizer EEIG und Daiichi Sankyo Europe GmbH in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 23.05.2019. abgerufen am 12.10.2026
  13. Embryotox Embryotox: Phenprocoumon. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  14. Embryotox Embryotox: Heparin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  15. Embryotox Embryotox: Enoxaparin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  16. Embryotox Embryotox: Acetylsalicylsäure. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  17. Embryotox Embryotox: Clopidogrel. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  18. Behörde Was sind Gerinnungshemmer? (gesundheitsinformation.de). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand aktualisiert am 06.09.2022. abgerufen am 12.10.2026
  19. Behörde Gerinnungshemmer: Wie kann ich Blutungen vorbeugen? (gesundheitsinformation.de). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG). Stand erstellt am 06.09.2022. abgerufen am 12.10.2026

Häufige Fragen

Verdünnen Blutverdünner das Blut?

Nein. Laut IQWiG machen die umgangssprachlich "Blutverdünner" genannten Medikamente das Blut nicht flüssiger; sie hemmen die Bildung von Blutgerinnseln. Die Gerinnungsfähigkeit schalten sie nicht vollständig aus, es dauert aber länger, bis Wunden verschlossen werden und Blutungen stoppen.

Was ist der Unterschied zwischen DOAK und Marcumar?

Phenprocoumon, der Wirkstoff von Marcumar, ist ein Vitamin-K-Antagonist: Er hemmt laut IQWiG die Bildung von Gerinnungsfaktoren in der Leber, wirkt mit einer Verzögerung von einigen Tagen, und der Gerinnungswert (INR) muss regelmäßig kontrolliert werden. DOAK wie Apixaban, Rivaroxaban, Edoxaban und Dabigatran hemmen bestimmte Gerinnungsfaktoren direkt; ihre Wirkung setzt nach einigen Stunden ein, und der Gerinnungswert muss während der Anwendung nicht kontrolliert werden. Welches Mittel infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Darf ich mit Blutverdünnern Ibuprofen nehmen?

Nur nach Rücksprache. Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen können das Blutungsrisiko unter Blutverdünnern erhöhen; laut den Fachinformationen ist bei DOAK Vorsicht geboten, bei Dabigatran steigt das Risiko für Magen-Darm-Blutungen. Laut Fachinformation von ASS deuten experimentelle Daten außerdem darauf hin, dass Ibuprofen die Wirkung von niedrig dosierter ASS auf die Blutplättchen hemmen kann, wenn beide gleichzeitig angewendet werden. Fragen Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke, welches Schmerzmittel für Sie geeignet ist.

Woran erkenne ich eine gefährliche Blutung?

Ärztlichen Rat brauchen Sie laut IQWiG bei starkem, anhaltendem Nasen- oder Zahnfleischbluten, großen Blutergüssen, rot verfärbtem Urin, dunkelrot oder schwarz verfärbtem Stuhl und Blut im Erbrochenen. Plötzliche starke Kopfschmerzen, Sehstörungen, Lähmungen, Taubheitsgefühle, Bewusstseinsstörungen oder Krämpfe können auf eine Hirnblutung hinweisen; dann sofort den Notruf 112 wählen.

Muss ich Blutverdünner vor einer Operation absetzen?

Das entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Vor einer größeren Operation oder einem Eingriff wie einer Magenspiegelung kann es laut IQWiG nötig sein, die Behandlung vorher zu unterbrechen oder anzupassen; bei kleineren Eingriffen und Zahnbehandlungen muss die Einnahme nicht unbedingt unterbrochen werden. Informieren Sie das Behandlungsteam rechtzeitig. Ein Absetzen ohne ärztliche Anweisung kann das Risiko für Blutgerinnsel erhöhen.

Was ist eine Heparin-induzierte Thrombozytopenie (HIT)?

Ein Abfall der Blutplättchen unter Heparin. Laut Fachinformation gibt es eine Form zu Beginn der Behandlung ohne Antikörper und ohne Thrombose und eine seltene, durch Antikörper vermittelte Form, die mit Thrombosen oder Embolien einhergehen kann; das Risiko besteht auch bei niedermolekularen Heparinen. Deshalb wird die Zahl der Blutplättchen vor und während der Behandlung kontrolliert.

Darf ich in der Schwangerschaft Blutverdünner nehmen?

Das entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Phenprocoumon darf laut Packungsbeilage in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden; Rivaroxaban und Edoxaban sind laut Fachinformation in Schwangerschaft und Stillzeit kontraindiziert. Als besser geeignete Alternative zu Phenprocoumon nennt Embryotox Heparine. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Was muss ich bei Marcumar beim Essen beachten?

Vitamin-K-haltige Nahrungsmittel schwächen laut Packungsbeilage die Wirkung; Brokkoli, Grünkohl, Rosenkohl, Spinat, Weizenkeime und manche Zwiebelsorten sollten Sie deshalb nur in Maßen essen. Auch bei Vitaminpräparaten ist auf Vitamin K zu achten. Grapefruit und Grapefruitsaft können den Abbau von Phenprocoumon hemmen und das Blutungsrisiko erhöhen.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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