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Metformin, DPP-4-Hemmer und weitere orale Antidiabetika
Orale Antidiabetika sind Tabletten, die bei Typ-2-Diabetes den Blutzucker senken, wenn Ernährung und Bewegung allein nicht ausreichen. Dazu gehören unter anderem Metformin (ein Biguanid), DPP-4-Hemmer wie Sitagliptin und Sulfonylharnstoffe wie Glimepirid. SGLT2-Hemmer und GLP-1-Rezeptoragonisten werden auf eigenen Seiten beschrieben. Unter Metformin sind Magen-Darm-Beschwerden laut Fachinformation sehr häufig, sehr selten ist eine gefährliche Übersäuerung des Blutes (Laktatazidose). Sulfonylharnstoffe können eine Unterzuckerung auslösen, DPP-4-Hemmer wurden mit einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung in Verbindung gebracht.

Orale Antidiabetika sind Tabletten zur Behandlung des Typ-2-Diabetes. Medikamente zur Senkung des Blutzuckers sind laut IQWiG erst dann sinnvoll, wenn sich der Blutzucker nicht auf andere Weise kontrollieren lässt, etwa durch eine Ernährungsumstellung oder Bewegung [10]. Reicht ein Mittel allein nicht, können verschiedene blutzuckersenkende Tabletten kombiniert werden [10]. Diese Seite beschreibt Metformin, die DPP-4-Hemmer und die Sulfonylharnstoffe; SGLT2-Hemmer und GLP-1-Rezeptoragonisten haben eigene Seiten. Einzelheiten stehen auf den verlinkten Wirkstoffseiten.
Was sind orale Antidiabetika?
In Abschnitt 5.1 der Fachinformation ist Metformin als Biguanid (A10BA02) eingeordnet, Sitagliptin als Dipeptidyl-Peptidase-4-Inhibitor (A10BH01) und Glimepirid als Sulfonylharnstoff-Derivat (A10BB12) [2, 4, 6].
Die DPP-4-Hemmer werden auch Gliptine genannt; dazu gehören laut IQWiG die Wirkstoffe Linagliptin, Saxagliptin, Vildagliptin und Sitagliptin [10].
Wie orale Antidiabetika wirken
Metformin senkt laut Fachinformation den Blutzucker nüchtern und nach dem Essen. Die Wirkung beruht wahrscheinlich auf drei Mechanismen: Es hemmt die Zuckerbildung in der Leber, erhöht die Empfindlichkeit der Muskulatur für Insulin und verzögert die Aufnahme von Zucker aus dem Darm [2]. Weil Metformin die Insulinausschüttung nicht anregt, führt es laut Fachinformation nicht zu einer Unterzuckerung [2].
Sulfonylharnstoffe wie Glimepirid wirken laut Fachinformation hauptsächlich, indem sie die Freisetzung von Insulin aus den Betazellen der Bauchspeicheldrüse anregen [6]. Nach der Nationalen VersorgungsLeitlinie (NVL) Typ-2-Diabetes blockieren sie dazu Kalium-Kanäle in diesen Zellen [9].
DPP-4-Hemmer wie Sitagliptin heben laut Fachinformation die Spiegel der aktiven Inkretine an, also der Hormone, die der Darm über den Tag freisetzt und deren Spiegel nach einer Mahlzeit ansteigen. Die Inkretine steigern die Insulinbildung und -freisetzung; das Inkretin GLP-1 senkt außerdem die Freisetzung des blutzuckersteigernden Hormons Glukagon [4]. Diese Wirkungen sind glukoseabhängig: Bei niedrigem Blutzucker regen sie die Insulinfreisetzung nicht an [4]. Nach der NVL hemmen DPP-4-Hemmer das Enzym Dipeptidylpeptidase-4, sodass die Inkretine nur verzögert abgebaut werden [9].
Wofür orale Antidiabetika eingesetzt werden
Die zugelassenen Anwendungsgebiete stehen in Abschnitt 4.1 der jeweiligen Fachinformation:
- Metformin: Typ-2-Diabetes, insbesondere bei Übergewicht, wenn Diät und körperliche Betätigung allein den Blutzucker nicht ausreichend senken; bei Erwachsenen allein oder zusammen mit anderen Tabletten gegen Diabetes oder Insulin, bei Kindern ab 10 Jahren und Jugendlichen allein oder zusammen mit Insulin [2].
- Sitagliptin: Typ-2-Diabetes bei Erwachsenen: allein, wenn Metformin wegen Gegenanzeigen oder Unverträglichkeit nicht geeignet ist, oder in Kombination mit Metformin, einem Sulfonylharnstoff, einem Glitazon oder Insulin [4].
- Glimepirid: Typ-2-Diabetes, wenn Diät, körperliche Aktivität und Gewichtsreduktion allein nicht ausreichen [6].
Ist nach Ausschöpfung der nicht-medikamentösen Basistherapie und unter Berücksichtigung der individuellen Therapieziele eine medikamentöse Behandlung angezeigt, "soll" nach der NVL Typ-2-Diabetes (Version 3.0, 2023) der Therapie-Algorithmus der Leitlinie angewendet werden (Empfehlung 5-3) [9]. Der Algorithmus schätzt zuerst das Risiko für diabetesbedingte Herz-Kreislauf- und/oder Nierenereignisse ab: Ohne hohes Risiko steht Metformin am Anfang, bei einer klinisch relevanten Herz-Kreislauf-Erkrankung Metformin plus ein SGLT2-Hemmer oder GLP-1-Rezeptoragonist; bei hohem Risiko, etwa einer klinisch relevanten Nierenerkrankung, führt eine individuelle Bewertung und gemeinsame Entscheidungsfindung zu einem dieser beiden Wege [9]. Wird das individuelle Therapieziel unter Metformin nach drei bis sechs Monaten nicht erreicht, folgt die Auswahl eines zweiten Medikaments; wird es danach erneut nach drei bis sechs Monaten nicht erreicht (ebenso unter Metformin plus SGLT2-Hemmer oder GLP-1-Rezeptoragonist), sieht der Algorithmus gegebenenfalls eine Intensivierung mit einem zusätzlichen oder alternativen Medikament vor, jeweils ausgewählt nach den Effekten auf die priorisierten Endpunkte [9]. Sulfonylharnstoffe und DPP-4-Hemmer werden nach dem Text der NVL als eine Option in der zweiten oder dritten Stufe in Kombination mit Metformin genannt [9]. Mehr dazu: Insulinresistenz.
Wirkstoffe der Gruppe
Diese oralen Antidiabetika sind auf dieser Website mit einem geprüften Wirkstoff-Steckbrief beschrieben:
- Glimepiridz. B. Glimepirid AbZ, Glimepirid-ratiopharm, Glimepirid STADATyp-2-Diabetes
- Metforminz. B. Glucophage, Metformin-ratiopharm, SioforTyp-2-Diabetes
- Sitagliptinz. B. Januvia, Sitagliptin STADATyp-2-Diabetes
Das IQWiG nennt außerdem Glitazone, von denen nur noch Pioglitazon auf dem Markt ist, die Glinide Nateglinid und Repaglinid sowie Alpha-Glucosidase-Hemmer wie Acarbose, die nur noch selten eingesetzt werden [10].
Typische Nebenwirkungen
Die Nebenwirkungen mit ihrer Häufigkeit stehen auf den Wirkstoffseiten, die vollständige Liste in der Packungsbeilage Ihres Präparats. Als mögliche Nebenwirkungen der Gliptine nennt das IQWiG Kopfschmerzen und Magen-Darm-Beschwerden; Sulfonylharnstoffe können danach zu einer Gewichtszunahme und zu allergischen Reaktionen führen [10]. Wie die Produktinformationen der einzelnen Wirkstoffe ausgewählte Nebenwirkungen einstufen, zeigt die Tabelle; was die Angaben bedeuten, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
| Wirkstoff | Übelkeit | Durchfall | Hautausschlag | Leberschäden und erhöhte Leberwerte | Veränderungen des Blutbilds |
|---|---|---|---|---|---|
| Glimepirid | Sehr selten | Sehr selten | Nicht bekannt | Sehr selten | Selten |
| Metformin | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr selten | Sehr selten | nicht genannt |
| Sitagliptin | Häufig | Gelegentlich | Nicht bekannt | nicht genannt | Selten |
Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung auf. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.
Bei Sitagliptin gelten die Angaben zu Übelkeit und Durchfall laut Packungsbeilage für die Einnahme zusammen mit Metformin [3]. Die Unterzuckerung steht nicht in der Tabelle, weil ihre Einstufung in der Packungsbeilage von Sitagliptin davon abhängt, mit welchen Mitteln es kombiniert wird; Metformin allein führt laut Fachinformation nicht zu einer Unterzuckerung [2, 3].
Metformin: Magen-Darm-Beschwerden und Vitamin B12
Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und Appetitverlust sind in der Fachinformation von Metformin als sehr häufig eingestuft, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten. Sie treten meist zu Beginn der Behandlung auf und verschwinden in den meisten Fällen von selbst [2]. Die Packungsbeilage rät, die Tabletten mit oder nach einer Mahlzeit einzunehmen, um diese Beschwerden zu vermeiden [1]. Metformin kann außerdem den Vitamin-B12-Spiegel senken; das Risiko steigt laut Fachinformation mit der Dosis, der Behandlungsdauer und vorbestehenden Risikofaktoren, und bei Verdacht auf einen Mangel, etwa bei Blutarmut oder Nervenschäden, sollte der Spiegel kontrolliert werden [2]. Als Risikofaktoren nennt die NVL unter anderem ein höheres Alter, eine vegetarische oder vegane Ernährung und die gleichzeitige Einnahme von Protonenpumpenhemmern [9]. Mehr unter Übelkeit, Durchfall und Vitamin-B12-Mangel.
Metformin: Laktatazidose
Sehr selten kann Metformin eine Übersäuerung des Blutes mit Milchsäure (Laktatazidose) verursachen: eine schwerwiegende Komplikation, die laut Fachinformation am häufigsten bei einer akuten Verschlechterung der Nierenfunktion, bei Herz- oder Lungenerkrankungen oder einer Blutvergiftung (Sepsis) auftritt [2]. Das Risiko erhöhen laut Packungsbeilage auch ein schlecht eingestellter Diabetes, schwere Infektionen, längeres Fasten, Alkoholkonsum, ein Flüssigkeitsverlust, Leberprobleme und Erkrankungen mit Sauerstoffmangel im Gewebe [1]. Anzeichen sind Erbrechen, Bauchschmerzen, Muskelkrämpfe, allgemeines Unwohlsein mit starker Müdigkeit, Atembeschwerden, eine verringerte Körpertemperatur und Herzklopfen [1]. Bemerken Sie solche Anzeichen, beenden Sie laut Packungsbeilage die Einnahme und wenden Sie sich unverzüglich an eine Ärztin, einen Arzt oder das nächste Krankenhaus, denn der Zustand kann zum Koma führen [1].
Bei einem Flüssigkeitsverlust, etwa durch schweres Erbrechen, Durchfall, Fieber oder Hitze, soll die Einnahme laut Packungsbeilage für kurze Zeit unterbrochen werden; sprechen Sie dazu mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [1]. Vor oder zum Zeitpunkt einer Untersuchung, bei der iodhaltiges Kontrastmittel in die Blutbahn gegeben wird, wird Metformin laut Fachinformation unterbrochen und frühestens 48 Stunden danach wieder aufgenommen, wenn die Nierenfunktion erneut kontrolliert wurde und stabil ist; zur Zeit einer Operation unter Vollnarkose, Spinal- oder Epiduralanästhesie wird es abgesetzt und frühestens 48 Stunden nach der Operation oder nach Wiederaufnahme der Ernährung über den Mund wieder begonnen, ebenfalls erst, wenn die Nierenfunktion erneut kontrolliert wurde und stabil ist [2]. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt entscheidet, wann Sie die Einnahme unterbrechen und wieder beginnen [1]. Die Nierenfunktion wird vor Beginn und danach regelmäßig bestimmt [2]. Mehr in den Ratgebern Medikamente vor Untersuchungen und Medikamente vor der OP.
Sulfonylharnstoffe: Unterzuckerung
Unter Glimepirid kann es laut Fachinformation zu einer Unterzuckerung (Hypoglykämie) kommen, etwa wenn Mahlzeiten unregelmäßig eingenommen oder ausgelassen werden [6]. Begünstigt wird sie unter anderem durch Unterernährung, Änderungen der Ernährung, ein Ungleichgewicht zwischen körperlicher Belastung und Kohlenhydrataufnahme, Alkohol (besonders bei ausgelassenen Mahlzeiten), eine eingeschränkte Nierenfunktion und bestimmte andere Arzneimittel [5, 6]. Mögliche Anzeichen sind laut Packungsbeilage zum Beispiel Heißhunger, Kopfschmerzen, Übelkeit, Zittern, Schwitzen, feuchtkalte Haut, Herzklopfen, Unruhe, Verwirrtheit und Sehstörungen; bei fortschreitender Unterzuckerung drohen Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit, und die Anzeichen können einem Schlaganfall ähneln [5]. Mehr unter Blutzucker.
Die Anzeichen lassen sich laut Packungsbeilage in den meisten Fällen sehr schnell beheben, wenn Sie Zucker zu sich nehmen, etwa Würfelzucker, süßen Fruchtsaft oder gezuckerten Tee; künstliche Süßstoffe helfen nicht [5]. Sie sollten deshalb stets etwas Zucker bei sich tragen [5]. Sitagliptin führt laut Packungsbeilage unwahrscheinlich zu einer Unterzuckerung, weil es bei niedrigem Blutzucker nicht wirkt; zusammen mit einem Sulfonylharnstoff oder Insulin kann der Blutzucker aber stark abfallen [3]. Die Fähigkeit, Auto zu fahren, kann laut Fachinformation von Glimepirid durch eine Unter- oder Überzuckerung beeinträchtigt sein [6]. Mehr im Ratgeber Medikamente und Autofahren.
DPP-4-Hemmer: Bauchspeicheldrüse und Haut
Die Anwendung von DPP-4-Hemmern wurde laut Fachinformation von Sitagliptin mit einem Risiko für eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) in Verbindung gebracht; anhaltende starke Bauchschmerzen können das charakteristische Anzeichen sein [4]. Nach dem Absetzen von Sitagliptin wurde ein Abklingen der Entzündung beobachtet, es wurde aber auch über sehr seltene schwere Verläufe und Todesfälle berichtet [4]. Bei starken, anhaltenden Schmerzen im Oberbauch, die in den Rücken ausstrahlen können, mit oder ohne Übelkeit und Erbrechen, beenden Sie laut Packungsbeilage die Einnahme und wenden sich sofort an eine Ärztin oder einen Arzt [3]. Haben oder hatten Sie eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse, Gallensteine, Alkoholabhängigkeit oder sehr hohe Blutfettwerte, informieren Sie laut Packungsbeilage vorher Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; Gallensteine, Alkoholabhängigkeit und sehr hohe Blutfettwerte können das Risiko für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung erhöhen [3]. In einer Metaanalyse von Studien zu Linagliptin, Saxagliptin und Sitagliptin war das Pankreatitisrisiko nach der NVL leicht erhöht [9]. Mehr unter Bauchspeicheldrüsenentzündung.
Unter DPP-4-Hemmern einschließlich Sitagliptin wurde außerdem über eine Hauterkrankung mit Blasenbildung berichtet, das bullöse Pemphigoid [4]. Schwerwiegende Überempfindlichkeitsreaktionen wie Anaphylaxie, Schwellungen (Angioödem) und Hautreaktionen mit Ablösung der Haut (exfoliative Hauterscheinungen) einschließlich des Stevens-Johnson-Syndroms traten laut Fachinformation von Sitagliptin innerhalb der ersten drei Monate nach Behandlungsbeginn auf, einigen Berichten zufolge schon nach der ersten Dosis [4]. Mehr unter schwere Hautreaktionen.
Glimepirid: Blutbild, Leber und Augen
Unter Glimepirid sind laut Fachinformation regelmäßige Kontrollen der Leberfunktion und des Blutbilds erforderlich [6]. Eine Verminderung von Blutzellen ist in der Packungsbeilage als selten eingestuft, Leberfunktionsstörungen wie Gelbsucht, Leberentzündung oder Leberversagen als sehr selten [5]. Zu Beginn der Behandlung können Sehstörungen auftreten, die durch Veränderungen des Blutzuckerspiegels verursacht werden [5]. Bei einem Mangel des Enzyms Glukose-6-Phosphat-Dehydrogenase können Sulfonylharnstoffe laut Fachinformation einen Zerfall roter Blutkörperchen (hämolytische Anämie) verursachen [6]. Mehr unter Blutungen und Blutbildveränderungen und Leberwerte.
Wichtige Wechselwirkungen

Die folgenden Wechselwirkungen beschreiben die Fachinformationen; viele betreffen die Gefahr einer Laktatazidose unter Metformin oder einer Unterzuckerung unter Sulfonylharnstoffen [2, 4, 6]:
| Zusammen mit | Was passieren kann |
|---|---|
| Alkohol | Eine Alkoholvergiftung ist unter Metformin mit einem erhöhten Risiko einer Laktatazidose verbunden [2]. Bei Glimepirid kann Alkohol die blutzuckersenkende Wirkung unvorhersehbar verstärken oder abschwächen [6] |
| Iodhaltige Röntgenkontrastmittel | Können die Nieren schädigen; Metformin wird vorher oder zum Zeitpunkt der Untersuchung unterbrochen [2] |
| Entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR), ACE-Hemmer, Sartane, Diuretika | Können die Nierenfunktion verschlechtern und so unter Metformin das Risiko einer Laktatazidose erhöhen; die Nierenfunktion wird engmaschig überwacht [2] |
| Kortison (Glukokortikoide) und Sympathomimetika | Können den Blutzucker erhöhen; häufigere Blutzuckermessungen können nötig sein [2]. Auch bei Glimepirid kann die Wirkung abgeschwächt werden [6] |
| Andere Mittel gegen Diabetes, Insulin | Mit Glimepirid können Insulin und andere Mittel gegen Diabetes wie Metformin die blutzuckersenkende Wirkung verstärken, eine Unterzuckerung ist möglich [6]. Metformin zusammen mit Sulfonylharnstoffen, Gliniden oder Insulin und Sitagliptin zusammen mit einem Sulfonylharnstoff oder Insulin: Gefahr einer Unterzuckerung [2, 4] |
| Mittel, die die Wirkung von Glimepirid verstärken können, z. B. Acetylsalicylsäure und andere Salicylate, Clarithromycin, Fluconazol, Allopurinol, ACE-Hemmer | Unterzuckerung möglich [6] |
| Mittel, die die Wirkung von Glimepirid abschwächen können, z. B. Östrogene, Thiazid-Diuretika, schilddrüsenstimulierende Wirkstoffe, Abführmittel bei Langzeitanwendung, Rifampicin | Höhere Blutzuckerwerte möglich [6] |
| Betablocker, Clonidin | Können die Warnzeichen einer Unterzuckerung unter Glimepirid abschwächen oder ganz verdecken [6] |
| Gerinnungshemmer vom Cumarin-Typ (Blutverdünner) | Glimepirid kann ihre Wirkung verstärken oder vermindern [6] |
Die Liste ist nicht vollständig. Andere Arzneimittel dürfen Sie laut Fachinformation von Glimepirid nur mit Wissen Ihrer Ärztin oder Ihres Arztes anwenden [6]. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, bevor Sie ein neues Mittel dazunehmen, auch ein rezeptfreies. Mehr in den Ratgebern Wechselwirkungen und Medikamente und Alkohol; den Überblick behalten Sie mit dem Medikationsplan.
Wann orale Antidiabetika nicht oder nur mit Vorsicht angewendet werden
Metformin darf laut Fachinformation unter anderem nicht angewendet werden bei jeder Art von akuter Übersäuerung des Blutes, etwa einer Laktatazidose oder diabetischen Ketoazidose, bei einem diabetischen Präkoma, bei schwerer Niereninsuffizienz, bei akuten Zuständen, die die Nierenfunktion beeinträchtigen können, wie Flüssigkeitsmangel, schweren Infektionen oder Schock, bei Erkrankungen mit Sauerstoffmangel im Gewebe wie einer dekompensierten Herzschwäche oder einem frischen Herzinfarkt sowie bei Leberinsuffizienz, akuter Alkoholvergiftung und Alkoholismus [2]. Bei chronisch stabiler Herzschwäche kann es laut Fachinformation unter regelmäßiger Kontrolle von Herz- und Nierenfunktion eingesetzt werden [2]. Mehr unter Niereninsuffizienz.
Glimepirid darf laut Fachinformation nicht angewendet werden bei einer Überempfindlichkeit auch gegen andere Sulfonylharnstoffe oder Sulfonamide, bei insulinpflichtigem Diabetes, diabetischem Koma, Ketoazidose sowie bei schweren Nieren- oder Leberfunktionsstörungen; dann ist laut Fachinformation ein Wechsel auf Insulin erforderlich [6]. Sitagliptin sollte laut Fachinformation weder bei Typ-1-Diabetes noch zur Behandlung der diabetischen Ketoazidose angewendet werden; bei einer Pankreatitis in der Vorgeschichte ist Vorsicht geboten [4]. Trifft ein Punkt auf Sie zu, besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Schwangerschaft und Stillzeit
Ein unkontrolliert hoher Blutzucker in der Schwangerschaft ist laut Fachinformation von Metformin mit einem erhöhten Risiko unter anderem für angeborene Fehlbildungen und Fehlgeburten verbunden; der Blutzucker sollte deshalb während der gesamten Schwangerschaft so nahe wie möglich am Normalwert gehalten werden [2]. Wenn es klinisch notwendig ist, kann Metformin in der Schwangerschaft laut Fachinformation zusätzlich oder als Alternative zu Insulin in Betracht gezogen werden [2]. Glimepirid darf laut Fachinformation während der gesamten Schwangerschaft nicht eingenommen werden; plant eine Patientin eine Schwangerschaft oder wird eine festgestellt, wird so bald wie möglich auf Insulin umgestellt [6]. Sitagliptin sollte laut Fachinformation in der Schwangerschaft nicht angewendet werden [4].
Nach dem Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité (Embryotox) sollten orale Antidiabetika bei einem nicht insulinpflichtigen Typ-2-Diabetes in der Schwangerschaft auf Humaninsulin bzw. Insulinanaloga umgestellt werden; Metformin kann eine alternative Behandlungsmöglichkeit sein [8]. Frauen mit Typ-2-Diabetes, die eine medikamentöse Behandlung brauchen, sollten laut Embryotox möglichst schon bei der Planung einer Schwangerschaft auf Humaninsulin oder gut untersuchte Insulinanaloga umgestellt werden; bei hoher Insulinresistenz kann Metformin eine Alternative sein, eine schon vor der Schwangerschaft begonnene Behandlung darf fortgesetzt werden [7]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr unter Insuline und im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.
In der Stillzeit wird Stillen unter Metformin laut Fachinformation wegen begrenzter Daten nicht empfohlen; Embryotox schreibt dagegen, dass unter Metformin uneingeschränkt gestillt werden darf [2, 7]. Glimepirid darf laut Packungsbeilage in der Stillzeit nicht eingenommen werden; die Fachinformation rät vom Stillen ab, weil andere Sulfonylharnstoffe in die Muttermilch übergehen und beim gestillten Kind eine Unterzuckerung droht. Sitagliptin sollte in der Stillzeit nicht eingenommen werden [4, 5, 6]. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr im Ratgeber Medikamente in der Stillzeit.
Absetzen
Sitagliptin sollte laut Packungsbeilage so lange eingenommen werden, wie es verordnet ist, und nicht ohne vorherige Rücksprache abgebrochen werden [3]. Unterbrechungen von Metformin, etwa vor einer Untersuchung mit Kontrastmittel oder einer Operation, legt laut Packungsbeilage Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest [1]. Warnzeichen einer Laktatazidose oder Pankreatitis sind dagegen laut Packungsbeilage ein Grund, die Einnahme sofort zu beenden und ärztliche Hilfe zu holen [1, 3]. Davon abgesehen gilt: Setzen Sie das Mittel nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr unter Metformin absetzen und im Ratgeber Medikamente absetzen.
Unterschied zu SGLT2-Hemmern, GLP-1-Rezeptoragonisten und Insulin
SGLT2-Hemmer (Flozine) wie Empagliflozin und Dapagliflozin sind ebenfalls Tabletten; sie bewirken laut IQWiG, dass vermehrt Zucker über den Urin ausgeschieden wird [10]. GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid regen laut IQWiG die Bauchspeicheldrüse an, mehr Insulin herzustellen; die dort beschriebenen Mittel werden mit einem Pen unter die Haut gespritzt [10]. In der NVL Typ-2-Diabetes werden beide Gruppen im Algorithmus zusammen mit Metformin genannt, etwa bei einer klinisch relevanten Herz-Kreislauf-Erkrankung [9]. Insulin wird bei Typ-2-Diabetes laut IQWiG meist erst dann benötigt, wenn der Blutzucker durch Tabletten nicht ausreichend zu kontrollieren ist [10].
Quellen
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Metformin-ratiopharm® 1.000 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Metformin-ratiopharm® 1.000 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Januvia (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilage Januvia 25 mg/50 mg/100 mg Filmtabletten (Sitagliptin). Merck Sharp & Dohme B.V.. Stand 10/2025. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Januvia (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation, Sitagliptin). Merck Sharp & Dohme B.V.. Stand 10/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Glimepirid STADA® 3 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Glimepirid STADA® 1 mg/2 mg/3 mg/4 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 04/2024. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Metformin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Diabetes mellitus (Erkrankungen). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes, Langfassung, Version 3.0 (AWMF-Register-Nr. nvl-001). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Stand Version 3.0, 2023 (publiziert 15.05.2023, gültig bis 15.05.2028). abgerufen am 12.10.2026
- Welche Medikamente helfen bei Typ-2-Diabetes?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 18.10.2023. abgerufen am 12.10.2026
Häufige Fragen
Was sind orale Antidiabetika?
Orale Antidiabetika sind Tabletten, die bei Typ-2-Diabetes den Blutzucker senken. Zu ihnen gehören unter anderem Metformin, DPP-4-Hemmer (Gliptine) wie Sitagliptin, Sulfonylharnstoffe wie Glimepirid und SGLT2-Hemmer. Medikamente kommen laut IQWiG erst dann infrage, wenn sich der Blutzucker nicht durch Ernährung und Bewegung kontrollieren lässt.
Welche Nebenwirkungen hat Metformin?
Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und Appetitverlust sind laut Fachinformation sehr häufig, treten meist zu Beginn auf und verschwinden in den meisten Fällen von selbst. Häufig sind Geschmacksveränderungen und ein verminderter Vitamin-B12-Spiegel. Sehr selten ist eine Laktatazidose, eine gefährliche Übersäuerung des Blutes, vor allem bei eingeschränkter Nierenfunktion.
Woran erkenne ich eine Laktatazidose?
Anzeichen sind laut Packungsbeilage von Metformin Erbrechen, Bauchschmerzen, Muskelkrämpfe, allgemeines Unwohlsein mit starker Müdigkeit, Atembeschwerden, eine verringerte Körpertemperatur und Herzklopfen. Dann sollen Sie die Einnahme beenden und sich unverzüglich an eine Ärztin, einen Arzt oder das nächste Krankenhaus wenden.
Können orale Antidiabetika eine Unterzuckerung auslösen?
Das hängt vom Wirkstoff ab. Unter Sulfonylharnstoffen wie Glimepirid kann es laut Fachinformation zu einer Unterzuckerung kommen, etwa bei ausgelassenen Mahlzeiten oder nach Alkohol. Metformin führt laut Fachinformation allein nicht zu einer Unterzuckerung, Sitagliptin laut Packungsbeilage unwahrscheinlich, zusammen mit einem Sulfonylharnstoff oder Insulin aber schon. Bei Anzeichen hilft Zucker, künstliche Süßstoffe helfen nicht.
Muss ich Metformin vor einer Röntgenuntersuchung oder Operation absetzen?
Vor oder zum Zeitpunkt einer Untersuchung, bei der iodhaltiges Kontrastmittel in die Blutbahn gegeben wird, und bei Operationen unter Vollnarkose, Spinal- oder Epiduralanästhesie wird Metformin laut Fachinformation unterbrochen. Wieder aufgenommen wird es frühestens 48 Stunden nach der Untersuchung, nach einer Operation frühestens 48 Stunden danach oder nach Wiederaufnahme der Ernährung über den Mund, und in beiden Fällen erst, wenn die Nierenfunktion erneut kontrolliert wurde und stabil ist. Wann Sie unterbrechen und wieder beginnen, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Was sind DPP-4-Hemmer und welche Risiken haben sie?
DPP-4-Hemmer, auch Gliptine genannt, verlangsamen den Abbau von Darmhormonen, die nach dem Essen die Insulinfreisetzung fördern; ein Beispiel ist Sitagliptin. Ihre Anwendung wurde laut Fachinformation von Sitagliptin mit einer akuten Bauchspeicheldrüsenentzündung in Verbindung gebracht. Bei starken, anhaltenden Schmerzen im Oberbauch, die in den Rücken ausstrahlen können, beenden Sie laut Packungsbeilage von Sitagliptin die Einnahme und wenden sich sofort an eine Ärztin oder einen Arzt.
Darf ich orale Antidiabetika in der Schwangerschaft nehmen?
Bei einem nicht insulinpflichtigen Typ-2-Diabetes sollten orale Antidiabetika laut Embryotox in der Schwangerschaft auf Humaninsulin bzw. Insulinanaloga umgestellt werden; Metformin kann eine alternative Behandlungsmöglichkeit sein. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Glimepirid darf laut Fachinformation in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, Sitagliptin sollte nicht angewendet werden.
Darf ich unter Metformin Alkohol trinken?
Eine Alkoholvergiftung ist laut Fachinformation mit einem erhöhten Risiko für eine Laktatazidose verbunden, besonders bei Fasten, Mangelernährung oder Leberproblemen; Alkoholismus und akute Alkoholvergiftung sind Gegenanzeigen. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über Ihren Alkoholkonsum.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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Wirkstoffgruppen Antipsychotika (Neuroleptika)Antipsychotika sind Arzneimittel gegen Psychosen, teils auch gegen Manie, Unruhe oder Schlafstörungen.
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Wirkstoffgruppen Antiepileptika (inkl. Gabapentinoide)Antiepileptika sind Arzneimittel gegen epileptische Anfälle, manche sind auch bei Nervenschmerzen zugelassen.
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Wirkstoffgruppen Glucocorticoide (Cortison) zum Einnehmen und SpritzenGlucocorticoide wie Prednisolon hemmen Entzündungen und das Immunsystem.
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RatgeberAntworten rund um Medikamente im Alltag.