MedikamenteWirkstoff
Allopurinol: Nebenwirkungen und Wirkung
Allopurinol ist ein verschreibungspflichtiges Gichtmittel: Es hemmt die Bildung von Harnsäure und wird bei erhöhten Harnsäurewerten, Gicht und Harnsäuresteinen eingesetzt. Am häufigsten sind Hautreaktionen; sie können zu jedem Zeitpunkt auftreten. Bei Hautausschlag, Blasen, offenen Stellen im Mund oder grippeähnlichen Beschwerden mit Fieber beenden Sie die Einnahme und holen sofort ärztliche Hilfe.

Die häufigsten Nebenwirkungen
Wofür wird Allopurinol eingesetzt?
Allopurinol ist ein verschreibungspflichtiges Gichtmittel. Es hemmt die Bildung von Harnsäure; Fachleute sprechen von einem Urikostatikum [1, 2]. Erwachsene erhalten es, wenn die Harnsäure im Blut im Bereich von 500 µmol/l und darüber liegt und eine Ernährungsumstellung nicht ausreicht, oder wenn erhöhte Harnsäure bereits Folgen hat: vor allem Gicht, Nierenschäden durch Harnsäure (Urat-Nephropathie) und Harnsäuresteine, die aufgelöst oder verhütet werden sollen. Außerdem soll es bei gleichzeitig erhöhter Harnsäure der Bildung von Calciumoxalatsteinen vorbeugen [1, 2].
Ein zweites Anwendungsgebiet sind erhöhte Harnsäurewerte im Blut und eine vermehrte Harnsäureausscheidung im Urin, zum Beispiel bei starkem Zellzerfall, Strahlen- oder Chemotherapie (sekundäre Hyperurikämie). Bei Kindern ist Allopurinol in Präparaten mit niedrigerem Wirkstoffgehalt zugelassen: bei sekundärer Hyperurikämie, bei Nierenschäden durch Harnsäure während einer Leukämie-Behandlung und bei den angeborenen Enzymmangelkrankheiten Lesch-Nyhan-Syndrom und Adenin-Phosphoribosyl-Transferase-Mangel [1]. Tabletten mit 300 mg sind für Kinder nicht geeignet [3].
Laut Packungsbeilage ist unterhalb eines Harnsäurewerts von 500 µmol/l im Blut nach neueren Empfehlungen keine medikamentöse Behandlung nötig, sofern Diätvorschriften eingehalten werden und keine Nierenschäden vorliegen [1, 2]. Was eine erhöhte Harnsäure als Nebenwirkung anderer Medikamente bedeutet, lesen Sie unter Erhöhte Harnsäure und Gicht.
Wie wirkt Allopurinol?
Allopurinol und sein wichtigstes Abbauprodukt Oxipurinol hemmen das Enzym Xanthinoxidase. Dieses Enzym spielt eine wichtige Rolle dabei, dass aus dem Stoffwechselprodukt Hypoxanthin Harnsäure entsteht. Wird es gehemmt, sinken die Harnsäure- und Uratwerte im Blut, in anderen Körperflüssigkeiten und im Urin [2].
Im Blut ist Allopurinol 30 bis 60 Minuten nach der Einnahme nachweisbar; die höchsten Werte werden nach etwa 1,5 Stunden erreicht. Der Körper wandelt Allopurinol mit einer Halbwertszeit von ungefähr 2 Stunden in Oxipurinol um. Oxipurinol bleibt deutlich länger im Körper: Seine Halbwertszeit, also die Zeit, in der sich die Menge im Blut halbiert, liegt bei Gesunden zwischen 18 und 43 Stunden und verlängert sich, wenn die Nieren schlechter arbeiten. Nach etwa einer Woche stellt sich ein gleichbleibender Spiegel ein [2].
Nebenwirkungen nach Häufigkeit
Die Liste unten nennt alle Nebenwirkungen, für die die Packungsbeilage eine Häufigkeit angibt. "Häufig" heißt: bis zu 1 von 10 Behandelten, "gelegentlich" bis zu 1 von 100, "selten" bis zu 1 von 1.000 und "sehr selten" bis zu 1 von 10.000; bei "nicht bekannt" lässt sich die Häufigkeit aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen [1, 2]. Nebenwirkungen treten häufiger auf, wenn Nieren oder Leber geschädigt sind oder wenn zugleich Ampicillin oder Amoxicillin eingenommen wird [1, 2]. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Einige Beschwerden nennt die Packungsbeilage ohne Häufigkeitsklasse; sie fehlen deshalb in der Liste. Am häufigsten sind Hautreaktionen (laut Fachinformation ca. 4 Prozent). Sie zeigen sich durch Hautjucken, eventuell mit Knötchen, Schuppung, punktförmigen bis flächigen Hautblutungen und selten mit Abschälen der Haut, und können zu jedem Zeitpunkt der Behandlung auftreten [1, 2]. Übelkeit und Erbrechen sind möglich [1]. Zu Beginn der Behandlung kann es zu einem Gichtanfall kommen [1, 2]. In Einzelfällen wurden Veränderungen der weißen Blutkörperchen, Leberfunktionsstörungen, Entzündungen der Gallenwege und Ablagerungen von Xanthin in den Harnwegen beobachtet [1, 2].
Darüber hinaus listet die Packungsbeilage Einzelbeobachtungen ohne Häufigkeitsangabe auf, unter anderem Kraftlosigkeit, Haarausfall, verfärbtes Haar, Bluthochdruck, verlangsamten Herzschlag, Wassereinlagerungen, Kopfschmerz, Schwindel, Schläfrigkeit, Empfindungsstörungen, Geschmacksabweichungen, Sehstörungen, grauen Star, depressive Verstimmung, Impotenz, Unfruchtbarkeit, Vergrößerung der männlichen Brustdrüse, erhöhte Blutfette und Diabetes [1].
Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen
- Laborwerte und UntersuchungenErhöhter Wert des schilddrüsenstimulierenden Hormons im Blut (Thyreotropin, TSH)[1, 2]Mehr dazu: Veränderte Laborwerte
Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen
Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen
- ImmunsystemGrippeähnliche Beschwerden mit Fieber und Schüttelfrost, Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und allgemeinem Unwohlsein als mögliche Zeichen einer Überempfindlichkeitsreaktion[1]Mehr dazu: FieberAllergische ReaktionenKopfschmerzenMuskelschmerzen
- HautHautveränderungen wie offene, schmerzende Stellen an Mund, Hals, Nase oder Genitalien, rote, geschwollene Augen (Konjunktivitis), großflächige Blasenbildung oder Ablösung der Haut[1]Mehr dazu: Schwere HautreaktionenHautausschlag
- ImmunsystemSchwere Überempfindlichkeitsreaktion mit Fieber, Hautrötungen, allgemeinen Schmerzen und auffälligen Blut- und Leberwerten, die mehrere Organe betreffen kann (Multiorgan-Überempfindlichkeitsreaktion)[1, 2]Mehr dazu: Allergische ReaktionenHautausschlagLeberschäden und erhöhte LeberwerteFieber
- Gefäße und KreislaufGefäßentzündung (Vaskulitis) im Rahmen einer Überempfindlichkeitsreaktion, die sich zum Beispiel als Leberentzündung (Hepatitis) oder Nierenentzündung zeigen kann[1]Mehr dazu: Leberschäden und erhöhte LeberwerteNierenfunktionsstörungen
- Leber und GalleLeberfunktionsstörungen, von einem Anstieg der Leberwerte ohne Beschwerden bis zur Leberentzündung (Hepatitis), einschließlich Zerstörung von Lebergewebe (Lebernekrose) und knötchenartiger (granulomatöser) Hepatitis[1, 2]Mehr dazu: Leberschäden und erhöhte Leberwerte
Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen
- NervensystemKrampfanfall als Zeichen einer Gefäßentzündung (Vaskulitis) bei Überempfindlichkeitsreaktion[1]Mehr dazu: Krampfanfälle
- HautSchwere, möglicherweise lebensbedrohliche Hautreaktionen (Überempfindlichkeitsreaktionen, Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse)[1, 2]Mehr dazu: Schwere HautreaktionenHautausschlag
- HautSchwere allergische Reaktion mit Anschwellen von Gesicht oder Rachen (Angioödem)[1, 2]Mehr dazu: Schwellungen von Gesicht, Zunge oder RachenAllergische Reaktionen
- ImmunsystemSchwere, möglicherweise lebensbedrohliche allergische Reaktion (anaphylaktische Reaktion), akuter anaphylaktischer Schock[1, 2]Mehr dazu: Allergische Reaktionen
- Blut und LymphsystemEinfluss auf das Blut, erkennbar daran, dass Sie leichter blaue Flecken bekommen oder Halsschmerzen oder andere Anzeichen einer Infektion auftreten, in der Regel bei Menschen mit Leber- oder Nierenproblemen[1]Mehr dazu: Veränderungen des BlutbildsBlutungen und blaue FleckenErhöhte Infektanfälligkeit
- Blut und LymphsystemSchwere Schädigung des Knochenmarks mit Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie), Mangel an bestimmten weißen Blutkörperchen (Agranulozytose) oder aplastischer Anämie, vor allem bei eingeschränkter Nieren- oder Leberfunktion, auch mit Todesfällen[1, 2]Mehr dazu: Veränderungen des Blutbilds
- Blut und LymphsystemLymphknotenerkrankung (angioimmunoblastische Lymphadenopathie), die nach dem Absetzen wieder verschwand[1, 2]
Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben
- NervensystemHirnhautentzündung ohne Infektion (aseptische Meningitis) mit Nackensteifigkeit, Kopfschmerzen, Übelkeit, Fieber und Bewusstseinstrübung[1, 2]Mehr dazu: KopfschmerzenÜbelkeitFieber
- HautLichenoider Hautausschlag: juckender, rötlich-violetter Ausschlag und/oder fadenförmige weiß-graue Linien auf den Schleimhäuten[1, 2]Mehr dazu: HautausschlagJuckreiz
- Magen und DarmBlutungen im Magen-Darm-Trakt[1, 2]Mehr dazu: Magen-Darm-Blutungen und Geschwüre
Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.
Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen
Schwere Hautreaktionen wie das Stevens-Johnson-Syndrom und die toxische epidermale Nekrolyse können sich anfangs als rötliche, zielscheibenartige oder kreisförmige Flecken am Rumpf zeigen und werden oft von grippeähnlichen Beschwerden begleitet. Das höchste Risiko besteht in den ersten Behandlungswochen. Hatten Sie eine solche Reaktion, dürfen Sie nie wieder mit Allopurinol behandelt werden [1, 2]. Mehr dazu lesen Sie unter Schwere Hautreaktionen.
Laut Fachinformation wird der Verlauf solcher Reaktionen maßgeblich davon bestimmt, wie früh sie erkannt und alle verdächtigen Arzneimittel abgesetzt werden. Waren generalisierte Überempfindlichkeitsreaktionen aufgetreten, lagen gewöhnlich Vorerkrankungen von Niere oder Leber vor, besonders bei tödlichem Ausgang [2].
Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Hautausschlag und Juckreiz: Hier gibt es keine Maßnahme zum Selbermachen. Beim Auftreten eines Hautausschlags oder anderer Hautveränderungen ist Allopurinol sofort abzusetzen; suchen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf [1]. Laut Fachinformation kann die Behandlung nach dem Abklingen leichter Erscheinungen ärztlich mit einer niedrigen Dosis wieder aufgenommen werden; tritt der Ausschlag erneut auf, sollte das Präparat ganz abgesetzt werden, da schwere generalisierte Überempfindlichkeitsreaktionen auftreten können [2]. Allgemeines zu Ausschlägen durch Medikamente lesen Sie unter Hautausschlag.
Magen-Darm-Beschwerden: Übelkeit und Erbrechen können auftreten. Vor allem wer einen empfindlichen Magen hat, sollte die Tabletten gewissenhaft nach dem Essen und mit genügend Flüssigkeit einnehmen [1, 2]. Bei Magen-Darm-Unverträglichkeit sieht die Packungsbeilage vor, die Dosis über den Tag zu verteilen [1]. Gelegentlich kommt es zu Durchfall [1, 2].
Gichtanfall zu Beginn: Wenn sich Harnsäure aus Ablagerungen löst, kann zu Beginn ein Gichtanfall auftreten. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann deshalb für die ersten 4 Wochen vorbeugend ein Schmerzmittel oder Colchicin erwägen [1, 2]. Achten Sie während der ganzen Behandlung auf eine ausreichende und regelmäßige Flüssigkeitszufuhr; bei Gichtniere und Harnsäuresteinen soll die Harnmenge mindestens 2 Liter am Tag betragen [1].
Halten Beschwerden an oder belasten sie Sie, wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke [1]. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.
Wechselwirkungen
Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, kürzlich eingenommen haben oder einnehmen wollen [1]. Besonders wichtig sind Azathioprin und Mercaptopurin: Allopurinol verlängert ihre Wirkung, ihre Konzentration im Blut kann giftige Werte erreichen und zu lebensbedrohlichen Schäden des Blutbilds führen. Die gleichzeitige Anwendung ist zu vermeiden; ist sie ärztlich notwendig, muss deren Dosis verringert und das Blutbild engmaschig kontrolliert werden [1, 2].
Unter Allopurinol treten allergische Hautausschläge auf die Antibiotika Ampicillin und Amoxicillin häufiger auf; wenn möglich, sollten deshalb andere Antibiotika gegeben werden [1, 2]. Blutgerinnungshemmer vom Cumarin-Typ können stärker wirken, die Gerinnung wird dann häufiger kontrolliert [1, 2].
| Zusammen mit | Was passieren kann | Hinweis |
|---|---|---|
| Azathioprin oder Mercaptopurin | Deren Wirkung hält länger an; das Risiko für schwere Bluterkrankungen steigt, es gab Todesfälle[1, 2] | Gleichzeitige Anwendung vermeiden; ist sie nötig, muss die Dosis dieser Mittel verringert und das Blutbild engmaschig kontrolliert werden |
| Mittel, die die Harnsäureausscheidung steigern (Probenecid, Benzbromaron, Sulfinpyrazon) und Salicylate in hohen Dosen | Allopurinol wird schneller ausgeschieden und wirkt schwächer; Probenecid wird langsamer ausgeschieden[1, 2] | Bedeutung bewertet die Ärztin oder der Arzt im Einzelfall |
| Antibiotika Ampicillin oder Amoxicillin | Allergische Hautausschläge treten häufiger auf[1, 2] | Wenn möglich andere Antibiotika verwenden |
| Captopril (ACE-Hemmer) | Höhere Gefahr von Hautreaktionen, besonders bei chronischem Nierenversagen[1, 2] | Vorher ärztlich besprechen |
| Blutgerinnungshemmer vom Cumarin-Typ (Dicumaroltyp) | Gerinnungshemmende Wirkung kann verstärkt werden[1, 2] | Häufigere Kontrolle der Blutgerinnung, gegebenenfalls geringere Dosis des Gerinnungshemmers |
| Chlorpropamid (blutzuckersenkendes Mittel) | Blutzuckersenkende Wirkung kann länger anhalten, besonders bei eingeschränkter Nierenfunktion[1, 2] | Dosis von Chlorpropamid verringern |
| Theophyllin (z. B. bei Atemwegserkrankungen) | Abbau von Theophyllin wird gehemmt[1, 2] | Theophyllin-Spiegel zu Beginn der Allopurinol-Behandlung und nach Dosiserhöhung bestimmen |
| Zytostatika (Mittel gegen Krebs, z. B. Cyclophosphamid, Doxorubicin, Bleomycin, Procarbazin) | Blutbildveränderungen treten häufiger auf[1, 2] | Regelmäßige Blutbildkontrollen |
| Ciclosporin | Ciclosporin-Spiegel im Blut kann steigen, Nebenwirkungen von Ciclosporin können häufiger auftreten[1, 2] | Vorher ärztlich besprechen |
| Didanosin (HIV-Mittel) | Didanosin-Spiegel kann steigen, seine Nebenwirkungen können häufiger oder stärker auftreten[1, 2] | Engmaschige ärztliche Überwachung |
| Vidarabin (Mittel gegen Viren) | Vidarabin bleibt länger im Körper[1, 2] | Auf vermehrte Nebenwirkungen achten |
| Phenytoin (Mittel gegen Krampfanfälle) | Abbau von Phenytoin in der Leber kann beeinträchtigt sein; die klinische Bedeutung ist nicht bekannt[1, 2] | Vorher ärztlich besprechen |
| Aluminiumhydroxid (Mittel gegen Magensäure) | Allopurinol kann schwächer wirken[1, 2] | Zwischen beiden Mitteln mindestens 3 Stunden Abstand halten |
Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.
Wer Allopurinol nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte
Schwere Hautreaktionen können bei Menschen, die von Han-Chinesen, Thailändern oder Koreanern abstammen, häufiger auftreten [1, 2]. Mit diesem Risiko ist laut Fachinformation das Erbmerkmal HLA-B*5801 verbunden, das in diesen Bevölkerungsgruppen häufiger vorkommt als bei Menschen europäischer Abstammung; die Fachinformation sieht für diese Gruppen vor, einen Gentest vor Behandlungsbeginn zu erwägen [2]. Auch eine chronisch eingeschränkte Nierenfunktion kann das Risiko erhöhen [1, 2].
Wer wegen Bluthochdruck oder Herzschwäche etwa ACE-Hemmer oder Entwässerungsmittel nimmt, erhält Allopurinol laut Fachinformation mit Vorsicht, weil die Nierenfunktion beeinträchtigt sein kann [2].
Nicht einnehmen bei
- Allergie gegen Allopurinol oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
- Frühere schwere Hautreaktion im Zusammenhang mit Allopurinol: dann darf nie wieder mit Allopurinol behandelt werden[1, 2]
- Für Tabletten mit 300 mg zusätzlich: schwere Nierenfunktionsstörung (Kreatinin-Clearance unter 20 ml/min) und Kinder, hierfür gibt es Präparate mit niedrigerem Wirkstoffgehalt[2, 3]
Besondere Vorsicht bei
- Abstammung von Han-Chinesen, Thailändern oder Koreanern: schwere Hautreaktionen können häufiger auftreten, eine chronische Nierenerkrankung kann das Risiko möglicherweise weiter erhöhen; laut Fachinformation ist das Erbmerkmal HLA-B*5801 mit diesem Risiko verbunden, und ein Test darauf sollte vor Behandlungsbeginn erwogen werden[1, 2]
- Chronisch eingeschränkte Nierenfunktion: höheres Risiko für schwere Hautreaktionen, besondere Überwachung auf Zeichen einer Überempfindlichkeitsreaktion[1, 2]
- Eingeschränkte Nieren- oder Leberfunktion und bereits bestehende Störungen der Blutbildung: besonders sorgfältige ärztliche Überwachung; bei eingeschränkter Nierenfunktion wird die Dosis an die Nierenwerte angepasst[1, 2]
- Behandlung mit ACE-Hemmern oder Entwässerungsmitteln wegen Bluthochdruck oder Herzschwäche: Vorsicht, weil die Nierenfunktion beeinträchtigt sein kann[2]
- Akuter Gichtanfall: Behandlung erst beginnen, wenn er vollständig abgeklungen ist; zu Beginn der Behandlung können Gichtanfälle ausgelöst werden, deshalb kommt in den ersten 4 Wochen eine vorbeugende Gabe von Schmerzmitteln oder Colchicin in Betracht[1, 2]
- Gichtniere und Harnsäuresteine: Die Harnmenge soll mindestens 2 Liter am Tag betragen; bei großen Harnsäuresteinen im Nierenbecken können sich aufgelöste Steinteile im Harnleiter festsetzen[1, 2]
- Strahlen- oder Chemotherapie und Lesch-Nyhan-Syndrom: reichlich trinken, damit genug Urin ausgeschieden wird; eine Alkalisierung des Harns kann die Ausscheidung der Harnsäure fördern[1, 2]
- Veränderte Schilddrüsenfunktion: Unter Langzeitbehandlung wurden erhöhte TSH-Werte beobachtet; Vorsicht ist geboten[2]
- Ernährung: Purinreiche Lebensmittel (z. B. Innereien wie Bries, Niere, Hirn, Leber, Herz und Zunge sowie Fleischextrakt) und Alkohol, besonders Bier, sollten gemieden werden[1, 2]
Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft
Die Karten fassen zusammen, was Packungsbeilage und Fachinformation zu Alltag, Schwangerschaft und Stillzeit sagen [1, 2]. Zur Ernährung rät die Packungsbeilage, purinreiche Lebensmittel wie Innereien und Fleischextrakt sowie Alkohol zu meiden, vor allem Bier [1, 2].
Schwangerschaft
Allopurinol sollte in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, weil es keine ausreichenden Erfahrungen beim Menschen gibt; laut Fachinformation nur, wenn es eindeutig erforderlich ist. In Tierversuchen zeigte sich eine schädliche Wirkung auf die Fortpflanzung. Werden Sie ungeplant schwanger, sollte im ersten Schwangerschaftsdrittel eine Ultraschalluntersuchung erfolgen, um die normale Entwicklung des Kindes zu bestätigen.[1, 2]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Stillzeit
Allopurinol und sein Abbauprodukt Oxipurinol gehen in die Muttermilch über. Während der Stillzeit wird Allopurinol nicht empfohlen.[1, 2]
Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.
Alkohol
Alkohol, besonders Bier, sollten Sie meiden: Bier enthält Guanosin, das den Harnsäurespiegel stark erhöht. Außerdem verschlechtert Alkohol die Verkehrstüchtigkeit zusätzlich, wenn Allopurinol Schwindel oder Schläfrigkeit verursacht.[1, 2]
Autofahren und Maschinen
Schwindel, Schläfrigkeit oder Störungen der Bewegungsabläufe können auftreten. Fahren Sie dann nicht Auto, bedienen Sie keine Maschinen und arbeiten Sie nicht ohne sicheren Halt, erst wieder, wenn Sie sicher sind, dass Allopurinol Ihre Leistungsfähigkeit nicht einschränkt.[1, 2]
Einnahme
Tabletten unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit nach einer Mahlzeit einnehmen, möglichst immer zur gleichen Tageszeit. Bei höheren Tagesdosen und bei Magen-Darm-Beschwerden wird die Dosis über den Tag verteilt (Grenzwert siehe Dosierung). Achten Sie auf eine ausreichende und regelmäßige Flüssigkeitszufuhr.[1]
Die Behandlung ist in der Regel langfristig. Die Harnsäurewerte werden regelmäßig kontrolliert, und es wird geprüft, ob die Behandlung weiter nötig ist.[1]
Einnahme vergessen: nicht die doppelte Menge nehmen.[1]
Absetzen
Nehmen Sie Allopurinol regelmäßig und so lange ein, wie Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es bestimmt hat. Haben Sie den Eindruck, dass es zu stark oder zu schwach wirkt, sprechen Sie mit ihr oder ihm.[1]
Bei Hautausschlag oder anderen Zeichen einer Überempfindlichkeitsreaktion wird Allopurinol sofort abgesetzt. Nach einer schweren Hautreaktion darf es nie wieder eingenommen werden.[1, 2]
Überdosierung
Bei Verdacht auf eine Vergiftung, besonders wenn zugleich Azathioprin oder Mercaptopurin eingenommen wird, sofort eine Ärztin oder einen Arzt verständigen. Ein spezielles Gegenmittel ist nicht bekannt; möglich sind reichliche Flüssigkeitszufuhr oder eine Blutwäsche (Hämodialyse). Nach Einnahme von 20 g traten bei einem Patienten Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Schwindel auf. Bei Menschen mit eingeschränkter Nierenfunktion wurden nach längerer täglicher Einnahme schwere Vergiftungszeichen beschrieben: Hautreaktionen, Fieber, Leberentzündung, vermehrte Eosinophile und eine Verschlechterung der Nierenfunktion.[1, 2]
Dosierung laut Packungsbeilage
Die Packungsbeilage nennt Dosisbereiche für Erwachsene, Kinder, ältere Menschen und für eingeschränkte Nieren- oder Leberfunktion; die Ärztin oder der Arzt richtet die Dosis nach den Harnsäurewerten und der Nierenfunktion aus [1]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder; sie ersetzt nicht die Verordnung. Welche Dosis für Sie richtig ist, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest [1].
Einnahme und Absetzen
Nehmen Sie Allopurinol immer genau nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein. Schlucken Sie die Tabletten unzerkaut mit reichlich Flüssigkeit nach einer Mahlzeit, möglichst immer zur gleichen Tageszeit [1]. Haben Sie eine Einnahme vergessen, nehmen Sie nicht die doppelte Menge [1]. Allopurinol kann bei gleichzeitiger Einnahme von Aluminiumhydroxid, einem Mittel gegen Magensäure, schwächer wirken; zwischen beiden sollten mindestens 3 Stunden liegen [1, 2].
Die Behandlung ist in der Regel über einen längeren Zeitraum nötig. Wie bei jeder Langzeitbehandlung werden die Harnsäurewerte regelmäßig kontrolliert, und es wird geprüft, ob die Behandlung weiter erforderlich ist. Haben Sie den Eindruck, dass Allopurinol zu stark oder zu schwach wirkt, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [1]. Was bei einer Überdosierung zu tun ist, steht in der Karte oben; Telefonnummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf. Die Dauer richtet sich laut Fachinformation nach der Grunderkrankung: Bei Gicht, primärer Hyperurikämie und zur Verhinderung von Calciumoxalat- und Harnsäuresteinen ist in den meisten Fällen eine Dauerbehandlung erforderlich, bei sekundärer Hyperurikämie wird eine vorübergehende Behandlung für die Dauer der erhöhten Werte empfohlen [2]. Ob Sie Allopurinol beenden können, besprechen Sie vorher ärztlich; wann es sofort abgesetzt wird und was beim Beenden zu beachten ist, steht unter Allopurinol absetzen.
Präparate mit Allopurinol
Allopurinol gibt es von mehreren Herstellern als Tabletten in verschiedenen Stärken. Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Allopurinol-ratiopharm [1, 2]. Ein weiteres Gichtmittel mit anderem Wirkstoff ist Febuxostat; für jedes Präparat gilt seine eigene Packungsbeilage.
| Präparat | Anbieter | Hinweis |
|---|---|---|
| Allopurinol AbZ | AbZ-Pharma GmbH | Tabletten mit 100 oder 300 mg; verschreibungspflichtig |
| Allopurinol-ratiopharm | ratiopharm GmbH | Tabletten mit 100 oder 300 mg; verschreibungspflichtig; Grundlage dieser Seite |
Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Quellen
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Allopurinol-ratiopharm 100 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 02/2025. abgerufen am 10.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Allopurinol-ratiopharm 100 mg/300 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 10.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Allopurinol-ratiopharm 300 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 02/2025. abgerufen am 10.10.2026
Häufige Fragen
Wofür nimmt man Allopurinol?
Allopurinol senkt erhöhte Harnsäurewerte im Blut. Zugelassen ist es unter anderem bei Gicht, bei Nierenschäden durch Harnsäure, zur Auflösung und Vorbeugung von Harnsäuresteinen und wenn bei Strahlen- oder Chemotherapie durch Zellzerfall viel Harnsäure entsteht. Bei erhöhten Harnsäurewerten ohne Gicht, Nierenschäden oder Steine kommt eine Behandlung laut Packungsbeilage in Frage, wenn die Werte im Bereich von 500 µmol/l und darüber liegen und eine Ernährungsumstellung nicht ausreicht.
Kann Allopurinol einen Gichtanfall auslösen?
Ja. Zu Beginn der Behandlung können Gichtanfälle auftreten, weil Harnsäure aus den Ablagerungen im Körper freigesetzt wird. Deshalb kommt in den ersten 4 Behandlungswochen eine vorbeugende Gabe von Schmerzmitteln oder Colchicin in Betracht. Bei einem akuten Gichtanfall wird mit Allopurinol erst nach dessen vollständigem Abklingen begonnen. Sprechen Sie darüber mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Darf ich Alkohol trinken, wenn ich Allopurinol nehme?
Die Packungsbeilage rät, Alkohol zu meiden, vor allem Bier: Damit wird Guanosin aufgenommen, das den Harnsäurespiegel stark erhöht. Verursacht Allopurinol bei Ihnen Schwindel oder Schläfrigkeit, verschlechtert Alkohol Ihre Verkehrstüchtigkeit zusätzlich.
Welche Nebenwirkungen hat Allopurinol auf die Haut?
Hautreaktionen sind die häufigste Nebenwirkung (laut Fachinformation ca. 4 Prozent); sie können zu jedem Zeitpunkt auftreten. Selten sind Hautveränderungen wie offene, schmerzende Stellen an Mund, Hals, Nase oder Genitalien und großflächige Blasenbildung; sehr selten kommt es zu schweren, möglicherweise lebensbedrohlichen Hautreaktionen wie dem Stevens-Johnson-Syndrom. Das Risiko ist in den ersten Behandlungswochen am höchsten. Bei jedem Hautausschlag beenden Sie die Einnahme und holen sofort ärztliche Hilfe.
Wie hoch ist die Dosis von Allopurinol?
Die Dosis richtet sich nach Ihren Harnsäurewerten und Ihrer Nierenfunktion und wird von Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt festgelegt. Welche Angaben die Packungsbeilage macht, steht im Abschnitt "Dosierung laut Packungsbeilage" auf dieser Seite. Ändern Sie die Dosis nicht selbst.
Kann ich Allopurinol einfach absetzen?
Die Behandlung ist in der Regel langfristig angelegt; nehmen Sie Allopurinol regelmäßig und so lange ein, wie es Ihre Ärztin oder Ihr Arzt bestimmt hat. Bei Hautausschlag oder anderen Zeichen einer Überempfindlichkeitsreaktion wird es dagegen sofort abgesetzt. Ob die Behandlung weiter nötig ist, wird bei den regelmäßigen Kontrollen überprüft.
Darf ich Allopurinol in der Schwangerschaft nehmen?
Allopurinol sollte in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, weil es keine ausreichenden Erfahrungen beim Menschen gibt; laut Fachinformation nur, wenn es eindeutig erforderlich ist. Werden Sie ungeplant schwanger, sollte im ersten Schwangerschaftsdrittel eine Ultraschalluntersuchung erfolgen. Allopurinol geht in die Muttermilch über; in der Stillzeit wird es nicht empfohlen.
Verändert Allopurinol die Schilddrüsenwerte?
Ein erhöhter Wert des schilddrüsenstimulierenden Hormons TSH im Blut gehört zu den häufigen Nebenwirkungen (bis zu 1 von 10 Behandelten). Laut Fachinformation wurden in den entsprechenden Studien dabei keine Auswirkungen auf das freie Schilddrüsenhormon T4 gemeldet. Bei veränderter Schilddrüsenfunktion ist Vorsicht geboten.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
Passt dazu
-
Medikamente EtoricoxibEtoricoxib gegen Gelenkschmerzen bei Arthrose, Rheuma und Gicht: alle Nebenwirkungen laut Packungsbeilage, Blutdruck- und …
-
Medikamente Methocarbamol (Ortoton)Methocarbamol (u. a. Ortoton) bei schmerzhaften Muskelverspannungen: Nebenwirkungen nach Häufigkeit, Müdigkeit, Alkohol …
-
Medikamente MethotrexatMethotrexat (MTX) bei Rheuma und Schuppenflechte: nur einmal wöchentlich, nie täglich.
-
Ratgeber Medikamente und AlkoholAlkohol kann die Wirkung von Medikamenten verstärken oder abschwächen.