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Gicht und erhöhte Harnsäure durch Medikamente

Zu den Medikamenten, die den Harnsäurespiegel erhöhen und eine Gicht begünstigen können, zählt das IQWiG vor allem entwässernde Mittel (Diuretika), außerdem Acetylsalicylsäure und bestimmte Mittel nach einer Organtransplantation. Produktinformationen nennen erhöhte Harnsäure zum Beispiel bei Hydrochlorothiazid, Furosemid, Ciclosporin, Ticagrelor und Bempedoinsäure. Viele Menschen mit erhöhten Harnsäurewerten haben keine Beschwerden. Sprechen Sie bei einer plötzlich schmerzhaften, geschwollenen Gelenkentzündung mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Mann um die sechzig mit grauem Haar sitzt auf dem Sofa und hat den Fuß auf ein Kissen hochgelegt
Bild: KI-generiert

Manche Medikamente können den Harnsäurespiegel im Blut erhöhen und so eine Gicht begünstigen. Dazu zählt das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) vor allem entwässernde Medikamente (Diuretika), außerdem Acetylsalicylsäure (ASS) und bestimmte Medikamente nach einer Organtransplantation; auch das Parkinson-Medikament Levodopa und Krebsmedikamente können laut IQWiG eine Gicht begünstigen [1]. Gicht ist eine Stoffwechselerkrankung, bei der sich Gelenke entzünden; Auslöser sind winzige, nadelförmige Kristalle aus Harnsäure, die entstehen können, wenn sich zu viel Harnsäure im Körper befindet [1]. Viele Menschen haben erhöhte Harnsäurewerte, aber keine Beschwerden; nach Schätzungen erkrankt nur etwa ein Drittel der Menschen mit erhöhtem Harnsäurespiegel an Gicht [1].

Welche Medikamente die Harnsäure erhöhen und Gicht auslösen können

Weil Harnsäure überwiegend über die Nieren ausgeschieden wird, sind laut S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Rheumatologie (DGRh) vor allem Medikamente bedeutsam, die die Harnsäureausscheidung beeinflussen; an erster Stelle nennt sie Diuretika, außerdem niedrig dosierte Acetylsalicylsäure und Betablocker [2]. Die folgenden Beispiele stammen aus der Leitlinie und aus den Produktinformationen einzelner Wirkstoffe; jede Häufigkeitsangabe gehört zu dem Wirkstoff, bei dem sie steht.

  • Diuretika (Entwässerungsmittel): Unter den Medikamenten, die die Harnsäure erhöhen, spielen laut S3-Leitlinie Schleifen- und Thiaziddiuretika die wichtigste Rolle [2]. Unter Hydrochlorothiazid kommt es laut Packungsbeilage häufig (bis zu 1 von 10 Behandelten) zu erhöhten Harnsäurespiegeln; bei entsprechend veranlagten Menschen kann das zu Gichtanfällen führen [3]. Bei Furosemid stuft die Packungsbeilage erhöhte Harnsäure im Blut und Gichtanfälle als häufig ein [5]. Hydrochlorothiazid darf laut Packungsbeilage bei Gicht nicht eingenommen werden [3]; laut S3-Leitlinie sind bei Gicht auch Torasemid und Xipamid nicht zugelassen [2]. Furosemid zählt die Leitlinie zu den bei Gicht zugelassenen Alternativen, bei denen die Gicht als Vorsichtsmaßnahme erwähnt ist [2]; die Packungsbeilage von Furosemid verlangt bei Gicht eine regelmäßige Kontrolle der Harnsäure [5].
  • Acetylsalicylsäure in niedriger Dosis: Laut Packungsbeilage von ASS 100 mg vermindert Acetylsalicylsäure in niedriger Dosierung die Harnsäureausscheidung; bei gefährdeten Menschen kann dies unter Umständen einen Gichtanfall auslösen [7]. Laut S3-Leitlinie ist das Risiko für Gichtanfälle erhöht, wenn niedrig dosiertes ASS zum Schutz von Herz und Gefäßen eingenommen wird [2].
  • Ciclosporin (Mittel nach Organtransplantation): Die Packungsbeilage nennt hohe Harnsäurewerte im Blut als häufig [9]. Laut Fachinformation ist bei erhöhter Harnsäure Vorsicht geboten [10]. Zusammen mit Furosemid ist das Risiko einer Gelenkentzündung durch Gicht erhöht, weil Furosemid die Harnsäure erhöht und Ciclosporin ihre Ausscheidung über die Nieren beeinträchtigt [6]. Auch zusammen mit Hydrochlorothiazid besteht laut Fachinformation ein erhöhtes Risiko für eine erhöhte Harnsäure und gichtähnliche Beschwerden [4].
  • Ticagrelor (Thrombozytenhemmer): In der Packungsbeilage ist ein hoher Harnsäurewert im Blut, festgestellt bei Untersuchungen, als sehr häufig eingestuft (bei mehr als 1 von 10 Behandelten); starke Schmerzen und Schwellungen der Gelenke als Anzeichen von Gicht sind häufig [11]. Laut Fachinformation ist bei erhöhter Harnsäure oder Gicht in der Vorgeschichte Vorsicht geboten [11]. Mehr unter Blutverdünner.
  • Bempedoinsäure (Cholesterinsenker): Die Packungsbeilage nennt erhöhte Harnsäure im Blut (Gicht) als häufig [12]. Laut Fachinformation kann Bempedoinsäure eine erhöhte Harnsäure verursachen oder verschlimmern und bei Menschen mit Gicht in der Vorgeschichte oder Veranlagung dazu eine Gicht verschlimmern [12]. Die Fachinformation führt die Gicht nicht unter den Gegenanzeigen, sondern als Warnhinweis; laut Packungsbeilage sollen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen, wenn Sie jemals Gicht hatten [12]. Die S3-Leitlinie bezeichnet Bempedoinsäure dagegen bei bekannter Gicht als kontraindiziert, also als nicht anzuwenden [2]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr unter Statine und weitere Lipidsenker.
  • Harnsäuresenkende Gichtmittel zu Beginn: Zu Beginn einer Behandlung mit Allopurinol können laut Packungsbeilage durch die Freisetzung von Harnsäuredepots akute Gichtanfälle ausgelöst werden [13]. Bei Febuxostat ist eine Zunahme der Gichtbeschwerden laut Packungsbeilage häufig; Gichtanfälle können vor allem in den ersten Behandlungswochen oder -monaten auftreten [15].

Die Tabelle zeigt die Wirkstoffe, deren Produktinformation eine erhöhte Harnsäure oder Gicht nennt:

Erhöhte Harnsäure und Gicht als Nebenwirkung: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffHäufigkeitAngabe in der Produktinformation
ChlortalidonSehr häufigErhöhte Harnsäurespiegel im Blut (Hyperurikämie); bei entsprechend veranlagten Menschen kann das zu Gichtanfällen führen
MycophenolsäureSehr häufigErhöhter Harnsäurespiegel im Blut (Hyperurikämie)
TicagrelorSehr häufigHoher Harnsäurewert im Blut, festgestellt bei Untersuchungen (Hyperurikämie) · Starke Schmerzen und Schwellungen der Gelenke als Anzeichen von Gicht
AdalimumabHäufigIm Bluttest: erhöhte Harnsäure, auffällige Natriumwerte, niedriges Kalzium, Phosphat oder Kalium, hoher Blutzucker, erhöhte Laktatdehydrogenase, Nachweis von Autoantikörpern
BempedoinsäureHäufigErhöhte Konzentration von Harnsäure im Blut (Hyperurikämie) · Gicht
CiclosporinHäufigHohe Harnsäure- oder Kaliumwerte im Blut, verminderte Magnesiumwerte
FebuxostatHäufigZunahme der Gichtbeschwerden, akute Gichtanfälle, vor allem kurz nach Beginn und in den ersten Monaten der Behandlung
FurosemidHäufigErhöhte Harnsäure im Blut und Gichtanfälle
HydrochlorothiazidHäufigErhöhte Harnsäurewerte im Blut (Hyperurikämie), die bei entsprechender Veranlagung Gichtanfälle auslösen können
OlanzapinHäufigErhöhte Harnsäure- und Kreatinphosphokinasewerte (CK) im Blut
OlmesartanHäufigAnstieg der Harnsäure (Hyperurikämie)
SpironolactonHäufigErhöhte Harnsäurewerte im Blut (Hyperurikämie), die bei entsprechender Veranlagung Gichtanfälle auslösen können
TacrolimusHäufigErhöhte Harnsäure- oder Blutfettwerte
TorasemidHäufigErhöhte Werte von Harnsäure und Blutzucker sowie der Blutfette (Triglyceride, Cholesterin)
XipamidHäufigErhöhung der Harnsäure im Blut, die bei entsprechend veranlagten Menschen zu Gichtanfällen führen kann
DoxazosinGelegentlichAppetitlosigkeit (Anorexie), Gicht, gesteigerter Appetit
EtoricoxibGelegentlichErhöhter Harnstoff-Stickstoff im Blut, erhöhte Kreatinkinase, Anstieg der Harnsäure
IvabradinGelegentlichErhöhte Harnsäurewerte im Blut (Hyperurikämie)
MethotrexatSeltenAnstieg von Harnstoff, Kreatinin und Harnsäure im Blut
MoxifloxacinSeltenErhöhter Harnsäurespiegel im Blut
TelmisartanSeltenVerminderter Hämoglobinwert, erhöhte Harnsäure, erhöhte Leberenzyme oder erhöhte Kreatinphosphokinase (CK) im Blut
AcetylsalicylsäureSehr seltenNiedrig dosiert (100 mg): verminderte Harnsäureausscheidung, die bei gefährdeten Menschen einen Gichtanfall auslösen kann
IbuprofenSehr seltenErhöhte Harnsäurewerte im Blut
IsotretinoinSehr seltenErhöhte Harnsäurewerte im Blut
NaproxenSehr seltenErhöhte Harnsäurewerte im Blut (Hyperurikämie)
IndapamidNicht bekanntErhöhte Harnsäurewerte im Blut; Harnsäure kann eine Gicht mit schmerzenden Gelenken, besonders in den Füßen, hervorrufen oder verschlimmern

Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (26 von 358). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Was die Häufigkeitsangaben bedeuten, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen; andere auffällige Blutwerte behandelt die Seite Veränderte Laborwerte.

Woran Sie eine Gicht durch ein Medikament erkennen

Erhöhte Harnsäure zeigt sich im Blut. Viele Menschen haben laut IQWiG erhöhte Harnsäurewerte, aber keine Beschwerden; ob das eine gesundheitliche Bedeutung hat, ist umstritten [1]. Für einige Wirkstoffe sehen die Produktinformationen Blutkontrollen vor: Bei Hydrochlorothiazid muss die Harnsäure laut Packungsbeilage während einer Langzeitbehandlung regelmäßig kontrolliert werden, bei Furosemid sollte sie vor allem während einer Langzeitbehandlung regelmäßig kontrolliert werden; bei Gicht ist unter Furosemid eine regelmäßige Kontrolle erforderlich [3, 5]. Bei Ciclosporin wird außerhalb einer Transplantation die Bestimmung der Harnsäure vor und regelmäßig während der Behandlung empfohlen [10]. Wie oft kontrolliert wird, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Anzeichen eines Gichtanfalls. Ein Gichtanfall beginnt laut IQWiG oft nachts oder früh morgens mit einer plötzlichen, sehr schmerzhaften Gelenkschwellung [1]. Das entzündete Gelenk ist druckempfindlich, überwärmt und gerötet; Schwellung und Beschwerden sind meist nach 6 bis 12 Stunden am stärksten, und häufig ist schon der Druck der Bettdecke kaum erträglich [1]. Beim ersten Anfall ist oft nur ein Gelenk betroffen, meist das Grundgelenk des großen Zehs; entzünden können sich auch Mittelfuß- und Sprunggelenke, Knie, Ellbogen, Hand- und Fingergelenke [1]. Normalerweise klingt die Entzündung innerhalb von 1 bis 2 Wochen von selbst ab [1].

Harnsäure im Anfall nicht immer erhöht. Nur den Harnsäurespiegel im Blut zu bestimmen, ist laut IQWiG wenig aussagekräftig, weil er während eines Gichtanfalls oft in den Normalbereich absinkt [1]. Nicht jede Gelenkentzündung ist eine Gicht: Laut S3-Leitlinie sind zum Beispiel eine entzündlich aktivierte Arthrose, andere durch Kristalle ausgelöste Erkrankungen, eine reaktive Arthritis oder eine Psoriasisarthritis und als Notfall eine infektiöse Arthritis abzugrenzen [2].

Zeitlicher Zusammenhang. Ein Hinweis kann sein, dass ein Gichtanfall nach Beginn eines neuen Medikaments auftritt. Bei Bempedoinsäure stieg die Harnsäure laut Fachinformation in der Regel innerhalb der ersten 4 Behandlungswochen an; nach dem Ende der Behandlung gingen die Werte wieder auf die Ausgangswerte zurück [12]. Bei Ticagrelor ging der Anstieg der Harnsäure laut Fachinformation nach dem Absetzen teilweise zurück [11]. Bei harnsäuresenkenden Gichtmitteln treten Anfälle dagegen gerade zu Beginn der Behandlung auf [13, 15].

Warum Medikamente die Harnsäure erhöhen können

Harnsäure ist laut IQWiG ein Abbauprodukt der sogenannten Purine, die Bestandteil der Nukleinsäuren sind [1]. Normalerweise wird ein Teil der Harnsäure mit dem Urin ausgeschieden; scheiden die Nieren nicht genug aus, steigt der Spiegel an, und oberhalb einer bestimmten Grenze kann die Harnsäure Kristalle bilden, die sich vor allem in den Gelenken ablagern [1]. Deshalb sind laut S3-Leitlinie Medikamente bedeutsam, die die Ausscheidung der Harnsäure beeinflussen [2].

Einzelne Produktinformationen beschreiben solche Wege: Acetylsalicylsäure vermindert in niedriger Dosierung die Harnsäureausscheidung [8]. Ciclosporin beeinträchtigt laut Fachinformation von Furosemid die Ausscheidung der Harnsäure über die Nieren [6]. Bempedoinsäure hemmt laut Fachinformation in den Nierenkanälchen einen Transporter mit der Bezeichnung OAT2; das kann den Harnsäurespiegel erhöhen [12]. Bei Ciclosporin wurden laut Fachinformation in Fällen einer akuten Nierenschädigung Störungen des Mineralstoffhaushalts wie erhöhtes Kalium, niedriges Magnesium und erhöhte Harnsäure berichtet [10]. Mehr unter Nierenschäden.

Bei harnsäuresenkenden Gichtmitteln ist es umgekehrt: Allopurinol verringert laut Fachinformation die Bildung von Harnsäure, indem es das Enzym Xanthinoxidase hemmt [14]. Zu Beginn der Behandlung können durch die Mobilisierung größerer Harnsäuredepots akute Gichtanfälle ausgelöst werden [14].

Was Sie tun können

Frau Mitte sechzig mit kurzem weißem Haar im Gespräch mit einem Arzt in einem hellen Sprechzimmer
Bild: KI-generiert

Nicht eigenmächtig absetzen. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Viele der genannten Mittel, etwa Diuretika, niedrig dosiertes ASS oder Mittel nach einer Transplantation, werden aus wichtigen Gründen verordnet. Febuxostat muss laut Packungsbeilage auch bei einem Gichtanfall unbedingt weiter eingenommen werden, weil es trotzdem wirkt und die Harnsäure senkt [15]. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente absetzen.

Mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen. Nennen Sie in der Praxis alle Medikamente, auch rezeptfreie. Bei Menschen mit Gicht sollten laut S3-Leitlinie Begleiterkrankungen von Herz und Kreislauf, Stoffwechsel und Nieren sowie die zugehörigen Medikamente erfasst werden (Empfehlung im Expertenkonsens) [2]. Medikamente, die die Harnsäure erhöhen, insbesondere Schleifen- und Thiaziddiuretika, sollten laut Leitlinie bei Gicht nur unter strenger Abwägung eingesetzt werden, und es sollte nach möglichen Alternativen gesucht werden (Empfehlung im Expertenkonsens) [2]. Menschen mit Gicht sollten laut Leitlinie auch über das erhöhte Risiko für Gichtanfälle unter niedrig dosiertem ASS aufgeklärt werden [2]. Ob und wie die Behandlung angepasst wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Bei Bempedoinsäure. Treten unter Bempedoinsäure erhöhte Harnsäurewerte zusammen mit Gichtbeschwerden auf, ist die Behandlung laut Fachinformation abzusetzen [12]. Wenden Sie sich dann an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; die Entscheidung trifft sie oder er.

Zu Beginn einer Gichtbehandlung. Ist ein Gichtanfall akut, sollte die Behandlung mit Allopurinol laut Packungsbeilage erst nach dessen vollständigem Abklingen beginnen [13]. In den ersten 4 Behandlungswochen kommt laut Packungsbeilage eine vorbeugende Begleitbehandlung in Betracht; darüber entscheidet die Ärztin oder der Arzt [13]. Auch bei Febuxostat verschreibt die Ärztin oder der Arzt laut Packungsbeilage bei Bedarf weitere Mittel, um einem Gichtanfall vorzubeugen [15].

Kühlen. Das betroffene Gelenk zu kühlen, hilft laut IQWiG wahrscheinlich und wird von vielen Menschen als angenehm empfunden [1]. Laut S3-Leitlinie sollten Ruhigstellen, Hochlagern und Kühlen unterstützend angewendet werden (Empfehlungsgrad B) [2].

Nebenwirkung melden. Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; Sie können Nebenwirkungen auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [7]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Eine plötzliche, schmerzhafte Gelenkentzündung sollten Sie ärztlich abklären lassen. Wichtig ist vor allem, eine Infektion des Gelenks mit Bakterien nicht zu übersehen: Sie sollte laut IQWiG rasch behandelt werden [1]. Eine infektiöse Arthritis ist laut S3-Leitlinie ein akuter, möglicherweise lebensbedrohlicher Notfall, der unbedingt ausgeschlossen werden muss [2]. Als mögliche Hinweise darauf nennt die DEGAM-Leitlinie eine kürzlich zurückliegende Verletzung, Operation oder Punktion, eine unterdrückte oder geschwächte Immunabwehr (Immunsuppression oder Immundefizit) sowie Fieber oder eine akute Verschlechterung des Allgemeinzustands; beim Gichtanfall selbst ist das Allgemeinbefinden in der Regel ungestört, und Fieber ist sehr selten [16].

Auch bei Mitteln gegen Gicht gibt es Warnzeichen: Unter Allopurinol sind laut Packungsbeilage Hautreaktionen die häufigste Nebenwirkung; weil sich daraus schwere Überempfindlichkeitsreaktionen entwickeln können, verlangt die Packungsbeilage bei Hautreaktionen wie Juckreiz, Knötchen, Schuppung oder Hautblutungen, die Einnahme zu beenden [13]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Mehr unter Schwere Hautreaktionen. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117, wenn die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann; in lebensbedrohlichen Fällen, etwa bei akuten und anhaltenden stärksten Schmerzen, alarmieren Sie den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 [17].

Andere Ursachen

Nicht jede Gicht kommt vom Medikament. Laut IQWiG können alle Faktoren, die den Harnsäurespiegel erhöhen, eine Gicht begünstigen und bei bereits Erkrankten weitere Anfälle wahrscheinlicher machen [1]. In Studien nachgewiesene Risikofaktoren sind neben Medikamenten größere Mengen Fleisch, Fisch und Meeresfrüchte, Alkohol, vor allem Bier und hochprozentige Getränke, stark zuckerhaltige Getränke und Übergewicht [1]. Wichtig ist laut IQWiG vor allem, dass die Nieren gut funktionieren und einen Überschuss an Harnsäure verlässlich ausscheiden können [1]. Mehr unter Niereninsuffizienz.

Auch bestimmte Erkrankungen können dazu beitragen, dass sich zu viel Harnsäure im Körper ansammelt, etwa Blutbildungsstörungen oder bestimmte Krebserkrankungen wie Leukämie; selten liegt eine Erbkrankheit des Harnsäurestoffwechsels zugrunde [1]. Männer erkranken laut IQWiG ungefähr fünfmal so oft und früher als Frauen, bei denen die Gicht in der Regel erst nach den Wechseljahren auftritt [1]. Menschen mit Gicht haben außerdem ein erhöhtes Risiko für Nierensteine [1]. Gelenkschmerzen können auch andere Ursachen haben, etwa eine Arthrose oder eine Psoriasisarthritis [2]. Mehr zur Erkrankung unter Gicht und zu Gelenkbeschwerden durch Medikamente unter Gelenk- und Rückenschmerzen.

Quellen

  1. Gicht. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 12.01.2022. abgerufen am 12.10.2026
  2. Leitlinie S3-Leitlinie Diagnostik und Therapie der Gicht (AWMF-Register-Nr. 060-005, Version 2.1), Z Rheumatol 2025; 84 (Suppl 2): S51-S81. Deutsche Gesellschaft für Rheumatologie und Klinische Immunologie (DGRh) und beteiligte Fachgesellschaften. Stand 2025. abgerufen am 12.10.2026
  3. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation HCT-ratiopharm 25 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2021. abgerufen am 12.10.2026
  4. Fachinformation Fachinformation HCT-ratiopharm 25 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2021. abgerufen am 12.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Furosemid-ratiopharm 40 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 12.10.2026
  6. Fachinformation Fachinformation Furosemid-ratiopharm 40 mg / 500 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 12.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation ASS-ratiopharm 100 mg TAH Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 12.10.2026
  8. Fachinformation Fachinformation ASS-ratiopharm 100 mg TAH Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 12.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ciclosporin Pro 100 mg Weichkapseln. TEVA GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 12.10.2026
  10. Fachinformation Fachinformation Ciclosporin Pro 25 mg/50 mg/100 mg Weichkapseln und 100 mg/ml Lösung zum Einnehmen. TEVA GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 12.10.2026
  11. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Brilique (Ticagrelor), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. AstraZeneca AB (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
  12. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Nilemdo (Bempedoinsäure), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Daiichi Sankyo Europe GmbH (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 02/2026. abgerufen am 12.10.2026
  13. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Allopurinol-ratiopharm 100 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 02/2025. abgerufen am 12.10.2026
  14. Fachinformation Fachinformation Allopurinol-ratiopharm 100 mg/300 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 12.10.2026
  15. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Adenuric (Febuxostat), Anhang III B: Packungsbeilage. Menarini International Operations Luxembourg S.A. (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 09/2024. abgerufen am 12.10.2026
  16. Leitlinie S2e-Leitlinie Diagnostik und Therapie der akuten Gicht (DEGAM-Leitlinie Nr. 23b, AWMF-Register-Nr. 053-032b). Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Stand 18.08.2023. abgerufen am 12.10.2026
  17. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente können Gicht auslösen?

Laut IQWiG zählen vor allem entwässernde Medikamente (Diuretika) zu den Mitteln, die den Harnsäurespiegel erhöhen und eine Gicht begünstigen können, außerdem Acetylsalicylsäure (ASS) und bestimmte Medikamente nach einer Organtransplantation; auch Levodopa und Krebsmedikamente können eine Gicht begünstigen. In den Produktinformationen stehen erhöhte Harnsäure oder Gichtanfälle zum Beispiel bei Hydrochlorothiazid, Furosemid, Ciclosporin, Ticagrelor und Bempedoinsäure. Welche Wirkstoffe auf dieser Website betroffen sind, zeigt die Tabelle; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Erhöhen Entwässerungstabletten die Harnsäure?

Ja, das ist bei mehreren Diuretika beschrieben. Unter Hydrochlorothiazid kommt es laut Packungsbeilage häufig zu erhöhten Harnsäurespiegeln, die bei entsprechend veranlagten Menschen Gichtanfälle auslösen können; bei Furosemid nennt die Packungsbeilage erhöhte Harnsäure und Gichtanfälle als häufig. Unter den Medikamenten, die die Harnsäure erhöhen, spielen Schleifen- und Thiaziddiuretika laut S3-Leitlinie die wichtigste Rolle. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Kann ASS einen Gichtanfall auslösen?

Laut Packungsbeilage von ASS 100 mg vermindert Acetylsalicylsäure in niedriger Dosierung die Harnsäureausscheidung; bei gefährdeten Menschen kann dies unter Umständen einen Gichtanfall auslösen. Laut S3-Leitlinie sollten Menschen mit Gicht über dieses Risiko aufgeklärt werden. Nehmen Sie ASS auf ärztliche Verordnung, etwa zum Schutz von Herz und Gefäßen, setzen Sie es nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Warum kann ein Gichtmittel am Anfang einen Gichtanfall auslösen?

Zu Beginn einer Behandlung mit Allopurinol können laut Packungsbeilage durch die Freisetzung von Harnsäuredepots akute Gichtanfälle ausgelöst werden. Auch bei Febuxostat kann es laut Packungsbeilage vor allem in den ersten Behandlungswochen oder -monaten zu einem Gichtanfall kommen. Febuxostat muss laut Packungsbeilage auch dann unbedingt weiter eingenommen werden, weil es trotzdem wirkt und die Harnsäure senkt. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann bei Bedarf weitere Mittel verschreiben, um Gichtanfällen vorzubeugen.

Muss eine erhöhte Harnsäure ohne Beschwerden behandelt werden?

Laut IQWiG haben viele Menschen erhöhte Harnsäurewerte, aber keine Beschwerden; ob das eine gesundheitliche Bedeutung hat, ist umstritten, und behandelt werden müssen sie nicht. Nur etwa ein Drittel der Menschen mit erhöhtem Harnsäurespiegel erkrankt nach Schätzungen an Gicht. Ob unter einem Medikament Kontrollen nötig sind, steht in der Packungsbeilage; die Entscheidung trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Woran erkenne ich einen Gichtanfall?

Ein Gichtanfall beginnt laut IQWiG oft nachts oder früh morgens mit einer plötzlichen, sehr schmerzhaften Gelenkschwellung; das Gelenk ist druckempfindlich, überwärmt und gerötet. Beim ersten Anfall ist oft nur ein Gelenk betroffen, meist das Grundgelenk des großen Zehs. Die Harnsäure im Blut kann während eines Anfalls im Normalbereich liegen. Kommen Fieber oder ein deutlich schlechteres Allgemeinbefinden hinzu, brauchen Sie sofort ärztliche Hilfe, weil eine Gelenkinfektion ausgeschlossen werden muss.

Was ist Bempedoinsäure und warum erhöht sie die Harnsäure?

Bempedoinsäure ist ein Mittel zur Senkung des LDL-Cholesterins. Laut Fachinformation kann sie den Harnsäurespiegel erhöhen, weil sie in den Nierenkanälchen einen Transporter (OAT2) hemmt; bei Gicht in der Vorgeschichte oder Veranlagung dazu kann sich eine Gicht verschlimmern. Treten erhöhte Harnsäure und Gichtbeschwerden zusammen auf, ist die Behandlung laut Fachinformation abzusetzen. Das entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

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