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Nierensteine
Nierensteine sind kleine, feste Ablagerungen, die sich im Nierenbecken bilden und in den Harnleiter wandern können; viele kleine Steine gehen laut IQWiG von selbst mit dem Urin ab. Gegen die Schmerzen einer Nierenkolik empfiehlt die Leitlinie der European Association of Urology (EAU), als Mittel der ersten Wahl ein entzündungshemmendes Schmerzmittel (NSAR) anzubieten, abhängig von Herz-Kreislauf-Risikofaktoren und Nebenwirkungen (starke Empfehlung); größere Steine werden laut IQWiG meist mit Stoßwellen zertrümmert oder bei einem Eingriff entfernt. Eine durch einen Stein gestaute Niere mit Zeichen einer Harnwegsinfektion wie Fieber ist laut EAU-Leitlinie ein urologischer Notfall.

Nierensteine sind kleine, feste Ablagerungen, die sich im Nierenbecken bilden; wandern sie in den Harnleiter, spricht man von Harnleitersteinen [1]. Viele Steine sind so klein, dass sie innerhalb von einigen Tagen oder Wochen von selbst mit dem Urin ausgeschieden werden. Bei kleinen Steinen reicht es laut IQWiG oft, bei Beschwerden eine Zeit lang Schmerzmittel zu nehmen, viel Wasser zu trinken, sich zu bewegen und abzuwarten; größere Steine müssen in der Regel zertrümmert oder bei einem kleinen Eingriff entfernt werden [1, 4].
Was sind Nierensteine?
Nierensteine entstehen, wenn sich bestimmte Stoffe im Urin zu Kristallen zusammensetzen. Laut IQWiG haben 80 Prozent der Menschen mit Nierensteinen Kalziumsteine, 5 bis 10 Prozent Harnsäuresteine und 10 Prozent Steine aus dem Mineral Struvit; Steine aus anderen Stoffen sind selten [1]. Nieren- und Harnleitersteine werden auch als Harnsteine bezeichnet [1, 4].
Nierensteine sind weit verbreitet: In Deutschland erkranken jedes Jahr 1 bis 2 Prozent der Bevölkerung. Nach Schätzungen aus den USA bekommen mindestens 10 Prozent der Menschen einmal im Leben Nieren- oder Harnleitersteine, Männer häufiger als Frauen. Am häufigsten bilden sie sich im Alter von 40 bis 60 Jahren, sie kommen aber auch bei Kindern vor [1, 4]. Viele Menschen haben wiederholt mit Nieren- oder Harnleitersteinen zu tun; deshalb spielt die Vorbeugung eine wichtige Rolle [1].
Symptome
Viele Nierensteine lösen keine Beschwerden aus und werden oft nur zufällig entdeckt, etwa bei einer Ultraschalluntersuchung des Bauchraums. Manchmal spüren Betroffene ein leichtes Ziehen in der Nierengegend [1, 4]. Erst wenn ein Stein das Nierenbecken blockiert oder durch den Harnleiter wandert, macht er sich bemerkbar. Das Hauptsymptom sind Schmerzen, die von leichtem Unwohlsein bis zu starken krampfartigen Schmerzen reichen; je nach Lage des Steins treten sie im Unterleib, im Bauch oder im Rücken auf [1].
Wandert ein Stein durch eine natürliche Engstelle des Harnleiters, etwa dort, wo er in die Harnblase mündet, sind die Schmerzen besonders stark. Typisch sind dann plötzlich und anfallsartig auftretende, heftige Schmerzen in der Seite, die in den Unterbauch ausstrahlen können: eine Nierenkolik. Die Schmerzen werden in Wellen stärker und schwächer, manchmal kommen Übelkeit und Erbrechen hinzu. Typisch ist, dass Betroffene sich winden, um eine Haltung zu finden, in der die Schmerzen nachlassen. Eine Nierenkolik kann 20 bis 60 Minuten andauern [1]. Weitere mögliche Zeichen eines Harnleitersteins sind Blut im Urin, Schmerzen beim Wasserlassen und häufiger oder verstärkter Harndrang; manchmal strahlen die Schmerzen in die Geschlechtsorgane aus [1, 4].
Ursachen und Risikofaktoren
Normalerweise sind die steinbildenden Stoffe im Urin gelöst. Bei manchen Erkrankungen steigt ihre Konzentration: bei einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen zum Beispiel der Kalziumspiegel im Urin, bei Gicht der Harnsäurespiegel. Selten ist der Überschuss erblich bedingt, etwa bei Steinen aus der Aminosäure Zystin [1]. Laut IQWiG spielen außerdem eine Rolle [1]:
- die Ernährung, etwa Lebensmittel mit viel Oxalsäure wie Rhabarber oder Innereien, die den Harnsäurespiegel erhöhen können,
- zu wenig Trinken, weil dann die Konzentration steinbildender Stoffe im Urin steigt,
- zu wenig Citrat im Urin, das vor Steinen schützt, zum Beispiel bei chronischem Durchfall,
- der Säuregrad des Urins: Die meisten Steinarten entstehen in zu saurem Urin, manche auch, wenn der Urin etwa durch eine Harnwegsinfektion alkalisch wird,
- Besonderheiten der Nieren wie Nierenzysten oder eine Hufeisenniere, bei der beide Nieren an den unteren Enden zusammengewachsen sind.
Medikamente als Ursache: Bestimmte Medikamente können laut IQWiG Nierensteine begünstigen, etwa weil sie selbst im Urin Kristalle bilden oder die Zusammensetzung des Urins verändern [1]. Die EAU-Leitlinie nennt als Stoffe, die im Urin auskristallisieren, unter anderem Allopurinol, Amoxicillin, Ceftriaxon, Chinolone, Sulfonamide und Triamteren; die Zusammensetzung des Urins ungünstig verändern danach unter anderem Acetazolamid, Kalzium, Vitamin D, Abführmittel und Topiramat [6]. Unter Topiramat sind Nierensteine laut Packungsbeilage häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten; die Packungsbeilage rät, während der Einnahme über den Tag reichlich zu trinken, um Nierensteinen vorzubeugen [17]. Mehr zu Schäden an den Nieren durch Medikamente: Nierenschäden durch Medikamente.
Diagnose
Die typischen Beschwerden geben Hinweise, reichen aber nicht immer aus, um die Ursache sicher festzustellen. Mit einer Ultraschalluntersuchung lassen sich die meisten Nieren- und Harnsteine finden; zur genaueren Bestimmung von Lage und Größe folgt gegebenenfalls eine Computertomografie (CT) [1, 4]. Ein Röntgenbild ist weniger genau, weil Harnsäuresteine darauf gar nicht und Struvitsteine weniger gut zu sehen sind. Blut- und Urinuntersuchungen können Hinweise auf Ursachen wie eine Infektion oder erhöhte Kalzium- oder Harnsäurewerte geben [1]. Laut EAU-Leitlinie sollte der Ultraschall die erste bildgebende Untersuchung sein; Schmerzlinderung und andere Notfallmaßnahmen sollten dadurch aber nicht verzögert werden [5].
Weil sich die Vorbeugung nach der Art des Steins richtet, ist es laut IQWiG wichtig, beim Wasserlassen auf Steine zu achten und sie aufzufangen, etwa mit einem Sieb oder Filter; operativ entfernte Steine werden im Labor untersucht [1].
Behandlung ohne Medikamente
Bei kleineren Steinen, die keine Beschwerden machen, reicht es laut IQWiG aus, abzuwarten, bis sie von selbst mit dem Urin abgehen; Größe und Lage zeigen, ob das zu erwarten ist [1]. Die meisten Steine unter 5 Millimeter gehen von allein ab, ebenso die Hälfte der Steine zwischen 5 und 10 Millimeter. Kleine Steine werden oft nach 1 bis 2 Wochen ausgeschieden [2].
Zertrümmert oder bei einem Eingriff entfernt werden muss ein Stein laut IQWiG, wenn er nicht innerhalb von vier Wochen abgeht, wenn es zu Komplikationen kommt, wenn starke Koliken auftreten oder wenn er größer als 10 Millimeter ist [2]. Infrage kommen [2]:
- Stoßwellentherapie (ESWL): Schallwellen zertrümmern den Stein von außen, die Trümmer gehen mit dem Urin ab. Sie ist oft ambulant möglich und vor allem bei Nierensteinen unter 20 Millimetern angebracht.
- Uretero-Renoskopie (URS): Feine Instrumente werden über Harnröhre und Blase bis zum Stein geführt, der mechanisch oder per Laser zerkleinert wird.
- Perkutane Nephrolithotripsie (PCNL): Das Endoskop wird durch einen kleinen Schnitt am Rücken in die Niere eingeführt, vor allem bei Nierensteinen ab 10 Millimetern.
URS und PCNL erfordern eine Vollnarkose und einen kurzen Krankenhausaufenthalt; eine größere Operation ist heute nur noch selten nötig [2]. Mehr dazu: Narkose und Medikamente vor der OP.
Behandlung mit Medikamenten

Nierenkolik: Schmerzen durch Nieren- oder Harnleitersteine lassen sich laut IQWiG mit Schmerzmitteln wie Diclofenac, Ibuprofen, Paracetamol oder Metamizol lindern; bei sehr starken Schmerzen kommen stärkere Mittel (Opioide) infrage [1, 4]. Die Leitlinie der European Association of Urology (EAU, Fassung 2026) empfiehlt, als Mittel der ersten Wahl ein NSAR anzubieten, abhängig von Herz-Kreislauf-Risikofaktoren und Nebenwirkungen (starke Empfehlung). In der Akutsituation empfiehlt sie als zweite Wahl Opioide wie Hydromorphon, Pentazocin oder Tramadol oder das Narkosemittel Ketamin (schwache Empfehlung) [5]. Welches Mittel infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| NSAR (entzündungshemmende Schmerzmittel) | Diclofenac, Ibuprofen [1, 7, 8] | Mittel aus der Gruppe der nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR): Ibuprofen wirkt entzündungshemmend und schmerzstillend [7], Diclofenac schmerzstillend und fiebersenkend [8] | Diclofenac sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten: Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen und Durchfall sowie geringfügige Blutverluste im Magen-Darm-Trakt [8]. Ibuprofen häufig, also bei bis zu 1 von 10: Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung und geringfügige Blutverluste im Magen-Darm-Trakt [7] |
| Nichtopioid-Analgetika | Metamizol, Paracetamol [1, 9, 11] | Metamizol wirkt schmerzstillend, fiebersenkend und krampflösend [10]; Paracetamol wirkt schmerzstillend und fiebersenkend [11] | Für beide nennen die Packungsbeilagen keine häufigen Nebenwirkungen. Metamizol gelegentlich, also bei bis zu 1 von 100: violetter bis tiefroter, zum Teil blasiger Hautausschlag und Blutdruckabfall [9]. Paracetamol selten, also bei bis zu 1 von 1.000: leichter Anstieg bestimmter Leberenzyme [11] |
| Opioide (bei sehr starken Schmerzen) | Tramadol [5, 12] | Zentral wirksames Schmerzmittel, das an bestimmten Nervenzellen in Rückenmark und Gehirn wirkt [12] | Sehr häufig: Schwindel, Übelkeit. Häufig: Kopfschmerz, Benommenheit, Erbrechen, Verstopfung, Mundtrockenheit, Schwitzen, Erschöpfung [12] |
| Gichtmittel (bei Harnsäuresteinen) | Allopurinol [2, 3, 14] | Hemmt den Abbau von Purinen zu Harnsäure und senkt so den Harnsäurespiegel im Urin [3] | Häufig: erhöhter Wert des schilddrüsenstimulierenden Hormons (TSH) im Blut. Hautreaktionen sind laut Packungsbeilage die häufigsten beobachteten Nebenwirkungen [14] |
Schmerzmittel bei einer Kolik
Rezeptfreie Präparate mit Ibuprofen und Diclofenac sind laut Packungsbeilage zur kurzzeitigen Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen und von Fieber zugelassen, Paracetamol zur Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen und von Fieber [7, 8, 11]. Metamizol ist verschreibungspflichtig und unter anderem bei krampfartigen Leibschmerzen (Koliken) zugelassen [9]. Tramadol ist zur Behandlung mäßig starker bis starker Schmerzen zugelassen [12]. Opioide, besonders Pethidin, gehen laut EAU-Leitlinie häufiger mit Erbrechen einher als NSAR; wird ein Opioid eingesetzt, empfiehlt sie ein anderes als Pethidin [5]. Krampflösende Mittel zusätzlich zu einem NSAR verbessern die Schmerzlinderung laut EAU nicht [5]. Lassen sich die Schmerzen mit Medikamenten nicht lindern, empfiehlt die EAU, die Niere zu entlasten oder den Stein endoskopisch zu entfernen (starke Empfehlung) [5]. Die Angaben der Packungsbeilagen zur Dosis stehen unter Ibuprofen und Metamizol.
Tamsulosin zum Ausscheiden: nicht zugelassen
Medikamente aus der Gruppe der Alphablocker sollen laut IQWiG das Ausscheiden von Harnleitersteinen zwischen 5 und 10 Millimetern erleichtern, indem sie die Muskeln im unteren Bereich der Blase entspannen. Zur Behandlung von Nieren- und Harnleitersteinen sind sie nicht zugelassen; vor allem Tamsulosin wird manchmal außerhalb der Zulassung eingesetzt [1, 2]. Die EAU-Leitlinie empfiehlt, Alphablocker bei Steinen von 5 bis 10 Millimetern im unteren Harnleiter als eine der Behandlungsmöglichkeiten anzubieten (starke Empfehlung), und weist auf die fehlende Zulassung hin [5]. Diese Behandlung sollte danach nur bei aufgeklärten Patientinnen und Patienten erfolgen, wenn keine aktive Entfernung des Steins angezeigt ist, und bei Komplikationen wie Infektion, nicht beherrschbaren Schmerzen oder Verschlechterung der Nierenfunktion beendet werden [5]. Laut Packungsbeilage ist Tamsulosin nur für Männer mit Beschwerden beim Wasserlassen durch eine gutartige Prostatavergrößerung zugelassen und darf bei Frauen nicht angewendet werden [13]. Mehr im Ratgeber Off-Label-Use.
Harnsäuresteine auflösen
Harnsäuresteine sind laut IQWiG die einzigen Steine, die sich manchmal mit Medikamenten auflösen lassen. Dafür kommen Alkalicitrate oder Natriumcarbonat infrage, manchmal auch Allopurinol: Alkalicitrate und Natriumcarbonat heben den pH-Wert des Urins an, Allopurinol senkt den Harnsäurespiegel. Bei einer Harnwegsinfektion ist das nicht möglich, und wie oft es gelingt, ist unklar [2]. Allopurinol ist laut Packungsbeilage bei erhöhten Harnsäurewerten unter anderem zur Auflösung und Verhütung von Harnsäuresteinen zugelassen. Während der Behandlung von Harnsäuresteinen soll die Harnmenge mindestens 2 Liter pro Tag betragen. Bei großen Harnsäuresteinen im Nierenbecken können sich Teile der aufgelösten Steine im Harnleiter festsetzen [14].
Vorbeugung mit Medikamenten
Vorbeugende Medikamente kommen laut IQWiG bei hohem Risiko für weitere Steine infrage, zum Beispiel bei Steinen schon im Kindes- oder Jugendalter, familiärer Veranlagung, bestimmten Erkrankungen der Nieren, Harnwege oder des Magen-Darm-Trakts, einer Überfunktion der Nebenschilddrüse, Steinen durch eine Harnwegsinfektion sowie bei Harnsäure- oder Zystinsteinen. In der Regel werden sie erst erwogen, wenn jemand mindestens zweimal Nierensteine hatte, und dann dauerhaft täglich eingenommen [3]. Welche Mittel infrage kommen, hängt von der Steinart und von Blut- und Urinwerten ab [3]:
- Citrat verbindet sich mit Kalzium im Urin und verhindert so Kalziumkristalle; es wird zur Vorbeugung von Kalzium-, Harnsäure- und Zystinsteinen eingesetzt. Die EAU-Leitlinie empfiehlt, Alkalicitrate unter anderem bei zu wenig Citrat im Urin und bei Harnsäuresteinen zu verordnen (jeweils starke Empfehlung) [6].
- Thiaziddiuretika bewirken, dass weniger Kalzium in den Urin gelangt, und beugen Kalziumsteinen vor. Die EAU-Leitlinie empfiehlt bei zu viel Kalzium im Urin ein Thiazid, Alkalicitrate oder beides (starke Empfehlung) [6]. Hydrochlorothiazid ist laut Fachinformation für Bluthochdruck, Wassereinlagerungen und Herzschwäche zugelassen, nicht zur Vorbeugung von Nierensteinen [15].
- Allopurinol wird vor allem zur Vorbeugung von Harnsäuresteinen eingesetzt [3]. Die EAU-Leitlinie empfiehlt, es bei vermehrter Harnsäure im Urin zu verordnen (starke Empfehlung) [6]; zugelassen ist es laut Packungsbeilage auch zur Verhinderung von Kalziumoxalatsteinen bei gleichzeitig erhöhten Harnsäurewerten [14].
Schwangerschaft
Die EAU-Leitlinie empfiehlt, unkomplizierte Nierensteine in der Schwangerschaft konservativ, also ohne Eingriff, zu behandeln, außer es gibt einen medizinischen Grund für einen Eingriff (starke Empfehlung). Als Bildgebung empfiehlt sie bevorzugt den Ultraschall (starke Empfehlung); die Schwangerschaft ist danach eine absolute Gegenanzeige für eine Stoßwellenbehandlung [5]. Ibuprofen und Diclofenac dürfen laut Packungsbeilage in den letzten 3 Monaten der Schwangerschaft nicht eingenommen werden [7, 8], Metamizol darf in den letzten drei Monaten nicht angewendet werden [9]. Mehr im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.
Nebenwirkungen der Medikamente
NSAR: Unter Diclofenac sind laut Packungsbeilage Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und geringfügige Blutverluste im Magen-Darm-Trakt sehr häufig [8], unter Ibuprofen sind Magen-Darm-Beschwerden häufig [7]. Mehr dazu: Magenbeschwerden. Bei schweren Leber- oder Nierenfunktionsstörungen dürfen beide nicht eingenommen werden, Ibuprofen auch nicht bei schwerem Flüssigkeitsmangel, etwa durch Erbrechen oder Durchfall [7, 8]. Die EAU-Leitlinie weist darauf hin, dass NSAR die Nierenfunktion bei bereits eingeschränkter Filtrationsleistung beeinträchtigen können [5]. Für Diclofenac zur systemischen Anwendung besteht laut Rote-Hand-Brief, den das BfArM am 16.07.2013 veröffentlichte, eine Gegenanzeige bei bestehender Herzschwäche (NYHA-Stadien II bis IV), ischämischer Herzerkrankung, peripherer Arterienerkrankung oder Erkrankungen der Hirngefäße [19]. Laut BfArM-Risikoinformation vom 27.07.2015 empfehlen die EU-Gremien, dass hohe Dosierungen von Ibuprofen bei bestehenden schwerwiegenden Herz- oder Kreislauferkrankungen und nach einem Herzinfarkt oder Schlaganfall vermieden werden sollten [20]. Mehr im Ratgeber Ibuprofen oder Diclofenac.
Metamizol kann sehr selten, also bei bis zu 1 von 10.000 Behandelten, eine starke Verminderung bestimmter weißer Blutkörperchen (Agranulozytose) auslösen [9]. Frühzeichen sind laut Rote-Hand-Brief vom 09.12.2024 Fieber, Schüttelfrost, Halsschmerzen und schmerzhafte Schleimhautveränderungen, vor allem in Mund, Nase und Rachen oder im Genital- oder Analbereich; sie können jederzeit während der Behandlung und auch kurz danach auftreten. Dann muss die Behandlung abgebrochen und sofort eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden [18]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Auf das Risiko eines arzneimittelbedingten Leberschadens weist der Rote-Hand-Brief vom 15.12.2020 hin: Bei Frühzeichen soll die Einnahme beendet und die Leberfunktion ärztlich geprüft werden [22]. Mehr dazu: Leberwerte.
Tramadol kann laut Packungsbeilage bei wiederholter Anwendung zu Gewöhnung, Abhängigkeit, Missbrauch und Sucht führen, was eine lebensbedrohliche Überdosierung zur Folge haben kann [12]. Tamsulosin verursacht häufig Schwindel, besonders beim Aufsetzen oder Aufstehen, und Ejakulationsstörungen; vor einer Augenoperation wegen Grauem Star soll man die Augenärztin oder den Augenarzt über die Einnahme informieren [13]. Mehr dazu: Schwindel.
Allopurinol: Schwere, möglicherweise lebensbedrohliche Hautreaktionen können sich laut Packungsbeilage zunächst als rötliche, schießscheibenartige oder kreisförmige Flecken am Körperstamm zeigen, oft mit grippeähnlichen Beschwerden; das höchste Risiko besteht in den ersten Behandlungswochen. Laut Packungsbeilage beenden Sie dann die Einnahme und suchen sofort eine Ärztin oder einen Arzt auf [14]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Hydrochlorothiazid: Laut Rote-Hand-Brief vom 17.10.2018 zeigten Studien ein erhöhtes Risiko für nicht-melanozytären Hautkrebs (Basalzell- und Plattenepithelkarzinom der Haut) bei steigenden Gesamtdosen; Betroffene sollten ihre Haut regelmäßig auf neue Veränderungen untersuchen, sich Sonnenlicht und UV-Strahlen weniger aussetzen und sich angemessen schützen [16].
Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt, Ihrer Apotheke oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [9]; wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Vorbeugen im Alltag
Um weiteren Nierensteinen vorzubeugen, empfehlen Fachleute laut IQWiG, viel zu trinken, mindestens zwei Liter pro Tag; welche Menge sinnvoll ist, kann man mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen [1, 4]. Die EAU-Leitlinie rät allen Menschen mit Steinen zu einer reichlichen Trinkmenge, vorzugsweise Wasser, sodass in 24 Stunden mehr als 2,5 Liter Urin ausgeschieden werden (starke Empfehlung) [6].
Je nach Ursache kann laut IQWiG eine Anpassung der Ernährung sinnvoll sein, etwa mit weniger Fleisch oder Salz [1]. Ein Verzicht auf oxalathaltige Lebensmittel wie Rhabarber, Petersilie, Walnüsse, Spinat oder Schokolade gilt als hilfreich. Auf kalziumreiche Lebensmittel wie Milch, Käse oder Joghurt zu verzichten, ist laut IQWiG dagegen keine gute Idee, weil eine kalziumarme Kost das Risiko eher erhöht; Kalzium als Nahrungsergänzungsmittel führte in Studien zu mehr Nierensteinen, zumindest bei Frauen in den Wechseljahren [3]. Die EAU-Leitlinie nennt als allgemeine Maßnahmen außerdem eine ausgewogene Kost mit viel Gemüse und Ballaststoffen, ein normales Körpergewicht, ausreichend Bewegung und weniger alkoholhaltige Getränke, Limonaden und kalorienhaltige Getränke [6]. Mehr im Ratgeber Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Unbehandelt können Nierensteine die Harnleiter verengen oder verstopfen; dann steigt das Risiko für Infektionen, und Urin kann sich aufstauen und die Niere belasten. Das ist laut IQWiG aber selten, weil die meisten Steine behandelt werden, bevor es zu Komplikationen kommt [1]. Anzeichen einer Infektion der oberen Harnwege sind laut IQWiG Fieber, Schüttelfrost, Schmerzen an den Seiten und im unteren Rückenbereich sowie Übelkeit oder Erbrechen [1]. Eine gestaute Niere mit Zeichen einer Harnwegsinfektion oder ohne Urinausscheidung ist laut EAU-Leitlinie ein urologischer Notfall. Eine sofortige Untersuchung ist danach angezeigt bei Menschen mit nur einer Niere, mit Fieber oder wenn unklar ist, ob es sich um eine Nierenkolik handelt [5]. Mehr dazu: Nierenbeckenentzündung.
Akute Bauch- oder Rückenschmerzen und akute Harnwegsinfekte sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Fälle für den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, wenn die Praxen geschlossen sind und die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann. Akute und anhaltende stärkste Schmerzzustände, Bewusstlosigkeit oder eine erhebliche Bewusstseinstrübung sind Fälle für den Notruf 112 [21].
Quellen
- Nierensteine und Harnleitersteine. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 22.02.2023. abgerufen am 18.10.2026
- Behandlung von Nieren- und Harnleitersteinen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 22.02.2023. abgerufen am 18.10.2026
- Vorbeugung von Nierensteinen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 22.02.2023. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Nierensteine und Harnleitersteine. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 08.03.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Leitlinie EAU Guidelines on Urolithiasis, Kapitel 3 (Abschnitte 3.3.1, 3.3.3, 3.4.1 bis 3.4.4, 3.4.9 und 3.4.14 mit Empfehlungen und Empfehlungsstärken), Ausgabe 2026 (vollständige Aktualisierung der Fassung 2025). European Association of Urology (EAU). Stand 2026. abgerufen am 18.10.2026
- Leitlinie EAU Guidelines on Urolithiasis, Kapitel 4 Metabolic Evaluation and Recurrence Prevention (Abschnitte 4.2, 4.4, 4.7 und 4.11 mit Empfehlungen und Empfehlungsstärken), Ausgabe 2026. European Association of Urology (EAU). Stand 2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten (apothekenpflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Diclo-ratiopharm bei Schmerzen und Fieber 25 mg Filmtabletten (apothekenpflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Novaminsulfon-ratiopharm 500 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Novaminsulfon-ratiopharm 500 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten (apothekenpflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Tramadol-ratiopharm 100 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Tamsulosin-ratiopharm 0,4 mg Hartkapseln mit veränderter Wirkstofffreisetzung. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Allopurinol-ratiopharm 100 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 02/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation HCT-ratiopharm 25 mg Tabletten (Abschnitt 4.1 Anwendungsgebiete). ratiopharm GmbH. Stand 11/2021. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Hydrochlorothiazid (HCT): Risiko von nichtmelanozytärem Hautkrebs (Basalzellkarzinom, Plattenepithelkarzinom der Haut). Zulassungsinhaber hydrochlorothiazidhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 17.10.2018. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Topiramat-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Metamizolhaltige Arzneimittel, Wichtige Maßnahmen zur Minimierung der schwerwiegenden Folgen des bekannten Risikos für Agranulozytose. Zulassungsinhaber metamizolhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 09.12.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Diclofenac-haltigen Arzneimitteln: Kardiovaskuläre Risiken. Zulassungsinhaber systemisch angewendeter Diclofenac-haltiger Arzneimittel; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte am 16.07.2013. Stand 07/2013. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Ibuprofenhaltige Arzneimittel: Kardiovaskuläre Nebenwirkungen (Bescheid im Stufenplanverfahren vom 22.07.2015). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 27.07.2015. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer", "Fälle für den Bereitschaftsdienst" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Metamizol, Risiko für arzneimittelbedingten Leberschaden. Zulassungsinhaber metamizolhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 15.12.2020. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Was hilft bei einer Nierenkolik?
Schmerzen durch Nieren- oder Harnleitersteine lassen sich laut IQWiG mit Schmerzmitteln wie Diclofenac, Ibuprofen, Paracetamol oder Metamizol lindern; bei sehr starken Schmerzen kommen Opioide infrage. Die EAU-Leitlinie empfiehlt, als Mittel der ersten Wahl ein NSAR anzubieten, abhängig von Herz-Kreislauf-Risikofaktoren und Nebenwirkungen (starke Empfehlung), und in der Akutsituation als zweite Wahl Opioide wie Tramadol (schwache Empfehlung). Krampflösende Mittel zusätzlich zu einem NSAR verbessern die Schmerzlinderung laut EAU nicht. Welches Mittel für Sie infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Wie lange dauert es, bis ein Nierenstein abgeht?
Das ist laut IQWiG sehr unterschiedlich. Kleine Steine werden oft nach 1 bis 2 Wochen mit dem Urin ausgeschieden. Die meisten Steine unter 5 Millimeter gehen von selbst ab, ebenso die Hälfte der Steine zwischen 5 und 10 Millimeter; Steine über 10 Millimeter müssen meist behandelt werden. Wird ein Stein nicht innerhalb von vier Wochen von selbst ausgespült, behandelt man ihn normalerweise.
Hilft Tamsulosin beim Abgang von Nierensteinen?
Alphablocker wie Tamsulosin sollen laut IQWiG das Ausscheiden von Harnleitersteinen zwischen 5 und 10 Millimetern erleichtern. Zugelassen sind sie dafür nicht; Tamsulosin wird laut IQWiG manchmal außerhalb der Zulassung (Off-Label) eingesetzt. Die EAU-Leitlinie empfiehlt, Alphablocker bei Steinen von 5 bis 10 Millimetern im unteren Harnleiter als eine der Behandlungsmöglichkeiten anzubieten (starke Empfehlung). Laut Packungsbeilage ist Tamsulosin nur für Männer mit Beschwerden durch eine gutartige Prostatavergrößerung zugelassen und darf bei Frauen nicht angewendet werden.
Wie viel sollte man trinken, um Nierensteinen vorzubeugen?
Um weiteren Nierensteinen vorzubeugen, empfehlen Fachleute laut IQWiG, viel zu trinken, mindestens zwei Liter pro Tag; welche Trinkmenge sinnvoll ist, kann man mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen. Die EAU-Leitlinie rät zu einer reichlichen Trinkmenge, vorzugsweise Wasser, sodass in 24 Stunden mehr als 2,5 Liter Urin ausgeschieden werden (starke Empfehlung).
Welche Medikamente können Nierensteine verursachen?
Bestimmte Medikamente können laut IQWiG Nierensteine begünstigen, etwa weil sie selbst im Urin Kristalle bilden oder die Zusammensetzung des Urins verändern. Die EAU-Leitlinie nennt unter anderem Allopurinol, Amoxicillin, Ceftriaxon, Triamteren, Acetazolamid, Topiramat, Kalzium und Vitamin D. Unter Topiramat sind Nierensteine laut Packungsbeilage häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Kann man Nierensteine mit Medikamenten auflösen?
Laut IQWiG lassen sich nur Harnsäuresteine manchmal mit Medikamenten auflösen. Dafür kommen Alkalicitrate oder Natriumcarbonat infrage, die den pH-Wert des Urins anheben, manchmal auch Allopurinol, das den Harnsäurespiegel senkt. Bei einer Harnwegsinfektion ist eine medikamentöse Behandlung von Harnsäuresteinen nicht möglich, und wie oft die Auflösung gelingt, ist unklar. Allopurinol ist laut Packungsbeilage unter anderem zur Auflösung und Verhütung von Harnsäuresteinen zugelassen.
Was gilt bei Nierensteinen in der Schwangerschaft?
Die EAU-Leitlinie empfiehlt, unkomplizierte Nierensteine in der Schwangerschaft konservativ, also ohne Eingriff, zu behandeln, außer es gibt einen medizinischen Grund für einen Eingriff (starke Empfehlung). Die Schwangerschaft ist danach eine absolute Gegenanzeige für eine Stoßwellenbehandlung. Ibuprofen und Diclofenac dürfen laut Packungsbeilage in den letzten 3 Monaten der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, Metamizol darf in den letzten drei Monaten nicht angewendet werden. Sprechen Sie vor jedem Medikament mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
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