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Nierenbeckenentzündung
Eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) ist eine meist von Bakterien ausgelöste Entzündung des Nierenbeckens; typisch sind Schmerzen in der Nierengegend, Fieber und ein deutliches Krankheitsgefühl. Laut S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen, wie sie der Medikationskatalog der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) wiedergibt, soll bei einer akuten unkomplizierten Nierenbeckenentzündung so früh wie möglich ein wirksames Antibiotikum eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A); bei nicht schwangeren Frauen vor den Wechseljahren ohne sonstige relevante Begleiterkrankungen mit leichtem bis mittelschwerem Verlauf soll es eines der Mittel Cefpodoxim, Ciprofloxacin oder Levofloxacin zum Einnehmen sein (alphabetisch, Empfehlungsgrad A), und für Frauen nach den Wechseljahren wird dasselbe Vorgehen empfohlen. Kommen zu einer Blasenentzündung Schmerzen in der Nierengegend, Fieber, Übelkeit und Erbrechen hinzu, sollten Sie laut IQWiG rasch eine Arztpraxis oder eine Klinik aufsuchen.

Eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) ist eine Entzündung des Nierenbeckens, die meist von Bakterien ausgelöst wird [4]. Häufig geht ihr eine Blasenentzündung voraus oder besteht gleichzeitig [4, 6]. Sie kann gefährlich sein und sollte rasch behandelt werden, um Folgeschäden zu vermeiden [3]. Laut S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen, wie sie der Medikationskatalog der KBV wiedergibt, soll bei einer akuten unkomplizierten Nierenbeckenentzündung so früh wie möglich ein wirksames Antibiotikum eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A) [2].
Was ist eine Nierenbeckenentzündung?
Auslöser sind laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) meist Bakterien, die über die Harnröhre und die Harnblase durch den Harnleiter bis ins Nierenbecken gelangt sind [4]. Häufig breitet sich die Entzündung im umgebenden Nierengewebe aus; nur selten geht die Infektion vom Blut aus auf die Nieren über, und sie kann eine oder beide Nieren betreffen [6]. Laut IQWiG und gesund.bund.de ist eine Nierenbeckenentzündung sehr selten [3, 5].
Die Anwenderversion der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) zur S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen, Stand August 2025, nimmt eine Infektion der oberen Harnwege (Pyelonephritis) an, wenn neben den akuten Beschwerden zum Beispiel ein Flankenschmerz, ein klopfschmerzhaftes Nierenlager und/oder Fieber über 38 °C bestehen [1]. Als unkompliziert gilt eine Harnwegsinfektion, wenn keine relevanten funktionellen oder anatomischen Besonderheiten im Harntrakt, keine relevanten Störungen der Nierenfunktion und keine relevanten Begleiterkrankungen vorliegen, die eine Infektion oder gravierende Komplikationen begünstigen [1, 2]. Ob man eine Nierenbeckenentzündung überhaupt als unkompliziert einordnen kann, wird laut DEGAM kritisch diskutiert: Im hausärztlichen Bereich stellt sie auch den abwendbar gefährlichen Verlauf einer Harnwegsinfektion dar, und das Risiko für einen schweren Verlauf mit Krankenhausbehandlung ist erhöht [1].
Akut und chronisch: Ist eine akute Nierenbeckenentzündung nicht vollständig ausgeheilt, kann sie laut IQWiG in eine chronische Nierenbeckenentzündung übergehen, bei der möglicherweise Nierengewebe unwiderruflich geschädigt wird [4]. Bei einem chronischen Verlauf können die Beschwerden eher untypisch, schwächer oder schleichend sein [6]. Mehr dazu: Niereninsuffizienz.
Symptome
Die Beschwerden einer akuten Nierenbeckenentzündung kommen laut österreichischem Gesundheitsportal meist sehr plötzlich. Typisch sind [6]:
- ein deutliches Krankheitsgefühl und Fieber über 38 °C,
- Schmerzen im unteren seitlichen Rücken unter den Rippen und über der Hüfte (Flankenschmerzen), typisch auch Schmerzen beim Abklopfen der Nierengegend,
- Übelkeit, Erbrechen und Schüttelfrost.
Häufig bestehen zugleich Beschwerden einer Blasenentzündung, etwa Schmerzen oder Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang, blutiger oder trüber Harn und Schmerzen im Unterbauch [6]. Auch das IQWiG nennt Schmerzen in der Nierengegend, hohes Fieber, allgemeine Schwäche und Veränderungen des Urins [4].
Kinder: Eine Nierenbeckenentzündung oder eine von den Harnwegen ausgehende Blutvergiftung (Urosepsis) zeigt sich laut DEGAM bei Neugeborenen durch Trinkschwäche, eine grau-blasse Haut, Gelbsucht und Berührungsempfindlichkeit, Fieber muss dabei nicht auftreten. Säuglinge fallen oft nur durch hohes Fieber auf. Kinder mit einer fieberhaften Harnwegsinfektion geben oft lediglich Bauchschmerzen an, ältere Kinder zeigen die Beschwerden bereits im Flankenbereich [1].
Männer und ältere Menschen: Bei Männern ist Fieber laut DEGAM häufig ein Hinweis auf eine begleitende Entzündung der Prostata oder des Nierenbeckens. Bei geriatrischen Patientinnen und Patienten, laut DEGAM Menschen über 80 Jahre oder über 70 Jahre mit mehr als zwei Systemerkrankungen, erhöhen Schmerzen beim Wasserlassen, ein verändertes Aussehen des Urins und psychische Auffälligkeiten die Wahrscheinlichkeit einer Harnwegsinfektion [1].
Ursachen und Risikofaktoren
Der häufigste Erreger ist das Darmbakterium Escherichia coli (E. coli) [6]. Bei Harnwegsinfektionen erwachsener Frauen in deutschen Hausarztpraxen ist es laut DEGAM mit 75 Prozent der häufigste Erreger; bei Männern wurde E. coli danach in 38 Prozent nachgewiesen, was die Bedeutung einer Urinkultur bei Männern unterstreicht [1]. Eine Nierenbeckenentzündung begünstigen laut österreichischem Gesundheitsportal [6]:
- das weibliche Geschlecht, weil die kürzere Harnröhre das Aufsteigen von Erregern erleichtert, und Geschlechtsverkehr,
- eine Schwangerschaft, weil das Hormon Progesteron die Harnleiter weit stellt,
- ein behinderter Harnabfluss, etwa durch Nieren- oder Harnsteine, eine vergrößerte Prostata oder angeborene Fehlbildungen,
- Diabetes mellitus, ein dauerhafter Blasenkatheter und Störungen der Blasenentleerung, etwa bei Multipler Sklerose oder Querschnittslähmung,
- eine Blasen- oder Nierenbeckenentzündung in den vergangenen zwölf Monaten.
Medikamente: Unter Dapagliflozin aus der Gruppe der SGLT2-Hemmer sind Harnwegsinfektionen laut Packungsbeilage häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten [24]. Bei Anzeichen einer schweren Harnwegsinfektion, also Fieber und/oder Schüttelfrost, einem brennenden Gefühl beim Wasserlassen und Schmerzen im Rücken oder an der Seite, fordert die Packungsbeilage, Forxiga abzusetzen und sich schnellstmöglich an eine Ärztin oder einen Arzt zu wenden [24]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Weil die Zuckerausscheidung mit dem Harn möglicherweise mit einem erhöhten Risiko für Harnwegsinfektionen verbunden ist, sollte laut Fachinformation während der Behandlung einer Nierenbeckenentzündung ein zeitweiliges Absetzen in Betracht gezogen werden; das entscheidet die Ärztin oder der Arzt [24]. Mehr dazu: Blasenprobleme durch Medikamente.
Diagnose
Im Gespräch ist laut österreichischem Gesundheitsportal wichtig, ob gerade eine Blasenentzündung besteht oder kürzlich bestand. Nach der körperlichen Untersuchung folgt eine Harnuntersuchung einschließlich einer Harnkultur, mit der sich der Erreger bestimmen lässt; eventuell kommen eine Blutuntersuchung oder ein Ultraschall von Harnwegen und Nieren hinzu [6]. Eine Harnkultur ermöglicht laut DEGAM auch die Bestimmung der Resistenzen [1].
Männer: Bei Männern mit Harnwegsinfektion sollen laut DEGAM neben dem Teststreifen eine Urinkultur vor der antibiotischen Behandlung und eine körperliche Untersuchung erfolgen (Expertenkonsens) [1].
Kinder: Eine Urinuntersuchung soll laut DEGAM bei jedem unklaren Fieber bei Säuglingen und jungen Kleinkindern erfolgen und in jedem Alter bei Beschwerden, die für eine Harnwegsinfektion sprechen (Empfehlung der S2k-Leitlinie). Bei begründetem Verdacht sollte vor Beginn der Behandlung eine Urinkultur angelegt werden, bei ausgeprägtem Krankheitsbild, Verdacht auf eine Blutvergiftung und im frühen Säuglingsalter auch eine Blutkultur. Bei der ersten fieberhaften Harnwegsinfektion im Säuglings- und Kleinkindalter soll ein Ultraschall von Nieren und Harnwegen erfolgen (Empfehlung der S2k-Leitlinie) [1].
Behandlung ohne Medikamente und Vorbeugung
Bei einer akuten unkomplizierten Nierenbeckenentzündung soll laut S3-Leitlinie so früh wie möglich ein wirksames Antibiotikum eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A) [2]. Für Männer gibt es laut DEGAM keine Belege für eine Behandlung von Harnwegsinfektionen ohne Antibiotikum [1]. Ist der Harnabfluss behindert, etwa durch eine vergrößerte Prostata oder Nierensteine, kann eine Operation notwendig sein [6].
Vorbeugung: Um einer Nierenbeckenentzündung vorzubeugen, sollten laut österreichischem Gesundheitsportal Blasenentzündungen vermieden beziehungsweise ausreichend behandelt und Störungen des Harnabflusses wie Harnsteine unbedingt behandelt werden. Als vorbeugende Maßnahmen nennt das Portal ausreichendes Trinken, das regelmäßige und vollständige Entleeren der Blase und das Entleeren der Blase nach dem Geschlechtsverkehr [6]. Wird eine Blasenentzündung ohne Antibiotikum behandelt, ist das Risiko einer Nierenbeckenentzündung laut DEGAM erhöht; auch unter einem Antibiotikum kann sie sich entwickeln [1]. Was bei wiederkehrenden Blasenentzündungen helfen kann, steht auf der Seite Blasenentzündung.
Behandlung mit Medikamenten

Die Empfehlungen der S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen der Deutschen Gesellschaft für Urologie (Aktualisierung 2024) gibt der Medikationskatalog der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) zur Antibiotikatherapie bei Infektionen der Harnwege wieder (Stand 01.01.2026, veröffentlicht von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt). Danach soll bei einer akuten unkomplizierten Nierenbeckenentzündung eine wirksame Antibiotikatherapie so früh wie möglich zum Einsatz kommen (Empfehlungsgrad A, Evidenzgrad Ia). Für nicht schwangere Frauen vor den Wechseljahren ohne sonstige relevante Begleiterkrankungen, die Standardgruppe der Leitlinie, gilt außerdem [2]:
- Leichte und mittelschwere Verläufe sollen mit Antibiotika zum Einnehmen behandelt werden. Bei schweren Infektionen mit Begleiterscheinungen im ganzen Körper wie Übelkeit, Erbrechen oder Kreislaufinstabilität soll die Behandlung mit hohen Dosen von Antibiotika beginnen, die gespritzt oder als Infusion gegeben werden (Empfehlungsgrad A, Evidenzgrad Ia).
- Bei leichtem bis mittelschwerem Verlauf soll eines der folgenden Antibiotika zum Einnehmen eingesetzt werden, in alphabetischer Reihenfolge: Cefpodoxim (Evidenzgrad Ib), Ciprofloxacin oder Levofloxacin (jeweils Evidenzgrad Ia-) (Empfehlungsgrad A).
- Bei der Auswahl sollen Erregerbeseitigung, Empfindlichkeit der Erreger, Kollateralschäden und Besonderheiten der Nebenwirkungen berücksichtigt werden, außerdem die Besserung der Beschwerden, Rückfälle und das persönliche Risiko (Expertenkonsens).
Für Frauen nach den Wechseljahren empfiehlt die Leitlinie laut KBV das gleiche Vorgehen [2]. Für jüngere Männer ohne sonstige relevante Begleiterkrankungen können für die Behandlung zum Einnehmen bei milder und mittelschwerer akuter unkomplizierter Nierenbeckenentzündung in erster Linie Fluorchinolone empfohlen werden, falls die örtliche Resistenzrate von E. coli noch unter 10 Prozent liegt (Expertenkonsens) [1, 2]. Bei einer schweren Nierenbeckenentzündung sollte bei Männern laut DEGAM eine stationäre Behandlung erfolgen; Harnwegsinfektionen bei Männern erfordern danach eine längere Behandlung als bei Frauen [1]. Die Angaben der Packungsbeilagen zur Dosierung stehen auf den Wirkstoffseiten unter Cefpodoxim, Ciprofloxacin und Levofloxacin.
| Wirkstoffgruppe | Beispiel | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Cephalosporine zum Einnehmen | Cefpodoxim | Hemmt den Aufbau der Bakterienzellwand in der Wachstumsphase, indem es Penicillin-bindende Proteine blockiert; daraus ergibt sich eine abtötende (bakterizide) Wirkung [8] | Häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten: Vermehrung von Hefepilzen (Candida) mit Entzündungen von Mund- und Scheidenschleimhaut, besonders bei längerem Gebrauch; Magendrücken, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen oder Durchfall; Appetitlosigkeit [7] |
| Fluorchinolone (Antibiotika) | Ciprofloxacin | Hemmt die Enzyme DNS-Gyrase (Topoisomerase II) und Topoisomerase IV, die Bakterien zum Vervielfältigen, Ablesen, Neukombinieren und Reparieren ihres Erbguts brauchen; wirkt bakterizid [10] | Häufig: Übelkeit, Durchfall; bei Kindern Gelenkschmerzen und Gelenkentzündung [9] |
| Fluorchinolone (Antibiotika) | Levofloxacin | Wirkt auf den Komplex aus Erbgut (DNS) und DNS-Gyrase sowie auf die Topoisomerase IV der Bakterien [12] | Häufig: Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Anstieg mancher Leberwerte [11] |
| Aminopenicillin mit Betalaktamase-Hemmer (Penicilline), bei Kindern | Amoxicillin/Clavulansäure | Amoxicillin hemmt Enzyme für den Aufbau der Bakterienzellwand; Clavulansäure hemmt einige Betalaktamasen, die Amoxicillin sonst abbauen würden [14] | Sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten: Durchfall bei Erwachsenen; häufig: Pilzinfektion (Candida) an Scheide, Mund oder Hautfalten, Übelkeit (vor allem bei hohen Dosen), Erbrechen, Durchfall bei Kindern [13] |
Anwendungsgebiete: Cefpodoxim ist laut Packungsbeilage für akute unkomplizierte Infektionen der oberen Harnwege (Nierenbeckenentzündung) bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 12 Jahren zugelassen; für Kinder unter 12 Jahren und Säuglinge gibt es flüssige Darreichungsformen [7, 8]. Ciprofloxacin ist laut Fachinformation unter anderem für die akute Pyelonephritis angezeigt [10], Levofloxacin bei Erwachsenen für die akute Pyelonephritis und komplizierte Harnwegsinfektionen [12]. Amoxicillin/Clavulansäure ist laut Fachinformation bei Erwachsenen und Kindern unter anderem bei Pyelonephritis angezeigt [14]; die Filmtabletten, auf denen die Angaben in der Tabelle beruhen, sind laut Packungsbeilage für Kinder unter 25 kg Körpergewicht nicht geeignet, Kinder bis 6 Jahre sollten vorzugsweise eine Suspension erhalten [13].
Nicht für die erste Behandlung: Weil die Resistenz der Erreger gegen Cotrimoxazol in Deutschland bereits hoch ist, wird laut S3-Leitlinie empfohlen, Cotrimoxazol nicht mehr zur ungezielten (empirischen) Behandlung der Nierenbeckenentzündung einzusetzen. Als Fortsetzung zum Einnehmen nach einer Behandlung per Infusion kann es danach erwogen werden, wenn die Erreger als empfindlich getestet wurden [2]. Für die Behandlung einer Nierenbeckenentzündung ist die einmalige Einnahme von Fosfomycin-Trometamol laut Leitlinie wegen fehlender Studiendaten nicht angezeigt [2]. Mehr dazu: Cotrimoxazol.
Gegen Fieber und Schmerzen kann die Ärztin oder der Arzt laut österreichischem Gesundheitsportal Mittel mit Paracetamol oder Ibuprofen verschreiben [6]; Gegenanzeigen und Nebenwirkungen stehen auf den Wirkstoffseiten.
Kinder
Für Neugeborene und junge Säuglinge mit Nierenbeckenentzündung empfiehlt die DEGAM-Anwenderversion eine stationäre Behandlung mit Antibiotika, die gespritzt oder als Infusion gegeben werden. Jenseits des frühen Säuglingsalters kann die erste Behandlung einer unkomplizierten Nierenbeckenentzündung mit einem Cephalosporin zum Einnehmen aus der Gruppe 3 oder mit Amoxicillin/Clavulansäure erfolgen [1]. Zu den Cephalosporinen der Gruppe 3 zählt die KBV unter anderem Cefpodoxim [2]. Eine frühzeitige Behandlung mit Antibiotika ist laut DEGAM die wirksamste Maßnahme gegen bleibende Schäden am Nierengewebe [1]. Mehr im Ratgeber Medikamente bei Kindern.
Schwangerschaft und Stillzeit
Bakterielle Infektionen müssen laut Embryotox (Charité Universitätsmedizin Berlin) auch in der Schwangerschaft adäquat und konsequent mit Antibiotika behandelt werden. Penicilline und Cephalosporine sind danach für die Schwangerschaft am besten untersucht [15]. Eine Schwangerschaft begünstigt laut österreichischem Gesundheitsportal einen komplizierten Verlauf; häufig ist zu Beginn der Behandlung ein Krankenhausaufenthalt erforderlich [6].
Cefpodoxim stuft Embryotox als Medikament der Wahl ein, mit dem Zusatz, dass dennoch eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung nötig ist; bei entsprechendem Keimspektrum kann es in allen Phasen der Schwangerschaft eingesetzt werden [16]. Laut Packungsbeilage sollte es besonders in den ersten 3 Monaten der Schwangerschaft nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiko angewendet werden [7].
Ciprofloxacin ist laut Embryotox ein Antibiotikum der 2. Wahl in der Schwangerschaft, Levofloxacin ein Reservemittel; beide sollten danach nur nach Prüfung besser geeigneter Alternativen eingesetzt werden. Als solche nennt Embryotox Penicilline, Cephalosporine und gegebenenfalls Makrolide [17, 18]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut Packungsbeilage sollte die Einnahme von Ciprofloxacin in der Schwangerschaft vorzugsweise vermieden werden, in der Stillzeit dürfen Sie es nicht einnehmen [9]. Levofloxacin dürfen Sie laut Packungsbeilage nicht einnehmen, wenn Sie schwanger sind, schwanger werden könnten oder stillen [11]. Mehr dazu: Medikamente in der Schwangerschaft.
Nebenwirkungen der Medikamente
Fluorchinolone: Laut Rote-Hand-Brief vom 8. April 2019 wurden unter Chinolon- und Fluorchinolon-Antibiotika die Lebensqualität beeinträchtigende, lang anhaltende und möglicherweise bleibende Nebenwirkungen berichtet, vor allem an Bewegungsapparat und Nervensystem. Der Rote-Hand-Brief fordert Ärztinnen und Ärzte auf, Betroffenen zu empfehlen, die Behandlung bei ersten Anzeichen einer schwerwiegenden Nebenwirkung wie Sehnenentzündung, Muskel- oder Gelenkschmerzen, Muskelschwäche oder Nervenschäden zu beenden und sich ärztlich beraten zu lassen [19]. Bei älteren Menschen, eingeschränkter Nierenfunktion, nach einer Organtransplantation und bei gleichzeitiger Behandlung mit Kortikosteroiden ist laut Rote-Hand-Brief besondere Vorsicht geboten, weil bei ihnen das Risiko für Sehnenentzündungen und Sehnenrisse erhöht sein kann [19]. Der Rote-Hand-Brief vom 7. Juni 2023 erinnert daran, Fluorchinolone nur für die zugelassenen Anwendungsgebiete und nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung zu verschreiben [22]. Mehr dazu: Sehnenschäden durch Medikamente und Nervenschäden (Polyneuropathie).
Aorta und Herzklappen: Fluorchinolone können laut Rote-Hand-Brief vom 26. Oktober 2018 das Risiko für eine Ausweitung oder einen Einriss der Hauptschlagader (Aortenaneurysma, Aortendissektion) erhöhen, insbesondere bei älteren Personen [20], und laut Rote-Hand-Brief vom 29. Oktober 2020 das Risiko für undichte Herzklappen [21]. Bei plötzlichen starken Schmerzen im Bauch, im Brustbereich oder im Rücken begeben Sie sich laut Packungsbeilage von Ciprofloxacin sofort in eine Notaufnahme [9]. Bei akuter Atemnot, neu auftretendem Herzklopfen oder Schwellungen am Bauch oder an den Beinen rät der Rote-Hand-Brief, unverzüglich ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen [21].
Weitere Hinweise: Unter Ciprofloxacin reagiert die Haut empfindlicher auf Sonnen- und UV-Licht. Mit Milchprodukten oder calciumhaltigen Getränken, die getrennt von den Mahlzeiten eingenommen werden, sollte Ciprofloxacin laut Packungsbeilage nicht gleichzeitig eingenommen werden, sondern 1 bis 2 Stunden vorher oder frühestens 4 Stunden danach [9]. Bei Cefpodoxim können laut Packungsbeilage Erbrechen und Durchfall die Wirkung der "Pille" beeinträchtigen [7]. Mehr dazu: Pille und Antibiotika und Medikamente mit Milch.
Durchfall: Bei starkem oder anhaltendem Durchfall oder Blut oder Schleim im Stuhl, auch nach dem Ende der Behandlung, beenden Sie laut Packungsbeilage von Ciprofloxacin die Einnahme und wenden sich sofort an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, da dies lebensbedrohlich sein kann. Nehmen Sie dann keine Arzneimittel, die die Darmbewegung anhalten oder verlangsamen [9]. Mehr dazu: Durchfall durch Medikamente.
Allergische Reaktionen: Bei einer schweren allergischen Reaktion auf Penicilline oder andere Betalaktam-Antibiotika in der Vorgeschichte darf Cefpodoxim laut Packungsbeilage nicht eingenommen werden [7]. Mehr dazu: Arzneimittelallergie und Anaphylaxie.
Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt, Ihrer Apotheke oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [9]; wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Nach der Behandlung
Wird eine Nierenbeckenentzündung nicht ausreichend behandelt, kann sie laut österreichischem Gesundheitsportal chronisch werden. Weil die Beschwerden dann eher untypisch sind, wird eine chronische Nierenbeckenentzündung teilweise nicht oder nur sehr spät erkannt; die Nierenleistung kann allmählich abnehmen, im schlimmsten Fall bis zum kompletten Nierenversagen. Als weitere mögliche Schäden nennt das Portal unter anderem eine Schrumpfniere durch Vernarbung, Bluthochdruck und Nierensteine [6]. Wiederkehrendes Fieber unklarer Herkunft kann bei Kindern ein Zeichen einer chronischen Nierenbeckenentzündung sein [6]. Ob nach einer Nierenbeckenentzündung bei einem Kind ein Rückfluss von Harn aus der Blase Richtung Niere (vesikorenaler Reflux) abgeklärt werden sollte, hängt laut DEGAM unter anderem vom Alter, von der Schwere und Zahl der Infektionen und vom Ultraschallbefund ab [1]. In der Schwangerschaft kann nach der Behandlung laut österreichischem Gesundheitsportal eine weitere Harnkultur zur Kontrolle nötig sein [6].
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Kommen zu einer Blasenentzündung Schmerzen in der Nierengegend (Flankenschmerzen), Fieber, Übelkeit und Erbrechen hinzu, sollte laut IQWiG und gesund.bund.de rasch eine Arztpraxis oder eine Klinik aufgesucht werden [3, 5]. Auch bei einer leichten Nierenbeckenentzündung, die sich unter der Behandlung nicht bessert, kann die Ärztin oder der Arzt laut österreichischem Gesundheitsportal eine Behandlung im Krankenhaus vorschlagen; Hinweise auf eine schwere Nierenbeckenentzündung oder eine Verschlechterung sind hohes Fieber, Übelkeit oder Brechreiz [6].
Blutvergiftung (Urosepsis): Gehen die Erreger in die Blutbahn über, kann es zu einer von Nieren und Harnwegen ausgehenden Blutvergiftung kommen. Sie ist ein lebensbedrohlicher Notfall; wiederholte Schüttelfrostanfälle können ein Hinweis darauf sein. Besonders gefährdet sind ältere Menschen, Menschen mit Diabetes und mit Harnabflussstörungen [6]. Junge Säuglinge haben laut DEGAM bei einer Harnwegsinfektion ein erhöhtes Risiko für eine Urosepsis; bei geriatrischen Patientinnen und Patienten können nicht erkannte Harnwegsinfektionen zu einer Urosepsis führen [1].
Außerhalb der Sprechzeiten versorgt laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 auch akute Harnwegsinfekte, wenn die Behandlung aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten kann. In lebensbedrohlichen Fällen, etwa bei Bewusstlosigkeit oder erheblicher Bewusstseinstrübung, alarmieren Sie den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 [23].
Quellen
- Leitlinie DEGAM-Anwenderversion Harnwegsinfektionen als Addendum zur S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen (AWMF-Register-Nr. 043-044) und zur S2k-Leitlinie Harnwegsinfektionen im Kindesalter (AWMF-Register-Nr. 166-004). Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Stand Stand 8/2025, Revision geplant 8/2029. abgerufen am 18.10.2026
- KBV-Medikationskatalog Antibiotikatherapie bei Infektionen der Harnwege, Version 1.0 (Abschnitt 4.1.2.1 S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Urologie, Aktualisierung 2024; Abschnitt 4.8.1 WirkstoffAktuell). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), Dezernat ärztliche und veranlasste Leistungen; veröffentlicht von der Kassenärztlichen Vereinigung Sachsen-Anhalt. Stand Stand 01.01.2026. abgerufen am 18.10.2026
- Akute Blasenentzündung (Abschnitt Symptome). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.02.2023. abgerufen am 18.10.2026
- Glossar: Pyelonephritis. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Blasenentzündung (Zystitis): Behandlung. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 27.08.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Nierenbeckenentzündung (Österreich). Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs (gesundheit.gv.at), Redaktion Gesundheitsportal mit Expertenprüfung. Stand 20.06.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Cefpodoxim-ratiopharm 200 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Cefpodoxim-ratiopharm 100 mg/200 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ciprofloxacin-ratiopharm 500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Ciprofloxacin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Levofloxacin-ratiopharm 500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Levofloxacin-ratiopharm 500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Amoxicillin-ratiopharm comp. 875 mg/125 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Amoxicillin-ratiopharm comp. 875 mg/125 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Infektionen, bakterielle (Erkrankungen). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Cefpodoxim. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Ciprofloxacin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 18.10.2026
- Embryotox Embryotox: Levofloxacin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu systemisch und inhalativ angewendeten Chinolon- und Fluorchinolon-Antibiotika: Risiko von die Lebensqualität beeinträchtigenden, lang anhaltenden und möglicherweise irreversiblen Nebenwirkungen; Anwendungsbeschränkungen. Zulassungsinhaber von Fluorchinolon-Antibiotika in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 08.04.2019. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Systemisch und inhalativ angewendete Fluorchinolone, Risiko für Aortenaneurysmen und -dissektionen. Zulassungsinhaber von Fluorchinolonen in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ). Stand 26.10.2018. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Systemisch und inhalativ angewendete Fluorchinolone, Risiko einer Herzklappenregurgitation/-insuffizienz. Zulassungsinhaber von Fluorchinolon-Antibiotika in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ). Stand 29.10.2020. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu systemisch und inhalativ angewendeten fluorchinolonhaltigen Antibiotika: Erinnerung an die Anwendungsbeschränkungen. Zulassungsinhaber fluorchinolonhaltiger Antibiotika in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 07.06.2023. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer", "Fälle für den Bereitschaftsdienst" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Forxiga (Dapagliflozin), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. AstraZeneca AB (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 03/2026 (EMA, aktualisiert am 12.03.2026). abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Woran erkenne ich eine Nierenbeckenentzündung?
Typisch sind laut österreichischem Gesundheitsportal ein deutliches Krankheitsgefühl, Fieber über 38 °C, Schmerzen im unteren seitlichen Rücken (Flankenschmerzen), Übelkeit, Erbrechen und Schüttelfrost; die Beschwerden kommen meist sehr plötzlich. Häufig bestehen zugleich Beschwerden einer Blasenentzündung wie Brennen beim Wasserlassen und häufiger Harndrang. Kommen zu einer Blasenentzündung Schmerzen in der Nierengegend, Fieber, Übelkeit und Erbrechen hinzu, sollten Sie laut IQWiG rasch eine Arztpraxis oder eine Klinik aufsuchen.
Welches Antibiotikum hilft bei einer Nierenbeckenentzündung?
Laut S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen, wie sie der Medikationskatalog der KBV wiedergibt, soll bei nicht schwangeren Frauen vor den Wechseljahren ohne sonstige relevante Begleiterkrankungen mit einer akuten unkomplizierten Nierenbeckenentzündung und leichtem bis mittelschwerem Verlauf eines dieser Antibiotika zum Einnehmen eingesetzt werden: Cefpodoxim, Ciprofloxacin oder Levofloxacin (alphabetisch, Empfehlungsgrad A); für Frauen nach den Wechseljahren wird dasselbe Vorgehen empfohlen. Für jüngere Männer ohne sonstige relevante Begleiterkrankungen mit mildem oder mittelschwerem Verlauf können zum Einnehmen in erster Linie Fluorchinolone empfohlen werden, falls die örtliche Resistenzrate von E. coli noch unter 10 Prozent liegt (Expertenkonsens). Bei der Auswahl sollen unter anderem die Empfindlichkeit der Erreger, Kollateralschäden, Nebenwirkungen und das persönliche Risiko berücksichtigt werden (Expertenkonsens). Welches Mittel für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Geht eine Nierenbeckenentzündung ohne Antibiotika weg?
Laut S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen (nach dem Medikationskatalog der KBV) soll bei einer akuten unkomplizierten Nierenbeckenentzündung so früh wie möglich ein wirksames Antibiotikum eingesetzt werden (Empfehlungsgrad A). Für Männer gibt es laut DEGAM keine Belege für eine Behandlung von Harnwegsinfektionen ohne Antibiotikum. Laut IQWiG kann eine Nierenbeckenentzündung gefährlich sein und sollte rasch behandelt werden, um Folgeschäden zu vermeiden. Ist eine akute Nierenbeckenentzündung nicht vollständig ausgeheilt, kann sie laut IQWiG in eine chronische Nierenbeckenentzündung übergehen, bei der möglicherweise Nierengewebe unwiderruflich geschädigt wird.
Muss ich mit einer Nierenbeckenentzündung ins Krankenhaus?
Nicht immer. Bei Frauen vor den Wechseljahren ohne sonstige Begleiterkrankungen sollen leichte und mittelschwere Verläufe laut S3-Leitlinie (nach dem Medikationskatalog der KBV) mit Antibiotika zum Einnehmen behandelt werden; bei schweren Infektionen mit Übelkeit, Erbrechen oder Kreislaufinstabilität soll die Behandlung mit hoch dosierten Antibiotika als Infusion oder Spritze beginnen (Empfehlungsgrad A). Diese Behandlung erfolgt laut KBV in der Regel im Krankenhaus. Für Neugeborene und junge Säuglinge empfiehlt die DEGAM-Anwenderversion eine stationäre Behandlung, bei Männern mit schwerer Nierenbeckenentzündung sollte sie danach ebenfalls stationär erfolgen. In der Schwangerschaft ist laut österreichischem Gesundheitsportal häufig zu Beginn der Behandlung ein Krankenhausaufenthalt erforderlich, und auch bei einer leichten Nierenbeckenentzündung, die sich unter der Behandlung nicht bessert, kann die Ärztin oder der Arzt eine Behandlung im Krankenhaus vorschlagen.
Was hilft bei einer Nierenbeckenentzündung in der Schwangerschaft?
Sprechen Sie sofort mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt: Bakterielle Infektionen müssen laut Embryotox auch in der Schwangerschaft adäquat und konsequent mit Antibiotika behandelt werden; Penicilline und Cephalosporine sind danach am besten untersucht. Cefpodoxim kann laut Embryotox bei entsprechendem Keimspektrum in allen Phasen der Schwangerschaft eingesetzt werden. Ciprofloxacin ist laut Embryotox ein Antibiotikum der 2. Wahl, Levofloxacin ein Reservemittel in der Schwangerschaft; als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox Penicilline, Cephalosporine und gegebenenfalls Makrolide. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut Packungsbeilage sollte die Einnahme von Ciprofloxacin in der Schwangerschaft vorzugsweise vermieden werden; Levofloxacin dürfen Sie in der Schwangerschaft nicht einnehmen.
Warum gelten für Ciprofloxacin und Levofloxacin besondere Warnungen?
Fluorchinolone können laut Rote-Hand-Brief vom 8. April 2019 lang anhaltende, die Lebensqualität beeinträchtigende und möglicherweise bleibende Nebenwirkungen vor allem an Bewegungsapparat und Nervensystem haben. Weitere Rote-Hand-Briefe betreffen ein erhöhtes Risiko für Aortenaneurysmen und -dissektionen (26. Oktober 2018) und für undichte Herzklappen (29. Oktober 2020). Bei ersten Anzeichen von Schmerz oder Entzündung einer Sehne und bei Schmerzen, Brennen, Kribbeln, Taubheitsgefühl oder Schwäche, vor allem in Füßen und Beinen oder Händen und Armen, fordert die Packungsbeilage von Ciprofloxacin, die Anwendung zu beenden und sich an die Ärztin oder den Arzt zu wenden. Bei plötzlichen starken Schmerzen im Bauch, im Brustbereich oder im Rücken sollen Sie sich danach sofort in eine Notaufnahme begeben.
Kann aus einer Blasenentzündung eine Nierenbeckenentzündung werden?
Ja. Steigen Bakterien über die Harnleiter weiter bis in die Nieren auf, kann es laut IQWiG zu einer Nierenbeckenentzündung kommen. Laut DEGAM-Anwenderversion kann sie sich auch unter einer antibiotischen Behandlung einer Blasenentzündung entwickeln, und ohne Antibiotikum ist das Risiko dafür erhöht. Achten Sie deshalb bei einer Blasenentzündung auf Fieber, Flankenschmerzen, Übelkeit und Erbrechen. Mehr dazu: Blasenentzündung.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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