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Blasenentzündung

Eine Blasenentzündung (Zystitis) ist eine Entzündung der Harnblase, die normalerweise von Bakterien ausgelöst wird; typisch sind Brennen beim Wasserlassen und häufiger Harndrang. Bei Frauen, die nicht zu den geriatrischen Patientinnen zählen, sollte laut DEGAM-Anwenderversion zur S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen auch eine Behandlung ohne Antibiotikum erwogen werden (Evidenzgrad 1/1a/1b), etwa mit einem Schmerzmittel; zur Auswahl stehen danach außerdem ein pflanzliches Präparat oder ein Antibiotikum. Kommen Schmerzen in der Nierengegend, Fieber, Übelkeit und Erbrechen hinzu, sollten Sie rasch eine Arztpraxis oder eine Klinik aufsuchen; ärztlich abklären lassen sollten Sie eine Blasenentzündung auch in der Schwangerschaft, als Mann und bei wiederkehrenden Infektionen.

Frau Ende zwanzig mit langem kastanienbraunem Haar im rostroten Wollpullover sitzt unter einer hellgrauen Decke auf dem Sofa und hält eine große Tasse Tee mit beiden Händen
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Eine Blasenentzündung (Zystitis) ist eine Entzündung der Harnblase [2, 5]. Unkomplizierte Blasenentzündungen heilen meistens ohne Schwierigkeiten ab. Antibiotika helfen gut, sind aber nicht immer nötig [5]. Bei leichten bis mittelstarken Beschwerden können Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen eine Alternative zu Antibiotika sein [5].

Was ist eine Blasenentzündung?

Bei einer unkomplizierten Blasenentzündung entzündet sich die Schleimhaut der Harnblase. Auslöser sind normalerweise Bakterien, die über die Harnröhre in die Blase aufsteigen und sich dort vermehren [2]. Etwa 10 von 100 Frauen bekommen mindestens einmal im Jahr eine Blasenentzündung. Frauen erkranken viel häufiger als Männer, weil ihre Harnröhre kürzer ist [2, 5].

Die Anwenderversion der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) zur S3-Leitlinie Harnwegsinfektionen, Stand August 2025, unterscheidet [1]:

  • Unkompliziert: keine relevanten funktionellen oder anatomischen Besonderheiten im Harntrakt, keine relevanten Störungen der Nierenfunktion und keine relevanten Begleiterkrankungen, die eine Harnwegsinfektion oder gravierende Komplikationen begünstigen; sonst liegt eine komplizierte Infektion vor [1].
  • Unten oder oben: Beschränken sich die Beschwerden auf den unteren Harntrakt, wird eine Blasenentzündung angenommen. Bestehen daneben zum Beispiel Flankenschmerzen, ein klopfschmerzhaftes Nierenlager und/oder Fieber über 38 °C, wird eine Nierenbeckenentzündung (Pyelonephritis) angenommen [1].

Als kompliziert gilt eine Blasenentzündung laut IQWiG zum Beispiel bei Männern, bei geschwächtem Abwehrsystem, bei bereits geschädigten Nieren oder bei Veränderungen im Bereich der Harnwege [2]. Bakterien im Urin ohne Beschwerden (asymptomatische Bakteriurie) sind laut DEGAM eine Besiedlung, keine Infektion [1, 2].

Symptome

Typisch sind ein starker und häufiger Harndrang und stechende oder brennende Schmerzen beim Wasserlassen [5]. Bei vielen Frauen nehmen die Schmerzen zu, wenn die Blase fast oder ganz leer ist. Der Harndrang setzt oft plötzlich ein, trotzdem geht meistens nur wenig Urin ab. Manchen fällt es schwer, den Harn zu halten [2, 5]. Der Urin kann trüb verfärbt sein und auffällig riechen, manchmal ist Blut zu sehen. Die Schmerzen können in den ganzen Unterleib oder in den Rücken ausstrahlen. Bei einer starken Blasenentzündung kann man sich insgesamt krank und abgeschlagen fühlen, reizbar sein und schlecht schlafen [2, 5].

Bei geriatrischen Patientinnen und Patienten, laut DEGAM Menschen über 80 Jahre oder über 70 Jahre mit mehr als zwei Systemerkrankungen, treten die Beschwerden weniger eindeutig auf. Bei ihnen erhöhen Schmerzen beim Wasserlassen, ein verändertes Aussehen des Urins und psychische Auffälligkeiten die Wahrscheinlichkeit einer Harnwegsinfektion. Die Diagnose soll bei ihnen nicht allein auf Grundlage eines positiven Teststreifens oder einer positiven Urinkultur gestellt werden (Empfehlung der S3-Leitlinie, Evidenzgrad 2a) [1].

Ursachen und Risikofaktoren

Bei Frauen sind Harnwegsinfektionen laut DEGAM-Anwenderversion weit überwiegend durch das Bakterium Escherichia coli (E. coli) verursacht, bei Männern trifft das nicht zu [1]. Das Risiko für eine Blasenentzündung erhöhen laut IQWiG und gesund.bund.de [2, 5]:

  • Geschlechtsverkehr, weil dabei Bakterien in die Harnröhre gelangen können, außerdem spermienabtötende Verhütungscremes und -gele sowie Diaphragmen [2, 5]
  • eine Schwangerschaft [2, 5]
  • ein Blasenkatheter, urologische Erkrankungen, anatomische Veränderungen im Harnwegsbereich, Diabetes mellitus und Multiple Sklerose [2, 5]
  • eine frühere Blasenentzündung; ab den Wechseljahren sind Blasenentzündungen häufiger [2, 5]

Medikamente: Bei Dapagliflozin aus der Gruppe der SGLT2-Hemmer (gegen Typ-2-Diabetes, Herzschwäche und chronische Nierenerkrankung) sind Harnwegsinfektionen laut Packungsbeilage häufig (bis zu 1 von 10 Behandelten) [20]. Bei Fieber und/oder Schüttelfrost, Brennen beim Wasserlassen und Schmerzen im Rücken oder an der Seite fordert die Packungsbeilage, Dapagliflozin abzusetzen und sich schnellstmöglich an eine Ärztin oder einen Arzt zu wenden [20]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Mehr dazu: Blasenprobleme durch Medikamente.

Diagnose

Die Diagnose wird laut DEGAM-Anwenderversion vor allem über die geschilderten Beschwerden gestellt. Frauen mit Verdacht auf eine unkomplizierte Harnwegsinfektion sollen gefragt werden, ob sie relevante Schmerzen beim Wasserlassen haben, häufig Wasser lassen müssen und einen nicht aufschiebbaren Harndrang haben, ob sie selbst eine Harnwegsinfektion vermuten und ob sie Beschwerden in der Scheide haben. Trifft das Erste und/oder das Zweite zu, ist eine Harnwegsinfektion sehr wahrscheinlich (Empfehlung der S3-Leitlinie, Evidenzgrad Ia) [1]. Bei Beschwerden in der Scheide sollen auch andere Ursachen in Betracht gezogen werden; bei neuem oder verändertem Ausfluss sollten sexuell übertragbare Erkrankungen wie Chlamydien berücksichtigt werden [1].

Der Nachweis von Blut, weißen Blutkörperchen (Leukozyten) und Nitrit im Urinteststreifen erhöht laut DEGAM jeweils für sich die Wahrscheinlichkeit einer Harnwegsinfektion (Empfehlung der S3-Leitlinie, Evidenzgrad Ib); ein negativer Nitrittest schließt Bakterien im Urin aber nicht aus [1]. Eine Urinkultur (Anzucht der Bakterien im Labor) ist bei unkomplizierten Harnwegsinfektionen laut DEGAM nicht erforderlich, eine körperliche Untersuchung nicht notwendig [1]. Ultraschall ist laut IQWiG in der Regel nur bei komplizierten oder wiederkehrenden Blasenentzündungen sinnvoll [2].

Behandlung ohne Medikamente

Ob Hausmittel wie reichliches Trinken von Wasser oder Tee oder Wärme, etwa eine Wärmflasche oder ein heißes Bad, wirksam sind, dazu gibt es laut IQWiG nicht genügend verlässliche Studien [3].

Während einer Behandlung mit Monuril (Wirkstoff Fosfomycin) sollten Sie laut Packungsbeilage nur die üblichen 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit am Tag trinken, weil durch übermäßiges Trinken das Antibiotikum im Harn stark verdünnt oder zu schnell ausgespült werden kann [8].

Behandlung mit Medikamenten

Frau Mitte vierzig mit kurzem dunkelblondem Haar in einer petrolfarbenen Bluse spricht in einer hellen Praxis mit einer Hausärztin mit grauem Bob
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Bleibt eine akute unkomplizierte Harnwegsinfektion auf die Harnblase begrenzt, ist laut DEGAM-Anwenderversion auch bei wiederkehrenden Episoden nicht mit gravierenden Komplikationen zu rechnen (Statement der S3-Leitlinie, Evidenzgrad Ia); Ziel der Behandlung ist deshalb vor allem, die Beschwerden zu lindern [1].

Bei Patientinnen, die nicht zu den geriatrischen Patientinnen zählen, sollte laut DEGAM-Anwenderversion die alleinige Behandlung ohne Antibiotikum als Alternative zur antibiotischen Behandlung erwogen werden, bei geringfügig längerer Dauer der Beschwerden (Empfehlung 9.4 der S3-Leitlinie, Evidenzgrad 1/1a/1b). Zur Auswahl stehen danach eine Behandlung mit einem Schmerzmittel, zum Beispiel Ibuprofen oder Diclofenac, ein pflanzliches Präparat oder ein Antibiotikum [1]. Die Wirksamkeit pflanzlicher Präparate ist laut IQWiG wissenschaftlich nicht nachgewiesen [3].

Im Vergleich zur Behandlung mit einem Antibiotikum ist laut DEGAM das Risiko einer Nierenbeckenentzündung bei der Behandlung ohne Antibiotikum erhöht; auch unter einem Antibiotikum kann sie sich aber entwickeln [1]. Bei geriatrischen Patientinnen und Patienten wird bei Verdacht auf eine Harnwegsinfektion laut DEGAM eine antibiotische Behandlung empfohlen; Behandlungen ohne Antibiotikum sind in dieser Gruppe nicht untersucht und werden nicht empfohlen [1].

Für die antibiotische Behandlung von Frauen empfiehlt die DEGAM-Anwenderversion in alphabetischer Reihenfolge Fosfomycin-Trometamol, Nitrofurantoin, Nitroxolin, Pivmecillinam und Trimethoprim. Sie sind danach nur geeignet, wenn die örtliche Resistenzrate von E. coli unter 20 Prozent liegt; im hausärztlichen Bereich in Deutschland ist das für diese Antibiotika bislang gegeben, nur Trimethoprim erreicht diese Rate bei wiederkehrenden Infektionen in manchen Regionen [1]. Welches Antibiotikum infrage kommt, hängt laut IQWiG von Begleiterkrankungen, dem Risiko für Komplikationen und der Verbreitung resistenter Bakterien ab [3]. Die Dosierung laut Packungsbeilage steht auf den Wirkstoffseiten (Fosfomycin, Nitrofurantoin, Pivmecillinam). Nehmen Sie das Präparat laut IQWiG so ein, wie es im Beipackzettel beschrieben ist, und beenden Sie die Behandlung nicht vorzeitig [3].

Medikamente bei unkomplizierter Blasenentzündung: Beispiele mit eigener Wirkstoffseite
WirkstoffgruppeBeispielWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
Weitere Antibiotika (andere Antibiotika)FosfomycinTötet Bakterien ab, die sich vermehren (bakterizid): hemmt die erste Stufe des Zellwandaufbaus der Bakterien [7]Häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten: Kopfschmerzen, Schwindel, Durchfall, Übelkeit, Verdauungsstörung, Bauchschmerzen, Infektion der weiblichen Geschlechtsorgane mit Entzündung, Reizung oder Juckreiz (Vulvovaginitis) [6]
Weitere Antibiotika (Nitrofurane)NitrofurantoinEnzyme der Bakterien wandeln es in die aktive Form um; die Abbauprodukte schädigen die Erbsubstanz (DNS) der Bakterien und hemmen ihren Stoffwechsel [10]Sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten: Schwindel, Störungen im Zusammenspiel der Bewegungen (Ataxie), Augenzittern, allergische Reaktionen mit Arzneimittelfieber, Hautjucken, Hautausschlag und angioneurotischem Ödem; häufig: besonders zu Behandlungsbeginn Kopfschmerzen, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen sowie Lungenreaktionen, die sich durch Atemnot, Husten und Brustkorbschmerz äußern können [9]
PenicillinePivmecillinamUnwirksame Vorstufe, die im Körper schnell zu Mecillinam umgewandelt wird; Mecillinam hemmt bei gramnegativen Bakterien den Aufbau der Zellwand [12]Häufig: Übelkeit, Durchfall, Infektion oder Entzündung der Scheide (Pilzinfektion der Scheide) [11]
NSAR (entzündungshemmende Schmerzmittel)IbuprofenWirkt entzündungshemmend und schmerzstillend [13]Häufig: Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung und geringfügige Blutverluste im Magen-Darm-Trakt, die in Ausnahmefällen eine Blutarmut verursachen können [13]
Nichtopioid-AnalgetikaParacetamolWirkt schmerzstillend und fiebersenkend [14]Die Packungsbeilage nennt keine häufigen Nebenwirkungen; selten, also bei bis zu 1 von 1.000 Behandelten, ein leichter Anstieg bestimmter Leberenzyme, sehr selten unter anderem allergische Reaktionen bis hin zu einer Schockreaktion [14]

Anwendungsgebiete: Fosfomycin-Granulat ist für die akute, unkomplizierte Blasenentzündung bei Frauen und weiblichen Jugendlichen zugelassen [6, 7]; bei Kindern unter 12 Jahren darf es laut Packungsbeilage nicht angewendet werden [6]. Harnwegsinfektionen bei Männern sind laut Fachinformation im Allgemeinen als kompliziert anzusehen, dafür ist es nicht angezeigt [7]. Nitrofurantoin ist für die akute, unkomplizierte Harnblasenentzündung der Frau zugelassen; zur Vorbeugung wiederkehrender Infektionen und zur Unterdrückung von Infektionen bei einer Abflussbehinderung der Harnwege darf es nur angewendet werden, wenn effektivere und risikoärmere Antibiotika oder Chemotherapeutika nicht einsetzbar sind. Für eine Nierenbeckenentzündung oder Prostataentzündung ist es nicht angezeigt; Menschen über 65 Jahre dürfen es nur einnehmen, wenn eine ausreichende Nierenfunktion nachgewiesen ist und die tägliche Urinmenge mehr als einen halben Liter beträgt [9, 10]. Pivmecillinam ist für unkomplizierte Infektionen des unteren Harntrakts durch Mecillinam-empfindliche Erreger zugelassen [11, 12]. Ibuprofen und Paracetamol werden bei leichten bis mäßig starken Schmerzen und Fieber angewendet, Ibuprofen zur kurzzeitigen Behandlung [13, 14].

Fluorchinolone: Der Rote-Hand-Brief vom 8. April 2019 fordert, Fluorchinolone wie Ciprofloxacin oder Levofloxacin bei leichten bis mittelschweren Infektionen einschließlich einer unkomplizierten Blasenentzündung nicht zu verschreiben, es sei denn, andere üblicherweise empfohlene Antibiotika werden als ungeeignet erachtet. Grund sind lang anhaltende, möglicherweise bleibende Nebenwirkungen vor allem an Bewegungsapparat und Nervensystem [19]. Der Rote-Hand-Brief vom 7. Juni 2023 erinnert an diese Anwendungsbeschränkungen [22]. Mehr dazu: Sehnenschäden durch Medikamente.

In der Schwangerschaft

Bakterielle Infektionen müssen laut Embryotox (Charité Berlin) auch in der Schwangerschaft adäquat und konsequent mit Antibiotika behandelt werden [18].

Pivmecillinam gehört laut Embryotox zu den Antibiotika der Wahl bei einer unkomplizierten Blasenentzündung in der Schwangerschaft und darf in jeder Phase indikationsgerecht eingesetzt werden. Eine Einnahme kurz vor der Geburt kann beim Neugeborenen-Screening einen falsch positiven Befund auf eine angeborene Stoffwechselstörung (Isovalerianazidämie) ergeben [11, 15].

Fosfomycin: Wenn Sie schwanger sind, gibt Ihnen die Ärztin oder der Arzt Fosfomycin laut Packungsbeilage nur, wenn es dringend notwendig ist [6]. Die einmalige Einnahme von Fosfomycin-Trometamol bei unkomplizierten Harnwegsinfekten ist laut Embryotox in der Schwangerschaft möglich. Als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox in Abhängigkeit vom Erregerspektrum gegebenenfalls Pivmecillinam, Penicilline sowie Cephalosporine [17]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr dazu: Fosfomycin in der Schwangerschaft.

Nitrofurantoin soll laut Packungsbeilage in den ersten 6 Monaten der Schwangerschaft nicht angewendet werden, es sei denn, die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt hält es für eindeutig erforderlich; im letzten Drittel darf es wegen der Gefahr einer Blutarmut beim Neugeborenen nicht angewendet werden [9]. Für Embryotox ist es ein Antibiotikum der 2. Wahl in der Schwangerschaft, das nur nach Prüfung besser untersuchter und verträglicherer Alternativen eingesetzt werden sollte; als solche nennt Embryotox Pivmecillinam, Penicilline und Cephalosporine [16]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Schmerzmittel: Ibuprofen dürfen Sie in den letzten 3 Monaten der Schwangerschaft nicht einnehmen [13]. Paracetamol kann laut Packungsbeilage falls erforderlich in der Schwangerschaft eingenommen werden, in der geringstmöglichen Dosis und für den kürzestmöglichen Zeitraum [14]. Mehr dazu: Medikamente in der Schwangerschaft.

Bei Männern

Laut DEGAM-Anwenderversion werden Harnwegsinfektionen bei Männern nicht mehr generell als kompliziert angesehen; zumindest bei jüngeren Männern ohne relevante Begleiterkrankungen zählen sie inzwischen zu den unkomplizierten, eine eindeutige Zuordnung einschließlich einer Altersgrenze ist aber oft nicht möglich [1]. Bei Männern mit Harnwegsinfektion soll laut DEGAM neben dem Teststreifen eine Urinkultur vor einer antibiotischen Behandlung angelegt und eine körperliche Untersuchung durchgeführt werden (Empfehlung der S3-Leitlinie, Expertenkonsens). Fieber ist danach häufig ein Hinweis auf eine begleitende Prostata- oder Nierenbeckenentzündung. Für eine Behandlung ohne Antibiotikum gibt es bei Männern laut DEGAM keine Belege, und Harnwegsinfektionen bei Männern erfordern danach eine längere Behandlungsdauer als bei Frauen [1]. Welches Antibiotikum infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.

Nebenwirkungen der Medikamente

Antibiotika können laut IQWiG Nebenwirkungen wie Pilzinfektionen der Scheide, Magen-Darm-Probleme und Hautausschlag haben; eine längere Einnahme führt häufiger zu solchen Nebenwirkungen [3]. Mehr dazu: Scheidenpilz.

Durchfall: Mäßiger bis schwerer Durchfall, Bauchkrämpfe, blutiger Stuhl und/oder Fieber können laut Packungsbeilage von Fosfomycin eine Infektion des Dickdarms anzeigen (antibiotika-assoziierte Kolitis). Dann sollten Sie die Einnahme einstellen, sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt kontaktieren und keine Arzneimittel gegen Durchfall nehmen, die den Stuhlgang hemmen [6]. Mehr dazu: Durchfall durch Medikamente.

Allergische Reaktionen: Plötzlicher Ausschlag, Juckreiz oder Nesselsucht und/oder Kurzatmigkeit, Keuchen oder Atemnot sowie eine Schwellung von Gesicht, Lippen, Zunge oder Hals mit Atembeschwerden nennt die Packungsbeilage von Fosfomycin als Zeichen schwerer allergischer Reaktionen; dann sollten Sie die Einnahme einstellen und sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt kontaktieren [6]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Bei einer Allergie gegen Penicilline oder Cephalosporine darf Pivmecillinam nicht eingenommen werden [11]. Mehr dazu: Arzneimittelallergie.

Nitrofurantoin kann lebensbedrohliche bis hin zu tödlich verlaufende Lungenreaktionen auslösen, die sich zum Teil schleichend über mehrere Wochen und Monate entwickeln. Weil ihre Häufigkeit und Schwere mit der Dauer der Anwendung zunehmen, darf Nitrofurantoin nicht länger als 6 Monate angewendet werden [9]. Bei Atemnot, trockenem Husten, Schmerzen im Brustkorb und Fieber sollten Sie die Einnahme laut Packungsbeilage sofort beenden und sich unverzüglich an eine Ärztin oder einen Arzt wenden. Während der Behandlung müssen Blutbild sowie Nieren- und Leberwerte regelmäßig kontrolliert werden [9]. Mehr dazu: Atemnot und Leberwerte.

Pivmecillinam nehmen Sie laut Packungsbeilage unzerkaut im Sitzen oder Stehen mit mindestens einem halben Glas Flüssigkeit und nicht kurz vor dem Schlafengehen ein; mit zu wenig Flüssigkeit kann gelegentlich ein Geschwür im Mund oder in der Speiseröhre entstehen [11]. Eine Langzeitbehandlung über 3 Wochen oder eine häufig wiederholte Behandlung sollte laut Fachinformation wegen der Gefahr eines Carnitinmangels vermieden werden [12].

Pille: Erbrechen und Durchfall unter Nitrofurantoin können die Wirksamkeit der Anti-Baby-Pille beeinträchtigen; laut Packungsbeilage sollten Sie dann während und einen Monat nach der Behandlung zusätzlich nicht hormonell verhüten [9]. Mehr dazu: Pille und Antibiotika.

Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt, Ihrer Apotheke oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [6]; wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben mit wiederkehrenden Blasenentzündungen

Von wiederkehrenden Harnwegsinfektionen spricht die DEGAM-Anwenderversion bei mindestens 2 Episoden mit Beschwerden in 6 Monaten oder mindestens 3 in 12 Monaten. Bei Frauen nach den Wechseljahren sollten dann eine Urinkultur und eine Ultraschalluntersuchung erfolgen, eine eingreifende (invasive) Untersuchung sollte nicht erfolgen (Empfehlung der S3-Leitlinie, Evidenzgrad IIb) [1]. Wiederkehrende Infektionen können laut DEGAM wie eine einzelne Episode behandelt werden; weil die Resistenzraten teilweise erhöht sind, besonders bei Trimethoprim, ist es danach sinnvoll, den Wirkstoff zu wechseln, wenn in den letzten 3 Monaten ein Antibiotikum gegen eine Harnwegsinfektion eingesetzt wurde [1].

Im Alltag: Für häufige Ratschläge wie Wasserlassen nach dem Geschlechtsverkehr oder andere Verhütungsmethoden statt spermienabtötender Mittel und Diaphragmen konnte laut IQWiG bisher nicht wissenschaftlich gezeigt werden, dass sie helfen [4]. Laut DEGAM-Anwenderversion führt eine Steigerung der Trinkmenge auf 2,5 Liter am Tag kurzfristig zu weniger wiederkehrenden Harnwegsinfektionen (Evidenzgrad 1a); die Reinigung nach dem Stuhlgang von vorn nach hinten verringert möglicherweise die Zahl der Infektionen [1].

Östrogen für die Scheide: Örtlich angewendete Östrogenpräparate können laut IQWiG manchen Frauen nach den Wechseljahren helfen, die Zahl der Blasenentzündungen zu verringern, aber Jucken und Brennen im Bereich der Scheide auslösen; Östrogentabletten zum Einnehmen beugen nicht vor [4].

Cranberry und D-Mannose: Laut DEGAM-Anwenderversion können Cranberries das Risiko wiederkehrender Harnwegsinfektionen verringern; eine bestimmte Empfehlung zu Menge und Dauer ist danach nicht möglich. Zu D-Mannose belegte danach eine hochwertige Studie aus Hausarztpraxen, dass Mannose nicht zu weniger wiederkehrenden Harnwegsinfektionen führt [1].

Antibiotika zur Vorbeugung: Frauen mit immer wiederkehrenden Blasenentzündungen können laut IQWiG vorbeugend Antibiotika in niedriger Dosierung einnehmen, dann aber über einen langen Zeitraum, häufig 3 bis 6 Monate. Dabei haben sie recht häufig Nebenwirkungen, und eine zu häufige Einnahme erhöht die Gefahr, dass Bakterien unempfindlich gegen Antibiotika werden [4]. Der Rote-Hand-Brief vom 8. April 2019 fordert, Fluorchinolone nicht zur Vorbeugung wiederkehrender Infektionen der unteren Harnwege zu verschreiben; der vom 7. Juni 2023 erinnert daran [19, 22].

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Kommen zu einer Blasenentzündung Schmerzen in der Nierengegend (Flankenschmerzen), Fieber, Übelkeit und Erbrechen hinzu, sollten Sie laut IQWiG rasch eine Arztpraxis oder eine Klinik aufsuchen. Diese Beschwerden können auf eine Nierenbeckenentzündung hindeuten. Sie kann gefährlich sein und sollte rasch behandelt werden, um Folgeschäden zu vermeiden; sie ist laut IQWiG aber sehr selten [2]. Mehr dazu: Nierenbeckenentzündung.

Ärztlich abklären lassen sollten Sie eine Blasenentzündung außerdem in diesen Fällen:

  • Schwangerschaft: Bakterielle Infektionen müssen laut Embryotox auch in der Schwangerschaft adäquat und konsequent mit Antibiotika behandelt werden [18].
  • Männer: Laut DEGAM sollen eine Urinkultur und eine körperliche Untersuchung erfolgen [1].
  • Wiederkehrende Infektionen: Bei jüngeren Männern sollen laut DEGAM weitere urologische Untersuchungen erfolgen (Expertenkonsens), bei Frauen nach den Wechseljahren sollten eine Urinkultur und eine Ultraschalluntersuchung erfolgen [1].
  • Keine Besserung: Verspüren Sie nach der Einnahme von Monuril nach drei Tagen keine ausreichende Linderung oder verschlimmern sich die Beschwerden, suchen Sie laut Packungsbeilage erneut Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf [8].
  • Säuglinge und geriatrische Patienten: Bei jungen Säuglingen ist laut DEGAM das Risiko einer von den Harnwegen ausgehenden Blutvergiftung (Urosepsis) erhöht; bei geriatrischen Patientinnen und Patienten können nicht erkannte Harnwegsinfektionen zu einer Urosepsis führen [1].

Außerhalb der Sprechzeiten versorgt laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 auch akute Harnwegsinfekte, wenn die Behandlung aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten kann. In lebensbedrohlichen Fällen, etwa bei Bewusstlosigkeit oder schwerer Atemnot, alarmieren Sie den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 [21].

Quellen

  1. Leitlinie DEGAM-Anwenderversion Harnwegsinfektionen als Addendum zur S3-Leitlinie Epidemiologie, Diagnostik, Therapie, Prävention und Management unkomplizierter, bakterieller, ambulant erworbener Harnwegsinfektionen bei Erwachsenen (AWMF-Register-Nr. 043-044) und zur S2k-Leitlinie Harnwegsinfektionen im Kindesalter (AWMF-Register-Nr. 166-004). Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Stand Stand 8/2025, Revision geplant 8/2029. abgerufen am 17.10.2026
  2. Akute Blasenentzündung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.02.2023. abgerufen am 17.10.2026
  3. Behandlung einer akuten Blasenentzündung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.02.2023. abgerufen am 17.10.2026
  4. Blasenentzündungen vorbeugen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 08.02.2023. abgerufen am 17.10.2026
  5. Behörde Blasenentzündung (Zystitis): Behandlung. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 27.08.2024. abgerufen am 17.10.2026
  6. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Fosfuro 3000 mg Granulat zur Herstellung einer Lösung zum Einnehmen. APOGEPHA Arzneimittel GmbH. Stand 02/2022. abgerufen am 17.10.2026
  7. Fachinformation Fachinformation Fosfuro 3000 mg Granulat zur Herstellung einer Lösung zum Einnehmen. APOGEPHA Arzneimittel GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 17.10.2026
  8. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Monuril 3000 mg Granulat zur Herstellung einer Lösung zum Einnehmen. Zambon GmbH. Stand 03/2025. abgerufen am 17.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Nifurantin 100 mg Tabletten. APOGEPHA Arzneimittel GmbH. Stand 05/2022. abgerufen am 17.10.2026
  10. Fachinformation Fachinformation Nifurantin 100 mg Tabletten. APOGEPHA Arzneimittel GmbH. Stand 05/2022. abgerufen am 17.10.2026
  11. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Pivmelam 400 mg Filmtabletten. APOGEPHA Arzneimittel GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 17.10.2026
  12. Fachinformation Fachinformation Pivmelam 200 mg/400 mg Filmtabletten. APOGEPHA Arzneimittel GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 17.10.2026
  13. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 17.10.2026
  14. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 17.10.2026
  15. Embryotox Embryotox: Pivmecillinam. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 17.10.2026
  16. Embryotox Embryotox: Nitrofurantoin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 17.10.2026
  17. Embryotox Embryotox: Fosfomycin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 17.10.2026
  18. Embryotox Embryotox: Infektionen, bakterielle (Erkrankungen). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  19. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu systemisch und inhalativ angewendeten Chinolon- und Fluorchinolon-Antibiotika: Risiko von die Lebensqualität beeinträchtigenden, lang anhaltenden und möglicherweise irreversiblen Nebenwirkungen; Anwendungsbeschränkungen. Zulassungsinhaber von Fluorchinolon-Antibiotika in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 08.04.2019. abgerufen am 17.10.2026
  20. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Forxiga (Dapagliflozin), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. AstraZeneca AB (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 03/2026 (EMA, aktualisiert am 12.03.2026). abgerufen am 17.10.2026
  21. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer", "Fälle für den Bereitschaftsdienst" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  22. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu systemisch und inhalativ angewendeten fluorchinolonhaltigen Antibiotika: Erinnerung an die Anwendungsbeschränkungen. Zulassungsinhaber fluorchinolonhaltiger Antibiotika in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 07.06.2023. abgerufen am 17.10.2026

Häufige Fragen

Was hilft schnell gegen eine Blasenentzündung?

Antibiotika helfen laut IQWiG bei einer akuten Blasenentzündung normalerweise recht schnell und verkürzen die Krankheitsdauer, sind aber nicht immer notwendig. Bei leichten oder mittelstarken Beschwerden können Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen eine Alternative zu Antibiotika sein; sie lindern die Schmerzen, bis der Körper die Bakterien selbst bekämpft hat. Ob ein Antibiotikum für Sie sinnvoll ist, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Geht eine Blasenentzündung ohne Antibiotika weg?

Unkomplizierte Blasenentzündungen heilen laut IQWiG meistens ohne Probleme aus. Antibiotika sind danach nicht unbedingt notwendig, wenn die Beschwerden auszuhalten und keine Komplikationen zu erwarten sind. Laut DEGAM-Anwenderversion zur S3-Leitlinie sollte bei Frauen, die nicht zu den geriatrischen Patientinnen zählen, eine Behandlung ohne Antibiotikum als Alternative erwogen werden (Evidenzgrad 1/1a/1b); die Beschwerden können dann geringfügig länger dauern, und das Risiko einer Nierenbeckenentzündung ist erhöht. Für Männer gibt es laut DEGAM keine Belege für eine Behandlung ohne Antibiotikum, bei geriatrischen Patientinnen und Patienten wird sie nicht empfohlen.

Welches Antibiotikum hilft bei einer Blasenentzündung?

Für Frauen empfiehlt die DEGAM-Anwenderversion zur S3-Leitlinie in alphabetischer Reihenfolge Fosfomycin-Trometamol, Nitrofurantoin, Nitroxolin, Pivmecillinam und Trimethoprim, jeweils nur, wenn die örtliche Resistenzrate von E. coli unter 20 Prozent liegt. Welches Mittel infrage kommt, hängt laut IQWiG von Begleiterkrankungen, dem Risiko für Komplikationen und der Verbreitung resistenter Bakterien ab; das entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Der Rote-Hand-Brief vom 8. April 2019 fordert, Fluorchinolone wie Ciprofloxacin bei einer unkomplizierten Blasenentzündung nicht zu verschreiben, es sei denn, andere üblicherweise empfohlene Antibiotika werden als ungeeignet erachtet; der Rote-Hand-Brief vom 7. Juni 2023 erinnert an diese Einschränkung.

Darf ich bei einer Blasenentzündung Ibuprofen nehmen?

Die DEGAM-Anwenderversion nennt ein Schmerzmittel wie Ibuprofen als eine Möglichkeit, die Beschwerden ohne Antibiotikum zu behandeln; auch laut IQWiG kann Ibuprofen bei leichten oder mittelstarken Beschwerden eine Alternative zu Antibiotika sein. Ist die Einnahme bei Erwachsenen länger als 4 Tage bei Schmerzen nötig oder verschlimmern sich die Beschwerden, sollte laut Packungsbeilage ärztlicher Rat eingeholt werden. In den letzten 3 Monaten der Schwangerschaft dürfen Sie Ibuprofen nicht einnehmen. Häufig sind Magen-Darm-Beschwerden; mehr auf der Seite Ibuprofen.

Was hilft bei einer Blasenentzündung in der Schwangerschaft?

Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt: Bakterielle Infektionen müssen laut Embryotox auch in der Schwangerschaft adäquat und konsequent mit Antibiotika behandelt werden. Pivmecillinam gehört laut Embryotox zu den Antibiotika der Wahl bei einer unkomplizierten Blasenentzündung in der Schwangerschaft. Die einmalige Einnahme von Fosfomycin-Trometamol bei unkomplizierten Harnwegsinfekten ist laut Embryotox möglich. Nitrofurantoin ist laut Embryotox ein Antibiotikum der 2. Wahl in der Schwangerschaft, das nur nach Prüfung besser untersuchter und verträglicherer Alternativen eingesetzt werden sollte; als solche nennt Embryotox Pivmecillinam, Penicilline und Cephalosporine. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Im letzten Drittel der Schwangerschaft darf Nitrofurantoin laut Packungsbeilage nicht angewendet werden. Mehr dazu: Fosfomycin in der Schwangerschaft.

Helfen Cranberry-Präparate oder D-Mannose?

Frauen, die ein Cranberry-Präparat einnahmen, erkrankten laut IQWiG in Studien etwas seltener an einer unkomplizierten Blasenentzündung; die Präparate wirken danach nur, solange sie eingenommen werden. Ob Cranberry-Produkte bei einer bestehenden Blasenentzündung helfen, dazu gibt es laut IQWiG zu wenige gute Studien. Zu D-Mannose schreibt die DEGAM-Anwenderversion, eine hochwertige Studie aus Hausarztpraxen habe belegt, dass Mannose nicht zu weniger wiederkehrenden Harnwegsinfektionen führt.

Hilft viel trinken bei einer Blasenentzündung?

Ob reichliches Trinken bei einer akuten Blasenentzündung wirkt, dazu gibt es laut IQWiG nicht genügend verlässliche Studien. Zur Vorbeugung wiederkehrender Harnwegsinfektionen führt eine Steigerung der Trinkmenge auf 2,5 Liter am Tag laut DEGAM-Anwenderversion kurzfristig zu weniger Infektionen (Evidenzgrad 1a). Während der Behandlung mit Monuril (Fosfomycin) sollten Sie laut Packungsbeilage aber nur die üblichen 1,5 bis 2 Liter am Tag trinken, damit das Antibiotikum im Harn nicht stark verdünnt oder zu schnell ausgespült wird.

Wann muss ich mit einer Blasenentzündung zum Arzt?

Kommen Schmerzen in der Nierengegend, Fieber, Übelkeit und Erbrechen hinzu, sollten Sie laut IQWiG rasch eine Arztpraxis oder eine Klinik aufsuchen, denn diese Beschwerden können auf eine Nierenbeckenentzündung hindeuten. Ärztlich abklären lassen sollten Sie eine Blasenentzündung auch in der Schwangerschaft, als Mann, bei wiederkehrenden Infektionen und wenn die Beschwerden trotz Behandlung nicht besser werden. Außerhalb der Sprechzeiten versorgt laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 auch akute Harnwegsinfekte, wenn die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann; in lebensbedrohlichen Fällen rufen Sie den Notruf 112.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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