KrankheitenKrankheit

Chlamydien

Eine Chlamydien-Infektion ist eine sexuell übertragbare Infektion mit dem Bakterium Chlamydia trachomatis. Sie verläuft oft ohne Beschwerden und kann unbehandelt zu Entzündungen der inneren Geschlechtsorgane und zu Unfruchtbarkeit führen. Behandelt wird sie mit Antibiotika: Der STI-Leitfaden der Deutschen STI-Gesellschaft nennt für Erwachsene mit unkomplizierter Infektion Doxycyclin als Standardtherapie und Azithromycin als Alternative, für Schwangerschaft und Stillzeit Azithromycin. Sexpartnerinnen und -partner sollten informiert werden; bei Unterleibsschmerzen mit Fieber oder einem schmerzhaft geschwollenen Hodensack lassen Sie sich ärztlich untersuchen.

Junge Frau mit hellbraunem Haar sitzt in einem senfgelben Pullover auf einem Sofa in einem hellen Wohnzimmer und telefoniert ruhig
Bild: KI-generiert

Chlamydien sind Bakterien. Die Art Chlamydia trachomatis wird vor allem beim Sex übertragen und zählt neben der Gonorrhoe zu den häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen [1]. Oft bleibt die Infektion ohne Beschwerden, trotzdem kann man andere anstecken [1]. Behandelt wird sie mit Antibiotika: Laut dem STI-Leitfaden der Deutschen STI-Gesellschaft (DSTIG) ist bei Erwachsenen mit unkomplizierter Infektion Doxycyclin die Standardtherapie und Azithromycin die Alternative [8]. Unbehandelt kann sie laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) zu Entzündungen und Verwachsungen der inneren Geschlechtsorgane führen; sie ist einer der häufigsten Gründe für Unfruchtbarkeit bei Frauen [1].

Was sind Chlamydien?

Chlamydia trachomatis dringt in Zellen ein, vermehrt sich dort und infiziert dann benachbarte Zellen [1]. Laut Robert Koch-Institut (RKI) verursachen die Serotypen D bis K sexuell übertragbare Infektionen der Harn- und Geschlechtsorgane, gelegentlich auch der Augenbindehaut. Die Serotypen L1 bis L3 lösen das Lymphogranuloma venereum aus, eine sexuell übertragbare Infektion, die vorwiegend in den Tropen vorkommt; die Serotypen A bis C verursachen das Trachom, eine Augenerkrankung in den Tropen [7]. Das Lymphogranuloma venereum ist laut IQWiG in Deutschland insgesamt selten [1].

Bei Frauen sind Chlamydien laut gesund.bund.de der häufigste Grund für eine Entzündung des Gebärmutterhalses, bei Männern führen sie meist zu einer Entzündung der Harnröhre [6]. Die meisten Infektionen betreffen laut IQWiG Frauen zwischen 15 und 25 Jahren und Männer bis 35 Jahre; genaue Zahlen für Deutschland gibt es nicht [1]. Chlamydien können auch gleichzeitig mit anderen sexuell übertragbaren Infektionen vorkommen, zum Beispiel mit einem Tripper (Gonorrhö) [6].

Meldepflicht: Für eine Chlamydien-Infektion besteht laut IQWiG keine Meldepflicht, außer in Sachsen; dort melden Ärztinnen und Ärzte eine entdeckte Infektion an das Gesundheitsamt, ohne den Namen weiterzugeben [4]. Nachweise der Serotypen L1 bis L3 sind laut RKI seit der Änderung des Infektionsschutzgesetzes vom 16.09.2022 an das RKI zu melden [7].

Symptome

Viele Infizierte haben keine Beschwerden: Etwa 80 Prozent der Frauen und 50 Prozent der Männer bleiben laut IQWiG beschwerdefrei [1]. Wenn Symptome auftreten, beginnen sie meist 1 bis 3 Wochen nach der Ansteckung [1]. Je nach befallener Stelle nennt das IQWiG [1]:

  • Gebärmutterhals: wässrig-schleimiger oder eitriger Ausfluss.
  • Harnröhre: Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen sowie häufiger Harndrang.
  • Enddarm: Juckreiz und Ausschlag um den After sowie Blut und Schleim am Kot.
  • Mund und Rachen: Nach einer Ansteckung über Oralverkehr verläuft die Infektion fast immer ohne Symptome, nur selten kommt es zu Halsschmerzen.
  • Augen: selten eine Bindehautentzündung mit geröteten, juckenden oder brennenden Augen, etwa wenn man beim Sex erst eine infizierte Körperstelle berührt und sich danach ins Auge fasst.

Laut gesund.bund.de sind auch Juckreiz sowie Schmerzen und Brennen beim Geschlechtsverkehr möglich [6]. Einige Wochen nach der akuten Erkrankung können schmerzhafte Beschwerden an Gelenken und Sehnen auftreten; diese Gelenkerkrankung geht in der Regel von allein wieder zurück [6]. Mehr zu entzündeten Augen: Bindehautentzündung.

Ausbreitung bei Frauen: Von der zuerst befallenen Schleimhaut, bei Frauen meist am Gebärmutterhals, können die Chlamydien laut IQWiG entlang der inneren Geschlechtsorgane "aufsteigen" [3]. Ist die Schleimhaut in der Gebärmutter befallen, sind Schmerzen sowie stärkere Regel- oder Zwischenblutungen möglich; entzünden sich Eileiter und Eierstöcke, kann es zu Unterleibs- oder Bauchschmerzen, Fieber und Verstopfung kommen [3]. Eine Entzündung des ganzen Beckens kann mild verlaufen, aber auch zu starken Schmerzen, hohem Fieber und Schüttelfrost führen; auch der Bereich um die Leber und das Bauchfell können sich entzünden [3]. Langfristig können Verwachsungen und Verklebungen entstehen, durch die eine Frau keine Kinder mehr bekommen kann; sie erhöhen außerdem das Risiko für Eileiterschwangerschaften [3].

Ausbreitung bei Männern: Über die Harnröhre kann sich laut IQWiG die Prostata entzünden, mit Schmerzen im Dammbereich, Fieber und Problemen beim Wasserlassen oder beim Sex. Auch die Samenbläschen oder Samenleiter können betroffen sein und schmerzen. Entzündet sich der Nebenhoden, kann der Hodensack schmerzhaft anschwellen und sich röten [3]. Unabhängig vom Geschlecht kann laut gesund.bund.de als Spätfolge Unfruchtbarkeit auftreten [6].

Weitere Folgen: Sind die Augen befallen, kommt es laut IQWiG zu einer eitrigen Bindehautentzündung. Entzündet sich auch die Hornhaut, kann das Sehstörungen zur Folge haben und unbehandelt bis zur Erblindung führen [3]. Treten schmerzhafte Gelenkschwellungen zusammen mit einer Harnröhren- und einer Bindehautentzündung auf, nennen Fachleute das Krankheitsbild reaktive Arthritis [3]. Nach einer Ansteckung im Bereich des Darms kann es laut gesund.bund.de langfristig auch zu chronischen Entzündungen des Darms kommen [6].

Schwangerschaft und Neugeborene: Bei einer Chlamydien-Infektion in der Schwangerschaft ist das Risiko für eine Früh- oder Fehlgeburt laut IQWiG erhöht [3]. Bleibt sie unbehandelt, kann sich das Kind bei der Geburt anstecken; dazu kommt es bei etwa zwei Dritteln der Kinder infizierter Mütter. Die Neugeborenen bekommen dann häufig eine Bindehautentzündung, manchmal auch eine Mittelohr- und seltener eine Lungenentzündung [3]. Bei einem Schwangerschaftsabbruch kann sich eine unbemerkte Chlamydien-Infektion ausbreiten und zu einer schweren Beckenentzündung führen [3].

Ursachen und Risikofaktoren

Anstecken kann man sich beim Sex mit einer infizierten Person. Chlamydien werden in erster Linie über den direkten Kontakt beim Sex übertragen, aber auch über Sexspielzeuge [1]. Eine Ansteckung über Oberflächen wie Saunabänke oder über gemeinsam benutzte Handtücher ist laut IQWiG sehr unwahrscheinlich [1]. Über die Hände kann man die Infektion bei sich selbst auf andere Körperstellen übertragen, etwa in die Augen. Bei der Geburt können die Erreger vom Genitalbereich einer erkrankten Frau auf das Neugeborene gelangen [1].

Das Risiko ist laut IQWiG erhöht, wenn man Sex mit häufig wechselnden Partnerinnen oder Partnern hat und dabei auf Kondome verzichtet [1]. In festen Partnerschaften und mit zunehmendem Alter sinkt laut gesund.bund.de die Wahrscheinlichkeit, sich anzustecken [6]. Eine durchgemachte Infektion führt nicht zu einer Immunität: Auch nach einer erfolgreichen Behandlung kann man sich später erneut anstecken [1].

Diagnose und Test

Ein Test ist laut IQWiG sinnvoll, wenn man typische Beschwerden hat und sich in den letzten Wochen beim Sex angesteckt haben könnte, und wenn sich eine Sexualpartnerin oder ein Sexualpartner mit Chlamydien infiziert hat. Bei einem solchen konkreten Verdacht übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für den Test in einer Arztpraxis [4]. Meist wird eine Urinprobe untersucht, und zwar der erste Urin beim Wasserlassen (Erststrahlurin); vor der Probe sollte man möglichst mindestens eine Stunde kein Wasser gelassen haben [4]. Chlamydien lassen sich auch per Abstrich nachweisen, etwa von Harnröhre, Scheide oder Gebärmutterhals und nach Oral- oder Analverkehr auch aus Rachen oder Enddarm [4]. Am sichersten ist laut gesund.bund.de der Nachweis von Erbgut des Erregers mithilfe der Polymerase-Kettenreaktion (PCR) [6]. Antigen-Schnelltests für zu Hause sind laut IQWiG zur Diagnose nicht zuverlässig genug [4].

Testen lassen kann man sich laut IQWiG in Praxen für Dermatologie, Urologie und Gynäkologie, in manchen Hausarztpraxen, in Gesundheitsämtern und bei Checkpoints der Aidshilfe; dort kann man anonym bleiben [4]. Bei Einsendetests nimmt man die Urinproben oder Abstriche nach Anleitung selbst und schickt sie zur Auswertung in ein Labor [4]. Wird eine sexuell übertragbare Infektion festgestellt, sollten laut DSTIG-Leitfaden immer auch andere abgeklärt werden, zum Beispiel HIV, Syphilis und Gonorrhoe [8].

Kostenlose Tests ohne Beschwerden: Gesetzlich versicherte Frauen können sich laut IQWiG bis zu ihrem 25. Geburtstag einmal jährlich kostenlos auf Chlamydien testen lassen [4]. Allen Schwangeren empfehlen Fachleute einen Test; er wird in der ersten Vorsorgeuntersuchung angeboten und ist ebenfalls kostenlos [4]. Laut gesund.bund.de sollte das Screening auch vor einem Schwangerschaftsabbruch erfolgen [6]. Menschen mit einem erhöhten Risiko, etwa durch Sex mit wechselnden Partnerinnen und Partnern ohne Kondom, wird laut IQWiG empfohlen, sich regelmäßig testen zu lassen; die Tests muss man dann in der Regel selbst bezahlen [5].

Behandlung ohne Medikamente

Die Erreger lassen sich laut IQWiG nur mit Antibiotika wirksam abtöten [2]. Wird eine Chlamydien-Infektion festgestellt, sind laut IQWiG drei Dinge wichtig: auf Sex zu verzichten, zügig eine Behandlung zu beginnen und die Sexpartnerinnen und -partner der letzten sechs Monate zu informieren [5].

  • Kein Sex während der Behandlung: Bis zum Ende der Behandlung sollte man keinen Sex haben; wer mit einer einmaligen Antibiotika-Dosis behandelt wurde, auch in der Woche danach nicht [5].
  • Partnerinnen und Partner einbeziehen: Informierte Partnerinnen und Partner können sich testen und wenn nötig behandeln lassen; sonst kann man sich gegenseitig wieder anstecken [5]. Der DSTIG-Leitfaden nennt die Untersuchung aller Partnerinnen und Partner seit Beginn der Beschwerden und in den 6 Wochen davor und die Benachrichtigung der Partnerinnen und Partner der letzten 6 Monate. Bei der Mitbehandlung bevorzugt er ein Vorgehen nach dem Testergebnis; ohne Test wird in der Regel nur nach sehr frischem Kontakt oder bei unsicherer Therapietreue mitbehandelt [8].
  • Kein Desinfizieren nötig: Gegenstände oder Flächen im Haushalt müssen laut IQWiG nicht desinfiziert werden; auch Händeschütteln, Umarmungen oder Kuscheln sind kein Problem [5].

Behandlung mit Medikamenten

Mann Ende zwanzig mit dunkelblondem Haar in einem petrolfarbenen Kapuzenpullover sitzt in einem hellen Sprechzimmer einer Ärztin mit rotbraunem Haar gegenüber, beide unterhalten sich ruhig
Bild: KI-generiert

Gegen Chlamydien helfen Antibiotika [6]. Bei einer unkomplizierten Infektion im Genital-, Rachen- oder Analbereich wird laut IQWiG meist Doxycyclin empfohlen, das man in der Regel eine Woche lang einnimmt [2]. Der STI-Leitfaden der DSTIG in der 5. Auflage 2026/2027 nennt für Erwachsene mit unkomplizierter Infektion der Harn- und Geschlechtsorgane, des Enddarms oder des Rachens Doxycyclin als Standardtherapie und Azithromycin als Alternative [8]. Wegen der Resistenzproblematik versucht der Leitfaden, Azithromycin als Erstlinienempfehlung möglichst zu vermeiden [8].

Antibiotika bei Chlamydien nach dem STI-Leitfaden der DSTIG, mit Nebenwirkungen laut Fachinformation und Packungsbeilage
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
Tetracycline (weitere Antibiotika), laut DSTIG-Leitfaden Standardtherapie bei Erwachsenen mit unkomplizierter Infektion [8]Doxycyclin, laut Fachinformation unter anderem bei einer Harnröhrenentzündung durch Chlamydien, bei Infektionen der weiblichen Geschlechtsorgane und bei einer Bindehautentzündung durch Chlamydien [9]Hemmt die Eiweißherstellung der Bakterien, indem es eine Bindungsstelle an der 30S-Untereinheit ihrer Ribosomen umkehrbar blockiert; daraus ergibt sich eine vorwiegend bakteriostatische Wirkung, die Bakterien werden also an der Vermehrung gehindert [9]Sehr häufig: Lichtempfindlichkeitsreaktionen mit Rötung, Schwellung der Haut und Blasenbildung; häufig: Überempfindlichkeitsreaktionen (anaphylaktische Reaktionen), Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Fettstühle, Hautausschläge [9]
Makrolide (weitere Antibiotika), laut DSTIG-Leitfaden Alternative bei Erwachsenen mit unkomplizierter Infektion, in Schwangerschaft und Stillzeit Standardtherapie [8]Azithromycin, laut Fachinformation bei Harnröhren- und Gebärmutterhalsentzündung durch Chlamydia trachomatis bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 45 kg Körpergewicht, nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung nur, wenn bevorzugte Therapieschemata nicht angezeigt sind [11]Hemmt die Eiweißherstellung der Bakterien (Proteinsynthese) durch Bindung an die 50S-Untereinheit ihrer Ribosomen [11]Sehr häufig: Durchfall, Bauchbeschwerden; häufig: Kopfschmerzen, Erbrechen, Magenschmerzen, Übelkeit, veränderte Blutwerte [10]

Die Nebenwirkungen gelten nur für den genannten Wirkstoff. Sehr häufig heißt bei mehr als 1 von 10 Behandelten, häufig bei bis zu 1 von 10 Behandelten [9, 10]. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Mehr: Beipackzettel verstehen.

Doxycyclin

Doxycyclin ist ein Antibiotikum aus der Gruppe der Tetracycline [9]. Es sollte laut Fachinformation regelmäßig morgens mit dem Frühstück oder zusammen mit einer anderen Mahlzeit eingenommen werden; das kann Magen-Darm-Störungen verringern [9]. Um Geschwüre der Speiseröhre zu vermeiden, sollte die Tablette mit einem Glas Wasser, nicht mit Milch, und nicht unmittelbar vor dem Zubettgehen eingenommen werden [9]. Milch, Milchprodukte, calciumhaltige Fruchtsäfte, Mittel gegen Sodbrennen mit Aluminium oder Magnesium sowie Zink-, Bismut- oder Eisenpräparate können die Aufnahme beeinträchtigen und sollten mit 2 bis 3 Stunden Abstand eingenommen werden [9]. Die Angaben der Packungsbeilage zur Menge stehen unter Doxycyclin, Dosierung. Mehr: Medikamente mit Milch.

Azithromycin

Azithromycin gehört zu den Makrolid-Antibiotika und wird laut IQWiG nur einmal eingenommen; es ist eine Alternative, wenn Doxycyclin nicht vertragen wird [2]. Weil die Konzentrationen im Blut und im Gewebe lange anhalten und nach dem Ende der Behandlung abnehmen, könnte Azithromycin laut Fachinformation die Entwicklung von Resistenzen begünstigen. Eine Behandlung sollte nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung unter Berücksichtigung der örtlichen Resistenzlage begonnen werden, wenn bevorzugte Therapieschemata nicht angezeigt sind [11]. Diesen Warnhinweis empfahl der Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP) der Europäischen Arzneimittel-Agentur am 23.05.2025 nach einer Neubewertung von Azithromycin; das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat den Beschluss der EU-Kommission mit Bescheid vom 17.09.2025 umgesetzt [12]. Wird eine Einzeldosis erwogen, sollte laut Fachinformation eine Begleitinfektion mit Mycoplasma genitalium ausgeschlossen werden, weil bei diesem Erreger ein hohes Resistenzrisiko besteht; auch eine Syphilis sollte ausgeschlossen werden, weil ihre Symptome sonst verdeckt werden könnten [11]. Die Angaben der Packungsbeilage zur Menge stehen unter Azithromycin, Dosierung.

Bei Komplikationen und bei gleichzeitigem Tripper

Haben sich die Chlamydien auf die inneren Geschlechtsorgane oder das ganze Becken ausgebreitet, setzen Ärztinnen und Ärzte laut IQWiG ebenfalls Antibiotika ein, oft verschiedene Wirkstoffe in Kombination und einige davon als Spritze oder Infusion; die Behandlung dauert dann in der Regel zwei Wochen [2]. Beim Lymphogranuloma venereum nennt der DSTIG-Leitfaden eine Behandlung mit Doxycyclin über mindestens 21 Tage [8]. Liegt gleichzeitig eine Gonorrhoe vor, nennt der DSTIG-Leitfaden im Abschnitt Chlamydien das Antibiotikum Ceftriaxon als Infusion oder Spritze zusammen mit Azithromycin, im Abschnitt Gonorrhoe bei hinreichendem Verdacht auf eine Chlamydien-Infektion Ceftriaxon zusammen mit Doxycyclin [8]. Mehr: Tripper (Gonorrhö).

Schwangerschaft und Stillzeit

Doxycyclin ist laut Fachinformation in der Schwangerschaft und bei stillenden Müttern kontraindiziert. Die Risiken scheinen insbesondere mit den Wirkungen auf die Entwicklung von Zähnen und Skelett zusammenzuhängen; in der Schwangerschaft besteht außerdem eine erhöhte Gefahr von Leberschäden unter Tetracyclinen [9]. Schwangeren mit einer Chlamydien-Infektion wird laut IQWiG einmalig Azithromycin empfohlen [2]. Auch der DSTIG-Leitfaden nennt Azithromycin für Schwangerschaft und Stillzeit [8]. Für Azithromycin gilt laut Packungsbeilage: In der Schwangerschaft prüft die Ärztin oder der Arzt, ob der Nutzen die möglichen Risiken überwiegt; laut Fachinformation sollte es in der Schwangerschaft nur angewendet werden, wenn es klinisch erforderlich ist [10, 11]. Azithromycin geht in die Muttermilch über; ob das Stillen unterbrochen oder auf die Behandlung verzichtet wird, entscheidet laut Packungsbeilage die Ärztin oder der Arzt [10]. Laut Embryotox kann Azithromycin bei entsprechender Indikation in allen Phasen der Schwangerschaft eingesetzt werden; als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox Penicilline und Cephalosporine [14]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. In der Stillzeit kann Azithromycin laut Embryotox indikationsgerecht eingesetzt werden [14]. Was Embryotox zu Doxycyclin schreibt, steht auf der Seite Doxycyclin. Mehr: Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.

Kontrolltest nach der Behandlung

Einen Kontrolltest mit Nachweis des Erbguts der Erreger sieht der DSTIG-Leitfaden frühestens 6 Wochen nach der Therapie vor. Nach der Standardtherapie mit Doxycyclin ist er nicht routinemäßig vorgesehen, wohl aber in der Schwangerschaft, bei anhaltenden Beschwerden, wenn die Medikamente nicht wie vorgesehen eingenommen wurden, nach erneutem Kontakt, bei Komplikationen oder nach einer anderen als der Standardbehandlung [8]. Auch laut IQWiG sind Kontrolluntersuchungen besonders sinnvoll für Schwangere und für Menschen, bei denen die Beschwerden trotz Therapie anhalten [1].

Nebenwirkungen der Medikamente

Doxycyclin: Sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, sind laut Fachinformation Lichtempfindlichkeitsreaktionen mit Rötung, Schwellung der Haut und Blasenbildung [9]. Sonnenbaden im Freien oder im Solarium sollte während der Behandlung deshalb vermieden werden [9]. Bei schweren akuten Überempfindlichkeitsreaktionen oder schweren Hautreaktionen mit lebensbedrohlichen Allgemeinreaktionen muss die Behandlung laut Fachinformation sofort abgebrochen werden. Schwere, anhaltende Durchfälle während oder nach der Behandlung können auf eine schwerwiegende Dickdarmentzündung hinweisen; dann muss Doxycyclin unverzüglich abgesetzt werden [9]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Mehr: Lichtempfindlichkeit durch Medikamente.

Azithromycin: Sehr häufig sind laut Packungsbeilage Durchfall und Bauchbeschwerden, häufig Kopfschmerzen, Erbrechen, Magenschmerzen, Übelkeit und veränderte Bluttestergebnisse [10]. Brechen Sie die Einnahme laut Packungsbeilage ab und suchen Sie sofort eine Ärztin oder einen Arzt auf bei plötzlich keuchender Atmung, Atembeschwerden, Schwellung von Augenlidern, Gesicht oder Lippen, bei schnellem oder unregelmäßigem Herzschlag, bei dunklem Urin, Appetitlosigkeit oder Gelbfärbung von Haut oder Augenweiß, bei schwerem Durchfall mit Bauchkrämpfen, Blut im Stuhl oder Fieber und bei schweren Hautausschlägen mit Blasen oder Abschälen der Haut [10]. Mehr: QT-Verlängerung, Durchfall durch Medikamente, Schwere Hautreaktionen und Arzneimittelallergie.

Verordnete Antibiotika sollten laut gesund.bund.de über den vorgesehenen Zeitraum und in der richtigen Dosierung eingenommen werden, damit die Behandlung erfolgreich ist [6]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Ob ein Antibiotikum die Sicherheit der Pille beeinflusst, erklärt der Ratgeber Pille und Antibiotika. Nebenwirkungen können Sie laut Packungsbeilage Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem BfArM melden [10]. Mehr: Nebenwirkung melden und Antibiotika richtig einnehmen.

Schutz vor Ansteckung

Kondome und Femidome (Kondome für die Frau) verringern laut IQWiG das Risiko, sich mit Chlamydien anzustecken, können eine Ansteckung aber nicht immer verhindern [1]. Sie müssen konsequent und richtig angewendet werden, auch bei Oralverkehr; beim Oralsex können Lecktücher (Dental Dams) benutzt werden [5]. Werden Sexspielzeuge gemeinsam verwendet, ist es laut IQWiG ratsam, ein Kondom darüber zu streifen und vor jedem Tausch ein neues zu nehmen [5]. Bei Verdacht auf eine Chlamydien-Infektion sollte man laut gesund.bund.de einen Termin in einer Praxis vereinbaren und bis dahin auf Geschlechtsverkehr verzichten [6].

Offen mit der Ärztin oder dem Arzt über Sex und eine mögliche Infektion zu sprechen, kann Überwindung kosten. Ärztinnen und Ärzte müssen diese Informationen laut IQWiG genau wie andere Gesundheitsdaten vertraulich behandeln [4]. Die Gesundheitsämter bieten laut RKI nach dem Infektionsschutzgesetz Beratung und Untersuchung zu sexuell übertragbaren Infektionen an [7]. Weitere sexuell übertragbare Infektionen: Genitalherpes und Syphilis.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Unterleibs- oder Bauchschmerzen mit Fieber, starke Schmerzen mit hohem Fieber und Schüttelfrost oder ein schmerzhaft geschwollener, geröteter Hodensack können laut IQWiG darauf hinweisen, dass sich die Infektion ausgebreitet hat [3]. Sehstörungen bei einer eitrigen Bindehautentzündung können auf eine Entzündung der Hornhaut hinweisen, die unbehandelt bis zur Erblindung führen kann [3]. Lassen Sie solche Beschwerden ärztlich untersuchen. Akute Bauchschmerzen nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) als Fall für den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, wenn die Praxen geschlossen sind und die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann [13]. Schwere Atemnot, starke Brustschmerzen und akute, anhaltende stärkste Schmerzzustände sind Fälle für den Notruf 112 [13]. Die Warnzeichen unter Doxycyclin und Azithromycin stehen im Abschnitt Nebenwirkungen der Medikamente.

Quellen

  1. Chlamydien-Infektion. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 31.05.2023. abgerufen am 18.10.2026
  2. Wie wird eine Chlamydien-Infektion behandelt?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 31.05.2023. abgerufen am 18.10.2026
  3. Welche Folgen kann eine Chlamydien-Infektion haben?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 31.05.2023. abgerufen am 18.10.2026
  4. Wann und wo mache ich einen Chlamydien-Test?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 31.05.2023. abgerufen am 18.10.2026
  5. Wie schütze ich mich und andere vor Chlamydien?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 31.05.2023. abgerufen am 18.10.2026
  6. Behörde Chlamydien. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (geprüft durch die Deutsche STI-Gesellschaft). Stand 25.05.2025. abgerufen am 18.10.2026
  7. Behörde RKI-Ratgeber Chlamydiosen (Teil 1): Erkrankungen durch Chlamydia trachomatis (Abschnitte Erreger, Vorkommen, Präventiv- und Bekämpfungsmaßnahmen, Gesetzliche Grundlage). Robert Koch-Institut (RKI). Stand Stand 23.12.2024 (aktualisierte Fassung von 12/2010, Abschnitt Gesetzliche Grundlage 12/2024). abgerufen am 18.10.2026
  8. Leitfaden STI-Therapie, -Diagnostik und -Prävention (STI-Leitfaden für die Kitteltasche), 5. Auflage 2026/2027, Abschnitte Vorwort, Chlamydien, Gonorrhoe, Häufige Fragen und Partnermanagement; fasst unter anderem die S2k-Leitlinie Infektionen mit Chlamydia trachomatis (AWMF-Register-Nr. 059-005, Stand 2016) und die S3-Leitlinie Management der Urethritis (013-099, 2024) zusammen. Deutsche STI-Gesellschaft (DSTIG), Gesellschaft zur Förderung der Sexuellen Gesundheit. Stand 5. Auflage 2026/2027 (PDF-Fassung 10/2026). abgerufen am 18.10.2026
  9. Fachinformation Fachinformation Doxy-M-ratiopharm 100 mg / 200 mg Tabletten (Version 12). ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 18.10.2026
  10. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Azithromycin-ratiopharm 500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 18.10.2026
  11. Fachinformation Fachinformation Azithromycin-ratiopharm 500 mg Filmtabletten (Version 12). ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 18.10.2026
  12. Behörde Azithromycin: Neubewertung des Nutzens und der Risiken (Gutachten des CHMP vom 23.05.2025, Durchführungsbeschluss der EU-Kommission vom 08.09.2025, Bescheid im Stufenplanverfahren vom 17.09.2025). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 22.09.2025. abgerufen am 18.10.2026
  13. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer", "Fälle für den Bereitschaftsdienst" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
  14. Embryotox Embryotox: Azithromycin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026

Häufige Fragen

Woran merkt man, dass man Chlamydien hat?

Oft gar nicht: Laut IQWiG bleiben etwa 80 Prozent der infizierten Frauen und 50 Prozent der Männer ohne Beschwerden. Mögliche Zeichen sind wässrig-schleimiger oder eitriger Ausfluss, Schmerzen und Brennen beim Wasserlassen, häufiger Harndrang und bei einer Infektion im Enddarm Juckreiz, Ausschlag um den After oder Blut und Schleim am Kot. Wenn Symptome auftreten, beginnen sie meist 1 bis 3 Wochen nach der Ansteckung. Gewissheit kann laut IQWiG ein Test schaffen.

Welche Antibiotika helfen gegen Chlamydien?

Der STI-Leitfaden der Deutschen STI-Gesellschaft (5. Auflage 2026/2027) nennt für Erwachsene mit unkomplizierter Infektion Doxycyclin als Standardtherapie und Azithromycin als Alternative. Laut IQWiG nimmt man Doxycyclin in der Regel eine Woche lang ein, Azithromycin nur einmal. Eine Behandlung mit Azithromycin sollte laut Fachinformation nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung beginnen, wenn bevorzugte Therapieschemata nicht angezeigt sind. Welche Menge die Packungsbeilagen nennen, steht bei Doxycyclin und Azithromycin.

Wann darf ich nach der Behandlung wieder Sex haben?

Laut IQWiG sollte man bis zum Ende der Behandlung keinen Sex haben. Wer mit einer einmaligen Antibiotika-Dosis behandelt wurde, sollte auch in der Woche danach auf Sex verzichten. Damit Sie sich nicht erneut anstecken, sollten auch Ihre Sexpartnerinnen und -partner untersucht und bei Bedarf behandelt werden.

Muss sich mein Partner oder meine Partnerin auch behandeln lassen?

Laut IQWiG ist es am sichersten, alle zu informieren, mit denen man in den letzten sechs Monaten Sex hatte; sie können sich dann testen und wenn nötig behandeln lassen. Sonst kann man sich gegenseitig wieder anstecken. Der STI-Leitfaden der DSTIG nennt die Untersuchung aller Partnerinnen und Partner seit Beginn der Beschwerden und in den 6 Wochen davor; mitbehandelt wird bevorzugt nach dem Testergebnis.

Wo kann ich mich auf Chlamydien testen lassen und wer zahlt?

Laut IQWiG in Praxen für Dermatologie, Urologie und Gynäkologie, in manchen Hausarztpraxen, in Gesundheitsämtern und bei Checkpoints der Aidshilfe, dort auch anonym. Bei einem konkreten Verdacht, etwa bei Beschwerden oder einer Infektion beim Partner oder der Partnerin, übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten in der Arztpraxis. Gesetzlich versicherte Frauen können sich bis zu ihrem 25. Geburtstag einmal jährlich kostenlos testen lassen; in der Schwangerschaft ist der Test ebenfalls kostenlos.

Sind Chlamydien in der Schwangerschaft gefährlich?

Laut IQWiG ist das Risiko für eine Früh- oder Fehlgeburt erhöht. Bleibt die Infektion unbehandelt, kommt es bei etwa zwei Dritteln der Kinder infizierter Mütter bei der Geburt zu einer Ansteckung; die Neugeborenen bekommen dann häufig eine Bindehautentzündung. Deshalb wird allen Schwangeren in der ersten Vorsorgeuntersuchung ein kostenloser Test angeboten. Doxycyclin ist laut Fachinformation in der Schwangerschaft kontraindiziert; laut IQWiG wird Schwangeren einmalig Azithromycin empfohlen, das laut Fachinformation in der Schwangerschaft nur angewendet werden sollte, wenn es klinisch erforderlich ist.

Kann man Chlamydien mehrmals bekommen?

Ja. Eine durchgemachte Chlamydien-Infektion führt laut IQWiG nicht zu einer Immunität; man kann sich auch nach einer erfolgreichen Behandlung erneut anstecken. Kondome, Femidome und beim Oralsex Lecktücher verringern das Risiko, können eine Ansteckung aber nicht immer verhindern.

Sind Chlamydien meldepflichtig?

Für eine Chlamydien-Infektion besteht laut IQWiG keine Meldepflicht, außer in Sachsen; dort melden Ärztinnen und Ärzte eine entdeckte Infektion ohne Namen an das Gesundheitsamt. Nachweise der Typen L1 bis L3, die das Lymphogranuloma venereum auslösen, sind laut Robert Koch-Institut seit einer Änderung des Infektionsschutzgesetzes im September 2022 an das RKI zu melden. Ärztinnen und Ärzte müssen Gesundheitsdaten vertraulich behandeln.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu

  • Krankheiten Tripper (Gonorrhö)

    Ein Tripper ist eine sexuell übertragbare Infektion mit Gonokokken.

  • Krankheiten Syphilis

    Syphilis ist eine sexuell übertragbare Infektion, die sich gut mit Antibiotika behandeln lässt.

  • Krankheiten Genitalherpes

    Genitalherpes ist eine häufige sexuell übertragbare Infektion mit Herpesviren.

  • Wirkstoffgruppen Calciumkanalblocker (Calciumantagonisten)

    Calciumkanalblocker wie Amlodipin und Nifedipin erweitern die Blutgefäße.