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Herzinsuffizienz
Bei einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) kann das Herz nicht mehr genügend Blut in den Körper pumpen; häufige Anzeichen sind Kurzatmigkeit, Erschöpfung und Wassereinlagerungen. Bei verminderter Pumpleistung und Beschwerden soll laut Nationaler VersorgungsLeitlinie eine Kombination aus bis zu vier Wirkstoffgruppen empfohlen werden: ACE-Hemmer (bei Unverträglichkeit Sartane) oder Sacubitril/Valsartan, Betablocker, Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten und SGLT2-Hemmer; bei Wassereinlagerungen soll zusätzlich ein Diuretikum empfohlen werden. Bei erhaltener Pumpleistung sollte laut Leitlinie ein SGLT2-Hemmer empfohlen werden. Bei schwerer Atemnot oder starken Brustschmerzen rufen Sie den Notruf 112.

Bei einer Herzinsuffizienz (Herzschwäche) kann das Herz nicht mehr genügend Blut in den Körper pumpen. Organe, Muskeln und andere Gewebe werden nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt, und das Blut staut sich vor dem Herzen [3]. Meist wird eine Herzschwäche mit Medikamenten behandelt [3]. Für Menschen mit verminderter Pumpleistung und Beschwerden soll laut Nationaler VersorgungsLeitlinie (NVL) Chronische Herzinsuffizienz eine Kombination aus bis zu vier Wirkstoffgruppen empfohlen werden, bei Wassereinlagerungen zusätzlich ein Entwässerungsmittel (Diuretikum) [1].
Was ist eine Herzinsuffizienz?
Eine Herzschwäche kann plötzlich auftreten, zum Beispiel bei einem Herzinfarkt; diese akute Herzschwäche ist ein Notfall [3]. Meist entwickelt sie sich aber langsam infolge einer anderen Erkrankung wie einem dauerhaft erhöhten Blutdruck; das ist die chronische Herzschwäche [4]. Eine Linksherzinsuffizienz, die häufigste Form, äußert sich durch Kurzatmigkeit, Atemnot oder Husten, vor allem bei Anstrengung; bei einer Rechtsherzinsuffizienz staut sich das Blut in den Venen, und Wasser kann sich in den Beinen einlagern, seltener auch im Bauch oder in der Leber [4].
Formen nach der Pumpleistung: Bei verminderter Auswurfleistung (reduzierte Ejektionsfraktion, HFrEF) ist der Herzmuskel geschwächt; bei erhaltener Auswurfleistung (HFpEF) ist er noch kräftig, aber steifer und füllt sich nicht richtig mit Blut [4]. Diese Einteilung ist laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) wichtig, um passende Medikamente auszuwählen [4]. Die NVL nennt zusätzlich die mäßig reduzierte Ejektionsfraktion (HFmrEF) mit einer linksventrikulären Ejektionsfraktion (LVEF) von 41 bis 49 Prozent [1].
Schweregrade: Fachleute bewerten laut IQWiG unter anderem, wie stark die Beschwerden sind [3]:
- Ohne Beschwerden: Eine verringerte Herzleistung zeigt sich nur bei Untersuchungen wie dem Herzultraschall [3]; das entspricht laut NVL der NYHA-Klasse I [1].
- Leicht: Erschöpfung oder Atemnot erst bei stärkerer Belastung wie Treppensteigen [3].
- Mittelschwer: Beschwerden schon bei Alltagstätigkeiten wie Gehen auf gerader Strecke [3].
- Schwer: Beschwerden in Ruhe oder bei geringsten Aktivitäten [3].
Eine Herzschwäche tritt laut IQWiG meist erst nach dem 65. Lebensjahr auf; mehr als 10 Prozent der über 70-Jährigen sind betroffen [3]. Bei den meisten Menschen ist sie nicht heilbar. Hat eine behandelbare Erkrankung wie geschädigte Herzklappen oder Bluthochdruck sie ausgelöst, lässt sie sich manchmal aufhalten, wenn die Ursache behandelt wird [3].
Symptome
Die häufigsten Anzeichen sind laut IQWiG Kurzatmigkeit und Atemnot, Erschöpfung und Abgeschlagenheit, Wassereinlagerungen in den Füßen, Knöcheln oder Beinen, seltener im Genitalbereich oder im Bauch, und eine Gewichtszunahme durch die Wassereinlagerungen [3]. Möglich sind außerdem ein schneller Herzschlag, häufiges nächtliches Wasserlassen, Konzentrationsprobleme und Husten [3]. Weil diese Beschwerden auch andere Ursachen haben können und viele Betroffene weitere Erkrankungen haben, kann es schwierig sein, eine beginnende Herzschwäche zu erkennen [3]. Staut sich Wasser im Bauchraum oder in der Leber, schwillt der Bauch an, und es kommt zu Appetitlosigkeit, Übelkeit und Verdauungsproblemen [3].
Ursachen und Risikofaktoren
Eine Herzschwäche ist laut IQWiG meistens die Folge einer anderen Erkrankung, die den Herzmuskel oder die Blutgefäße geschädigt hat. Die häufigsten Ursachen sind die koronare Herzkrankheit (KHK) und der Herzinfarkt, Bluthochdruck, Herzklappenfehler und Herzrhythmusstörungen wie das Vorhofflimmern [3]. Zu den häufigsten Risikofaktoren zählt das IQWiG Typ-2-Diabetes, Rauchen, Alkoholkonsum, starkes Übergewicht (Adipositas), wenig Bewegung und bestimmte Krebsmedikamente [3].
Medikamente als Ursache: Alkohol, Drogen und bestimmte Arzneimittel können laut IQWiG den Herzmuskel schädigen [3]. Die NVL nennt Wirkstoffe, die den Zustand bei einer Herzschwäche verschlechtern können, etwa entzündungshemmende Schmerzmittel (NSAR) wie Diclofenac, Ibuprofen und Naproxen; ihr Einsatz soll kritisch geprüft und mit den Betroffenen besprochen werden (Empfehlung 6-22) [1]. Mehr auf der Seite Herzschwäche durch Medikamente.
Diagnose
Auffällige Herztöne beim Abhorchen oder ein rasselndes Atemgeräusch erhärten laut IQWiG den Verdacht auf eine Herzschwäche [3]. Zur Sicherung der Diagnose folgen in der Regel ein EKG, Blutuntersuchungen und eine Ultraschalluntersuchung des Herzens (Echokardiografie), mit der sich die Pumpleistung messen lässt; außerdem wird nach der Ursache gesucht, um wenn möglich auch die Grunderkrankung zu behandeln [3].
Behandlung ohne Medikamente

Die Behandlung stützt sich laut IQWiG auf die Behandlung der Grunderkrankung, Medikamente und körperliches Training [3]. Dazu gehören laut IQWiG und NVL:
- Herzsport: Angepasste Programme mit Ausdauer- und Muskeltraining können die Belastbarkeit erhöhen und die Lebensqualität verbessern [3]. Herzsport-Gruppen sind ärztlich betreut; welcher Sport in welcher Intensität geeignet ist, besprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, und bei akuten Erkrankungen und Fieber sollte man darauf verzichten [6].
- Rauchen und Alkohol: Nicht zu rauchen, Alkohol nur in Maßen zu trinken und so gut es geht aktiv zu bleiben, entlastet das Herz-Kreislauf-System [3]. Mehr: Rauchen aufhören.
- Trinkmenge: Bei einer fortgeschrittenen Herzschwäche ist es meist nötig, die tägliche Trinkmenge zu verringern; wie viel Sie trinken können, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [3].
- Gewicht: Tägliches Wiegen kann frühzeitig zeigen, dass sich Wasser einlagert; ein Arztbesuch ist dann ratsam [3].
- Impfungen: Laut NVL sollen die Impfungen empfohlen werden, die die Ständige Impfkommission für Menschen mit chronischen Erkrankungen empfiehlt, insbesondere gegen Grippe, Pneumokokken und COVID-19 (Empfehlung 6-27, starke Empfehlung) [1].
Bei ausgeprägter Herzschwäche können implantierte Geräte wie ein Defibrillator (ICD) oder ein spezieller Schrittmacher (CRT) nötig sein [3, 5].
Behandlung mit Medikamenten
Bei verminderter Pumpleistung (HFrEF) nennt die NVL Chronische Herzinsuffizienz, Version 4.0 von 2023, vier Gruppen, die sie als prognoseverbessernd einstuft: ACE-Hemmer (bei Unverträglichkeit Sartane) oder Sacubitril/Valsartan (ARNI), Betablocker, Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA) und SGLT2-Hemmer [1]. Symptomatischen Patientinnen und Patienten soll eine Kombination daraus empfohlen werden; Auswahl, Reihenfolge und Dosierung sollen sich nach Nebenwirkungen, Begleiterkrankungen und Verträglichkeit richten (Empfehlung 6-1, starke Empfehlung) [1]. Die Mittel sollen möglichst nacheinander begonnen werden, nicht mehr als zwei gleichzeitig, und möglichst in Abständen von 2 bis 4 Wochen gesteigert werden (6-20) [1]. Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; die Angaben der Packungsbeilage stehen auf den Wirkstoffseiten, zum Beispiel bei Bisoprolol.
Die Nebenwirkungen in der Tabelle stammen aus der Packungsbeilage eines Beispielwirkstoffs und gelten nur für diesen ("sehr häufig": bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig": bei bis zu 1 von 10); maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| ACE-Hemmer | Enalapril, Ramipril, Lisinopril [1] | Senken den Blutdruck und entlasten das Herz [7] | Enalapril, sehr häufig: Schwindel-, Schwäche- oder Übelkeitsgefühl, verschwommenes Sehen, Husten; häufig unter anderem niedriger Blutdruck, Kopfschmerzen, erhöhte Kalium- und Kreatininwerte [7]. Ein Angioödem kann laut BfArM jederzeit auftreten, auch erst spät [19] |
| Sartane, wenn ACE-Hemmer nicht vertragen werden [1] | Candesartan, Valsartan, Losartan [1] | Entspannen und erweitern die Blutgefäße und erleichtern dem Herzen das Pumpen [8] | Candesartan, häufig: Schwindel oder Drehgefühl, Kopfschmerzen, Atemwegsinfektion, niedriger Blutdruck, erhöhtes Kalium, Beeinflussung der Nierenfunktion [8] |
| Angiotensin-Rezeptor-Neprilysin-Inhibitor (ARNI) | Sacubitril/Valsartan [1] | Valsartan blockiert die Andockstelle von Angiotensin II; die Wirkform von Sacubitril hemmt das Enzym Neprilysin, sodass sich Peptide anreichern, die die Gefäße erweitern und die Ausscheidung von Salz und Wasser fördern können [9] | Sehr häufig: niedriger Blutdruck, hoher Kaliumspiegel, verminderte Nierenfunktion; häufig unter anderem Husten, Schwindelgefühl, Durchfall, Kopfschmerzen [9] |
| Betablocker | Bisoprolol, Metoprolol (als Metoprololsuccinat), Carvedilol, Nebivolol [1] | Verlangsamen den Herzschlag und erhöhen dadurch im Verhältnis zur Pumpleistung die Leistungsfähigkeit des Herzens [10] | Bisoprolol, bei Herzschwäche sehr häufig: verlangsamter Herzschlag; häufig: niedriger Blutdruck, Verschlechterung einer bestehenden Herzschwäche, Schwächegefühl, Müdigkeit, Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Kälte- oder Taubheitsgefühl in Fingern oder Zehen, Magen-Darm-Beschwerden [10] |
| Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten (MRA) | Eplerenon, Spironolacton [1] | Hemmen das Hormon Aldosteron, das in hohen Konzentrationen Veränderungen bewirken kann, die den Herzmuskel schwächen [12] | Eplerenon, häufig unter anderem: erhöhte Kaliumspiegel, Schwindel, niedriger Blutdruck, Nierenfunktionsstörungen, Husten, Durchfall, Übelkeit [12]. Spironolacton, häufig: lebensbedrohlich erhöhtes Kalium, vor allem bei eingeschränkter Nierenfunktion; bei Männern meist wieder zurückgehende Vergrößerung der Brust [13] |
| SGLT2-Hemmer | Dapagliflozin, Empagliflozin [1] | Blockieren ein Transporteiweiß in der Niere; Zucker, Salz und Wasser werden mit dem Urin ausgeschieden [15] | Dapagliflozin, häufig: Genitalinfektion, Harnwegsinfektion, Rückenschmerzen, mehr Urin, Schwindel, Hautausschlag; bei Diabetes zusammen mit Sulfonylharnstoff oder Insulin sehr häufig zu niedriger Blutzucker [15] |
Welches Mittel wann: Sartane gelten laut NVL als Mittel der zweiten Wahl bei ACE-Hemmer-Unverträglichkeit; Sacubitril/Valsartan sieht sie in erster Linie als Ersatz für den ACE-Hemmer, wenn unter ACE-Hemmer, Betablocker und MRA weiter Beschwerden bestehen, laut Zulassung kommt es auch von Anfang an infrage [1]. Nach einem ACE-Hemmer darf es laut Packungsbeilage erst 36 Stunden nach dessen letzter Dosis begonnen werden [9]. Dapagliflozin ist laut Packungsbeilage zur Behandlung der Herzinsuffizienz bei Erwachsenen zugelassen [15]; laut IQWiG verlängern SGLT2-Hemmer auch das Leben von Menschen mit Herzschwäche und verminderter Pumpleistung, die keinen Diabetes haben [5].
Zulassung beachten: Bei Metoprolol nennt die NVL Metoprololsuccinat [1]; Metoprolol-ratiopharm Succinat Retardtabletten sind laut Packungsbeilage bei leichter bis mittelschwerer stabiler chronischer Herzmuskelschwäche zusätzlich zur üblichen Standardtherapie zugelassen [11]. Nebivolol STADA ist laut Packungsbeilage zur Behandlung der stabilen leichten bis mittelschweren chronischen Herzleistungsschwäche bei Menschen ab 70 Jahren zusätzlich zu einer Standardbehandlung zugelassen [26]. Eplerenon-ratiopharm wird laut Packungsbeilage bei Herzmuskelschwäche nach einem kürzlich erlittenen Herzinfarkt oder bei anhaltenden leichten Beschwerden trotz der bisherigen Behandlung angewendet [12]. Spironolacton-ratiopharm ist laut Packungsbeilage beim primären Hyperaldosteronismus und bei Ödemen infolge eines sekundären Hyperaldosteronismus zugelassen [13]; die Fachinformation von Spironolacton Accord nennt zusätzlich Ödeme bei einer Herzschwäche (kongestive Herzinsuffizienz) und die schwere Herzinsuffizienz (NYHA III bis IV) [14].
Diuretika bei Wassereinlagerungen
Bei Zeichen von Wassereinlagerungen soll laut NVL ein Diuretikum empfohlen werden (Empfehlung 6-6, starke Empfehlung), vor allem Schleifendiuretika wie Torasemid und Furosemid [1]. Sie erhöhen die Urinausscheidung und entlasten so das Herz [5]. Unter Diuretika soll regelmäßig geprüft werden, ob die Dosis verringert werden kann (6-7) [1]. Bei Torasemid sind laut Packungsbeilage unter anderem Kaliummangel, Störungen des Salz- und Wasserhaushalts, Kopfschmerzen, Schwindel, Magen-Darm-Beschwerden und Muskelkrämpfe häufig [16]. Mehr: Diuretika.
Bei mäßig eingeschränkter oder erhaltener Pumpleistung
Bei HFmrEF kann laut NVL ein RAS-Hemmer (ACE-Hemmer, Sartan oder ARNI), ein Betablocker bzw. ein MRA empfohlen werden (6-14, offene Empfehlung); ein SGLT2-Hemmer sollte empfohlen werden (6-15) [1]. Bei HFpEF sollte ein SGLT2-Hemmer (Empagliflozin, Dapagliflozin) empfohlen werden (6-17), Begleiterkrankungen sollen nach der jeweiligen Leitlinie behandelt werden (6-19) [1]. In beiden Fällen soll bei Wassereinlagerungen ein Diuretikum empfohlen werden (6-16, 6-18) [1]. Für RAS-Hemmer und Betablocker wurde in Studien zur HFpEF kein Nutzen nachgewiesen; häufig sind sie aber wegen Begleiterkrankungen angezeigt [1]. Sacubitril/Valsartan ist bei Erwachsenen für die symptomatische, chronische Herzinsuffizienz mit reduzierter Ejektionsfraktion zugelassen [9].
Ohne Beschwerden
Ist die Pumpfunktion der linken Herzkammer eingeschränkt, ohne dass Beschwerden bestehen, soll laut NVL ein ACE-Hemmer empfohlen werden, wenn nichts dagegen spricht (6-3); bei Unverträglichkeit kann ein Sartan empfohlen werden (6-4), außerdem sollte ein Betablocker empfohlen werden (6-5) [1].
Weitere Medikamente
- Ivabradin senkt gezielt die Herzfrequenz [17]. Laut NVL sollte es bei HFrEF mit Beschwerden zusätzlich empfohlen werden, wenn die LVEF höchstens 35 Prozent beträgt, ein stabiler Sinusrhythmus besteht, ein RAS-Hemmer und ein MRA eingenommen werden und der Ruhepuls trotz Betablocker-Zieldosis oder höchster vertragener Dosis, oder bei Betablocker-Unverträglichkeit oder -Gegenanzeigen, bei mindestens 75 pro Minute liegt (6-8, 6-9) [1]. Laut Packungsbeilage sind visuelle Lichtphänomene, kurze Momente erhöhter Helligkeit, sehr häufig [17].
- Vericiguat kann laut NVL empfohlen werden, wenn sich eine HFrEF kürzlich so verschlechtert hatte, dass eine Behandlung über die Vene nötig war, und sie wieder stabil ist (6-11, offene Empfehlung) [1].
- Digitalisglykoside wie Digitoxin können laut NVL bei Sinusrhythmus empfohlen werden, wenn trotz leitliniengerechter Behandlung erhebliche Beschwerden bleiben, dosiert nach der angestrebten Konzentration im Blut (6-12, offene Empfehlung) [1]. Laut IQWiG können sie leicht überdosiert werden [5]; Übelkeit sollte laut Packungsbeilage von Digitoxin als frühes Zeichen einer übermäßig hohen Dosierung angesehen werden [18].
- Eisen: Einen Eisenmangel bei Herzschwäche kann man laut IQWiG mit Eisentabletten oder Eiseninfusionen beheben [5]. Mehr: Eisenmangel.
Blutverdünner: Ohne weiteren Grund für eine Blutgerinnungshemmung sollen Menschen mit Herzschwäche laut NVL keine Gerinnungshemmer oder Thrombozytenaggregationshemmer erhalten (6-13, starke Empfehlung); angezeigt sein können sie etwa bei Vorhofflimmern oder einer KHK [1]. Mehr: Blutverdünner.
Schwangerschaft: Enalapril und Sacubitril/Valsartan werden laut Packungsbeilage in der frühen Schwangerschaft nicht empfohlen und dürfen nach dem dritten Schwangerschaftsmonat nicht mehr eingenommen werden [7, 9]. Wenn Sie beabsichtigen, schwanger zu werden, fragen Sie vorher Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke um Rat [7]. Mehr: Medikamente in der Schwangerschaft.
Nebenwirkungen der Medikamente
Beim Beginn und beim schrittweisen Steigern der Dosis können laut Patientenblatt zur NVL Nebenwirkungen auftreten oder sich verstärken; einige klingen mit der Zeit ab [2]. Laut NVL soll mit Ihnen besprochen werden, welche Nebenwirkungen dabei auftreten können und wie Sie sich dann verhalten können (6-21) [1].
- Niedriger Blutdruck: Alle Gruppen sind laut NVL in unterschiedlichem Ausmaß mit einem erhöhten Risiko dafür verbunden; nur bei SGLT2-Hemmern spielt die Blutdrucksenkung eine geringe Rolle [1]. Beim Aufstehen kann einem dann laut Patientenblatt schnell schwindelig oder schwarz vor Augen werden [2]. Mehr: Niedriger Blutdruck durch Medikamente.
- Kalium und Nieren: Das Risiko für zu viel Kalium ist laut NVL bei allen RAS-Hemmern und MRA erhöht; RAS-Hemmer, MRA und SGLT2-Hemmer können kurzfristig den Kreatininwert erhöhen, in der Regel ohne Schädigung der Nierenstruktur [1]. Mehr: Kaliumstörungen durch Medikamente und Nierenschäden.
- Husten und Angioödem: Unter ACE-Hemmern tritt bei einem Teil der Behandelten trockener Husten auf; weil er auch andere Ursachen haben kann, etwa Wasser in der Lunge, sollten diese abgeklärt werden [1]. Laut einer Risikoinformation des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vom 28.05.2026 kann es unter ACE-Hemmern jederzeit zu einem Angioödem kommen, auch erst zu einem späteren Zeitpunkt; das gilt auch für Kombinationspräparate [19]. Mehr: Reizhusten und Arzneimittelallergie.
- Kombinationen: Laut den Kernelementen des Ausschusses für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC), die das BfArM am 01.12.2014 veröffentlicht hat, erhöht die kombinierte Anwendung von ACE-Hemmern, Sartanen oder Aliskiren miteinander (duale Blockade des Renin-Angiotensin-Systems) im Vergleich zur Behandlung mit nur einem dieser Mittel das Risiko für erhöhtes Kalium, niedrigen Blutdruck und eine Abnahme der Nierenfunktion; eine duale Blockade wird nicht empfohlen. Valsartan und Candesartan bleiben zusammen mit ACE-Hemmern zur Behandlung der Herzschwäche bei ausgewählten Patientinnen und Patienten zugelassen, für die andere Behandlungen nicht infrage kommen; die Behandlung sollte dann nur unter Aufsicht eines Spezialisten und mit häufigen Kontrollen von Nierenfunktion, Blutsalzen und Blutdruck erfolgen [20].
- Langsamer Puls: Typisch für Betablocker sind laut NVL ein verlangsamter Herzschlag, niedriger Blutdruck und periphere Durchblutungsstörungen [1]. Unter Ivabradin ist laut Rote-Hand-Brief vom 10.12.2014 das Risiko für Vorhofflimmern erhöht, und die gleichzeitige Anwendung mit Verapamil oder Diltiazem ist kontraindiziert [23]. Mehr: Verlangsamter Herzschlag durch Medikamente.
- SGLT2-Hemmer: Eine Ketoazidose (Übersäuerung des Blutes) kann laut Packungsbeilage von Dapagliflozin unabhängig vom Blutzuckerspiegel auftreten [15]; bei Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, starkem Durst, Atembeschwerden, Verwirrtheit, ungewöhnlicher Müdigkeit oder Schläfrigkeit muss laut Informationsbrief vom 14.03.2016 daran gedacht werden [22]. Laut Rote-Hand-Brief vom 21.01.2019 wurden Fälle einer Fournier-Gangrän, einer seltenen, aber schweren Infektion im Genitalbereich, mit SGLT2-Hemmern in Verbindung gebracht [21].
- Diuretika: Sie können laut NVL einen Mangel an Kalium und Magnesium auslösen, der zu Herzrhythmusstörungen führen kann, außerdem niedrigen Blutdruck und eine schlechtere Nierenfunktion [1]. Mehr: Natriummangel.
Nicht eigenmächtig absetzen: Bessern sich Pumpfunktion oder Beschwerden, sollen die prognoseverbessernden Medikamente laut NVL weder verringert noch abgesetzt werden, sofern keine Unverträglichkeit oder Gegenanzeige besteht (Empfehlung 6-25, starke Empfehlung) [1]. Die Behandlung mit Bisoprolol sollte laut Packungsbeilage nicht abrupt beendet werden; bei einer Herzmuskelschwäche kann sich das Krankheitsbild sonst vorübergehend verschlechtern [10]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr auf den Seiten zum Absetzen von Bisoprolol, Metoprolol, Ramipril, Candesartan, Dapagliflozin und Empagliflozin.
Nebenwirkung melden: Nebenwirkungen können Sie laut Packungsbeilage Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem BfArM melden [10]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit Herzinsuffizienz: Kontrollen und Medikationsplan
Kontrollen: In der Ein- und Umstellungsphase sieht die NVL vor, Atemnot, Wassereinlagerungen, Gewicht, Blutdruck und Puls zwei- bis dreimal pro Woche zu prüfen, Blutsalze und Nierenwerte bei normalen Werten alle 1 bis 2 Wochen [1]. Bei stabilem Verlauf sind Laborkontrollen spätestens alle 6 Monate vorgesehen, unter MRA alle 4 Monate [1]. Laut Patientenblatt haben Sie zu Beginn ungefähr alle 2 bis 4 Wochen einen Kontrolltermin [2].
Medikationsplan: Für Menschen mit Herzschwäche soll laut NVL ein Medikationsplan erstellt werden (6-23, starke Empfehlung) [1]. Laut IQWiG gehören dort auch rezeptfreie Mittel hinein, denn manche, etwa Schmerzmittel wie Diclofenac und Ibuprofen, können bei Herzschwäche ungeeignet sein, da sie die Nieren belasten [3]. Mehr: Medikationsplan und Schmerzmittel richtig anwenden.
Infekte: Haben Sie einen Infekt mit Fieber oder Durchfall und Erbrechen, informieren Sie laut Patientenblatt Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; ändern Sie die Dosis nicht selbstständig [2]. Wem die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfungen gegen Pneumokokken und RSV empfiehlt und welche Nebenwirkungen die Impfstoffe laut Fachinformation haben, steht auf den Seiten Pneumokokken-Impfung und RSV-Impfung.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Eine akute Herzschwäche ist laut IQWiG ein Notfall. Verschlechtert sich die Herzleistung plötzlich stark, kann das lebensbedrohlich sein; das zeigt sich zum Beispiel durch Atemnot schon bei geringer Belastung oder in Ruhe, vor allem im Liegen. Wasser in der Lunge (Lungenödem) ist ein Notfall und kann zu Erstickungsanfällen mit Husten und schaumigem Auswurf führen [3]. Schwere Atemnot, starke Brustschmerzen oder Herzbeschwerden sowie Bewusstlosigkeit sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung Fälle für den Notruf 112 [24].
Nimmt Ihr Gewicht zu, weil sich Wasser einlagert, ist laut IQWiG ein Arztbesuch ratsam, um zu prüfen, ob sich die Herzschwäche verschlechtert hat [3]. Zeigen sich beim Training Beschwerden oder nimmt die Belastbarkeit über mehrere Tage stetig ab, ist es laut IQWiG wichtig, ärztlichen Rat einzuholen [6]. Weitere Anzeichen, die Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt mitteilen sollten, wenn Sie sie erstmals bemerken oder wenn sie sich verschlechtern, nennt eine Kurzinformation für Patienten des ÄZQ vom September 2022; sie beruht auf der Fassung der NVL von 2019, deren Gültigkeit für diese Kapitel abgelaufen ist: Schwellungen an Knöcheln oder Unterschenkeln, anfallartiges Herzrasen, ein Herz, das über einige Minuten unregelmäßig schlägt, Schmerzen oder Engegefühl in der Brust, anhaltender Husten, schneller als sonst außer Atem zu kommen oder aufrecht sitzen zu müssen, um leichter zu atmen [25].
Schwellungen von Gesicht, Lippen, Zunge oder Rachen mit Atem- oder Schluckbeschwerden können ein Angioödem sein; bei Sacubitril/Valsartan und Enalapril verlangen die Packungsbeilagen dann, die Einnahme abzubrechen und umgehend ärztliche Hilfe zu suchen [7, 9]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Unter Dapagliflozin wenden Sie sich laut Packungsbeilage bei Zeichen einer Ketoazidose oder einer schweren Infektion im Genitalbereich sofort an eine Ärztin, einen Arzt oder das nächstgelegene Krankenhaus [15].
Quellen
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische Herzinsuffizienz, Langfassung, Version 4.0 (AWMF-Register-Nr. nvl-006), Kapitel 6 Medikamentöse Therapie mit Empfehlungen 6-1 bis 6-27, Abbildung 6 und Tabellen 16 bis 19. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Stand Version 4.0, 2023 (Kapitel 6 verabschiedet am 12.12.2023, gültig bis 12.12.2028; übrige Kapitel von 2019 abgelaufen und hier nicht verwendet). abgerufen am 17.10.2026
- Leitlinie Patientenblatt "Herzschwäche: Was sollte ich beachten, wenn ich neue Medikamente erhalte?" (Bestandteil der NVL Chronische Herzinsuffizienz, AWMF-Register-Nr. nvl-006). Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien (BÄK, KBV, AWMF), Redaktion ÄZQ. Stand 2023. abgerufen am 17.10.2026
- Herzschwäche. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.09.2023. abgerufen am 17.10.2026
- Formen der Herzschwäche. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.09.2023. abgerufen am 17.10.2026
- Behandlung der chronischen Herzschwäche. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.09.2023. abgerufen am 17.10.2026
- Helfen Sportprogramme bei Herzschwäche?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.09.2023. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Enalapril-ratiopharm 5 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2020. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Candesartan-ratiopharm 8 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 17.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Entresto (Sacubitril/Valsartan), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage Entresto Filmtabletten. Novartis Europharm Limited (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2026 (EMA, aktualisiert am 13.01.2026). abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Bisoprolol-ratiopharm 5 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Metoprolol-ratiopharm Succinat 47,5 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Eplerenon-ratiopharm 25 mg, 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Spironolacton-ratiopharm 50 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 03/2025. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Spironolacton Accord 25 mg/50 mg/100 mg Filmtabletten (Abschnitt 4.1). Accord Healthcare GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 17.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Forxiga (Dapagliflozin), Anhang III B: Packungsbeilage Forxiga 5 mg/10 mg Filmtabletten. AstraZeneca AB (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 03/2026 (EMA, aktualisiert am 12.03.2026). abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Torasemid-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2022. abgerufen am 17.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Procoralan (Ivabradin), Anhang III B: Packungsbeilage Procoralan 5 mg/7,5 mg Filmtabletten. Les Laboratoires Servier (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 11/2025 (EMA, aktualisiert am 17.11.2025). abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Digitoxin AWD 0,07. TEVA GmbH. Stand 02/2018. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde Risikoinformation: ACE-Hemmer-haltige Arzneimittel, Epinephrin/Adrenalin möglicherweise unwirksam bei durch ACE-Hemmer ausgelöstem Angioödem. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 28.05.2026. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Information zu den das Renin-Angiotensin-System beeinflussenden Arzneimitteln: Wesentliche Elemente für die Kommunikation (ACE-Hemmer, Angiotensin-II-Rezeptorblocker, Aliskiren). Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC), veröffentlicht vom BfArM. Stand 01.12.2014. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu SGLT2-Inhibitoren: Risiko einer Fournier-Gangrän (nekrotisierende Fasziitis des Perineums). Zulassungsinhaber SGLT2-haltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 21.01.2019. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Informationsbrief zu SGLT2-Inhibitoren: Aktualisierte Hinweise zum Risiko einer diabetischen Ketoazidose. AstraZeneca AB, Boehringer Ingelheim International GmbH, Janssen-Cilag International N.V.; veröffentlicht vom BfArM. Stand 14.03.2016. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Procoralan (Ivabradin): Neue Kontraindikation und Empfehlungen zur Risikominimierung von kardiovaskulären Ereignissen und schweren Bradykardien. Servier Deutschland GmbH in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 10.12.2014. abgerufen am 17.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Leitlinie Kurzinformation für Patienten "Herzschwäche: Wenn das Herz zu wenig Blut pumpt" (beruht auf der NVL Chronische Herzinsuffizienz). Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) im Auftrag von BÄK und KBV. Stand 09/2022 (beruht auf der NVL-Fassung von 2019, deren Gültigkeit abgelaufen ist). abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Nebivolol STADA 5 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 01/2020. abgerufen am 17.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente helfen bei Herzinsuffizienz?
Bei verminderter Pumpleistung (HFrEF) und Beschwerden soll laut Nationaler VersorgungsLeitlinie (NVL) eine Kombination aus bis zu vier Gruppen empfohlen werden: ACE-Hemmer (bei Unverträglichkeit Sartane) oder Sacubitril/Valsartan, Betablocker wie Bisoprolol, Mineralokortikoid-Rezeptor-Antagonisten wie Eplerenon und SGLT2-Hemmer wie Dapagliflozin oder Empagliflozin. Bei Wassereinlagerungen soll laut NVL zusätzlich ein Diuretikum wie Torasemid oder Furosemid empfohlen werden. Bei erhaltener Pumpleistung (HFpEF) sollte laut NVL ein SGLT2-Hemmer empfohlen werden. Welche Mittel Sie bekommen und in welcher Reihenfolge, richtet sich laut NVL nach Nebenwirkungen, Begleiterkrankungen und Verträglichkeit.
Was bedeuten HFrEF, HFmrEF und HFpEF?
Die Abkürzungen beschreiben, wie viel Blut die linke Herzkammer pro Schlag auswirft (Ejektionsfraktion). Bei HFrEF ist die Auswurfleistung vermindert, der Herzmuskel ist geschwächt. Bei HFpEF ist sie erhalten, der Herzmuskel ist aber steifer und füllt sich nicht richtig mit Blut. Dazwischen liegt laut NVL die mäßig reduzierte Ejektionsfraktion (HFmrEF) mit 41 bis 49 Prozent. Die Einteilung ist laut IQWiG wichtig, um passende Medikamente auszuwählen.
Warum bekomme ich ein Diabetesmittel, obwohl ich keinen Diabetes habe?
Die SGLT2-Hemmer Dapagliflozin und Empagliflozin sind laut Packungsbeilage auch zur Behandlung der Herzinsuffizienz bei Erwachsenen zugelassen. Sie bewirken, dass Zucker, Salz und Wasser mit dem Urin ausgeschieden werden. Laut IQWiG hat sich gezeigt, dass sie auch das Leben von Menschen mit Herzschwäche und verminderter Pumpleistung verlängern, die keinen Diabetes haben. Häufige Nebenwirkungen sind laut Packungsbeilage von Dapagliflozin unter anderem Genital- und Harnwegsinfektionen.
Darf ich die Medikamente absetzen, wenn es mir besser geht?
Bessern sich Pumpfunktion oder Beschwerden, sollen die Medikamente, die die Aussichten verbessern, laut NVL weder verringert noch abgesetzt werden, sofern keine Unverträglichkeit oder Gegenanzeige besteht. Die Behandlung mit Bisoprolol sollte laut Packungsbeilage nicht abrupt beendet werden, weil sich eine Herzmuskelschwäche sonst vorübergehend verschlechtern kann. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Welche Nebenwirkungen haben Herzinsuffizienz-Medikamente?
Das hängt vom Wirkstoff ab. Laut NVL sind alle Gruppen in unterschiedlichem Ausmaß mit niedrigem Blutdruck verbunden, ACE-Hemmer, Sartane, Sacubitril/Valsartan und MRA zudem mit zu viel Kalium im Blut. Bei ACE-Hemmern ist trockener Husten typisch, bei Betablockern ein langsamer Puls, bei SGLT2-Hemmern sind es Genital- und Harnwegsinfektionen. Beim schrittweisen Steigern der Dosis können Nebenwirkungen auftreten oder sich verstärken; um sie rechtzeitig zu erkennen, sind laut Patientenblatt zur NVL die häufigen Kontrolltermine wichtig.
Darf ich bei Herzschwäche Ibuprofen oder Diclofenac nehmen?
Fragen Sie vorher Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke. Laut IQWiG können Schmerzmittel wie Diclofenac und Ibuprofen bei Herzschwäche ungeeignet sein, da sie die Nieren belasten. Die NVL zählt diese entzündungshemmenden Schmerzmittel (NSAR) zu den Mitteln, die den Zustand bei Herzschwäche verschlechtern können. Tragen Sie auch rezeptfreie Mittel in Ihren Medikationsplan ein.
Wie viel darf ich bei Herzschwäche trinken?
Bei einer fortgeschrittenen Herzschwäche ist es laut IQWiG meist nötig, die tägliche Trinkmenge zu verringern; das kann Wassereinlagerungen vorbeugen und gegen Erschöpfung helfen. Wie viel Flüssigkeit Sie zu sich nehmen können, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Tägliches Wiegen kann laut IQWiG frühzeitig zeigen, ob sich trotzdem Wasser einlagert.
Wann ist eine Herzschwäche ein Notfall?
Eine akute Herzschwäche ist laut IQWiG ein Notfall, ebenso Wasser in der Lunge (Lungenödem) mit Erstickungsanfällen, Husten und schaumigem Auswurf. Eine plötzliche starke Verschlechterung kann sich durch Atemnot schon bei geringer Belastung oder in Ruhe zeigen, vor allem im Liegen. Bei schwerer Atemnot oder starken Brustschmerzen rufen Sie den Notruf 112.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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