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SGLT2-Hemmer (Gliflozine)
SGLT2-Hemmer, auch Gliflozine genannt, hemmen in der Niere einen Transporter, der Zucker aus dem Harn ins Blut zurückholt. Dadurch wird mehr Zucker mit dem Urin ausgeschieden. Empagliflozin und Dapagliflozin sind bei Typ-2-Diabetes, chronischer Herzschwäche und chronischer Nierenerkrankung zugelassen. Laut Fachinformationen gehören Genital- und Harnwegsinfektionen zu den häufigen Nebenwirkungen. Seltener, aber schwerwiegend sind eine Ketoazidose und die Fournier-Gangrän, eine Infektion im Genitalbereich, über die ein Rote-Hand-Brief vom 21.01.2019 informiert.

SGLT2-Hemmer (fachlich Natrium-Glucose-Cotransporter-2-Inhibitoren, nach der Namensendung auch Gliflozine) sind Diabetesmittel, die in der Niere ansetzen [1, 2, 6]. Die auf dieser Website beschriebenen Wirkstoffe Empagliflozin und Dapagliflozin sind außer bei Typ-2-Diabetes auch bei chronischer Herzschwäche und chronischer Nierenerkrankung zugelassen [1, 2]. Einzelheiten zu jedem Wirkstoff stehen auf den Wirkstoffseiten.
Was sind SGLT2-Hemmer?
Die Fachinformationen ordnen Empagliflozin und Dapagliflozin der pharmakotherapeutischen Gruppe "Antidiabetika, Natrium-Glucose-Cotransporter-2-(SGLT2)-Inhibitoren" zu (ATC-Codes A10BK03 und A10BK01) [1, 2].
Wie SGLT2-Hemmer wirken
Der Natrium-Glucose-Cotransporter 2 (SGLT-2) sitzt vor allem in der Niere und ist laut Fachinformation von Empagliflozin der maßgebliche Transporter, der Zucker aus dem Primärharn zurück ins Blut holt [1]. Die NVL Typ-2-Diabetes gibt an, dass über ihn im proximalen Tubulus 90 Prozent der in der Niere gefilterten Glukose zurückgeholt werden; SGLT2-Hemmer erhöhen so die Ausscheidung von Zucker mit dem Urin [6]. Gleichzeitig nimmt die Ausscheidung von Natrium zu, was zu einer vermehrten Harnausscheidung (osmotische Diurese) und weniger Flüssigkeit in den Blutgefäßen führt [1, 2].
Laut Fachinformation von Empagliflozin beginnt die vermehrte Zuckerausscheidung bei Typ-2-Diabetes sofort nach der ersten Dosis und bleibt 24 Stunden lang bestehen; der Wirkmechanismus ist unabhängig von der Funktion der insulinbildenden Betazellen und vom Insulinstoffwechsel [1]. Die osmotische Diurese kann laut den Fachinformationen zu einer mäßigen Senkung des Blutdrucks führen [1, 2]. Wegen der Wirkweise fallen Urintests auf Zucker unter der Behandlung positiv aus; der 1,5-AG-Test ist bei Menschen, die SGLT2-Hemmer einnehmen, zur Beurteilung der Blutzuckereinstellung nicht zuverlässig [1, 2].
Wofür SGLT2-Hemmer eingesetzt werden
Empagliflozin und Dapagliflozin haben laut Fachinformation dieselben drei Anwendungsgebiete [1, 2]:
- Typ-2-Diabetes bei Erwachsenen und Kindern ab 10 Jahren, wenn Ernährung und Bewegung nicht ausreichen: allein, wenn Metformin wegen einer Unverträglichkeit ungeeignet ist, oder zusätzlich zu anderen Diabetesmitteln [1, 2].
- Symptomatische chronische Herzschwäche bei Erwachsenen [1, 2].
- Chronische Nierenerkrankung (Niereninsuffizienz) bei Erwachsenen [1, 2].
Bei Typ-1-Diabetes sollten beide laut Fachinformation nicht angewendet werden; in Studien mit Typ-1-Diabetes wurden Ketoazidosen häufig beobachtet [1, 2]. Bei Herzschwäche oder chronischer Nierenerkrankung sind Sicherheit und Wirksamkeit bei Kindern unter 18 Jahren nicht erwiesen [1].
Ist bei Typ-2-Diabetes nach Ausschöpfung der nicht-medikamentösen Basistherapie und unter Berücksichtigung der individuellen Therapieziele eine medikamentöse Behandlung angezeigt, "soll" nach der NVL Typ-2-Diabetes (Version 3.0, 2023; Empfehlung 5-3) ihr Therapie-Algorithmus angewendet werden [6]. Dieser schätzt zuerst das Risiko für Herz-Kreislauf- und Nierenereignisse ab: Ohne hohes Risiko beginnt die Behandlung mit Metformin, ein zweites Medikament wird ausgewählt, wenn das individuelle Therapieziel nach 3 bis 6 Monaten nicht erreicht ist. Menschen mit einer klinisch relevanten Herz-Kreislauf-Erkrankung wird eine Kombination aus Metformin und einem SGLT2-Hemmer oder einem GLP-1-Rezeptoragonisten angeboten, wenn sie nach Abwägung von Wirkungen und Nebenwirkungen dazu bereit sind. Bei hohem Risiko, etwa einer klinisch relevanten Nierenerkrankung, wird zwischen beiden Wegen individuell und gemeinsam entschieden [6].
Bei Herzschwäche mit eingeschränkter Pumpfunktion und Beschwerden "soll" nach der NVL Chronische Herzinsuffizienz (Version 4.0, 2023; Empfehlung 6-1) eine Kombination von Medikamenten aus mehreren Substanzgruppen empfohlen werden; Auswahl, Reihenfolge und Dosierung "soll" sich an den Nebenwirkungen, den Begleiterkrankungen und der individuellen Verträglichkeit orientieren [7]. Die Kombination umfasst laut Abbildung der Leitlinie bis zu vier Substanzgruppen: ACE-Hemmer oder verwandte Mittel (Sartane, ARNI), Betablocker, Mineralokortikoid-Rezeptorantagonisten (MRA) und SGLT2-Hemmer, genannt sind Dapagliflozin und Empagliflozin; SGLT2-Hemmer kommen danach bei fortbestehenden Beschwerden unter den anderen Mitteln hinzu, gegebenenfalls auch von Beginn an [7]. Welche Behandlung für Sie passt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt mit Ihnen.
Wirkstoffe der Gruppe
Diese SGLT2-Hemmer sind auf dieser Website mit einem geprüften Wirkstoff-Steckbrief beschrieben:
- Dapagliflozinz. B. ForxigaTyp-2-Diabetes, Herzschwäche, chronische Nierenerkrankung
- Empagliflozinz. B. JardianceTyp-2-Diabetes, Herzschwäche, chronische Nierenkrankheit
Den Rote-Hand-Brief vom 21.01.2019 verschickten die Zulassungsinhaber der Arzneimittel mit Canagliflozin, Dapagliflozin, Empagliflozin und Ertugliflozin an Ärztinnen, Ärzte und andere Angehörige der Heilberufe; er betraf damit alle damals in der EU zugelassenen SGLT2-Hemmer [3].
Typische Nebenwirkungen

Die vollständige Liste steht in der Packungsbeilage Ihres Präparats und auf den Wirkstoffseiten. Für Empagliflozin, Canagliflozin und Dapagliflozin nennt die NVL Typ-2-Diabetes nach Angaben der Europäischen Arzneimittel-Agentur als häufige Nebenwirkungen Harnwegsinfektionen (teilweise mit Nierenbeckenentzündung und Blutvergiftung), Infektionen im Genitalbereich (bei Canagliflozin ist eine Scheidenpilzinfektion als sehr häufig angegeben) und eine vermehrte Harnmenge [6]. Wie die Produktinformationen der beiden Wirkstoffe ausgewählte Nebenwirkungen einstufen, zeigt die Tabelle; was die Angaben bedeuten, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
| Wirkstoff | Unterzuckerung | Pilzinfektionen | Häufiges Wasserlassen | Hautausschlag | Verstopfung |
|---|---|---|---|---|---|
| Dapagliflozin | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Gelegentlich |
| Empagliflozin | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig |
Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung auf. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.
Die Einstufung der Unterzuckerung gilt laut den Fachinformationen für die Anwendung zusammen mit einem Sulfonylharnstoff oder Insulin [1, 2]. In der Spalte "Pilzinfektionen" stehen bei beiden Wirkstoffen Pilzinfektionen im Genitalbereich [1, 2].
Infektionen im Genitalbereich und der Harnwege
Infektionen im Genitalbereich wie Scheidenpilz (vulvovaginale Candidose), Scheidenentzündung oder Eichelentzündung (Balanitis) stufen die Fachinformationen von Empagliflozin und Dapagliflozin als häufig ein, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten [1, 2]. Bei Dapagliflozin traten sie laut Fachinformation bei Frauen häufiger auf. Laut Fachinformation von Empagliflozin waren sie von leichter bis mittlerer Intensität, laut der von Dapagliflozin die meisten leicht bis moderat. Beide Fachinformationen berichten im Zusammenhang mit Genitalinfektionen über eine Verengung der Vorhaut (Phimose); in einigen Fällen war eine Beschneidung nötig [1, 2]. Mehr unter Infektanfälligkeit.
Auch Harnwegsinfektionen sind in beiden Fachinformationen als häufig eingestuft, einschließlich Fällen von Nierenbeckenentzündung und (laut Fachinformation von Empagliflozin) Urosepsis, einer von den Harnwegen ausgehenden Blutvergiftung [1, 2]. Die Ausscheidung von Zucker mit dem Harn ist laut Fachinformation von Dapagliflozin möglicherweise mit einem erhöhten Risiko für Harnwegsinfektionen verbunden; bei komplizierten Harnwegsinfektionen bzw. während der Behandlung einer Nierenbeckenentzündung oder Urosepsis sollte eine vorübergehende Unterbrechung erwogen werden [1, 2]. Häufigeres Wasserlassen kann laut Packungsbeilage von Empagliflozin durch die Wirkweise bedingt, aber auch ein Zeichen einer Harnwegsinfektion sein [1].
Fournier-Gangrän: Rote-Hand-Brief vom 21.01.2019
Nach der Markteinführung wurden Fälle einer Fournier-Gangrän, einer nekrotisierenden Fasziitis des Dammbereichs (Perineum), mit der Anwendung von SGLT2-Hemmern in Verbindung gebracht; darüber informierte ein Rote-Hand-Brief vom 21.01.2019 [3]. Die Fournier-Gangrän ist danach eine seltene, aber schwere und potenziell lebensgefährliche Infektion; Fälle wurden innerhalb der gesamten Wirkstoffklasse berichtet, und obwohl sie fast ausschließlich bei Männern auftritt, gab es unter SGLT2-Hemmern auch Berichte bei Frauen [3]. Infektionen der Harn- und Geschlechtsorgane oder Abszesse im Dammbereich können vorausgehen [1, 2, 3]. Die Fachinformation von Empagliflozin stuft die Fournier-Gangrän als selten ein, also bei bis zu 1 von 1.000 Behandelten, die von Dapagliflozin als sehr selten, also bei bis zu 1 von 10.000 [1, 2].
Bei starken Schmerzen, Druckschmerzen, Rötung oder Schwellung im Genital- oder Dammbereich zusammen mit Fieber oder Unwohlsein sollen Sie sich laut Rote-Hand-Brief umgehend in ärztliche Behandlung begeben; bei Verdacht wird der SGLT2-Hemmer abgesetzt und sofort behandelt, unter anderem mit Antibiotika und einer chirurgischen Wundreinigung (Debridement) [1, 2, 3].
Ketoazidose, auch bei normalem Blutzucker
Unter SGLT2-Hemmern wurden laut den Fachinformationen Fälle von Ketoazidose berichtet, einer gefährlichen Übersäuerung des Blutes durch Ketonkörper, darunter lebensbedrohliche und tödliche Fälle [1, 2]. In einer Reihe von Fällen war der Blutzucker nur mäßig erhöht; ein Informationsbrief der Zulassungsinhaber vom 14.03.2016 wies darauf hin, dass dieses untypische Bild die Diagnose verzögern kann [1, 2, 4]. Laut NVL Typ-2-Diabetes müssen dabei keine Ketonkörper im Urin nachweisbar sein, und der Blutzucker kann sogar normal sein [6]. Die Fachinformation von Empagliflozin stuft die Ketoazidose als gelegentlich ein, also bei bis zu 1 von 100 Behandelten, die von Dapagliflozin bei Typ-2-Diabetes als selten, also bei bis zu 1 von 1.000 [1, 2].
Anzeichen sind laut Packungsbeilage unter anderem Übelkeit oder Erbrechen, Bauchschmerzen, übermäßiger Durst, schnelle und tiefe Atmung, Verwirrtheit, ungewöhnliche Schläfrigkeit oder Müdigkeit, rascher Gewichtsverlust sowie ein süßlicher Atemgeruch oder ein süßlicher oder metallischer Geschmack im Mund [1]. Treten solche Beschwerden auf, sollen Betroffene unabhängig vom Blutzucker unverzüglich auf eine Ketoazidose untersucht werden; bei Verdacht wird die Behandlung sofort abgesetzt [1, 2]. Ein erhöhtes Risiko besteht laut den Fachinformationen unter anderem bei eingeschränkter Nahrungsaufnahme oder starkem Flüssigkeitsmangel, bei verringerter Insulindosis, bei erhöhtem Insulinbedarf durch akute Krankheit, Operation oder Alkoholmissbrauch sowie bei geringer Reserve der insulinbildenden Zellen, etwa nach einer Bauchspeicheldrüsenentzündung [1, 2]. Die Ketoazidose kann nach dem Absetzen länger anhalten, als nach der Halbwertszeit zu erwarten wäre [1, 2].
Flüssigkeitsmangel und niedriger Blutdruck
Wegen der vermehrten Harnausscheidung ist laut den Fachinformationen Vorsicht geboten, wenn eine Blutdrucksenkung ein Risiko darstellen könnte, etwa bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen, unter Blutdrucksenkern mit niedrigem Blutdruck in der Vorgeschichte oder im höheren Alter [1, 2]. Bei Menschen ab 75 Jahren kann das Risiko für einen Flüssigkeitsmangel höher sein; laut Fachinformation von Empagliflozin ist bei ihnen bei gleichzeitiger Anwendung von Mitteln, die zu Flüssigkeitsmangel führen können, etwa Entwässerungsmitteln oder ACE-Hemmern, besonders auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr zu achten [1]. Bei Erkrankungen, die zu Flüssigkeitsverlust führen können, etwa Magen-Darm-Erkrankungen, sollte laut Fachinformation von Empagliflozin eine vorübergehende Unterbrechung erwogen werden, bis der Flüssigkeitsverlust behoben ist; bei Dapagliflozin wird sie empfohlen, wenn ein Flüssigkeitsmangel eingetreten ist, bis er ausgeglichen ist [1, 2]. Bei akuter Krankheit ("sick days") scheint es laut NVL Typ-2-Diabetes günstig, die Therapie zu pausieren [6]; laut Packungsbeilage von Empagliflozin fordert Ihre Ärztin oder Ihr Arzt Sie dann möglicherweise auf, die Einnahme bis zur Erholung zu unterbrechen [1]. Anzeichen eines Flüssigkeitsmangels sind laut Packungsbeilage von Empagliflozin unter anderem ein ungewöhnlich starkes Durstgefühl, Benommenheit oder Schwindel beim Aufstehen und Ohnmacht [1]. Mehr unter niedriger Blutdruck.
Unterzuckerung zusammen mit anderen Diabetesmitteln
Zusammen mit Insulin oder Sulfonylharnstoffen steigt laut den Fachinformationen das Risiko einer Unterzuckerung; die Ärztin oder der Arzt verringert dann möglicherweise die Dosis dieser Mittel [1, 2]. Anzeichen können laut Packungsbeilage Zittern, Schwitzen, Unruhe oder Verwirrtheit, schneller Herzschlag, Heißhunger und Kopfschmerzen sein; dann sollen Sie Traubenzucker, einen zuckerreichen Imbiss oder Fruchtsaft zu sich nehmen [1]. Beim Autofahren sollen Sie laut Fachinformation Vorsichtsmaßnahmen treffen, um eine Unterzuckerung zu vermeiden, vor allem in der Kombination mit einem Sulfonylharnstoff oder Insulin [1].
Füße, Blutbild und Niere
In klinischen Langzeitstudien (laut Fachinformation von Empagliflozin mit einem anderen SGLT2-Hemmer) ist eine erhöhte Anzahl von Amputationen an den unteren Gliedmaßen beobachtet worden, in erster Linie von Zehen; ob es sich um einen Klasseneffekt handelt, ist laut den Fachinformationen nicht bekannt [1, 2]. Die NVL Typ-2-Diabetes berichtet, dass der Ausschuss für Risikobewertung der EMA (PRAC) 2017 einen entsprechenden Warnhinweis für die ganze Gruppe empfahl; sie hält es für wichtig, alle Behandelten auf eine regelmäßige vorbeugende Fußpflege hinzuweisen [6]. Unter beiden Wirkstoffen wurde ein Anstieg des Hämatokrits beobachtet, des Anteils roter Blutkörperchen im Blut; bei stark erhöhten Werten ist eine Abklärung nötig [1, 2]. Die Nierenfunktion wird laut Fachinformation von Empagliflozin vor Beginn und mindestens einmal jährlich kontrolliert [1].
Wichtige Wechselwirkungen
Diese Wechselwirkungen beschreiben die Fachinformationen beider Wirkstoffe [1, 2]:
| Zusammen mit | Was passieren kann |
|---|---|
| Entwässerungsmittel (Diuretika), z. B. Thiazid- und Schleifendiuretika | Ihre harntreibende Wirkung kann verstärkt werden; höheres Risiko für Flüssigkeitsmangel und niedrigen Blutdruck [1, 2] |
| Insulin und Sulfonylharnstoffe | Höheres Risiko einer Unterzuckerung; möglicherweise ist eine niedrigere Dosis dieser Mittel nötig [1, 2] |
| Lithium | Der Lithiumspiegel im Blut kann sinken; er sollte nach Behandlungsbeginn und nach Dosisänderungen häufiger kontrolliert werden [1, 2] |
| Mittel, die bestimmte Leberenzyme (UGT) anregen, z. B. Rifampicin oder Phenytoin | Laut Fachinformation von Empagliflozin wegen möglicherweise verminderter Wirksamkeit nicht empfohlen [1] |
Die Liste ist nicht vollständig. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, bevor Sie ein neues Mittel dazunehmen, auch ein rezeptfreies. Mehr im Ratgeber Wechselwirkungen.
Wann SGLT2-Hemmer nicht oder nur mit Vorsicht angewendet werden
Als Gegenanzeige nennen beide Fachinformationen nur eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen sonstigen Bestandteil [1, 2]. Bei Typ-1-Diabetes sollten Empagliflozin und Dapagliflozin laut Fachinformation nicht angewendet werden [1, 2]. Wegen begrenzter Erfahrung wird ein Behandlungsbeginn bei stark eingeschränkter Nierenfunktion nicht empfohlen: bei Empagliflozin unterhalb einer eGFR von 20 ml/min/1,73 m², bei Dapagliflozin unterhalb einer GFR von 25 ml/min [1, 2]. Bei schwerer Leberfunktionsstörung ist die Menge des Wirkstoffs im Körper erhöht; Empagliflozin wird dann nicht empfohlen [1, 2]. Hatte jemand unter einem SGLT2-Hemmer bereits eine Ketoazidose, wird eine erneute Behandlung nicht empfohlen, es sei denn, ein anderer eindeutiger Auslöser wurde gefunden und beseitigt [1, 2, 4]. Trifft ein Punkt auf Sie zu, besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Schwangerschaft und Stillzeit
Zur Anwendung in der Schwangerschaft liegen laut den Fachinformationen keine Erfahrungen bzw. Daten vor [1, 2]. Eine Anwendung von Empagliflozin soll laut Fachinformation aus Vorsichtsgründen vermieden werden; laut Packungsbeilage dürfen Sie Empagliflozin in der Schwangerschaft nicht einnehmen [1]. Dapagliflozin wird im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel nicht empfohlen, weil Tierstudien schädliche Wirkungen auf die Nierenentwicklung zeigten; wird eine Schwangerschaft festgestellt, sollte die Behandlung abgebrochen werden [2]. In der Stillzeit sollen beide nicht angewendet werden [1, 2].
Laut Embryotox ergaben erste Daten zu SGLT2-Hemmern (in geringerem Umfang als zu GLP-1-Agonisten) keinen Verdacht auf eine fruchtschädigende Wirkung; die Studien reichen für eine differenzierte Risikobewertung aber nicht aus [5]. Bei einem nicht insulinpflichtigen Typ-2-Diabetes sollten orale Antidiabetika laut Embryotox in der Schwangerschaft auf Humaninsulin bzw. Insulinanaloga umgestellt werden; eine Metformin-Therapie kann eine alternative Option sein [5]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.
Absetzen und Unterbrechen
Bei Verdacht auf eine Ketoazidose oder eine Fournier-Gangrän wird der SGLT2-Hemmer laut den Fachinformationen sofort abgesetzt [1, 2, 3]. Vor einem größeren chirurgischen Eingriff oder bei einer akuten schweren Erkrankung im Krankenhaus wird die Behandlung unterbrochen und die Ketonkörper-Konzentration überwacht; fortgesetzt werden kann sie, wenn die Werte normal sind und sich der Zustand stabilisiert hat [1, 2, 4]. Informieren Sie vor einer Operation das Behandlungsteam. Außer bei Verdacht auf eine Ketoazidose sollen Sie die Einnahme laut Packungsbeilage nicht ohne Rücksprache abbrechen; bei Typ-2-Diabetes kann der Blutzucker nach dem Absetzen steigen [1]. Mehr im Ratgeber Medikamente vor der OP.
Unterschied zu anderen Diabetesmitteln
SGLT2-Hemmer senken den Blutzucker über die Niere, indem sie mehr Zucker ausscheiden lassen [1, 6]. Die NVL Typ-2-Diabetes stellt sie im Therapie-Algorithmus neben die GLP-1-Rezeptoragonisten, eine eigene Wirkstoffgruppe, die die Seite GLP-1-Agonisten beschreibt [6]. Metformin und andere Tabletten gegen Diabetes behandelt die Seite orale Antidiabetika, die Insulintherapie die Seite Insuline.
Quellen
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Jardiance 10 mg/25 mg Filmtabletten (Empagliflozin), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Boehringer Ingelheim International GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Forxiga 5 mg/10 mg Filmtabletten (Dapagliflozin), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. AstraZeneca AB. Stand 03/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Risiko einer Fournier-Gangrän (Nekrotisierende Fasziitis des Perineums) bei der Anwendung von SGLT2-Inhibitoren. Zulassungsinhaber in Abstimmung mit EMA und BfArM (veröffentlicht vom BfArM). Stand 21.01.2019. abgerufen am 12.10.2026
- Behörde Informationsbrief: Aktualisierte Hinweise zum Risiko einer diabetischen Ketoazidose während der Behandlung mit SGLT2-Inhibitoren. Zulassungsinhaber im Einvernehmen mit EMA und BfArM (veröffentlicht vom BfArM). Stand 14.03.2016. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Diabetes mellitus (Erkrankungen). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes, Langfassung, Version 3.0 (AWMF-Register-Nr. nvl-001). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Stand Version 3.0, 2023 (gültig bis 15.05.2028). abgerufen am 12.10.2026
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische Herzinsuffizienz, Langfassung, Version 4.0 (AWMF-Register-Nr. nvl-006). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Stand Version 4.0, 2023 (Kapitel Medikamentöse Therapie gültig bis 12.12.2028). abgerufen am 12.10.2026
Häufige Fragen
Wie wirken SGLT2-Hemmer?
Sie hemmen in der Niere den Natrium-Glucose-Cotransporter 2, der Zucker aus dem Primärharn ins Blut zurückholt. Dadurch werden mehr Zucker und Natrium mit dem Urin ausgeschieden, und die Harnmenge nimmt zu. Laut Fachinformation von Empagliflozin ist der Wirkmechanismus unabhängig von der Funktion der insulinbildenden Zellen.
Sind Pilzinfektionen im Intimbereich unter SGLT2-Hemmern häufig?
Die Fachinformationen von Empagliflozin und Dapagliflozin stufen Infektionen im Genitalbereich wie Scheidenpilz oder eine Eichelentzündung als häufig ein, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten. In den Studien wurden sie unter dem Wirkstoff häufiger berichtet als unter Placebo, laut Fachinformation von Dapagliflozin bei Frauen häufiger. Sprechen Sie bei Beschwerden mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Was ist eine Fournier-Gangrän?
Eine seltene, aber schwere und potenziell lebensgefährliche Infektion des Gewebes im Genital- und Dammbereich (nekrotisierende Fasziitis). Laut Rote-Hand-Brief vom 21.01.2019 wurde sie mit SGLT2-Hemmern in Verbindung gebracht, auch bei Frauen. Bei Schmerzen, Rötung oder Schwellung im Genital- oder Dammbereich mit Fieber oder Unwohlsein begeben Sie sich sofort in ärztliche Behandlung.
Woran erkenne ich eine Ketoazidose unter einem SGLT2-Hemmer?
Mögliche Anzeichen sind laut Packungsbeilage Übelkeit oder Erbrechen, Bauchschmerzen, übermäßiger Durst, schnelle und tiefe Atmung, Verwirrtheit, ungewöhnliche Schläfrigkeit oder Müdigkeit und ein süßlicher Atemgeruch. Der Blutzucker kann dabei nur mäßig erhöht oder laut NVL Typ-2-Diabetes sogar normal sein. Holen Sie bei solchen Beschwerden sofort ärztliche Hilfe.
Muss ich einen SGLT2-Hemmer vor einer Operation absetzen?
Vor einem größeren chirurgischen Eingriff und bei einer akuten schweren Erkrankung im Krankenhaus wird die Behandlung laut Fachinformation unterbrochen und die Ketonkörper-Konzentration überwacht. Wann Sie pausieren und wieder beginnen, legt Ihr Behandlungsteam fest. Setzen Sie das Mittel nicht ohne Rücksprache ab.
Werden SGLT2-Hemmer auch ohne Diabetes eingesetzt?
Empagliflozin und Dapagliflozin sind laut Fachinformation außer bei Typ-2-Diabetes auch zur Behandlung einer symptomatischen chronischen Herzschwäche und einer chronischen Nierenerkrankung bei Erwachsenen zugelassen. Eine Ketoazidose ist laut Fachinformation von Empagliflozin bei Menschen ohne Diabetes weniger wahrscheinlich, wurde aber auch bei ihnen berichtet. Ob ein SGLT2-Hemmer für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Darf ich SGLT2-Hemmer in der Schwangerschaft nehmen?
Laut den Fachinformationen liegen keine Erfahrungen bei Schwangeren vor. Empagliflozin soll aus Vorsichtsgründen vermieden werden (laut Packungsbeilage dürfen Sie es in der Schwangerschaft nicht einnehmen), Dapagliflozin wird im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel nicht empfohlen. Laut Embryotox sollten orale Antidiabetika bei nicht insulinpflichtigem Typ-2-Diabetes in der Schwangerschaft auf Insulin umgestellt werden, Metformin kann eine alternative Option sein. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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