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Insuline

Insuline sind Arzneimittel, die dem körpereigenen Hormon Insulin entsprechen oder davon abgeleitet sind und bei Diabetes mellitus den Blutzucker senken. Es gibt Humaninsulin und abgewandelte Insulinanaloga mit schnellem oder lang anhaltendem Wirkprofil. Die häufigste Nebenwirkung ist laut Fachinformation die Unterzuckerung (Hypoglykämie), die schwer verlaufen kann. Wichtig sind außerdem der regelmäßige Wechsel der Einstichstelle wegen Hautveränderungen und das Vermeiden von Verwechslungen zwischen Insulinen und Konzentrationen.

Frau Mitte vierzig schneidet in einer hellen Küche frisches Gemüse für das Mittagessen
Bild: KI-generiert

Insuline sind Arzneimittel zur Behandlung des Diabetes mellitus [1, 5, 8]. Sie senken den Blutzucker, indem sie nach Bindung an Insulinrezeptoren die Aufnahme von Zucker (Glucose) in Muskel- und Fettzellen fördern und gleichzeitig die Freisetzung von Glucose aus der Leber hemmen [5]. Neben Humaninsulin gibt es abgewandelte Insulinanaloga, die schneller oder länger wirken [1, 4, 8, 11]. Die häufigste Nebenwirkung ist laut Fachinformation die Unterzuckerung [1, 5]. Einzelheiten zu jedem Wirkstoff stehen auf den verlinkten Wirkstoffseiten; die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Was sind Insuline?

Humaninsulin wird laut Embryotox gentechnologisch hergestellt und hat dieselbe Abfolge von Eiweißbausteinen wie das Insulin der menschlichen Bauchspeicheldrüse. Ohne Zusätze wird es als kurz wirksames Normalinsulin verwendet; durch Bindung an das Eiweiß Protamin entstehen Verzögerungsinsuline (NPH-Insulin) [11]. Insulinanaloga sind abgewandelte Humaninsuline: Insulin glargin ist laut Fachinformation ein Humaninsulinanalogon mit geringer Löslichkeit bei neutralem pH-Wert; unter der Haut bildet es feine Ausfällungen (Mikropräzipitate), aus denen fortlaufend kleine Mengen freigesetzt werden [1].

Wie Insuline wirken

Insuline unterscheiden sich darin, wie schnell und wie lange sie wirken [1, 4, 5, 7, 8]:

  • Normalinsulin (Humaninsulin): Bei Actrapid beginnt die Wirkung laut Fachinformation innerhalb einer halben Stunde, das Maximum wird innerhalb von 1,5 bis 3,5 Stunden erreicht, die gesamte Wirkdauer beträgt etwa 7 bis 8 Stunden [5].
  • Schnell wirkende Insulinanaloga: Insulin lispro, aspart und glulisin wirken laut Fachinformation schneller und kürzer als Normalinsulin; bei NovoRapid tritt die Wirkung nach Injektion in die Bauchdecke innerhalb von 10 bis 20 Minuten ein, die Wirkdauer beträgt 3 bis 5 Stunden, bei Humalog 2 bis 5 Stunden [4, 7, 9]. Lyumjev setzt laut Fachinformation früher ein als Humalog, Fiasp früher als NovoRapid [3, 6].
  • Lang wirkende Insulinanaloga: Insulin glargin hat eine lang anhaltende Wirkdauer mit einem gleichmäßigen Verlauf ohne Spitzen [1]; laut Embryotox wirkt es bis zu 24 Stunden [12]. Die Wirkdauer von Insulin degludec reicht laut Fachinformation über 42 Stunden hinaus [8].

Wie lange die Wirkung anhält, hängt laut Fachinformation auch von der Dosis, der Injektionsstelle, der Durchblutung, der Temperatur und der körperlichen Aktivität ab [4, 6]. Vom Wirkprofil hängt außerdem ab, wann eine Unterzuckerung auftreten kann [1, 6].

Wofür Insuline eingesetzt werden

Alle hier beschriebenen Insuline sind zur Behandlung des Diabetes mellitus zugelassen, je nach Präparat für unterschiedliche Altersgruppen [1, 3, 5, 6, 8, 9]. Bei Typ-1-Diabetes müssen die lang wirkenden Insuline Tresiba (Insulin degludec) und Toujeo (Insulin glargin) laut Fachinformation mit einem kurz oder schnell wirkenden Insulin kombiniert werden [2, 8]; bei Typ-2-Diabetes kann Tresiba laut Fachinformation allein oder zusammen mit Tabletten gegen Diabetes, GLP-1-Rezeptoragonisten und Mahlzeiteninsulin (Bolusinsulin) angewendet werden [8]. Schnell wirkende Insuline wie Fiasp und Apidra werden laut Fachinformation zusammen mit einem intermediär oder lang wirkenden Insulin angewendet [6, 9]. Normalinsulin kann laut Fachinformation falls nötig auch in die Vene gegeben werden; das muss aber medizinisches Fachpersonal übernehmen [5]. Insulin glargin ist nicht das Insulin der Wahl bei einer diabetischen Ketoazidose und darf nicht in die Vene gegeben werden [1].

Wirkstoffe der Gruppe

Mit geprüftem Wirkstoff-Steckbrief beschrieben sind auf dieser Website:

  • Humaninsulinz. B. Actrapid, ProtaphaneDiabetes mellitus (schnell wirkendes Normalinsulin)
  • Insulin aspartz. B. Fiasp, NovoRapidDiabetes mellitus (Mahlzeiteninsulin)
  • Insulin degludecz. B. TresibaDiabetes mellitus (lang wirkendes Basalinsulin)
  • Insulin glarginz. B. Abasaglar, Lantus, ToujeoDiabetes mellitus (lang wirkendes Insulin)
  • Insulin glulisinz. B. ApidraDiabetes mellitus (schnell wirkendes Mahlzeiteninsulin)
  • Insulin lisproz. B. Lyumjev, HumalogDiabetes mellitus (Mahlzeiteninsulin)

Insuline werden mit Fertigpens, Patronen für wiederverwendbare Pens, Durchstechflaschen oder Insulinpumpen angewendet [1, 6, 8]. Neben den Standardkonzentrationen gibt es höher konzentrierte Präparate, etwa Insulin glargin mit 300 Einheiten/ml (Toujeo), Insulin degludec mit 200 Einheiten/ml (Tresiba) und Insulin lispro mit 200 Einheiten/ml (Humalog, Lyumjev) [2, 3, 4, 8]. Mischinsuline enthalten ein schnell wirkendes Insulin zusammen mit einer Verzögerungsform, zum Beispiel Humalog Mix25 und Mix50 [4]. Als weiteres lang wirkendes Insulinanalogon nennt Embryotox Insulin detemir [15].

Typische Nebenwirkungen

Die häufigste Nebenwirkung der Insulinbehandlung ist die Unterzuckerung [1, 5]. Die Tabelle zeigt die Einstufung sechs typischer Beschwerden in den Packungsbeilagen bzw. Fachinformationen der hier beschriebenen Insuline; die Kategorien erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen. Die Angaben stammen jeweils aus dem Präparat, auf dem die Wirkstoffseite beruht (bei Insulin lispro aus Lyumjev, bei Insulin aspart aus Fiasp). Lyumjev stuft allergische Reaktionen als häufig ein; die Fachinformation von Humalog nennt lokale allergische Reaktionen an der Einstichstelle häufig, eine Allergie am ganzen Körper (systemische Allergie) selten [3, 4].

Häufigkeit ausgewählter Nebenwirkungen je Wirkstoff: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffUnterzuckerungVeränderungen des Fettgewebes an der EinstichstelleJuckreizAllergische ReaktionenWassereinlagerungenSehstörungen
HumaninsulinSehr häufigGelegentlichGelegentlichSehr seltenGelegentlichGelegentlich
Insulin aspartSehr häufigGelegentlichHäufigGelegentlichnicht genanntnicht genannt
Insulin degludecSehr häufigGelegentlichHäufigSeltenGelegentlichnicht genannt
Insulin glarginSehr häufigHäufigHäufigSeltenSeltenSelten
Insulin glulisinSehr häufigSeltenHäufigGelegentlichnicht genanntNicht bekannt
Insulin lisproSehr häufigGelegentlichHäufigHäufigGelegentlichnicht genannt

Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung auf. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.

Unterzuckerung (Hypoglykämie)

Eine Unterzuckerung kann auftreten, wenn die Insulindosis im Verhältnis zum Bedarf zu hoch ist; laut Fachinformation kann auch eine ausgelassene Mahlzeit oder ungeplante anstrengende körperliche Aktivität dazu führen [5]. Mögliche Anzeichen sind laut Fachinformation kalter Schweiß, kalte blasse Haut, Ermattung, Nervosität oder Zittern, Angstgefühle, ungewöhnliche Müdigkeit oder Schwäche, Verwirrung, Konzentrationsschwierigkeiten, Benommenheit, Heißhunger, Sehstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Herzklopfen [5]. Eine schwere Unterzuckerung kann zu Bewusstlosigkeit und Krampfanfällen führen und mit einer vorübergehenden oder dauerhaften Störung der Gehirnfunktion oder sogar dem Tod enden [5]. Bei Lyumjev und Fiasp kann eine Unterzuckerung wegen des früheren Wirkeintritts früher nach der Injektion auftreten als bei anderen Mahlzeiteninsulinen [3, 6]; die lange Wirkung von Insulin glargin kann die Erholung von einer Unterzuckerung verzögern [1].

Das Risiko erhöhen laut Fachinformation unter anderem ein Wechsel des Injektionsgebiets, eine verbesserte Insulinempfindlichkeit, ungewohnte oder längere körperliche Anstrengung, Erbrechen oder Durchfall, zu wenig Essen, ausgelassene Mahlzeiten, Alkohol, bestimmte Hormonstörungen und bestimmte andere Arzneimittel [1]. Die Warnzeichen können abgeschwächt sein oder fehlen, etwa bei deutlich verbesserter Blutzuckereinstellung, bei älteren Menschen, bei lange bestehendem Diabetes, bei einer Schädigung der Nerven des vegetativen Nervensystems oder bei einer psychiatrischen Erkrankung [1]. Eine leichte Unterzuckerung lässt sich in der Regel mit Traubenzucker oder zuckerhaltigen Lebensmitteln ausgleichen; bei schwerer Unterzuckerung mit Bewusstlosigkeit kann eine geschulte Person Glucagon spritzen oder eine Ärztin bzw. ein Arzt Glucose in die Vene geben [5]. Mehr dazu: Blutzucker.

Überzuckerung und Ketoazidose

Eine zu geringe Dosis oder das Unterbrechen der Behandlung kann laut Fachinformation, besonders bei Typ-1-Diabetes, zu erhöhtem Blutzucker (Hyperglykämie) und einer diabetischen Ketoazidose führen, einer Übersäuerung des Blutes, die tödlich sein kann. Die ersten Anzeichen entwickeln sich in der Regel allmählich über Stunden oder Tage: Durst, verstärkter Harndrang, Übelkeit, Erbrechen, Benommenheit, gerötete trockene Haut, Mundtrockenheit, Appetitlosigkeit und nach Aceton riechender Atem [5]. Infektionen und fieberhafte Erkrankungen erhöhen in der Regel den Insulinbedarf [5].

Hautveränderungen an der Einstichstelle

Wird Insulin wiederholt an derselben Stelle gespritzt, kann sich das Fettgewebe verdicken (Lipohypertrophie) oder schrumpfen (Lipoatrophie); zusammen spricht man von Lipodystrophie. Außerdem können sich Knoten durch Ablagerung des Eiweißes Amyloid bilden (kutane Amyloidose). Diesen Hinweis hat der Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC) der Europäischen Arzneimittel-Agentur in seiner Sitzung vom 14. bis 17. April 2020 für alle insulinhaltigen Arzneimittel empfohlen [10]. In betroffenen Bereichen kann das Insulin verzögert aufgenommen und der Blutzucker schlechter eingestellt werden; ein plötzlicher Wechsel in einen nicht betroffenen Bereich führte in Berichten zu Unterzuckerungen. Nach einem Wechsel des Injektionsbereichs wird eine Überwachung des Blutzuckers empfohlen [1, 5, 10]. Ein regelmäßiger Wechsel der Einstichstelle innerhalb des Injektionsbereichs kann diese Reaktionen verringern oder verhindern [10].

An der Einstichstelle können außerdem Rötung, Schmerzen, Juckreiz, Quaddeln, Schwellung oder Entzündung auftreten; die meisten leichteren Reaktionen bilden sich laut Fachinformation in der Regel innerhalb weniger Tage oder Wochen zurück [1]. Mehr dazu: Juckreiz und Hautausschlag.

Allergische Reaktionen

Allergische Reaktionen vom Soforttyp auf Insulin sind laut Fachinformation von Insulin glargin selten. Sie können zum Beispiel mit Hautreaktionen am ganzen Körper, Schwellungen von Haut und Schleimhaut (Angioödem), Atemnot durch verengte Bronchien, Blutdruckabfall und Schock einhergehen und lebensbedrohlich sein [1]. Mehr dazu: Arzneimittelallergie.

Augen, Nerven und Wassereinlagerungen

Zu Beginn einer Insulinbehandlung können laut Fachinformation von Actrapid Sehstörungen durch eine veränderte Brechkraft der Augenlinse (Refraktionsanomalien), Wassereinlagerungen (Ödeme) und Reaktionen an der Einstichstelle auftreten; sie sind normalerweise vorübergehend [1, 5]. Eine schnelle Besserung der Blutzuckereinstellung kann mit schmerzhaften Nervenbeschwerden (akute schmerzhafte Neuropathie) verbunden sein, die normalerweise wieder abklingen [5]. Eine Intensivierung der Behandlung mit plötzlich verbessertem Blutzucker kann eine diabetische Augenerkrankung (Retinopathie) vorübergehend verschlechtern; bei einer fortgeschrittenen (proliferativen) Retinopathie können schwere Unterzuckerungen zu vorübergehender Erblindung führen [1, 5]. Mehr dazu: Sehstörungen und Wassereinlagerungen.

Verwechslungen und unterschiedliche Konzentrationen

Es wurde über Anwendungsfehler berichtet, bei denen anstelle eines lang wirkenden Insulins versehentlich ein anderes, insbesondere ein schnell wirkendes Insulin gespritzt wurde. Laut den Fachinformationen muss deshalb vor jeder Injektion das Etikett geprüft werden [1, 2, 4, 5, 8]. Insulin glargin mit 100 Einheiten/ml und Toujeo mit 300 Einheiten/ml sind nicht bioäquivalent und nicht direkt austauschbar [2]. Aus den Fertigpens von Toujeo und Tresiba darf niemals Insulin mit einer Spritze entnommen werden, weil sonst eine Überdosierung droht, laut Fachinformation von Toujeo eine schwere [2, 8]. Auch aus den Pens von Lyumjev und Humalog mit 200 Einheiten/ml darf kein Insulin in eine Spritze überführt werden: Die Markierungen einer Insulinspritze zeigen die Dosis dann nicht korrekt an, eine Überdosierung mit schwerer Unterzuckerung ist möglich [3, 4]. Die Durchstechflaschen von Actrapid sind laut Fachinformation für Insulinspritzen mit passender Einheitenskala vorgesehen; es gibt sie mit 40 und mit 100 Internationalen Einheiten pro Milliliter [5].

Die Dosisanzeige des Pens zeigt laut Fachinformation von Tresiba unabhängig von der Stärke immer die Anzahl der Einheiten; bei einer Umstellung auf eine neue Stärke darf keine Umrechnung vorgenommen werden. Wer die Dosisanzeige nicht sicher ablesen kann, etwa wegen einer Sehbehinderung, soll sich von einer gut sehenden, geschulten Person helfen lassen [4, 8]. Die Umstellung auf einen anderen Insulintyp oder eine andere Insulinmarke muss laut Fachinformation unter strenger ärztlicher Überwachung erfolgen; jede Änderung, auch der Stärke, kann eine Änderung der Dosis erforderlich machen [1, 5]. Mehr dazu: Medikationsfehler vermeiden.

Wichtige Wechselwirkungen

Mann Anfang sechzig macht auf einer Wanderung eine Pause auf einer Bank und isst eine Birne
Bild: KI-generiert

Eine Reihe von Substanzen beeinflusst laut Fachinformation den Zuckerstoffwechsel und kann eine Anpassung der Insulindosis erforderlich machen [1]:

Wichtige Wechselwirkungen von Insulinen (Auswahl)
Zusammen mitWas passieren kann
Tabletten gegen Diabetes, ACE-Hemmer, Fibrate, Fluoxetin, MAO-Hemmer, Salicylate wie Acetylsalicylsäure, Sulfonamid-AntibiotikaDie Blutzuckersenkung kann verstärkt werden und die Neigung zu Unterzuckerungen steigen [1]
Cortison, Entwässerungsmittel, Östrogene und Gestagene, Schilddrüsenhormone, Sympathomimetika wie Salbutamol, atypische Antipsychotika wie Clozapin und Olanzapin, ProteasehemmerDie blutzuckersenkende Wirkung kann abgeschwächt werden [1]
Betablocker, Clonidin, Lithium, AlkoholDie blutzuckersenkende Wirkung kann verstärkt oder abgeschwächt werden; Betablocker und Clonidin können außerdem die Warnzeichen einer Unterzuckerung abschwächen oder unterdrücken [1]
Pioglitazon (Tablette gegen Diabetes)In Kombination mit Insulin wurde über Herzschwäche berichtet, besonders bei Risikofaktoren; auf Anzeichen wie Gewichtszunahme und Wassereinlagerungen ist zu achten [1, 5]

Die Liste ist nicht vollständig; die Fachinformationen nennen weitere Wirkstoffe [1]. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, bevor Sie ein neues Mittel dazunehmen oder absetzen. Vor Reisen in andere Zeitzonen soll laut Fachinformation ärztlicher Rat eingeholt werden, weil sich die Zeiten von Insulin und Mahlzeiten verschieben können [5]. Mehr dazu: Medikationsplan, der Ratgeber Wechselwirkungen und Medikamente ins Ausland.

Wann Insuline nicht oder nur mit Vorsicht angewendet werden

Als Gegenanzeige nennen alle hier zitierten Fachinformationen eine Überempfindlichkeit gegen den Wirkstoff oder einen sonstigen Bestandteil; die Fachinformationen von Lyumjev, Humalog und Apidra nennen zusätzlich eine Unterzuckerung (Hypoglykämie) [1, 2, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9]. Bei einer Unterzuckerung oder wenn eine Unterzuckerung befürchtet wird, darf Actrapid (Normalinsulin) laut Fachinformation nicht gespritzt werden [5]. Besondere Vorsicht und häufigere Blutzuckerkontrollen empfiehlt die Fachinformation von Insulin glargin bei Menschen, für die eine Unterzuckerung besonders gefährlich wäre, etwa bei deutlichen Verengungen der Herzkranzgefäße oder der hirnversorgenden Blutgefäße und bei einer fortgeschrittenen diabetischen Augenerkrankung [1]. Erkrankungen der Nieren, der Leber, der Nebennieren, der Hirnanhangdrüse oder der Schilddrüse können eine Anpassung der Insulindosis erforderlich machen [5].

Schwangerschaft und Stillzeit

Bei einem Diabetes ist eine gute Stoffwechseleinstellung während der gesamten Schwangerschaft laut Fachinformation unbedingt erforderlich. Der Insulinbedarf kann im ersten Schwangerschaftsdrittel sinken, steigt im zweiten und dritten in der Regel an und fällt unmittelbar nach der Entbindung rasch ab; dann ist das Unterzuckerungsrisiko erhöht [1]. Laut Embryotox ist ein schlecht eingestellter Diabetes mit einem höheren Fehlbildungs- und Fehlgeburtsrisiko verbunden; eine optimale Blutzuckereinstellung sollte möglichst schon vor der Empfängnis erreicht werden. Schwangerschaften mit Diabetes sind Risikoschwangerschaften, die Entbindung sollte in einem Perinatalzentrum erfolgen [11].

Embryotox ordnet Humaninsulin, Insulin glargin, Insulin lispro und Insulin aspart als "Medikament der Wahl" ein, verbunden mit dem Hinweis, dass dennoch eine sorgfältige Nutzen-Risiko-Abwägung nötig ist [11, 12, 13, 14]. Den Erfahrungsumfang bewertet Embryotox bei Insulin degludec als mittel, bei Insulin glulisin als gering; bei einer Neueinstellung sollten laut Embryotox möglichst besser untersuchte Insuline bevorzugt werden. Als besser untersucht nennt Embryotox für Insulin degludec Humaninsuline sowie Insulin detemir und Insulin glargin, für Insulin glulisin Humaninsulin sowie Insulin lispro und Insulin aspart [15, 16]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Eine Fortsetzung der Behandlung mit Insulin degludec bei bestehendem Diabetes kann laut Embryotox in Betracht gezogen werden [15].

Stillzeit: Unter Humaninsulin darf laut Embryotox uneingeschränkt gestillt werden; auch Insulin glargin, lispro und aspart können uneingeschränkt verwendet werden, Insulin degludec und glulisin können eingesetzt werden [11, 12, 13, 14, 15, 16]. Bei Einsetzen der Milchproduktion sinkt der Insulinbedarf häufig [11]. Die Beratung durch Embryotox ist kostenlos [11]. Mehr dazu: Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.

Absetzen

Ein Unterbrechen der Insulinbehandlung kann laut Fachinformation, besonders bei Typ-1-Diabetes, zu erhöhtem Blutzucker (Hyperglykämie) und einer diabetischen Ketoazidose führen [5]. Menschen mit Typ-1-Diabetes dürfen das Insulin auch bei Erkrankungen nie ganz weglassen und müssen regelmäßig zumindest kleine Mengen Kohlenhydrate zu sich nehmen, auch wenn sie kaum essen können oder erbrechen [1]. Setzen Sie das Mittel nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr dazu: der Ratgeber Medikamente absetzen.

Unterschied zu Tabletten und anderen Spritzen gegen Diabetes

Bei Typ-2-Diabetes kann Insulin degludec (Tresiba) laut Fachinformation allein oder zusammen mit Tabletten gegen Diabetes und mit GLP-1-Rezeptoragonisten angewendet werden [8]. In Kombination mit Tabletten gegen Diabetes kann die Neigung zu Unterzuckerungen steigen [1]. Mehr dazu: Metformin, DPP-4-Hemmer und weitere orale Antidiabetika, SGLT2-Hemmer und GLP-1-Rezeptoragonisten.

Quellen

  1. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Lantus, Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) Lantus 100 Einheiten/ml. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 03/2026. abgerufen am 12.10.2026
  2. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Toujeo, Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) Toujeo 300 Einheiten/ml. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 03/2026. abgerufen am 12.10.2026
  3. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Lyumjev, Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) Lyumjev 100 Einheiten/ml und 200 Einheiten/ml. Eli Lilly Nederland B.V. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2026. abgerufen am 12.10.2026
  4. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Humalog, Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Eli Lilly Nederland B.V. (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2026. abgerufen am 12.10.2026
  5. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Actrapid, Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Novo Nordisk A/S (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2020. abgerufen am 12.10.2026
  6. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Fiasp, Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Novo Nordisk A/S (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 09/2021. abgerufen am 12.10.2026
  7. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation NovoRapid, Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Novo Nordisk A/S (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 05/2025. abgerufen am 12.10.2026
  8. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Tresiba, Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) Tresiba 100 Einheiten/ml und 200 Einheiten/ml. Novo Nordisk A/S (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 06/2025. abgerufen am 12.10.2026
  9. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Apidra, Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 03/2026. abgerufen am 12.10.2026
  10. Behörde Neufassung des Wortlauts der Produktinformationen, Auszüge aus den Empfehlungen des PRAC zu Signalen, verabschiedet in der PRAC-Sitzung vom 14. bis 17. April 2020 (EMA/PRAC/227793/2020), Punkt 4: Insulin, kutane Amyloidose (alle insulinhaltigen Arzneimittel). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für Risikobewertung im Bereich der Pharmakovigilanz (PRAC). Stand 11.05.2020. abgerufen am 12.10.2026
  11. Embryotox Embryotox: Insulin human. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  12. Embryotox Embryotox: Insulin glargin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  13. Embryotox Embryotox: Insulin aspart. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  14. Embryotox Embryotox: Insulin lispro. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  15. Embryotox Embryotox: Insulin degludec. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  16. Embryotox Embryotox: Insulin glulisin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026

Häufige Fragen

Was tun bei einer Unterzuckerung?

Eine leichte Unterzuckerung lässt sich laut Fachinformation in der Regel mit Traubenzucker (Glucose) oder zuckerhaltigen Lebensmitteln ausgleichen; Menschen mit Diabetes sollten deshalb immer zuckerhaltige Lebensmittel bei sich haben. Bei einer schweren Unterzuckerung mit Bewusstlosigkeit kann eine geschulte Person Glucagon spritzen oder eine Ärztin bzw. ein Arzt Glucose in die Vene geben. Bei Bewusstlosigkeit rufen Sie den Notruf 112.

Woran erkenne ich eine Unterzuckerung?

Als mögliche Anzeichen nennt die Fachinformation unter anderem kalten Schweiß, kalte blasse Haut, Zittern, Nervosität, Heißhunger, ungewöhnliche Müdigkeit, Verwirrung, Konzentrationsschwierigkeiten, Sehstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit und Herzklopfen. Bei manchen Menschen sind die Warnzeichen abgeschwächt oder fehlen, etwa bei lange bestehendem Diabetes, bei älteren Menschen oder unter bestimmten Arzneimitteln wie Betablockern.

Warum soll ich die Einstichstelle wechseln?

Wird Insulin immer wieder in dieselbe Stelle gespritzt, kann das Fettgewebe schrumpfen oder sich verdicken (Lipodystrophie), und es können Knoten durch Ablagerung des Eiweißes Amyloid entstehen (kutane Amyloidose). In solchen Bereichen kann das Insulin verzögert aufgenommen werden. Ein plötzlicher Wechsel in einen nicht betroffenen Bereich kann laut Fachinformation zu einer Unterzuckerung führen; besprechen Sie das deshalb mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Was bedeuten 100, 200 oder 300 Einheiten pro Milliliter?

Das ist die Konzentration des Insulins. Insulin glargin mit 100 und mit 300 Einheiten/ml ist laut Fachinformation nicht bioäquivalent und nicht direkt austauschbar. Aus den Fertigpens von Toujeo und Tresiba darf laut Fachinformation nie mit einer Spritze Insulin aufgezogen werden, weil sonst eine Überdosierung droht. Auch aus den Pens von Lyumjev und Humalog mit 200 Einheiten/ml darf kein Insulin in eine Spritze überführt werden, weil die Markierungen einer Insulinspritze die Dosis dann nicht korrekt anzeigen. Der Pen zeigt die Einheiten an; eine eigene Umrechnung ist laut Fachinformation von Tresiba nicht vorzunehmen.

Darf ich Insulin weglassen, wenn ich krank bin und kaum esse?

Nicht ohne ärztliche Rücksprache. Menschen mit Typ-1-Diabetes dürfen das Insulin laut Fachinformation nie ganz weglassen und müssen auch dann regelmäßig zumindest kleine Mengen Kohlenhydrate zu sich nehmen, wenn sie kaum essen können oder erbrechen. Begleiterkrankungen erfordern eine engere Überwachung des Stoffwechsels; der Insulinbedarf ist häufig erhöht. Ein Unterbrechen der Behandlung kann zu erhöhtem Blutzucker (Hyperglykämie) und einer diabetischen Ketoazidose führen.

Darf ich mit Insulin Auto fahren?

Das klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Eine Unter- oder Überzuckerung kann laut Fachinformation die Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit beeinträchtigen. Behandelte sollen Vorsichtsmaßnahmen treffen, um Unterzuckerungen am Steuer zu vermeiden; bei häufigen Unterzuckerungen oder schlecht wahrnehmbaren Warnzeichen ist zu überlegen, ob das Fahren ratsam ist.

Darf ich Insulin in der Schwangerschaft und Stillzeit verwenden?

Das klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; die Insuline sind unterschiedlich gut untersucht. Laut Embryotox darf Humaninsulin im Kinderwunsch und in der Schwangerschaft indikationsgerecht eingesetzt werden; eine bestehende Behandlung mit Insulin glargin, lispro oder aspart darf bei vorbestehendem Diabetes fortgesetzt werden, auch eine Neueinstellung ist möglich. Für Insulin degludec und glulisin sollten laut Embryotox bei einer Neueinstellung möglichst besser untersuchte Insuline bevorzugt werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. In der Stillzeit können alle sechs hier beschriebenen Insuline laut Embryotox verwendet werden.

Welche Medikamente beeinflussen die Wirkung von Insulin?

Laut Fachinformation können zum Beispiel Tabletten gegen Diabetes, ACE-Hemmer und Salicylate die Blutzuckersenkung verstärken, Cortison, Entwässerungsmittel, Östrogene und Schilddrüsenhormone sie abschwächen. Betablocker, Clonidin, Lithium und Alkohol können beides bewirken; Betablocker können zudem die Warnzeichen einer Unterzuckerung abschwächen. Sagen Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, welche Mittel Sie nehmen.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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