Ratgeber

Medikamente absetzen: was zu beachten ist

Ein verordnetes Medikament sollten Sie laut IQWiG weder eigenständig absetzen noch die Dosierung verändern. Je nach Mittel können nach einem plötzlichen Ende die Beschwerden zurückkehren, Absetz- oder Entzugserscheinungen auftreten oder sich eine Herzkrankheit verschlechtern; was für Ihr Präparat gilt, steht in Abschnitt 3 der Packungsbeilage unter "Wenn Sie die Einnahme abbrechen". Sprechen Sie vor dem Beenden mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; nur bei bestimmten Warnzeichen verlangt die Packungsbeilage, das Mittel sofort nicht mehr einzunehmen und ärztliche Hilfe zu holen.

Frau mittleren Alters mit kurzem graublondem Haar in petrolfarbener Strickjacke sitzt nachdenklich mit einer Tasse Tee an einem hellen Fenster
Bild: KI-generiert

Ein verordnetes Medikament sollten Sie weder eigenständig absetzen noch die Dosierung verändern, rät das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG); fällt Ihnen die Einnahme schwer, wenden Sie sich am besten sofort wieder an die Arztpraxis [1]. Je nach Mittel kann ein plötzliches Ende der Behandlung unterschiedliche Folgen haben: Bei Levothyroxin können die Beschwerden wieder auftreten, bei Lorazepam Entzugserscheinungen, und bei Bisoprolol kann sich eine Herzmuskelschwäche vorübergehend verschlechtern [12, 16, 17]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Nach dem Arzneimittelgesetz muss die Packungsbeilage, soweit erforderlich und je nach Art des Arzneimittels, Hinweise auf die Gefahr von unerwünschten Folgen des Absetzens enthalten (§ 11 Abs. 1 Satz 1 Nr. 4 Buchstabe e AMG) [2]. Die EU-Vorlage für Packungsbeilagen sieht dafür in Abschnitt 3 einen Absatz mit der Überschrift "Wenn Sie die Einnahme von X abbrechen" vor [3]. Bei bestimmten schweren Nebenwirkungen verlangt die Packungsbeilage dagegen, das Mittel sofort nicht mehr einzunehmen; dann gilt diese Anweisung.

Warum ein plötzliches Absetzen Folgen haben kann

Packungsbeilagen, Fachinformationen und das IQWiG nennen verschiedene Gründe, warum ein Medikament nicht einfach weggelassen werden soll:

  • Die Krankheit kommt zurück: Bei Levothyroxin können laut Packungsbeilage die Beschwerden wieder auftreten, wenn die Behandlung eigenmächtig verändert, unterbrochen oder vorzeitig beendet wird [16]. Wird Lamotrigin bei Epilepsie plötzlich beendet, kann die Epilepsie erneut auftreten oder sich verschlimmern [14]; die Fachinformation nennt Rebound-Anfälle, wie bei anderen Antiepileptika [15]. Bei Tramadol treten die Schmerzen nach einer Unterbrechung oder einem vorzeitigen Ende wahrscheinlich erneut auf [23]. Antidepressiva eigenständig abzusetzen, sobald es einem besser geht, erhöht laut IQWiG das Risiko, dass die Depression erneut auftritt [6]. Wer ein Antibiotikum ohne Rücksprache beendet, bevor die verschriebene Menge aufgebraucht ist, kann laut IQWiG einen Rückfall bekommen [4]; mehr im Ratgeber Antibiotika richtig einnehmen.
  • Absetzsymptome: Beim Beenden von Venlafaxin sind laut Packungsbeilage Nebenwirkungen bekannt, vor allem bei plötzlichem Absetzen oder zu schneller Dosisverringerung, etwa Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Kribbeln oder selten stromschlagähnliche Empfindungen [25]. Laut Fachinformation sind diese Beschwerden im Allgemeinen leicht bis mäßig und klingen innerhalb von 2 Wochen ab; bei einigen Menschen können sie schwerwiegend sein oder 2 bis 3 Monate oder länger anhalten [26]. Nach plötzlichem Abbruch von Quetiapin nennt die Packungsbeilage Schlaflosigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Schwindel und Gereiztheit [22].
  • Entzugserscheinungen: Nach abruptem Absetzen oder schneller Dosisverringerung von Lorazepam können Entzugserscheinungen auftreten, manche davon lebensbedrohlich; außerdem können die Beschwerden, gegen die das Mittel verordnet wurde, für kurze Zeit wieder auftreten (Rebound) [17]. Auch nach einer Kurz- oder Langzeitbehandlung mit Pregabalin können laut Packungsbeilage Entzugserscheinungen auftreten [21].
  • Die körpereigene Hormonbildung ist unterdrückt: Vor allem eine länger dauernde Behandlung mit Prednisolon unterdrückt laut Packungsbeilage die körpereigene Produktion von Glucocorticoiden; eine ausgeprägte körperliche Stresssituation kann dann lebensgefährlich sein (Addison-Krise) [20]. Bei Beendigung oder Abbruch einer langzeitigen Einnahme ist an ein Wiederaufflammen oder eine Verschlimmerung der Grundkrankheit, an eine akute Unterfunktion der Nebennierenrinde, insbesondere in Stresssituationen wie einer Infektion oder nach Unfällen, und an Beschwerden durch den Cortisonentzug zu denken [20].
  • Herz und Gefäße: Bei Menschen mit einer Durchblutungsstörung des Herzens (ischämische Herzerkrankung) besteht laut Fachinformation von Bisoprolol die Gefahr eines Herzinfarktes und eines plötzlichen Todes, wenn die Behandlung abrupt abgebrochen wird [13]. Wird Apixaban vorzeitig abgebrochen, könnte laut Packungsbeilage das Risiko für ein Blutgerinnsel erhöht sein [11].

Welche dieser Folgen möglich sind, hängt vom Wirkstoff ab. Andere Packungsbeilagen bitten nur darum, vor dem Absetzen mit Arzt oder Apotheker zu sprechen, zum Beispiel die von Pantoprazol [19].

Welche Medikamente betroffen sein können

Die Tabelle gibt wieder, was die Packungsbeilage je eines Präparats in Abschnitt 3 unter "Wenn Sie die Einnahme abbrechen" sagt [3]; welches Präparat, steht in den Quellen am Ende der Seite.

Beispiele: Angaben aus der Packungsbeilage (Auswahl)
WirkstoffWas die Packungsbeilage sagtMehr dazu
ApixabanNicht ohne vorherige Rücksprache mit dem Arzt abbrechen, da das Risiko, ein Blutgerinnsel zu entwickeln, erhöht sein könnte, wenn die Behandlung vorzeitig abgebrochen wird [11]Apixaban absetzen
BisoprololDie Behandlung nicht unterbrechen oder beenden, ohne das vorher mit dem Arzt abgesprochen zu haben. Sie sollte nicht abrupt beendet werden; bei Herzmuskelschwäche kann das zu einer vorübergehenden Verschlechterung des Krankheitsbildes führen. Die Dosierung sollte langsam verringert werden, wie Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es festlegt [12]Bisoprolol absetzen
LamotriginBei Epilepsie ist es wichtig, dass die Dosis zum Beenden schrittweise verringert wird, wie Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es festlegt; wird die Einnahme plötzlich beendet, kann die Epilepsie erneut auftreten oder sich verschlimmern. Bei bipolarer Störung muss die Dosis nicht schrittweise verringert werden, trotzdem sollten Sie erst mit dem Arzt sprechen [14]Lamotrigin absetzen
LevothyroxinFür den Behandlungserfolg ist die regelmäßige Einnahme in der vorgeschriebenen Dosierung erforderlich. Die Behandlung darf auf keinen Fall eigenmächtig verändert, unterbrochen oder vorzeitig beendet werden, da sonst die Beschwerden wieder auftreten können [16]Levothyroxin absetzen
LorazepamNicht plötzlich abbrechen, es sei denn, Sie vermuten eine schwerwiegende Nebenwirkung, da die Dosis schrittweise verringert werden muss; der Arzt sagt, wie die Behandlung zu beenden ist. Nach einem Abbruch oder einer plötzlichen Dosisverringerung können vorübergehende Entzugs- oder Rebound-Symptome auftreten [17]Lorazepam absetzen
PantoprazolDie Tabletten nicht absetzen, ohne zuerst mit dem Arzt oder Apotheker zu sprechen [19]Pantoprazol absetzen
PrednisolonStets dem vom Arzt vorgegebenen Dosierungsschema folgen. Darf nie eigenmächtig abgesetzt werden, weil vor allem eine länger dauernde Behandlung die körpereigene Produktion von Glucocorticoiden unterdrückt; eine ausgeprägte körperliche Stresssituation kann dann lebensgefährlich sein (Addison-Krise) [20]Prednisolon absetzen
PregabalinNicht plötzlich abbrechen; das Beenden zuerst mit dem Arzt besprechen, der sagt, wie die Einnahme beendet werden kann. Die Behandlung muss allmählich beendet werden. Danach können Entzugserscheinungen auftreten, darunter Schlafprobleme, Kopfschmerzen, Übelkeit, Angst, Krampfanfälle, Depression und Gedanken, sich das Leben zu nehmen; dann sollten Sie sich an den Arzt wenden [21]Pregabalin absetzen
QuetiapinNach plötzlichem Abbruch können Schlaflosigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Schwindel oder Gereiztheit auftreten. Der Arzt empfiehlt unter Umständen, die Dosis vor dem Ende der Behandlung schrittweise zu verringern. Auch wenn Sie sich besser fühlen, nur auf Anraten des Arztes beenden [22]Quetiapin absetzen
TramadolNach einer Unterbrechung oder einem vorzeitigen Ende treten die Schmerzen wahrscheinlich erneut auf. Im Allgemeinen hat ein Abbruch keine Nachwirkungen; bei einigen Menschen, die es über lange Zeit eingenommen und plötzlich abgesetzt haben, kann es aber zu Nachwirkungen kommen: Sie könnten sich unruhig, ängstlich, nervös oder zittrig fühlen und Schlafstörungen oder Magen-Darm-Beschwerden haben. Wer wegen unangenehmer Begleiterscheinungen abbrechen möchte, wendet sich an den Arzt [23]Tramadol absetzen
VenlafaxinNicht ohne Rücksprache abbrechen oder die Dosis verringern, auch wenn Sie sich besser fühlen; der Arzt weist an, wie die Behandlung schrittweise beendet wird. Beim Beenden sind Nebenwirkungen bekannt, vor allem bei plötzlichem Absetzen oder zu schneller Dosisverringerung, darunter Suizidgedanken, Schwindelgefühl, Schlaflosigkeit, Übelkeit und erhöhter Blutdruck [25]Venlafaxin absetzen

Die Tabelle ist eine Auswahl. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Eigene Seiten zum Absetzen gibt es außerdem unter anderem für diese Wirkstoffe: bei Herz und Blutdruck Metoprolol, Ramipril, Candesartan und Amlodipin; bei Gerinnungshemmern Rivaroxaban, Edoxaban und Clopidogrel; bei Antidepressiva Sertralin, Citalopram, Escitalopram, Duloxetin, Amitriptylin und Mirtazapin; bei Schlafmitteln Zopiclon und Zolpidem; bei Schmerzmitteln Oxycodon und Ibuprofen; bei Epilepsie und Nervenschmerzen Levetiracetam und Gabapentin; bei Magensäure Omeprazol und Esomeprazol; bei Antipsychotika Risperidon, Olanzapin und Aripiprazol; bei ADHS Methylphenidat und Lisdexamfetamin.

Wann die Packungsbeilage das sofortige Beenden verlangt

Bei bestimmten schweren Nebenwirkungen verlangt die Packungsbeilage selbst, das Mittel nicht weiter einzunehmen und sofort ärztliche Hilfe zu suchen. Die Packungsbeilage von Lorazepam sagt zum Beispiel, die Einnahme nicht plötzlich abzubrechen, "es sei denn, Sie vermuten eine schwerwiegende Nebenwirkung"; glauben Sie, dass eine schwerwiegende Nebenwirkung auftritt, sprechen Sie sofort mit Ihrem Arzt [17]. Beispiele aus Abschnitt 4 der Packungsbeilagen:

  • Bisoprolol: Bei Überempfindlichkeitsreaktionen wie Jucken, vorübergehender Rötung oder Ausschlag brechen Sie die Einnahme ab und suchen sofort ärztliche Hilfe; bei schwereren allergischen Reaktionen wie Schwellungen von Gesicht, Hals, Zunge, Mund oder Rachen oder Atembeschwerden suchen Sie sofort Ihren Arzt auf [12].
  • Pantoprazol: Bei schwerwiegenden allergischen Reaktionen, etwa einer Schwellung der Zunge oder des Halses, Schluckbeschwerden, Nesselsucht oder Atembeschwerden, und bei schwerwiegenden Hautreaktionen, etwa mit Blasenbildung der Haut, nehmen Sie keine weiteren Tabletten ein und informieren sofort Ihren Arzt oder wenden sich an die Notfallambulanz des nächsten Krankenhauses [19].
  • Venlafaxin: Bei Anschwellen von Gesicht, Mund, Zunge oder Rachen, Schwierigkeiten beim Schlucken oder Atmen, Zeichen eines Serotonin-Syndroms oder starkem Ausschlag, der in starke Blasenbildung und Hautabschälung übergehen kann, nehmen Sie das Mittel nicht mehr ein und sprechen unverzüglich mit Ihrem Arzt oder suchen die Notfallambulanz des nächstgelegenen Krankenhauses auf [25].

Welche Warnzeichen für Ihr Mittel gelten, steht in Abschnitt 4 Ihrer Packungsbeilage [3] und auf der Wirkstoffseite im Abschnitt "Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen". Mehr zu solchen Reaktionen auf den Seiten Medikamentenallergie und Arzneimittelexanthem und Schwere Hautreaktionen durch Medikamente.

Abhängigkeit und Entzug nach längerer Einnahme

Mann Anfang sechzig mit grauem Bart in dunkelblauem Pullover spricht mit einer Ärztin mit dunkelblondem Haar an einem hellen Schreibtisch in einer freundlichen Praxis
Bild: KI-generiert

Schlaf- und Beruhigungsmittel wie Benzodiazepine und Z-Substanzen machen laut IQWiG abhängig, wenn sie zu lange oder in hoher Dosis eingenommen werden; eine Abhängigkeit kann schon nach wenigen Wochen einsetzen und zudem unbemerkt bleiben [5]. Laut Fachinformation von Lorazepam besteht bereits bei täglicher Einnahme über wenige Wochen die Gefahr einer psychischen und physischen Abhängigkeit, auch im therapeutischen Dosisbereich [18]. Wer diese Mittel nach längerem Gebrauch absetzen will, tut dies laut IQWiG am besten schrittweise und mit ärztlicher Hilfe. Erste Anlaufstelle ist die Arztpraxis; wer das Gefühl hat, den Konsum nicht mehr im Griff zu haben, kann sich auch an eine Suchtberatungsstelle wenden [5]. Gewöhnlich wird ein Plan für das Absetzen erstellt, der sich an Art und Dosierung der Medikamente, der Anwendungsdauer und persönlichen Umständen orientiert [5].

Auch die wiederholte Anwendung von Opioiden wie Tramadol kann laut Packungsbeilage zu Abhängigkeit, Missbrauch und Sucht führen [23]. Die Packungsbeilagen von Tramadol und Pregabalin nennen Anzeichen einer Abhängigkeit, zum Beispiel wiederholte erfolglose Versuche, die Einnahme zu beenden, oder dass man sich ohne das Mittel unwohl fühlt und es einem besser geht, sobald man es wieder einnimmt. Dann besprechen Sie mit Ihrem Arzt den besten Behandlungsweg, einschließlich der Frage, wann und wie Sie die Einnahme sicher beenden können [21, 23].

Antidepressiva machen laut IQWiG anders als viele Schlaf- und Beruhigungsmittel nicht körperlich abhängig oder süchtig. Beim Absetzen kann es trotzdem vorübergehend zu Schlafstörungen, Übelkeit oder Unruhe kommen, häufiger, wenn sie von einem Tag auf den anderen abgesetzt werden [6]. Mehr: Medikamente, die abhängig machen, Beruhigungs- und Schlafmittel, Opioide und Antidepressiva.

Was Ausschleichen bedeutet

Ausschleichen heißt, die Dosis schrittweise bis auf null zu senken, statt das Mittel auf einmal wegzulassen. Bei Schlaf- und Beruhigungsmitteln soll das langsame Ausschleichen laut IQWiG Entzugserscheinungen vorbeugen [5]. Laut Fachinformation von Tramadol kann es ratsam sein, die Dosis schrittweise zu reduzieren, um Entzugserscheinungen zu vermeiden, wenn die Behandlung nicht mehr benötigt wird [24]. Bei Venlafaxin können der nötige Zeitraum und die Menge, um die jeweils verringert wird, laut Fachinformation von der Dosis, der Therapiedauer und dem einzelnen Menschen abhängen [26].

Ab wann genau mit dem Ausschleichen von Schlaf- und Beruhigungsmitteln begonnen und wie langsam die Dosis verringert wird, bespricht man laut IQWiG am besten mit der Ärztin oder dem Arzt; ein Medikamentenplan kann den Prozess unterstützen [5]. Bei Antidepressiva ist es laut IQWiG wichtig, während des Absetzens regelmäßig mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen, wie man sich fühlt [6]. Bei einer bipolaren Störung muss die Dosis von Lamotrigin laut Packungsbeilage nicht schrittweise verringert werden; trotzdem sollten Sie vorher mit Ihrem Arzt sprechen [14]. Was die Packungsbeilage eines bestimmten Mittels zum Beenden sagt, steht auf den Seiten in der Tabelle oben.

Für wen es besonders wichtig ist

  • Schwangere und Frauen mit Kinderwunsch: Medikamente gegen eine chronische Erkrankung sollten Sie laut BIÖG auf keinen Fall eigenmächtig absetzen; auch in der Schwangerschaft trägt die Behandlung dazu bei, Schwangerschaftskomplikationen zu vermeiden [7]. Bei Kinderwunsch oder spätestens zu Beginn einer Schwangerschaft lassen Sie ärztlich prüfen, ob sich die Medikamente auf das ungeborene Kind auswirken könnten; Umstellungen sollten Sie nur in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt vornehmen [7]. Bei Frauen, die wegen einer Epilepsie behandelt werden, ist laut Fachinformation von Lamotrigin ein plötzliches Absetzen der antiepileptischen Therapie zu vermeiden, da es zu Durchbruchsanfällen mit schwerwiegenden Folgen für Mutter und ungeborenes Kind führen kann [15]. Mehr: Medikamente in der Schwangerschaft.
  • Ältere Menschen: Probleme durch eine längere Einnahme von Benzodiazepinen oder Z-Substanzen können laut IQWiG für ältere Menschen besonders schwer wiegen, etwa weil ihr Körper Medikamente langsamer abbaut oder sie häufig mehrere Medikamente einnehmen; ein behutsames Absetzen ist dann besonders wichtig [5]. Mehr: Medikamente im Alter.
  • Menschen vor einer Operation: Laut Packungsbeilage von Bisoprolol informieren Sie den Narkosearzt über die Behandlung; die Fortsetzung der Behandlung verringert das Risiko für Rhythmusstörungen während der Narkoseeinleitung, und wird ein Absetzen vor der Operation für notwendig erachtet, sollte es ausschleichend erfolgen [12]. Mehr: Medikamente vor einer Operation.

So gehen Sie vor

  1. Packungsbeilage lesen In Abschnitt 3 steht unter "Wenn Sie die Einnahme von X abbrechen", was beim Beenden zu beachten ist; nach dem Arzneimittelgesetz gehören dazu, soweit erforderlich, Hinweise auf die Gefahr unerwünschter Folgen des Absetzens [2, 3].
  2. Gründe offen ansprechen Wer ein Mittel aus Angst vor Nebenwirkungen nicht mehr nehmen möchte: Laut IQWiG ist es sinnvoll, Ängste und Bedenken mit der Ärztin oder dem Arzt zu besprechen; wichtig ist zu wissen, welche anderen Behandlungsmöglichkeiten bestehen und was passieren könnte, wenn man auf eine Behandlung verzichtet [4]. Bei manchen Mitteln, etwa Antidepressiva, setzt die Wirkung erst nach einigen Wochen ein [4]. Mögliche Gründe, warum ein Mittel nicht wirkt, erklärt der Ratgeber Wenn Medikamente nicht wirken. Fragen sammeln können Sie mit dem Werkzeug Fragen fürs Arztgespräch.
  3. Das Vorgehen ärztlich festlegen lassen Wie die Behandlung beendet wird, sagt Ihnen laut Packungsbeilage Ihr Arzt, zum Beispiel bei Pregabalin und Lorazepam [17, 21]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
  4. Beschwerden beim Absetzen melden Treten nach dem Beenden Beschwerden auf, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihren Arzt, zum Beispiel bei Entzugserscheinungen nach Pregabalin oder Nachwirkungen nach Tramadol [21, 23]. Notieren können Sie Beschwerden im Nebenwirkungs-Tagebuch; wie Sie einen Verdachtsfall melden, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
  5. Den Überblick behalten Eine Liste aller regelmäßig eingenommenen Medikamente, die Sie zum Arztbesuch oder in die Apotheke mitnehmen, ist laut gesund.bund.de hilfreich; eine Vorlage bietet das Werkzeug Medikationsplan [8]. Abgelaufene oder nicht mehr benötigte Medikamente können laut gesund.bund.de bis auf wenige Ausnahmen in den meisten Regionen im Hausmüll entsorgt werden [8]; mehr im Ratgeber Medikamente richtig entsorgen.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Manche Beschwerden beim Verringern der Dosis oder nach dem Absetzen brauchen sofort Hilfe:

  • Gedanken an Suizid: Solche Gedanken können laut Packungsbeilage von Venlafaxin auch auftreten, wenn die Dosis verringert oder die Behandlung beendet wird; gehen Sie dann zu Ihrem Arzt oder suchen Sie unverzüglich ein Krankenhaus auf [25]. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenfrei erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 [10]. Suizidversuche sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) ein Fall für den Notruf 112 [9].
  • Krampfanfall: Krampfanfälle gehören zu den Entzugserscheinungen, die die Packungsbeilagen von Lorazepam und Pregabalin nennen [17, 21]. Wenn Sie einen Krampfanfall bekommen, kontaktieren Sie laut Packungsbeilage von Pregabalin sofort Ihren Arzt [21]. Akute und anhaltende Krampfanfälle sind laut KBV ein Fall für den Notruf 112 [9].
  • Starke Brustschmerzen oder Herzbeschwerden: laut KBV ein Fall für den Notruf 112 [9]. Bei Menschen mit ischämischer Herzerkrankung besteht laut Fachinformation von Bisoprolol nach einem abrupten Abbruch die Gefahr eines Herzinfarktes [13].
  • Bewusstlosigkeit oder schwere Atemnot: Auch dann rufen Sie laut KBV den Notruf 112 [9].

Quellen

  1. In der Arztpraxis. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 18.12.2024. abgerufen am 18.10.2026
  2. Behörde § 11 Arzneimittelgesetz (AMG): Packungsbeilage (Absatz 1 Satz 1 Nr. 4 Buchstabe e). Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, gesetze-im-internet.de. Stand AMG zuletzt geändert durch Art. 2 Abs. 4 G v. 12.05.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 143); Änderung durch Art. 6 G v. 26.06.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 195) textlich nachgewiesen. abgerufen am 18.10.2026
  3. Behörde QRD-Vorlage für Produktinformationen, Version 10.4, deutsche Fassung mit markierten Änderungen (Packungsbeilage, Abschnitt 3). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Stand 02/2024. abgerufen am 18.10.2026
  4. Medikamente über lange Zeit anwenden. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 03.09.2025. abgerufen am 18.10.2026
  5. Schlafstörung: Schlaf- und Beruhigungsmittel absetzen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 03.07.2024. abgerufen am 18.10.2026
  6. Wie wirksam sind Antidepressiva? (Abschnitt "Wie werden Antidepressiva wieder abgesetzt?"). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 13.12.2023. abgerufen am 18.10.2026
  7. Behörde Chronische Erkrankung und Schwangerschaft. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), familienplanung.de. Stand 07.10.2025. abgerufen am 18.10.2026
  8. Behörde Mit Arzneimitteln richtig umgehen (Abschnitte zu Wechselwirkungen und Entsorgung). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem BfArM). Stand 17.02.2026. abgerufen am 18.10.2026
  9. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
  10. TelefonSeelsorge Deutschland (Startseite). TelefonSeelsorge Deutschland. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
  11. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Eliquis (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilagen Eliquis 2,5 mg und 5 mg Filmtabletten (Apixaban). Bristol-Myers Squibb/Pfizer EEIG (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 04/2026. abgerufen am 18.10.2026
  12. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Bisoprolol-ratiopharm 5 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 18.10.2026
  13. Fachinformation Fachinformation Bisoprolol-ratiopharm 5 mg / 10 mg Tabletten (Abschnitte 4.2 und 4.4). ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 18.10.2026
  14. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Lamotrigin-ratiopharm 100 mg Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 18.10.2026
  15. Fachinformation Fachinformation Lamotrigin-ratiopharm Tabletten zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen (Abschnitte 4.4 und 4.6). ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 18.10.2026
  16. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation L-Thyroxin Henning 100 (100 Mikrogramm, Tabletten; Levothyroxin). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 02/2025. abgerufen am 18.10.2026
  17. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 18.10.2026
  18. Fachinformation Fachinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten (Abschnitt 4.4). neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 18.10.2026
  19. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Pantoprazol-ratiopharm 40 mg magensaftresistente Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 18.10.2026
  20. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Predni H Tablinen 5 mg (Prednisolon). Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 18.10.2026
  21. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Pregabalin-ratiopharm Hartkapseln (25 bis 300 mg). ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 18.10.2026
  22. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Quetiapin-ratiopharm 50/150/200/300/400 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 18.10.2026
  23. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Tramadol-ratiopharm 100 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 18.10.2026
  24. Fachinformation Fachinformation Tramadol-ratiopharm 100 mg Retardtabletten (Abschnitte 4.2 und 4.4). ratiopharm GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 18.10.2026
  25. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Venlafaxin-ratiopharm 37,5 mg/75 mg/150 mg Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 18.10.2026
  26. Fachinformation Fachinformation Venlafaxin-ratiopharm Hartkapseln, retardiert (Abschnitte 4.2 und 4.4). ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 18.10.2026

Häufige Fragen

Darf ich ein Medikament absetzen, wenn es mir besser geht?

Bei verordneten Medikamenten nicht ohne Rücksprache. Laut IQWiG gehört es zur sicheren Anwendung, Medikamente nicht sofort abzusetzen, sobald man sich besser fühlt; wer zum Beispiel ein Antibiotikum ohne Rücksprache beendet, bevor die verschriebene Menge aufgebraucht ist, kann einen Rückfall bekommen. Antidepressiva eigenständig abzusetzen, sobald es einem besser geht, erhöht laut IQWiG das Risiko, dass die Depression erneut auftritt. Sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Was sind Absetzsymptome?

Beschwerden, die beim Beenden eines Mittels auftreten können, vor allem nach plötzlichem Absetzen. Bei Venlafaxin nennt die Packungsbeilage zum Beispiel Schwindelgefühl, Kopfschmerzen, Schlaflosigkeit, Übelkeit und Kribbeln; laut Fachinformation klingen die Beschwerden im Allgemeinen innerhalb von 2 Wochen ab, bei einigen Menschen halten sie 2 bis 3 Monate oder länger an. Bei Lorazepam und Pregabalin sprechen die Packungsbeilagen von Entzugserscheinungen.

Was bedeutet Ausschleichen?

Die Dosis wird schrittweise verringert, statt das Mittel auf einmal wegzulassen. Bei Schlaf- und Beruhigungsmitteln soll das langsame Ausschleichen laut IQWiG Entzugserscheinungen vorbeugen. Ab wann und wie langsam die Dosis dieser Mittel verringert wird, bespricht man laut IQWiG am besten mit der Ärztin oder dem Arzt; ein Medikamentenplan kann dabei helfen.

Ich habe Nebenwirkungen. Soll ich das Medikament absetzen?

Das hängt von der Nebenwirkung ab. Bei bestimmten schweren Reaktionen, zum Beispiel Schwellungen von Zunge oder Rachen mit Atembeschwerden oder schweren Hautreaktionen mit Blasen, verlangen die Packungsbeilagen etwa von Pantoprazol und Venlafaxin, das Mittel nicht weiter einzunehmen und sofort ärztliche Hilfe zu suchen. Bei anderen Beschwerden fragen Sie laut IQWiG in der Arztpraxis oder Apotheke um Rat, wenn ein Medikament Schwierigkeiten bereitet.

Machen Antidepressiva abhängig?

Laut IQWiG machen Antidepressiva anders als viele Schlaf- und Beruhigungsmittel nicht körperlich abhängig oder süchtig. Werden sie abgesetzt, kann es aber vorübergehend zu Schlafstörungen, Übelkeit oder Unruhe kommen; die Beschwerden sind häufiger, wenn Antidepressiva von einem Tag auf den anderen abgesetzt werden. Zum Ende der Behandlung wird die Dosis laut IQWiG allmählich verringert.

Kann man Kortison einfach absetzen?

Prednisolon darf laut Packungsbeilage nie eigenmächtig abgesetzt werden: Vor allem eine länger dauernde Behandlung unterdrückt die körpereigene Produktion von Glucocorticoiden, und eine ausgeprägte körperliche Stresssituation kann dann lebensgefährlich sein (Addison-Krise). Folgen Sie stets dem Dosierungsschema, das Ihre Ärztin oder Ihr Arzt vorgibt.

Ich bin schwanger. Soll ich meine Medikamente absetzen?

Nicht eigenmächtig. Medikamente gegen eine chronische Erkrankung sollten Sie laut BIÖG auf keinen Fall eigenmächtig absetzen, denn auch in der Schwangerschaft trägt die Behandlung dazu bei, Schwangerschaftskomplikationen zu vermeiden. Lassen Sie ärztlich prüfen, ob sich ein Mittel auf das ungeborene Kind auswirken könnte; Umstellungen sollten nur in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt erfolgen.

Woran merke ich, dass ich von einem Medikament abhängig geworden bin?

Die Packungsbeilage von Pregabalin nennt zum Beispiel diese Anzeichen: Sie müssen das Mittel länger einnehmen als empfohlen, Sie haben wiederholt erfolglos versucht, die Einnahme zu beenden, oder Sie fühlen sich ohne das Mittel unwohl und es geht Ihnen besser, sobald Sie es wieder einnehmen. Ähnliche Anzeichen nennt die Packungsbeilage von Tramadol. Besprechen Sie dann mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wann und wie Sie die Einnahme sicher beenden können.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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