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Beruhigungs- und Schlafmittel (Benzodiazepine, Z-Substanzen u. a.)
Beruhigungs- und Schlafmittel dämpfen das zentrale Nervensystem. Zu den verschreibungspflichtigen gehören vor allem Benzodiazepine wie Lorazepam oder Diazepam und die Z-Substanzen Zopiclon und Zolpidem; daneben werden unter anderem Daridorexant, Melatonin, müde machende Antihistaminika und Baldrian eingesetzt. Benzodiazepine und Z-Substanzen sind laut IQWiG nur für eine begrenzte Zeit gedacht. Sie machen schnell abhängig und haben viele Nebenwirkungen. Laut den Fachinformationen können sie unter anderem Müdigkeit am nächsten Tag, Gedächtnislücken und bei älteren Menschen Stürze verursachen. Zusammen mit Opioiden drohen Atemdämpfung und Koma.

Beruhigungs- und Schlafmittel dämpfen das zentrale Nervensystem. Verschreibungspflichtige Mittel wie Benzodiazepine und Z-Substanzen kommen laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) normalerweise erst infrage, wenn der Leidensdruck groß ist und keine andere Behandlung, auch keine kognitive Verhaltenstherapie, ausreichend geholfen hat; sie machen schnell abhängig und haben viele Nebenwirkungen [24]. Daneben werden unter anderem Melatonin, der Orexin-Rezeptor-Antagonist Daridorexant, Antihistaminika wie Diphenhydramin und Doxylamin sowie pflanzliche Mittel wie Baldrian als Schlafmittel eingesetzt [24]. Einzelheiten zu jedem Wirkstoff stehen auf den verlinkten Wirkstoffseiten.
Was sind Beruhigungs- und Schlafmittel?
Z-Substanzen (Benzodiazepin-Rezeptor-Agonisten) heißen laut IQWiG so, weil ihre Wirkstoffnamen mit dem Buchstaben Z beginnen; in Deutschland sind Zopiclon und Zolpidem zur Behandlung von Schlafstörungen zugelassen [24].
Zu welcher Gruppe Ihr Mittel gehört, steht in Abschnitt 5.1 der Fachinformation unter "Pharmakotherapeutische Gruppe": Zolpidem ist dort zum Beispiel als Benzodiazepin-ähnlicher Stoff eingeordnet, Doxylamin als Antihistaminikum und Baldrian als pflanzliches Hypnotikum und Sedativum [10, 13, 17].
Wie Beruhigungs- und Schlafmittel wirken
Benzodiazepine binden im Zentralnervensystem an Benzodiazepin-Rezeptoren, die eng mit den Rezeptoren des hemmenden Botenstoffs Gamma-Aminobuttersäure (GABA) verbunden sind; Lorazepam und Diazepam verstärken so dessen hemmende Wirkung [1, 3]. Lorazepam dämpft laut Fachinformation Angst, Spannung und Erregung, wirkt beruhigend und schlaffördernd, muskelentspannend und krampfhemmend [1]. Die Wirkung von Benzodiazepinen hält laut IQWiG viele Stunden oder gar einige Tage an [24].
Z-Substanzen ähneln in ihrer Wirkung den Benzodiazepinen, gehören aber zu einer anderen Substanzgruppe [24]. Zopiclon bindet an einer anderen Stelle des GABA-Rezeptor-Komplexes als Benzodiazepine; Zolpidem wirkt vorwiegend auf einen bestimmten Untertyp dieser Rezeptoren [9, 10]. Daridorexant blockiert die Andockstellen für Orexine, körpereigene Botenstoffe, die die Wachheit fördern [11]. Melatonin ist ein Hormon der Zirbeldrüse, das mit der Steuerung des Tag-Nacht-Rhythmus in Verbindung steht [12]. Doxylamin blockiert die H1-Rezeptoren für den Botenstoff Histamin und wirkt dämpfend (sedierend) [13]. Bei Baldrianwurzel ist laut Embryotox unklar, welchem Inhaltsstoff die beruhigende Wirkung zuzuschreiben ist [23].
Wofür Beruhigungs- und Schlafmittel eingesetzt werden
Die zugelassenen Anwendungsgebiete stehen in der Fachinformation bzw. Packungsbeilage und unterscheiden sich deutlich [1, 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 11, 12, 13, 15, 16]:
- Lorazepam, Diazepam, Bromazepam: Angst-, Spannungs- und Erregungszustände, Lorazepam nur kurzzeitig und bei schweren Zuständen; Lorazepam und Diazepam auch vor und nach Eingriffen, Diazepam außerdem bei erhöhter Muskelspannung. Als Schlafmittel sind sie laut Fachinformation nur gerechtfertigt, wenn gleichzeitig eine Wirkung am Tag erwünscht bzw. erforderlich ist [1, 3, 5].
- Alprazolam: schwere oder behindernde Angstzustände [4]. Oxazepam: Angst-, Spannungs- und Erregungszustände sowie Durchschlafstörungen [6].
- Midazolam: als Injektionslösung zur Beruhigung vor und während Eingriffen, bei der Narkose und auf der Intensivstation; als Lösung zum Einnehmen vor Eingriffen und zur Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen [7, 8].
- Zopiclon und Zolpidem: Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen bei Erwachsenen; Benzodiazepine und Benzodiazepin-ähnliche Arzneistoffe sind laut Fachinformation von Zolpidem nur angezeigt, wenn die Schlafstörung schwer ist oder ein übermäßiges Leiden verursacht [9, 10].
- Daridorexant: Schlafstörungen bei Erwachsenen, die seit mindestens 3 Monaten anhalten und sich beträchtlich auf den Tag auswirken [11].
- Melatonin (Retardtabletten): kurzzeitige Behandlung einer primären Schlafstörung mit schlechter Schlafqualität ab 55 Jahren [12]. Die Retardtabletten sind laut Fachinformation verschreibungspflichtig [12]; als Nahrungsergänzungsmittel ist Melatonin laut IQWiG frei verkäuflich [24].
- Doxylamin und Diphenhydramin: behandlungsbedürftige Ein- und Durchschlafstörungen bzw. Kurzzeitbehandlung von Schlafstörungen; laut IQWiG ohne Rezept erhältlich [13, 15, 24].
- Baldrianwurzel: pflanzlich, zur Beruhigung, bei leichter nervöser Anspannung und Schlafstörungen, ab 12 Jahren [16].
Die Ursache einer Schlafstörung soll möglichst festgestellt und eine zugrunde liegende Erkrankung vor der Verordnung eines Schlafmittels behandelt werden; halten die Beschwerden 7 bis 14 Tage nach Behandlungsbeginn an, kann das laut Fachinformation von Zolpidem auf eine seelische oder körperliche Erkrankung hinweisen [10]. Fachleute empfehlen bei einer Schlafstörung laut IQWiG in erster Linie die kognitive Verhaltenstherapie [24]. Mehr dazu: Schlafstörungen, Angststörung und Innere Unruhe.
Wirkstoffe der Gruppe
Mit geprüftem Wirkstoff-Steckbrief beschrieben sind auf dieser Website:
- Alprazolamz. B. Alprazolam-ratiopharm, TafilAngstzustände
- Baldrianwurzelz. B. Baldrian-ratiopharm, Baldriparan, BaldrivitBeruhigung, leichte nervöse Anspannung, Schlafstörungen (pflanzlich)
- Bromazepamz. B. Bromazanil, Bromazepam-ratiopharm, LexostadAkute und chronische Spannungs-, Erregungs- und Angstzustände
- Daridorexantz. B. QuviviqLänger anhaltende Schlafstörungen (Insomnie) bei Erwachsenen
- Diazepamz. B. Diazepam AbZ, Diazepam-ratiopharm, Diazepam STADAAngst-, Spannungs- und Erregungszustände, erhöhte Muskelspannung, vor und nach Eingriffen
- Diphenhydraminz. B. Diphenhydraminhydrochlorid STADAKurzzeitbehandlung von Schlafstörungen
- Doxylaminz. B. SchlafTabs-ratiopharm 25 mg Tabletten, Hoggar Night 25 mg Tabletten, Hoggar Night 25 mg SchmelztablettenEin- und Durchschlafstörungen
- Lorazepamz. B. Lorazepam neuraxpharm, Tavor, TolidKurzzeitbehandlung schwerer Angst-, Spannungs- und Erregungszustände; Beruhigung vor und nach Eingriffen
- Melatoninz. B. Circadin, Melatonin-ratiopharmKurzzeitige Behandlung primärer Schlaflosigkeit ab 55 Jahren
- Midazolamz. B. Buccolam, Dormicum, Midazolam-ratiopharmBeruhigung vor und während Eingriffen, Narkose, Intensivbehandlung; als Lösung für die Mundhöhle bei Krampfanfällen
- Oxazepamz. B. durazepam forte, Oxazepam-ratiopharmAngst-, Spannungs- und Erregungszustände, Durchschlafstörungen
- Zolpidemz. B. Zolpidem-ratiopharm 10 mg Filmtabletten, Zolpidem AbZ 10 mg Filmtabletten, BikalmKurzzeitbehandlung von Schlafstörungen
- Zopiclonz. B. Ximovan, Zopiclon-ratiopharmKurzzeitbehandlung von Schlafstörungen bei Erwachsenen
Als Schlafmittel werden unter den Benzodiazepinen laut IQWiG aktuell vor allem Lormetazepam, Temazepam, Nitrazepam und Flunitrazepam angewendet. Zur Behandlung einer Schlafstörung zugelassen sind außerdem das Antidepressivum Doxepin in niedriger Dosierung und für ältere Menschen mit alterstypischen Erkrankungen die Antipsychotika Melperon und Pipamperon; Antihistaminika wie Promethazin oder Hydroxyzin müssen ärztlich verordnet werden [24].
Typische Nebenwirkungen
Benzodiazepine bewirken laut Fachinformation eine dosisabhängige Dämpfung des zentralen Nervensystems, und laut IQWiG können alle Schlaf- und Beruhigungsmittel auch tagsüber müde machen und die Reaktionsfähigkeit verringern [1, 24]. Nebenwirkungen sind laut Fachinformation von Lorazepam insbesondere zu Beginn der Behandlung und bei zu hoher Dosierung zu erwarten [1]. Die Tabelle zeigt die Einstufung sechs typischer Beschwerden in den Packungsbeilagen bzw. Fachinformationen; die Kategorien erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
| Wirkstoff | Müdigkeit | Schwindel | Konzentrations- und Gedächtnisstörungen | Verwirrtheit | Kopfschmerzen | Übelkeit |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Alprazolam | Sehr häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig | Häufig |
| Baldrianwurzel | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | Nicht bekannt |
| Bromazepam | Häufig | Selten | Häufig | Nicht bekannt | Häufig | Selten |
| Daridorexant | Häufig | Häufig | nicht genannt | nicht genannt | Häufig | Häufig |
| Diazepam | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Sehr häufig | Gelegentlich |
| Diphenhydramin | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt | nicht genannt |
| Doxylamin | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Nicht bekannt | nicht genannt |
| Lorazepam | Sehr häufig | Häufig | Nicht bekannt | Häufig | Nicht bekannt | Gelegentlich |
| Melatonin | Gelegentlich | Selten | Selten | Selten | Gelegentlich | Gelegentlich |
| Midazolam | Sehr selten | Sehr selten | Sehr selten | Sehr selten | Sehr selten | Sehr selten |
| Oxazepam | Häufig | Häufig | Nicht bekannt | Nicht bekannt | Häufig | Häufig |
| Zolpidem | Häufig | Häufig | Häufig | Gelegentlich | Häufig | Häufig |
| Zopiclon | Häufig | Gelegentlich | Selten | Selten | Gelegentlich | Gelegentlich |
Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung auf. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.
Die Packungsbeilage von Diphenhydramin nennt als am häufigsten berichtete Nebenwirkungen Schläfrigkeit, Benommenheit und Konzentrationsstörungen am Folgetag sowie Schwindel und Muskelschwäche [15]. Nach Baldrianwurzel-Zubereitungen können laut Packungsbeilage Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit und Bauchkrämpfe auftreten; die Häufigkeit ist nicht bekannt [16].
Müdigkeit und Nachwirkungen am nächsten Tag
Als Schlafmittel kann Lorazepam Nachwirkungen am nächsten Tag (Hang-over) verursachen, insbesondere bei höherer Dosierung und zu kurzer Schlafdauer; eine Schlafzeit von etwa 7 bis 8 Stunden muss deshalb sichergestellt sein [1]. Für Zopiclon und Zolpidem nennen die Fachinformationen am Morgen nach der Einnahme ein mögliches Risiko von Benommenheit, verlängerter Reaktionszeit, Schwindel, Schläfrigkeit, verschwommenem Sehen oder Doppeltsehen und verminderter Aufmerksamkeit [9, 10]. Auch unter Diphenhydramin können sich Restmüdigkeit und ein beeinträchtigtes Reaktionsvermögen am Folgetag noch auswirken [15].
Für Zolpidem hat das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit Bescheid vom 22. August 2014 einen Beschluss der EU-Kommission vom 23. Juni 2014 umgesetzt, der ein europäisches Risikobewertungsverfahren zu Beeinträchtigungen von Fahrvermögen, Aufmerksamkeit und Reaktionsvermögen abschloss. Seither soll Zolpidem einmalig direkt vor dem Schlafengehen und nicht erneut in derselben Nacht eingenommen werden; bis 8 Stunden danach soll man nicht Auto fahren [26]. Für Zopiclon empfiehlt die Fachinformation zwischen Einnahme und Autofahren mindestens 12 Stunden, für Daridorexant etwa 9 Stunden [9, 11]. Mehr dazu: Müdigkeit, Medikamente und Autofahren und Rote-Hand-Briefe und Rückrufe.
Stürze bei älteren Menschen
Weil Benzodiazepine die Muskulatur entspannen, erhöhen sie laut IQWiG bei älteren Menschen das Sturzrisiko [24]. Laut Fachinformation von Lorazepam können Dämpfung und Muskelschwäche bei älteren Menschen das Sturzrisiko erhöhen, mit schwerwiegenden Folgen; bei Diazepam ist wegen der Sturzgefahr, insbesondere beim nächtlichen Aufstehen, Vorsicht geboten [1, 3]. Zolpidem kann Schläfrigkeit und eine verminderte Bewusstseinslage verursachen, was zu Stürzen und schweren Verletzungen führen kann [10]. Bei Doxylamin kann die Sturzgefahr älterer Menschen laut Packungsbeilage ebenfalls steigen [14]. Mehr dazu: Medikamente im Alter.
Gedächtnislücken und Schlafwandeln
Benzodiazepine und Benzodiazepin-ähnliche Stoffe können Gedächtnislücken für die Zeit nach der Einnahme verursachen (anterograde Amnesie): Unter Umständen werden Handlungen ausgeführt, an die sich die Betroffenen später nicht erinnern; eine ausreichend lange, ununterbrochene Schlafdauer kann das Risiko verringern [3, 10]. Unter Zopiclon und Zolpidem wurden außerdem Schlafwandeln und damit verbundene Handlungen berichtet, etwa Autofahren, Essen oder Telefonieren, ohne vollständig wach zu sein und ohne spätere Erinnerung, auch schon nach der ersten Einnahme; Alkohol und andere dämpfende Mittel scheinen das Risiko zu erhöhen [9, 10]. Mehr dazu: Vergesslichkeit und Verwirrtheit.
Unruhe, Aggressivität und andere paradoxe Reaktionen
Benzodiazepine und Benzodiazepin-ähnliche Stoffe können Reaktionen auslösen, die der gewünschten Wirkung entgegenlaufen ("paradoxe" Reaktionen), etwa innere Unruhe, Reizbarkeit, Aggressivität, Wutanfälle, Albträume, Halluzinationen oder zunehmende Schlaflosigkeit; die Behandlung soll dann beendet werden [10]. Damit ist laut den Fachinformationen insbesondere bei älteren Menschen und Kindern zu rechnen [1, 3]. Auch für Doxylamin nennt die Packungsbeilage solche Reaktionen [14]. Mehr dazu: Aggressivität und Reizbarkeit.
Gedämpfte Atmung
Bei Anwendung von Benzodiazepinen kann es zu einer möglicherweise tödlich verlaufenden Dämpfung der Atmung (Atemdepression) kommen [1]. Diazepam, Zopiclon und Zolpidem dürfen bei schwerer Atemschwäche und bei einem Schlafapnoe-Syndrom (bei Zopiclon: einem schweren), also nächtlichen Atemaussetzern, nicht angewendet werden [3, 9, 10]. Zusammen mit Opioiden steigt laut Fachinformation das Risiko für eine Atemdepression (siehe Wechselwirkungen) [1].
Gewöhnung, Abhängigkeit und Missbrauch
Nach wiederholter Einnahme von Benzodiazepinen über wenige Wochen kann die Wirkung nachlassen (Toleranz). Benzodiazepine können zu einer seelischen und körperlichen Abhängigkeit führen, nicht nur bei missbräuchlich hohen Dosen, sondern bereits im therapeutischen Dosisbereich; das Risiko steigt mit Dosis und Dauer und ist bei Alkohol-, Arzneimittel- oder Drogenabhängigkeit in der Vorgeschichte erhöht [3]. Auch für Zopiclon und Zolpidem beschreiben die Fachinformationen ein Risiko für Missbrauch und Abhängigkeit [9, 10]. Laut IQWiG kann sich der Körper schon nach etwa zwei Wochen an das Medikament gewöhnen; in Deutschland sind etwa 1,2 bis 1,5 Millionen Menschen von Benzodiazepinen und Z-Substanzen abhängig [24]. Die Fachinformationen von Diazepam, Zopiclon und Zolpidem begrenzen die Behandlung einschließlich der schrittweisen Absetzphase auf 4 Wochen [3, 9, 10].
Auch das rezeptfreie Diphenhydramin kann laut Packungsbeilage wie andere Schlafmittel abhängig machen [15]. Für Daridorexant gab es in den Studien mit Menschen mit Schlafstörungen keine Anzeichen für Missbrauch oder Entzugserscheinungen; in einer Studie zum Missbrauchspotenzial bei Menschen mit gelegentlichem Drogenkonsum wurde es in höheren als den empfohlenen Dosen ähnlich "gemocht" wie Zolpidem. Menschen mit Missbrauch oder Abhängigkeit von Alkohol oder anderen Substanzen in der Vorgeschichte können ein erhöhtes Missbrauchsrisiko haben und sollen sorgfältig überwacht werden [11]. Missbrauch ist laut Fachinformation von Lorazepam ein bekanntes Risiko von Benzodiazepinen; berichtet wurden Todesfälle, wenn sie zusammen mit anderen dämpfenden Mitteln wie Opioiden oder Alkohol missbräuchlich angewendet wurden. Die Packungsbeilage rät, das Mittel nicht weiterzugeben und sicher aufzubewahren [1, 2]. Mehr dazu: Absetz- und Entzugserscheinungen und Medikamente aufbewahren.
Stimmung und Suizidgedanken
Bei Menschen mit Depression können Benzodiazepine die Beschwerden hervortreten lassen oder verstärken und suizidale Neigungen zum Vorschein bringen; sie sollen laut Fachinformation nicht ohne angemessene antidepressive Behandlung angewendet werden [1]. Einige epidemiologische Studien deuten unter Benzodiazepinen und anderen Schlafmitteln einschließlich Zolpidem auf häufigere Suizidgedanken, Suizidversuche und Suizide hin; ein ursächlicher Zusammenhang wurde nicht bewiesen [10].
Schlafparalyse bei Daridorexant und allergische Reaktionen
Unter Daridorexant kann es, hauptsächlich in den ersten Behandlungswochen, zu einer bis zu mehrere Minuten dauernden Unfähigkeit kommen, sich beim Übergang zwischen Schlafen und Wachen zu bewegen oder zu sprechen (Schlafparalyse), außerdem zu Halluzinationen beim Einschlafen oder Aufwachen [11]. Unter Benzodiazepinen wurde über schwere allergische Reaktionen berichtet, auch Schwellungen von Zunge, Stimmritze oder Kehlkopf (Angioödem), die die Atemwege verschließen und tödlich verlaufen können [1]. Mehr dazu: Arzneimittelallergie.
Wichtige Wechselwirkungen

Viele Wechselwirkungen entstehen, weil sich dämpfende Wirkungen gegenseitig verstärken; andere beruhen auf dem Abbau in der Leber über das Enzym CYP3A4 [1, 9, 10, 11].
| Zusammen mit | Was passieren kann |
|---|---|
| Opioide: starke Schmerzmittel, Mittel zur Substitutionstherapie und einige Hustenmittel (z. B. Codein) | Mit Benzodiazepinen und verwandten Mitteln wie Zopiclon und Zolpidem höheres Risiko für Dämpfung (Sedierung), Atemdepression, Koma und Tod; die gemeinsame Verordnung ist laut Fachinformation nur angebracht, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt, und dann mit begrenzter Dosis und Dauer [1, 2, 3, 9, 10] |
| Alkohol | Kann die Wirkung von Lorazepam, Zopiclon, Doxylamin und Diphenhydramin unvorhersehbar verändern und verstärken; bei Zolpidem und Zopiclon scheint Alkohol außerdem das Risiko für Schlafwandeln zu erhöhen [2, 9, 10, 13, 15]. Mehr dazu: Medikamente und Alkohol |
| Andere dämpfende Mittel, z. B. Antipsychotika, Antidepressiva, Antiepileptika, Narkosemittel, müde machende Antihistaminika, Muskelrelaxanzien | Gegenseitige Verstärkung der dämpfenden Wirkung, bei Zolpidem auch mehr Beeinträchtigungen am folgenden Tag [1, 9, 10, 13]. Melatonin kann die dämpfenden Eigenschaften von Benzodiazepinen und Z-Substanzen verstärken [12]; die Kombination von Baldrian mit synthetischen Beruhigungsmitteln bedarf laut Packungsbeilage ärztlicher Überwachung [16] |
| Mittel, die das Leberenzym CYP3A4 hemmen, bei Zopiclon z. B. Clarithromycin, Itraconazol oder Ritonavir | Mehr Zopiclon im Blut, die Wirkung kann sich verstärken [9]; auch bei Zolpidem können solche Mittel die Konzentration im Blut und die Wirkung steigern [10]. Starke CYP3A4-Hemmer dürfen nicht zusammen mit Daridorexant eingenommen werden [11] |
| Mittel, die CYP3A4 anregen, z. B. Rifampicin, Carbamazepin, Johanniskraut | Weniger Zopiclon bzw. Zolpidem im Blut, die Wirkung kann nachlassen [9, 10] |
| Fluvoxamin (Antidepressivum) | Erhöht die Blutspiegel von Melatonin und Zolpidem; die Kombination mit Melatonin muss laut Fachinformation vermieden werden, für Zolpidem empfiehlt die Fachinformation, beide nicht zusammen anzuwenden [10, 12] |
| MAO-Hemmer und Mittel mit anticholinerger Wirkung, z. B. trizyklische Antidepressiva | Mit Doxylamin gegenseitige Verstärkung, etwa mit der Folge einer Darmlähmung, eines Harnverhalts oder eines Glaukomanfalls; MAO-Hemmer sind bei Doxylamin eine Gegenanzeige [13] |
Die Liste ist nicht vollständig; bei Menschen, die dauerhaft andere Arzneimittel einnehmen, sind Art und Umfang von Wechselwirkungen laut Fachinformation von Lorazepam nicht sicher vorhersehbar [1]. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, bevor Sie ein neues Mittel dazunehmen, auch ein rezeptfreies oder pflanzliches. Einen Überblick gibt der Medikationsplan, Grundlagen erklärt der Ratgeber Wechselwirkungen.
Wann Beruhigungs- und Schlafmittel nicht oder nur mit Vorsicht angewendet werden
Gegenanzeigen unterscheiden sich je nach Wirkstoff; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Genannt werden zum Beispiel [1, 3, 9, 10, 11, 13, 15]:
- Diazepam: unter anderem Abhängigkeit in der Vorgeschichte, akute Vergiftung mit Alkohol, Schlaf- oder Schmerzmitteln oder Psychopharmaka, krankhafte Muskelschwäche (Myasthenia gravis), schwere Atemschwäche, Schlafapnoe-Syndrom, schwere Leberschwäche und Säuglinge bis 6 Monate [3]. Lorazepam: Arzneimittel- oder Drogenabhängigkeit in der Vorgeschichte [1].
- Zopiclon und Zolpidem: Myasthenia gravis, schwere Atemschwäche, Schlafapnoe-Syndrom (bei Zopiclon: schweres), schwere Leberschwäche und ungewöhnliches Schlafverhalten nach früherer Einnahme; Zopiclon außerdem unter 18 Jahren [9, 10].
- Daridorexant: Narkolepsie (krankhafte Schlafsucht) und starke CYP3A4-Hemmer [11].
- Doxylamin und Diphenhydramin: unter anderem Engwinkelglaukom (eine Form des grünen Stars), vergrößerte Prostata mit Restharn und Epilepsie; bei Diphenhydramin außerdem Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren, verlangsamter Herzschlag, bestimmte Herzerkrankungen sowie Schwangerschaft und Stillzeit. Auch mit Doxylamin sollen Kinder und Jugendliche laut Fachinformation nicht behandelt werden [13, 15].
Benzodiazepine sollen nicht allein zur Behandlung von Depressionen angewendet werden und werden zur primären Behandlung von Psychosen nicht empfohlen [3, 10]. Bei Alkohol- oder Drogenmissbrauch in der Vorgeschichte sollen Benzodiazepine und Benzodiazepin-ähnliche Stoffe nur mit äußerster Vorsicht angewendet werden [10]. Bei älteren und geschwächten Menschen sowie bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion soll die Reaktion auf das Mittel zu Beginn besonders kontrolliert werden [1, 3].
Schwangerschaft und Stillzeit
Ob und womit Schlafstörungen oder Angst in der Schwangerschaft behandelt werden, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nach Einnahme von Benzodiazepinen oder verwandten Mitteln spät in der Schwangerschaft oder während der Geburt können beim Neugeborenen niedrige Körpertemperatur, schlaffe Muskeln, Trinkschwierigkeiten ("Floppy-Infant-Syndrom") und eine gedämpfte Atmung auftreten, nach regelmäßiger Einnahme auch Entzugserscheinungen [1, 9, 10]. Lorazepam und Zolpidem sollen laut ihren Fachinformationen in der Schwangerschaft nicht angewendet werden [1, 10]. Ein abruptes Absetzen eines Benzodiazepins muss in der Schwangerschaft laut Embryotox wegen möglicher schwerer Entzugskomplikationen in jedem Fall unterbleiben [18].
Je nach Anwendungsgebiet nennt Embryotox für Lorazepam besser geeignete Mittel: zur angst- und spannungslösenden Akutbehandlung Promethazin, bei psychotischen Erkrankungen Quetiapin und bei Schlafstörungen Amitriptylin [18]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Bei Zopiclon und Zolpidem hält Embryotox eine kurzzeitige Anwendung nach kritischer Prüfung gegebenenfalls für akzeptabel; insbesondere in den Wochen vor der Entbindung oder wenn ein Schlafmittel längerfristig nötig ist, sollten laut Embryotox besser geeignete Mittel ohne Abhängigkeitspotenzial bevorzugt werden, je nach psychischer Grunderkrankung zum Beispiel Mirtazapin, Amitriptylin, Quetiapin oder Promethazin [19, 20]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Doxylamin darf laut Embryotox in der Schwangerschaft auch kurzfristig bei Schlafstörungen eingesetzt werden, Diphenhydramin möglichst nur kurzfristig und nicht zusammen mit anderen dämpfenden Mitteln; als Schlafmittel rät Embryotox bei beiden zur ärztlichen Rücksprache [21, 22]. Die Packungsbeilage von Diphenhydramin schließt eine Anwendung in Schwangerschaft und Stillzeit aus [15]. Nichtalkoholische Baldrian-Zubereitungen hält Embryotox in der Schwangerschaft für akzeptabel; zur kurzfristigen Behandlung von Schlafstörungen kommen laut Embryotox auch Diphenhydramin und Doxylamin infrage [23]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Stillzeit: Bei gestillten Neugeborenen von Müttern, die Benzodiazepine einnahmen, traten Beruhigung und Saugschwäche auf [1]. Nach Einzeldosen Lorazepam ist laut Embryotox keine Stillpause nötig [18]. Bei Zopiclon und Zolpidem hält Embryotox Stillen bei kurzzeitiger alleiniger Behandlung und guter Beobachtung des Kindes für akzeptabel; ist ein Schlafmittel längerfristig nötig, sollten laut Embryotox besser geeignete Mittel bevorzugt werden, zum Beispiel Mirtazapin, Amitriptylin oder Quetiapin [19, 20]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr dazu: Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.
Absetzen
Hat sich eine körperliche Abhängigkeit entwickelt, wird ein plötzlicher Abbruch der Behandlung von Entzugserscheinungen begleitet, etwa Kopf- oder Muskelschmerzen, Angst, Anspannung, Unruhe, Verwirrtheit und Reizbarkeit, in schweren Fällen auch Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Geräuschen und Berührung, Halluzinationen oder epileptische Anfälle [3, 10]. Bei Lorazepam können solche Entzugserscheinungen nach Langzeitanwendung lebensbedrohlich sein [1]. Auch nach einer kürzeren Behandlung können beim plötzlichen Beenden die ursprünglichen Beschwerden vorübergehend verstärkt zurückkehren (Rebound) [3, 10]. Nach längerfristiger täglicher Einnahme von Doxylamin können durch plötzliches Absetzen Schlafstörungen wieder verstärkt auftreten [13].
Die Fachinformationen von Diazepam, Zopiclon und Zolpidem und die Packungsbeilage von Diphenhydramin empfehlen, die Behandlung durch schrittweise Verringerung der Dosis zu beenden [3, 9, 10, 15]. Laut IQWiG wird dafür gewöhnlich ein Plan erstellt, der sich nach Art und Dosierung der Mittel, der Anwendungsdauer und den persönlichen Umständen richtet; psychologische Unterstützung kann helfen, und auch eine Suchtberatungsstelle ist eine Anlaufstelle [25]. Mehr dazu: Medikamente absetzen.
Unterschied zu Antidepressiva und Antipsychotika
Manche Antidepressiva wirken beruhigend und machen laut IQWiG, anders als Benzodiazepine und Z-Substanzen, körperlich nicht abhängig; über ihre Nebenwirkungen beim Einsatz gegen Schlafstörungen ist aber bisher wenig bekannt. Zugelassen ist dafür nur Doxepin in niedriger Dosierung, andere Antidepressiva wie Amitriptylin oder Mirtazapin werden dann außerhalb der Zulassung (Off-Label) verordnet. Antipsychotika werden wegen teils schwerer Nebenwirkungen bei Schlafstörungen eher selten eingesetzt [24]. Mehr dazu: Antidepressiva, Antipsychotika und Off-Label-Use.
Quellen
- Fachinformation Fachinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Diazepam STADA 10 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 08/2018. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Alprazolam-ratiopharm 1,0 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2018. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Bromazepam-ratiopharm 6 mg Tabletten (Version 2). ratiopharm GmbH. Stand 04/2018. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Oxazepam-ratiopharm 10 mg Tabletten (Version 2). ratiopharm GmbH. Stand 09/2018. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Midazolam-ratiopharm 5 mg/1 ml, 5 mg/5 ml, 15 mg/3 ml Injektionslösung (Version 4). ratiopharm GmbH. Stand 06/2023. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Midazolam-ratiopharm 2 mg/ml orale Lösung. ratiopharm GmbH. Stand 07/2023. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Zopiclon-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2024. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Zolpidem-ratiopharm 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 02/2024. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Quviviq (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Idorsia Pharmaceuticals Deutschland GmbH (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 03/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Melatonin-ratiopharm 2 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation SchlafTabs-ratiopharm 25 mg Tabletten (Version 4). ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation SchlafTabs-ratiopharm 25 mg Tabletten (Versionscode Z06). ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Diphenhydraminhydrochlorid STADA 50 mg Tabletten. STADA Consumer Health Deutschland GmbH. Stand 09/2022. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Baldrian-ratiopharm 450 mg überzogene Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 10/2022. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Baldrian-ratiopharm 450 mg überzogene Tabletten (Version 4). ratiopharm GmbH. Stand 10/2022. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Lorazepam. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Zopiclon. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Zolpidem. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Doxylamin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Diphenhydramin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Embryotox Embryotox: Baldrian. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Schlafstörung: Behandlung mit Schlaf- und Beruhigungsmitteln. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 03.07.2024. abgerufen am 12.10.2026
- Schlafstörung: Schlaf- und Beruhigungsmittel absetzen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 03.07.2024. abgerufen am 12.10.2026
- Behörde Zolpidemhaltige Arzneimittel: Risiken für Beeinträchtigungen des Fahrvermögens, der Aufmerksamkeit und des Reaktionsvermögens, Bescheid im Stufenplanverfahren vom 22.08.2014 (Umsetzung des Durchführungsbeschlusses der EU-Kommission vom 23.06.2014). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 25.08.2014. abgerufen am 12.10.2026
Häufige Fragen
Machen Schlaftabletten abhängig?
Benzodiazepine und Z-Substanzen können zu einer körperlichen und seelischen Abhängigkeit führen. Das Risiko steigt laut den Fachinformationen mit Dosis und Dauer der Behandlung; bei Benzodiazepinen besteht es auch schon im üblichen Dosisbereich. Laut IQWiG kann sich der Körper schon nach etwa zwei Wochen an das Mittel gewöhnen. Auch für das rezeptfreie Diphenhydramin nennt die Packungsbeilage das Risiko einer Abhängigkeit. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie ein Schlafmittel länger als vorgesehen einnehmen.
Wie lange darf man Benzodiazepine oder Z-Substanzen nehmen?
So kurz wie möglich. Laut den Fachinformationen von Diazepam, Zopiclon und Zolpidem soll die Behandlung einschließlich der schrittweisen Absetzphase 4 Wochen nicht überschreiten; eine Verlängerung soll nicht ohne erneute ärztliche Beurteilung erfolgen. Das IQWiG rät, schon vor Beginn zu besprechen, wie es danach weitergeht. Wie lange Ihre Behandlung dauert, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
Was ist der Unterschied zwischen Benzodiazepinen und Z-Substanzen?
Beide wirken über den Rezeptor-Komplex des hemmenden Botenstoffs GABA. Laut IQWiG ähneln Z-Substanzen in ihrer Wirkung den Benzodiazepinen, gehören aber zu einer anderen Substanzgruppe. Den Namen haben sie, weil die Wirkstoffe Zopiclon und Zolpidem mit Z beginnen. Auch Z-Substanzen können abhängig machen, und unter ihnen wurde Schlafwandeln mit Gedächtnislücken berichtet.
Sind rezeptfreie Schlafmittel eine Alternative?
Das klären Sie am besten mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ohne Rezept erhältlich sind zum Beispiel die Antihistaminika Diphenhydramin und Doxylamin sowie pflanzliche Mittel wie Baldrian. Zur Frage, ob Antihistaminika bei Schlafstörungen helfen, gibt es laut IQWiG bislang keine verlässlichen Studien. Auch diese Mittel können müde machen und das Reaktionsvermögen am nächsten Tag beeinträchtigen. Laut Packungsbeilage soll die Behandlung mit Diphenhydramin im Allgemeinen nur wenige Tage dauern und 2 Wochen nicht überschreiten, die mit Doxylamin spätestens nach 2-wöchiger täglicher Einnahme beendet werden.
Darf ich nach einer Schlaftablette Auto fahren?
Schlaf- und Beruhigungsmittel können die Fahrtüchtigkeit auch am nächsten Morgen beeinträchtigen, Alkohol verstärkt das. Die Fachinformationen empfehlen zwischen der Einnahme und dem Autofahren mindestens 8 Stunden bei Zolpidem, mindestens 12 Stunden bei Zopiclon und etwa 9 Stunden bei Daridorexant. Bei Lorazepam sollen Fahren und das Bedienen von Maschinen unterbleiben, bis sich gezeigt hat, dass Ihre Reaktionsfähigkeit nicht beeinträchtigt ist. Ob Sie fahren dürfen, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Darf ich Schlafmittel zusammen mit starken Schmerzmitteln oder Alkohol nehmen?
Nur nach ärztlicher Rücksprache. Zusammen mit Opioiden (starken Schmerzmitteln, Mitteln zur Substitutionstherapie und einigen Hustenmitteln) können Benzodiazepine und verwandte Mittel laut Fachinformation zu Dämpfung (Sedierung), Atemdämpfung, Koma und Tod führen. Die Kombination ist nur angebracht, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt. Alkohol kann die Wirkung unvorhersehbar verändern und verstärken. Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Mittel, die Sie einnehmen.
Darf ich in der Schwangerschaft Schlafmittel nehmen?
Das entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut Embryotox ist bei Zopiclon und Zolpidem eine kurzzeitige Anwendung nach kritischer Prüfung gegebenenfalls akzeptabel. Vor allem in den Wochen vor der Entbindung oder wenn ein Schlafmittel längerfristig nötig ist, sollten laut Embryotox besser geeignete Mittel ohne Abhängigkeitspotenzial bevorzugt werden, je nach psychischer Grunderkrankung zum Beispiel Mirtazapin, Amitriptylin, Quetiapin oder Promethazin. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Ein Benzodiazepin dürfen Sie in der Schwangerschaft laut Embryotox auf keinen Fall abrupt absetzen.
Was tun, wenn ich nach einer Schlaftablette schlafgewandelt bin?
Unter Zopiclon und Zolpidem wurden Schlafwandeln und andere Handlungen im nicht vollständig wachen Zustand berichtet, etwa Autofahren, Essen oder Telefonieren, an die sich die Betroffenen später nicht erinnern konnten. Laut Fachinformation von Zopiclon ist die Behandlung dann sofort abzubrechen; bei Zolpidem soll das Absetzen dringend erwogen werden. Wenden Sie sich in diesem Fall umgehend an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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