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Innere Unruhe und Nervosität

Jeder Mensch hat manchmal Angst, und Angstgefühle können von leichter Unruhe bis zu Panik reichen. Innere Unruhe und Nervosität können aber auch zu einer Angststörung, einer Depression oder einer Schilddrüsenüberfunktion gehören oder durch Koffein und Medikamente entstehen. Gegen Anspannung im Alltag helfen laut gesund.bund.de unter anderem Entspannungsmethoden, Bewegung und wenig Alkohol und Koffein. Pflanzliche Beruhigungsmittel wie Baldrian sind laut IQWiG kaum durch gute Studien erforscht; Benzodiazepine wirken rasch, können aber schon nach wenigen Wochen abhängig machen. Hält die Unruhe an oder schränkt sie den Alltag ein, lassen Sie die Ursache ärztlich abklären.

Frau Mitte vierzig mit rotblondem Haar in einem salbeigrünen Pullover sitzt auf einer Yogamatte im hellen Wohnzimmer, hat die Augen geschlossen und atmet ruhig
Bild: KI-generiert

Jeder Mensch hat laut IQWiG manchmal Angst [2]. Innere Unruhe und Nervosität können aber auch zu einer Erkrankung gehören, etwa einer Angststörung, einer Depression oder einer Schilddrüsenüberfunktion, oder durch Koffein und Medikamente entstehen [2, 4, 6, 7, 16]. Nicht alle Angst-, Spannungs- und Erregungszustände brauchen Medikamente; laut Packungsbeilage von Lorazepam sind sie oft Ausdruck körperlicher oder seelischer Erkrankungen und können durch andere Maßnahmen oder die Behandlung der Grunderkrankung behoben werden [10]. Wer daran denkt, sich das Leben zu nehmen, braucht sofort Hilfe; die Nummern stehen im Abschnitt Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen.

Was ist innere Unruhe?

Angst warnt laut gesund.bund.de vor Gefahr. Der Körper schüttet dabei Stresshormone wie Adrenalin aus; das Herz schlägt schneller, Schwitzen und Unwohlsein gehören ebenfalls zu dieser Reaktion [1]. Manche Menschen erleben solche Angstgefühle, obwohl keine akute Gefahr besteht; sie können von leichter Unruhe bis zu ausgeprägter Panik reichen [1]. Beeinträchtigen Sorgen, Nervosität oder Panik das Leben für längere Zeit, kann laut gesund.bund.de eine generalisierte Angststörung oder eine Panikstörung vorliegen [1].

Hohe Anspannung und starke Belastungen können laut gesund.bund.de anfälliger für Angst und Panik machen. Steigt die allgemeine Anspannung auf ein hohes Niveau, etwa durch Arbeitslosigkeit oder soziale Isolation, können möglicherweise schon alltägliche Belastungen wie Streit oder kleine Misserfolge eine Angstreaktion auslösen [1].

Ursachen

Hinter innerer Unruhe können ganz unterschiedliche Ursachen stecken:

  • Angststörung: Bei einer generalisierten Angststörung machen sich Betroffene laut IQWiG nahezu ständig und über alles Mögliche Sorgen. Möglich sind unter anderem Benommenheit, Nervosität oder Schwindel; häufig sind auch Zittern, Schwitzen, Muskelverspannungen und Magenbeschwerden [2]. Mehr unter Angststörung und Panikattacken.
  • Depression: Zu den Beschwerden einer Depression zählt die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Unipolare Depression eine psychomotorische Agitiertheit, also innerliche Unruhe und ein Gefühl des Getriebenseins [6]. Mehr unter Depression.
  • Schilddrüsenüberfunktion: Bildet die Schilddrüse zu viele Hormone, kann es laut IQWiG zum Beispiel zu Herzrasen, Gewichtsverlust trotz Heißhunger, Zittern, nervöser Unruhe, Gereiztheit und Schlaflosigkeit kommen; Betroffene schwitzen häufig [4]. Mehr unter Schilddrüsenüberfunktion.
  • Koffein: Bei hohen Aufnahmemengen kann Koffein laut BfR erhöhte Nervosität und Erregbarkeit, Schlaflosigkeit, Schweißausbrüche und Herzrasen auslösen; das hängt stark von der individuellen Empfindlichkeit und der Dosis ab [7].
  • Drogen und Medikamente: Körperliche Angstzeichen wie Herzrasen können laut IQWiG auch durch bestimmte Arzneien und Drogen wie Amphetamine ausgelöst werden [2]. Unter dem Antidepressivum Sertralin ist Nervosität laut Packungsbeilage häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten [16]. Welche Medikamente Unruhe auslösen können und woran man das erkennt, steht auf der Seite Unruhe und Angst durch Medikamente.
  • Absetzen von Beruhigungsmitteln: Wird ein Benzodiazepin wie Lorazepam abrupt abgesetzt oder die Dosis schnell verringert, können laut Packungsbeilage unter anderem Angst, Ruhelosigkeit, Anspannung und Reizbarkeit als Entzugserscheinungen auftreten; auch die ursprünglichen Beschwerden können kurz zurückkehren [10].

Diagnose

Erste Anlaufstelle ist meist die Hausarztpraxis [2]. Unter anderem weil körperliche Angstzeichen wie Herzrasen auch bei einer Schilddrüsenüberfunktion vorkommen, kann es laut IQWiG schwierig sein und einige Zeit dauern, eine generalisierte Angststörung festzustellen [2]. Diagnostiziert wird sie, wenn Ängste mindestens sechs Monate an den meisten Tagen bestehen, unkontrollierbar werden, den Alltag beeinträchtigen und mit mindestens drei körperlichen Beschwerden verbunden sind, etwa beschleunigtem Puls, Zittern, Muskelverspannungen oder Magenbeschwerden [2].

Behandlung ohne Medikamente

Mann Anfang fünfzig mit grau meliertem Haar in einer blauen Funktionsjacke geht an einem sonnigen Frühlingsmorgen zügig einen Waldweg entlang
Bild: KI-generiert

Um weniger anfällig für Angst und Anspannung zu sein, kann es laut gesund.bund.de helfen, Anspannung und Stress im Alltag zu verringern [1]:

  • Entspannung: Entspannungsmethoden können wirksam zur Verringerung von Angst und Stress sein, zum Beispiel die progressive Muskelentspannung nach Jacobson, bei der nacheinander Muskelpartien angespannt und wieder entspannt werden [1].
  • Bewegung: Sport und Bewegung helfen, Stress und Anspannung zu senken; auch Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitsübungen können Stress verringern [1].
  • Lebensstil: Dazu gehören eine ausgewogene Ernährung, ausreichend Schlaf, wenig Alkohol und Koffein und der Verzicht auf Tabak und andere Drogen [1].
  • Alltag ordnen: Aufgaben nach Wichtigkeit erledigen, Wochenpläne mit realistischen Zielen erstellen, Konflikte ansprechen und die eigenen Grenzen der Belastbarkeit kennen und verteidigen [1].

Wie nützlich Entspannungstechniken sind, wenn sie ohne andere Hilfen eingesetzt werden, weiß man laut IQWiG bislang allerdings nicht; bei einer generalisierten Angststörung ist die kognitive Verhaltenstherapie am besten untersucht und am wirksamsten [3]. Wenn Ängste das Leben einschränken, sollte man sich laut gesund.bund.de professionelle Unterstützung suchen [1].

Behandlung mit Medikamenten

Bei einer Angststörung kommen laut IQWiG vor allem bestimmte Antidepressiva infrage [2]. Im Zusammenhang mit Angst nennt das IQWiG pflanzliche Beruhigungsmittel und Benzodiazepine, Letztere werden bei einer generalisierten Angststörung aber nicht empfohlen [3]. Die NVL beschreibt Benzodiazepine als effektive Medikamente bei Schlafstörungen und Unruhe, jedoch mit raschem Eintritt einer Gewöhnung [6]. Die Nebenwirkungen in der Tabelle stammen aus der Packungsbeilage des genannten Wirkstoffs und gelten nur für ihn ("sehr häufig": bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig": bei bis zu 1 von 10, "Häufigkeit nicht bekannt": aus den verfügbaren Daten nicht abschätzbar); maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats [8, 10].

Mittel gegen innere Unruhe: Gruppen, Beispiele und Nebenwirkungen laut Packungsbeilage
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
Pflanzliche BeruhigungsmittelBaldrianwurzel, laut Packungsbeilage zur Beruhigung und bei leichter nervöser Anspannung und Schlafstörungen, ab 12 Jahren, ohne Rezept [8, 9]Die beruhigende Wirkung ist laut Fachinformation seit langem aus Erfahrung bekannt, lässt sich aber nicht sicher bestimmten Inhaltsstoffen der Baldrianwurzel zuschreiben [9]Häufigkeit nicht bekannt: Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder Bauchkrämpfe [8]
BenzodiazepineLorazepam, Diazepam, Oxazepam, Bromazepam; verschreibungspflichtigLorazepam bindet laut Fachinformation an Benzodiazepin-Rezeptoren im Zentralnervensystem und verstärkt so die hemmende Wirkung des Botenstoffs GABA; es dämpft Angst, Spannung und Erregung und wirkt beruhigend und schlaffördernd [11]Lorazepam, sehr häufig: Beruhigung (Sedierung), Müdigkeit, Benommenheit; häufig: Bewegungs- und Gangunsicherheit, Verwirrtheit, Depression oder Hervortreten einer Depression, Schwindelgefühl, Muskelschwäche, Mattigkeit [10]

Baldrian ohne Rezept

Pflanzliche Beruhigungsmittel wie Baldrian, Lavendel, Kamille oder Passionsblumenblätter sind laut IQWiG bislang kaum durch gute Studien erforscht. Sie können Nebenwirkungen haben und teilweise die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen; eine Selbstbehandlung kann außerdem dazu führen, dass es sehr lange dauert, bis man professionelle Hilfe sucht [3]. Für Baldrianwurzel nennt die Packungsbeilage diese Grenzen [8]:

  • Wegen der allmählich einsetzenden Wirkung ist Baldrianwurzel nicht zur akuten Behandlung leichter nervöser Anspannung geeignet; empfohlen wird eine kontinuierliche Anwendung über 2 bis 4 Wochen [8].
  • Bessern sich die Beschwerden nach zweiwöchiger kontinuierlicher Anwendung nicht oder verschlimmern sie sich, sollte eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden [8].
  • Kinder unter 12 Jahren sollen es nicht einnehmen; in Schwangerschaft und Stillzeit wird es als Vorsichtsmaßnahme nicht empfohlen [8].
  • Die Kombination mit synthetischen Beruhigungsmitteln bedarf einer ärztlichen Diagnose und Überwachung [8].

Wie viel Sie laut Packungsbeilage einnehmen dürfen, steht auf der Seite Baldrianwurzel.

Benzodiazepine nur kurz und ärztlich verordnet

Lorazepam ist laut Packungsbeilage zur symptomatischen Kurzzeitbehandlung von Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen zugelassen, wenn diese schwerwiegend sind, die Betroffenen beeinträchtigen oder unzumutbar belasten. Angst- und Spannungszustände infolge von gewöhnlichem Alltagsstress sollten normalerweise nicht mit Lorazepam behandelt werden [10]. Bei einer Abhängigkeit von Arzneimitteln, Alkohol oder Drogen in der Vorgeschichte darf es nicht eingenommen werden [10].

Benzodiazepine dürfen laut IQWiG nur wenige Wochen angewendet werden, weil sie rasch abhängig machen; empfohlen wird, sie nicht länger als vier Wochen einzunehmen, einschließlich der Zeit, in der die Dosis schrittweise verringert wird [5]. Bei akuten Erkrankungen sollte die Anwendung laut Packungsbeilage von Lorazepam auf Einzelgaben oder wenige Tage beschränkt werden; bei chronischen Erkrankungen sollte die Ärztin oder der Arzt nach 2-wöchiger täglicher Einnahme durch schrittweise Verringerung der Dosis klären, ob die Behandlung weiterhin angezeigt ist [10]. Bei leichten depressiven Episoden sollen Benzodiazepine und Z-Substanzen laut NVL nicht eingesetzt werden (starke Empfehlung); bei mittelschweren sollten sie nicht eingesetzt werden, außer im begründeten Einzelfall zusätzlich zu Antidepressiva oder Psychotherapie bei stark belastenden Schlafstörungen oder starker Unruhe, ohne Suchterkrankung in der Vorgeschichte, unter Beachtung der Risiken und für 2, höchstens 4 Wochen (abgeschwächte Empfehlung) [6].

Weitere verschreibungspflichtige Mittel

Für Unruhe und Erregungszustände in bestimmten Situationen sind laut ihren Packungsbeilagen auch Antipsychotika zugelassen: Melperon unter anderem zur Dämpfung von psychomotorischer Unruhe und Erregungszuständen, insbesondere bei Patientinnen und Patienten der Altersmedizin und Psychiatrie [12], Pipamperon bei Schlafstörungen, insbesondere bei älteren Menschen, und bei bestimmten psychomotorischen Erregungszuständen [13], Prothipendyl bei Unruhe- und Erregungszuständen bei psychiatrischen Erkrankungen [14]. Ebenfalls bei Unruhe- und Erregungszuständen bei psychiatrischen Erkrankungen ist laut Packungsbeilage Promethazin zugelassen [19]. Bei Kindern unter 6 Jahren darf Promethazin laut einer Risikoinformation des BfArM vom 20. November 2025 nicht mehr angewendet werden (bisher unter 2 Jahren), weil es bei ihnen zu Nebenwirkungen an Nervensystem und Psyche führen kann, insbesondere zu Halluzinationen und aggressivem Verhalten [20]. Bei älteren Menschen mit Demenz-Erkrankungen, die mit Antipsychotika behandelt wurden, wurde laut diesen Packungsbeilagen ein geringer Anstieg der Todesfälle im Vergleich zu Menschen ohne Antipsychotika berichtet [12, 13, 14, 19]. Mehr: Antipsychotika und Demenz und Alzheimer.

Promethazin darf laut Packungsbeilage unter anderem nicht angewendet werden bei einer Vergiftung mit Alkohol oder mit zentral dämpfenden Arzneimitteln wie Schlaf- oder Beruhigungsmitteln, bei schwerer Schädigung der Blutzellen oder des Knochenmarks und bei Kreislaufschock oder Koma [19]. Promethazin kann das QT-Intervall im EKG verlängern; sehr selten, also bei bis zu 1 von 10.000 Behandelten, können bestimmte Herzrhythmusstörungen (Torsades de Pointes) auftreten, in diesen Fällen ist die Behandlung abzubrechen [19]. Es kann das Reaktionsvermögen auch am Folgetag beeinträchtigen, besonders nach zu kurzem Schlaf oder zusammen mit Alkohol; zumindest während der ersten Tage der Behandlung sollten Sie kein Fahrzeug führen, keine Maschinen bedienen und keine anderen gefahrvollen Tätigkeiten ausüben [19].

Nebenwirkungen der Medikamente

  • Baldrian: Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder Bauchkrämpfe, Häufigkeit nicht bekannt. Baldrianwurzel kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch die Fahrtüchtigkeit beeinträchtigen, verstärkt zusammen mit Alkohol; während der Anwendung sollten Sie möglichst keinen Alkohol trinken [8].
  • Abhängigkeit: Benzodiazepine einschließlich Lorazepam können laut Packungsbeilage zu Abhängigkeit führen; das Risiko steigt bei höherer Dosierung und Langzeitanwendung und ist erhöht nach Alkohol-, Arzneimittel- oder Drogenmissbrauch in der Vorgeschichte sowie bei erheblichen Persönlichkeitsstörungen [10]. Eine Abhängigkeit kann laut IQWiG schon nach wenigen Wochen einsetzen und unbemerkt bleiben [5]. Mehr: Absetz- und Entzugserscheinungen.
  • Paradoxe Reaktionen: Benzodiazepine können laut Packungsbeilage von Lorazepam sogenannte paradoxe Reaktionen auslösen, etwa Angst, Erregungszustände, Ruhelosigkeit, aggressives Verhalten oder Schlaflosigkeit; damit muss insbesondere bei Kindern und älteren Menschen gerechnet werden, und die Behandlung muss dann beendet werden [10].
  • Müdigkeit, Stürze und Verkehr: Vor allem in den ersten Tagen ist laut Packungsbeilage mit einem eingeschränkten Reaktionsvermögen zu rechnen; führen Sie keine Fahrzeuge [10]. Bei längerer Anwendung können Benzodiazepine laut IQWiG zum Beispiel die Denkleistung verringern oder das Sturzrisiko erhöhen; für ältere Menschen können solche Probleme besonders schwer wiegen [5]. Mehr: Müdigkeit und Medikamente und Autofahren.
  • Alkohol und Opioide: Alkohol kann die Wirkungen von Lorazepam laut Packungsbeilage in nicht voraussehbarer Weise verändern und verstärken [10]. Zusammen mit Opioiden können Benzodiazepine laut einer Risikoinformation des BfArM vom 12. April 2018 zu Sedierung, Atemdepression, Koma und Tod führen; die gleichzeitige Verschreibung ist deshalb nur bei Menschen angebracht, für die es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt [15]. Mehr: Medikamente und Alkohol.
  • Schwangerschaft und Stillzeit: Benzodiazepine einschließlich Lorazepam können laut Packungsbeilage dem Ungeborenen schaden, wenn sie im Frühstadium der Schwangerschaft eingenommen werden; in der Stillzeit nehmen Sie Lorazepam laut Packungsbeilage nicht ein [10]. Mehr: Medikamente in der Schwangerschaft.

Absetzen: Benzodiazepine sollten laut Packungsbeilage nur kurzzeitig angewendet und schrittweise abgesetzt werden; brechen Sie die Einnahme nicht plötzlich ab, denn manche Entzugserscheinungen können lebensbedrohlich sein [10]. Beim Ausschleichen nach längerer Einnahme hilft laut IQWiG ärztliche Unterstützung; wer den Konsum nicht mehr im Griff hat, kann sich auch an eine Suchtberatungsstelle wenden [5]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr auf den Absetz-Seiten zu Lorazepam und Pipamperon und im Ratgeber Medikamente absetzen.

Nebenwirkung melden: Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; Sie können sie auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [8]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben mit innerer Unruhe

Professionelle Hilfe durch eine Psychotherapeutin, einen Psychotherapeuten oder eine Psychiaterin oder einen Psychiater sollten Sie sich laut gesund.bund.de suchen, wenn zum Beispiel einer dieser Punkte zutrifft [1]:

  • Sie denken mehr als die Hälfte des Tages über Ihre Ängste nach.
  • Die Ängste schränken Ihre Lebensqualität und Bewegungsfreiheit erheblich ein, oder Sie werden ihretwegen immer depressiver.
  • Sie bekämpfen die Ängste oft mit Alkohol, Drogen oder Beruhigungstabletten.
  • Partnerschaft oder Arbeit sind wegen der Ängste ernsthaft in Gefahr.

Eine Praxis für Psychotherapie oder Psychiatrie finden Sie laut gesund.bund.de über die Kassenärztliche Vereinigung, auch unter 116 117 [1]. Wer regelmäßig viel Koffein aufnimmt, sollte beim Reduzieren wissen, dass ein Verzicht laut BfR Entzugssymptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit, Reizbarkeit oder Konzentrationsschwierigkeiten hervorrufen kann [7].

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Gedanken, sich das Leben zu nehmen. Haben Sie wegen Ihrer Ängste schon an Selbstmord gedacht, sollten Sie sich laut gesund.bund.de professionelle Hilfe suchen [1]. Suizidversuche aller Art nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung als Fall für die Notrufnummer 112 [18]. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenfrei und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 [17].

Thyreotoxische Krise. Selten kommt es bei einer Schilddrüsenüberfunktion zu einer lebensbedrohlichen Krise: Neben den typischen Beschwerden sind dann laut IQWiG hohes Fieber, Erbrechen, Unruhe und Angstzustände, Herzrhythmus- und Bewusstseinsstörungen bis hin zu Koma und Kreislaufversagen möglich. Die thyreotoxische Krise ist ein Notfall [4]. Bewusstlosigkeit oder erhebliche Bewusstseinstrübung sowie starke Brustschmerzen oder Herzbeschwerden sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung Fälle für die 112 [18].

Unter Benzodiazepinen. Bei paradoxen Reaktionen wie Angst, Erregung oder Ruhelosigkeit, bei Suizidgedanken, bei Schwellungen von Haut oder Schleimhäuten, bei Gelbfärbung der Haut oder Augen oder bei gedämpfter Atmung muss die Behandlung mit Lorazepam laut Packungsbeilage sofort beendet werden; informieren Sie umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder wenden Sie sich an den medizinischen Notdienst [10]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe.

Unter Promethazin. Haben Sie Fieber über 40 °C und Muskelstarre (mögliches lebensbedrohliches malignes neuroleptisches Syndrom), holen Sie laut Packungsbeilage sofort ärztliche Hilfe [19].

Quellen

  1. Behörde Mit Angst umgehen: hilfreiche Maßnahmen (geprüft durch die DGPPN). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 03.09.2025. abgerufen am 18.10.2026
  2. Generalisierte Angststörung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 27.03.2024. abgerufen am 18.10.2026
  3. Behandlungsmöglichkeiten bei generalisierter Angststörung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 27.03.2024. abgerufen am 18.10.2026
  4. Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 24.04.2024. abgerufen am 18.10.2026
  5. Schlafstörung: Schlaf- und Beruhigungsmittel absetzen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 03.07.2024. abgerufen am 18.10.2026
  6. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Unipolare Depression, Langfassung, Version 3.2 (AWMF-Register-Nr. nvl-005), Tabelle der Haupt- und Zusatzsymptome, Empfehlungen 5-7 und 5-10 mit Rationale. Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Stand Version 3.2, Juli 2023 (Version 3 publiziert 29.09.2022, gültig bis 29.09.2027). abgerufen am 18.10.2026
  7. Behörde Kaffee, Energy Drinks oder Koffeinpulver: Muntermacher mit gesundheitlichen Risiken? (Fragen und Antworten). Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Stand 05.01.2026. abgerufen am 18.10.2026
  8. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Baldrian-ratiopharm 450 mg überzogene Tabletten (Versionscode Z09). ratiopharm GmbH. Stand 10/2022. abgerufen am 18.10.2026
  9. Fachinformation Fachinformation Baldrian-ratiopharm 450 mg überzogene Tabletten (Version 4). ratiopharm GmbH. Stand 10/2022. abgerufen am 18.10.2026
  10. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 18.10.2026
  11. Fachinformation Fachinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 18.10.2026
  12. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Melperon STADA 25 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 18.10.2026
  13. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Pipamperon-neuraxpharm 40 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 10/2025. abgerufen am 18.10.2026
  14. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Dominal forte 80 mg Filmtablette (Prothipendyl, Versionscode Z06). TEVA GmbH. Stand 03/2018. abgerufen am 18.10.2026
  15. Behörde Risikoinformation: Benzodiazepine/benzodiazepinähnliche Produkte und Opioide, gleichzeitige Gabe. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 12.04.2018. abgerufen am 18.10.2026
  16. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Sertralin-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 18.10.2026
  17. TelefonSeelsorge Deutschland (Startseite). TelefonSeelsorge Deutschland. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
  18. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
  19. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Atosil 25 mg Filmtabletten. DESITIN Arzneimittel GmbH. Stand 08/2025. abgerufen am 11.10.2026
  20. Behörde Risikoinformation: Promethazin, neue Kontraindikation für Kinder unter 6 Jahren. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 20.11.2025. abgerufen am 18.10.2026

Häufige Fragen

Was hilft schnell gegen innere Unruhe?

Um Anspannung und Stress im Alltag zu senken, nennt gesund.bund.de Entspannungsmethoden wie die progressive Muskelentspannung, Sport und Bewegung, Yoga-, Meditations- und Achtsamkeitsübungen sowie einen gesunden Lebensstil mit wenig Alkohol und Koffein. Baldrianwurzel ist laut Packungsbeilage wegen der allmählich einsetzenden Wirkung nicht zur akuten Behandlung geeignet. Benzodiazepine wirken laut IQWiG rasch, können aber schon nach wenigen Wochen abhängig machen; sie sind verschreibungspflichtig.

Welche rezeptfreien Mittel gibt es gegen Nervosität?

Manche Menschen greifen laut IQWiG zu pflanzlichen Beruhigungsmitteln wie Baldrian, Lavendel, Kamille oder Passionsblumenblättern. Diese Mittel sind laut IQWiG bislang kaum durch gute Studien erforscht; sie können Nebenwirkungen haben und teilweise die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen. Baldrianwurzel wird laut Packungsbeilage zur Beruhigung und bei leichter nervöser Anspannung und Schlafstörungen angewendet, für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren. Sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, vor allem wenn Sie andere Medikamente nehmen.

Wie lange darf ich Baldrian nehmen?

Die Anwendungsdauer ist laut Packungsbeilage nicht grundsätzlich begrenzt. Für einen optimalen Behandlungserfolg wird eine kontinuierliche Anwendung über 2 bis 4 Wochen empfohlen. Bessern sich die Beschwerden nach zweiwöchiger kontinuierlicher Anwendung nicht oder verschlimmern sie sich, sollten Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Wie viel Sie laut Packungsbeilage nehmen dürfen, steht auf der Seite Baldrianwurzel.

Machen Beruhigungsmittel abhängig?

Benzodiazepine wie Lorazepam können laut Packungsbeilage zu Abhängigkeit führen; das Risiko steigt bei höherer Dosierung und längerer Anwendung. Eine Abhängigkeit kann laut IQWiG schon nach wenigen Wochen einsetzen und unbemerkt bleiben; empfohlen wird, diese Mittel nicht länger als vier Wochen einzunehmen, einschließlich der Phase, in der die Dosis verringert wird. Bei abruptem Absetzen können Entzugserscheinungen auftreten, manche sind laut Packungsbeilage lebensbedrohlich. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Kann innere Unruhe von der Schilddrüse kommen?

Ja. Bei einer Schilddrüsenüberfunktion bildet die Schilddrüse zu viele Hormone; dann kann es laut IQWiG zum Beispiel zu Herzrasen, Gewichtsverlust trotz Heißhunger, Zittern, nervöser Unruhe, Gereiztheit und Schlaflosigkeit kommen, und Betroffene schwitzen häufig. Ob die Schilddrüse dahintersteckt, kann eine Ärztin oder ein Arzt klären. Mehr unter Schilddrüsenüberfunktion.

Kann Kaffee nervös machen?

Ja. Bei hohen Aufnahmemengen von Koffein können laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) unerwünschte Wirkungen auftreten, etwa erhöhte Nervosität und Erregbarkeit, Schlaflosigkeit, Schweißausbrüche und Herzrasen. Ob und wie stark, hängt von der individuellen Empfindlichkeit und der aufgenommenen Menge ab. Koffein steckt nicht nur in Kaffee, sondern zum Beispiel auch in Tee, Kakao, Cola-Getränken und Energy Drinks. Wer regelmäßig viel Koffein aufnimmt und dann verzichtet, kann laut BfR Entzugssymptome wie Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Reizbarkeit bekommen.

Wann sollte ich mit innerer Unruhe zum Arzt?

Professionelle Hilfe sollten Sie sich laut gesund.bund.de unter anderem suchen, wenn Sie mehr als die Hälfte des Tages über Ihre Ängste nachdenken, wenn sie Lebensqualität und Bewegungsfreiheit erheblich einschränken, wenn Sie deswegen immer depressiver werden oder schon an Selbstmord gedacht haben oder wenn Sie die Ängste oft mit Alkohol, Drogen oder Beruhigungstabletten bekämpfen. Bessert sich die Unruhe unter Baldrian nach 2 Wochen nicht, sollten Sie laut Packungsbeilage eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Eine Psychotherapeutin, einen Psychotherapeuten oder eine psychiatrische Praxis finden Sie über die Kassenärztliche Vereinigung, auch unter 116 117.

Können Medikamente innere Unruhe auslösen?

Ja. Unter dem Antidepressivum Sertralin ist Nervosität laut Packungsbeilage häufig; zu Beginn kann eine als quälend erlebte Unruhe mit Bewegungsdrang auftreten. Beruhigungsmittel wie Lorazepam können umgekehrt sogenannte paradoxe Reaktionen mit Angst, Erregung und Ruhelosigkeit auslösen, und beim Absetzen sind Ruhelosigkeit und Anspannung als Entzugserscheinungen möglich. Welche weiteren Medikamente Unruhe auslösen können, steht auf der Seite Unruhe und Angst durch Medikamente. Vermuten Sie ein Medikament als Ursache, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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