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Angststörung und Panikattacken
Bei einer Angststörung treten Angst oder Panik auf, ohne dass eine echte Gefahr besteht, und schränken den Alltag ein; zu den häufigsten Formen gehören Panikstörung, generalisierte Angststörung und soziale Phobie. Nach der S3-Leitlinie (Stand 04/2021, Gültigkeit abgelaufen) soll Betroffenen eine Psychotherapie oder eine Behandlung mit Medikamenten angeboten werden, als Psychotherapie eine kognitive Verhaltenstherapie; als Medikamente nennt sie vor allem bestimmte Antidepressiva aus den Gruppen SSRI und SNRI. Benzodiazepine sollen laut Leitlinie wegen gravierender Nebenwirkungen wie einer Abhängigkeit nicht angeboten werden, außer in Ausnahmefällen. Bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, holen Sie sofort Hilfe, bei akuter Gefahr über den Notruf 112.

Angst ist eine normale Reaktion auf Gefahr. Bei einer Angststörung treten Angst oder Panik jedoch auf, obwohl keine tatsächliche Gefahr besteht, und können das Leben stark beeinträchtigen [5]. Laut der S3-Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen (Version 2 von April 2021, gültig bis April 2026; die Gültigkeit ist abgelaufen) soll Menschen mit Panikstörung, generalisierter Angststörung oder sozialer Phobie eine Psychotherapie oder eine Behandlung mit Medikamenten angeboten werden (Empfehlungsgrad A) [1]. Wer daran denkt, sich das Leben zu nehmen, braucht sofort Hilfe; die Nummern stehen im Abschnitt Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen.
Was ist eine Angststörung?
Angststörungen sind laut S3-Leitlinie (Stand 04/2021, Gültigkeit abgelaufen) die häufigsten psychischen Erkrankungen; in der Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland wurde für alle Angststörungen zusammen ein Anteil von 15,3 Prozent der Bevölkerung innerhalb von 12 Monaten errechnet [1]. Frauen erkranken deutlich häufiger als Männer [1]. Die Leitlinie beschreibt nach der ICD-10 unter anderem diese Formen [1]:
- Panikstörung: plötzlich auftretende Angstanfälle mit körperlichen Angstzeichen; in der Mehrzahl der Fälle ist sie mit einer Agoraphobie verbunden [1].
- Agoraphobie: Angst vor Orten, an denen bei einer Panikattacke eine Flucht schwer möglich wäre oder peinliches Aufsehen erregen würde, etwa in Menschenmengen, öffentlichen Verkehrsmitteln oder Fahrstühlen [1].
- Generalisierte Angststörung: körperliche Angstzeichen, Nervosität, Konzentrations- und Schlafstörungen als Dauerzustand, dazu ständige Sorgen [1]. Nach Schätzungen erhalten laut IQWiG etwa 5 Prozent aller Menschen im Laufe des Lebens diese Diagnose [2].
- Soziale Phobie: Angst vor Situationen, in denen man im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit steht, etwa vor dem Sprechen in der Öffentlichkeit, aus Furcht, sich peinlich zu verhalten oder negativ bewertet zu werden [1].
- Spezifische Phobie: Angst vor einzelnen, umschriebenen Dingen oder Situationen, etwa vor Katzen, Blut oder Höhen [1].
Symptome
Panikattacke: Laut S3-Leitlinie (Stand 04/2021, Gültigkeit abgelaufen) gehören dazu körperliche Angstzeichen wie Herzrasen oder unregelmäßiger Herzschlag, Schwitzen, Zittern, Mundtrockenheit, Atemnot, Erstickungsgefühl, Schmerzen oder Enge in der Brust, Übelkeit, Schwindel, Hitzewallungen oder Kälteschauer und Kribbeln sowie das Gefühl, dass Dinge unwirklich sind [1]. Hinzu kommt die Angst, die Kontrolle zu verlieren, ohnmächtig zu werden oder zu sterben; die Attacken treten plötzlich auf und nehmen über etwa 10 Minuten an Stärke zu [1]. Viele Betroffene befürchten danach laut gesund.bund.de, dass die Panik erneut auftritt; sie haben Angst vor der Angst [5].
Generalisierte Angststörung: Betroffene machen sich laut IQWiG praktisch über alles Sorgen, über große wie kleine Dinge [2]. Mögliche weitere Beschwerden sind Benommenheit, Nervosität, Schwindel, Zittern, Schwitzen, Muskelverspannungen, Herzklopfen und Magenbeschwerden [4]. Besonders wenn zugleich eine Depression besteht, kann laut gesund.bund.de die Suizidgefahr erhöht sein [4]. Mehr: Depression.
Ursachen und Risikofaktoren
Um eine Angsterkrankung zu entwickeln, müssen laut gesund.bund.de in der Regel verschiedene Faktoren zusammenkommen; belastende Ereignisse in der Vergangenheit können anfälliger machen; kommen belastende Lebensereignisse wie der Tod eines geliebten Menschen oder eine Trennung hinzu, kann sich eine Angsterkrankung entwickeln [5]. Bei der generalisierten Angststörung spielen laut IQWiG vermutlich körperliche und psychische Faktoren eine Rolle; manche Betroffene haben ein schweres Trauma durchlebt, Verluste erlitten oder starken familiären Stress erfahren, und in manchen Familien kommen Angststörungen häufiger vor [2]. Manchmal ist sie Folge einer anderen Erkrankung wie einer Depression oder hängt mit einer Suchterkrankung zusammen [2].
Körperliche Ursachen und Medikamente: Körperliche Angstzeichen können laut gesund.bund.de auch von anderen Erkrankungen hervorgerufen werden, unter anderem von einer Schilddrüsenüberfunktion, außerdem von bestimmten Medikamenten oder Drogen wie Amphetaminen [4]. Mehr: Unruhe und Angst durch Medikamente.
Diagnose
Eine generalisierte Angststörung wird laut gesund.bund.de diagnostiziert, wenn die übermäßigen Ängste mindestens 6 Monate an den meisten Tagen bestehen, unkontrollierbar werden, den Alltag beeinträchtigen und mit mindestens drei körperlichen Symptomen verbunden sind [4]. Zum Ausschluss einer körperlichen Ursache sollten laut S3-Leitlinie (Stand 04/2021, Gültigkeit abgelaufen) wenigstens eine ausführliche Befragung, eine körperliche Untersuchung, Blutbild, Blutzucker, Elektrolyte, Schilddrüsenwert (TSH) und ein EKG gemacht werden, gegebenenfalls auch eine Lungenfunktionsprüfung, eine Bildgebung des Kopfes oder ein EEG [1]. Als häufige körperliche Erkrankungen mit ähnlichen Beschwerden nennt sie unter anderem Lungen-, Herz-Kreislauf-, neurologische und hormonelle Erkrankungen [1].
Behandlung ohne Medikamente

Bei der Wahl der Behandlung soll laut S3-Leitlinie (Stand 04/2021, Gültigkeit abgelaufen) die Präferenz der informierten Betroffenen berücksichtigt werden; besprochen werden sollen unter anderem Wirkeintritt, Nachhaltigkeit, unerwünschte Wirkungen und Verfügbarkeit [1]. Laut Leitlinie gilt für Panikstörung, generalisierte Angststörung und soziale Phobie [1]:
- Kognitive Verhaltenstherapie (KVT): Sie soll angeboten werden (Empfehlungsgrad A). Bei einer Panikstörung mit agoraphobischem Vermeidungsverhalten soll sie Übungen enthalten, in denen man sich Angst auslösenden Situationen stellt (Exposition; Expertenkonsens) [1].
- Psychodynamische Psychotherapie: Sie sollte angeboten werden, wenn eine KVT nicht wirksam war, nicht verfügbar ist oder Betroffene sie bevorzugen (Empfehlungsgrad B) [1].
- Internetprogramme: KVT-basierte Programme zur Selbsthilfe können zur Überbrückung bis zum Therapiebeginn oder begleitend angeboten werden, sollen aber nicht die alleinige Behandlung sein (Expertenkonsens) [1].
- Sport: Bei Panikstörung und Agoraphobie kann Ausdauertraining ergänzend zu anderen Standardtherapien empfohlen werden (Expertenkonsens) [1].
- Selbsthilfe: Betroffene und Angehörige sollen über Selbsthilfe- und Angehörigengruppen informiert werden (Expertenkonsens) [1].
Sich den Ängsten zu stellen, hilft laut gesund.bund.de vielen; dabei lernt man, dass die Angst von allein wieder nachlässt [5]. Die Konfrontation lässt sich stufenweise angehen; dafür sollte man sich psychotherapeutische Unterstützung suchen [5]. Um weniger anfällig für Angst und Panik zu sein, können laut gesund.bund.de Entspannungsmethoden wie die progressive Muskelentspannung, Sport und ein gesunder Lebensstil mit ausreichend Schlaf, wenig Alkohol und Koffein und ohne Tabak und Drogen helfen [5]. Wie nützlich Entspannungstechniken sind, wenn sie ohne andere Hilfen eingesetzt werden, weiß man laut IQWiG allerdings bislang nicht [3].
Behandlung mit Medikamenten
Bei der Auswahl eines Medikaments sollen laut S3-Leitlinie (Stand 04/2021, Gültigkeit abgelaufen) unter anderem Alter, Gegenanzeigen, Nebenwirkungen einschließlich Absetzphänomenen, Wechselwirkungen, Suizidrisiko und frühere Erfahrungen berücksichtigt werden [1]. Je nach Angststörung empfiehlt die Leitlinie [1]:
- Panikstörung und Agoraphobie: SSRI wie Escitalopram, Paroxetin oder Sertralin oder das SNRI Venlafaxin sollen angeboten werden (Empfehlungsgrad A). Das trizyklische Antidepressivum Clomipramin sollte angeboten werden, wenn diese Mittel nicht wirksam waren oder nicht vertragen wurden (Empfehlungsgrad B) [1].
- Generalisierte Angststörung: Escitalopram, Paroxetin, Venlafaxin oder Duloxetin sollen angeboten werden (Empfehlungsgrad A), Pregabalin sollte angeboten werden (Empfehlungsgrad B); Menschen mit einer Abhängigkeit von mehreren Substanzen (Polytoxikomanie) sollen kein Pregabalin erhalten. Waren Behandlungen mit Empfehlungsgrad A oder B unwirksam oder wurden nicht vertragen, kann Buspiron oder Opipramol angeboten werden (Empfehlungsgrad 0) [1].
- Soziale Phobie: Escitalopram, Paroxetin, Sertralin oder Venlafaxin sollen angeboten werden (Empfehlungsgrad A); waren Behandlungen mit Empfehlungsgrad A oder B unwirksam oder wurden nicht vertragen, kann Moclobemid angeboten werden (Expertenkonsens) [1].
Zugelassen sind laut Packungsbeilagen Escitalopram, Paroxetin und Venlafaxin unter anderem für Panikstörung, soziale Angststörung und generalisierte Angststörung, Sertralin unter anderem für Panikstörung und soziale Angststörung, Duloxetin und Pregabalin unter anderem für die generalisierte Angststörung und Opipramol für die generalisierte Angststörung und somatoforme Störungen [6, 8, 9, 10, 12, 14, 16]. Die Nebenwirkungen in der Tabelle stammen aus der Packungsbeilage eines Beispielwirkstoffs und gelten nur für diesen ("sehr häufig": bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig": bei bis zu 1 von 10); maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI), Antidepressiva | Escitalopram, Paroxetin, Sertralin | Escitalopram hemmt gezielt die Wiederaufnahme des Botenstoffs Serotonin; seine Wirkungen lassen sich laut Fachinformation allein über diese Hemmung erklären [7] | Escitalopram, sehr häufig: Übelkeit, Kopfschmerzen; häufig unter anderem Angst, Ruhelosigkeit, Einschlafschwierigkeiten und Störungen der Sexualfunktion [6]. Paroxetin, sehr häufig: Übelkeit, Störungen des sexuellen Verlangens oder der sexuellen Funktion [8] |
| Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI), Antidepressiva | Venlafaxin, Duloxetin | Hemmen die Wiederaufnahme der Botenstoffe Serotonin und Noradrenalin in die Nervenzellen [11, 13] | Venlafaxin, sehr häufig: Schwindelgefühl, Kopfschmerz, Schläfrigkeit, Schlaflosigkeit, Übelkeit, Mundtrockenheit, Verstopfung, Schwitzen einschließlich Nachtschweiß [10]. Duloxetin, sehr häufig: Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Übelkeit, Mundtrockenheit [12] |
| Kalziumkanalmodulator | Pregabalin | Bindet im zentralen Nervensystem an eine Untereinheit (Alpha-2-Delta-Protein) spannungsabhängiger Calciumkanäle [15] | Pregabalin, sehr häufig: Benommenheit, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen; häufig unter anderem Euphorie, Schwindel, Gleichgewichtsstörung, Stürze, verschwommenes Sehen und Gewichtszunahme [14] |
| Trizyklisches Anxiolytikum | Opipramol | Bindet stark an sogenannte Sigma-Bindungsstellen und blockiert Histamin-Rezeptoren vom Typ 1 [17] | Opipramol, häufig: Müdigkeit, Mundtrockenheit und verstopfte Nase, vor allem zu Behandlungsbeginn, sowie niedriger Blutdruck mit Schwindel und Schwarzwerden vor den Augen beim Aufsetzen oder Aufstehen [16] |
Die Wirkung von Antidepressiva setzt laut Leitlinie mit einer Verzögerung von etwa 2 Wochen ein, im Bereich von 1 bis 6 Wochen; darauf sollten Betroffene hingewiesen werden, bei generalisierter Angststörung soll das geschehen [1]. Nach dem Abklingen der Beschwerden soll die Behandlung bei Panikstörung noch 6 bis 12 Monate fortgeführt werden (Expertenkonsens) [1]. Bei der generalisierten Angststörung empfehlen Fachleute laut IQWiG, SSRI nach einer Besserung 6 bis 12 Monate einzunehmen und dann die Dosis langsam zu verringern [3]. Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; die Angaben der Packungsbeilage stehen auf den Wirkstoffseiten, zum Beispiel bei Escitalopram.
Beruhigungsmittel (Benzodiazepine)
Benzodiazepine sind laut S3-Leitlinie (Stand 04/2021, Gültigkeit abgelaufen) bei Angststörungen wirksam; dennoch sollen sie wegen der gravierenden Nebenwirkungen wie der Entwicklung einer Abhängigkeit nicht angeboten werden (Expertenkonsens) [1]. In Ausnahmefällen, etwa bei schweren Herzerkrankungen, Gegenanzeigen gegen die Standardmedikamente oder Suizidalität, können sie unter sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken zeitlich befristet angewendet werden [1]. Laut IQWiG können sie schon nach wenigen Wochen abhängig machen [3]. Zusammen mit Opioiden können Benzodiazepine laut einer Risikoinformation des BfArM vom 12. April 2018 zu Sedierung, Atemdepression, Koma und Tod führen [21]. Mehr: Schlafmittel und Benzodiazepine und Absetz- und Entzugserscheinungen.
Schwangerschaft und Stillzeit
Escitalopram dürfen Sie laut Packungsbeilage in Schwangerschaft und Stillzeit nicht einnehmen, es sei denn, Sie haben Nutzen und Risiken mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt besprochen; plötzlich abbrechen sollten Sie die Behandlung in der Schwangerschaft nie [6]. Bei Paroxetin ist das Risiko für Fehlbildungen, vor allem am Herzen, nach Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel laut einer Risikoinformation des BfArM vom 8. Mai 2006 geringfügig erhöht [20]. Ob ein Wechsel, ein schrittweises Beenden oder das Weiternehmen besser ist, können Sie laut Packungsbeilage von Paroxetin gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt entscheiden [8]. Die Anwendung von Pregabalin in den ersten 3 Monaten der Schwangerschaft kann laut Packungsbeilage zu Geburtsfehlern führen; Frauen, die schwanger werden können, müssen wirksam verhüten [14]. Was das Beratungszentrum Embryotox der Charité zu einzelnen Mitteln schreibt, steht auf den Wirkstoffseiten. Allgemeines: Medikamente in der Schwangerschaft.
Nebenwirkungen der Medikamente
Über unerwünschte Wirkungen sollten Betroffene laut S3-Leitlinie (Stand 04/2021, Gültigkeit abgelaufen) informiert werden, bei generalisierter Angststörung soll das geschehen; bei SSRI und SNRI nennt sie besonders Unruhe und Schlaflosigkeit in den ersten Tagen, sexuelle Funktionsstörungen und Absetzphänomene, bei Pregabalin Schwindel und Benommenheit, bei Opipramol unter anderem Sedierung und Gewichtszunahme [1]. Mehr: Übelkeit, Schlafstörungen, Libido und Potenz und der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
- Suizidgedanken zu Beginn: Solche Gedanken können laut Packungsbeilage von Escitalopram bei der erstmaligen Anwendung von Antidepressiva verstärkt sein, weil diese Mittel gewöhnlich etwa zwei Wochen brauchen, bis sie wirken; wahrscheinlicher sind sie bei Menschen, die schon früher daran gedacht haben, und bei jungen Erwachsenen bis 25 Jahre [6]. Nach einer Neubewertung mussten laut einer Risikoinformation des BfArM vom 15. Februar 2008 für alle Antidepressiva Warnhinweise dazu in die Produktinformationen aufgenommen werden, insbesondere für unter 25-Jährige [19].
- Sexuelle Funktionsstörungen: SSRI und SNRI können laut Packungsbeilage von Escitalopram Symptome einer sexuellen Funktionsstörung verursachen; in bestimmten Fällen blieben sie nach dem Ende der Behandlung bestehen [6].
- Herzrhythmus: Escitalopram wird laut Rote-Hand-Brief vom 5. Dezember 2011 mit einer dosisabhängigen Verlängerung des QT-Intervalls im EKG in Zusammenhang gebracht; bei bekannter QT-Verlängerung, angeborenem Long-QT-Syndrom und zusammen mit anderen Mitteln, die das QT-Intervall verlängern, darf es nicht angewendet werden [18]. Mehr: QT-Verlängerung.
- Abhängigkeit bei Pregabalin: Manche Menschen können laut Packungsbeilage von Pregabalin abhängig werden und beim Beenden Entzugserscheinungen haben; das Risiko kann größer sein, wenn früher Alkohol, Medikamente oder Drogen missbraucht wurden [14]. Zusammen mit anderen dämpfenden Mitteln, einschließlich Opioiden, kann es zu Atemschwäche, Koma und Tod kommen [14].
- Müdigkeit und Verkehr: Führen Sie laut Packungsbeilage von Escitalopram kein Fahrzeug, bis Sie wissen, wie Sie auf das Mittel reagieren [6]. Unter Opipramol dürfen Sie laut Packungsbeilage keine Kraftfahrzeuge führen, weil bekannte Nebenwirkungen die Fahrtüchtigkeit einschränken [16]. Mehr: Medikamente und Autofahren.
Absetzen: Wird Escitalopram beendet, vor allem abrupt, können laut Packungsbeilage Absetzsymptome auftreten, etwa Schwindelgefühl, Schlafstörungen, Angstgefühle, Kopfschmerzen oder Übelkeit; bei den meisten sind sie leicht und verschwinden innerhalb von zwei Wochen, bei einigen halten sie länger an [6]. SSRI, SNRI und Pregabalin sollten laut Leitlinie beim Beenden langsam reduziert werden [1]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr auf den Absetz-Seiten zu Escitalopram, Sertralin, Venlafaxin, Duloxetin, Pregabalin, Opipramol und Lorazepam.
Nebenwirkung melden: Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; Sie können sie auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [6]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit einer Angststörung
Professionelle Hilfe sollten Sie sich laut gesund.bund.de unter anderem suchen, wenn Sie mehr als die Hälfte des Tages über Ihre Ängste nachdenken, wenn die Ängste Lebensqualität und Bewegungsfreiheit erheblich einschränken, wenn Sie wegen der Ängste immer depressiver werden oder deswegen schon daran gedacht haben, sich das Leben zu nehmen, oder wenn Sie die Ängste oft mit Alkohol, Drogen oder Beruhigungstabletten bekämpfen [5]. Eine Psychotherapeutin, einen Psychotherapeuten oder eine Praxis für Psychiatrie finden Sie über die Kassenärztliche Vereinigung, auch unter 116 117 [5].
Mit Einverständnis der Betroffenen können Angehörige laut S3-Leitlinie (Stand 04/2021, Gültigkeit abgelaufen) in die Behandlung einbezogen werden; sie sollten Vermeidungsverhalten nicht durch Trost verstärken, sondern dessen Abbau fördern [1]. Hilfreich erscheint vielen laut IQWiG, im Alltag trotz Ängsten möglichst aktiv zu bleiben, etwa durch Sport [2]. Mehr: Medikamente und Alkohol.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Gedanken, sich das Leben zu nehmen. Bei einer Angststörung kann laut S3-Leitlinie (Stand 04/2021, Gültigkeit abgelaufen) das Suizidrisiko erhöht sein; bei akuter Suizidalität muss eine Vorstellung bei einer Fachärztin oder einem Facharzt oder die Einweisung in eine Klinik erfolgen [1]. Suizidversuche aller Art nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung als Fall für die Notrufnummer 112 [23]. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenfrei und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 [22]. Entwickeln Sie unter einem Antidepressivum Gedanken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen, gehen Sie laut Packungsbeilage zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen unverzüglich ein Krankenhaus auf [6, 19].
Brustschmerzen und Atemnot. Starke Brustschmerzen oder Herzbeschwerden und schwere Atemnot sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung Fälle für die 112 [23]. Entwickelt sich ein Panikanfall aus der berechtigten Sorge vor einer ernsthaften Erkrankung, sollten laut gesund.bund.de entsprechende ärztliche Untersuchungen stattfinden [5].
Unter Escitalopram. Bei hohem Fieber, Agitiertheit, Verwirrtheit, Zittern und plötzlichen Muskelzuckungen (mögliches Serotonin-Syndrom) und bei schnellem, unregelmäßigem Herzschlag mit Ohnmacht benachrichtigen Sie laut Packungsbeilage umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder begeben sich direkt in ein Krankenhaus [6]. Bemerken Sie eine anormale Herzfrequenz oder einen anormalen Herzrhythmus, sollten Sie laut Rote-Hand-Brief sofort eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen [18].
Quellen
- Leitlinie S3-Leitlinie Behandlung von Angststörungen, Version 2.0 (AWMF-Register-Nr. 051-028), Kurzfassung mit Tabelle 1, Abschnitte 1.2 bis 1.7, Tabelle 5, Abschnitt 3.1.3. Deutsche Gesellschaft für Psychosomatische Medizin und Ärztliche Psychotherapie, Deutsche Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde und weitere Fachgesellschaften (Leitlinienkoordination Universitätsmedizin Mainz). Stand Version 2.0, Stand 06.04.2021 (laut Leitlinienseite der DGPPN gültig bis 05.04.2026, Gültigkeit abgelaufen). abgerufen am 18.10.2026
- Generalisierte Angststörung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 27.03.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Behandlungsmöglichkeiten bei generalisierter Angststörung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 27.03.2024. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Generalisierte Angststörung (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 05.02.2026. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Mit Angst umgehen: hilfreiche Maßnahmen (geprüft durch die DGPPN). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 03.09.2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Escitalopram-ratiopharm 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Escitalopram-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Paroxetin STADA 20 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Sertralin-ratiopharm 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Venlafaxin-ratiopharm 37,5 mg/75 mg/150 mg Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Venlafaxin-ratiopharm Hartkapseln, retardiert. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Duloxetin-ratiopharm 30 mg, 60 mg magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Duloxetin-ratiopharm magensaftresistente Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Pregabalin-ratiopharm Hartkapseln (25 bis 300 mg). ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Pregabalin-ratiopharm Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Opipramol STADA 50 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 04/2018. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Opipramol STADA 50 mg/100 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 04/2018. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Zusammenhang von Escitalopram (Cipralex) mit dosisabhängiger QT-Intervall-Verlängerung. Lundbeck GmbH in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 05.12.2011. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Risikoinformation: Antidepressiva, erhöhtes Risiko zu suizidalem Verhalten bei Erwachsenen unter 25 Jahren. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 15.02.2008. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Risikoinformation: Paroxetin in der Schwangerschaft, geringfügig erhöhtes Risiko für Fehlbildungen am Herzen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 08.05.2006. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Risikoinformation: Benzodiazepine/benzodiazepinähnliche Produkte und Opioide, gleichzeitige Gabe. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 12.04.2018. abgerufen am 18.10.2026
- TelefonSeelsorge Deutschland (Startseite). TelefonSeelsorge Deutschland. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente helfen gegen Angststörungen?
Die S3-Leitlinie zur Behandlung von Angststörungen (Stand 04/2021, Gültigkeit abgelaufen) nennt vor allem Antidepressiva. Bei Panikstörung, generalisierter Angststörung und sozialer Phobie sollen je nach Störung bestimmte selektive Serotonin-Wiederaufnahmehemmer (SSRI) wie Escitalopram, Paroxetin oder Sertralin oder der Serotonin-Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (SNRI) Venlafaxin angeboten werden, bei der generalisierten Angststörung auch Duloxetin. Bei der generalisierten Angststörung sollte außerdem Pregabalin angeboten werden; Opipramol kann angeboten werden, wenn Behandlungen mit Empfehlungsgrad A oder B nicht wirken oder nicht vertragen werden. Welches Mittel passt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Was hilft akut bei einer Panikattacke?
Eine Panikattacke nimmt laut S3-Leitlinie (Stand 04/2021, Gültigkeit abgelaufen) über etwa 10 Minuten an Stärke zu; im Falle einer akuten Panikattacke ist laut Leitlinie selten eine spezifische Behandlung notwendig, oft beruhigt schon die Anwesenheit einer Ärztin, eines Arztes oder einer Psychologin. Langfristig hilft es laut gesund.bund.de vielen, sich den Ängsten zu stellen, möglichst mit psychotherapeutischer Unterstützung. Starke Brustschmerzen oder Herzbeschwerden und schwere Atemnot sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung ein Fall für den Notruf 112.
Wie lange dauert es, bis Medikamente gegen Angst wirken?
Die Wirkung von Antidepressiva setzt laut S3-Leitlinie (Stand 04/2021, Gültigkeit abgelaufen) nach etwa 2 Wochen ein, im Bereich von 1 bis 6 Wochen. Bei der generalisierten Angststörung dauert es laut IQWiG in der Regel 2 bis 6 Wochen, bis SSRI eine angstlösende Wirkung entfalten. In den ersten Tagen können unter SSRI und SNRI laut Leitlinie Unruhe und Schlaflosigkeit auftreten. Haben Sie den Eindruck, dass Ihr Mittel nicht hilft, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Machen Medikamente gegen Angst abhängig?
Antidepressiva machen laut IQWiG nicht abhängig. Beim Beenden können laut Packungsbeilage von Escitalopram aber Absetzsymptome auftreten, vor allem wenn es abrupt geschieht, etwa Schwindelgefühl, Schlafstörungen, Angstgefühle oder Übelkeit. Benzodiazepine können laut IQWiG schon nach wenigen Wochen abhängig machen. Auch von Pregabalin können laut Packungsbeilage manche Menschen abhängig werden. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Psychotherapie oder Medikamente: Was ist besser?
Laut S3-Leitlinie (Stand 04/2021, Gültigkeit abgelaufen) soll Menschen mit Panikstörung, generalisierter Angststörung oder sozialer Phobie eine Psychotherapie oder eine Behandlung mit Medikamenten angeboten werden; die Präferenz der informierten Betroffenen soll dabei berücksichtigt werden. Wirkt eine der beiden Behandlungen nicht ausreichend, soll die jeweils andere angeboten werden, oder es kann eine Kombination angeboten werden. Zur generalisierten Angststörung schreibt das IQWiG: Eine Psychotherapie erfordert viel Eigeninitiative, und oft muss man länger auf einen Therapieplatz warten; manchmal ist eine Psychotherapie erst möglich, wenn Medikamente die Beschwerden etwas gemildert haben.
Gibt es pflanzliche Mittel gegen Angst?
Manche Menschen mit einer generalisierten Angststörung greifen laut IQWiG zu pflanzlichen Beruhigungsmitteln wie Baldrian, Lavendel, Kamille oder Passionsblumenblättern. Diese Mittel sind laut IQWiG bislang kaum durch gute Studien erforscht; sie können Nebenwirkungen haben und teilweise die Wirkung anderer Medikamente beeinflussen. Eine Selbstbehandlung kann außerdem dazu führen, dass es sehr lange dauert, bis man professionelle Hilfe sucht. Sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke.
Wie lange muss ich Medikamente gegen Angst nehmen?
Nach dem Abklingen der Beschwerden soll eine Behandlung mit Medikamenten laut S3-Leitlinie (Stand 04/2021, Gültigkeit abgelaufen) bei Panikstörung noch 6 bis 12 Monate fortgeführt werden; die Dauer kann verlängert werden, etwa wenn die Angst nach einem Absetzversuch wiederkommt. Bei der generalisierten Angststörung empfehlen Fachleute laut IQWiG, SSRI nach einer Besserung 6 bis 12 Monate einzunehmen und dann die Dosis langsam zu verringern. SSRI, SNRI und Pregabalin sollten laut Leitlinie beim Beenden langsam reduziert werden, um Absetzphänomene zu vermeiden. Wie lange Ihre Behandlung dauert, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Was tun bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen?
Holen Sie sofort Hilfe. Bei akuter Gefahr rufen Sie den Notruf 112. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenfrei und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Sind die Praxen geschlossen und kann es nicht bis zum nächsten Tag warten, erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Nehmen Sie ein Antidepressivum ein, gehen Sie laut Packungsbeilage bei solchen Gedanken zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder suchen unverzüglich ein Krankenhaus auf. Weitere Nummern stehen unter Notfall und Giftnotruf.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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