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ADHS
ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung) ist eine psychische Erkrankung, die in der Kindheit beginnt: Betroffene sind für ihr Alter sehr unaufmerksam, impulsiv oder hyperaktiv, und bei vielen bleiben Beschwerden bis ins Erwachsenenalter bestehen. Ob und wie behandelt wird, hängt laut IQWiG davon ab, wie ausgeprägt die ADHS ist und wie stark sie beeinträchtigt; infrage kommen Elternschulung, schulische Maßnahmen, Verhaltenstherapie und Medikamente wie Methylphenidat, Lisdexamfetamin, Atomoxetin und Guanfacin. Medikamente werden laut Packungsbeilagen nur als Teil eines umfassenden Behandlungsprogramms und frühestens ab 6 Jahren angewendet. Bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, holen Sie sofort Hilfe, bei akuter Gefahr über den Notruf 112.

Ein Kind mit ADHS ist laut IQWiG für sein Alter sehr unaufmerksam, impulsiv oder hyperaktiv; die Erkrankung beginnt in der Kindheit und bleibt oft bis ins Erwachsenenalter bestehen [1]. Ob und wie behandelt werden sollte, hängt laut IQWiG davon ab, wie schwer die ADHS ist und wie sehr sie beeinträchtigt; möglich sind pädagogische Mittel, Psychotherapie und Medikamente [1]. Wer daran denkt, sich das Leben zu nehmen, braucht sofort Hilfe; die Nummern stehen im Abschnitt Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen.
Was ist ADHS?
ADHS steht für Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung. Laut IQWiG spricht man davon, wenn ein Kind besonders unaufmerksam, impulsiv oder hyperaktiv ist. Unaufmerksam heißt, dass es sich schlecht konzentrieren kann und sich leicht ablenken lässt; impulsiv, dass es sich für sein Alter sehr unbedacht oder ungeduldig verhält; hyperaktiv, dass es rastlos oder sehr unruhig ist [1]. Bei manchen Kindern steht die Unaufmerksamkeit im Vordergrund, sie wirken eher wie Tagträumer; sind Kinder sehr unaufmerksam, aber nicht hyperaktiv, spricht man auch von ADS [1].
In Deutschland erhalten laut IQWiG etwa 5 Prozent der Kinder die Diagnose ADHS, Jungen etwa doppelt so oft wie Mädchen [1]. Ältere Jugendliche und Erwachsene sind oft weniger hyperaktiv als in der Kindheit, verspüren aber häufig eine innere Unruhe. Etwa 50 bis 80 Prozent der Erwachsenen, die als Kind ADHS hatten, haben zumindest teilweise noch Beschwerden; ungefähr 15 Prozent erfüllen auch als Erwachsene die vollständigen Kriterien [1]. Bei Erwachsenen stehen laut IQWiG eher Unaufmerksamkeit, innere Unruhe und Probleme, die eigenen Gefühle zu regulieren, im Vordergrund [4].
Symptome
Unaufmerksamkeit, Impulsivität und übermäßige Aktivität sind bei Kindern grundsätzlich nicht ungewöhnlich; bei einer ADHS unterscheiden sie sich laut IQWiG aber deutlich vom Verhalten Gleichaltriger [1]. Als typische Anzeichen nennt das IQWiG nach den Diagnosekriterien unter anderem [3]:
- Unaufmerksamkeit: viele Flüchtigkeitsfehler, kaum Ausdauer bei einer Sache, oft nicht zuhören, Aufgaben nicht zu Ende bringen, Schwierigkeiten mit der Organisation, Dinge verlieren und vergessen, leicht ablenkbar [3].
- Hyperaktivität: zappeln, auf dem Sitz herumrutschen, oft aufstehen, wenn es nicht passt, herumlaufen oder klettern, bei Jugendlichen ein Gefühl der Rastlosigkeit [3].
- Impulsivität: andere häufig unterbrechen, antworten, bevor eine Frage zu Ende gestellt ist, schwer warten können, bis man an der Reihe ist [3].
Erwachsene mit ADHS haben laut IQWiG vor allem Probleme, Alltag oder Arbeit zu organisieren, sich lange auf Aufgaben zu konzentrieren oder Termine einzuhalten; manche sind sehr impulsiv, leicht reizbar und haben eine niedrige Frustrationstoleranz [4]. Zu den Folgen zählen laut IQWiG bei Kindern und Jugendlichen mehr Unfälle und Verletzungen, Probleme in der Schule und Konflikte; hinzukommen können Depressionen, Angsterkrankungen oder eine Tic-Störung [1]. Mehr: Depression und Angststörung.
Ursachen und Risikofaktoren
Die Ursachen sind laut IQWiG nicht abschließend geklärt; vermutlich geht ADHS nicht auf eine einzelne Ursache zurück [1]. Eine wichtige Rolle spielt die genetische Veranlagung; außerdem ist der Transport des Botenstoffs Dopamin an Nervenzellen in Hirnbereichen verändert, die unter anderem für Gedächtnis und Lernen wichtig sind [1]. In einzelnen Studien waren Kinder öfter betroffen, deren Mütter in der Schwangerschaft geraucht, Alkohol getrunken oder Drogen genommen hatten; auch ein sehr niedriges Geburtsgewicht oder Probleme bei der Geburt könnten laut IQWiG mit ADHS zusammenhängen [1]. Die Ernährung spielt laut IQWiG, wenn überhaupt, nur eine geringe Rolle [1].
Diagnose
Die Diagnose stellen laut IQWiG am besten Fachleute, die sich mit ADHS gut auskennen, bei Kindern etwa Fachärztinnen und Fachärzte für Kinder- und Jugendmedizin oder -psychiatrie oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten für Kinder und Jugendliche; Erwachsene können sich zur Abklärung an eine Praxis für Psychiatrie oder Psychotherapie wenden [1]. Ein ausführliches Gespräch und eine körperliche Untersuchung helfen, andere Ursachen auszuschließen; bei Kindern können auch Schlafstörungen, Sehfehler, Schwerhörigkeit oder eine Schilddrüsenüberfunktion hinter Konzentrationsproblemen stecken [1]. Lehrkräfte oder Erzieherinnen werden möglichst einbezogen [1].
Nach den Kriterien der ICD und des DSM, wie sie das IQWiG darstellt, müssen die Auffälligkeiten unter anderem seit mindestens sechs Monaten bestehen, in mehr als einer Umgebung auftreten, etwa in Schule und Familie, den Alltag sehr beeinträchtigen und nicht durch eine andere psychische Erkrankung erklärbar sein [3]. Sicher diagnostiziert werden kann ADHS laut IQWiG erst nach dem dritten Lebensjahr [3]. Bei Erwachsenen ohne frühere Diagnose hilft ein spezieller Fragebogen, die Diagnose rückblickend zu stellen [4]. Einen spezifischen Test für ADHS gibt es laut Fachinformation von Methylphenidat nicht [8].
Behandlung ohne Medikamente

Vor jeder Behandlung stehen laut IQWiG ein Gespräch und eine Beratung darüber, was ADHS ist und wie sich damit umgehen lässt; dabei kann sich auch zeigen, dass kein großer Behandlungsbedarf besteht [1]. Je nach Ausprägung nennt das IQWiG [1, 2]:
- Leichte ADHS: Schränkt sie das Verhalten nicht besonders ein, reicht möglicherweise eine Elternschulung, angeleitet oder als Material zur Selbsthilfe [1]. In einer Elternschulung lernen Mütter und Väter mehr über ADHS, wie sich der Alltag mit festen Abläufen strukturieren lässt und wie Lob und Belohnungen helfen [2].
- Mittelschwere oder schwere ADHS: Gehen soziale oder schulische Probleme damit einher, können Maßnahmen in der Schule oder eine Familien- oder Verhaltenstherapie sinnvoll sein [1]. Bei Kindern wird vor allem die kognitive Verhaltenstherapie eingesetzt; laut IQWiG kann sie hilfreich sein, gut gemachte Studien dazu gibt es bisher aber nicht genügend [2].
- Schule: Eltern und Therapeuten sollten laut IQWiG mit Schule oder Kindergarten zusammenarbeiten; hilfreich sein können etwa ein Sitzplatz mit wenig Ablenkung oder kurze Bewegungsübungen im Unterricht [2].
- Schlaf und Bewegung: Auf gute Schlafgewohnheiten zu achten, kann laut IQWiG hilfreich sein [1]. Ob Sport hilft, ist nur in wenigen aussagekräftigen Studien untersucht; regelmäßiger Ausdauersport könnte eine ADHS lindern, sicher beurteilen lässt sich das noch nicht [2].
- Erwachsene: Für Erwachsene kann laut IQWiG eine Verhaltenstherapie helfen, mit den Auffälligkeiten und ihren Folgen im Alltag besser umzugehen; sie ist auch eine Alternative, wenn Medikamente nicht wirken oder nicht gewünscht sind [5].
Bei Neurofeedback, Diäten, pflanzlichen Mitteln und Nahrungsergänzungsmitteln ist laut IQWiG unklar, was Eltern und Kinder davon erwarten können [2].
Behandlung mit Medikamenten
Medikamente können laut IQWiG die Beschwerden einer ADHS lindern; sie kommen vor allem für Kinder mit einer ausgeprägten ADHS infrage [1, 2]. Sie lösen aber nicht unbedingt andere Probleme, die mit ADHS zusammenhängen, wirken nur so lange, wie sie eingenommen werden, und helfen nicht allen Kindern [2]. Bei der Entscheidung spielen laut IQWiG unter anderem das Alter des Kindes, die Ausprägung der ADHS, bereits versuchte Psychotherapie oder pädagogische Mittel und die Abwägung von Vor- und Nachteilen durch Eltern und Kind eine Rolle [1].
Was die Packungsbeilagen vorsehen: Methylphenidat ist laut Fachinformation im Rahmen einer therapeutischen Gesamtstrategie angezeigt, wenn sich andere Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben; die Behandlung muss von einer auf ADHS spezialisierten Ärztin oder einem solchen Arzt eingeleitet und überwacht werden [8]. Auch Lisdexamfetamin, Atomoxetin und Guanfacin sind laut Packungsbeilage Teil eines umfassenden Behandlungsprogramms [9, 11, 13]. Methylphenidat und Lisdexamfetamin sind laut Fachinformation verschreibungspflichtige Betäubungsmittel [8, 10].
Reihenfolge: Am häufigsten wird laut IQWiG Methylphenidat eingesetzt; wenn es nicht wirkt oder nicht eingesetzt werden kann, kommen Atomoxetin, Dexamfetamin, Guanfacin und Lisdexamfetamin infrage [1]. Die Anwendungsgebiete legen das zum Teil fest: Lisdexamfetamin ist bei Kindern und Jugendlichen nur nach unzureichender Wirkung von Methylphenidat vorgesehen, Guanfacin nur, wenn eine Behandlung mit Stimulanzien nicht geeignet ist und/oder die bisherigen Medikamente die Beschwerden nicht ausreichend kontrollieren [9, 13]. Bei Erwachsenen ist Atomoxetin laut Packungsbeilage angezeigt, wenn die Beschwerden sehr belastend sind, das berufliche oder soziale Leben beeinträchtigen und schon in der Kindheit vorhanden waren [11]. Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; die Angaben der Packungsbeilage stehen auf den Wirkstoffseiten, zum Beispiel bei Methylphenidat.
Die Nebenwirkungen in der Tabelle stammen aus der Packungsbeilage und gelten nur für den genannten Wirkstoff ("sehr häufig": bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig": bei bis zu 1 von 10); maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats [7, 9, 11, 13].
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Stimulanzien (ADHS-Medikamente) | Methylphenidat, Lisdexamfetamin | Methylphenidat gilt laut Fachinformation als Hemmer der Wiederaufnahme der Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin in die Nervenzellen und erhöht ihre Freisetzung; der genaue Wirkmechanismus bei ADHS ist nicht bekannt [8]. Lisdexamfetamin ist eine unwirksame Vorstufe, aus der im Körper Dexamfetamin entsteht [10] | Methylphenidat, sehr häufig: Kopfschmerzen, Nervosität, Schlaflosigkeit; häufig unter anderem verminderter Appetit, Gewichtsabnahme, hoher Blutdruck, schneller Herzschlag [7]. Lisdexamfetamin, sehr häufig: verminderter Appetit, Schlafstörungen, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, bei Kindern und Jugendlichen Gewichtsverlust [9] |
| Noradrenalin-Wiederaufnahmehemmer (ADHS-Medikamente) | Atomoxetin | Hemmt laut Fachinformation hochselektiv den Transporter, der Noradrenalin in die Nervenzellen zurückholt [12]; laut Packungsbeilage gehört es nicht zu den Stimulanzien [11] | Kinder und Jugendliche, sehr häufig: Kopfschmerzen, Bauchschmerzen, verminderter Appetit, Übelkeit oder Erbrechen, Schläfrigkeit, erhöhter Blutdruck und Puls. Erwachsene, sehr häufig: Übelkeit, Mundtrockenheit, Kopfschmerzen, verminderter Appetit, Ein- und Durchschlafstörungen, erhöhter Blutdruck und Puls [11] |
| Alpha2A-Agonist (ADHS-Medikamente) | Guanfacin | Regt laut Fachinformation gezielt alpha2A-adrenerge Rezeptoren an und ist kein Stimulans; wie es bei ADHS wirkt, ist nicht vollständig geklärt [13] | Guanfacin, sehr häufig: Schläfrigkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen, Magen- bzw. Bauchschmerzen; häufig unter anderem niedrige Herzfrequenz und Blutdruckabfall [13] |
Dexamfetamin ist laut IQWiG ebenfalls zugelassen [2]. Methylphenidat gibt es laut IQWiG als kurz- und als langwirksame Präparate [2].
Schwangerschaft
Mädchen und Frauen, die bereits ihre Periode haben, besprechen laut Packungsbeilage von Methylphenidat Empfängnisverhütung, Schwangerschaft und Stillzeit mit der Ärztin oder dem Arzt [7]. Die verfügbaren Daten deuten laut dieser Packungsbeilage nicht auf ein allgemein erhöhtes Risiko von Geburtsfehlern hin; ein leicht erhöhtes Risiko von Herzfehlbildungen bei Anwendung in den ersten drei Schwangerschaftsmonaten kann aber nicht ausgeschlossen werden [7]. Was Embryotox zu den einzelnen Wirkstoffen schreibt, steht auf den Wirkstoffseiten, zum Beispiel bei Methylphenidat und Atomoxetin. Allgemeines: Medikamente in der Schwangerschaft.
Nebenwirkungen der Medikamente
Treten Nebenwirkungen auf, sollten Eltern laut IQWiG mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen und das Medikament nicht einfach weglassen; möglicherweise reicht eine Anpassung der Dosis oder des Einnahmezeitpunkts [2]. Mehr: Beipackzettel verstehen und Medikamente bei Kindern.
- Appetit, Gewicht und Wachstum: Verminderter Appetit ist bei Methylphenidat laut Packungsbeilage häufig, bei Lisdexamfetamin sehr häufig [7, 9]. Bei Kindern ist eine Wachstumsverzögerung mit verminderter Gewichts- und Größenzunahme bei Anwendung von Methylphenidat über mehr als ein Jahr häufig [7]. Auch Guanfacin kann laut Packungsbeilage Gewicht und Körpergröße beeinflussen [13]. Mehr: Appetitlosigkeit.
- Herz und Kreislauf: Methylphenidat kann laut Packungsbeilage einen hohen Blutdruck und einen schnellen oder unregelmäßigen Herzschlag auslösen [7]; bei Atomoxetin sind erhöhter Blutdruck und Puls sehr häufig [11]. Laut einem Rote-Hand-Brief vom 7. Dezember 2011 (vom BfArM am 13. Dezember 2011 veröffentlicht) darf Atomoxetin bei schwerwiegenden Erkrankungen des Herzens, der Blutgefäße oder der Hirngefäße nicht angewendet werden, wenn ein klinisch bedeutsamer Anstieg von Blutdruck oder Herzfrequenz eine Verschlechterung des Zustands erwarten lässt. Vor der Behandlung wird empfohlen, eine Herzerkrankung durch eine sorgfältige Befragung und eine körperliche Untersuchung abzuklären; Herzfrequenz und Blutdruck sind vor Beginn, bei jeder Dosisanpassung und mindestens alle 6 Monate zu messen und aufzuzeichnen. Treten unter der Behandlung Zeichen einer Herzerkrankung auf, muss umgehend eine Untersuchung durch eine Herzspezialistin oder einen Herzspezialisten erfolgen [14]. Guanfacin kann dagegen den Herzschlag verlangsamen und den Blutdruck senken; wird es abrupt abgebrochen, können Blutdruck und Herzfrequenz ansteigen [13]. Erwachsene, die erstmals Methylphenidat erhalten, werden möglicherweise zuvor an eine Kardiologin oder einen Kardiologen überwiesen [7]. Mehr: Blutdruckanstieg und Herzrasen.
- Schlaf: Schlaflosigkeit ist bei Methylphenidat sehr häufig, Schlafstörungen sind es bei Lisdexamfetamin [7, 9]. Mehr: Schlafstörungen.
- Stimmung und Verhalten: Stimmungsveränderungen und Veränderungen der Persönlichkeit sind bei Methylphenidat laut Packungsbeilage häufig, Suizidgedanken oder Suizidabsichten gelegentlich [7]. Bei Atomoxetin sind Gedanken, sich das Leben zu nehmen, gelegentlich; Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren haben dafür laut Packungsbeilage ein erhöhtes Risiko [11]. Unter Guanfacin wurden laut Fachinformation nach der Markteinführung Suizidgedanken, Suizidversuche und Suizide gemeldet [13]. Mehr: Aggressivität und Depressive Verstimmung durch Medikamente.
- Tics: Bestehen Tics, auch in der Familie, sprechen Sie laut Packungsbeilage vor der Einnahme von Methylphenidat mit der Ärztin oder dem Arzt [7]. Bei Lisdexamfetamin sind Tics häufig [9].
- Missbrauch: Werden Methylphenidat oder Lisdexamfetamin nicht richtig angewendet, kann das laut Packungsbeilage zu einer Abhängigkeit führen [7, 9]. Mehr: Medikamente, die abhängig machen.
- Alkohol und Verkehr: Während der Einnahme von Methylphenidat darf laut Packungsbeilage kein Alkohol getrunken werden, weil er die Nebenwirkungen verstärken kann [7]. Kommt es zu Schwindel oder verschwommenem Sehen, können Autofahren, Radfahren oder das Bedienen von Maschinen gefährlich sein [7, 9]. Mehr: Methylphenidat und Alkohol und Medikamente und Autofahren.
Kontrollen: Unter Methylphenidat werden laut Packungsbeilage vor Beginn und dann mindestens alle 6 Monate sowie bei jeder Dosisänderung unter anderem Appetit, Gewicht und Größe, Blutdruck und Puls kontrolliert [7]. Auch unter Atomoxetin werden Blutdruck und Puls gemessen [11].
Absetzen
Nach einem plötzlichen Abbruch von Methylphenidat können laut Packungsbeilage die ADHS-Beschwerden zurückkehren oder unerwünschte Wirkungen wie eine Depression auftreten; die Ärztin oder der Arzt verringert die Dosis eventuell allmählich [7]. Guanfacin dürfen Sie laut Packungsbeilage nicht abbrechen, ohne vorher mit der Ärztin oder dem Arzt zu sprechen; soll es abgesetzt werden, wird die Dosis langsam verringert [13]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Was die Packungsbeilagen zum Beenden sagen, steht auf den Seiten Methylphenidat absetzen und Lisdexamfetamin absetzen, Allgemeines im Ratgeber Medikamente absetzen.
Nebenwirkung melden: Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; Sie können sie auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [7]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit ADHS
Ein Kind mit ADHS großzuziehen, kann laut IQWiG sehr anstrengend sein. Hilfreich sind meist klare Regeln und Routinen; wichtig ist, sich immer wieder klarzumachen, dass das Verhalten des Kindes keine Absicht ist [1]. Viele Eltern empfinden es laut IQWiG als hilfreich, den Tag gut zu planen, Unerwartetes früh anzukündigen, ganz konkrete Anweisungen zu geben, machbare Ziele in kleinen Schritten zu vereinbaren und das Kind ehrlich zu loben, wenn ihm etwas gelungen ist [6]. Auf die eigenen Bedürfnisse zu achten und Hilfe anzunehmen, etwa durch Angehörige, Elternschulungen oder Selbsthilfegruppen, kann den Familienalltag erleichtern [6]. Bei großer Belastung kann laut IQWiG auch eine Mutter-/Vater-Kind-Kur sinnvoll sein [1].
Viele Erwachsene mit ADHS entwickeln laut IQWiG eigene Strategien, etwa den Tag genau planen, Aufgaben in kleine Schritte teilen und Routinen einführen [4]. Für Erwachsene sind in der Regel Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie, psychosomatische Medizin oder Neurologie sowie Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten zuständig; wer volljährig wird, sucht am besten frühzeitig eine neue Praxis [4].
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Gedanken, sich das Leben zu nehmen. Treten unter Methylphenidat Suizidgedanken oder Suizidabsichten auf, wenden Sie sich laut Packungsbeilage sofort an eine Ärztin oder einen Arzt; dasselbe gilt laut Packungsbeilage von Atomoxetin bei Gedanken oder Gefühlen, sich das Leben nehmen zu wollen [7, 11]. Suizidversuche aller Art nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung als Fall für die Notrufnummer 112 [16]. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenfrei und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123 [15]. Sind die Praxen geschlossen und kann die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116 117, rund um die Uhr und kostenfrei [16].
Warnzeichen unter ADHS-Medikamenten. Bei unregelmäßigem Herzschlag, Halluzinationen, unkontrollierten Bewegungen oder Lauten (Tourette-Syndrom) oder Zeichen einer Allergie wie Schwellungen von Gesicht, Lippen oder Zunge und Atembeschwerden wenden Sie sich laut Packungsbeilage von Methylphenidat sofort an eine Ärztin oder einen Arzt [7]. Bei Schmerzen in der Brust, Atemnot oder Anschwellen der Beine unter Lisdexamfetamin suchen Sie laut Packungsbeilage sofort eine Ärztin oder einen Arzt auf [9]. Unter Guanfacin wenden Sie sich laut Packungsbeilage sofort an die Ärztin oder den Arzt bei Benommenheit, Schwindel, verlangsamtem Herzschlag, einem Schwächeanfall oder Bewusstseinsverlust [13]. Wurde zu viel Methylphenidat eingenommen, verständigen Sie laut Packungsbeilage sofort eine Ärztin oder einen Arzt oder rufen den Rettungsdienst [7].
Quellen
- ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit- und Hyperaktivitätsstörung). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 04.05.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Was kann Kindern und Jugendlichen mit ADHS helfen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 04.05.2022. abgerufen am 18.10.2026
- ADHS: Wie wird die Diagnose gestellt?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 04.05.2022. abgerufen am 18.10.2026
- ADHS bei Erwachsenen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 04.05.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Behandlung von ADHS bei Erwachsenen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 04.05.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Den Alltag mit ADHS bewältigen: Infos für Eltern. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 04.05.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm 18 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Lisdexamfetamin-ratiopharm 20 mg bis 70 mg Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Lisdexamfetamin-ratiopharm Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Atomoxetin-ratiopharm 10 mg/18 mg/25 mg/40 mg/60 mg/80 mg Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Atomoxetin-ratiopharm Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Intuniv (Guanfacin), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage Intuniv 1 mg/2 mg/3 mg/4 mg Retardtabletten. Takeda Pharmaceuticals International AG Ireland Branch (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand Produktinformation laut EMA zuletzt aktualisiert am 13.10.2026. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Strattera (Atomoxetin): Risiko eines Blutdruck- und Herzfrequenzanstiegs. Lilly Deutschland GmbH in Übereinstimmung mit dem BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand Brief vom 07.12.2011, veröffentlicht am 13.12.2011. abgerufen am 18.10.2026
- TelefonSeelsorge Deutschland (Startseite). TelefonSeelsorge Deutschland. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente gibt es gegen ADHS?
Zur Behandlung von ADHS sind in Deutschland laut IQWiG fünf Wirkstoffe zugelassen: Methylphenidat, Atomoxetin, Dexamfetamin, Lisdexamfetamin und Guanfacin. Am häufigsten wird laut IQWiG Methylphenidat eingesetzt; wenn es nicht wirkt oder aus anderen Gründen nicht infrage kommt, kommen die anderen Wirkstoffe infrage. Welche Mittel für wen zugelassen sind, steht in der jeweiligen Packungsbeilage: Guanfacin zum Beispiel nur für Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren, für die eine Behandlung mit Stimulanzien nicht geeignet ist und/oder deren bisherige Medikamente die Beschwerden nicht ausreichend kontrollieren.
Ab welchem Alter dürfen Kinder ADHS-Medikamente nehmen?
Methylphenidat und Atomoxetin werden laut Packungsbeilage bei Kindern ab 6 Jahren angewendet und sind nicht zur Behandlung von Kindern unter 6 Jahren vorgesehen. Lisdexamfetamin ist laut Packungsbeilage für Kinder und Jugendliche zwischen 6 und 18 Jahren bestimmt, bei denen eine vorherige Behandlung mit Methylphenidat nicht ausreichend gewirkt hat. Guanfacin ist für 6- bis 17-Jährige zugelassen, für die Stimulanzien nicht geeignet sind und/oder deren bisherige Medikamente nicht ausreichend wirken. Eine Behandlung mit Methylphenidat darf laut Packungsbeilage nur unter Aufsicht einer Fachärztin oder eines Facharztes mit Erfahrung bei Verhaltensstörungen begonnen und durchgeführt werden.
Machen ADHS-Medikamente abhängig?
Methylphenidat und Lisdexamfetamin sind laut Fachinformation verschreibungspflichtige Betäubungsmittel. Werden sie nicht richtig angewendet, kann das laut Packungsbeilage zu anomalem Verhalten und zu einer Abhängigkeit führen; informieren Sie die Ärztin oder den Arzt, wenn es früher einen Missbrauch oder eine Abhängigkeit von Alkohol, Arzneimitteln oder Drogen gab. Atomoxetin gehört laut Packungsbeilage nicht zu den Stimulanzien und hat kein Suchtpotenzial. Geben Sie ADHS-Medikamente nicht an andere weiter.
Welche Nebenwirkungen haben ADHS-Medikamente?
Das hängt vom Wirkstoff ab. Sehr häufig sind laut Packungsbeilage zum Beispiel Kopfschmerzen, Nervosität und Schlaflosigkeit bei Methylphenidat, verminderter Appetit, Schlafstörungen, Mundtrockenheit und Kopfschmerzen bei Lisdexamfetamin, ein erhöhter Blutdruck und Puls bei Atomoxetin sowie Schläfrigkeit, Müdigkeit, Kopfschmerzen und Bauchschmerzen bei Guanfacin. Bei Kindern kann laut Packungsbeilage von Methylphenidat eine Anwendung über mehr als ein Jahr das Wachstum verzögern. Appetit, Gewicht und Größe sowie Blutdruck und Puls werden laut Packungsbeilage regelmäßig kontrolliert.
Gibt es ADHS auch bei Erwachsenen?
Ja. Eine ADHS beginnt laut IQWiG in der Kindheit; etwa 50 bis 80 Prozent der Erwachsenen, die als Kind ADHS hatten, haben zumindest teilweise noch Beschwerden, etwa 15 Prozent erfüllen die vollständigen Kriterien. Bei Erwachsenen stehen eher Unaufmerksamkeit, innere Unruhe und Probleme mit der Gefühlsregulation im Vordergrund. Die für diese Seite ausgewerteten Methylphenidat-Retardtabletten sind laut ihrer Packungsbeilage auch für Erwachsene zugelassen; ob das für Ihr Methylphenidat-Präparat gilt, steht in dessen Packungsbeilage. Atomoxetin ist laut Packungsbeilage für Erwachsene angezeigt, wenn die Beschwerden sehr belastend sind, das berufliche oder soziale Leben beeinträchtigen und schon in der Kindheit vorhanden waren, Lisdexamfetamin für Erwachsene, die seit ihrer Kindheit ADHS haben.
Muss mein Kind die Medikamente für immer nehmen?
Nein, laut Packungsbeilage von Methylphenidat muss das Mittel nicht für immer eingenommen werden. Wurde es länger als ein Jahr eingenommen, sollte die Ärztin oder der Arzt die Behandlung für kurze Zeit unterbrechen, zum Beispiel in den Schulferien, um zu prüfen, ob sie noch nötig ist. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Was hilft bei ADHS ohne Medikamente?
Vor jeder Behandlung stehen laut IQWiG ein Gespräch und eine Beratung darüber, was ADHS ist und wie man damit umgehen kann. Bei einer leichten ADHS reicht möglicherweise eine Elternschulung, bei einer mittelschweren oder schweren ADHS können Maßnahmen in der Schule und eine Familien- oder Verhaltenstherapie sinnvoll sein. Auch auf gute Schlafgewohnheiten zu achten, kann laut IQWiG hilfreich sein.
Was tun bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen?
Holen Sie sofort Hilfe. Bei akuter Gefahr rufen Sie den Notruf 112. Die TelefonSeelsorge ist Tag und Nacht kostenfrei und anonym erreichbar unter 0800 111 0 111, 0800 111 0 222 oder 116 123. Sind die Praxen geschlossen und kann es nicht bis zum nächsten Tag warten, erreichen Sie den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116 117. Bei Suizidgedanken unter Methylphenidat oder Atomoxetin wenden Sie sich laut Packungsbeilage sofort an eine Ärztin oder einen Arzt. Weitere Nummern stehen unter Notfall und Giftnotruf.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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