WirkstoffgruppenWirkstoffgruppe

ADHS-Medikamente

ADHS-Medikamente werden bei der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung laut ihren Fachinformationen als Teil eines umfassenden Behandlungsprogramms eingesetzt. Methylphenidat und Lisdexamfetamin sind Stimulanzien und Betäubungsmittel; Atomoxetin und Guanfacin gehören nicht zu den Stimulanzien. Zu den Nebenwirkungen gehören laut Packungsbeilagen je nach Wirkstoff unter anderem verminderter Appetit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen und Veränderungen von Blutdruck und Puls. Herz-Kreislauf, Wachstum und seelische Verfassung werden deshalb regelmäßig ärztlich kontrolliert.

Frau Anfang dreißig mit dunkelblondem Pferdeschwanz arbeitet konzentriert an einem aufgeräumten Schreibtisch am Fenster und blickt nachdenklich nach draußen
Bild: KI-generiert

ADHS-Medikamente werden zur Behandlung der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) eingesetzt, laut ihren Fachinformationen im Rahmen einer umfassenden Behandlung, die in der Regel auch psychologische, pädagogische und soziale Maßnahmen umfasst [2, 4, 7, 8]. Die Medikamente wirken nach dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) nur so lange, wie sie eingenommen werden, und helfen nicht allen Kindern [16]. Beschrieben sind hier die Wirkstoffe Methylphenidat, Lisdexamfetamin, Atomoxetin und Guanfacin; Einzelheiten stehen auf den verlinkten Wirkstoffseiten. Mehr zur Erkrankung unter ADHS.

Was sind ADHS-Medikamente?

In Abschnitt 5.1 ihrer Fachinformationen sind Methylphenidat und Lisdexamfetamin als zentral wirkende Sympathomimetika eingeordnet [2, 4]. Guanfacin ist laut Fachinformation dagegen ein zentral wirkendes antiadrenerges Mittel aus der Gruppe der Blutdrucksenker (Antihypertensiva, ATC-Code C02AC02) [8].

Methylphenidat und Lisdexamfetamin zählen zu den Stimulanzien [2, 4]. Beide stehen in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes, sind also verkehrs- und verschreibungsfähige Betäubungsmittel [15]. Atomoxetin gehört laut Packungsbeilage nicht zur Gruppe der Stimulanzien, Guanfacin ist laut Fachinformation kein Stimulans; beide sind verschreibungspflichtig [6, 7, 8].

Wie ADHS-Medikamente wirken

Wie die Wirkstoffe bei ADHS genau wirken, ist laut den Fachinformationen nicht oder nicht vollständig geklärt [2, 4, 8]. Beschrieben werden diese Wirkprinzipien:

  • Methylphenidat ist ein Stimulans des zentralen Nervensystems. Es gilt als Hemmer der Wiederaufnahme der Botenstoffe Noradrenalin und Dopamin in die Nervenzelle und erhöht deren Freisetzung [2].
  • Lisdexamfetamin ist eine unwirksame Vorstufe: Im Körper wird daraus, vor allem in den roten Blutkörperchen, der Wirkstoff Dexamfetamin. Angenommen wird, dass er die Wiederaufnahme von Noradrenalin und Dopamin blockiert und ihre Freisetzung vermehrt [4].
  • Atomoxetin hemmt hochselektiv den Transporter, der Noradrenalin in die Nervenzelle zurückholt. Es ist kein Amphetamin-Abkömmling; in einer Studie mit Erwachsenen zeigte es keine anregenden oder euphorisierenden Wirkungen [7]. Bis sich die Beschwerden deutlich bessern, kann es laut Packungsbeilage einige Wochen dauern [6].
  • Guanfacin regt gezielt bestimmte Andockstellen für Noradrenalin an (Alpha-2A-Rezeptoren). Präklinische Untersuchungen deuten darauf hin, dass es die Signalübertragung über Noradrenalin in zwei Hirnregionen verändert, dem präfrontalen Kortex und den Basalganglien. Zugleich ist Guanfacin ein bekannter Blutdrucksenker [8].

Wofür ADHS-Medikamente eingesetzt werden

Alle vier Wirkstoffe sind zur Behandlung der ADHS zugelassen; sie unterscheiden sich in Alter und Voraussetzungen [2, 4, 7, 8]:

  • Methylphenidat: Kinder ab 6 Jahren und Erwachsene, wenn sich andere therapeutische Maßnahmen allein als unzureichend erwiesen haben. Die Behandlung muss von einer auf ADHS spezialisierten Ärztin oder einem entsprechenden Arzt eingeleitet und überwacht werden [2].
  • Lisdexamfetamin: Kinder ab 6 Jahren, wenn das Ansprechen auf eine vorherige Behandlung mit Methylphenidat als klinisch unzureichend angesehen wird, sowie Erwachsene mit bereits in der Kindheit bestehenden ADHS-Beschwerden [4].
  • Atomoxetin: Kinder ab 6 Jahren, Jugendliche und Erwachsene; bei Erwachsenen muss bestätigt sein, dass die Beschwerden schon in der Kindheit vorhanden waren [7].
  • Guanfacin: Kinder und Jugendliche von 6 bis 17 Jahren, für die Stimulanzien nicht infrage kommen, die sie nicht vertragen oder bei denen sie unwirksam waren [8].

Unter 6 Jahren werden die Mittel laut ihren Produktinformationen nicht angewendet [2, 3, 7, 9]. Nach dem IQWiG kommen Medikamente vor allem für Kinder mit einer ausgeprägten ADHS infrage; im Vorschulalter werden sie nur in Ausnahmefällen angewandt [16]. Bei Kindern, die vor allem mit Unaufmerksamkeit Probleme haben, kann es laut IQWiG ausreichen, Medikamente nur während der Schulzeit zu nehmen [16]. Weitere Wirkstoffe sind auf dieser Website nicht mit eigenem Steckbrief beschrieben; das IQWiG nennt Dexamfetamin als fünften in Deutschland zur ADHS-Behandlung zugelassenen Wirkstoff [16].

Wirkstoffe der Gruppe

Diese ADHS-Medikamente sind auf dieser Website mit einem geprüften Wirkstoff-Steckbrief beschrieben:

  • Atomoxetinz. B. Agakalin, Atomoxetin-ratiopharm, StratteraADHS bei Kindern ab 6 Jahren, Jugendlichen und Erwachsenen
  • Guanfacinz. B. IntunivADHS bei Kindern und Jugendlichen von 6 bis 17 Jahren
  • Lisdexamfetaminz. B. Elvanse adult, Lisdexamfetamin-ratiopharm, Lisdexamfetamin-ratiopharm ErwachseneADHS: bei Kindern ab 6 Jahren und Jugendlichen nach unzureichender Wirkung von Methylphenidat, bei Erwachsenen mit ADHS seit der Kindheit
  • Methylphenidatz. B. Concerta, Kinecteen, Medikinet adultADHS bei Kindern ab 6 Jahren und Erwachsenen

Typische Nebenwirkungen

Die vollständige Liste steht in der Packungsbeilage Ihres Präparats und auf den Wirkstoffseiten. Wie die Produktinformationen ausgewählte Nebenwirkungen einstufen, zeigt die Tabelle. Die Packungsbeilage von Atomoxetin führt die Nebenwirkungen getrennt für Kinder und Jugendliche und für Erwachsene auf, die von Lisdexamfetamin einige mit abweichender Häufigkeit bei Kindern und Jugendlichen; diese Angaben für Kinder und Jugendliche berücksichtigt die Tabelle nicht, bei Atomoxetin zeigt sie die Angaben für Erwachsene. Guanfacin ist nur für Kinder und Jugendliche zugelassen, seine Angaben beziehen sich deshalb auf diese Altersgruppe [3, 6, 8, 9]. Was die Angaben bedeuten, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Häufigkeit ausgewählter Nebenwirkungen je Wirkstoff: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffAppetitlosigkeitGewichtsabnahmeSchlafstörungenKopfschmerzenBlutdruckanstiegMüdigkeit
AtomoxetinSehr häufigHäufigSehr häufigSehr häufigSehr häufigHäufig
GuanfacinHäufignicht genanntHäufigSehr häufigGelegentlichSehr häufig
LisdexamfetaminSehr häufigHäufigSehr häufigSehr häufigHäufigHäufig
MethylphenidatHäufigHäufigSehr häufigSehr häufigHäufigHäufig

Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung auf. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.

Appetit, Gewicht und Wachstum

Verminderter Appetit ist in den Packungsbeilagen von Lisdexamfetamin und Atomoxetin (bei Kindern und Jugendlichen wie bei Erwachsenen) als sehr häufig eingestuft, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, bei Methylphenidat und Guanfacin als häufig [1, 3, 6, 9]. Bei Methylphenidat ist eine Wachstumsverzögerung bei Kindern nach mehr als einem Jahr Anwendung mit verminderter Gewichts- und Größenzunahme als häufig eingestuft [1]. Stimulanzien wurden laut Fachinformation von Lisdexamfetamin bei Kindern und Jugendlichen mit einer verlangsamten Gewichtszunahme und einer geringeren endgültigen Körpergröße in Verbindung gebracht [4]. Unter Guanfacin ist dagegen eine Gewichtszunahme als häufig eingestuft, und der Körpermassenindex (BMI) kann zunehmen [8, 9]. Nach dem IQWiG können ADHS-Medikamente das Wachstum zumindest vorübergehend geringfügig beeinträchtigen [16]. Körpergröße und Gewicht, bei Methylphenidat und Lisdexamfetamin auch der Appetit, werden deshalb regelmäßig kontrolliert; wächst ein Kind nicht wie erwartet, muss die Behandlung möglicherweise unterbrochen werden [2, 4, 7]. Mehr unter Appetitlosigkeit und Gewichtsabnahme.

Schlafstörungen und Müdigkeit

Schlaflosigkeit ist in der Packungsbeilage von Methylphenidat als sehr häufig eingestuft, ebenso Schlafstörungen bei Lisdexamfetamin und Ein- und Durchschlafstörungen bei Erwachsenen unter Atomoxetin [1, 3, 6]. Lisdexamfetamin wird laut Packungsbeilage wegen möglicher Schlafstörungen nicht am Nachmittag eingenommen [3]. Guanfacin macht dagegen sehr häufig schläfrig; laut Fachinformation tritt die Schläfrigkeit überwiegend zu Beginn auf und dauert in der Regel 2 bis 3 Wochen, in manchen Fällen länger [8, 9]. Auch Atomoxetin kann müde, schläfrig oder benommen machen [6]. Klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob Sie Auto oder Rad fahren können. Mehr unter Schlafstörungen und im Ratgeber Medikamente und Autofahren.

Herz und Kreislauf

Bei Kindern und Jugendlichen, darunter solchen mit strukturellen Herzfehlern oder anderen schweren Herzerkrankungen, wurde unter Stimulanzien des zentralen Nervensystems über plötzliche Todesfälle berichtet; bei Erwachsenen, die Stimulanzien in üblichen Dosen gegen ADHS einnahmen, über plötzlichen Tod, Schlaganfall und Herzinfarkt [2, 4]. Welche Rolle die Stimulanzien dabei spielten, ist laut Fachinformation unbekannt; Erwachsene mit schweren Herzerkrankungen dürfen generell nicht mit Stimulanzien behandelt werden [2]. Unter Methylphenidat stiegen in Studien bei Kindern und Jugendlichen häufig der obere und der untere Blutdruckwert an [2].

Atomoxetin kann sich ebenfalls auf Herzfrequenz und Blutdruck auswirken. Darüber informierte der Zulassungsinhaber in Übereinstimmung mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit einem Rote-Hand-Brief vom 7. Dezember 2011: Bei schweren Herz-Kreislauf- oder Gehirngefäßerkrankungen, die sich durch einen deutlichen Anstieg von Blutdruck oder Puls verschlechtern könnten, darf Atomoxetin seither nicht angewendet werden [13]. Guanfacin wirkt umgekehrt: Ein langsamer Herzschlag und ein Blutdruckabfall, auch beim Aufstehen, sind als häufig eingestuft; Guanfacin kann eine Ohnmacht auslösen, die mit einem Risiko für Stürze und Verletzungen verbunden sein kann [8, 9]. Die Fachinformation rät, reichlich zu trinken [8].

Vor Beginn einer Behandlung werden deshalb Herz und Kreislauf untersucht, einschließlich der Frage nach plötzlichen Herztodesfällen in der Familie; Blutdruck und Puls werden bei jeder Dosisänderung und danach regelmäßig, bei Methylphenidat, Lisdexamfetamin und Atomoxetin mindestens alle 6 Monate, kontrolliert [2, 4, 7, 8]. Für Methylphenidat hatte die Europäische Arzneimittel-Agentur diese Untersuchungen und Kontrollen nach einer Überprüfung der Sicherheit im Januar 2009 empfohlen [14]. Mehr unter Blutdruckanstieg, Herzrasen und verlangsamter Herzschlag.

Stimmung, Suizidgedanken und Psyche

Unter Atomoxetin wurde über Suizidversuche und Suizidgedanken berichtet. In doppelblinden Studien traten sie gelegentlich auf, bei Kindern und Jugendlichen häufiger als unter Placebo; bei Erwachsenen zeigte sich kein Unterschied. Behandelte müssen sorgfältig auf das Auftreten oder die Verschlimmerung suizidaler Verhaltensweisen überwacht werden [7]. Suizidgedanken oder -absichten sind auch in der Packungsbeilage von Methylphenidat aufgeführt (gelegentlich), und für Guanfacin wurden nach der Markteinführung suizidale Ereignisse gemeldet, meist bei Menschen mit psychiatrischen Grunderkrankungen [1, 8].

Bei Kindern und Jugendlichen ohne bekannte psychotische Erkrankung oder Manie können Stimulanzien laut Fachinformation in üblichen Dosen neue psychotische oder manische Beschwerden hervorrufen, etwa Halluzinationen, Wahnvorstellungen oder eine Manie [4]. Methylphenidat kann bestehende psychische Probleme wie Aggressivität, Angst oder Niedergeschlagenheit verstärken und wurde mit der Entstehung oder Verschlimmerung von Tics in Verbindung gebracht [1, 2]. Aggressives Verhalten oder Feindseligkeit wurden auch unter Guanfacin und Atomoxetin berichtet [6, 8]. Mehr unter Aggressivität und Reizbarkeit, depressive Verstimmung und Halluzinationen.

Missbrauch und Abhängigkeit

Stimulanzien einschließlich Lisdexamfetamin haben laut Fachinformation ein Potenzial für Missbrauch, Fehlgebrauch, Abhängigkeit und Zweckentfremdung; das Risiko für Fehlgebrauch kann bei Erwachsenen, insbesondere jungen Erwachsenen, größer sein als bei Kindern und Jugendlichen [4]. Ein chronischer Missbrauch von Methylphenidat kann laut Fachinformation zu ausgeprägter Toleranz und psychischer Abhängigkeit führen; bei Menschen mit Drogen- oder Alkoholabhängigkeit wird es nur mit Vorsicht angewendet [2]. Stimulanzien dürfen laut der mit dem BfArM abgestimmten Checkliste zu Lisdexamfetamin nicht an andere Personen weitergegeben oder verkauft werden; die Checkliste rät Eltern unter anderem, das Arzneimittel auch in der Schule sicher verwahren zu lassen [5]. Atomoxetin hat laut Packungsbeilage kein Suchtpotenzial; auch Embryotox schreibt ihm kein Abhängigkeitspotenzial zu [6, 12]. Mehr unter Absetz- und Entzugserscheinungen.

Leber, Krampfanfälle und Augen

Unter Atomoxetin wurde über schwere Leberschäden einschließlich akuten Leberversagens berichtet; die Packungsbeilage stuft Leberschädigungen als selten ein, also bei bis zu 1 von 1.000 Behandelten. Bei Gelbsucht oder nachgewiesener Leberschädigung muss Atomoxetin abgesetzt werden und darf nicht wieder eingenommen werden [6, 7]. Krampfanfälle sind in den Packungsbeilagen von Methylphenidat, Atomoxetin und Guanfacin aufgeführt, bei Lisdexamfetamin ohne bekannte Häufigkeit [1, 3, 6, 9]. Unter Stimulanzien wurde über verschwommenes Sehen berichtet; Methylphenidat wurde außerdem mit einem erhöhten Augeninnendruck in Verbindung gebracht [2, 4]. Mehr unter Leberwerte und Sehstörungen.

Wichtige Wechselwirkungen

Vater um die vierzig mit kurzem blondem Haar und Mutter mit braunem Haar sitzen in einem hellen Sprechzimmer einer Ärztin gegenüber und hören aufmerksam zu
Bild: KI-generiert
Wichtige Wechselwirkungen von ADHS-Medikamenten (Auswahl)
Zusammen mitWas passieren kann
MAO-Hemmer (bestimmte Mittel gegen Depressionen), auch in den letzten 14 Tagen (bei Methylphenidat, Lisdexamfetamin, Atomoxetin)Plötzlicher Blutdruckanstieg bzw. schwerwiegende, möglicherweise lebensgefährliche Nebenwirkungen; die Kombination ist eine Gegenanzeige [1, 3, 6]
Mittel, die auf Serotonin wirken, z. B. Antidepressiva (SSRI, SNRI, trizyklische), Tramadol, Triptane (bei Methylphenidat, Lisdexamfetamin, Atomoxetin)Serotonin-Syndrom möglich, ein möglicherweise lebensbedrohlicher Zustand [1, 4, 6]
Blutdrucksenkende MittelBei Methylphenidat, Lisdexamfetamin und Atomoxetin kann ihre Wirkung abgeschwächt werden; bei Guanfacin kann sich die Blutdrucksenkung verstärken, Ohnmacht ist möglich [2, 4, 7, 8]
Mittel, die den Blutdruck erhöhen, auch bestimmte Husten- und Erkältungsmittel (bei Methylphenidat, Lisdexamfetamin, Atomoxetin)Zusätzliche Blutdruckerhöhung möglich; beim Kauf in der Apotheke nachfragen [1, 2, 3, 6]
AlkoholUnter Methylphenidat und Guanfacin laut Packungsbeilage keinen Alkohol trinken; bei Lisdexamfetamin liegen laut Fachinformation begrenzte Daten zu möglichen Wechselwirkungen vor [1, 4, 9]
Dämpfende Mittel wie Beruhigungs- und Schlafmittel, Benzodiazepine, Antipsychotika (bei Guanfacin)Verstärkte Beruhigung und Schläfrigkeit [8, 9]
Mittel, die das QT-Intervall im EKG verlängern (bei Atomoxetin, Guanfacin)Höheres Risiko für Herzrhythmusstörungen; bei Guanfacin wird die gleichzeitige Anwendung generell nicht empfohlen [6, 8]
Fluoxetin, Paroxetin und andere Hemmstoffe des Enzyms CYP2D6 (bei Atomoxetin)Atomoxetin bleibt länger und in höherer Konzentration im Körper [6, 7]
Ketoconazol, Clarithromycin, Grapefruitsaft und andere Hemmstoffe von CYP3A4; Carbamazepin, Rifampicin, Johanniskraut (bei Guanfacin)Mehr bzw. weniger Guanfacin im Blut; keinen Grapefruitsaft trinken [8, 9]
Clonidin (bei Methylphenidat)Schwerwiegende Nebenwirkungen einschließlich plötzlicher Todesfälle wurden berichtet [2]
Bestimmte Narkosemittel (bei Methylphenidat)Plötzlicher Anstieg von Blutdruck und Herzfrequenz während der Operation möglich; geplante Operationen der Ärztin oder dem Arzt mitteilen [1, 2]

Die Liste ist nicht vollständig. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, bevor Sie ein neues Mittel dazunehmen, auch ein rezeptfreies. Mehr im Ratgeber Wechselwirkungen; den Überblick behalten Sie mit dem Medikationsplan.

Wann ADHS-Medikamente nicht oder nur mit Vorsicht angewendet werden

Die Gegenanzeigen unterscheiden sich je nach Wirkstoff; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Die Produktinformationen nennen unter anderem [1, 3, 6, 8]:

  • Methylphenidat: Herzerkrankungen und angeborene Herzfehler, sehr hoher Blutdruck, Probleme mit den Blutgefäßen im Gehirn, Schilddrüsenprobleme, erhöhter Augeninnendruck (Glaukom), ein Tumor der Nebenniere (Phäochromozytom), eine Essstörung ohne Hungergefühl wie Magersucht (Anorexia nervosa) sowie bestimmte psychiatrische Erkrankungen wie Schizophrenie, schwere Depression, Suizidgedanken oder Manie [1].
  • Lisdexamfetamin: Herzprobleme, auch in der Vorgeschichte, hoher Blutdruck oder eine Verengung der Blutgefäße, Schilddrüsenüberfunktion, Glaukom sowie ungewöhnliche Erregung, übermäßige Aktivität oder Enthemmung [3].
  • Atomoxetin: schwerwiegende Herzprobleme, die sich durch einen schnelleren Herzschlag oder höheren Blutdruck verschlechtern könnten, schwerwiegende Probleme mit den Blutgefäßen im Gehirn, Engwinkelglaukom und Phäochromozytom [6].
  • Guanfacin: Gegenanzeige ist nur eine Allergie gegen den Wirkstoff oder einen Bestandteil; Vorsicht ist laut Fachinformation unter anderem bei niedrigem Blutdruck, langsamem Herzschlag, Herzblock, Ohnmachten in der Vorgeschichte und QT-Verlängerung geboten [8].

Vorsicht gilt außerdem unter anderem bei Krampfanfällen in der Vorgeschichte und bei Tics (Methylphenidat, Lisdexamfetamin, Atomoxetin) sowie bei einer bipolaren Störung und bei Missbrauch oder Abhängigkeit in der Vorgeschichte (Methylphenidat, Lisdexamfetamin) [1, 3, 6]. Bei Dopingkontrollen und Drogentests können Methylphenidat und Lisdexamfetamin zu positiven Ergebnissen führen [1, 3]. Trifft ein Punkt auf Sie oder Ihr Kind zu, besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Schwangerschaft und Stillzeit

Für Methylphenidat und Lisdexamfetamin schreibt das Beratungszentrum Embryotox der Charité, dass die Verordnung in der Schwangerschaft kritisch geprüft werden sollte; führt das Absetzen zu einer eindeutigen und alltagsrelevanten Verschlechterung der ADHS, ist die Anwendung in allen Phasen der Schwangerschaft akzeptabel [10, 11]. Bei Atomoxetin hält Embryotox die Anwendung bei eindeutiger Behandlungsnotwendigkeit in allen Phasen für akzeptabel [12]. Nach Einnahme bis zur Geburt ist laut Embryotox mit Anpassungsstörungen beim Neugeborenen zu rechnen bzw. können sie auftreten; die Entbindung sollte deshalb in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin erfolgen [10, 11, 12]. Für Methylphenidat lässt sich laut Embryotox ein gering erhöhtes Risiko für Fehlbildungen des Herzens nicht ausschließen [10].

Laut den Packungsbeilagen darf Lisdexamfetamin in der Schwangerschaft nur nach ausdrücklicher ärztlicher Anweisung angewendet werden; die Daten zeigen dort ein erhöhtes Risiko für eine Präeklampsie (Bluthochdruck mit Eiweiß im Urin) und eine Frühgeburt [3]. Atomoxetin dürfen Sie in der Schwangerschaft nur anwenden, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt ausdrücklich dazu rät; Guanfacin sollten Sie nicht einnehmen, wenn Sie schwanger sind oder nicht verhüten [6, 9]. Bei Methylphenidat entscheidet die Ärztin oder der Arzt und bespricht mit Ihnen die Empfängnisverhütung [1].

In der Stillzeit dürfen Sie unter Lisdexamfetamin laut Packungsbeilage nicht stillen; unter Atomoxetin müssen Sie laut Packungsbeilage entweder auf die Einnahme verzichten oder abstillen [3, 6]. Unter Guanfacin sollten Sie nicht stillen, es sei denn, Ihre Ärztin oder Ihr Arzt hat es ausdrücklich gestattet [9]. Bei Methylphenidat entscheidet die Ärztin oder der Arzt; Embryotox hält Stillen bei alleiniger Behandlung und guter Beobachtung des Kindes unter Vorbehalt für akzeptabel, besonders auf eine regelrechte Gewichtszunahme sollte geachtet werden [1, 10]. Mehr in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.

Absetzen und Behandlungspausen

Nach einem plötzlichen Abbruch von Methylphenidat können die ADHS-Beschwerden zurückkehren oder unerwünschte Wirkungen wie eine Depression auftreten; laut Fachinformation ist beim Absetzen eine sorgfältige Überwachung nötig [1, 2]. Auch Lisdexamfetamin soll nicht ohne Rücksprache und nicht eigenmächtig abrupt abgebrochen werden [3]. Nach dem Absetzen von Guanfacin können Blutdruck und Puls ansteigen; nach abruptem Absetzen wurde in sehr seltenen Fällen eine schwerwiegende Blutdruckerhöhung mit Beteiligung des Gehirns (hypertensive Enzephalopathie) beschrieben, deshalb verringert die Ärztin oder der Arzt die Dosis langsam [8, 9]. Bei Atomoxetin wurden in Studien keine ausgeprägten Entzugserscheinungen beschrieben, die Beschwerden können aber zurückkehren [6, 7].

Laut den Produktinformationen von Atomoxetin und Lisdexamfetamin sollen die Mittel nicht zeitlich unbegrenzt eingenommen werden [3, 7]. Nach mehr als einem Jahr sehen die Produktinformationen vor, die Notwendigkeit zu überprüfen, bei Methylphenidat, Lisdexamfetamin und Guanfacin etwa durch eine kurze Behandlungspause, zum Beispiel in den Schulferien [1, 3, 7, 9]. Nach dem IQWiG sollten Eltern bei Nebenwirkungen mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen und das Medikament nicht einfach weglassen [16]. Mehr im Ratgeber Medikamente absetzen.

Unterschied zu Antidepressiva

Zur Abgrenzung von den Antidepressiva: Atomoxetin hemmt die Wiederaufnahme des Botenstoffs Noradrenalin, ist laut Fachinformation aber nicht zur Behandlung von Depressionen oder Angststörungen zugelassen [7]. Beide Gruppen dürfen teils nicht kombiniert werden: MAO-Hemmer sind bei Methylphenidat, Lisdexamfetamin und Atomoxetin eine Gegenanzeige, und mit serotonergen Antidepressiva ist ein Serotonin-Syndrom möglich [1, 3, 4, 6]. Welche Mittel zusammen eingenommen werden können, klärt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm® 18 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 12.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm® Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 12.10.2026
  3. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Lisdexamfetamin-ratiopharm 20 mg bis 70 mg Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 12.10.2026
  4. Fachinformation Fachinformation Lisdexamfetamin-ratiopharm Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 12.10.2026
  5. Checkliste zur sicheren Anwendung für Patientinnen/Patienten und Betreuungspersonen, Lisdexamfetamin (behördlich beauflagtes Schulungsmaterial, mit dem BfArM abgestimmt). ratiopharm GmbH. Stand 06/2024. abgerufen am 12.10.2026
  6. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Atomoxetin-ratiopharm® 10 mg/18 mg/25 mg/40 mg/60 mg/80 mg Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 12.10.2026
  7. Fachinformation Fachinformation Atomoxetin-ratiopharm® Hartkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 12.10.2026
  8. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Intuniv (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation), und Anhang II. Takeda Pharmaceuticals International AG Ireland Branch (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2026. abgerufen am 18.10.2026
  9. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Intuniv (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilage Intuniv 1 mg/2 mg/3 mg/4 mg Retardtabletten. Takeda Pharmaceuticals International AG Ireland Branch (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2026. abgerufen am 18.10.2026
  10. Embryotox Embryotox: Methylphenidat. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  11. Embryotox Embryotox: Lisdexamfetamin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  12. Embryotox Embryotox: Atomoxetin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  13. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Wichtige sicherheitsrelevante Information zu Strattera® (Atomoxetin) und des Risikos eines Blutdruck- und Herzfrequenzanstiegs. Lilly Deutschland GmbH in Übereinstimmung mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 07.12.2011. abgerufen am 12.10.2026
  14. Behörde Methylphenidate, Article 31 referral (Überprüfung der Sicherheit methylphenidathaltiger Arzneimittel, EMEA/658285/2008). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA), Ausschuss für Humanarzneimittel (CHMP). Stand CHMP-Gutachten 22.01.2009, Entscheidung der Europäischen Kommission 27.05.2009. abgerufen am 12.10.2026
  15. Behörde Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage III (verkehrsfähige und verschreibungsfähige Betäubungsmittel), Einträge Lisdexamfetamin und Methylphenidat. Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand ohne Datumsangabe auf der Einzelnormseite. abgerufen am 12.10.2026
  16. Was kann Kindern und Jugendlichen mit ADHS helfen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 04.05.2022. abgerufen am 12.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente gibt es gegen ADHS?

Auf dieser Website sind Methylphenidat, Lisdexamfetamin, Atomoxetin und Guanfacin beschrieben; das IQWiG nennt außerdem Dexamfetamin. Methylphenidat und Lisdexamfetamin sind Stimulanzien und Betäubungsmittel, Atomoxetin und Guanfacin gehören nicht zu den Stimulanzien. Welche Voraussetzungen für welchen Wirkstoff gelten, steht in der jeweiligen Fachinformation.

Welche Nebenwirkungen haben ADHS-Medikamente?

Das hängt vom Wirkstoff ab. Zu den in den Packungsbeilagen als häufig oder sehr häufig eingestuften Nebenwirkungen gehören unter anderem verminderter Appetit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen sowie Veränderungen von Blutdruck und Puls. Guanfacin macht sehr häufig schläfrig und kann Blutdruck und Puls senken. Dazu kommen mögliche Veränderungen von Stimmung und Verhalten; Suizidgedanken sind unter anderem bei Atomoxetin und Methylphenidat beschrieben.

Machen ADHS-Medikamente abhängig?

Stimulanzien wie Methylphenidat und Lisdexamfetamin haben laut Fachinformation ein Potenzial für Missbrauch und Abhängigkeit. Ein chronischer Missbrauch von Methylphenidat kann zu Toleranz und psychischer Abhängigkeit führen. Sie sind Betäubungsmittel und dürfen nicht an andere weitergegeben werden. Atomoxetin hat laut Packungsbeilage kein Suchtpotenzial.

Beeinflussen ADHS-Medikamente das Wachstum?

Das ist möglich. Stimulanzien wurden bei Kindern und Jugendlichen mit einer verlangsamten Gewichtszunahme und einer geringeren endgültigen Körpergröße in Verbindung gebracht; bei Methylphenidat ist eine Wachstumsverzögerung nach mehr als einem Jahr als häufig eingestuft. Körpergröße, Gewicht und Appetit werden deshalb regelmäßig ärztlich kontrolliert.

Warum wird vor der Behandlung das Herz untersucht?

Stimulanzien und Atomoxetin können Blutdruck und Puls erhöhen, und unter Stimulanzien wurde über plötzliche Todesfälle berichtet, darunter bei Menschen mit schweren Herzerkrankungen. Deshalb fragt die Ärztin oder der Arzt nach Herzerkrankungen, auch in der Familie, und kontrolliert Blutdruck und Puls vor und während der Behandlung. Guanfacin kann dagegen Blutdruck und Puls senken.

Darf ich ADHS-Medikamente einfach absetzen?

Nein. Nach einem plötzlichen Abbruch von Methylphenidat können die Beschwerden zurückkehren oder eine Depression auftreten, nach dem Absetzen von Guanfacin können Blutdruck und Puls ansteigen. Setzen Sie das Mittel nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nach mehr als einem Jahr wird laut Produktinformationen geprüft, ob die Behandlung noch nötig ist.

Darf ich mit ADHS-Medikamenten Auto fahren?

Das hängt vom Wirkstoff und von Ihrem Befinden ab. Methylphenidat und Lisdexamfetamin können Schwindel oder verschwommenes Sehen verursachen, Atomoxetin kann müde oder benommen machen, und Guanfacin hat laut Fachinformation einen mäßigen bis großen Einfluss auf die Verkehrstüchtigkeit. Klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, ob Sie fahren können.

Darf ich ADHS-Medikamente in der Schwangerschaft nehmen?

Das entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut Embryotox sollte die Verordnung von Methylphenidat und Lisdexamfetamin in der Schwangerschaft kritisch geprüft werden; führt das Absetzen zu einer eindeutigen Verschlechterung der ADHS, ist die Anwendung in allen Phasen akzeptabel. Nach Einnahme bis zur Geburt sollte die Entbindung in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin erfolgen.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu