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Aggressivität und Persönlichkeitsveränderung durch Medikamente
Die Produktinformationen mancher Medikamente nennen Gereiztheit, Wut, Feindseligkeit und aggressives Verhalten als Nebenwirkung, zum Beispiel beim Antiepileptikum Levetiracetam, bei ADHS-Mitteln wie Methylphenidat, Lisdexamfetamin und Atomoxetin, bei Montelukast, Isotretinoin und Glucocorticoiden wie Prednisolon. Beruhigungsmittel wie Lorazepam können sogenannte paradoxe Reaktionen mit Erregung und aggressivem Verhalten auslösen. Weil Betroffene solche Veränderungen nicht immer selbst bemerken, rät zum Beispiel die Packungsbeilage von Isotretinoin, Familie und Freunden von der Behandlung zu erzählen. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt darüber. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Manche Medikamente können Stimmung und Verhalten verändern. Die Produktinformationen nennen als mögliche Nebenwirkungen unter anderem Gereiztheit (Reizbarkeit), Wut, Feindseligkeit und aggressives Verhalten, bei einigen Wirkstoffen auch Veränderungen der Persönlichkeit [1, 2, 5]. Die Fachinformation von Atomoxetin beschreibt Feindseligkeit als vorwiegend Aggressivität, oppositionelles Verhalten und Wut [5]. Bei Beruhigungsmitteln wie Lorazepam können solche Reaktionen als sogenannte paradoxe Reaktionen auftreten, zum Beispiel mit Angst, Erregungszuständen, Ruhelosigkeit und aggressivem Verhalten [13, 14].
Welche Medikamente Aggressivität auslösen können
Die Beispiele stammen aus den Fach- und Gebrauchsinformationen einzelner Wirkstoffe und aus einem Rote-Hand-Brief. Jede Häufigkeitsangabe gilt nur für den Wirkstoff, bei dem sie steht [1, 2, 6, 8, 12].
- Antiepileptika: Levetiracetam kann laut Fachinformation zu psychotischen Symptomen und Verhaltensauffälligkeiten einschließlich Reizbarkeit und Aggressivität führen [1]. In der Packungsbeilage sind Feindseligkeit oder Aggression, Nervosität und Reizbarkeit als häufig eingestuft (bis zu 1 von 10 Behandelten), Wut als gelegentlich (bis zu 1 von 100) [1]. Nebenwirkungen, die Verhalten und Psyche betreffen, traten in Studien bei Kindern häufiger auf als bei Erwachsenen: Bei Kindern und Jugendlichen von 4 bis 16 Jahren wurde Aggression bei 8,2 Prozent beobachtet, bei Säuglingen und Kindern von 1 Monat bis unter 4 Jahren Reizbarkeit bei 11,7 Prozent [1].
- ADHS-Medikamente: Laut Fachinformation von Methylphenidat kann die Behandlung mit Stimulanzien aggressives Verhalten oder Feindseligkeit hervorrufen oder verschlimmern; in der Packungsbeilage ist Aggressivität als häufig eingestuft [2, 3]. Auch die Fachinformation von Lisdexamfetamin hält fest, dass Stimulanzien aggressives oder feindseliges Verhalten hervorrufen können [4]. Unter Atomoxetin wurde Feindseligkeit in klinischen Studien bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen häufiger beobachtet als unter einem Scheinmedikament (Placebo); bei Kindern und Jugendlichen wurden auch schwerwiegende Fälle berichtet, darunter körperliche Übergriffe, bedrohliches Verhalten und Gedanken, anderen Schaden zuzufügen [5].
- Montelukast (Mittel gegen Asthma): Nach der Einnahme wurden bei Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern neuropsychiatrische Ereignisse berichtet, etwa Verhaltensänderungen, Depressionen und Suizidalität; laut Fachinformation können die Beschwerden schwerwiegend sein und anhalten, wenn die Behandlung nicht abgesetzt wird [7]. Die Packungsbeilage nennt Erregbarkeit einschließlich aggressiven oder feindseligen Verhaltens als gelegentliche Nebenwirkung (bis zu 1 von 100 Behandelten) [6]. Mehr zur Gruppe: Asthma- und COPD-Mittel.
- Isotretinoin (Mittel gegen schwere Akne): Laut Fachinformation wurde bei Behandelten über Depressionen, Angst, Aggressivität, Stimmungsschwankungen und psychotische Symptome berichtet [9]. Die Packungsbeilage stuft eine Neigung zu Gewalttätigkeit oder Aggressivität als selten ein (bis zu 1 von 1.000 Behandelten) [8]. Ein Rote-Hand-Brief vom 3. September 2019 zu Retinoiden bat Ärztinnen, Ärzte und Apotheken, Patientinnen und Patienten, die orale Retinoide einnehmen, darauf hinzuweisen, dass sie Veränderungen ihrer Stimmung oder ihres Verhaltens entwickeln könnten; Betroffene und Angehörige sollten darauf achten und dann mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt sprechen [10]. Einen eindeutigen Anstieg des Risikos für psychiatrische Erkrankungen konnten die ausgewerteten Daten laut Rote-Hand-Brief nicht nachweisen [10].
- Antidepressiva: Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren wurden suizidale Verhaltensweisen und Feindseligkeit (vorwiegend Aggressivität, oppositionelles Verhalten und Wut) in klinischen Studien unter Antidepressiva häufiger beobachtet als unter Placebo, so die Fachinformation von Fluoxetin [11]. In der Fachinformation von Amitriptylin ist Aggression als sehr häufig eingestuft (mehr als 1 von 10 Behandelten) [12].
- Beruhigungs- und Schlafmittel: Bei der Anwendung von Benzodiazepinen wurde laut Fachinformation von Lorazepam über paradoxe Reaktionen berichtet; mit ihnen ist insbesondere bei Kindern und älteren Menschen zu rechnen [13]. Die Packungsbeilage nennt als Beispiele Angst, Erregungszustände, Ruhelosigkeit, aggressives Verhalten (Feindseligkeit, Aggression, Wut), Schlafstörungen und Trugbilder (Halluzinationen) [14].
- Glucocorticoide ("Kortison"): Die Packungsbeilage von Prednisolon nennt bei Behandlung mit höheren Dosierungen unter anderem Depressionen, Gereiztheit, Euphorie, Antriebssteigerung, Psychosen, Stimmungslabilität und Angstgefühle [15]. Diese Nebenwirkungen hängen laut Packungsbeilage sehr stark von Dosis und Behandlungsdauer ab; eine Häufigkeit gibt sie deshalb nicht an [15].
Die Tabelle zeigt die Wirkstoffe, deren Produktinformation Aggressivität, Reizbarkeit, Wut oder Feindseligkeit nennt:
| Wirkstoff | Häufigkeit | Angabe in der Produktinformation |
|---|---|---|
| Amitriptylin | Sehr häufig | Aggression |
| Alprazolam | Häufig | Reizbarkeit · Wutanfälle, aggressives Verhalten, feindseliges Verhalten |
| Atomoxetin | Häufig | Aggressivität, Wut und Feindseligkeit · Bei Kindern und Jugendlichen: Reizbarkeit oder Unruhe · Bei Erwachsenen: Unruhe, Gefühl von Nervosität und Gereiztheit |
| Brivaracetam | Häufig | Depression, Angst, Schlaflosigkeit (Insomnie), Reizbarkeit · Ungewöhnliche Gedanken und/oder Realitätsverlust (psychotische Störungen), Aggressivität, Erregtheit (Agitiertheit) |
| Diclofenac | Häufig | Zentralnervöse Störungen wie Kopfschmerzen, Schwindel, Benommenheit, Erregung, Reizbarkeit oder Müdigkeit |
| Dienogest | Häufig | Schwäche (asthenischer Zustand), Reizbarkeit |
| Donepezil | Häufig | Erregungszustände und aggressives Verhalten |
| Gabapentin | Häufig | Feindseligkeit gegenüber anderen, Verwirrtheit, Stimmungsschwankungen, Depressionen, Angst, Nervosität, Denkstörungen · Bei Kindern (in klinischen Studien): aggressives Verhalten und ruckartige Bewegungen (Hyperkinesie) |
| Guanfacin | Häufig | Ruhelosigkeit oder Reizbarkeit · Aufgeregtheit (laut Fachinformation Agitiertheit) und Aggression |
| Lacosamid | Häufig | Müdigkeit, Schwächegefühl (Asthenie), Gefühl der Betrunkenheit, Reizbarkeit · Zorn und Erregtheit (Aggression, Agitation) |
| Lamotrigin | Häufig | Aggressivität oder Reizbarkeit |
| Levetiracetam | Häufig | Bei Säuglingen und Kindern im Alter von 1 Monat bis unter 4 Jahren: Reizbarkeit · Depression, Feindseligkeit oder Aggression, Angst, Schlaflosigkeit, Nervosität oder Reizbarkeit · Bei Kindern und Jugendlichen von 4 bis… |
| Lisdexamfetamin | Häufig | Gefühl der Erregung, Zerfahrenheit oder "Hippeligkeit", Angst, Depression, Aggressivität, Reizbarkeit oder Stimmungsschwankungen · Aggressivität (bei Erwachsenen) |
| Methylphenidat | Häufig | Aggressivität, Erregtheit, Ängstlichkeit, Reizbarkeit, Angespanntheit, anomales Verhalten · Zorn, Ruhelosigkeit, Traurigkeit, übermäßiger Rededrang, übermäßige Wahrnehmung der Umgebung |
| Naproxen | Häufig | Schlaflosigkeit, Erregung, Reizbarkeit, Müdigkeit |
| Paliperidon | Häufig | Reizbarkeit (laut Fachinformation Agitiertheit), Depression, Angst |
| Pregabalin | Häufig | Euphorie, Verwirrtheit, Desorientierung, Reizbarkeit · Aggression |
| Quetiapin | Häufig | Gereiztheit (Reizbarkeit) |
| Risperidon | Häufig | Schlafstörungen, Reizbarkeit, Depression, Angst, innere Unruhe |
| Rituximab | Häufig | Bei Pemphigus vulgaris: Stimmungsschwankungen, darunter Reizbarkeit und Depression |
| Testosteron | Häufig | Störungen der Stimmungslage; emotionale Beschwerden (Stimmungsschwankungen, affektive Störungen, Wut, Aggression, Ungeduld, Schlaflosigkeit, abnorme Träume, gesteigerte Libido) · Nervosität, Depression, Feindseligkeit |
| Topiramat | Häufig | Angst, Gereiztheit, Stimmungsschwankungen, Verwirrtheit und Orientierungslosigkeit · Aggression, Agitiertheit, Wut und ungewöhnliches Verhalten |
| Valproinsäure | Häufig | Aggression, Unruhe (Agitiertheit), Aufmerksamkeitsstörung, besonders bei Kindern · Gereiztheit |
| Agomelatin | Gelegentlich | Unruhe, Gereiztheit und Ruhelosigkeit (Agitiertheit) · Aggressives Verhalten |
| Budesonid/Formoterol | Gelegentlich | Gefühl von Ruhelosigkeit, Nervosität, Aufregung, Ängstlichkeit oder Wut; laut Fachinformation Aggression, psychomotorische Hyperaktivität und Angst |
| Citalopram | Gelegentlich | Aggression |
| Etonogestrel/Ethinylestradiol (Vaginalring) | Gelegentlich | Müdigkeit, Unwohlsein, Reizbarkeit |
| Infliximab | Gelegentlich | Vergesslichkeit, Gereiztheit, Verwirrung, Nervosität; laut Fachinformation auch Schläfrigkeit (Somnolenz) |
| Letrozol | Gelegentlich | Störungen des Nervensystems wie Angst, Nervosität, Reizbarkeit, Benommenheit, Gedächtnisstörungen, Schläfrigkeit oder Schlaflosigkeit |
| Melatonin | Gelegentlich | Reizbarkeit, Nervosität, Rastlosigkeit, Angst · Aggression, krankhafte Unruhe (Agitiertheit), Stresssymptome |
| Montelukast | Gelegentlich | Verhaltensänderungen und Stimmungsschwankungen: Erregbarkeit einschließlich aggressiven oder feindseligen Verhaltens, Depression · Verhaltensänderungen und Stimmungsschwankungen: abnorme Träume einschließlich… |
| Rivastigmin | Gelegentlich | Aggression |
| Sertralin | Gelegentlich | Aggressivität |
| Tapentadol | Gelegentlich | Arzneimittelentzugssyndrom, Störungen des Allgemeinbefindens, Reizbarkeit |
| Zolpidem | Gelegentlich | Verwirrtheit, Reizbarkeit · Gefühl intensiver Hochstimmung oder Zuversicht (Euphorie), Unruhe oder Wut · Arzneimittelwirkung, die dem Erwarteten entgegengesetzt ist (paradoxe Reaktion), unnormales Verhalten, mentale… |
| Brinzolamid | Selten | Brustkorbschmerz, Gefühl der Zerfahrenheit, Reizbarkeit und körperliche Schwäche (Asthenie) |
| Carbamazepin | Selten | Sinnestäuschungen (optische und akustische Halluzinationen), Depression, depressive oder manische Verstimmungen, Ruhelosigkeit, aggressives Verhalten; laut Packungsbeilage auch Verwirrtheit und Unruhe |
| Cetirizin | Selten | Depression, Halluzinationen, Aggression, Verwirrtheit, Schlaflosigkeit |
| Dienogest/Ethinylestradiol | Selten | Depressionen, psychische Störungen, Schlaflosigkeit, Schlafstörungen, Aggressionen · Schmerzen im Brustkorb, Flüssigkeitsansammlungen im Körper (periphere Ödeme), grippeähnliche Beschwerden, Entzündungen, Fieber,… |
| Duloxetin | Selten | Aggression und Wut, besonders zu Beginn oder nach dem Absetzen der Behandlung berichtet |
| Escitalopram | Selten | Aggression, Gefühl der Selbstentfremdung (Depersonalisation) und Halluzinationen |
| Fluoxetin | Selten | Bei Kindern und Jugendlichen (8 bis 18 Jahre): suizidales Verhalten (Selbstmordversuche oder Gedanken, sich das Leben zu nehmen), Feindseligkeit, Manie und Nasenbluten · Untypisches wildes Verhalten (laut… |
| Isotretinoin | Selten | Neigung zu Gewalttätigkeit oder Aggressivität |
| Mirtazapin | Selten | Aggressivität |
| Prednison | Selten | Depressionen (Traurigkeit), Gereiztheit, Glücksgefühle, die nicht der Realität entsprechen (Euphorie), und erhöhter Antrieb |
| Salmeterol/Fluticason | Selten | Verhaltensänderungen wie Überaktivität (psychomotorische Hyperaktivität) und Reizbarkeit, in erster Linie bei Kindern · Depressionen oder Aggression, in erster Linie bei Kindern |
| Sildenafil | Selten | Reizbarkeit |
| Zopiclon | Selten | Unruhe, Verwirrtheit, Reizbarkeit, Aggressivität, Wut, Sinnestäuschungen (Halluzinationen), Psychosen (z. B. Wahnvorstellungen), unnormales Verhalten, möglicherweise mit Gedächtnisstörung, und andere Verhaltensstörungen |
| Bupropion | Sehr selten | Unruhegefühl, Gereiztheit, Feindseligkeit, Aggressivität, seltsame Träume einschließlich Albträumen |
| Esomeprazol | Sehr selten | Aggressivität |
| Midazolam | Sehr selten | Wirkungsumkehr (paradoxe Reaktionen), vor allem bei Kindern und älteren Menschen: Erregung, unwillkürliche Bewegungen einschließlich Muskelkrämpfen und Muskelzittern, übersteigerte Aktivität, Feindseligkeit,… |
| Omeprazol | Sehr selten | Aggressivität |
| Aripiprazol | Nicht bekannt | Aggressivität, gesteigerte Unruhe, Nervosität |
| Azithromycin | Nicht bekannt | Aggression, Angstgefühle und Besorgnis, akuter Verwirrtheitszustand (Delirium) |
| Beclometason | Nicht bekannt | Unruhe (psychomotorische Hyperaktivität), Schlafstörungen, Angstzustände, Depressionen, Aggressivität, Verhaltensänderungen (insbesondere bei Kindern) |
| Beclometason/Formoterol | Nicht bekannt | Schlafprobleme, Depressionen oder ein Gefühl der Besorgtheit, Ruhelosigkeit, Nervosität, Übererregung oder Reizbarkeit, eher bei Kindern; laut Fachinformation auch Aggression und Verhaltensänderungen |
| Budesonid | Nicht bekannt | Schlafstörungen, Aggressivität, gesteigerte motorische Aktivität (Schwierigkeit, ruhig zu bleiben) und Reizbarkeit, eher bei Kindern |
| Desloratadin | Nicht bekannt | Anomales Verhalten, Aggression · Bei Kindern: anomales Verhalten, Aggression |
| Dexamethason | Nicht bekannt | Depressionen, Gereiztheit, Euphorie und Antriebssteigerung |
| Diazepam | Nicht bekannt | Sinnestäuschungen (Halluzinationen) und eine Wirkungsumkehr ("paradoxe Reaktionen") wie Erregbarkeit, Reizbarkeit, aggressives Verhalten, Unruhe, Nervosität, Feindseligkeit, Angstzustände, Schlafstörungen, Albträume… |
| Levocetirizin | Nicht bekannt | Aggressives oder erregtes Verhalten |
| Lorazepam | Nicht bekannt | Paradoxe Reaktionen, also Wirkungen entgegen der erwarteten Beruhigung, zum Beispiel Angst, Erregungszustände, Ruhelosigkeit, aggressives Verhalten (Feindseligkeit, Aggression, Wut), Schlafstörungen oder… |
| Oxazepam | Nicht bekannt | Sogenannte paradoxe Arzneimittelreaktion, etwa erhöhte Aggression, akute Wutanfälle, Angst, suizidale Neigungen, Muskelkrämpfe und Schlafstörungen |
| Oxycodon | Nicht bekannt | Aggressivität |
| Paroxetin | Nicht bekannt | Aggression |
| Prednisolon | Nicht bekannt | Depressionen, Gereiztheit, Euphorie und Antriebssteigerung |
| Promethazin | Nicht bekannt | Aggressivität |
| Ropinirol | Nicht bekannt | Aggressives Verhalten · Phasen der Überaktivität, Euphorie oder Reizbarkeit (laut Fachinformation Manie) |
| Trazodon | Nicht bekannt | Wahn, aggressive Reaktion, Halluzinationen |
| Venlafaxin | Nicht bekannt | Aggression |
Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (70 von 358). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Aggressivität und Reizbarkeit als mögliches Zeichen einer anderen Nebenwirkung (3 Wirkstoffe)
Bei diesen Wirkstoffen nennt die Produktinformation die Beschwerde als mögliches Anzeichen einer anderen Nebenwirkung. Die angegebene Häufigkeit gilt für diese andere Nebenwirkung, nicht für die Beschwerde selbst; deshalb stehen sie nicht in der Tabelle oben.
| Wirkstoff | Angabe in der Produktinformation | Häufigkeit dieser Nebenwirkung |
|---|---|---|
| Carbamazepin | Hoher Ammoniakspiegel im Blut (Hyperammonämie), möglicherweise mit Reizbarkeit, Verwirrtheit, Erbrechen, Appetitlosigkeit und Schläfrigkeit | Nicht bekannt |
| Quetiapin | Absetzsymptome: Schlaflosigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen, Durchfall, Erbrechen, Schwindel, Gereiztheit | Sehr häufig |
| Tirzepatid | Niedriger Blutzucker (Hypoglykämie) bei Anwendung zusammen mit einem Sulfonylharnstoff und/oder Insulin; mögliche Symptome sind Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Schwäche, Schwindel, Hungergefühl, Verwirrtheit, Reizbarkeit, schneller Herzschlag und Schwitzen | Sehr häufig |
Woran Sie Aggressivität durch ein Medikament erkennen
Ein Hinweis ist der zeitliche Zusammenhang mit dem Beginn der Behandlung oder einer Änderung der Dosis. Laut Fachinformation von Atomoxetin sollen Familien und Betreuungspersonen behandelter Kinder und Jugendlicher sofort eine Ärztin oder einen Arzt benachrichtigen, wenn sich Stimmung oder Verhalten deutlich verändern, insbesondere nach Beginn der Behandlung oder nach einer Dosisänderung [5]. Unter Methylphenidat sollte auf aggressives Verhalten oder Feindseligkeit bei Behandlungsbeginn, bei jeder Dosisanpassung und danach mindestens alle 6 Monate und bei jeder Untersuchung geachtet werden [3].
Auch das Absetzen kann eine Rolle spielen. Nach abruptem Absetzen von Quetiapin wurden laut Fachinformation akute Absetzsymptome beschrieben, darunter Schlaflosigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen, Schwindel und Reizbarkeit; empfohlen wird ein ausschleichendes Absetzen über mindestens 1 bis 2 Wochen [16]. Mehr dazu: Medikamente, die abhängig machen und Medikamente absetzen.
Betroffene bemerken solche Veränderungen nicht immer selbst. Die Packungsbeilage von Isotretinoin rät deshalb, Freunden und Familie von der Behandlung zu erzählen; sie könnten Veränderungen der Stimmung und des Verhaltens bemerken und helfen, Probleme schnell zu erkennen [8]. Die Packungsbeilage von Levetiracetam bittet, Ärztin, Arzt oder Apotheke zu informieren, wenn ungewöhnliche Gedanken, Reizbarkeit oder aggressivere Reaktionen als gewöhnlich schwerwiegend sind oder länger als ein paar Tage anhalten oder wenn Familie und Freunde wesentliche Veränderungen der Stimmung oder des Verhaltens bemerken [1].
Schwierig ist die Zuordnung, wenn die behandelte Erkrankung selbst mit solchen Beschwerden einhergehen kann. Aggressives oder feindseliges Verhalten wird laut Fachinformation von Lisdexamfetamin bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS häufig beobachtet [4]. Menschen mit schweren Hauterkrankungen haben laut Rote-Hand-Brief zu Retinoiden an sich ein erhöhtes Risiko für psychiatrische Erkrankungen [10]. Ob ein Medikament die Ursache ist, kann deshalb nur die Ärztin oder der Arzt beurteilen. Was in Ihrer Packungsbeilage steht und wie die Häufigkeiten gemeint sind, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
Was Sie tun können

Nicht eigenmächtig absetzen. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Manche Mittel dürfen nicht abrupt beendet werden: Levetiracetam sollte laut Packungsbeilage schrittweise abgesetzt werden, damit die Anfälle nicht häufiger werden, und die Packungsbeilage von Prednisolon sagt, dass Sie die Behandlung auf keinen Fall selbst abbrechen sollen [1, 15]. Wird Methylphenidat plötzlich abgesetzt, können die ADHS-Beschwerden wieder auftreten oder unerwünschte Wirkungen wie eine Depression; die Ärztin oder der Arzt wird die Dosis eventuell allmählich verringern wollen [2].
Mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen. Was dann infrage kommt, hängt vom Wirkstoff und von Ihrer Situation ab. Bei Levetiracetam sollte laut Fachinformation eine Anpassung der Behandlung oder ein schrittweises Absetzen in Betracht gezogen werden, wenn solches Verhalten bemerkt wird [1]. Bei Methylphenidat sollte die Ärztin oder der Arzt bei Verhaltensänderungen klären, ob die Behandlung angepasst werden muss; dabei kann eine Erhöhung oder Verringerung der Dosis angebracht sein, auch eine Unterbrechung kann erwogen werden [3]. Bei Atomoxetin muss die Ärztin oder der Arzt abwägen, ob eine Dosisanpassung oder ein Absetzen erforderlich ist [5]. Bei Montelukast sollte die Behandlung laut Fachinformation abgebrochen werden, wenn neuropsychiatrische Beschwerden auftreten; eine Fortführung soll nur nach sorgfältiger Abwägung von Nutzen und Risiken durch die verschreibende Person erfolgen [7]. Bei Isotretinoin kann die Ärztin oder der Arzt das Absetzen anordnen; laut Packungsbeilage reicht das möglicherweise nicht aus, und Sie benötigen vielleicht weitere Hilfe [8].
Angehörige einbeziehen. Bei Montelukast sollen Patientinnen, Patienten und Betreuungspersonen laut Fachinformation auf neuropsychiatrische Ereignisse achten und die Ärztin oder den Arzt informieren, wenn Verhaltensänderungen auftreten [7]. Laut Fachinformation von Isotretinoin könnte eine Aufklärung von Familie oder Freunden helfen, eine Verschlechterung der psychischen Verfassung wahrzunehmen [9]. Bei Menschen mit Demenz empfiehlt gesund.bund.de pflegenden Angehörigen, nach aggressivem Verhalten im Nachhinein noch einmal über die Situation nachzudenken und nach einem Auslöser zu suchen, um ihn beim nächsten Mal zu vermeiden [19].
Nebenwirkung melden. Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; Sie können Nebenwirkungen auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [15]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Bei einigen Wirkstoffen nennt die Packungsbeilage ausdrücklich Warnzeichen, bei denen Sie sofort handeln sollen. Treten unter Lorazepam paradoxe Reaktionen wie Erregungszustände oder aggressives Verhalten auf, muss die Behandlung laut Packungsbeilage sofort beendet werden; informieren Sie umgehend Ihren Arzt und/oder wenden Sie sich an den medizinischen Notdienst [14]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Bei Methylphenidat gehören Stimmungsveränderungen, Stimmungsschwankungen oder Veränderungen der Persönlichkeit zu den Nebenwirkungen, bei denen Sie sich sofort an einen Arzt wenden sollen [2]. Bei Isotretinoin sollen Sie sofort Ihren Arzt kontaktieren, wenn Anzeichen psychischer Probleme auftreten, bei Montelukast umgehend bei Verhaltensänderungen wie aggressivem oder feindseligem Verhalten [6, 8]. Bei Prednisolon sollen Sie bei psychischen Verstimmungen sofort Ihren Arzt informieren [15].
Unter mehreren der genannten Mittel wurden auch Suizidgedanken und suizidales Verhalten berichtet, etwa unter Antiepileptika einschließlich Levetiracetam, unter Montelukast und unter Isotretinoin [1, 7, 9]. Suizidversuche aller Art nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung als Fall für die Notrufnummer 112; in lebensbedrohlichen Fällen alarmieren Sie den Rettungsdienst unter 112 [20]. Bei akuter Gefahr für sich selbst oder andere, zum Beispiel bei selbstverletzendem Verhalten bis hin zu Gedanken an Selbsttötung, kann laut IQWiG der Notruf 112 gewählt werden [22]. In seelischen Krisen ist die TelefonSeelsorge Tag und Nacht kostenlos und anonym erreichbar [21]. Mehr dazu: Depression durch Medikamente.
Andere Ursachen
Nicht jede Gereiztheit oder Aggressivität kommt von einem Medikament. Bei Menschen mit einer Demenz scheint es laut gesund.bund.de manchmal, als würden sie sich wie aus dem Nichts aggressiv verhalten. Bei Schwierigkeiten und Problemen reagieren Menschen mit Demenz häufig mit herausforderndem und aggressivem Verhalten; meist gibt es dafür Gründe, die sie nicht mehr in Worte fassen können, und Aggression ist oft Teil der Erkrankung [19]. Mehr dazu: Demenz und Alzheimer.
- Schilddrüsenüberfunktion: Zu den möglichen Beschwerden zählt das IQWiG Zittern, nervöse Unruhe, Gereiztheit und Schlaflosigkeit [18].
- Unterzuckerung: Reizbarkeit kann ein Anzeichen eines zu niedrigen Blutzuckers sein. Die Packungsbeilage von Tirzepatid nennt als Anzeichen einer Unterzuckerung, die bei Anwendung zusammen mit einem Sulfonylharnstoff oder Insulin auftreten kann, unter anderem Kopfschmerzen, Schläfrigkeit, Schwäche, Schwindel, Hungergefühl, Verwirrtheit, Reizbarkeit, schnellen Herzschlag und Schwitzen [17]. Mehr dazu: Medikamente, die den Blutzucker verändern.
- Die behandelte Erkrankung: Aggressives oder feindseliges Verhalten wird laut Fachinformation von Lisdexamfetamin bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS häufig beobachtet; Menschen mit schweren Hauterkrankungen haben laut Rote-Hand-Brief zu Retinoiden an sich ein erhöhtes Risiko für psychiatrische Erkrankungen [4, 10].
Quellen
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Keppra (Levetiracetam), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. UCB Pharma S.A. (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 04/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm 18 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Methylphenidat-HCl-ratiopharm Retardtabletten (Version 14). ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Lisdexamfetamin-ratiopharm Hartkapseln (Version 8). ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Atomoxetin-ratiopharm Hartkapseln (Version 4). ratiopharm GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Montelukast-ratiopharm 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Montelukast-ratiopharm 10 mg Filmtabletten (Version 5). ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Isotretinoin-ratiopharm 20 mg Weichkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Isotretinoin-ratiopharm Weichkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Retinoiden (Acitretin, Adapalen, Alitretinoin, Bexaroten, Isotretinoin, Tazaroten, Tretinoin): Aktualisierungen zu Teratogenität und neuropsychiatrischen Erkrankungen. Zulassungsinhaber in Abstimmung mit EMA und BfArM (veröffentlicht vom BfArM am 09.09.2019). Stand 03.09.2019. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Fluoxetin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Amitriptylin-CT Tabletten (25 mg und 75 mg). AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Predni H Tablinen 5 mg. Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Quetiapin-ratiopharm Retardtabletten (Version 10). ratiopharm GmbH. Stand 05/2024. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Mounjaro (Tirzepatid), Anhang III B: Packungsbeilage. Eli Lilly Nederland B.V. (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 09/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 24.04.2024. abgerufen am 12.10.2026
- Demenz: Empfehlungen für pflegende Angehörige (Pflege von Menschen mit Demenz). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (geprüft durch die Deutsche Alzheimer Gesellschaft). Stand 28.05.2024. abgerufen am 12.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- TelefonSeelsorge Deutschland, Startseite. TelefonSeelsorge Deutschland. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
- Psychische Probleme: Wo gibt es Hilfe? (Abschnitt "Wer hilft im Notfall?"). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 19.03.2025. abgerufen am 12.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente können aggressiv machen?
Die Produktinformationen nennen Gereiztheit, Wut, Feindseligkeit oder aggressives Verhalten zum Beispiel bei Levetiracetam, bei ADHS-Mitteln wie Methylphenidat, Lisdexamfetamin und Atomoxetin, bei Montelukast, Isotretinoin, Prednisolon und einzelnen Antidepressiva wie Amitriptylin. Bei Beruhigungsmitteln wie Lorazepam sind solche Reaktionen als paradoxe Reaktionen beschrieben. Die Tabelle auf dieser Seite zeigt alle Wirkstoffe mit geprüftem Steckbrief, deren Produktinformation solche Beschwerden nennt.
Können Beruhigungsmittel aggressiv machen?
Ja, das ist möglich. Bei Benzodiazepinen wurde laut Fach- und Gebrauchsinformation von Lorazepam über paradoxe Reaktionen berichtet, etwa Angst, Erregungszustände, Ruhelosigkeit und aggressives Verhalten. Mit ihnen ist besonders bei Kindern und älteren Menschen zu rechnen. Treten sie auf, muss die Behandlung mit Lorazepam laut Packungsbeilage sofort beendet werden, und Sie sollen umgehend Ihren Arzt informieren oder sich an den medizinischen Notdienst wenden. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe.
Können ADHS-Medikamente aggressiv machen?
Laut den Fachinformationen von Methylphenidat und Lisdexamfetamin können Stimulanzien aggressives oder feindseliges Verhalten hervorrufen. Bei Methylphenidat ist Aggressivität in der Packungsbeilage als häufig eingestuft. Unter Atomoxetin wurde Feindseligkeit in Studien häufiger beobachtet als unter Placebo. Zugleich wird aggressives oder feindseliges Verhalten laut Fachinformation bei Kindern und Jugendlichen mit ADHS häufig beobachtet. Fallen Ihnen Veränderungen auf, besonders nach Beginn der Behandlung oder einer Dosisänderung, sprechen Sie mit der Ärztin oder dem Arzt.
Kann Montelukast aggressiv machen?
Ja. Die Packungsbeilage nennt Verhaltensänderungen und Stimmungsschwankungen mit Erregbarkeit einschließlich aggressiven oder feindseligen Verhaltens als gelegentliche Nebenwirkung (bis zu 1 von 100 Behandelten). Sie zählt sie zu den schwerwiegenden Nebenwirkungen, bei denen Sie umgehend Ihren Arzt kontaktieren sollen. Laut Fachinformation können neuropsychiatrische Beschwerden schwerwiegend sein und anhalten, wenn die Behandlung nicht abgesetzt wird.
Was kann ich tun, wenn ein Angehöriger unter einem Medikament aggressiv wird?
Sprechen Sie zusammen mit der betroffenen Person mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt und schildern Sie, seit wann sich das Verhalten verändert hat und ob die Dosis geändert wurde. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Laut den Packungsbeilagen von Levetiracetam und Isotretinoin können auch Familie und Freunde Veränderungen der Stimmung oder des Verhaltens bemerken. Besteht akute Gefahr für die Person selbst oder für andere, kann laut IQWiG der Notruf 112 gewählt werden.
Kann Reizbarkeit beim Absetzen eines Medikaments auftreten?
Ja, bei manchen Mitteln. Nach abruptem Absetzen von Quetiapin wurden laut Fachinformation akute Absetzsymptome beschrieben, darunter Schlaflosigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen und Reizbarkeit. Auch Levetiracetam sollte laut Packungsbeilage schrittweise abgesetzt werden, damit die Anfälle nicht häufiger werden. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Wann ist Aggressivität durch Medikamente ein Notfall?
Bei akuter Gefahr für sich selbst oder andere, zum Beispiel bei selbstverletzendem Verhalten bis hin zu Gedanken an Selbsttötung, kann laut IQWiG der Notruf 112 gewählt werden. In lebensbedrohlichen Fällen alarmieren Sie den Rettungsdienst unter 112. Auch Suizidversuche aller Art nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung als Fall für die 112. Bei Gedanken, sich das Leben zu nehmen, ist auch die TelefonSeelsorge Tag und Nacht kostenfrei erreichbar, unter 0800 1110111, 0800 1110222 oder 116 123.
Kann Gereiztheit auch andere Ursachen haben?
Ja. Gereiztheit gehört laut IQWiG zum Beispiel zu den möglichen Beschwerden einer Schilddrüsenüberfunktion. Reizbarkeit kann auch ein Anzeichen einer Unterzuckerung sein, wie die Packungsbeilage von Tirzepatid für die Anwendung zusammen mit einem Sulfonylharnstoff oder Insulin beschreibt. Bei Menschen mit Demenz ist aggressives Verhalten laut gesund.bund.de oft Teil der Erkrankung.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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