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Mirtazapin: Nebenwirkungen und Wirkung

Mirtazapin ist ein verschreibungspflichtiges Antidepressivum zur Behandlung von Depressionen (Episoden einer Major Depression) bei Erwachsenen. Sehr häufig verursacht es verstärkten Appetit, Gewichtszunahme, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen und einen trockenen Mund. Bei Hochstimmung, Gelbfärbung der Haut, Fieber mit Halsschmerzen und Geschwüren im Mund oder bei Suizidgedanken holen Sie sofort ärztliche Hilfe.

Frau in den Vierzigern sitzt am Morgen mit einer Tasse Tee am Fenster und blickt nachdenklich hinaus
Bild: KI-generiert

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Sehr häufig: Verstärkter Appetit und Gewichtszunahme[1, 2]
  • Sehr häufig: Schläfrigkeit, Beruhigung (Sedierung)[1, 2]
  • Sehr häufig: Kopfschmerzen[1, 2]
  • Sehr häufig: Trockener Mund[1, 2]
  • Häufig: Lebhafte, ungewöhnliche Träume[1, 2]
  • Häufig: Verwirrtheit[1, 2]
  • Häufig: Angst[1, 2]
  • Häufig: Schlafstörungen (Schlaflosigkeit)[1, 2]
  • Häufig: Teilnahmslosigkeit (Lethargie)[1, 2]
  • Häufig: Schwindel[1, 2]
  • Häufig: Wackeligkeit oder Zittern (Tremor)[1, 2]
  • Häufig: Gedächtnisstörungen (Amnesie), die in den meisten Fällen nach Behandlungsende abklangen[1, 2]
  • Häufig: Schwindel oder Ohnmacht bei plötzlichem Aufstehen (orthostatische Hypotonie)[1, 2]
  • Häufig: Übelkeit, Durchfall, Erbrechen, Verstopfung[1, 2]
  • Häufig: Hautausschlag (Exanthem)[1, 2]
  • Häufig: Gelenkschmerzen (Arthralgie), Muskelschmerzen (Myalgie), Rückenschmerzen[1, 2]
  • Häufig: Schwellungen, typischerweise an Knöcheln oder Füßen, durch Wassereinlagerung (periphere Ödeme)[1, 2]
  • Häufig: Müdigkeit (Fatigue)[1, 2]

Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Wofür wird Mirtazapin eingesetzt?

Mirtazapin ist ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff aus der Gruppe der Antidepressiva [1, 2]. Er wird angewendet zur Behandlung depressiver Erkrankungen (Episoden einer Major Depression) bei Erwachsenen [1, 2]. Mehr zum Krankheitsbild lesen Sie auf der Seite Depression.

Bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren sollte Mirtazapin normalerweise nicht angewendet werden, weil die Wirksamkeit in dieser Altersgruppe nicht nachgewiesen wurde [1]. In zwei Studien mit 7- bis 18-Jährigen zeigte sich kein signifikanter Unterschied zu einem Scheinmedikament (Placebo); 48,8 Prozent der mit Mirtazapin Behandelten nahmen mindestens 7 Prozent an Gewicht zu, unter Placebo 5,7 Prozent [2].

Wie wirkt Mirtazapin?

Mirtazapin blockiert im Gehirn bestimmte Andockstellen für Botenstoffe, die α2-Rezeptoren. Dadurch wird die Übertragung von Noradrenalin und Serotonin zwischen Nervenzellen verstärkt; zugleich blockiert Mirtazapin die Serotonin-Rezeptoren 5-HT2 und 5-HT3 [2]. Außerdem blockiert es Histamin-H1-Rezeptoren, was mit seiner beruhigenden Wirkung zusammenhängt [2].

Laut Packungsbeilage beginnt Mirtazapin normalerweise nach 1 bis 2 Wochen zu wirken; nach 2 bis 4 Wochen können Sie sich besser fühlen. Fühlen Sie sich dann nicht besser oder sogar schlechter, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [1]. Die höchste Konzentration im Blut ist etwa 2 Stunden nach der Einnahme erreicht. Die mittlere Halbwertszeit (die Zeit, in der sich die Menge im Blut halbiert) liegt bei 20 bis 40 Stunden, gelegentlich bis 65 Stunden; laut Fachinformation eignet sich Mirtazapin deshalb für die Einnahme einmal am Tag. Ein gleichbleibender Spiegel stellt sich nach 3 bis 4 Tagen ein [2].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Die Liste unten nennt alle Nebenwirkungen, für die die Packungsbeilage eine Häufigkeit angibt. "Sehr häufig" heißt: mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig" bis zu 1 von 10, "gelegentlich" bis zu 1 von 100 und "selten" bis zu 1 von 1.000; bei "nicht bekannt" lässt sich die Häufigkeit aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen [1, 2]. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Sehr häufig sind verstärkter Appetit und Gewichtszunahme, Schläfrigkeit, Kopfschmerzen und ein trockener Mund [1, 2]. Laut Fachinformation führt eine niedrigere Dosis in der Regel nicht zu weniger Schläfrigkeit, gefährdet aber die antidepressive Wirkung [2]. Angst und Schlaflosigkeit, die auch Zeichen einer Depression sein können, können unter Antidepressiva auftreten oder sich verstärken [2]. Gedächtnisstörungen klangen in den meisten Fällen nach dem Ende der Behandlung ab [1]. Nebenwirkungen, die zusätzlich bei Kindern und Jugendlichen unter 18 Jahren beobachtet wurden, stehen nicht in der Liste, sondern im Abschnitt "Wer Mirtazapin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte" [1].

Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

  • Blut und LymphsystemStörungen der Blutbildung im Knochenmark (Knochenmarkdepression): vorübergehender Mangel an weißen Blutkörperchen (Granulozytopenie), Agranulozytose mit Anzeichen einer Infektion wie plötzlichem, unerklärlichem hohem Fieber, Halsschmerzen und Geschwüren im Mund; Mangel an roten und weißen Blutkörperchen und Blutplättchen (aplastische Anämie), Mangel an Blutplättchen (Thrombozytopenie); Zunahme bestimmter weißer Blutkörperchen (Eosinophilie)[1, 2]Mehr dazu: Veränderungen des BlutbildsErhöhte InfektanfälligkeitFieber
  • HormonsystemUnangemessene Ausschüttung des antidiuretischen Hormons (SIADH)[1, 2]
  • HormonsystemErhöhter Spiegel des Hormons Prolaktin (Hyperprolaktinämie) mit Beschwerden wie vergrößerten Brüsten und/oder milchigem Ausfluss aus den Brustwarzen[1, 2]Mehr dazu: Brustspannen und Brustvergrößerung
  • Stoffwechsel und ErnährungNiedriger Natriumspiegel im Blut (Hyponatriämie), der zu Kopfschmerzen, Müdigkeit, Krampfanfällen und Koma führen kann[1, 2]Mehr dazu: Natriummangel
  • PsycheGedanken, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen; suizidales Verhalten[1, 2]
  • PsycheSchlafwandeln (Somnambulismus)[1, 2]
  • NervensystemEpileptischer Anfall (Krampfanfälle)[1, 2]Mehr dazu: Krampfanfälle
  • NervensystemKombination von Beschwerden wie unerklärlichem Fieber, Schwitzen, beschleunigtem Herzschlag, Durchfall, unkontrollierbaren Muskelkontraktionen, Schüttelfrost, übersteigerten Reflexen, Ruhelosigkeit, Stimmungsschwankungen, Bewusstlosigkeit und vermehrtem Speichelfluss; in sehr seltenen Fällen Anzeichen eines Serotonin-Syndroms[1, 2]Mehr dazu: FieberVermehrtes SchwitzenHerzrasenDurchfallUnruhe und Nervosität
  • NervensystemAnomale Empfindungen im Mund (orale Parästhesie), Sprachstörung (Dysarthrie)[1, 2]
  • Magen und DarmSchwellung im Mund (Mundödem), vermehrter Speichelfluss[1, 2]
  • HautSchwere Hautreaktionen: rötliche, zielscheibenähnliche oder kreisförmige Flecken am Rumpf, oft mit Blasen in der Mitte, Abschälen der Haut, Geschwüre an Mund, Rachen, Nase, Genitalien und Augen (Stevens-Johnson-Syndrom, toxische epidermale Nekrolyse), bullöse Dermatitis, Erythema multiforme[1, 2]Mehr dazu: Schwere HautreaktionenHautausschlag
  • HautGroßflächiger Ausschlag, hohe Körpertemperatur und vergrößerte Lymphknoten (DRESS-Syndrom)[1, 2]Mehr dazu: Schwere HautreaktionenHautausschlagFieber
  • Muskeln, Knochen und GelenkeMuskelschmerzen, -steifigkeit und/oder -schwäche, Dunkelwerden oder Verfärbung des Urins (Rhabdomyolyse)[1, 2]Mehr dazu: MuskelschmerzenUrinverfärbung
  • Nieren und HarnwegeSchwierigkeiten beim Wasserlassen (Harnverhalt)[1, 2]Mehr dazu: Probleme beim Wasserlassen
  • Geschlechtsorgane und BrustLang anhaltende, schmerzhafte Erektion des Penis (Priapismus)[1, 2]
  • Allgemeine BeschwerdenSchwellungen am ganzen Körper (generalisiertes Ödem) oder örtlich begrenzte Schwellungen (lokalisiertes Ödem)[1, 2]Mehr dazu: Wassereinlagerungen
  • Laborwerte und UntersuchungenErhöhte Creatinkinase-Werte im Blut[1, 2]Mehr dazu: Veränderte Laborwerte

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Suizidgedanken: Wer depressiv ist, kann Gedanken haben, sich selbst zu verletzen oder sich das Leben zu nehmen. Zu Beginn einer Behandlung mit Antidepressiva können solche Gedanken verstärkt sein, weil die Mittel einige Zeit brauchen, bis sie wirken. Das gilt besonders, wenn Sie solche Gedanken schon früher hatten, und für junge Erwachsene bis 25 Jahre [1]. Gehen Sie dann sofort zu Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt oder in ein Krankenhaus. Die Packungsbeilage rät, Angehörigen oder Freunden von der Depression zu erzählen und sie zu bitten, auf Veränderungen zu achten [1]. Notrufnummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Infektzeichen: Fieber, Halsschmerzen und Geschwüre im Mund können in seltenen Fällen auf eine Störung der Blutbildung im Knochenmark hinweisen; wenn sie auftreten, dann meist nach 4 bis 6 Behandlungswochen. Beenden Sie dann die Einnahme und lassen Sie sofort Ihr Blut untersuchen [1].

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Mann in den Fünfzigern bereitet in einer hellen Küche einen Salat mit frischem Gemüse zu
Bild: KI-generiert

Müdigkeit: Nehmen Sie Mirtazapin wie empfohlen am besten als Einmaldosis vor dem Zubettgehen; wird die Dosis aufgeteilt, gehört die höhere Dosis auf den Abend [1]. Mirtazapin kann Konzentration und Aufmerksamkeit beeinträchtigen, laut Fachinformation besonders zu Beginn der Behandlung. Prüfen Sie vor dem Autofahren, ob Sie dazu in der Lage sind [1, 2]. Verzichten Sie auf Alkohol [1].

Appetit und Gewicht: Mehr Appetit und eine Gewichtszunahme sind sehr häufig [1]. Häufig sind auch Schwellungen durch Wassereinlagerung, typischerweise an Knöcheln oder Füßen [1]. Haben Sie Diabetes, müssen Insulin oder andere Diabetesmittel eventuell angepasst werden [1]. Besprechen Sie eine starke Gewichtszunahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Was Packungsbeilage, Fachinformation und Leitlinie zur Gewichtszunahme sagen und welche Gewichtskontrollen die Leitlinie empfiehlt, lesen Sie unter Mirtazapin und Gewichtszunahme.

Schwindel beim Aufstehen: Häufig (bis zu 1 von 10 Behandelten) kann es beim plötzlichen Aufstehen durch einen Blutdruckabfall zu Schwindel oder Ohnmacht kommen (orthostatische Hypotonie) [1, 2]. Mehr dazu auf der Seite Niedriger Blutdruck durch Medikamente. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.

Wechselwirkungen

Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, kürzlich eingenommen haben oder einnehmen wollen [1]. Mirtazapin darf nicht zusammen mit MAO-Hemmern eingenommen werden und auch nicht innerhalb von 2 Wochen nach deren Ende [1, 2]. Zusammen mit anderen Antidepressiva wie SSRI (etwa Sertralin) oder Venlafaxin, mit Migränemitteln aus der Gruppe der Triptane, mit Tramadol, Lithium oder Johanniskraut kann in sehr seltenen Fällen ein Serotonin-Syndrom entstehen [1, 2]. Zusammen mit Mitteln gegen Angst oder Schlaflosigkeit wie Benzodiazepinen, dem Allergiemittel Cetirizin oder starken Schmerzmitteln wie Morphin kann Mirtazapin die Schläfrigkeit verstärken, die diese Mittel verursachen [1].

Wechselwirkungen von Mirtazapin
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
MAO-Hemmer wie Moclobemid, Tranylcypromin oder SelegilinNicht zusammen einnehmen[1, 2]Mirtazapin nicht innerhalb von 2 Wochen nach dem Ende einer MAO-Hemmer-Behandlung einnehmen und umgekehrt
Antidepressiva wie SSRI und Venlafaxin, L-Tryptophan, Triptane (Migränemittel), Tramadol, Linezolid, Lithium, Methylenblau, JohanniskrautIn sehr seltenen Fällen Serotonin-Syndrom[1, 2]Vorsicht; bei mehreren Beschwerden eines Serotonin-Syndroms sofort ärztlich melden
Benzodiazepine, Olanzapin, Cetirizin, MorphinSchläfrigkeit kann verstärkt werden[1, 2]Vorher ärztlich besprechen
Nefazodon, Erythromycin, Ketoconazol, HIV-Proteasehemmer, CimetidinMirtazapin-Konzentration im Blut kann steigen[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren; Dosis von Mirtazapin muss eventuell verringert werden
Carbamazepin, Phenytoin (Epilepsiemittel), Rifampicin (Tuberkulosemittel)Mirtazapin-Konzentration im Blut kann sinken[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren; Dosis von Mirtazapin muss eventuell erhöht werden
Warfarin (Blutverdünner)Wirkung von Warfarin auf das Blut kann verstärkt werden[1, 2]Blutwerte ärztlich sorgfältig überwachen lassen
Arzneimittel, die den Herzrhythmus beeinflussen können, z. B. bestimmte Antibiotika und einige AntipsychotikaVorsicht geboten[1, 2]Vorher ärztlich besprechen
AlkoholSie können sich schläfrig fühlen[1]Überhaupt keinen Alkohol trinken

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Mirtazapin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Hatten Sie nach Mirtazapin oder einem anderen Arzneimittel schon einmal einen schweren Hautausschlag, Hautabschälungen, Blasen oder wunde Stellen im Mund, nehmen Sie Mirtazapin nicht ein oder informieren Sie vorher Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [1]. Ältere Menschen reagieren möglicherweise empfindlicher auf die Nebenwirkungen von Antidepressiva [1]. Sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn einer der folgenden Punkte auf Sie zutrifft [1].

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Mirtazapin oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
  • Gleichzeitige Einnahme von MAO-Hemmern (z. B. Moclobemid, Tranylcypromin, Selegilin) oder Einnahme innerhalb der letzten 2 Wochen[1, 2]
  • Schwere Hautreaktion nach Mirtazapin in der Vorgeschichte: Die Behandlung darf nicht wieder aufgenommen werden[1, 2]

Besondere Vorsicht bei

  • Früherer schwerer Hautausschlag, Hautabschälungen, Blasen oder wunde Stellen im Mund nach Mirtazapin oder anderen Arzneimitteln[1]
  • Epilepsie oder Krampfanfälle in der Vorgeschichte[1, 2]
  • Lebererkrankungen einschließlich Gelbsucht, Nierenerkrankungen[1, 2]
  • Herzerkrankungen oder niedriger Blutdruck; Herzerkrankungen, die den Herzrhythmus verändern können, kürzlich erlittener Herzinfarkt, Herzschwäche oder Arzneimittel, die den Herzrhythmus beeinflussen[1, 2]
  • Schizophrenie oder manisch-depressive (bipolare) Erkrankung[1, 2]
  • Diabetes: Insulin oder andere Diabetesmittel müssen eventuell angepasst werden[1, 2]
  • Erhöhter Augeninnendruck (Glaukom) oder Schwierigkeiten beim Wasserlassen, etwa durch eine vergrößerte Prostata[1, 2]
  • Ältere Menschen reagieren möglicherweise empfindlicher auf Nebenwirkungen von Antidepressiva[1, 2]
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: normalerweise nicht anwenden, da die Wirksamkeit nicht nachgewiesen ist; erhöhtes Risiko für Suizidversuche, suizidale Gedanken und Feindseligkeit; deutliche Gewichtszunahme häufiger als bei Erwachsenen; in Studien häufig auch Nesselsucht und erhöhter Triglyzerid-Spiegel im Blut[1, 2]
  • Junge Erwachsene bis 25 Jahre und Menschen, die schon früher Suizidgedanken hatten: höheres Risiko für Suizidgedanken, besonders zu Beginn der Behandlung[1, 2]
  • Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern: Die Tabletten enthalten Lactose[1]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Die Karten fassen zusammen, was Packungsbeilage, Fachinformation und das Beratungszentrum Embryotox der Charité zu Alltag, Schwangerschaft und Stillzeit sagen [1, 2, 3]. Wenn Sie schwanger sind oder eine Schwangerschaft planen, sprechen Sie vor der Einnahme mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nehmen Sie Mirtazapin bis zur Geburt ein, informieren Sie Hebamme und Ärztin oder Arzt, damit beim Neugeborenen auf mögliche Nebenwirkungen geachtet wird [1]. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.

Schwangerschaft

Begrenzte Erfahrungen bei Schwangeren deuten nicht auf ein erhöhtes Risiko hin; dennoch ist Vorsicht geboten. Nehmen Sie Mirtazapin bis zur oder kurz vor der Geburt ein, sollte beim Kind auf mögliche Nebenwirkungen geachtet werden; informieren Sie Hebamme und Ärztin oder Arzt. Ähnliche Arzneimittel (SSRI) können beim Neugeborenen einen erhöhten Blutdruck in der Lunge (persistierende pulmonale Hypertonie, PPHN) verursachen, erkennbar an schneller Atmung und Blaufärbung der Haut; diese Beschwerden beginnen normalerweise in den ersten 24 Stunden nach der Geburt, dann sofort Hebamme oder Ärztin bzw. Arzt verständigen.[1, 2]

Embryotox stuft Mirtazapin als Medikament mit widersprüchlichen oder noch unzureichenden Studienergebnissen ein. In etwa 2.000 ausgewerteten Schwangerschaften ergab sich laut Embryotox kein Hinweis auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko. Mirtazapin kann bei entsprechender Indikation in der Schwangerschaft und bei Kinderwunsch angewendet werden. Bei Einnahme von Antidepressiva bis zur Geburt ist das Risiko für Anpassungsstörungen beim Neugeborenen erhöht; die Entbindung sollte in einer Klinik mit Neugeborenenmedizin erfolgen. Als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox Sertralin oder Citalopram bzw. Escitalopram, als beruhigendes (sedierendes) Antidepressivum keines. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, ob Sie während der Einnahme stillen können. Laut Fachinformation zeigen Tierstudien und begrenzte Daten vom Menschen, dass Mirtazapin nur in sehr geringen Mengen in die Muttermilch übergeht.[1, 2]

Embryotox hält Stillen bei alleiniger Behandlung mit Mirtazapin und guter Beobachtung des Kindes für akzeptabel.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Sie können sich schläfrig fühlen, wenn Sie während der Anwendung Alkohol trinken. Laut Packungsbeilage sollten Sie überhaupt keinen Alkohol trinken.[1]

Autofahren und Maschinen

Mirtazapin kann Konzentration und Aufmerksamkeit beeinträchtigen, laut Fachinformation besonders zu Beginn der Behandlung. Stellen Sie vor dem Fahren oder Bedienen von Maschinen sicher, dass diese Fähigkeiten nicht beeinträchtigt sind.[1, 2]

Einnahme

Jeden Tag zur gleichen Zeit einnehmen, am besten als Einmaldosis vor dem Zubettgehen; bei aufgeteilter Dosis die höhere Dosis vor dem Zubettgehen. Die Tabletten unzerkaut mit Wasser oder Saft schlucken, mit oder ohne Nahrung; 15- und 30-mg-Tabletten lassen sich teilen.[1]

Einnahme vergessen (einmal täglich): nicht die doppelte Menge nehmen, die nächste Dosis zur gewohnten Zeit. Bei zweimal täglicher Einnahme: eine vergessene Morgendosis zusammen mit der Abenddosis nehmen; eine vergessene Abenddosis auslassen und nicht mit der nächsten Morgendosis nehmen; sind beide Dosen vergessen, nicht nachholen, sondern am nächsten Tag wie gewohnt fortfahren.[1]

Absetzen

Beenden Sie die Einnahme nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und nicht abrupt, auch wenn die Depression abgeklungen ist. Bei zu frühem Beenden kann die Depression wiederkommen. Nach plötzlichem Absetzen können Übelkeit, Schwindel, Erregtheit, Angst und Kopfschmerzen auftreten; sie lassen sich durch schrittweises Absetzen vermeiden.[1, 2]

Überdosierung

Haben Sie oder eine andere Person zu viel eingenommen, nehmen Sie unverzüglich Kontakt mit einer Ärztin oder einem Arzt auf. Wahrscheinlichste Anzeichen (ohne andere Arzneimittel oder Alkohol) sind Schläfrigkeit, Desorientiertheit und erhöhte Herzfrequenz; schneller, unregelmäßiger Herzschlag und/oder Bewusstlosigkeit können auf einen lebensbedrohlichen Zustand (Torsade de pointes) hinweisen.[1]

Dosierung laut Packungsbeilage

Die Packungsbeilage nennt eine Anfangsdosis und einen Bereich, auf den die Ärztin oder der Arzt die Dosis nach einigen Tagen anpassen kann, sowie Hinweise zur Dauer der Behandlung [1]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder; sie ersetzt nicht die Verordnung. Welche Dosis für Sie richtig ist, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest [1].

Einnahme und Absetzen

Nehmen Sie Mirtazapin jeden Tag zur gleichen Zeit ein, am besten vor dem Zubettgehen. Schlucken Sie die Tabletten unzerkaut mit Wasser oder Saft, mit oder ohne Nahrung; die Tabletten mit 15 und 30 mg lassen sich in gleiche Hälften teilen [1]. Haben Sie eine Einnahme vergessen und nehmen Mirtazapin einmal täglich, nehmen Sie nicht die doppelte Menge, sondern die nächste Dosis zur gewohnten Zeit [1].

Beenden Sie die Einnahme nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Wenn Sie zu früh aufhören, kann die Depression wiederkommen. Setzen Sie Mirtazapin nicht abrupt ab, auch wenn es Ihnen besser geht: Sonst können Übelkeit, Schwindel, Erregtheit, Angst und Kopfschmerzen auftreten. Diese Beschwerden lassen sich durch schrittweises Absetzen vermeiden; wie, erklärt Ihnen Ihre Ärztin oder Ihr Arzt [1]. Laut Fachinformation sind die meisten Absetzsymptome leicht und klingen von selbst ab; Mirtazapin führt nicht zu einer Abhängigkeit [2]. Was Packungsbeilage, Fachinformation und Leitlinie zum Ausschleichen sagen und wann Sie sofort Hilfe brauchen, erklärt die Seite Mirtazapin absetzen. Allgemeine Hinweise gibt der Ratgeber Medikamente absetzen.

Haben Sie oder eine andere Person zu viel eingenommen, nehmen Sie unverzüglich Kontakt mit einer Ärztin oder einem Arzt auf [1].

Präparate mit Mirtazapin

Mirtazapin gibt es unter anderem als Filmtabletten und als Schmelztabletten. Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Mirtazapin-ratiopharm Filmtabletten [1, 2].

Präparate mit Mirtazapin
PräparatAnbieterHinweis
Mirtazapin-ratiopharmratiopharm GmbHFilmtabletten 15, 30 und 45 mg sowie Schmelztabletten, verschreibungspflichtig; Grundlage dieser Seite

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Mirtazapin-ratiopharm 15 mg/30 mg/45 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 10.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Mirtazapin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 10.10.2026
  3. Embryotox Embryotox: Mirtazapin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 10.10.2026

Häufige Fragen

Macht Mirtazapin dick?

Verstärkter Appetit und Gewichtszunahme gehören zu den sehr häufigen Nebenwirkungen, betreffen also mehr als 1 von 10 Behandelten. Bei Kindern und Jugendlichen wurde eine deutliche Gewichtszunahme häufiger beobachtet als bei Erwachsenen. Wenn Sie stark zunehmen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt; setzen Sie Mirtazapin nicht eigenmächtig ab.

Warum macht Mirtazapin müde?

Schläfrigkeit und Beruhigung (Sedierung) sind sehr häufige Nebenwirkungen. Laut Fachinformation hängt die beruhigende Wirkung mit der Blockade von Histamin-H1-Rezeptoren zusammen; eine niedrigere Dosis verringert die Schläfrigkeit in der Regel nicht. Die Packungsbeilage empfiehlt, Mirtazapin am besten als Einmaldosis vor dem Zubettgehen einzunehmen.

Ist Mirtazapin ein Schlafmittel?

Nein. Mirtazapin ist laut Packungsbeilage zur Behandlung von Depressionen bei Erwachsenen zugelassen; Schlafstörungen ohne Depression sind kein zugelassenes Anwendungsgebiet. Dass es müde macht, ist eine Nebenwirkung. Fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Sie wissen möchten, warum es Ihnen verordnet wurde.

Wie lange dauert es, bis Mirtazapin wirkt?

Laut Packungsbeilage beginnt Mirtazapin normalerweise nach 1 bis 2 Wochen zu wirken; nach 2 bis 4 Wochen können Sie sich besser fühlen. Sprechen Sie 2 bis 4 Wochen nach Beginn mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über die Wirkung. Normalerweise wird Mirtazapin so lange eingenommen, bis die Beschwerden der Depression 4 bis 6 Monate lang nicht mehr aufgetreten sind.

Darf ich Alkohol trinken, wenn ich Mirtazapin nehme?

Laut Packungsbeilage sollten Sie überhaupt keinen Alkohol trinken, weil Sie sich zusammen mit Alkohol schläfrig fühlen können.

Wie setze ich Mirtazapin ab?

Nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt und nicht abrupt, auch wenn die Depression abgeklungen ist. Nach einem plötzlichen Absetzen können Übelkeit, Schwindel, Erregtheit, Angst und Kopfschmerzen auftreten; schrittweises Absetzen kann das vermeiden. Bei zu frühem Beenden kann die Depression zurückkehren.

Darf ich Mirtazapin in Schwangerschaft und Stillzeit nehmen?

Begrenzte Erfahrungen deuten nicht auf ein erhöhtes Risiko hin, dennoch ist laut Packungsbeilage Vorsicht geboten. Laut Embryotox ergab sich in etwa 2.000 ausgewerteten Schwangerschaften kein Hinweis auf ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko; die Anwendung ist bei entsprechender Indikation möglich, als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox aber Sertralin oder Citalopram bzw. Escitalopram, als beruhigendes (sedierendes) Antidepressivum keines. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Stillen ist laut Embryotox bei alleiniger Behandlung mit Mirtazapin und guter Beobachtung des Kindes akzeptabel; sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wie hoch wird Mirtazapin dosiert?

Die Angaben der Packungsbeilage stehen im Abschnitt "Dosierung laut Packungsbeilage" auf dieser Seite. Welche Dosis für Sie richtig ist, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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