NebenwirkungenNebenwirkung

Prolaktin, Brustspannen und Gynäkomastie durch Medikamente

Brustspannen, Brustschmerzen, eine Vergrößerung der Brust (beim Mann Gynäkomastie genannt) und Milchfluss (Galaktorrhö) werden in den Produktinformationen vieler Medikamente genannt. Bei manchen Mitteln hängen sie laut Fachinformationen mit einem erhöhten Spiegel des Hormons Prolaktin zusammen, etwa bei den Antipsychotika Risperidon, Paliperidon und Amisulprid und bei den Mitteln gegen Übelkeit Metoclopramid und Domperidon. Daneben nennen die Produktinformationen solche Beschwerden zum Beispiel bei Spironolacton, Finasterid, Testosteron, Enzalutamid und weiblichen Hormonen wie in der Pille oder der Hormonersatztherapie. Lassen Sie Veränderungen der Brust ärztlich abklären. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Frau mit schulterlangem blondem Haar sitzt am Morgen auf der Bettkante und legt eine Hand prüfend an den Brustkorb
Bild: KI-generiert

Manche Medikamente können die Brust verändern: Sie kann spannen oder schmerzen, an Größe zunehmen (beim Mann heißt eine Vergrößerung der Brustdrüse Gynäkomastie) oder Milch absondern (Galaktorrhö), auch bei Männern und bei Frauen, die nicht stillen [6, 8]. Bei einem Teil dieser Mittel hängen die Beschwerden laut Fachinformation mit einem erhöhten Spiegel des Hormons Prolaktin zusammen, das aus der Hirnanhangsdrüse (Hypophyse) freigesetzt wird; ein erhöhter Wert kann Beschwerden auslösen, muss aber nicht [1, 2, 5, 7]. Daneben nennen die Produktinformationen von Hormonpräparaten wie Testosteron und Estradiol und von Enzalutamid, einem Mittel gegen Prostatakrebs, solche Beschwerden [11, 13, 14].

Welche Medikamente Brustspannen und Gynäkomastie auslösen können

Die Beispiele stammen aus den Fach- und Gebrauchsinformationen einzelner Wirkstoffe. Jede Häufigkeitsangabe gilt nur für den Wirkstoff, bei dem sie steht [1, 3, 5, 7, 9].

  • Antipsychotika: Eine erhöhte Prolaktinkonzentration im Blut (Hyperprolaktinämie) ist laut Fachinformation von Risperidon eine häufige Nebenwirkung [1]. Gynäkomastie, Milchfluss und Brustschmerzen sind dort als gelegentlich eingestuft (bis zu 1 von 100 Behandelten), eine Brustvergrößerung und Absonderungen aus der Brustdrüse als selten (bis zu 1 von 1.000) [1]. Unter Paliperidon wurden Ereignisse, die auf einen Prolaktinanstieg hinweisen können, etwa Milchfluss, Ausbleiben der Regel oder Gynäkomastie, in Studien bei insgesamt weniger als 1 Prozent der Teilnehmenden berichtet [3]. Bei Amisulprid tritt laut Fachinformation häufig eine Erhöhung der Prolaktinkonzentration auf, die nach dem Absetzen zurückgeht; dadurch können unter anderem Milchfluss, Gynäkomastie, Brustschmerz und Brustvergrößerung auftreten [4].
  • Mittel gegen Übelkeit: Die Fachinformation von Metoclopramid stuft eine Hyperprolaktinämie als gelegentlich ein, Milchfluss als selten und eine Gynäkomastie mit nicht bekannter Häufigkeit; diese hormonellen Nebenwirkungen stehen dort im Zusammenhang mit einer längeren Behandlung [5]. Bei Domperidon sind Milchfluss, Brustschmerzen und Brustspannen als gelegentlich eingestuft, eine Gynäkomastie mit nicht bekannter Häufigkeit [7].
  • Spironolacton (entwässerndes Mittel): Laut Fachinformation häufig sind bei Männern eine meist reversible Gynäkomastie und bei Frauen und Männern eine gesteigerte Berührungsempfindlichkeit der Brustwarzen und Brustspannung [9]. Bei Frauen kann es laut Fachinformation selten zu Brustschmerzen (Mastodynie) kommen [9].
  • Hormone und Mittel gegen Prostatakrebs: In der Packungsbeilage eines Testosteron-Gels ist eine Vergrößerung der Brustdrüsen als häufig eingestuft; laut Fachinformation kann sich bei Männern, die wegen einer Unterfunktion der Hoden (Hypogonadismus) mit männlichen Hormonen (Androgenen) behandelt werden, eine Gynäkomastie entwickeln und bestehen bleiben [11, 12]. Bei Enzalutamid, einem Mittel gegen Prostatakrebs, nennt die Fachinformation Gynäkomastie, Brustwarzenschmerz und eine schmerzempfindliche Brust als häufig [13]. Unter Finasterid sind ein Spannungsgefühl in der Brust und eine Vergrößerung der Brust als gelegentlich eingestuft [10].
  • Weibliche Hormone: Die Packungsbeilage einer Pille mit Levonorgestrel und Ethinylestradiol nennt Brustschmerzen oder eine Empfindlichkeit der Brust als häufig [15]. Bei einem Estradiol-Spray zur Hormonersatztherapie sind eine schmerzempfindliche Brust und Brustschmerzen ebenfalls als häufig eingestuft [14]. Kommen kleine Kinder mit der besprühten Hautstelle in Kontakt, können sie laut Packungsbeilage unerwartete Anzeichen der Pubertät zeigen, etwa eine Brustentwicklung; in den meisten Fällen verschwinden diese, wenn der Kontakt endet [14]. Mehr dazu: Verhütungsmittel und Hormonersatztherapie.

Die Tabelle zeigt die Wirkstoffe, deren Produktinformation Brustspannen, Brustschmerzen, eine Vergrößerung der Brust oder Milchfluss nennt:

Brustspannen und Brustvergrößerung als Nebenwirkung: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffHäufigkeitAngabe in der Produktinformation
LeuprorelinSehr häufigBei Männern mit Prostatakrebs: Vergrößerung der männlichen Brustdrüse (Gynäkomastie) · Bei Frauen (Enantone-Gyn): Schmierblutungen, Veränderung oder Abnahme der Libido, trockene Scheide, Verkleinerung oder Vergrößerung…
AmisulpridHäufigErhöhter Prolaktinspiegel im Blut, der nach Absetzen zurückgeht; dadurch können Milchfluss (Galaktorrhö), Ausbleiben der Monatsblutung oder Zyklusstörungen, Vergrößerung der männlichen Brustdrüse (Gynäkomastie),…
DesogestrelHäufigBrustschmerzen
DienogestHäufigBrustbeschwerden, Eierstockzysten, Hitzewallungen
Dienogest/EthinylestradiolHäufigBrustschmerzen einschließlich Brustbeschwerden und Brustspannen · Ausfluss aus Genitale oder Scheide, Eierstockzysten, Beckenschmerzen, Brustvergrößerung, Brustödeme
DrospirenonHäufigBrustbeschwerden
DydrogesteronHäufigSchmerzen oder Empfindlichkeit der Brüste · Vergrößerung der Brüste
EnzalutamidHäufigBrustvergrößerung bei Männern (Gynäkomastie), Schmerzen an der Brustwarze, schmerzempfindliche Brust
EstradiolHäufigSchmerzempfindliche Brust, Brustschmerzen · Schmerzhafte Monatsblutung, Beschwerden ähnlich dem prämenstruellen Syndrom, Brustvergrößerung
Etonogestrel/Ethinylestradiol (Vaginalring)HäufigBrustschmerzen, Schmerzen im Becken, schmerzhafte Monatsblutungen · Brustschmerzen oder Vergrößerung der Brüste; Veränderungen des Brustgewebes; fibrozystische Mastopathie (Zysten in den Brüsten, die anschwellen oder…
LevonorgestrelHäufigSchmerzen in der Brust
Levonorgestrel/EthinylestradiolHäufigBrustschmerzen oder Empfindlichkeit der Brust · Anschwellen der Brüste
MedroxyprogesteronHäufigWeißer Ausfluss, ziehende Brustschmerzen, Druckempfindlichkeit der Brüste
PaliperidonHäufigErhöhter Wert des Hormons Prolaktin im Blut (das kann Beschwerden auslösen, muss aber nicht): bei Männern Anschwellen der Brustdrüsen, Schwierigkeiten, eine Erektion zu bekommen oder zu halten, andere sexuelle…
QuetiapinHäufigErhöhtes Prolaktin; selten dadurch Brustschwellung, Milchbildung oder ausbleibende oder unregelmäßige Regelblutung · Anschwellen der Brüste und unerwartete Milchbildung (Galaktorrhö)
SpironolactonHäufigBei Männern meist wieder zurückgehende Vergrößerung der Brust (Gynäkomastie); bei Frauen und Männern gesteigerte Berührungsempfindlichkeit der Brustwarzen und Brustspannung · Bei Frauen: schmerzhafte Schwellungen der…
TestosteronHäufigVergrößerung der Brustdrüsen (Gynäkomastie)
AmlodipinGelegentlichErektionsstörungen, Vergrößerung der Brustdrüsen beim Mann (Gynäkomastie)
CelecoxibGelegentlichIn Langzeitstudien außerhalb von Gelenkerkrankungen zusätzlich beobachtet: auffällige oder sehr starke Scheidenblutung, Brustschmerzen (schmerzempfindliche Brust)
DigitoxinGelegentlichVergrößerung der Brustdrüse beim Mann (Gynäkomastie), die sich nach dem Absetzen in der Regel zurückbildet
DomperidonGelegentlichMilchausfluss aus der Brust bei Männern und Frauen (Galaktorrhoe) · Schmerzende oder schmerzempfindliche Brüste (Brustschmerzen, Brustspannen) · Brustwachstum bei Männern (Gynäkomastie)
DoxepinGelegentlichAbsonderung von Sekret aus der Brust (Galaktorrhoe) · Vergrößerung der Brust bei Männern; bei Frauen Vergrößerung der Brust und Unregelmäßigkeiten der Regelblutung
EplerenonGelegentlichVergrößerung der Brust beim Mann (Gynäkomastie)
EstriolGelegentlichSchmerzen und Spannungsgefühle in der Brust (während der ersten Wochen)
FinasteridGelegentlichSpannungsgefühl in der Brust, Vergrößerung der Brust beim Mann (Filmtabletten mit 5 mg) · Berührungsempfindlichkeit oder Vergrößerung der Brust (Filmtabletten mit 1 mg gegen Haarausfall)
HaloperidolGelegentlichVeränderung des Menstruationszyklus, zum Beispiel Ausbleiben der Regelblutung oder lange, starke und schmerzhafte Blutungen; unerwartete Milchabsonderung; Brustschmerzen oder Brustbeschwerden · Schmerzhafte…
LetrozolGelegentlichSchmerzen in der Brustdrüse
MetoclopramidGelegentlichErhöhter Spiegel des Hormons Prolaktin (Hyperprolaktinämie), der milchige Absonderungen aus der Brustdrüse bei Männern und nicht stillenden Frauen auslösen kann · Milchfluss aus der Brust (Galaktorrhö) · Abnormes…
MinoxidilGelegentlichSpannungsgefühl in der Brust · Vergrößerung der Brustdrüsen beim Mann (Gynäkomastie)
MoxonidinGelegentlichBrustvergrößerung bei Männern (Gynäkomastie), Impotenz
OlanzapinGelegentlichVeränderungen der Brustdrüse bei Männern und Frauen wie abnormale Bildung von Milch oder Vergrößerung
PregabalinGelegentlichSchmerzhafte Regelblutung, Brustschmerzen · Brustabsonderungen, anormale Brustvergrößerung, Brustvergrößerung bei Männern (Gynäkomastie)
ProgesteronGelegentlichSchmerzen und Spannungsgefühl in den Brüsten (Mastodynie)
RisperidonGelegentlichBrustbildung bei Männern (Gynäkomastie), Milchabsonderung aus den Brüsten, sexuelle Funktionsstörungen, Brustschmerzen, Brustbeschwerden, vaginaler Ausfluss · Verspäteter Beginn der Monatsblutung, Vergrößerung der…
AmitriptylinSeltenBrustvergrößerung bei Männern (Gynäkomastie)
CiclosporinSeltenMenstruationsstörungen; Brustvergrößerung bei Männern (Gynäkomastie)
ClonidinSeltenVergrößerung der Brustdrüsen bei Männern (Gynäkomastie)
ClopidogrelSeltenVergrößerung der Brustdrüsen bei Männern (Gynäkomastie)
EnalaprilSeltenVergrößerte Brustdrüsen bei Männern (Gynäkomastie)
FamotidinSeltenVergrößerung der Brust beim Mann (Gynäkomastie); laut Fachinformation ist ein ursächlicher Zusammenhang unbekannt, in kontrollierten Studien war die Häufigkeit nicht größer als unter Placebo
FluoxetinSeltenAbsonderung von Milch aus der Brust; laut Fachinformation auch erhöhter Prolaktinspiegel
LisinoprilSeltenBrustentwicklung bei Männern (Gynäkomastie)
MethylphenidatSeltenBrustschwellung bei Männern (Gynäkomastie)
NifedipinSeltenVergrößerung der männlichen Brust (Gynäkomastie), die sich nach dem Absetzen zurückbildet
OpipramolSeltenMilchfluss aus der Brust (Galaktorrhö)
PantoprazolSeltenVergrößerung der Brust bei Männern (Gynäkomastie)
ParoxetinSeltenErhöhter Prolaktinspiegel im Blut; krankhafter Milchfluss aus der Brust bei Männern und Frauen (Galaktorrhö)
SertralinSeltenAusfluss aus der Brustdrüse (Galaktorrhoe), Brustvergrößerung (Gynäkomastie)
SumatriptanSeltenSchmerzen der Brust (Brustdrüse)
AtorvastatinSehr seltenBrustvergrößerung beim Mann (Gynäkomastie)
CarbamazepinSehr seltenAnstieg des Prolaktinspiegels mit oder ohne Beschwerden wie Anschwellen der männlichen Brustdrüse (Gynäkomastie) oder Milchfluss (Galaktorrhö)
DoxazosinSehr seltenVergrößerung der Brustdrüse bei Männern (Gynäkomastie)
EsomeprazolSehr seltenVergrößerung der Brust bei Männern (Gynäkomastie)
MethotrexatSehr seltenGestörte Bildung von Ei- oder Samenzellen, Unfruchtbarkeit, Störungen des Menstruationszyklus, Verlust des sexuellen Interesses, Impotenz, Scheidenausfluss, Vergrößerung der männlichen Brustdrüse (Gynäkomastie)
OmeprazolSehr seltenVergrößerung der Brust bei Männern (Gynäkomastie)
RosuvastatinSehr seltenVergrößerung der Brust bei Männern (Gynäkomastie)
SimvastatinSehr seltenBrustvergrößerung bei Männern (Gynäkomastie)
ValproinsäureSehr seltenBrustentwicklung bei Männern (Gynäkomastie)
GabapentinNicht bekanntZunahme an Brustgewebe, Vergrößerung der Brust; sexuelle Funktionsstörungen wie veränderte Libido, Probleme beim Samenerguss oder Unvermögen, einen Höhepunkt zu erreichen
IsotretinoinNicht bekanntBrustschwellung bei Männern mit oder ohne Druckempfindlichkeit (Gynäkomastie)
MelatoninNicht bekanntAnormale Milchabsonderung (Galaktorrhoe)
MirtazapinNicht bekanntErhöhter Spiegel des Hormons Prolaktin (Hyperprolaktinämie) mit Beschwerden wie vergrößerten Brüsten und/oder milchigem Ausfluss aus den Brustwarzen
PipamperonNicht bekanntMilchige Absonderung aus der Brust bei Frauen (Milchfluss), Vergrößerung der männlichen Brustdrüse, Menstruationsstörungen
RamiprilNicht bekanntBrustvergrößerung bei Männern (Gynäkomastie)
TrimipraminNicht bekanntErhöhter Prolaktinspiegel und/oder Austritt von Milch aus der Brust (Galaktorrhö) · Vergrößerung der Brust (Makromastie), laut Packungsbeilage Vergrößerung der männlichen Brustdrüse (Gynäkomastie)
VerapamilNicht bekanntMilchfluss (Galaktorrhoe), Vergrößerung der männlichen Brustdrüse (Gynäkomastie)

Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (66 von 358). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Woran Sie Brustbeschwerden durch ein Medikament erkennen

Ob der Prolaktinwert erhöht ist, zeigt eine Blutuntersuchung [2]. Die Fachinformation von Risperidon empfiehlt, den Prolaktinspiegel zu überwachen, wenn Anzeichen möglicher Prolaktin-bedingter Nebenwirkungen auftreten, etwa eine Gynäkomastie, Menstruationsstörungen, verminderte Libido, Erektionsstörungen oder Milchfluss [1]. Bei Kindern und Jugendlichen sollen wegen möglicher Auswirkungen einer anhaltenden Hyperprolaktinämie auf Wachstum und sexuelle Reife regelmäßige Untersuchungen des Hormonstatus erwogen werden [1]. Unter Metoclopramid treten die hormonellen Nebenwirkungen laut Fachinformation bei längerer Behandlung auf [5].

Bei Frauen kann Brustspannen auch mit dem Zyklus zusammenhängen. Laut IQWiG haben viele Frauen in den Tagen vor der Regelblutung Spannungsgefühle in den Brüsten; die Beschwerden des prämenstruellen Syndroms treten in der zweiten Zyklushälfte nach dem Eisprung auf und klingen spätestens mit dem Ende der Blutung ab [17]. Ein Tagebuch über mindestens 2 bis 3 Monate kann laut IQWiG helfen, Beschwerden im Zyklusverlauf festzuhalten [17]. Treten die Beschwerden dagegen erstmals nach dem Beginn einer Behandlung oder nach einer Dosisänderung auf, sprechen Sie das in der Praxis an. Mehr dazu: Prämenstruelles Syndrom (PMS) und Zyklusstörungen durch Medikamente.

Ein erhöhter Prolaktinwert kann neben der Brust auch andere Bereiche betreffen: Laut Packungsbeilage von Risperidon kann er bei Männern zu Schwierigkeiten mit der Erektion oder verminderter Libido führen, bei Frauen zum Ausbleiben einzelner Monatsblutungen oder zu anderen Zyklusproblemen [2]. Mehr dazu: Libido- und Potenzprobleme durch Medikamente. Wie die Angaben in Ihrer Packungsbeilage gemeint sind, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Warum Medikamente Brustspannen und Milchfluss auslösen können

Der Botenstoff Dopamin bremst die Freisetzung von Prolaktin. Laut Fachinformation von Metoclopramid kann es bei längerer Anwendung zu einer Erhöhung der Prolaktinkonzentration kommen, weil diese dopaminerge Hemmung der Prolaktinfreisetzung wegfällt; beschrieben sind dann Milchfluss und Zyklusstörungen bei Frauen sowie eine Gynäkomastie bei Männern, die sich nach dem Absetzen zurückbilden [5]. Risperidon erhöht laut Fachinformation wie andere Arzneimittel, die Dopamin-D2-Rezeptoren blockieren, den Prolaktinspiegel [1]. Domperidon ist ein Dopamin-Gegenspieler, der kaum ins Gehirn gelangt; laut Fachinformation regt es aber die Freisetzung von Prolaktin aus der Hirnanhangsdrüse an [7].

Ein erhöhter Prolaktinspiegel kann laut Fachinformation von Risperidon die Ausschüttung des Hormons GnRH aus dem Hypothalamus unterdrücken und dadurch die Bildung der Geschlechtshormone und die Fruchtbarkeit bei Frauen und Männern beeinträchtigen [1]. Darüber hinaus nennt die Fachinformation einen möglichen Zusammenhang mit Tumoren: Studien an Gewebekulturen deuten darauf hin, dass Prolaktin das Zellwachstum bei menschlichen Brusttumoren anregen kann; veröffentlichte epidemiologische Studien zum Zusammenhang zwischen Antipsychotika, Hyperprolaktinämie und Brustkrebs zeigten jedoch inkonsistente Ergebnisse [1].

Was Sie tun können

Mann mit grauem Haar spricht in einer hellen Arztpraxis ruhig mit einer Ärztin
Bild: KI-generiert

Nicht eigenmächtig absetzen. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Risperidon zum Beispiel sollte laut Packungsbeilage nur beendet werden, wenn die Ärztin oder der Arzt es sagt, weil sonst die Krankheitszeichen wieder auftreten können; wird es abgesetzt, wird die Dosis schrittweise über einige Tage verringert [2]. Was beim Absetzen allgemein zu beachten ist, erklärt der Ratgeber Medikamente absetzen.

Mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen. Treten unter Risperidon Beschwerden auf, die auf einen hohen Prolaktinwert hindeuten, wird laut Packungsbeilage die Bestimmung des Prolaktinwertes im Blut empfohlen [2]. Ob sich die Beschwerden zurückbilden, hängt vom Wirkstoff ab: Die Gynäkomastie unter Spironolacton ist laut Fachinformation meist reversibel; die Prolaktinerhöhung unter Amisulprid und die hormonellen Beschwerden unter Metoclopramid gehen nach dem Absetzen zurück [4, 5, 9]. Unter Testosteron kann eine Gynäkomastie dagegen bestehen bleiben [12]. Welche Möglichkeiten es gibt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt mit Ihnen.

Die Brust beobachten. Die Packungsbeilage des Estradiol-Sprays rät, die Brüste regelmäßig zu untersuchen und ärztlichen Rat einzuholen, wenn Ihnen Veränderungen auffallen, etwa Einziehungen der Haut, Veränderungen der Brustwarzen oder Knoten, die Sie sehen oder fühlen können [14]. Bei Brustkrebs in der eigenen oder familiären Vorgeschichte wird die Ärztin oder der Arzt Amisulprid laut Packungsbeilage mit Vorsicht anwenden und regelmäßige Kontrolluntersuchungen durchführen [6].

Hormone und Brustkrebs-Früherkennung. Eine Hormonersatztherapie mit Estrogen und Gestagen oder mit Estrogen allein erhöht laut Packungsbeilage des Estradiol-Sprays das Risiko für Brustkrebs; das zusätzliche Risiko hängt von der Dauer der Anwendung ab [14]. Solche Arzneimittel können das Brustgewebe dichter machen und dadurch das Ergebnis einer Mammographie beeinflussen; informieren Sie deshalb die Fachkraft, die die Mammographie durchführt, dass Sie eine Hormonersatztherapie anwenden [14]. Bei Frauen, die eine Kombinationspille nehmen, wird Brustkrebs laut Packungsbeilage etwas häufiger beobachtet; ob das durch die Pille verursacht wird, ist nicht bekannt; möglicherweise werden Tumoren auch häufiger entdeckt, weil Pillen-Anwenderinnen öfter ärztlich untersucht werden [15].

Nebenwirkung melden. Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; Sie können Nebenwirkungen auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [10]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Manche Veränderungen der Brust sollten Sie rasch abklären lassen. Die Packungsbeilage von Finasterid nennt Brustkrebs bei Männern als Nebenwirkung mit nicht bekannter Häufigkeit; stellen Sie Veränderungen des Brustgewebes fest, etwa Knoten, Schmerzen, eine Vergrößerung der Brust oder Ausfluss aus den Brustwarzen, müssen Sie sich laut Packungsbeilage umgehend an Ihren Arzt wenden, weil diese Anzeichen möglicherweise auf eine ernsthafte Erkrankung wie Brustkrebs hinweisen [10]. Laut IQWiG ist eine ärztliche Abklärung außerdem wichtig, wenn sich eine Brust in Form oder Größe verändert, ein Knoten in Brust oder Achselhöhle tastbar ist, sich die Brustwarze oder Brusthaut nach innen zieht, die Brusthaut sich rötet oder schuppt und nicht verheilt oder eine Brustwarze klare oder blutige Flüssigkeit absondert [16].

Unter Amisulprid wurden gutartige Tumoren der Hirnanhangsdrüse beobachtet, zum Beispiel Prolaktinome [4, 6]. Bei Verdacht auf einen solchen Tumor, etwa beim Auftreten von Ausfällen im Gesichtsfeld, wird die Ärztin oder der Arzt laut Packungsbeilage entsprechende Untersuchungen veranlassen; laut Fachinformation können auch Kopfschmerzen ein Anzeichen sein [4, 6]. Bemerken Sie unter Amisulprid Ausfälle im Gesichtsfeld, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. In lebensbedrohlichen Fällen alarmieren Sie den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 [18].

Andere Ursachen

Nicht jede Brustveränderung kommt von einem Medikament. Spannungsgefühle in den Brüsten gehören laut IQWiG zu den häufigen Beschwerden des prämenstruellen Syndroms; dessen Ursachen sind noch nicht abschließend geklärt, vermutlich spielen die hormonellen Schwankungen im Zyklus eine Rolle [17]. Auch Brustkrebs kann sich durch Veränderungen der Brust zeigen; er macht sich im frühen Stadium normalerweise nicht durch Schmerzen bemerkbar [16].

  • Brustkrebs bei Frauen: Er ist laut IQWiG in Deutschland die häufigste Krebserkrankung bei Frauen; mehr als die Hälfte der Betroffenen sind bei der Diagnose älter als 60 Jahre [16]. Mehr dazu: Brustkrebs: Antihormontherapie.
  • Brustkrebs bei Männern: Auch Männer können an Brustkrebs erkranken; laut IQWiG betreffen etwa 1 Prozent aller Brustkrebserkrankungen Männer [16].
  • Gutartige Knoten: Die Anzeichen, die auf einen Tumor hindeuten, können laut IQWiG auch von einem gutartigen Knoten kommen; eine ärztliche Abklärung ist laut IQWiG wichtig [16].

Quellen

  1. Fachinformation Fachinformation Risperidon AbZ Filmtabletten (Version 3). AbZ-Pharma GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 12.10.2026
  2. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Risperidon AbZ 1 mg Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 05/2023. abgerufen am 12.10.2026
  3. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Xeplion (Paliperidon), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Janssen-Cilag International NV (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2024. abgerufen am 12.10.2026
  4. Fachinformation Fachinformation Solian 100 mg/200 mg Tabletten, Solian 400 mg Filmtabletten (Amisulprid). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 05/2023. abgerufen am 12.10.2026
  5. Fachinformation Fachinformation MCP-ratiopharm 10 mg Tabletten (Metoclopramid). ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 12.10.2026
  6. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Solian 200 mg Tabletten (Amisulprid). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 07/2022. abgerufen am 12.10.2026
  7. Fachinformation Fachinformation Domperidon-ratiopharm 10 mg Filmtabletten (Version 7). ratiopharm GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 12.10.2026
  8. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation MCP-ratiopharm 10 mg Tabletten (Metoclopramid). ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 12.10.2026
  9. Fachinformation Fachinformation Spironolacton-ratiopharm Tabletten (Version 7). ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 12.10.2026
  10. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Finasterid STADA 5 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 08/2025. abgerufen am 12.10.2026
  11. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Testogel Dosiergel 16,2 mg/g Gel (Testosteron). Besins Healthcare Germany GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 12.10.2026
  12. Fachinformation Fachinformation Testogel Dosiergel 16,2 mg/g Gel (Testosteron). Besins Healthcare Germany GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 12.10.2026
  13. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Xtandi (Enzalutamid), Anhang I: Fachinformation. Astellas Pharma Europe B.V. (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2026. abgerufen am 12.10.2026
  14. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Lenzetto 1,53 mg/Sprühstoß transdermales Spray, Lösung (Estradiol). Gedeon Richter Plc. / Gedeon Richter Pharma GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 12.10.2026
  15. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Asumate 30 150/30 Mikrogramm Filmtabletten (Levonorgestrel/Ethinylestradiol). Exeltis Germany GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 12.10.2026
  16. Brustkrebs. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 04.02.2026. abgerufen am 12.10.2026
  17. Prämenstruelles Syndrom (PMS). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.04.2022. abgerufen am 12.10.2026
  18. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente können eine Gynäkomastie auslösen?

Eine Vergrößerung der männlichen Brustdrüse (Gynäkomastie) nennen zum Beispiel die Produktinformationen von Spironolacton, Testosteron und Enzalutamid als häufige Nebenwirkung (bei bis zu 1 von 10 Behandelten). Bei Finasterid und Risperidon ist eine Brustvergrößerung bzw. Gynäkomastie als gelegentlich eingestuft, bei Metoclopramid und Domperidon mit nicht bekannter Häufigkeit. Alle Wirkstoffe mit geprüftem Steckbrief, deren Produktinformation Brustbeschwerden nennt, stehen in der Tabelle auf dieser Seite.

Warum können Medikamente Milchfluss aus der Brust auslösen?

Bei manchen Mitteln steigt das Hormon Prolaktin an. Laut Fachinformation von Metoclopramid kann das bei längerer Anwendung geschehen, weil die hemmende Wirkung des Botenstoffs Dopamin auf die Prolaktinfreisetzung wegfällt. Beschrieben sind dann Milchfluss (Galaktorrhö), Zyklusstörungen bei Frauen und eine Gynäkomastie bei Männern. Auch Risperidon erhöht den Prolaktinspiegel wie andere Mittel, die Dopamin-D2-Rezeptoren blockieren.

Geht eine Gynäkomastie durch Medikamente wieder weg?

Das hängt vom Wirkstoff ab. Die Gynäkomastie unter Spironolacton ist laut Fachinformation meist reversibel, also rückbildungsfähig, und bei Metoclopramid bilden sich die hormonellen Beschwerden laut Fachinformation nach dem Absetzen zurück. Unter Testosteron kann eine Gynäkomastie dagegen laut Fachinformation auch bestehen bleiben. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Kann die Pille Brustspannen verursachen?

Ja. In der Packungsbeilage einer Pille mit Levonorgestrel und Ethinylestradiol sind Brustschmerzen oder eine Empfindlichkeit der Brust als häufig eingestuft, also bei bis zu 1 von 10 Anwenderinnen. Brustspannen kann aber auch unabhängig von Medikamenten in den Tagen vor der Regelblutung auftreten, wie das IQWiG zum prämenstruellen Syndrom beschreibt.

Was bedeutet ein erhöhter Prolaktinwert?

Ein erhöhter Prolaktinwert im Blut kann laut Packungsbeilage von Risperidon Beschwerden hervorrufen, muss aber nicht. Mögliche Beschwerden sind bei Männern ein Anschwellen der Brustdrüsen oder Erektionsprobleme, bei Frauen Brustbeschwerden, Milchabsonderung und Störungen des Zyklus. Treten solche Anzeichen auf, wird laut Packungsbeilage die Bestimmung des Prolaktinwertes im Blut empfohlen.

Können Antipsychotika das Brustkrebsrisiko erhöhen?

Das ist nicht geklärt. Laut Fachinformation von Risperidon deuten Studien an Gewebekulturen darauf hin, dass Prolaktin das Wachstum von Brusttumorzellen anregen kann; epidemiologische Studien zum Zusammenhang zwischen Antipsychotika, erhöhtem Prolaktin und Brustkrebs zeigten aber widersprüchliche Ergebnisse. Laut Fachinformation von Amisulprid ist bei der Anwendung Vorsicht geboten, und Patientinnen und Patienten mit Brustkrebs in der eigenen oder familiären Vorgeschichte sollten während der Behandlung engmaschig überwacht werden.

Wann sollte ich mit Brustbeschwerden zum Arzt?

Laut IQWiG sollten Sie zum Beispiel einen tastbaren Knoten in Brust oder Achselhöhle, eine Veränderung von Form oder Größe einer Brust, eine nach innen gezogene Brustwarze oder Brusthaut und eine Absonderung von klarer oder blutiger Flüssigkeit aus der Brustwarze ärztlich abklären lassen. Männer, die Finasterid einnehmen, müssen sich laut Packungsbeilage bei Veränderungen des Brustgewebes umgehend an ihren Arzt wenden.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu