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Verapamil: Nebenwirkungen und Wirkung

Verapamil ist ein verschreibungspflichtiger Calciumantagonist gegen Angina pectoris, bestimmte Herzrhythmusstörungen mit schnellem Herzschlag und Bluthochdruck. Häufig sind Schwindel, Kopfschmerzen, Verstopfung, Übelkeit, Gesichtsrötung, Knöchelödeme und ein verlangsamter Herzschlag. Verapamil hat viele Wechselwirkungen, etwa mit Betablockern, Statinen, Dabigatran und Grapefruit. Zusammen mit Ivabradin darf es nicht eingenommen werden.

Frau Mitte sechzig geht an einem sonnigen Vormittag mit einem Weidenkorb voller Gemüse gemächlich über einen Feldweg
Bild: KI-generiert

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Häufig: Schwindel- bzw. Benommenheitsgefühl[1, 2]
  • Häufig: Kopfschmerzen[1, 2]
  • Häufig: Erkrankungen des Nervensystems (Neuropathie)[1, 2]
  • Häufig: Nervosität[1, 2]
  • Häufig: Verlangsamter Herzschlag (Bradykardie), Entstehung oder Verschlimmerung einer Herzmuskelschwäche, übermäßiger Blutdruckabfall und/oder Beschwerden durch Blutdruckabfall beim Wechsel vom Liegen oder Sitzen zum Stehen (orthostatische Regulationsstörungen)[1, 2]
  • Häufig: Gesichtsrötung mit Wärmegefühl (Flush)[1, 2]
  • Häufig: Erniedrigter Blutdruck (Hypotonie)[1, 2]
  • Häufig: Verstopfung, Übelkeit[1, 2]
  • Häufig: Schmerzhafte Rötungen und Schwellungen der Gliedmaßen (Erythromelalgie)[1, 2]
  • Häufig: Knöchelödeme (periphere Ödeme)[1, 2]

Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Wofür wird Verapamil eingesetzt?

Verapamil ist ein verschreibungspflichtiger Wirkstoff aus der Gruppe der Calciumantagonisten [1, 2]. Laut Packungsbeilage wird es bei drei Gruppen von Erkrankungen angewendet. Erstens bei Angina pectoris, also Schmerzen oder Engegefühl in der Brust, wenn der Herzmuskel nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, und zwar bei Belastung, in Ruhe, durch eine Gefäßverengung (vasospastische Angina pectoris) und nach einem Herzinfarkt bei Menschen ohne Herzmuskelschwäche, wenn Betablocker nicht angezeigt sind [1, 2]. Mehr dazu unter Koronare Herzkrankheit.

Zweitens bei bestimmten Störungen der Herzschlagfolge: bei anfallsweise auftretendem schnellem Herzschlag, der vom Herzvorhof ausgeht, und bei Vorhofflimmern oder Vorhofflattern mit schneller Überleitung auf die Herzkammern, nicht aber bei Menschen mit einer zusätzlichen Leitungsbahn im Herzen (WPW- oder Lown-Ganong-Levine-Syndrom) [1, 2]. Drittens bei Bluthochdruck [1, 2]. Die Behandlung des Bluthochdrucks bedarf der regelmäßigen ärztlichen Kontrolle [1].

Wie wirkt Verapamil?

Verapamil hemmt den Einstrom von Calcium durch die Membranen von Muskelzellen. In den Blutgefäßen führt das zu einer Erweiterung; der Gesamtwiderstand im Kreislauf nimmt ab, ohne dass das Herz zum Ausgleich mehr Blut pumpt, und der Blutdruck sinkt [2]. Verapamil wirkt als Calciumantagonist auch deutlich auf den Herzmuskel: Am AV-Knoten, der Schaltstelle zwischen Vorhöfen und Kammern, verlängert es die Überleitungszeit, und an der Arbeitsmuskulatur des Herzens kann es die Kraft verringern [2].

Nach nicht retardierten Tabletten ist die höchste Konzentration im Blut nach 1 bis 2 Stunden erreicht, nach Retardtabletten nach 4 bis 5 Stunden. Die Halbwertszeit nach dem Einnehmen liegt bei 3 bis 7 Stunden [2]. Verapamil wird weitgehend in der Leber abgebaut, unter anderem über das Enzym CYP3A4, und hemmt selbst CYP3A4 und das Transportprotein P-Glykoprotein. Deshalb kann es die Spiegel anderer Arzneimittel, die überwiegend über CYP3A4 abgebaut werden oder vom P-Glykoprotein transportiert werden, im Blut erhöhen [2].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Unten stehen alle Nebenwirkungen aus Packungsbeilage und Fachinformation. "Häufig" heißt: bis zu 1 von 10 Behandelten, "gelegentlich" bis zu 1 von 100, "selten" bis zu 1 von 1.000 und "sehr selten" bis zu 1 von 10.000; bei "nicht bekannt" lässt sich die Häufigkeit aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen [1, 2]. Wie Sie solche Angaben einordnen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Laut Fachinformation wurden am häufigsten Kopfschmerzen, Schwindel und Benommenheit, Magen-Darm-Beschwerden (Übelkeit, Verstopfung und Bauchbeschwerden) gemeldet, außerdem ein verlangsamter Herzschlag, ein beschleunigter Herzschlag, Herzklopfen, niedriger Blutdruck, Gesichtsrötung, Wassereinlagerungen an den Knöcheln und Müdigkeit [2].

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

  • NervensystemMissempfindungen wie Kribbeln, Taubheits- und Kältegefühl in den Gliedmaßen (Parästhesie)[1, 2]Mehr dazu: Kribbeln und Taubheitsgefühl
  • NervensystemZittern (Tremor)[1, 2]Mehr dazu: Zittern
  • PsycheSchläfrigkeit, Benommenheit, Bewusstseinstrübung (Somnolenz)[1, 2]Mehr dazu: Müdigkeit
  • Ohr und GleichgewichtOhrgeräusche (Tinnitus)[1, 2]Mehr dazu: Ohrgeräusche
  • Magen und DarmErbrechen[1, 2]Mehr dazu: Erbrechen
  • HautVerstärktes Schwitzen (Hyperhidrose)[1, 2]Mehr dazu: Vermehrtes Schwitzen

Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen

  • HautSonnenbrandähnliche Hautreaktionen (Photodermatitis)[1, 2]Mehr dazu: Lichtempfindlichkeit der Haut
  • Muskeln, Knochen und GelenkeVerschlimmerung bestimmter Muskelerkrankungen (Myasthenia gravis, Lambert-Eaton-Syndrom, fortgeschrittene Duchenne-Muskeldystrophie)[1, 2]

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Laut Packungsbeilage benachrichtigen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn Sie Nebenwirkungen bei sich beobachten, damit sie oder er über den Schweregrad und die nötigen Maßnahmen entscheiden kann [1]. Verapamil beeinflusst den Sinus- und den AV-Knoten und kann laut Fachinformation in seltenen Fällen einen höhergradigen AV-Block, einen verlangsamten Herzschlag oder im Extremfall einen Herzstillstand hervorrufen; wahrscheinlicher ist das bei einem Sinusknotensyndrom, das häufiger bei älteren Menschen auftritt [2]. Bei Menschen mit Herzschrittmacher kann eine Beeinflussung der Schrittmacherfunktion nicht ausgeschlossen werden [1, 2].

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Frau Ende sechzig sitzt nach dem Mittagessen an einem hellen Esstisch und schenkt sich ein Glas Wasser ein, vor ihr ein Teller mit Gemüse
Bild: KI-generiert

Einnahme: Nehmen Sie die Tabletten ungelutscht und unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit ein, am besten zu oder kurz nach den Mahlzeiten, und nicht im Liegen. Verwenden Sie dafür keinen Grapefruitsaft [1].

Kreislauf: Ein übermäßiger Blutdruckabfall und Beschwerden beim Wechsel vom Liegen oder Sitzen zum Stehen gehören zu den häufigen Nebenwirkungen [1, 2]. Mehr dazu unter Niedriger Blutdruck. Das Reaktionsvermögen kann beeinträchtigt sein, in verstärktem Maß zu Behandlungsbeginn, bei Dosiserhöhung und Präparatewechsel, zu Beginn einer zusätzlichen Medikation sowie zusammen mit Alkohol [1, 2].

Verstopfung und Zahnfleisch: Verstopfung ist häufig. Zahnfleischwucherungen sind als Nebenwirkung mit nicht bekannter Häufigkeit beschrieben; mehr dazu unter Zahnschäden [1, 2]. Halten Beschwerden an, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.

Wechselwirkungen

Verapamil hat viele Wechselwirkungen. Nehmen Sie es nicht zusammen mit den genannten Mitteln ein, ohne dass Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es ausdrücklich angeordnet hat [1]. Mit Ivabradin darf Verapamil nicht eingenommen werden, weil es die Senkung der Herzfrequenz verstärkt [1, 2]. Betablocker, andere Mittel gegen Herzrhythmusstörungen und Narkosegase können sich mit Verapamil in ihren Wirkungen auf Herz und Kreislauf gegenseitig verstärken; mehr zu Betablockern unter Betablocker [1, 2].

Weil Verapamil das Enzym CYP3A4 und das Transportprotein P-Glykoprotein hemmt, können Statine wie Simvastatin und Atorvastatin sowie Gerinnungshemmer wie Dabigatran stärker wirken; bei Dabigatran kann das Blutungsrisiko steigen [1, 2]. Auch die Konzentration der Herzglykoside Digoxin und Digitoxin im Blut kann steigen [1, 2]. Grapefruit kann die Verapamil-Konzentration im Blut erhöhen; mehr dazu im Ratgeber Medikamente und Grapefruit [1, 2].

Wechselwirkungen von Verapamil
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
IvabradinVerstärkte Senkung der Herzfrequenz[1, 2]Kombination nicht erlaubt
Betablocker (z. B. Metoprolol, Propranolol), Mittel gegen Herzrhythmusstörungen (z. B. Flecainid, Disopyramid), Mittel zur InhalationsnarkoseGegenseitige Verstärkung der Wirkungen auf Herz und Kreislauf: höhergradige AV-Blockierungen, stärkere Senkung der Herzfrequenz, Herzmuskelschwäche, verstärkte Blutdrucksenkung[1, 2]Betablocker in die Vene sind während der Behandlung nicht erlaubt (Ausnahme Intensivmedizin); sonst vorher ärztlich besprechen
Andere Blutdrucksenker, Entwässerungsmittel (Diuretika), gefäßerweiternde MittelVerstärkung der blutdrucksenkenden Wirkung[1, 2]Vorher Rücksprache halten
Digoxin, Digitoxin (Mittel zur Stärkung der Herzkraft)Höhere Digoxin- bzw. Digitoxin-Konzentration im Blut[1, 2]Auf Zeichen einer Überdosierung achten; falls nötig, verringert die Ärztin oder der Arzt die Dosis, eventuell nach Bestimmung der Blutkonzentration
Statine wie Simvastatin, Atorvastatin oder LovastatinHöhere Statin-Konzentration im Blut; mit höheren Simvastatin-Dosen steigt das Risiko für Muskelerkrankungen (Myopathie) und Muskelzerfall (Rhabdomyolyse)[1, 2]Statin mit der geringsten möglichen Dosis beginnen bzw. eine Dosisverringerung erwägen; Fluvastatin, Pravastatin und Rosuvastatin werden nicht über CYP3A4 abgebaut, eine Wechselwirkung ist weniger wahrscheinlich
Dabigatran und andere direkte orale Gerinnungshemmer (DOAK)Höhere Spiegel des Gerinnungshemmers im Blut, das Blutungsrisiko kann steigen[1, 2]Möglicherweise ist eine Dosisanpassung des Gerinnungshemmers nötig (siehe dessen Packungsbeilage); laut Fachinformation bei Dabigatran engmaschige Überwachung, insbesondere beim Auftreten von Blutungen, vor allem bei leicht bis mäßig eingeschränkter Nierenfunktion
Mittel gegen Pilzerkrankungen (z. B. Clotrimazol, Ketoconazol, Itraconazol), HIV-Mittel (z. B. Ritonavir, Indinavir), Makrolid-Antibiotika (z. B. Erythromycin, Clarithromycin, Telithromycin), Cimetidin, Almotriptan, Imipramin, Glibenclamid, Benzodiazepine und andere angstlösende Mittel (z. B. Buspiron, Midazolam)Höhere Konzentration von Verapamil und/oder dieser Mittel im Blut durch gegenseitige Beeinflussung des Abbaus[1, 2]Vorher ärztlich besprechen
Phenytoin, Phenobarbital, Rifampicin, Sulfinpyrazon, JohanniskrautNiedrigere Verapamil-Konzentration, schwächere Wirkung[1, 2]Vorher ärztlich besprechen
Amiodaron, Ciclosporin, Everolimus, Sirolimus, Tacrolimus, Theophyllin, Prazosin, TerazosinHöhere Konzentration dieser Mittel im Blut[1, 2]Vorher ärztlich besprechen; bei Everolimus und Sirolimus kann laut Fachinformation eine Spiegelbestimmung und Dosisanpassung nötig sein
Colchicin (Gichtmittel)Höhere Colchicin-Spiegel; ein Einzelbericht über Lähmungen in Armen und Beinen[1, 2]Laut Fachinformation wird die gleichzeitige Einnahme nicht empfohlen
ChinidinVerstärkter Blutdruckabfall, höhere Chinidin-Spiegel; bei hypertropher obstruktiver Kardiomyopathie Lungenödem möglich[1, 2]Vorher ärztlich besprechen
CarbamazepinStärkere Carbamazepin-Wirkung mit mehr Nebenwirkungen am Nervensystem; schwächere Verapamil-Wirkung[1, 2]Vorher ärztlich besprechen
LithiumLithium kann schwächer wirken, seine Nebenwirkungen am Nervensystem können zunehmen[1, 2]Engmaschige Beobachtung
Acetylsalicylsäure (ASS)Verstärkte Blutungsneigung[1, 2]Vorher ärztlich besprechen
Muskelrelaxanzien (Mittel zur Muskelerschlaffung)Ihre Wirkung kann verstärkt werden[1, 2]Vorher ärztlich besprechen; laut Fachinformation kann es nötig werden, die Dosis von Verapamil und/oder des Muskelrelaxans zu verringern
MetforminDie blutzuckersenkende Wirkung von Metformin kann sich verringern[1, 2]Vorher ärztlich besprechen
AlkoholAlkohol wird langsamer abgebaut, die Alkoholwirkung verstärkt sich[1, 2]Möglichst keinen Alkohol trinken
Grapefruit und grapefruithaltige Speisen und GetränkeHöhere Verapamil-Konzentration im Blut[1, 2]Während der Einnahme meiden

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Verapamil nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Verapamil darf unter anderem nicht eingenommen werden bei einem Herz-Kreislauf-Schock, bei höhergradigen Erregungsleitungsstörungen im Herzen und bei einem Sinusknotensyndrom (diese beiden jeweils außer mit Herzschrittmacher), bei einer Herzmuskelschwäche mit einer Auswurfleistung unter 35 % und/oder einem Verschlussdruck über 20 mmHg und bei Vorhofflimmern mit einer zusätzlichen Leitungsbahn [1, 2]. Mehr zur Herzschwäche unter Herzinsuffizienz. Wurde Verapamil wegen Angina pectoris nach einem Herzinfarkt verordnet, beginnt die Einnahme erst 7 Tage nach dem akuten Infarkt [1].

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Verapamilhydrochlorid oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
  • Herz-Kreislauf-Schock[1, 2]
  • Höhergradige Erregungsleitungsstörungen im Herzen (SA-Block oder AV-Block II. und III. Grades), außer mit Herzschrittmacher[1, 2]
  • Sinusknotensyndrom (z. B. Herzschlag unter 60 pro Minute, Wechsel von langsamem und schnellem Herzschlag, Sinusarrest), außer mit Herzschrittmacher[1, 2]
  • Herzmuskelschwäche mit einer Auswurfleistung unter 35 % und/oder einem Verschlussdruck über 20 mmHg, sofern nicht Folge eines auf Verapamil ansprechenden schnellen Herzschlags aus dem Vorhof[1, 2]
  • Vorhofflimmern oder -flattern bei zusätzlicher Leitungsbahn (WPW- oder Lown-Ganong-Levine-Syndrom): erhöhtes Risiko für Kammertachykardie bis zum Kammerflimmern[1, 2]
  • Gleichzeitige Einnahme von Ivabradin[1, 2]
  • Gleichzeitige Gabe von Betablockern in die Vene (Ausnahme Intensivmedizin)[1, 2]

Besondere Vorsicht bei

  • Kürzlich erlittener akuter Herzinfarkt mit Komplikationen wie langsamem Herzschlag, ausgeprägtem Blutdruckabfall oder Linksherzschwäche[1, 2]
  • Leichte Erregungsleitungsstörung (AV-Block I. Grades); treten ein AV-Block II. oder III. Grades oder ein Schenkelblock auf, muss Verapamil laut Fachinformation abgesetzt werden[1, 2]
  • Niedriger Blutdruck (systolisch unter 90 mmHg) oder Ruhepuls unter 50 Schlägen pro Minute[1, 2]
  • Stark eingeschränkte Leberfunktion: Die Wirkung ist verstärkt und verlängert, Behandlungsbeginn mit niedrigen Dosen[1, 2]
  • Eingeschränkte Nierenfunktion: Anwendung nur mit Vorsicht und unter sorgfältiger Überwachung; Verapamil lässt sich durch Blutwäsche (Hämodialyse) nicht entfernen[1, 2]
  • Erkrankungen mit gestörter Übertragung von Nervenimpulsen auf die Muskeln (Myasthenia gravis, Lambert-Eaton-Syndrom, fortgeschrittene Duchenne-Muskeldystrophie)[1, 2]
  • Herzinsuffizienz mit einer Auswurfleistung über 35 %: vor Behandlungsbeginn ausgleichen und während der Behandlung angemessen behandeln[2]
  • Herzschrittmacher: Eine Beeinflussung der Funktion kann nicht ausgeschlossen werden[1, 2]
  • Angina pectoris nach einem Herzinfarkt: Einnahme erst 7 Tage nach dem akuten Infarkt beginnen[1]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Trinken Sie während der Einnahme möglichst keinen Alkohol, weil Verapamil seine Wirkung verstärkt [1, 2]. Zur Schwangerschaft sind die Angaben unterschiedlich gewichtet: Die Packungsbeilage rät in den ersten sechs Monaten von der Einnahme ab, Embryotox nennt Verapamil zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen ein Mittel der Wahl in der Schwangerschaft [1, 3]. Die Karten nennen beide Einschätzungen; sprechen Sie vor einer Schwangerschaft mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.

Schwangerschaft

Verapamil geht über die Plazenta auf das ungeborene Kind über. Es gibt keine ausreichenden Erfahrungen in der Schwangerschaft; Daten über eine begrenzte Zahl behandelter Schwangerer lassen nicht auf fruchtschädigende Wirkungen schließen, Tierstudien zeigten schädliche Auswirkungen auf die Nachkommen. Laut Packungsbeilage sollten Sie Verapamil deshalb in den ersten sechs Monaten der Schwangerschaft nicht einnehmen; in den letzten drei Monaten nur, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es unter Berücksichtigung des Risikos für Mutter und Kind für zwingend erforderlich hält. Verapamil kann wehenhemmend wirken.[1, 2]

Embryotox nennt Verapamil als Antiarrhythmikum (Mittel gegen Herzrhythmusstörungen) der Klasse IV ein Mittel der Wahl für die Schwangerschaft; ein erhöhtes Fehlbildungsrisiko ergaben die vorliegenden Daten bisher nicht. Nach Anwendung im ersten Schwangerschaftsdrittel kann eine weiterführende Ultraschalluntersuchung angeboten werden. Für die Behandlung von Bluthochdruck ohne weitere Begleiterkrankungen nennt Embryotox als besser geeignete Alternativen z. B. Metoprolol und Alpha-Methyldopa, besonders im zweiten und dritten Schwangerschaftsdrittel auch Nifedipin. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Verapamil geht in die Muttermilch über; der Säugling nimmt nur eine geringe Menge auf (0,1 bis 1 % der mütterlichen Dosis). Ein Risiko für das Kind kann nicht ausgeschlossen werden: Laut Packungsbeilage sollte Verapamil in der Stillzeit nur angewendet werden, wenn es für das Wohlergehen der Mutter unbedingt notwendig ist. Es gibt Anhaltspunkte dafür, dass Verapamil in Einzelfällen die Ausschüttung von Prolaktin steigern und eine spontane Milchabsonderung auslösen kann.[1, 2]

Laut Embryotox kann Verapamil zur Behandlung von Herzrhythmusstörungen in der Stillzeit verwendet werden; bei gestillten Säuglingen wurden bisher keine negativen Auswirkungen beschrieben. Bei Bluthochdruck ist Verapamil laut Embryotox in der Stillzeit akzeptabel, wenn es Vorteile gegenüber erprobteren Calciumantagonisten wie Amlodipin oder Nifedipin bietet. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Trinken Sie während der Einnahme möglichst keinen Alkohol: Verapamil verzögert den Abbau von Alkohol und verstärkt seine Wirkung.[1, 2]

Autofahren und Maschinen

Verapamil kann auch bei bestimmungsgemäßem Gebrauch das Reaktionsvermögen so weit verändern, dass die Fähigkeit zur aktiven Teilnahme am Straßenverkehr, zum Bedienen von Maschinen oder zum Arbeiten ohne sicheren Halt beeinträchtigt ist, verstärkt bei Behandlungsbeginn, Dosiserhöhung, Präparatewechsel, zu Beginn einer zusätzlichen Medikation und zusammen mit Alkohol.[1, 2]

Einnahme

Ungelutscht und unzerkaut mit ausreichend Flüssigkeit (z. B. einem Glas Wasser, kein Grapefruitsaft) einnehmen, am besten zu oder kurz nach den Mahlzeiten; nicht im Liegen einnehmen.[1]

Einnahme vergessen: beim nächsten Mal nicht die doppelte Menge nehmen, sondern wie verordnet fortfahren.[1]

Absetzen

Unterbrechen oder beenden Sie die Behandlung nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nach längerer Behandlung sollte das Absetzen grundsätzlich nicht plötzlich, sondern ausschleichend erfolgen.[1]

Überdosierung

Zu große Mengen können zu schwerem Blutdruckabfall, Herzmuskelschwäche und Herzrhythmusstörungen bis zum Herz-Kreislauf-Schock und Herzstillstand führen, außerdem zu Bewusstseinstrübung bis zum Koma, erhöhtem Blutzucker, niedrigem Kalium, Übersäuerung des Blutes, Sauerstoffmangel im Gewebe, Wasser in der Lunge, eingeschränkter Nierenfunktion und Krämpfen; über Todesfälle wurde gelegentlich berichtet. Benachrichtigen Sie sofort eine Ärztin, einen Arzt oder den Notarzt.[1]

Dosierung laut Packungsbeilage

Die Packungsbeilage der Filmtabletten mit 120 mg nennt für jedes Anwendungsgebiet einen empfohlenen Dosisbereich, Angaben für Kinder mit Herzrhythmusstörungen und Hinweise bei eingeschränkter Leber- oder Nierenfunktion [1]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder; sie ersetzt nicht die Verordnung. Welche Dosis für Sie richtig ist, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest [1].

Einnahme und Absetzen

Nehmen Sie Verapamil immer genau nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein. Die Dauer der Einnahme ist nicht begrenzt; sie bestimmt die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt [1]. Haben Sie eine Einnahme vergessen, nehmen Sie beim nächsten Mal nicht die doppelte Menge, sondern fahren wie verordnet fort [1].

Unterbrechen oder beenden Sie die Behandlung nicht ohne Rücksprache. Nach längerer Behandlung sollte Verapamil grundsätzlich nicht plötzlich, sondern ausschleichend abgesetzt werden [1]. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente absetzen. Bei Zeichen einer Überdosierung benachrichtigen Sie sofort eine Ärztin, einen Arzt oder den Notarzt [1]; Telefonnummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Präparate mit Verapamil

Verapamil gibt es als Filmtabletten in verschiedenen Stärken und als Retardtabletten [1, 2]. Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Verapamil-ratiopharm Filmtabletten mit 120 mg [1, 2].

Präparate mit Verapamil
PräparatAnbieterHinweis
Verapamil-ratiopharmratiopharm GmbHFilmtabletten mit 40, 80 oder 120 mg und Retardtabletten mit 240 mg, verschreibungspflichtig; Filmtabletten mit 120 mg sind Grundlage dieser Seite
Verapamil AbZAbZ-Pharma GmbHFilmtabletten mit 40, 80 oder 120 mg und Retardtabletten mit 240 mg, verschreibungspflichtig

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Verapamil-ratiopharm 120 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 11.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Verapamil-ratiopharm 120 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2022. abgerufen am 11.10.2026
  3. Embryotox Embryotox: Verapamil. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 11.10.2026

Häufige Fragen

Wofür wird Verapamil eingesetzt?

Verapamil wird angewendet bei Angina pectoris, also Schmerzen oder Engegefühl in der Brust durch eine unzureichende Sauerstoffversorgung des Herzmuskels, bei bestimmten Herzrhythmusstörungen mit schnellem Herzschlag, die vom Herzvorhof ausgehen, sowie bei Vorhofflimmern oder -flattern mit schneller Überleitung, und bei Bluthochdruck.

Darf ich Verapamil zusammen mit einem Betablocker nehmen?

Betablocker wie Metoprolol oder Propranolol und Verapamil können sich gegenseitig in ihren Wirkungen auf Herz und Kreislauf verstärken: Möglich sind höhergradige Überleitungsstörungen im Herzen, eine stärkere Senkung der Herzfrequenz, eine Herzmuskelschwäche und ein stärkerer Blutdruckabfall. Betablocker dürfen während der Behandlung nicht in die Vene gegeben werden (Ausnahme Intensivmedizin). Ob eine Kombination zum Einnehmen für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Welche Wechselwirkung hat Verapamil mit Statinen?

Verapamil kann die Konzentration von Statinen wie Simvastatin, Atorvastatin oder Lovastatin im Blut erhöhen; mit höheren Simvastatin-Dosen steigt das Risiko für Muskelerkrankungen und Muskelzerfall. Deshalb wird ein Statin mit der geringsten möglichen Dosis begonnen oder eine Verringerung der Statin-Dosis erwogen. Fluvastatin, Pravastatin und Rosuvastatin werden nicht über das Enzym CYP3A4 abgebaut; eine Wechselwirkung ist bei ihnen weniger wahrscheinlich.

Darf ich Verapamil zusammen mit Dabigatran nehmen?

Verapamil kann die Spiegel von Dabigatran und anderen direkten oralen Gerinnungshemmern im Blut erhöhen; das Blutungsrisiko kann steigen. Möglicherweise muss die Dosis des Gerinnungshemmers angepasst werden. Laut Fachinformation wird eine engmaschige Überwachung empfohlen, insbesondere wenn Blutungen auftreten, vor allem bei leicht bis mäßig eingeschränkter Nierenfunktion.

Macht Verapamil Verstopfung?

Ja, Verstopfung gehört zu den häufigen Nebenwirkungen, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten; ebenfalls häufig ist Übelkeit. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, wenn die Beschwerden anhalten.

Darf ich Alkohol trinken oder Grapefruit essen, wenn ich Verapamil nehme?

Während der Einnahme sollten Sie möglichst keinen Alkohol trinken: Verapamil verzögert den Abbau von Alkohol und verstärkt seine Wirkung. Grapefruithaltige Speisen und Getränke sollten Sie meiden, weil Grapefruit die Konzentration von Verapamil im Blut erhöhen kann.

Darf ich Verapamil in der Schwangerschaft nehmen?

Laut Packungsbeilage sollten Sie Verapamil in den ersten sechs Monaten der Schwangerschaft nicht einnehmen und in den letzten drei Monaten nur, wenn Ihre Ärztin oder Ihr Arzt es für zwingend erforderlich hält; Verapamil kann wehenhemmend wirken. Für das Beratungszentrum Embryotox ist Verapamil bei Herzrhythmusstörungen in der Schwangerschaft ein Mittel der Wahl. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Kann ich Verapamil einfach absetzen?

Unterbrechen oder beenden Sie die Behandlung nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nach längerer Behandlung sollte Verapamil grundsätzlich nicht plötzlich, sondern ausschleichend abgesetzt werden.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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