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Ivabradin: Nebenwirkungen und Wirkung

Ivabradin ist ein verschreibungspflichtiges Herzmittel, das gezielt die Herzfrequenz senkt. Es wird bei stabiler Angina pectoris und bei chronischer Herzinsuffizienz eingesetzt, wenn der Puls trotz anderer Behandlung zu hoch ist oder Betablocker nicht infrage kommen. Sehr häufig sind lichtbedingte Sehphänomene (Phosphene), häufig ein zu langsamer Herzschlag und Vorhofflimmern. Bei Zeichen eines zu langsamen oder unregelmäßigen Pulses sprechen Sie umgehend mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Mann Mitte sechzig sitzt ruhig auf einem Sessel am Fenster und tastet mit zwei Fingern den Puls an seinem Handgelenk
Bild: KI-generiert

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Sehr häufig: Lichtbedingte Sehphänomene (Phosphene): kurze Momente erhöhter Helligkeit in einem begrenzten Bereich des Gesichtsfelds, meist ausgelöst durch einen plötzlichen Wechsel der Lichtstärke; auch als Lichtkranz um eine Lichtquelle, farbige Blitze, Bildauflösung oder Mehrfachbilder beschrieben. Sie treten im Allgemeinen in den ersten zwei Monaten auf, können danach wiederholt auftreten und verschwinden während oder nach der Behandlung[1, 2]
  • Häufig: Verschwommenes Sehen[1, 2]
  • Häufig: Verlangsamter Herzschlag (Bradykardie), insbesondere in den ersten zwei bis drei Monaten nach Behandlungsbeginn[1, 2]
  • Häufig: Vorhofflimmern (unregelmäßige schnelle Kontraktion des Herzens)[1, 2]
  • Häufig: Zusätzliche Herzschläge aus den Herzkammern (ventrikuläre Extrasystolen), AV-Block 1. Grades (Verlängerung des PQ-Intervalls im EKG)[1, 2]
  • Häufig: Unkontrollierter Blutdruck[1, 2]
  • Häufig: Kopfschmerzen, im Allgemeinen während des ersten Behandlungsmonats[1, 2]
  • Häufig: Schwindel, möglicherweise im Zusammenhang mit einem verlangsamten Herzschlag[1, 2]

Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Wofür wird Ivabradin eingesetzt?

Ivabradin ist ein verschreibungspflichtiges Herzmittel, das gezielt die Herzfrequenz senkt [1, 2]. Es ist für zwei Anwendungsgebiete bei Erwachsenen zugelassen. Das erste ist die stabile Angina pectoris, also Brustschmerzen, die auftreten, wenn das Herz nicht genug Sauerstoff erhält. Ivabradin kommt dabei infrage, wenn eine koronare Herzkrankheit vorliegt, der Herzrhythmus normal ist und der Ruhepuls bei 70 Schlägen pro Minute oder höher liegt: entweder wenn Betablocker nicht vertragen werden oder nicht eingenommen werden dürfen, oder zusätzlich zu Betablockern, wenn diese allein nicht ausreichen [1, 2].

Das zweite Anwendungsgebiet ist die chronische Herzinsuffizienz (Herzleistungsschwäche) mit eingeschränkter Pumpfunktion bei einem Puls von 75 Schlägen pro Minute oder höher, zusammen mit der üblichen Behandlung einschließlich Betablockern oder wenn Betablocker nicht gegeben werden können [1, 2]. Bei Angina pectoris dient Ivabradin laut Fachinformation nur der Linderung der Beschwerden: Einen Nutzen im Hinblick auf weniger Herzinfarkte oder Todesfälle durch Herz-Kreislauf-Erkrankungen hat es dort nicht gezeigt [2].

Wie wirkt Ivabradin?

Der Herzschlag wird im Sinusknoten erzeugt, dem natürlichen Taktgeber des Herzens. Ivabradin hemmt dort gezielt einen bestimmten Ionenstrom (If-Strom), der die Herzfrequenz regelt. Dadurch schlägt das Herz langsamer. Die Weiterleitung der Erregung im Herzen und die Kraft des Herzmuskels beeinflusst Ivabradin nicht [2]. Laut Packungsbeilage verringert die niedrigere Herzfrequenz den Sauerstoffbedarf des Herzens; so hilft sie, Angina-pectoris-Anfälle zu kontrollieren und zu reduzieren, und bei chronischer Herzinsuffizienz die Funktion des Herzens und die Lebenserwartung zu verbessern [1].

Ivabradin kann auch auf einen sehr ähnlichen Ionenstrom in der Netzhaut des Auges wirken. Laut Fachinformation ist dessen teilweise Hemmung bei schnellen Wechseln der Lichtstärke die Ursache der lichtbedingten Sehphänomene, die unter der Behandlung auftreten können [2]. Ivabradin wird ausschließlich über das Enzym CYP3A4 abgebaut; Mittel, die dieses Enzym hemmen oder anregen, können die Menge im Blut in klinisch bedeutsamem Ausmaß verändern [2]. Die Haupt-Halbwertszeit im Blut liegt bei 2 Stunden, die effektive Halbwertszeit bei 11 Stunden. Mit einer Mahlzeit wird der Wirkstoff etwa 1 Stunde später aufgenommen, die Menge im Blut steigt um 20 bis 30 Prozent [2].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Unten stehen alle Nebenwirkungen aus Packungsbeilage und Fachinformation. "Sehr häufig" heißt: mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig" bis zu 1 von 10, "gelegentlich" bis zu 1 von 100, "selten" bis zu 1 von 1.000 und "sehr selten" bis zu 1 von 10.000 [1, 2]. Wie Sie solche Angaben einordnen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Die häufigsten Nebenwirkungen hängen von der Dosis ab und gehen auf die Wirkweise zurück [1, 2]. Sehr häufig sind lichtbedingte Sehstörungen (Phosphene): kurze Momente erhöhter Helligkeit, meist durch einen plötzlichen Wechsel der Lichtstärke. Laut Fachinformation verschwanden alle Phosphene während oder nach der Behandlung, die meisten noch während der Behandlung [1, 2]. Häufig ist ein verlangsamter Herzschlag, vor allem in den ersten zwei bis drei Monaten. Ebenfalls häufig sind Vorhofflimmern, ein unkontrollierter Blutdruck, Kopfschmerzen (im Allgemeinen im ersten Behandlungsmonat), Schwindel und verschwommenes Sehen [1, 2]. Gelegentlich verlängert sich im EKG die QT-Zeit; mehr dazu unter QT-Verlängerung [1, 2].

Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen

  • AugenLichtbedingte Sehphänomene (Phosphene): kurze Momente erhöhter Helligkeit in einem begrenzten Bereich des Gesichtsfelds, meist ausgelöst durch einen plötzlichen Wechsel der Lichtstärke; auch als Lichtkranz um eine Lichtquelle, farbige Blitze, Bildauflösung oder Mehrfachbilder beschrieben. Sie treten im Allgemeinen in den ersten zwei Monaten auf, können danach wiederholt auftreten und verschwinden während oder nach der Behandlung[1, 2]Mehr dazu: Sehstörungen

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

  • AugenVerschwommenes Sehen[1, 2]Mehr dazu: Sehstörungen
  • HerzVerlangsamter Herzschlag (Bradykardie), insbesondere in den ersten zwei bis drei Monaten nach Behandlungsbeginn[1, 2]Mehr dazu: Verlangsamter Herzschlag
  • HerzVorhofflimmern (unregelmäßige schnelle Kontraktion des Herzens)[1, 2]Mehr dazu: Herzrhythmusstörungen
  • HerzZusätzliche Herzschläge aus den Herzkammern (ventrikuläre Extrasystolen), AV-Block 1. Grades (Verlängerung des PQ-Intervalls im EKG)[1, 2]Mehr dazu: Herzrhythmusstörungen
  • Gefäße und KreislaufUnkontrollierter Blutdruck[1, 2]Mehr dazu: Blutdruckanstieg
  • NervensystemKopfschmerzen, im Allgemeinen während des ersten Behandlungsmonats[1, 2]Mehr dazu: Kopfschmerzen
  • NervensystemSchwindel, möglicherweise im Zusammenhang mit einem verlangsamten Herzschlag[1, 2]Mehr dazu: Schwindel

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

  • HautNesselsucht (Urtikaria), Juckreiz (Pruritus), Hautrötung (Erythem)[1, 2]Mehr dazu: NesselsuchtJuckreizHautausschlag
  • Allgemeine BeschwerdenUnwohlsein, möglicherweise im Zusammenhang mit einem verlangsamten Herzschlag[1, 2]

Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen

  • HerzUnregelmäßiger Herzschlag durch AV-Block 2. oder 3. Grades oder Sick-Sinus-Syndrom[1, 2]Mehr dazu: Herzrhythmusstörungen

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Laut Fachinformation ist das Risiko, unter Ivabradin Vorhofflimmern zu entwickeln, erhöht. Es wird empfohlen, Behandelte regelmäßig ärztlich auf Vorhofflimmern zu überprüfen, bei Bedarf mit einem EKG, etwa wenn die Angina pectoris zunimmt, Herzklopfen auftritt oder der Puls unregelmäßig ist. Tritt Vorhofflimmern auf, sollten Nutzen und Risiken der weiteren Behandlung sorgfältig überdacht werden [2]. Sinkt der Ruhepuls dauerhaft unter 50 Schläge pro Minute oder treten Beschwerden durch einen langsamen Herzschlag auf, wird die Dosis schrittweise verringert; bleibt der Puls niedrig oder halten die Beschwerden an, wird die Behandlung abgebrochen [2].

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Frau Ende sechzig sitzt in der Abenddämmerung auf einer Bank an einem ruhigen Seeufer und blickt auf das Wasser
Bild: KI-generiert

Lichterscheinungen: Die Phosphene werden meist durch einen plötzlichen Wechsel der Helligkeit ausgelöst. Seien Sie im Verkehr und beim Bedienen von Maschinen vorsichtig, wenn sich die Lichtstärke plötzlich ändern kann, besonders bei Nachtfahrten [1, 2]. Verschlechtert sich Ihr Sehvermögen unerwartet, informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; dann sollte laut Fachinformation ein Abbruch der Behandlung erwogen werden [2]. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente und Autofahren.

Puls im Blick behalten: Weil die Herzfrequenz im Laufe der Zeit stark schwanken kann, empfiehlt die Fachinformation vor Beginn und vor Dosisänderungen wiederholte Messungen der Herzfrequenz, ein EKG oder eine 24-Stunden-Messung [2]. Müdigkeit, Schwindel oder Kurzatmigkeit können auf einen zu langsamen Herzschlag hinweisen; ein ungewöhnlich hoher oder unregelmäßiger Ruhepuls auf Vorhofflimmern. In beiden Fällen sprechen Sie umgehend mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [1, 2].

Blutdruck: Ein unkontrollierter Blutdruck ist häufig [1, 2]. Laut Fachinformation traten Phasen mit erhöhtem Blutdruck in einer Studie bei Herzinsuffizienz am häufigsten kurz nach einer Änderung der Blutdruckbehandlung auf und waren vorübergehend; wird bei Herzinsuffizienz die Behandlung geändert, sollte der Blutdruck in angemessenen Abständen kontrolliert werden [2]. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.

Wechselwirkungen

Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, kürzlich eingenommen haben oder einnehmen wollen [1]. Weil Ivabradin ausschließlich über das Enzym CYP3A4 abgebaut wird, erhöhen Hemmstoffe dieses Enzyms die Menge im Blut; das kann zu einem übermäßig verlangsamten Herzschlag führen [2]. Die gleichzeitige Einnahme starker Hemmstoffe wie bestimmter Pilzmittel, Makrolid-Antibiotika wie Clarithromycin und HIV-Mittel wie Ritonavir ist ebenso ausgeschlossen wie die Kombination mit den herzfrequenzsenkenden Calciumantagonisten Verapamil und Diltiazem [1, 2]. Mittel, die die QT-Zeit verlängern, sollten nicht zusammen mit Ivabradin eingenommen werden, weil die Senkung der Herzfrequenz die QT-Verlängerung verstärken kann [1, 2]. Johanniskraut kann die Wirkung abschwächen, Grapefruitsaft die Menge im Blut verdoppeln; mehr dazu im Ratgeber Medikamente und Grapefruit [1, 2].

Wechselwirkungen von Ivabradin
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Starke CYP3A4-Hemmer: Ketoconazol, Itraconazol, Clarithromycin, Erythromycin zum Einnehmen, Josamycin, Telithromycin, Nelfinavir, Ritonavir, NefazodonDie Menge an Ivabradin im Blut steigt stark (mit Ketoconazol oder Josamycin auf das 7- bis 8-Fache); Risiko einer übermäßigen Verlangsamung des Herzschlags[1, 2]Kombination nicht erlaubt
Verapamil, Diltiazem (herzfrequenzsenkende Calciumantagonisten)Doppelte bis dreifache Ivabradin-Menge im Blut und zusätzliche Senkung der Herzfrequenz[1, 2]Kombination nicht erlaubt
Fluconazol und andere mäßig starke CYP3A4-HemmerHöhere Ivabradin-Spiegel[1, 2]Laut Fachinformation nur mit niedriger Anfangsdosis, bei einem Ruhepuls über 70 Schlägen pro Minute und unter Kontrolle der Herzfrequenz; Ärztin oder Arzt informieren
QT-verlängernde Mittel: Chinidin, Disopyramid, Ibutilid, Sotalol, Amiodaron, Bepridil; Pimozid, Ziprasidon, Sertindol; Mefloquin, Halofantrin; Pentamidin; Cisaprid; Erythromycin in die VeneDie Senkung der Herzfrequenz kann eine QT-Verlängerung verstärken, mit dem Risiko schwerer Rhythmusstörungen (Torsade de pointes)[1, 2]Kombination vermeiden; wenn nötig, sorgfältige Überwachung des Herzens
Kaliumsenkende Entwässerungsmittel wie Furosemid, Hydrochlorothiazid oder IndapamidEin niedriger Kaliumwert zusammen mit einem langsamen Herzschlag begünstigt schwere Herzrhythmusstörungen[1, 2]Besondere Vorsicht; Ärztin oder Arzt informieren
Amiodaron oder stark wirksame Antiarrhythmika der Klasse IVorhofflimmern trat häufiger auf[2]Ärztin oder Arzt informieren
Rifampicin, Barbiturate, Phenytoin, JohanniskrautIvabradin kann schwächer wirken; mit Johanniskraut halbierte sich die Ivabradin-Menge im Blut[1, 2]Eine Dosisanpassung kann nötig sein; Johanniskraut während der Behandlung einschränken
GrapefruitsaftDoppelte Ivabradin-Menge im Blut[1, 2]Während der Behandlung vermeiden

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Ivabradin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Ivabradin darf unter anderem nicht eingenommen werden, wenn der Ruhepuls vor der Behandlung unter 70 Schlägen pro Minute liegt, bei einem akuten Herzinfarkt, bei sehr niedrigem Blutdruck, bei bestimmten Herzrhythmusstörungen, bei instabiler Angina pectoris und bei einer Herzschwäche, die sich vor Kurzem verschlechtert hat [1, 2]. Mehr zum Herzinfarkt lesen Sie unter Herzinfarkt. Vor einer geplanten, nicht dringenden elektrischen Kardioversion sollten laut Fachinformation 24 Stunden seit der letzten Einnahme vergangen sein [2].

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Ivabradin oder einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
  • Ruhepuls vor der Behandlung unter 70 Schlägen pro Minute[1, 2]
  • Kardiogener Schock[1, 2]
  • Akuter Herzinfarkt[1, 2]
  • Sehr niedriger Blutdruck (laut Fachinformation unter 90/50 mmHg)[1, 2]
  • Schwere Leberfunktionsstörung[1, 2]
  • Herzrhythmusstörungen: Sick-Sinus-Syndrom, sinuatrialer Block (SA-Block) oder AV-Block 3. Grades[1, 2]
  • Instabile oder akute Herzinsuffizienz, also eine Herzschwäche, die sich vor Kurzem verschlechtert hat[1, 2]
  • Herzschlag, der ausschließlich von einem Herzschrittmacher erzeugt wird[1, 2]
  • Instabile Angina pectoris[1, 2]
  • Gleichzeitige Einnahme starker CYP3A4-Hemmer: Mittel gegen Pilzinfektionen wie Ketoconazol oder Itraconazol, Makrolid-Antibiotika wie Clarithromycin, Josamycin, Telithromycin oder Erythromycin zum Einnehmen, HIV-Mittel wie Nelfinavir oder Ritonavir, Nefazodon[1, 2]
  • Gleichzeitige Einnahme von Verapamil oder Diltiazem[1, 2]
  • Schwangerschaft und Stillzeit; Frauen im gebärfähigen Alter, die keine zuverlässige Verhütungsmethode anwenden[1, 2]

Besondere Vorsicht bei

  • Herzrhythmusstörungen, anhaltendes Vorhofflimmern oder langes QT-Syndrom: Bei Vorhofflimmern und anderen Rhythmusstörungen, die die Funktion des Sinusknotens beeinflussen, wird Ivabradin laut Fachinformation nicht empfohlen[1, 2]
  • AV-Block 2. Grades: Anwendung nicht empfohlen[2]
  • Kürzlich erlittener Schlaganfall: Anwendung unmittelbar danach nicht empfohlen[1, 2]
  • Leicht bis mäßig niedriger Blutdruck[1, 2]
  • Unkontrollierter Blutdruck, vor allem nach einer Änderung der blutdrucksenkenden Behandlung; bei Herzinsuffizienz sollte laut Fachinformation nach einer Änderung der Behandlung der Blutdruck in angemessenen Abständen kontrolliert werden[1, 2]
  • Schwere Herzinsuffizienz (NYHA-Klasse IV) oder Herzinsuffizienz mit Schenkelblock im EKG[1, 2]
  • Chronische Netzhauterkrankung, etwa Retinitis pigmentosa[1, 2]
  • Mäßige Leberfunktionsstörung; schwere Nierenfunktionsstörung[1, 2]
  • Geplante elektrische Kardioversion: Eine nicht dringende Kardioversion sollte erst 24 Stunden nach der letzten Dosis erwogen werden[2]
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren: nicht geben, die verfügbaren Daten reichen nicht aus[1, 2]
  • Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern: Die Tabletten enthalten Lactose[1, 2]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

In Schwangerschaft und Stillzeit darf Ivabradin nicht eingenommen werden; Frauen, die schwanger werden können, wenden während der Behandlung eine zuverlässige Verhütungsmethode an [1, 2]. Die Karten fassen zusammen, was Packungsbeilage und Fachinformation zu Autofahren, Schwangerschaft, Stillzeit und Einnahme sagen [1, 2]. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.

Schwangerschaft

Nehmen Sie Ivabradin nicht ein, wenn Sie schwanger sind oder schwanger werden möchten; Frauen, die schwanger werden können, dürfen es nur mit zuverlässiger Verhütung einnehmen. Tierexperimentelle Studien zeigten fruchtschädigende und fehlbildende Wirkungen; das Risiko beim Menschen ist unbekannt. Haben Sie in der Schwangerschaft Ivabradin eingenommen, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[1, 2]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

In der Stillzeit dürfen Sie Ivabradin nicht einnehmen; Tierstudien zeigen, dass es in die Muttermilch übergeht. Ist eine Behandlung nötig, sollten Sie abstillen.[1, 2]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Autofahren und Maschinen

Ivabradin kann vorübergehend lichtbedingte Sehphänomene verursachen. Sind Sie davon betroffen, seien Sie im Verkehr und beim Bedienen von Maschinen vorsichtig, besonders wenn sich die Lichtstärke plötzlich ändern kann, etwa bei Nachtfahrten. Nach der Markteinführung wurde über Fälle beeinträchtigter Verkehrstüchtigkeit durch Sehsymptome berichtet.[1, 2]

Einnahme

Zweimal täglich einnehmen, morgens und abends, während der Mahlzeiten. Die Tablette mit 5 mg kann in gleiche Hälften geteilt werden.[1, 2]

Einnahme vergessen: die nächste Dosis zur üblichen Zeit einnehmen, nicht die doppelte Dosis.[1]

Absetzen

Die Behandlung der Angina pectoris oder der chronischen Herzinsuffizienz wird normalerweise lebenslang durchgeführt. Wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, bevor Sie die Einnahme abbrechen.[1]

Laut Fachinformation sollte die Behandlung bei Angina pectoris abgesetzt werden, wenn sich die Beschwerden innerhalb von 3 Monaten nicht bessern. Sie muss unterbrochen werden, wenn der Ruhepuls trotz Dosisverringerung dauerhaft unter 50 Schlägen pro Minute bleibt oder Zeichen eines verlangsamten Herzschlags anhalten.[2]

Überdosierung

Eine zu große Menge kann atemlos oder müde machen, weil sich der Herzschlag zu sehr verlangsamt; kontaktieren Sie dann sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Laut Fachinformation kann eine Überdosierung zu einer schweren und lang anhaltenden Verlangsamung des Herzschlags führen.[1, 2]

Dosierung laut Packungsbeilage und Fachinformation

Die Packungsbeilage nennt für beide Anwendungsgebiete eine Anfangsdosis und eine Obergrenze [1]. Ergänzend stehen Angaben der Fachinformation zu einem zu langsamen Puls sowie zu Nieren- und Leberfunktionsstörungen in der Übersicht [2]. Sie ersetzt nicht die Verordnung: Welche Dosis für Sie richtig ist, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest, laut Fachinformation begleitet von wiederholten Messungen der Herzfrequenz [1, 2].

Einnahme und Absetzen

Nehmen Sie Ivabradin immer genau nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein, zweimal täglich (morgens und abends) während der Mahlzeiten [1, 2]. Haben Sie eine Einnahme vergessen, nehmen Sie die nächste Dosis zur üblichen Zeit ein, nicht die doppelte Menge [1].

Die Behandlung der Angina pectoris oder der chronischen Herzinsuffizienz wird normalerweise lebenslang durchgeführt. Wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, bevor Sie die Einnahme abbrechen [1]. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente absetzen. Haben Sie zu viel eingenommen und fühlen sich atemlos oder müde, kontaktieren Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [1]; Telefonnummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Präparate mit Ivabradin

Ivabradin gibt es als Filmtabletten in zwei Stärken [1, 2]. Grundlage dieser Seite ist die Produktinformation der Europäischen Arzneimittel-Agentur für Procoralan, mit Packungsbeilage und Fachinformation [1, 2].

Präparate mit Ivabradin
PräparatAnbieterHinweis
Ivabradin-ratiopharmratiopharm GmbHFilmtabletten mit 5 oder 7,5 mg, verschreibungspflichtig
ProcoralanLes Laboratoires Servier (Zulassungsinhaber), in Deutschland Servier Deutschland GmbHFilmtabletten mit 5 oder 7,5 mg, verschreibungspflichtig; Grundlage dieser Seite

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Procoralan (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilage Procoralan 5 mg/7,5 mg Filmtabletten. Les Laboratoires Servier (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 11/2025. abgerufen am 11.10.2026
  2. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Procoralan (EPAR), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation), und Anhang II. Les Laboratoires Servier (Zulassungsinhaber)/Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 11/2025. abgerufen am 11.10.2026

Häufige Fragen

Was sind die Lichterscheinungen unter Ivabradin?

Sehr häufig, bei mehr als 1 von 10 Behandelten, treten lichtbedingte Sehphänomene (Phosphene) auf: kurze Momente erhöhter Helligkeit in einem Teil des Gesichtsfelds, meist ausgelöst durch einen plötzlichen Wechsel der Lichtstärke. Sie können auch als Lichtkranz, farbige Blitze, Bildauflösung oder Mehrfachbilder erscheinen, beginnen im Allgemeinen in den ersten zwei Monaten und verschwinden während oder nach der Behandlung. Ursache ist laut Fachinformation, dass Ivabradin einen ähnlichen Ionenstrom in der Netzhaut teilweise hemmt.

Darf ich unter Ivabradin Auto fahren?

Ivabradin kann vorübergehend lichtbedingte Sehphänomene verursachen. Sind Sie betroffen, seien Sie im Verkehr und beim Bedienen von Maschinen vorsichtig, besonders wenn sich die Lichtstärke plötzlich ändern kann, etwa bei Nachtfahrten. Nach der Markteinführung wurde über Fälle beeinträchtigter Verkehrstüchtigkeit durch Sehsymptome berichtet.

Was tun, wenn der Puls unter Ivabradin zu langsam wird?

Ein verlangsamter Herzschlag ist häufig, vor allem in den ersten zwei bis drei Monaten. Müdigkeit, Schwindel oder Kurzatmigkeit können darauf hinweisen; sprechen Sie dann umgehend mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut Fachinformation wird die Dosis bei einem Ruhepuls dauerhaft unter 50 Schlägen pro Minute schrittweise verringert und die Behandlung unterbrochen, wenn der Puls trotzdem niedrig bleibt oder die Beschwerden anhalten.

Erhöht Ivabradin das Risiko für Vorhofflimmern?

Ja. Vorhofflimmern gehört zu den häufigen Nebenwirkungen. Laut Fachinformation ist das Risiko unter Ivabradin erhöht, und bei gleichzeitiger Einnahme von Amiodaron oder stark wirksamen Klasse-I-Antiarrhythmika trat Vorhofflimmern häufiger auf. Zeichen können ein ungewöhnlich hoher Ruhepuls über 110 Schläge pro Minute oder ein unregelmäßiger, schwer messbarer Puls ohne erkennbaren Grund sein. Sprechen Sie dann umgehend mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Darf ich Ivabradin zusammen mit Verapamil nehmen?

Nein. Verapamil und Diltiazem erhöhen die Menge an Ivabradin im Blut auf das Doppelte bis Dreifache und senken die Herzfrequenz zusätzlich; die Kombination ist nicht erlaubt. Auch starke CYP3A4-Hemmer wie Clarithromycin, Itraconazol, Ketoconazol oder Ritonavir dürfen nicht zusammen mit Ivabradin eingenommen werden.

Darf ich Grapefruitsaft trinken, wenn ich Ivabradin nehme?

Die Packungsbeilage rät, Grapefruitsaft während der Behandlung zu vermeiden. Laut Fachinformation verdoppelte Grapefruitsaft die Menge an Ivabradin im Blut.

Darf ich Ivabradin in der Schwangerschaft nehmen?

Nein. In der Schwangerschaft und in der Stillzeit darf Ivabradin nicht eingenommen werden, und Frauen, die schwanger werden können, dürfen es nur mit einer zuverlässigen Verhütungsmethode anwenden. In Tierversuchen zeigten sich fruchtschädigende und fehlbildende Wirkungen; das Risiko beim Menschen ist unbekannt.

Wie lange muss ich Ivabradin nehmen?

Die Behandlung der Angina pectoris oder der chronischen Herzinsuffizienz wird laut Packungsbeilage normalerweise lebenslang durchgeführt. Brechen Sie sie nicht ohne Rücksprache ab. Laut Fachinformation sollte die Behandlung bei Angina pectoris abgesetzt werden, wenn sich die Beschwerden innerhalb von 3 Monaten nicht bessern.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu

  • Medikamente Clonidin

    Clonidin ist ein zentral wirkender Blutdrucksenker.

  • Medikamente Verapamil

    Verapamil verlangsamt den Herzschlag und senkt den Blutdruck.

  • Medikamente Digitoxin

    Digitoxin stärkt die Herzkraft und verlangsamt den Puls.

  • Krankheiten Bluthochdruck

    Bluthochdruck ist meist nicht zu spüren, kann aber das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöhen.