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Lungenembolie
Bei einer Lungenembolie verstopft ein Blutgerinnsel, das meist aus dem Bein oder dem Becken stammt, ein oder mehrere Blutgefäße in der Lunge; typische Anzeichen sind plötzliche Atemnot, Brustschmerzen, blutiger Husten, Schwindel und Herzrasen. Bei diesen Zeichen wählen Sie sofort den Notruf 112. Behandelt wird laut IQWiG vor allem mit Gerinnungshemmern wie Heparinen, direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK) oder Vitamin-K-Antagonisten, über mindestens drei Monate; bei instabilem Kreislauf wird geprüft, ob das Gerinnsel aufgelöst oder mit einem Katheter entfernt werden kann. Die wichtigste Nebenwirkung der Gerinnungshemmer sind Blutungen.

Bei einer Lungenembolie löst sich ein Blutgerinnsel (Thrombus) von der Wand einer Vene, wird mit dem Blut fortgeschwemmt und verstopft ein oder mehrere Lungengefäße [1]. Laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) ist sie eine seltene, aber ernsthafte Komplikation einer Thrombose und muss schnell behandelt werden. Bei typischen Anzeichen wie schwerer Atemnot, Brustschmerzen und Husten mit blutigem Auswurf ist es deshalb sehr wichtig, sofort den Notruf 112 zu wählen [1]. Behandelt wird mit Medikamenten, die die Blutgerinnung hemmen; bei einer schweren Lungenembolie können weitere Behandlungen nötig werden, um das Gerinnsel aufzulösen oder zu entfernen [1].
Was ist eine Lungenembolie?
Ist ein Lungengefäß verschlossen, kann die Lunge schlechter Sauerstoff aufnehmen, und das Blut staut sich in Richtung Herz zurück. Das kann das Herz überlasten und zu einem lebensbedrohlichen Herzversagen führen [1]. Wie eine Lungenembolie verläuft, hängt von Größe und Anzahl der Gerinnsel ab und vom allgemeinen Gesundheitszustand, besonders davon, wie gut Herz und Lunge arbeiten. Meist gelingt es dem Herzen, gegen den Verschluss anzupumpen; ist es etwa durch eine Erkrankung geschwächt, kann der Blutdruck sinken, und wenn der Körper nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt wird, droht ein Kreislaufversagen [1].
Der Blutdruck ist deshalb ein guter Anzeiger für den Verlauf: Von 100 Menschen mit Lungenembolie haben laut IQWiG etwa 95 einen ausreichenden Blutdruck und insgesamt ein geringes Risiko für einen schweren oder tödlichen Verlauf, etwa 5 einen viel zu niedrigen Blutdruck und ein hohes Risiko [1]. Das Risiko, an einer Lungenembolie zu erkranken, steigt im Laufe des Lebens: Zwischen 40 und 50 Jahren erkrankt pro Jahr etwa 1 von 1.000 Menschen, ab 80 Jahren etwa 10 von 1.000. Männer sind insgesamt häufiger betroffen als Frauen; Frauen unter 45 und ab 80 Jahren bekommen aber öfter eine Lungenembolie als Männer in diesem Alter [1].
Symptome
Typische Anzeichen einer Lungenembolie sind laut IQWiG [1]:
- plötzliche schwere Atemnot,
- Brustschmerzen,
- Husten, vor allem mit blutigem Auswurf oder zusammen mit anderen Anzeichen einer Lungenembolie,
- Schwindel oder Benommenheit bis hin zur Ohnmacht,
- Herzrasen,
- starkes Angstgefühl.
Bei diesen Beschwerden sind häufig ein oder mehrere größere Lungengefäße blockiert; einige Menschen mit Lungenembolie haben aber keine oder nur leichte Beschwerden [1]. Die Brustschmerzen treten laut gesund.bund.de insbesondere beim Einatmen oder Husten auf [7]. Woran man eine Thrombose im Bein erkennt, von der die meisten Lungenembolien ausgehen, steht unter Thrombose. Plötzliche Brustschmerzen oder Atemnot können auch andere Ursachen haben, zum Beispiel einen Herzinfarkt oder eine Lungenentzündung; auch dann ist es laut IQWiG wichtig, den Notruf 112 zu wählen [1].
Ursachen und Risikofaktoren
Die meisten Lungenembolien sind laut IQWiG die Folge einer Venenthrombose. Ein Blutgerinnsel, das sich meist in einer Bein- oder Beckenvene gebildet hat, wird ganz oder teilweise mit dem Blutstrom weggeschwemmt und blockiert eine Lungenarterie oder ihre kleineren Äste [1]. Das Risiko ist höher, wenn sich das Gerinnsel im Oberschenkel oder im Becken bildet oder starke Beschwerden verursacht [1]. Sehr selten wird eine Lungenembolie durch etwas anderes ausgelöst, etwa durch eine Luftblase oder einen Fremdkörper; laut gesund.bund.de auch durch Fettablagerungen, Zellbestandteile oder bei einer Geburt durch Fruchtwasser [1, 7].
Risikofaktoren für eine Venenthrombose erhöhen auch das Risiko für eine Lungenembolie; besonders hoch ist es, wenn mehrere zusammenkommen. Zu den wichtigsten zählt das IQWiG [1]:
- einen Knochenbruch der Hüfte oder des Beins,
- größere Operationen, zum Beispiel den Einsatz eines künstlichen Knie- oder Hüftgelenks,
- Blutgerinnungsstörungen wie das Antiphospholipid-Syndrom und eine frühere Thrombose,
- Krebserkrankungen wie Magen-, Lungen- und Blutkrebs oder einen Hirntumor,
- Herzerkrankungen wie Herzschwäche, Herzinfarkt oder Vorhofflimmern.
Für sich allein erhöhen das Risiko nur leicht unter anderem ein hohes Alter, eine Schwangerschaft, Übergewicht, Bluthochdruck, Diabetes, Krampfadern, eine Bettruhe von mehr als drei Tagen und Infektionen der Lunge wie eine Covid-19-Infektion [1].
Medikamente als Ursache: Eine Hormonbehandlung in den Wechseljahren und Verhütungsmittel, die auch das Hormon Östrogen enthalten, wie die meisten Antibabypillen, zählt das IQWiG zu den wichtigsten Risikofaktoren; jüngere Frauen haben durch hormonelle Verhütungsmittel und während einer Schwangerschaft ein etwas höheres Risiko [1]. Welche Medikamente laut Produktinformation Blutgerinnsel als Nebenwirkung nennen, steht auf der Seite Thromboserisiko durch Medikamente.
Diagnose
Einem Verdacht auf eine Lungenembolie gehen Ärztinnen und Ärzte in der Klinik laut IQWiG sofort und systematisch nach. Welche Untersuchungen nötig sind, richtet sich vor allem nach der Stabilität des Kreislaufs und nach der Wahrscheinlichkeit für eine Lungenembolie [1]. Von einem instabilen Kreislauf sprechen Fachleute, wenn der systolische (obere) Blutdruck über mindestens 15 Minuten unter 90 mmHg liegt oder sehr stark abfällt. Die Wahrscheinlichkeit hängt zum Beispiel davon ab, ob der Herzschlag beschleunigt ist, ob man vor kurzem operiert wurde oder eine tiefe Venenthrombose oder Krebserkrankung hat [1]. Häufig sind viele aufeinander aufbauende Untersuchungen nötig [1]:
- D-Dimer-Test: Ist dieser Bluttest bei stabilem Kreislauf und geringer Wahrscheinlichkeit unauffällig, lässt sich eine Lungenembolie ziemlich sicher ausschließen; sonst ist ein bildgebendes Verfahren nötig.
- Ultraschall: Wird bei einer Ultraschalluntersuchung der Beinvenen eine Thrombose sichtbar, gilt die Lungenembolie als bestätigt. Ein Herzultraschall (Echokardiografie) kann zeigen, wie stark die rechte Herzkammer belastet ist.
- Computertomografie und Szintigrafie: Für die Computertomografie-Pulmonalis-Angiografie (CTPA) wird ein jodhaltiges Kontrastmittel in eine Armvene gespritzt. Ist sie nicht möglich oder zu risikoreich, etwa in der Schwangerschaft, bei einer Nierenerkrankung oder einer Kontrastmittelallergie, kommt manchmal eine Ventilations-Perfusions-Szintigrafie infrage. Bei instabilem Kreislauf werden diese Verfahren sofort eingesetzt.
Behandlung ohne Medikamente

Wie eine Lungenembolie behandelt wird, hängt laut IQWiG vor allem davon ab, ob der Kreislauf stabil ist [1]. Bei stabilem Kreislauf bleibt man häufig einige Tage im Krankenhaus. Auch dann kann sich der Zustand plötzlich verschlechtern; gibt es Anzeichen für diese seltene Komplikation, wird man sicherheitshalber einige Tage auf der Intensivstation überwacht [1]. Bei instabilem Kreislauf ist normalerweise eine Behandlung auf der Intensivstation nötig, mit Maßnahmen, die Atmung und Kreislauf unterstützen, etwa Infusionen, maschineller Beatmung und ergänzenden Medikamenten [1].
Gerinnsel mit dem Katheter entfernen: Ist keine Auflösung des Gerinnsels mit Medikamenten (systemische Thrombolyse) möglich, können Ärztinnen und Ärzte das Blutgerinnsel laut IQWiG mechanisch zerstören oder absaugen. Dazu schieben sie einen dünnen, biegsamen Schlauch (Katheter) bis zur verstopften Lungenarterie vor [1].
Vorbeugung: Wer operiert wurde oder verletzt ist und einige Tage im Bett verbringen muss, für den ist es laut gesund.bund.de wichtig, so bald wie möglich wieder aufzustehen und sich zu bewegen; empfohlen werden auch kleine Übungen wie das Wippen mit dem Fuß [7]. Bei einem erhöhten Thromboserisiko können Kompressionsstrümpfe eingesetzt werden. Wer Gerinnungshemmer erhält, benötigt keine medizinischen Kompressionsstrümpfe; sie sind eine Alternative, wenn jemand keine gerinnungshemmenden Medikamente nehmen kann [7].
Behandlung mit Medikamenten
Gerinnungshemmer (Antikoagulanzien) hemmen die Blutgerinnung und verhindern, dass das Gerinnsel wächst oder neue Blutgerinnsel entstehen; dann kann der Körper das bestehende Gerinnsel nach und nach abbauen [1]. Zur Behandlung einer akuten Lungenembolie können laut IQWiG Heparin, Fondaparinux, Vitamin-K-Antagonisten und direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) angewendet werden [2]. Bei instabilem Kreislauf beginnt die Behandlung mit Gerinnungshemmern sofort, meist noch bevor die Diagnose abgeschlossen ist [1].
Ablauf laut IQWiG: Eine akute Lungenembolie wird in den ersten Tagen oft mit Heparin behandelt. Hat sich der Zustand stabilisiert, wird die Behandlung in der Regel mit DOAK fortgesetzt; bestimmte DOAK können auch von Anfang an, also ohne vorherige Behandlung mit Heparin, eingesetzt werden. Nach den ersten Tagen kann auch mit einem Vitamin-K-Antagonisten weiterbehandelt werden [2]. Die Wahl des Gerinnungshemmers hängt vor allem davon ab, ob und welche weiteren Erkrankungen bestehen; zusätzlich spielt etwa eine möglichst einfache Anwendung eine Rolle [2].
Umgangssprachlich heißen diese Mittel Blutverdünner, obwohl sie das Blut nicht flüssiger machen [5]. Die Tabelle nennt Beispiele mit eigenem Steckbrief auf dieser Website. Die Nebenwirkungen stammen aus der Packungsbeilage eines Beispielwirkstoffs und gelten nur für diesen ("sehr häufig": bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig": bei bis zu 1 von 10, "gelegentlich": bei bis zu 1 von 100); maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Heparine (zum Spritzen) | Enoxaparin, Heparin | Werden unter die Haut oder in eine Vene gespritzt und wirken schnell; gewöhnlich kommt niedermolekulares Heparin zum Einsatz, bei dem keine regelmäßigen Blutabnahmen nötig sind [2]. Unfraktioniertes Heparin wirkt besonders schnell, lässt sich aber schlechter steuern und erfordert eine gute Überwachung [5] | Enoxaparin, sehr häufig: Blutungen, erhöhte Leberenzymwerte; häufig unter anderem schneller blaue Flecken als üblich, Blutergüsse oder Schmerzen an der Einstichstelle, Kopfschmerzen [13] |
| Direkte orale Antikoagulanzien (DOAK) | Apixaban, Edoxaban, Rivaroxaban, Dabigatran | Tabletten, die die Blutgerinnung direkt hemmen; sie wirken schnell, regelmäßige Blutabnahmen zur Kontrolle der Wirkung sind nicht nötig [2] | Edoxaban, häufig unter anderem: Blutungen aus oder unter der Haut, Nasenbluten, Blutungen aus der Scheide, Darm- und Magenblutungen, Blutungen in Mund oder Rachen, Blut im Urin, Blutarmut, Bauchschmerzen, auffällige Leberwerte, Schwindelgefühl, Übelkeit, Kopfschmerzen [9]. Dabigatran bei Thrombose und Lungenembolie, häufig: Nasenbluten, Magen- oder Darmblutungen, Blutungen aus dem Enddarm, aus Penis oder Scheide, aus dem Harntrakt oder unter der Haut, Magenverstimmung [10] |
| Vitamin-K-Antagonisten | Phenprocoumon | Tabletten, die die Gerinnung über einen Umweg hemmen; ihre Wirkung ist in den ersten Tagen unzuverlässig, deshalb werden sie anfangs mit Heparin oder Fondaparinux kombiniert. Die Wirkung muss über regelmäßige Blutabnahmen kontrolliert werden [2] | Phenprocoumon, sehr häufig: Blutungen, an denen verschiedene Organe beteiligt sein können; gelegentlich: brennende Schmerzen und bläulich-violette Verfärbung der Großzehen (purple toes) [12] |
| Mittel zur Auflösung von Blutgerinnseln (Thrombolyse, bei schwerer Lungenembolie) | Im Krankenhaus; ob eine Thrombolyse infrage kommt, prüft das Behandlungsteam [1] | Werden in eine Vene gespritzt und sollen das Gerinnsel in der Lunge auflösen; bei der kathetergestützten Thrombolyse kann über einen Katheter zugleich ein gering dosierter Wirkstoff direkt in der Lunge freigesetzt werden [1] | Laut IQWiG können sie größere innere Blutungen auslösen, insbesondere im Kopf; deshalb kommt die Thrombolyse nicht für alle Menschen mit schwerer Lungenembolie infrage [1] |
Fondaparinux wird unter die Haut gespritzt und wirkt schnell; regelmäßige Blutabnahmen sind nicht nötig [2]. Als weiteren Vitamin-K-Antagonisten nennt das IQWiG Warfarin [2]. Bei einer Lungenembolie mit instabilem Kreislauf oder wenn eine Thrombolyse oder eine operative Entfernung des Gerinnsels infrage kommt, werden Apixaban und Edoxaban laut Fachinformation nicht als Alternative zu unfraktioniertem Heparin empfohlen, weil ihre Sicherheit und Wirksamkeit in dieser Situation nicht untersucht bzw. nicht erwiesen sind [8, 9]. Enoxaparin ist laut Fachinformation zur Behandlung von Lungenembolien zugelassen, ausgenommen Lungenembolien, die voraussichtlich eine Thrombolyse oder Operation erfordern [13]. Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; was die Packungsbeilage dazu sagt, steht auf den Wirkstoffseiten, zum Beispiel bei Edoxaban.
Wie lange behandelt wird
Die gerinnungshemmenden Mittel werden laut IQWiG über mindestens drei Monate angewendet. Danach wird abgewogen, ob eine längere Anwendung sinnvoll ist, um weiteren Lungenembolien vorzubeugen [2]. Die Entscheidung hängt vor allem vom Risiko für eine weitere Lungenembolie und vom Risiko für eine schwere Blutung ab; auch der Gesundheitszustand und persönliche Vorlieben fließen ein [3]. Wird das Risiko einer weiteren Embolie als gering eingeschätzt, etwa weil eine inzwischen verheilte größere Operation oder Verletzung die Ursache war, ist eine vorbeugende Behandlung laut IQWiG meist nicht nötig. Menschen mit einem starken und dauerhaften Risikofaktor wie einem Antiphospholipid-Syndrom wenden Gerinnungshemmer gewöhnlich dauerhaft an [3]. Bei einer aktiven Tumorerkrankung ist Enoxaparin laut Fachinformation auch zur Langzeitbehandlung und zur Vorbeugung eines Wiederauftretens von Lungenembolien zugelassen [13].
Antiphospholipid-Syndrom und DOAK: Laut einem Rote-Hand-Brief vom 23. Mai 2019 war Rivaroxaban bei Menschen mit einer Thrombose in der Vorgeschichte und einem Antiphospholipid-Syndrom im Vergleich zu Warfarin mit einem erhöhten Risiko für erneute Thrombosen verbunden; andere DOAK führen möglicherweise ebenfalls zu einem erhöhten Risiko. Die Anwendung von DOAK wird bei Menschen mit Antiphospholipid-Syndrom nicht empfohlen, besonders bei Hochrisikopatienten, die in allen drei Antiphospholipid-Tests positiv getestet wurden [14].
Schwangerschaft und Stillzeit
Der veränderte Hormonhaushalt in der Schwangerschaft verstärkt die Gerinnungsneigung des Blutes; das Risiko einer Lungenembolie ist kurz nach der Geburt am höchsten [4]. Schwangere erhalten laut IQWiG in der Regel ein niedermolekulares Heparin, das unter die Haut gespritzt wird, weil Heparin nicht über den Mutterkuchen (Plazenta) zum ungeborenen Kind gelangt [2, 4]. Weil Heparin die Blutungsneigung erhöht, wird es möglichst einige Stunden vor der Geburt abgesetzt; kurz nach der Geburt wird die Behandlung wieder aufgenommen und mehrere Wochen fortgesetzt [4]. Heparin geht nicht in die Muttermilch über und eignet sich auch in der Stillzeit; nach der Geburt ist auch ein Umstieg auf den Vitamin-K-Antagonisten Warfarin möglich; stillenden Frauen, die Warfarin anwenden, wird geraten, ihrem Baby Vitamin K zu geben. Fondaparinux und DOAK kommen nach der Geburt nur für Frauen infrage, die nicht stillen [4].
Phenprocoumon darf laut Packungsbeilage in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, weil es zu Missbildungen und sogar zum Tod des ungeborenen Kindes führen kann [12]. Niedermolekulare Heparine wie Enoxaparin können laut Embryotox in der Schwangerschaft angewendet werden [16]. Als besser geeignete Alternative zu Phenprocoumon nennt Embryotox Heparine [15]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Mehr: Enoxaparin in der Schwangerschaft und die Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.
Nebenwirkungen der Medikamente
Ein Nachteil ist laut IQWiG allen Gerinnungshemmern gemeinsam: Sie fördern Blutungen. Starke Blutungen sind eine ernsthafte Komplikation und müssen rasch behandelt werden; in den ersten Wochen der Behandlung ist das Blutungsrisiko am höchsten [2]. Das Risiko für eine schwere Blutung steigt mit zunehmender Dosierung. Weitere Risikofaktoren sind ein höheres Alter und die gleichzeitige Anwendung anderer gerinnungshemmender Medikamente, zum Beispiel Acetylsalicylsäure (ASS), Clopidogrel oder entzündungshemmender Schmerzmittel (NSAR) wie Ibuprofen; auch eine chronische Nieren- oder Lebererkrankung, eine Blutgerinnungsstörung oder Krebs fördern Blutungen [2]. Laut einem Informationsbrief vom 5. September 2013 bitten die Zulassungsinhaber von Apixaban, Dabigatran und Rivaroxaban, Risikofaktoren für Blutungen sowie Dosierung, Gegenanzeigen, Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen zu beachten, um das Blutungsrisiko zu verringern [18]; laut BfArM gilt das auch für Edoxaban [19]. Blutungen lassen sich laut IQWiG früh erkennen, wenn man auf Blut im Stuhl, Blutergüsse oder starkes Nasenbluten achtet [2]. Mehr: Blutungen durch Medikamente.
Heparine: Selten kommt es laut Fachinformation von Enoxaparin zu einer immunologisch bedingten Abnahme der Blutplättchen mit Thrombose (heparininduzierte Thrombozytopenie, HIT), manchmal mit einem Organinfarkt oder einer Minderdurchblutung von Armen oder Beinen; empfohlen wird, die Zahl der Blutplättchen vor Beginn und regelmäßig während der Behandlung zu bestimmen [13]. Mehr: Thrombosespritze (Heparin).
Vitamin-K-Antagonisten und Wechselwirkungen: Für Vitamin-K-Antagonisten sind laut IQWiG zahlreiche Wechselwirkungen bekannt [2]. Unter Phenprocoumon verringern Vitamin-K-haltige Nahrungsmittel wie Brokkoli, Grünkohl, Rosenkohl und Spinat laut Packungsbeilage die Wirkung und sollten nur in Maßen gegessen werden [12]. Johanniskraut, das Antibiotikum Rifampicin und manche Mittel gegen Epilepsie wie Phenytoin können laut Packungsbeilage die Wirkung von Apixaban und Rivaroxaban vermindern [8, 11]. Sprechen Sie mit Ärztin, Arzt oder Apotheke, bevor Sie ein weiteres Mittel einnehmen. Mehr: Wechselwirkungen.
Nicht eigenmächtig absetzen: Gerinnungshemmer wirken laut IQWiG nur so lange, wie sie angewendet werden; setzt man sie ab, endet ihre vorbeugende Wirkung, aber auch das Risiko für Nebenwirkungen wie schwere Blutungen [3]. Rivaroxaban sollen Sie laut Packungsbeilage nicht ohne vorherige Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt beenden, weil damit schwerwiegende Erkrankungen behandelt oder verhindert werden können [11]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Was die Packungsbeilagen zum Beenden sagen, steht auf den Seiten Apixaban absetzen, Rivaroxaban absetzen und Edoxaban absetzen.
Nebenwirkung melden: Nebenwirkungen können Sie laut Packungsbeilage Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [11]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben nach einer Lungenembolie
Viele Menschen haben noch Monate nach der Lungenembolie Atembeschwerden oder sind körperlich weniger belastbar; Fachleute sprechen dann von einem Post-Lungenembolie-Syndrom [1]. Eine seltene Folge ist die chronisch thromboembolische Lungenerkrankung (CTEPD): Man geht davon aus, dass sich das Gerinnsel nicht vollständig aufgelöst hat und in Narbengewebe umgewandelt wird. Ist dadurch der Blutdruck in den Lungengefäßen dauerhaft erhöht, sprechen Fachleute von einer chronisch thromboembolischen pulmonalen Hypertonie (CTEPH); eine ausgeprägte CTEPH belastet das Herz stark und kann ein Herzversagen auslösen [1].
Eine schwere Lungenembolie ist laut IQWiG ein einschneidendes Erlebnis; die Angst vor einer weiteren Lungenembolie begleitet dann oft das weitere Leben. Manchen hilft es, die gewohnte tägliche Routine wieder aufzunehmen; über Ängste und Erfahrungen zu sprechen, etwa in einer Selbsthilfegruppe, oder psychologische Unterstützung zu suchen, kann erleichtern [1]. Bei Erschöpfung kann es helfen, sich insgesamt weniger vorzunehmen oder Aufgaben in kleineren Schritten zu erledigen [1].
Es ist laut IQWiG sinnvoll, einen Medikamentenpass mitzuführen, aus dem hervorgeht, welche Gerinnungshemmer man einnimmt; vor einem operativen Eingriff ist es sinnvoll, das Ärzteteam über die Behandlung zu informieren, damit die Medikamente rechtzeitig abgesetzt werden können [2]. Mehr im Ratgeber Medikamente vor der OP.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Verdacht auf eine Lungenembolie: Bei plötzlicher Atemnot, Brustschmerzen, blutigem Husten, Schwindel, Benommenheit oder Ohnmacht und Herzrasen ist sofortige medizinische Hilfe notwendig. Betroffene oder Angehörige sollten laut gesund.bund.de immer den Notruf 112 wählen und einen Rettungswagen mit Notarzt anfordern, nicht den ärztlichen Not- oder Bereitschaftsdienst der Hausärzte [7]. Schwere Atemnot, starke Brustschmerzen, Bewusstlosigkeit und starke, nicht stillbare Blutungen nennt auch die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) als Fälle für den Notruf 112 [17].
Wochen oder Monate danach: Nimmt einige Wochen oder Monate nach der Lungenembolie die körperliche Belastbarkeit ab oder kommt es sogar zu Atemnot und blutigem Auswurf, ist es laut IQWiG wichtig, die Ursache rasch ärztlich abklären zu lassen [1].
Unter Gerinnungshemmern: Ärztlicher Rat ist laut IQWiG wichtig bei starkem, anhaltendem Nasen- oder Zahnfleischbluten, großen Blutergüssen, rot verfärbtem Urin, dunkelrot oder schwarz verfärbtem Stuhl und Blut im Erbrochenen. Als Nebenwirkung von Gerinnungshemmern kann es auch zu einer Hirnblutung kommen; bei plötzlichen starken Kopfschmerzen, Sehstörungen, Schwindel, Lähmungen oder Taubheitsgefühlen, Bewusstseinsstörungen oder Krämpfen ist sofort der Notruf 112 zu wählen [6].
Quellen
- Lungenembolie. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.09.2022. abgerufen am 17.10.2026
- Lungenembolie: Behandlung mit Gerinnungshemmern. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.09.2022. abgerufen am 17.10.2026
- Wie lässt sich einer erneuten Lungenembolie vorbeugen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.09.2022. abgerufen am 17.10.2026
- Lungenembolie in der Schwangerschaft. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.09.2022. abgerufen am 17.10.2026
- Was sind Gerinnungshemmer?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.09.2022. abgerufen am 17.10.2026
- Gerinnungshemmer: Wie kann ich Blutungen vorbeugen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.09.2022. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde Lungenembolie: Ursachen und Behandlung. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de. Stand 16.12.2022. abgerufen am 17.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Eliquis (Apixaban), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) und Anhang III B: Packungsbeilagen. Bristol-Myers Squibb/Pfizer EEIG (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 04/2026 (EMA, aktualisiert am 10.04.2026). abgerufen am 17.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Lixiana (Edoxaban), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage Lixiana 15 mg/30 mg/60 mg Filmtabletten. Daiichi Sankyo Europe GmbH (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2025 (EMA, aktualisiert am 27.08.2025). abgerufen am 17.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Pradaxa (Dabigatranetexilat), Anhang III B: Packungsbeilage Pradaxa 110 mg Hartkapseln. Boehringer Ingelheim International GmbH (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 11/2025 (EMA, aktualisiert am 24.11.2025). abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Rivaroxaban-ratiopharm 15 mg; 20 mg Filmtabletten (Versionscode Z08). ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Marcumar 3 mg Tabletten (Phenprocoumon). Viatris Healthcare GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 17.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Inhixa (Enoxaparin), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation) und Anhang III B: Packungsbeilage Inhixa Fertigspritzen. Techdow Pharma Netherlands B.V. (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2026 (EMA, aktualisiert am 16.07.2026). abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Eliquis, Pradaxa, Lixiana/Roteas und Xarelto: Die Anwendung bei Patienten mit Antiphospholipid-Syndrom wird nicht empfohlen. Bayer AG, Boehringer Ingelheim International GmbH, Bristol-Myers Squibb/Pfizer EEIG und Daiichi Sankyo Europe in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 23.05.2019. abgerufen am 17.10.2026
- Embryotox Embryotox: Phenprocoumon. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Embryotox Embryotox: Enoxaparin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Informationsbrief zu den neuen Antikoagulanzien Eliquis (Apixaban), Pradaxa (Dabigatranetexilat) und Xarelto (Rivaroxaban): Risiko von Blutungen verringern. Zulassungsinhaber in Abstimmung mit dem BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte am 06.09.2013. Stand 05.09.2013. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde Neue orale Antikoagulanzien: Aktualisierung zum Informationsbrief vom 05.09.2013 zur Verringerung des Risikos von Blutungen. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Risikoinformationen. Stand 14.12.2016. abgerufen am 17.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente bekommt man nach einer Lungenembolie?
Gerinnungshemmer. Nach den ersten Tagen, in denen oft Heparin gespritzt wird, wird die Behandlung laut IQWiG in der Regel mit direkten oralen Antikoagulanzien (DOAK) wie Apixaban, Edoxaban, Rivaroxaban oder Dabigatran fortgesetzt; sie werden als Tabletten eingenommen. Auch ein Vitamin-K-Antagonist wie Phenprocoumon ist möglich, dann muss die Wirkung regelmäßig über Blutabnahmen kontrolliert werden. Welches Mittel infrage kommt, hängt laut IQWiG vor allem davon ab, ob und welche weiteren Erkrankungen bestehen.
Wie lange muss ich nach einer Lungenembolie Blutverdünner nehmen?
Mindestens drei Monate. Danach wird laut IQWiG abgewogen, ob eine längere Anwendung sinnvoll ist, um weiteren Lungenembolien vorzubeugen; das hängt vor allem von Ihrem Risiko für eine weitere Embolie und für schwere Blutungen ab. Die Mittel wirken nur so lange, wie sie angewendet werden. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Wie lange bleibt man nach einer Lungenembolie im Krankenhaus?
Meist einige Tage. Vor der Entlassung ist laut IQWiG wichtig, dass der Kreislauf stabil bleibt und man mit den gerinnungshemmenden Medikamenten zurechtkommt. Bei einer leichten Lungenembolie ist es manchmal schon nach 1 oder 2 Tagen möglich, wieder nach Hause zu gehen; bei instabilem Kreislauf ist normalerweise eine Behandlung auf der Intensivstation nötig.
Kann eine Lungenembolie wiederkommen?
Bei den meisten Menschen bleibt es laut IQWiG bei einer Embolie, wer bereits eine Lungenembolie hatte, hat aber ein erhöhtes Risiko für eine weitere. Wie hoch es ist, hängt von der Ursache der ersten ab: War es ein starker, aber vorübergehender Auslöser wie eine größere Operation oder Verletzung, gilt das Risiko als gering; bei Krebs, einem Antiphospholipid-Syndrom oder mehreren Lungenembolien als hoch. Lässt sich keine Ursache finden, stufen Fachleute das Risiko als mittelhoch ein.
Darf ich nach einer Lungenembolie Sport treiben?
Viele Menschen sind laut IQWiG noch Monate nach einer Lungenembolie körperlich weniger belastbar, und manche trauen sich aus Angst nicht mehr, stärker aktiv zu sein. Sport und körperliche Aktivität haben keinen direkten Einfluss auf die Blutgerinnung; bei Sportarten mit höherem Verletzungsrisiko besteht unter Gerinnungshemmern aber eine größere Gefahr von Blutungen. Wie viel Belastung für Sie passt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Kann die Pille eine Lungenembolie auslösen?
Verhütungsmittel mit dem Hormon Östrogen, wie die meisten Antibabypillen, und eine Hormonbehandlung in den Wechseljahren zählt das IQWiG zu den wichtigsten Risikofaktoren für eine Lungenembolie; jüngere Frauen haben dadurch ein etwas höheres Risiko. Welche Medikamente laut Produktinformation Blutgerinnsel als Nebenwirkung nennen und wie hoch das Risiko je nach Pille ist, steht auf der Seite Thromboserisiko durch Medikamente. Ob Sie Ihr Verhütungsmittel weiter anwenden, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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