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Thromboserisiko durch Medikamente

Ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel in den Venen, etwa eine Beinvenenthrombose oder eine Lungenembolie, nennen die Produktinformationen zum Beispiel bei kombinierten hormonalen Verhütungsmitteln wie der Pille, bei der Hormonersatztherapie in den Wechseljahren, bei Tamoxifen, bei JAK-Hemmern wie Upadacitinib, bei Antipsychotika und bei Heparinen über eine seltene Immunreaktion. Das Gesamtrisiko ist etwa unter der Pille laut Packungsbeilage gering; es steigt aber mit weiteren Risikofaktoren wie Operationen, Bettlägerigkeit, starkem Übergewicht oder Rauchen. Bei Schmerzen und Schwellung eines Beins holen Sie sofort ärztliche Hilfe; bei plötzlicher Atemnot oder Brustschmerzen, möglichen Zeichen einer Lungenembolie, wählen Sie den Notruf 112. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Frau Anfang vierzig mit kastanienbraunem Haar sitzt auf dem Sofa, hat ein Bein auf ein Kissen gelegt und hält eine Hand an die Wade
Bild: KI-generiert

Einige Medikamente können das Risiko erhöhen, dass sich in einer Vene ein Blutgerinnsel bildet. Von einer Thrombose spricht man, wenn ein Blutgerinnsel ein Blutgefäß verstopft; bei einer tiefen Venenthrombose entsteht es in einer der größeren Venen, die tief in den Muskelschichten liegen, meist im Bein [1]. Löst sich das Gerinnsel und verstopft ein Gefäß in der Lunge, kommt es zu einer Lungenembolie, einer seltenen, aber ernsthaften Komplikation [2]. Hormonelle Verhütungsmittel mit Östrogen und Gestagen und die Hormontherapie in den Wechseljahren zählt das IQWiG zu den Risikofaktoren für eine Thrombose [1]. Auch die Produktinformationen von Tamoxifen, JAK-Hemmern, Antipsychotika und Prednisolon nennen Blutgerinnsel bzw. ein erhöhtes Thromboserisiko [12, 13, 14, 16, 18].

Welche Medikamente das Thromboserisiko erhöhen können

Die Beispiele stammen aus Rote-Hand-Briefen und Produktinformationen; jede Häufigkeitsangabe gehört zu dem Wirkstoff, bei dem sie steht.

  • Kombinierte hormonale Verhütungsmittel (Pille, Vaginalring und Pflaster mit Östrogen und Gestagen): Laut Rote-Hand-Brief vom 30. Januar 2014 ist das Risiko für Blutgerinnsel in den Venen (venöse Thromboembolie) unter allen niedrig dosierten Präparaten gering, es unterscheidet sich aber je nach enthaltenem Gestagen [4]. Von 10.000 Frauen erleiden pro Jahr geschätzt 2 ohne solche Mittel und ohne Schwangerschaft ein Blutgerinnsel, 5 bis 7 mit Levonorgestrel, Norgestimat oder Norethisteron, 6 bis 12 mit Etonogestrel oder Norelgestromin und 9 bis 12 mit Gestoden, Desogestrel oder Drospirenon [4]. Für Dienogest/Ethinylestradiol informierte ein weiterer Rote-Hand-Brief vom 11.12.2018 über ein leicht erhöhtes Risiko im Vergleich zu Pillen mit Levonorgestrel und Ethinylestradiol [20]; die Packungsbeilage von Mayra nennt 8 bis 11 von 10.000 Frauen [8]. In der Packungsbeilage einer Pille mit Levonorgestrel/Ethinylestradiol sind gesundheitsschädliche Blutgerinnsel in einer Vene oder Arterie als selten eingestuft (bis zu 1 von 1.000 Anwenderinnen); dazu gehören auch Herzinfarkt und Schlaganfall [6]. Auch das Risiko für Blutgerinnsel in den Arterien ist unter diesen Mitteln erhöht [4]. Mehr zum Ring: Etonogestrel/Ethinylestradiol (Vaginalring).
  • Pillen nur mit Gestagen: Laut Packungsbeilage von Desogestrel (Desirett) ist das Thromboserisiko bei Frauen, die die Pille einnehmen, höher als ohne Pille; unter reinen Gestagen-Pillen wird es niedriger angenommen als unter Pillen, die auch ein Östrogen enthalten [9].
  • Hormonersatztherapie in den Wechseljahren: Laut Packungsbeilage des Estradiol-Sprays Lenzetto ist das Risiko für Blutgerinnsel in den Venen bei Frauen, die eine Hormonersatztherapie anwenden, etwa um das 1,3- bis 3-Fache erhöht, vor allem im ersten Anwendungsjahr [10]. Von 1.000 Frauen in ihren 50ern ist über 5 Jahre ohne Hormonersatztherapie bei 4 bis 7 ein venöses Blutgerinnsel zu erwarten, mit Estrogen und Gestagen bei 9 bis 12 und mit Estrogen allein nach Entfernung der Gebärmutter bei 5 bis 8 [10]. Mehr unter Hormonersatztherapie.
  • Tamoxifen: Die Fachinformation stuft Blutgerinnsel (thromboembolische Ereignisse) einschließlich tiefer Beinvenenthrombosen, Thrombosen in kleinen Gefäßen und Lungenembolien als häufig ein (bis zu 1 von 10 Behandelten); bei gleichzeitiger Chemotherapie sind sie häufiger [11, 12]. Bei einer späteren Operation zum Wiederaufbau der Brust mit eigenem Gewebe kann Tamoxifen laut Packungsbeilage das Risiko für Gerinnsel in kleinen Gefäßen des Gewebelappens erhöhen [11]. Mehr unter Antihormontherapie bei Brustkrebs.
  • JAK-Hemmer: Ein Rote-Hand-Brief vom 17. März 2023 betrifft Abrocitinib, Filgotinib, Baricitinib, Upadacitinib und Tofacitinib. Bei Menschen mit rheumatoider Arthritis und bestimmten Risikofaktoren wurden unter diesen Mitteln im Vergleich zu TNF-alpha-Hemmern unter anderem häufiger venöse Thromboembolien beobachtet; nach einer Bewertung durch die EMA werden diese Risiken als Klasseneffekt betrachtet, der alle zugelassenen Anwendungsgebiete bei entzündlichen und Hauterkrankungen betrifft [13]. In Studien mit Upadacitinib wurden laut Fachinformation Fälle von tiefer Venenthrombose und Lungenembolie beobachtet [14].
  • Antipsychotika: Laut Fachinformation von Risperidon sind im Zusammenhang mit Antipsychotika Fälle von venösen Thromboembolien berichtet worden; die Tabelle der Nebenwirkungen führt Lungenembolie und Venenthrombose als selten [16]. Bei Olanzapin wurde gelegentlich ein zeitlicher Zusammenhang mit venösen Thromboembolien berichtet; ein ursächlicher Zusammenhang wurde laut Fachinformation nicht nachgewiesen [15].
  • Heparine: Laut Fachinformation von Enoxaparin kommt es selten zu einer immunologisch bedingten Abnahme der Blutplättchen mit Thrombose (heparininduzierte Thrombozytopenie, HIT), manchmal mit einem Organinfarkt oder einer Minderdurchblutung der Gliedmaßen [17]. Das Risiko besteht auch bei niedermolekularen Heparinen und ist nach Operationen, vor allem nach Herzoperationen, und bei Krebs erhöht [17]. Mehr unter Blutverdünner und Heparinspritze.
  • Glucocorticoide: Die Fachinformation von Prednisolon nennt eine Erhöhung des Arteriosklerose- und Thromboserisikos; die Häufigkeit lässt sich laut Fachinformation nicht angeben, weil die Nebenwirkungen sehr stark von Dosis und Behandlungsdauer abhängen [18].

Die Tabelle zeigt die Wirkstoffe, deren Produktinformation Blutgerinnsel, Thrombosen oder Embolien als Nebenwirkung nennt:

Blutgerinnsel als Nebenwirkung: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffHäufigkeitAngabe in der Produktinformation
TamoxifenHäufigBlutgerinnsel in den Venen (Thrombose), die zu einer Minderdurchblutung von Organen führen können, etwa tiefe Beinvenenthrombose und Lungenembolie, auch Gerinnsel in kleinen Gefäßen; bei gleichzeitiger Chemotherapie…
AdalimumabGelegentlichAusbuchtung in der Wand einer Hauptschlagader, Entzündung und Blutgerinnsel in einer Vene, Verschluss eines Blutgefäßes
CelecoxibGelegentlichBlutgerinnsel in den Blutgefäßen der Lunge (Lungenembolie) mit möglichen Beschwerden wie plötzlicher Atemnot, starken Schmerzen beim Atmen oder Kollaps · In Langzeitstudien außerhalb von Gelenkerkrankungen zusätzlich…
EplerenonGelegentlichBlutgerinnsel in den Beinen; laut Fachinformation arterielle Thrombose in den Gliedmaßen
MemantinGelegentlichVenöse Blutgerinnsel (Thrombosen, Thromboembolien)
OlanzapinGelegentlichBlutgerinnsel in den Venen, vor allem in den Beinen (mit Schwellungen, Schmerzen und Rötungen), die über die Blutbahn in die Lunge gelangen und dort Brustschmerzen und Atembeschwerden verursachen können (Thromboembolien)
PrednisonGelegentlichAblagerungen in oder Entzündung der Blutgefäße sowie Blutgerinnsel (laut Fachinformation erhöhtes Arteriosklerose- und Thromboserisiko, Gefäßentzündung auch nach Beendigung einer Langzeitbehandlung)
TacrolimusGelegentlichBlutgerinnsel in einer Arm- oder Beinvene, Schock; laut Fachinformation auch Infarkt
AmisulpridSeltenBlutgerinnsel in den Venen, vor allem in den Beinen (Schwellung, Schmerzen, Rötung), die in die Lunge gelangen und Brustschmerzen und Atemnot verursachen können; Lungenembolien können manchmal tödlich verlaufen
CertoparinSeltenAllergisch bedingter, schneller und schwerer Abfall der Blutplättchen (Thrombozytopenie Typ II: deutlich unter 100.000 pro Mikroliter oder auf weniger als die Hälfte des Ausgangswerts), in der Regel 6 bis 14 Tage nach…
ClozapinSeltenBlutgerinnsel in der Lunge (Thromboembolie) · Blutgerinnsel in den Venen, vor allem in den Beinen (mit Schwellungen, Schmerzen und Rötungen), die über die Blutbahn in die Lunge gelangen und dort Brustschmerzen und…
Dienogest/EthinylestradiolSeltenGesundheitsschädliche Blutgerinnsel in einer Vene oder Arterie, zum Beispiel in einem Bein oder Fuß (tiefe Venenthrombose), in der Lunge (Lungenembolie), Herzinfarkt, Schlaganfall, Mini-Schlaganfall oder…
Etonogestrel/Ethinylestradiol (Vaginalring)SeltenGesundheitsschädliche Blutgerinnsel in einer Vene oder Arterie, z. B. in einem Bein oder Fuß (tiefe Beinvenenthrombose), in der Lunge (Lungenembolie), Herzinfarkt, Schlaganfall, Mini-Schlaganfall (TIA) oder…
HeparinSeltenDurch Heparin hervorgerufener, durch Antikörper vermittelter starker Abfall der Blutplättchen (Thrombozytopenie Typ II: weniger als 100.000 pro Mikroliter oder schneller Abfall auf weniger als die Hälfte des…
LetrozolSeltenAtembeschwerden, Brustschmerz, Ohnmachtsanfälle, beschleunigter Herzschlag, bläuliche Verfärbung der Haut oder plötzliche Schmerzen in Arm, Bein oder Fuß als Hinweis auf ein Blutgerinnsel
Levonorgestrel/EthinylestradiolSeltenGesundheitsschädliche Blutgerinnsel in einer Vene oder Arterie, etwa in einem Bein oder Fuß (tiefe Beinvenenthrombose), in der Lunge (Lungenembolie), Herzinfarkt, Schlaganfall, vorübergehende schlaganfallähnliche…
MethotrexatSeltenSehstörungen (auch schwerwiegend), Verschluss von Venen der Netzhaut (Retina-Venenthrombose) · Verschluss von Venen und Arterien durch Blutgerinnsel (thromboembolische Ereignisse), auch Lungenembolie
PaliperidonSeltenBlutgerinnsel in der Lunge mit Brustschmerzen und Atemnot; Blutgerinnsel in den Venen, vor allem in den Beinen (Schwellung, Schmerzen, Rötung); Erröten
QuetiapinSeltenBlutgerinnsel in den Venen (Thromboembolie)
RisperidonSeltenBlutgerinnsel in den Venen, vor allem in den Beinen (Schwellung, Schmerzen, Rötung), die in die Lunge gelangen und dort Brustschmerzen und Atemnot verursachen können (Venenthrombose, Lungenembolie)
TinzaparinSeltenDurch die Heparinbehandlung ausgelöster Abfall der Blutplättchen (heparininduzierte Thrombozytopenie); laut Fachinformation weitgehend innerhalb von 5 bis 14 Tagen nach der ersten Dosis, nach früherer Heparinbehandlung…
CarbamazepinSehr seltenKreislaufkollaps, Gefäßverschluss durch ein Blutgerinnsel (Embolie, z. B. Lungenembolie) und Venenentzündung (Thrombophlebitis)
MidazolamSehr seltenAn der Injektionsstelle: Hautrötung und Schmerzen, Venenentzündung (Thrombophlebitis), Blutgerinnsel in der Vene (Thrombose)
TorasemidSehr seltenBlutgerinnsel (thromboembolische Komplikationen) durch Bluteindickung
AripiprazolNicht bekanntBlutgerinnsel in den Venen, insbesondere in den Beinen (mit Schwellungen, Schmerzen und Rötung im Bein), die über die Blutgefäße in die Lunge gelangen und dort Brustschmerzen und Atembeschwerden verursachen können
DexamethasonNicht bekanntErhöhung des Arteriosklerose- und Thromboserisikos
FurosemidNicht bekanntVerschluss eines Blutgefäßes durch ein Blutgerinnsel (Thrombose), insbesondere bei älteren Menschen
MedroxyprogesteronNicht bekanntBildung und Verschleppung von Blutgerinnseln (Thromboembolien)
MelperonNicht bekanntBlutgerinnsel in den Venen, vor allem in den Beinen (mit Schwellungen, Schmerzen und Rötungen der Beine), die möglicherweise über die Blutbahn in die Lunge gelangen und dort Brustschmerzen und Schwierigkeiten beim…
PrednisolonNicht bekanntErhöhung des Arteriosklerose- und Thromboserisikos
PromethazinNicht bekanntBlutgerinnsel in den Venen, vor allem der Beine (mit Schwellung, Schmerzen und Rötung), die mit dem Blut in die Lunge gelangen und dort Brustschmerzen und Atembeschwerden auslösen können; laut Fachinformation…
ProthipendylNicht bekanntBlutgerinnsel in den Venen, vor allem in den Beinen (mit Schwellungen, Schmerzen und Rötungen der Beine), die möglicherweise über die Blutbahn in die Lunge gelangen und dort Brustschmerzen sowie Schwierigkeiten beim…
XipamidNicht bekanntBei hoher Dosierung, vor allem bei Venenerkrankungen, erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel (Thrombosen und Embolien)

Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (33 von 358). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Blutgerinnsel als mögliches Zeichen einer anderen Nebenwirkung (6 Wirkstoffe)

Bei diesen Wirkstoffen nennt die Produktinformation die Beschwerde als mögliches Anzeichen einer anderen Nebenwirkung. Die angegebene Häufigkeit gilt für diese andere Nebenwirkung, nicht für die Beschwerde selbst; deshalb stehen sie nicht in der Tabelle oben.

Blutgerinnsel als Zeichen einer anderen Nebenwirkung
WirkstoffAngabe in der ProduktinformationHäufigkeit dieser Nebenwirkung
AdalimumabLungenerkrankungen mit Kurzatmigkeit, auch Entzündungen; Lungenembolie; Flüssigkeit im Brustfellraum (Pleuraerguss); laut Fachinformation auch chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD)Gelegentlich
EnoxaparinDurch das Immunsystem ausgelöster Abfall der Blutplättchen mit Blutgerinnseln (heparininduzierte Thrombozytopenie), manchmal mit Organinfarkt oder Durchblutungsstörung von Armen oder BeinenSelten
HaloperidolLaut Fachinformation im Zusammenhang mit Antipsychotika: Blutgerinnsel in den Venen (venöse Thromboembolie), einschließlich tiefer Beinvenenthrombose und LungenembolieNicht bekannt
Levodopa/CarbidopaGesichtsrötung (Flush), Venenentzündung, bisweilen mit GerinnselbildungSelten
PipamperonIm Zusammenhang mit Antipsychotika: Blutgerinnsel in den Venen, vor allem in den Beinen (mit Schwellung, Schmerzen und Rötung), die über die Blutbahn in die Lunge gelangen und dort Brustschmerzen und Atembeschwerden verursachen könnenNicht bekannt
TacrolimusBlutungen, teilweise oder vollständige Verstopfung von Blutgefäßen, niedriger Blutdruck; laut Fachinformation auch Erkrankungen der peripheren BlutgefäßeHäufig

Die Häufigkeitsklassen erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen, Blutungen die Seite Blutungen und Blutbildveränderungen.

Woran Sie ein Blutgerinnsel durch ein Medikament erkennen

Beschwerden einer Thrombose und einer Lungenembolie

Eine tiefe Venenthrombose tritt in der Regel einseitig auf, die Beschwerden betreffen daher meist nur ein Bein. Typisch sind laut IQWiG großflächige Schmerzen im Bein oder in der Hüfte, Druckempfindlichkeit, Schwellungen und Spannungsgefühle, warme, gerötete Haut sowie Muskelkrämpfe [1]. Kleine Thrombosen bleiben oft unbemerkt und lösen sich von selbst wieder auf [1]. Die Packungsbeilage einer Kombinationspille nennt außerdem Schmerz im Bein, der möglicherweise nur beim Stehen oder Gehen bemerkt wird, und eine blasse, rote oder blaue Verfärbung des Beins [6].

Typische Anzeichen einer Lungenembolie sind laut IQWiG plötzliche schwere Atemnot, Brustschmerzen, Husten vor allem mit blutigem Auswurf, Schwindel oder Benommenheit bis hin zur Ohnmacht, Herzrasen und ein starkes Angstgefühl; einige Betroffene haben keine oder nur leichte Beschwerden [2]. Kommt es zu einer Lungenembolie, dann meist innerhalb der ersten zwei Wochen nach Entstehung der Beinvenenthrombose [1]. Ein Blutgerinnsel kann sich laut Packungsbeilage auch in einer Vene im Auge bilden; Zeichen sind ein sofortiger Verlust des Sehvermögens oder schmerzloses verschwommenes Sehen [6]. Mehr dazu: Atemnot und Sehstörungen.

Wann das Risiko am höchsten ist

Bei kombinierten hormonalen Verhütungsmitteln ist das Risiko im ersten Jahr der Anwendung am höchsten und nach einem erneuten Beginn nach einer Pause von mindestens 4 Wochen erhöht [4, 6]. Nach dem ersten Jahr sinkt es, bleibt aber geringfügig höher als ohne solche Mittel; nach dem Beenden kehrt es laut Packungsbeilage in wenigen Wochen auf den Normalwert zurück [6]. Auch bei der Hormonersatztherapie besteht das erhöhte Risiko vor allem im ersten Anwendungsjahr [10]. Eine heparininduzierte Thrombozytopenie tritt laut Fachinformation von Enoxaparin üblicherweise zwischen dem 5. und dem 21. Behandlungstag auf [17].

Ein Medikament als Ursache ist nicht erkennbar

Ob ein Blutgerinnsel mit einem Medikament zusammenhängt, zeigen die Beschwerden nicht. Eine tiefe Venenthrombose lässt sich laut IQWiG allein anhand der Symptome nicht sicher feststellen; die Ärztin oder der Arzt schätzt nach Befragung und Untersuchung die Wahrscheinlichkeit ein, häufig folgen ein Bluttest (D-Dimer-Test) und eine Ultraschalluntersuchung [1]. Laut Rote-Hand-Brief sollen Frauen mit entsprechenden Beschwerden gefragt werden, ob sie Arzneimittel einnehmen oder ein kombiniertes hormonales Verhütungsmittel anwenden; einem beträchtlichen Teil aller Thromboembolien gehen keinerlei offensichtliche Anzeichen voraus [4]. Ob Ihr Medikament das Thromboserisiko betrifft, lesen Sie in der Packungsbeilage in Abschnitt 2 bei den Warnhinweisen und in Abschnitt 4 bei den Nebenwirkungen nach [6].

Warum Medikamente Blutgerinnsel auslösen können

Ein Blutgerinnsel kann laut IQWiG entstehen, wenn das Blut in einer Vene zu langsam fließt, die Blutgerinnung gestört ist oder eine Gefäßwand verletzt wird [1]. Bei einer Lungenembolie wird das Gerinnsel mit dem Blut fortgeschwemmt und verstopft ein oder mehrere Lungengefäße; die Lunge kann dann schlechter Sauerstoff aufnehmen, und das Blut kann sich bis zum Herzen zurückstauen [2].

Bei Heparinen steckt eine Reaktion des Immunsystems dahinter: Die heparininduzierte Thrombozytopenie ist laut Fachinformation von Enoxaparin antikörpervermittelt und geht mit einem Abfall der Blutplättchen und Thrombosen einher [17]. Bei kombinierten hormonalen Verhütungsmitteln hängt das Risiko laut Rote-Hand-Brief auch vom enthaltenen Gestagen ab [4]. Hat man mehrere Risikofaktoren, steigt laut IQWiG die Wahrscheinlichkeit für eine Thrombose [1]; laut Fachinformation einer Kombinationspille kann der Anstieg des Risikos bei mehr als einem Risikofaktor größer sein als die Summe der einzelnen Faktoren [7]. Bei Tamoxifen sind Thrombosen bei gleichzeitiger Chemotherapie häufiger [12]. Menschen, die Antipsychotika erhalten, haben laut Fachinformation von Risperidon häufig erworbene Risikofaktoren für Thromboembolien, die vor und während der Behandlung erkannt werden sollen [16].

Was Sie tun können

Paar in den Fünfzigern geht an einem Herbsttag entspannt einen ruhigen Waldweg entlang
Bild: KI-generiert

Nicht eigenmächtig absetzen. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Laut Rote-Hand-Brief von 2014 besteht keine Notwendigkeit, eine Kombinationspille abzusetzen, wenn bei der Anwendung bisher keine Probleme aufgetreten sind [4]. Mehr im Ratgeber Medikamente absetzen.

Das persönliche Risiko besprechen. Welches Verhütungsmittel infrage kommt, ist laut Rote-Hand-Brief erst nach einem Gespräch zu entscheiden, in dem das Risiko der verschiedenen Präparate und Ihre Risikofaktoren erörtert werden; weil sich Risikofaktoren im Lauf der Zeit ändern, wird das Risiko regelmäßig neu beurteilt [4]. Teilen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt laut Packungsbeilage mit, wenn sich etwas ändert, zum Beispiel wenn bei einem nahen Angehörigen ohne bekannte Ursache eine Thrombose auftritt oder wenn Sie stark zunehmen [6]. Hatten Sie früher ein Blutgerinnsel in den Beinvenen oder der Lunge, bespricht die Ärztin oder der Arzt vor einer Behandlung mit Upadacitinib, ob das Mittel für Sie geeignet ist [14].

Vor Operationen und bei Bettlägerigkeit Bescheid geben. Informieren Sie laut der mit dem BfArM abgestimmten Informationskarte Ihre Ärztin oder Ihren Arzt einschließlich des Operationsteams, dass Sie ein kombiniertes hormonales Verhütungsmittel anwenden, wenn Sie operiert werden müssen, längere Zeit bettlägerig sind oder eine längere Reise planen; fragen Sie nach Maßnahmen zur Vorbeugung von Blutgerinnseln [5]. Es kann laut Packungsbeilage erforderlich sein, eine Kombinationspille mehrere Wochen vor einer Operation oder bei eingeschränkter Beweglichkeit zu beenden; bei Lenzetto nennt die Packungsbeilage 4 bis 6 Wochen vor einer geplanten Operation [6, 10]. Wann Sie wieder beginnen, fragen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Nach einer Operation oder Verletzung ist es laut IQWiG wichtig, sich so gut es geht zu bewegen und möglichst bald wieder aufzustehen; kleine Übungen wie das Wippen mit dem Fuß fördern die Durchblutung [1]. Mehr im Ratgeber Medikamente vor der OP.

Auf Reisen. Flugreisen von mehr als 4 Stunden können das Risiko laut Packungsbeilage einer Kombinationspille vorübergehend erhöhen, besonders wenn weitere Risikofaktoren vorliegen [6]. Für gesunde Reisende ist die Gefahr laut IQWiG sehr gering. Aufstehen und im Gang umhergehen, Knöchel und Knie zwischendurch beugen und strecken sowie auf langen Autofahrten Pausen einlegen kann das Risiko etwas verringern; Fachleute raten außerdem, genug zu trinken [3]. Ob Kompressionsstrümpfe für Sie sinnvoll sind, besprechen Sie laut IQWiG am besten vor der Reise mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [3].

Rauchen. Wenn Sie rauchen und älter als 35 Jahre sind, wird Ihnen laut der mit dem BfArM abgestimmten Informationskarte dringend geraten, mit dem Rauchen aufzuhören oder ein nicht hormonales Verhütungsmittel anzuwenden [5]. Mehr im Ratgeber Medikamente und Rauchen.

Kontrolltermine wahrnehmen. Bei Enoxaparin wird laut Fachinformation empfohlen, die Zahl der Blutplättchen vor Beginn und regelmäßig während der Behandlung zu bestimmen [17].

Nebenwirkung melden. Vermuten Sie eine Nebenwirkung, können Sie das laut Informationskarte Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [5]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden; mehr zu den Schreiben der Hersteller im Ratgeber Rote-Hand-Briefe und Rückrufe.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Bei typischen Anzeichen einer Lungenembolie ist es laut IQWiG wichtig, sofort den Notruf 112 zu wählen; eine Lungenembolie muss schnell behandelt werden, weil sie zu einem lebensbedrohlichen Herzversagen führen kann [1, 2]. Auch schwere Atemnot, starke Brustschmerzen oder Herzbeschwerden und Bewusstlosigkeit sind Fälle für den Rettungsdienst unter 112 [19]. Bei möglichen Anzeichen eines Blutgerinnsels im Bein, in der Lunge, im Auge, eines Herzinfarkts oder eines Schlaganfalls verlangt die Packungsbeilage einer Kombinationspille, dringend ärztliche Hilfe aufzusuchen [6]. Zeichen eines Schlaganfalls sind dort unter anderem eine plötzliche Schwäche oder Taubheit von Gesicht, Arm oder Bein auf einer Körperseite, plötzliche Verwirrtheit, Sprech- oder Verständnisschwierigkeiten und plötzliche Sehstörungen [6].

Wie es mit dem Medikament weitergeht, regeln die Produktinformationen unterschiedlich. Bei Lenzetto müssen Sie die Behandlung laut Packungsbeilage sofort abbrechen und eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen, wenn Sie Anzeichen eines Blutgerinnsels bemerken, etwa eine schmerzhafte Schwellung und Rötung der Beine, plötzliche Brustschmerzen oder Atemnot [10]. Unter Upadacitinib informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt bei plötzlicher Kurzatmigkeit, Schmerzen im Brustraum oder oberen Rücken, Schwellungen der Beine oder Arme, Schmerzen oder Empfindlichkeit der Beine sowie Rötungen oder Verfärbungen der Beine oder Arme [14]. Unter Enoxaparin sollen Sie bei Zeichen einer heparininduzierten Thrombozytopenie, etwa einem neuen Blutgerinnsel oder einer schmerzhaften Hautveränderung an der Einstichstelle, umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt aufsuchen [17]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe und klären Sie dabei, ob Sie das Medikament weiter anwenden sollen.

Andere Ursachen

Nicht jedes Blutgerinnsel kommt vom Medikament. Zu einer Thrombose kann es laut IQWiG durch längere Bettruhe, etwa nach einem Bruch oder einer Verletzung, durch Blutgerinnungsstörungen wie das Antiphospholipid-Syndrom und durch größere Operationen und schwere Verletzungen kommen [1]. Weitere Risikofaktoren sind unter anderem eine frühere Thrombose, ein Alter über 60 Jahre, Thrombosen bei Eltern oder Geschwistern, eine Krebserkrankung und ihre Behandlung, Herzerkrankungen wie Herzschwäche oder Vorhofflimmern, ein kürzlich überstandener Schlaganfall, starkes Übergewicht (Adipositas), stark ausgeprägte Krampfadern, Rauchen, chronisch entzündliche Darmerkrankungen, eine Lungenentzündung, eine Schwangerschaft und häufige Reisen mit langem Sitzen [1]. Die Wahrscheinlichkeit steigt, wenn mehrere Risikofaktoren zusammenkommen [1].

Das Risiko für eine Lungenembolie steigt im Laufe des Lebens: Zwischen 40 und 50 Jahren erkranken laut IQWiG pro Jahr etwa 1 von 1.000 Menschen daran, ab 80 Jahren etwa 10 von 1.000; jüngere Frauen haben durch hormonelle Verhütungsmittel und während einer Schwangerschaft ein etwas höheres Risiko [2]. In der Schwangerschaft und nach der Geburt ist das Risiko laut Rote-Hand-Brief höher als unter einem kombinierten hormonalen Verhütungsmittel [4]. Mehr dazu: Thrombose und Lungenembolie.

Ähnliche Beschwerden können auch andere Ursachen haben. Schmerzen, Schwellung und Hautrötung am Bein kommen laut IQWiG zum Beispiel auch bei einer Venenentzündung, Krampfadern, einer Wundrose oder verengten Beinarterien (pAVK) vor [1]. Plötzliche Brustschmerzen oder Atemnot können etwa auf einen Herzinfarkt oder eine Lungenentzündung hinweisen; bei solchen Beschwerden ist es laut IQWiG immer wichtig, den Notruf 112 zu wählen [2].

Quellen

  1. Tiefe Venenthrombose (TVT). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 27.05.2026. abgerufen am 12.10.2026
  2. Lungenembolie. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 06.09.2022. abgerufen am 12.10.2026
  3. Ist eine Thrombose-Vorbeugung auf Flugreisen nötig?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 27.05.2026. abgerufen am 12.10.2026
  4. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Kombinierte hormonale Kontrazeptiva, Unterschiede hinsichtlich des Thromboembolie-Risikos unterschiedlicher Präparate; Bedeutung von individuellen Risikofaktoren und Beachtung von Anzeichen und Symptomen. Zulassungsinhaber in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 30.01.2014. abgerufen am 12.10.2026
  5. Behörde Informationskarte für die Anwenderin: Kombinierte hormonale Kontrazeptiva und das Risiko für Blutgerinnsel (Version 3). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), Schulungsmaterial. Stand 09/2021. abgerufen am 12.10.2026
  6. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Asumate 30 150/30 Mikrogramm Filmtabletten (Levonorgestrel/Ethinylestradiol). Exeltis Germany GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 12.10.2026
  7. Fachinformation Fachinformation Asumate 30 150/30 Mikrogramm Filmtabletten (Levonorgestrel/Ethinylestradiol). Exeltis Germany GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 12.10.2026
  8. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Mayra 0,03 mg/2 mg Filmtabletten (Dienogest/Ethinylestradiol). Exeltis Germany GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 12.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Desirett 75 Mikrogramm Filmtabletten (Desogestrel). Exeltis Germany GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 12.10.2026
  10. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Lenzetto 1,53 mg/Sprühstoß transdermales Spray, Lösung (Estradiol). Gedeon Richter Plc. / Gedeon Richter Pharma GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 12.10.2026
  11. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Tamoxifen-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 12.10.2026
  12. Fachinformation Fachinformation Tamoxifen-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 12.10.2026
  13. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Cibinqo, Jyseleca, Olumiant, Rinvoq und Xeljanz: Aktualisierte Empfehlungen zur Minimierung der Risiken für maligne Erkrankungen, schwerwiegende unerwünschte kardiovaskuläre Ereignisse, schwerwiegende Infektionen, venöse Thromboembolie und Mortalität. AbbVie, Galapagos, Lilly und Pfizer in Abstimmung mit EMA und BfArM (veröffentlicht von der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft). Stand 17.03.2023. abgerufen am 12.10.2026
  14. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Rinvoq (Upadacitinib), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. AbbVie Deutschland GmbH & Co. KG (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 09/2026. abgerufen am 12.10.2026
  15. Fachinformation Fachinformation Olanzapin-ratiopharm Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2020. abgerufen am 12.10.2026
  16. Fachinformation Fachinformation Risperidon AbZ Filmtabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 03/2026. abgerufen am 12.10.2026
  17. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Inhixa (Enoxaparin), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Techdow Pharma Netherlands B.V. (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2026. abgerufen am 12.10.2026
  18. Fachinformation Fachinformation Predni H Tablinen 5 mg/20 mg/50 mg, Tabletten (Prednisolon). Winthrop Arzneimittel GmbH (Mitvertrieb Zentiva Pharma GmbH). Stand 07/2022. abgerufen am 12.10.2026
  19. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  20. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu dienogest- und ethinylestradiolhaltigen Kontrazeptiva: Risiko venöser Thromboembolien. Jenapharm GmbH & Co. KG in Abstimmung mit EMA und BfArM, veröffentlicht vom BfArM. Stand 11.12.2018. abgerufen am 12.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente erhöhen das Thromboserisiko?

Ein erhöhtes Risiko für Blutgerinnsel nennen die Produktinformationen unter anderem bei kombinierten hormonalen Verhütungsmitteln (Pille, Vaginalring), bei der Hormonersatztherapie in den Wechseljahren, bei Tamoxifen, bei JAK-Hemmern wie Upadacitinib, bei Antipsychotika wie Olanzapin oder Risperidon und bei Prednisolon. Unter Heparinen kann es selten zu einer Immunreaktion mit Abfall der Blutplättchen und Blutgerinnseln kommen. Die Tabelle auf dieser Seite zeigt alle Wirkstoffe mit geprüftem Steckbrief, deren Produktinformation Blutgerinnsel als Nebenwirkung nennt; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Wie hoch ist das Thromboserisiko durch die Pille?

Laut Rote-Hand-Brief von 2014 erleiden ungefähr 2 von 10.000 Frauen pro Jahr ein Blutgerinnsel in Bein oder Lunge, wenn sie weder schwanger sind noch ein kombiniertes hormonales Verhütungsmittel anwenden. Mit Levonorgestrel, Norethisteron oder Norgestimat sind es 5 bis 7, mit Gestoden, Desogestrel oder Drospirenon 9 bis 12 von 10.000 Frauen; für Dienogest nennt die Packungsbeilage von Mayra 8 bis 11. In der Schwangerschaft und nach der Geburt ist das Risiko höher als unter diesen Mitteln. Wie hoch Ihr persönliches Risiko ist, hängt auch von Ihren Risikofaktoren ab.

Muss ich die Pille absetzen, wenn ich Angst vor einer Thrombose habe?

Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Laut Rote-Hand-Brief von 2014 besteht keine Notwendigkeit, das Präparat abzusetzen, wenn bisher keine Probleme aufgetreten sind. Sprechen Sie aber in der Praxis an, wenn sich etwas an Ihren Risikofaktoren ändert, etwa wenn Sie stark zunehmen oder bei einem nahen Angehörigen eine Thrombose auftritt. Bei Warnzeichen eines Blutgerinnsels holen Sie sofort ärztliche Hilfe.

Was gilt vor einer Operation?

Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt und das Operationsteam, wenn Sie eine kombinierte Pille oder eine Hormonersatztherapie anwenden. Laut Packungsbeilage kann es nötig sein, eine Kombinationspille mehrere Wochen vor einer Operation oder bei eingeschränkter Beweglichkeit zu beenden; bei dem Estradiol-Spray Lenzetto nennt die Packungsbeilage 4 bis 6 Wochen vor einer geplanten Operation. Ob und wann Sie pausieren und wann Sie wieder beginnen, entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Mehr im Ratgeber Medikamente vor der OP.

Erhöht eine lange Flugreise das Thromboserisiko?

Flugreisen von mehr als 4 Stunden können das Risiko laut Packungsbeilage einer Kombinationspille vorübergehend erhöhen, vor allem wenn weitere Risikofaktoren vorliegen. Für gesunde Reisende ist die Gefahr laut IQWiG sehr gering: Nach einem Flug von über 4 Stunden bekommen schätzungsweise 2 von 10.000 Reisenden eine Reisethrombose, die Beschwerden macht. Zwischendurch aufzustehen und umherzugehen sowie Knöchel und Knie zu beugen und zu strecken, kann das Risiko laut IQWiG etwas verringern. Ob Kompressionsstrümpfe für Sie sinnvoll sind, besprechen Sie vor der Reise mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Woran erkenne ich eine Thrombose oder Lungenembolie?

Eine tiefe Beinvenenthrombose zeigt sich laut IQWiG meist an einem Bein mit großflächigen Schmerzen, Druckempfindlichkeit, Schwellung und warmer, geröteter Haut; kleine Thrombosen bleiben oft unbemerkt. Typische Anzeichen einer Lungenembolie sind plötzliche schwere Atemnot, Brustschmerzen, Husten mit blutigem Auswurf, Schwindel bis zur Ohnmacht, Herzrasen und starkes Angstgefühl. Bei Zeichen einer Lungenembolie wählen Sie sofort den Notruf 112.

Warum können Heparine Blutgerinnsel auslösen?

Heparine sollen Blutgerinnsel eigentlich verhindern. Selten kommt es laut Fachinformation von Enoxaparin aber zu einer immunologisch bedingten Abnahme der Blutplättchen mit Thrombose (heparininduzierte Thrombozytopenie, HIT), manchmal mit einem Organinfarkt oder einer Minderdurchblutung von Armen oder Beinen. Sie tritt üblicherweise zwischen dem 5. und dem 21. Behandlungstag auf; laut Fachinformation wird deshalb empfohlen, die Zahl der Blutplättchen vor und während der Behandlung regelmäßig zu bestimmen.

Kann eine Thrombose auch andere Ursachen haben?

Ja. Laut IQWiG erhöhen unter anderem längere Bettruhe, größere Operationen und schwere Verletzungen, Blutgerinnungsstörungen, eine frühere Thrombose, ein Alter über 60 Jahre, Krebs, Herzerkrankungen, starkes Übergewicht, Rauchen, eine Schwangerschaft und häufige Reisen mit langem Sitzen das Risiko. Kommen mehrere Risikofaktoren zusammen, steigt die Wahrscheinlichkeit für eine Thrombose.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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