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Durchblutungsstörungen der Beine (pAVK)
Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) ist die Durchblutung der Beine gestört, seltener die der Arme; Ursache ist meistens eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose). Typisch sind krampfartige Schmerzen beim Gehen, die in Ruhe nachlassen. Laut ESC-Leitlinie wird bei symptomatischer pAVK ein strukturiertes Bewegungsprogramm empfohlen (Empfehlungsgrad I, Evidenzgrad A), dazu Statine für alle Menschen mit pAVK (I, A) und bei symptomatischer pAVK ohne Hochrisikofaktoren für die Gliedmaßen oder Hochrisiko-Begleiterkrankungen ein Plättchenhemmer, ASS oder Clopidogrel (Klasse I). Laut ESC-Leitlinie wird außerdem empfohlen, mit dem Rauchen aufzuhören (Empfehlungsgrad I, Evidenzgrad A). Ein plötzlicher starker Schmerz mit leichenblasser, kalter Haut und Taubheitsgefühl im Bein ist ein Notfall: Rufen Sie sofort den Notruf 112.

Bei der peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) ist die Durchblutung der Beine gestört, seltener die der Arme. Ursache ist meistens eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose) [1]. Typisch sind krampfartige Schmerzen beim Gehen, die in Ruhe wieder nachlassen. Behandelt wird mit Gehtraining, einem gesunden Lebensstil, Medikamenten und in späteren Stadien mit Eingriffen an den Gefäßen [1].
Was ist eine pAVK?
Bei etwa 95 von 100 Erkrankten entsteht die pAVK laut gesund.bund.de durch eine Verkalkung der Arterien (Arteriosklerose). Dabei lagern sich Kalk, Blutfette, Blutgerinnsel und Bindegewebe an der Innenwand einer Arterie ab und verengen das Gefäß; diese Ablagerungen heißen Plaques. Haut und Muskeln können dann je nach Schweregrad nicht mehr ausreichend oder gar nicht mehr mit Sauerstoff versorgt werden [1]. Weil Betroffene wegen der Schmerzen wie bei einem Stadtbummel immer wieder stehen bleiben, spricht man auch von der Schaufensterkrankheit [1].
Wie viele Menschen erkrankt sind, lässt sich nicht sicher sagen, weil die meisten noch keine Beschwerden haben. Geschätzt sind etwa 15 bis 25 Prozent der Menschen ab 65 Jahren betroffen [1]. Die Arteriosklerose kann auch andere Organe betreffen; wer eine pAVK hat, hat deshalb auch ein erhöhtes Risiko für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall [1].
Die ESC-Leitlinie zu peripheren arteriellen Erkrankungen und Aortenerkrankungen von 2024 (deutsche Pocket-Fassung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie) teilt die pAVK unter anderem nach Fontaine ein [2]:
- Stadium I: keine Beschwerden.
- Stadium IIa und IIb: nicht limitierende oder limitierende Schmerzen beim Gehen (Claudicatio intermittens).
- Stadium III: Schmerzen in Ruhe durch die Mangeldurchblutung.
- Stadium IV: Geschwür oder abgestorbenes Gewebe (Gangrän).
Die Stadien III und IV fasst die Leitlinie als chronische, die Gliedmaßen bedrohende Ischämie zusammen [2].
Symptome
Die pAVK verursacht lange keine oder nur leichte Beschwerden. Anzeichen einer schlechten Durchblutung des Beins können blasse, bläulich marmorierte, dünne Haut, ein kaltes Bein oder ein kalter Fuß, Kribbeln oder Taubheit sowie verlangsamtes Haarwachstum oder Haarausfall sein [1]. Typisch sind krampfartige Schmerzen in den Waden, den Oberschenkeln oder den Füßen, die bei Bewegung auftreten, manchmal nach längerem Gehen, manchmal schon nach einigen Schritten [1].
Schreitet die Erkrankung fort, treten die Schmerzen schon nach kurzen Gehstrecken auf. Irgendwann tut das Bein auch in Ruhe weh, besonders wenn es hochgelegt wird. Wunden heilen schlechter, und vor allem am Fuß bilden sich chronische Wunden und schmerzhafte Geschwüre [1]. Wird das Gewebe kaum noch mit Sauerstoff versorgt, kann es absterben; das zeigt sich durch blau bis schwarz verfärbte Stellen, häufig an den Zehen [1]. Sind Arterien im Bauch- und Beckenbereich verengt, kann die pAVK bei Männern auch zu Erektionsstörungen führen [1].
Ursachen und Risikofaktoren
Der wichtigste Risikofaktor ist laut gesund.bund.de das Rauchen; es macht außerdem einen schweren Verlauf wahrscheinlicher. Die Wahrscheinlichkeit einer pAVK steigt mit dem Alter. Weitere Risikofaktoren sind [1]:
- Diabetes mellitus,
- Bluthochdruck,
- hohe Blutfett- und Cholesterinwerte,
- eine starke Nierenschwäche,
- Bewegungsmangel und starkes Übergewicht.
Auch entzündete oder krankhaft verdickte Gefäßwände oder Gefäßverletzungen können zu einem arteriellen Verschluss führen [1]. Menschen, die nach der Diagnose weiter rauchen, und Menschen mit nicht ausreichend behandeltem Diabetes haben häufiger einen schweren Verlauf [1].
Medikamente: Bei dem Betablocker Metoprolol nennt die Packungsbeilage eine Verstärkung der Beschwerden bei zeitweiligem Hinken (Claudicatio intermittens) als Nebenwirkung ohne bekannte Häufigkeit; bei schweren Durchblutungsstörungen der Arme oder Beine darf es nicht eingenommen werden, bei leichten oder mittelschweren sollten Sie vorher mit der Ärztin oder dem Arzt sprechen [17]. Bei Propranolol wurde sehr selten eine Verstärkung der Beschwerden bei peripheren Durchblutungsstörungen beobachtet; Spätstadien sind eine Gegenanzeige [18]. Mehr dazu: Betablocker.
Diagnose
Zur Diagnose fragt die Ärztin oder der Arzt nach Beschwerden, Rauchen, Bewegung und Erkrankungen naher Verwandter und untersucht die Beine. Kühle, blasse oder bläuliche Haut und ein schwacher oder nicht mehr fühlbarer Puls sind Anzeichen einer schlechteren Durchblutung [1]. Beim Knöchel-Arm-Index (ABI) wird der Blutdruck am Oberarm und an den Knöcheln gemessen; das Verhältnis zeigt, ob die Durchblutung gestört ist [1]. Die ESC-Leitlinie empfiehlt den ABI als ersten Test, wobei ein Wert von 0,90 oder darunter als diagnostisches Kriterium gilt (Empfehlungsgrad I, Evidenzgrad B), und den Ultraschall der Gefäße (Duplexsonografie) als erste Bildgebung (I, C) [2].
Ergänzend wird auf einem Laufband gemessen, wie weit Sie schmerzfrei gehen können [1]. Liegt eine pAVK vor, ist es wichtig, auch das Herz und andere Organe auf Ablagerungen zu untersuchen und einen möglichen Bluthochdruck festzustellen; Fachleute empfehlen außerdem, sich auf Diabetes untersuchen zu lassen [1]. Menschen, die rauchen, Diabetes haben oder bei denen die pAVK in der Familie häufig vorkommt, wird geraten, sich auch ohne Beschwerden routinemäßig untersuchen zu lassen [1].
Behandlung ohne Medikamente
Die häufigste Ursache, die Arterienverkalkung, ist nicht heilbar. Die Behandlung soll Beschwerden lindern, das Fortschreiten aufhalten und Folgeschäden vermeiden [1].
Rauchstopp: Laut ESC-Leitlinie wird empfohlen, mit dem Rauchen aufzuhören und auf jede Form des Rauchens zu verzichten (Empfehlungsgrad I, Evidenzgrad A) [2]. Dabei können laut gesund.bund.de Beratungsangebote, Nichtraucherkurse, eine Nikotinersatztherapie oder Medikamente helfen [1]. Mehr dazu: Rauchen aufhören.
Gehtraining: Ein strukturiertes Gehtraining ist laut gesund.bund.de in den frühen Stadien die wichtigste Maßnahme, um die Beschwerden zu verringern und wieder längere Strecken gehen zu können [1]. Die ESC-Leitlinie empfiehlt bei symptomatischer pAVK ein strukturiertes Bewegungsprogramm (Empfehlungsgrad I, Evidenzgrad A). Ist es nicht verfügbar oder nicht durchführbar, sollte ein strukturiertes und überwachtes Programm zu Hause erwogen werden (IIa, A). Gehen sollte als Trainingsmethode der ersten Wahl angesehen werden (IIa, A). Erwogen werden sollten mindestens drei Trainingseinheiten pro Woche von mindestens 30 Minuten über mindestens 12 Wochen (IIa, B) [2].
Ernährung: Eine gesunde Ernährung, reich an Hülsenfrüchten, Ballaststoffen, Nüssen, Obst und Gemüse (Mittelmeerkost), wird laut ESC-Leitlinie zur Vorbeugung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen empfohlen (I, A) [2].
Füße und Wunden: Bequemes Schuhwerk, eine regelmäßige Kontrolle der Füße und medizinische Fußpflege helfen laut gesund.bund.de, Wunden und Geschwüren vorzubeugen; eine Wunde muss professionell versorgt werden [1].
Eingriffe: In späteren Stadien lässt sich die Durchblutung oft mit einem Katheter-Eingriff oder einer Operation verbessern, bei der das Gefäß aufgeweitet oder überbrückt wird [1]. Bei Menschen ohne Beschwerden wird eine solche Revaskularisation laut ESC-Leitlinie nicht empfohlen (III, C) [2].
Behandlung mit Medikamenten

Cholesterinsenker und gerinnungshemmende Medikamente verringern laut gesund.bund.de das Risiko für weitere Ablagerungen und Folgeschäden; Bluthochdruck und erhöhte Blutzuckerwerte sollten bei Bedarf ebenfalls mit Medikamenten behandelt werden [1]. Die ESC-Leitlinie empfiehlt für alle Menschen mit diesen Gefäßerkrankungen eine optimale medikamentöse und konservative Behandlung aus Lebensstil und Medikamenten [2].
Blutfette
Statine werden laut ESC-Leitlinie für alle Menschen mit pAVK empfohlen (Empfehlungsgrad I, Evidenzgrad A). Empfohlen werden ein LDL-Cholesterin unter 55 mg/dl (1,4 mmol/l) und eine Senkung um mehr als die Hälfte des Ausgangswerts (I, A). Wird der Zielwert nicht erreicht, wird eine Kombination aus Statin und Ezetimib empfohlen (I, B); reichen die höchsten verträglichen Statin-Dosen und Ezetimib nicht aus, ein PCSK9-Hemmer (I, A) [2]. Mehr dazu: Hohes Cholesterin, Ezetimib und Evolocumab.
Blutverdünner
Bei symptomatischer pAVK ohne Hochrisikofaktoren für die Gliedmaßen oder Hochrisiko-Begleiterkrankungen nennt die ESC-Leitlinie eine Behandlung mit einem Plättchenhemmer, ASS oder Clopidogrel (Klasse I). Bei Hochrisikofaktoren für die Gliedmaßen oder Hochrisiko-Begleiterkrankungen ohne hohes Blutungsrisiko nennt sie ASS zusammen mit Rivaroxaban in niedriger Stärke (Klasse IIa) [2]. Laut einer Anmerkung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie gibt die deutsche S3-Leitlinie mit einer IIb-Empfehlung Clopidogrel den Vorzug gegenüber ASS; nach einer Gefäßaufdehnung empfiehlt sie, die geringeren Herz-Kreislauf- und Bein-Ereignisse unter Rivaroxaban gegen eine erhöhte Sterblichkeit und ein erhöhtes Blutungsrisiko abzuwägen [2].
Nicht empfohlen werden laut ESC-Leitlinie eine langfristige Kombination zweier Plättchenhemmer (III, A), ein orales Antikoagulans allein ohne andere Indikation (III, A) und eine systematische Behandlung mit Plättchenhemmern bei pAVK ohne Beschwerden und ohne Anzeichen einer klinisch relevanten atherosklerotischen Herz-Kreislauf-Erkrankung (III, B) [2]. Mehr dazu: Blutverdünner.
Blutdruck und Blutzucker
Bei Bluthochdruck wird laut ESC-Leitlinie ein oberer Blutdruckwert von 120 bis 129 mmHg empfohlen, sofern das vertragen wird (I, A); in erster Linie sollten ACE-Hemmer oder Sartane erwogen werden (IIa, B) [2]. Bei Typ-2-Diabetes werden danach SGLT2-Hemmer und GLP-1-Rezeptoragonisten mit nachgewiesenem Herz-Kreislauf-Nutzen empfohlen (I, A) [2]. Mehr dazu: Bluthochdruck, SGLT2-Hemmer und GLP-1-Agonisten.
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Statine | Atorvastatin, Simvastatin | Atorvastatin hemmt das Enzym HMG-CoA-Reduktase, das einen geschwindigkeitsbestimmenden Schritt der Cholesterinbildung steuert [9] | Atorvastatin, häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten: Entzündung der Luftwege in der Nase, Halsschmerzen, Nasenbluten, allergische Reaktionen, Anstieg des Blutzuckers, Anstieg des Muskelenzyms Kreatinkinase im Blut, Kopfschmerzen, Übelkeit, Verstopfung, Blähungen, Verdauungsstörungen, Durchfall, Gelenk-, Muskel- und Rückenschmerzen, auffällige Leberwerte [8]. Für Simvastatin nennt die Packungsbeilage keine häufigen Nebenwirkungen [10] |
| Blutverdünner (Plättchenhemmer) | Clopidogrel, Acetylsalicylsäure (ASS) | Verhindern, dass die Blutplättchen zusammenklumpen, und verringern so das Risiko für Blutgerinnsel [4, 5] | Clopidogrel häufig: Durchfall, Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen oder Sodbrennen [5]; laut Fachinformation auch Blutergüsse, Nasenbluten, Magen-Darm-Blutungen und Blutungen an Einstichstellen [6]. ASS in niedriger Stärke häufig: Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall, geringfügige Blutverluste aus dem Magen-Darm-Bereich [4] |
| Blutverdünner (Faktor-Xa-Hemmer) | Rivaroxaban (niedrige Stärke, immer zusammen mit ASS) | Hemmt den Blutgerinnungsfaktor Xa und verringert so die Neigung des Blutes, Gerinnsel zu bilden [7] | Häufig unter anderem: Blutarmut, Magen- oder Darmblutungen, Blutungen im Urogenitalbereich, Nasen- und Zahnfleischbluten, Blutergüsse, Schwellung und Schmerzen der Gliedmaßen, eingeschränkte Nierenfunktion, Fieber, Magen-Darm-Beschwerden, niedriger Blutdruck, Schwäche, Kopfschmerzen, Schwindel, Hautausschlag, erhöhte Leberwerte [7] |
| ACE-Hemmer | Ramipril | Verringert die Bildung von Stoffen, die den Blutdruck steigen lassen, entspannt und weitet die Blutgefäße [11] | Häufig: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindel, Ohnmacht, niedriger Blutdruck, trockener Reizhusten, Nebenhöhlenentzündung, Bronchitis, Kurzatmigkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Hautausschlag, Schmerzen im Brustkorb, Muskelkrämpfe oder -schmerzen, erhöhte Kaliumwerte [11] |
Anwendungsgebiete: Clopidogrel ist laut Packungsbeilage unter anderem bei pAVK zugelassen, um Blutgerinnseln in verkalkten Arterien vorzubeugen [5]. Rivaroxaban in niedriger Stärke wird laut Packungsbeilage bei hohem Risiko für Blutgerinnsel durch eine pAVK mit Beschwerden angewendet, immer zusammen mit ASS [7]. ASS in niedriger Stärke zur Hemmung der Blutplättchen ist laut Packungsbeilage unter anderem nach Operationen oder anderen Eingriffen an arteriellen Blutgefäßen zugelassen; die pAVK selbst nennt die Packungsbeilage nicht als Anwendungsgebiet [4]. Ramipril ist laut Fachinformation unter anderem zur Senkung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und -Todesfällen bei manifester atherothrombotischer Erkrankung einschließlich pAVK zugelassen [12]. Statine sind zugelassen, um erhöhte Blutfette zu senken; Atorvastatin auch, um bei erhöhtem Risiko für Herzkrankheiten dieses Risiko bei normalen Cholesterinwerten zu verringern [8], Simvastatin auch bei einer Herz-Kreislauf-Erkrankung oder einem hohen Risiko dafür, etwa durch eine andere Gefäßkrankheit [10].
Durchblutungsfördernde Mittel
Ist ein Gehtraining nicht möglich oder hilft es nicht ausreichend, können laut gesund.bund.de durchblutungsfördernde Medikamente infrage kommen [1]. Für Cilostazol, ein Mittel gegen die Beschwerden der Schaufensterkrankheit (Claudicatio intermittens), wurde die Anwendung laut einem Rote-Hand-Brief vom 1. Mai 2013 eingeschränkt: Es ist nur für Menschen vorgesehen, bei denen Änderungen des Lebensstils wie Rauchstopp und Bewegung und andere Maßnahmen die Beschwerden nicht ausreichend gebessert haben. Nach drei Monaten sollte die Behandlung neu bewertet und beendet werden, wenn sich Gehstrecke oder Lebensqualität nicht klinisch relevant gebessert haben. Nicht gegeben werden sollte Cilostazol unter anderem bei instabiler Angina pectoris, nach einem Herzinfarkt oder einer Koronarintervention in den letzten sechs Monaten, bei starken schnellen Herzrhythmusstörungen (Tachyarrhythmie) in der Vorgeschichte und zusammen mit zwei oder mehr weiteren Plättchen- oder Gerinnungshemmern [14].
Nebenwirkungen der Medikamente
Blutungen: Wie andere Gerinnungshemmer kann Rivaroxaban laut Packungsbeilage eine möglicherweise lebensbedrohliche Blutung verursachen, die auch nicht sichtbar sein kann; bei Anzeichen einer Blutung informieren Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt. Kopfschmerzen, einseitige Schwäche, Erbrechen, Krampfanfälle, vermindertes Bewusstsein und Nackensteifigkeit können auf eine Blutung im Gehirn hinweisen; das ist ein schwerer medizinischer Notfall [7]. Laut einem Informationsbrief vom 5. September 2013 bitten die Zulassungsinhaber von Apixaban, Dabigatran und Rivaroxaban, Risikofaktoren für Blutungen sowie Dosierung, Gegenanzeigen, Warnhinweise und Vorsichtsmaßnahmen zu beachten, um das Blutungsrisiko zu verringern [20]. Bei schwarzem Stuhl oder blutigem Erbrechen, Zeichen einer schweren Magenblutung, müssen Sie unter ASS laut Packungsbeilage sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt benachrichtigen [4]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Mehr dazu: Blutungen und Blutbild.
Wechselwirkungen und Sicherheitshinweise: Von der gleichzeitigen Anwendung von Clopidogrel mit den Magenschutzmitteln Omeprazol oder Esomeprazol sollte laut Fachinformation als Vorsichtsmaßnahme abgeraten werden [6]; Rote-Hand-Briefe vom Juli 2009 (vom BfArM am 31.07.2009 veröffentlicht) wiesen darauf hin, dass Clopidogrel zusammen mit Protonenpumpenhemmern möglicherweise weniger wirksam ist [16]. Laut Rote-Hand-Brief vom 23. Mai 2019 wird die Anwendung direkter oraler Antikoagulanzien wie Rivaroxaban bei Menschen mit Antiphospholipid-Syndrom nicht empfohlen [15]. Mehr dazu: Wechselwirkungen.
Statine: Muskelschwäche, Empfindlichkeit oder Schmerzen der Muskeln oder rotbrauner Urin, besonders mit Unwohlsein oder erhöhter Temperatur, können laut Packungsbeilage von Atorvastatin auf einen krankhaften Muskelschwund (Rhabdomyolyse) hinweisen. Die Packungsbeilage verlangt dann, die Einnahme abzubrechen und umgehend die Ärztin oder den Arzt zu informieren oder die nächste Notaufnahme aufzusuchen [8]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Mehr dazu: Muskelschmerzen.
ACE-Hemmer: Die Packungsbeilage von Ramipril nennt Schwellungen des Gesichts, der Lippen oder des Rachens, die das Schlucken oder Atmen erschweren, als Grund, die Einnahme umgehend abzubrechen und sich unverzüglich an eine Ärztin oder einen Arzt zu wenden [11]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Eine solche rasche Schwellung unter der Haut heißt Angioödem [11]. Laut einer Risikoinformation des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vom 28.05.2026 gilt für alle Arzneimittel, die ACE-Hemmer enthalten, auch für Kombinationspräparate: Während der Behandlung kann jederzeit ein Angioödem auftreten, auch erst zu einem späteren Zeitpunkt [13]. Häufig ist ein trockener Reizhusten [11]. Mehr dazu: Reizhusten.
Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr dazu: Medikamente vor der OP. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [5]; wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit pAVK
Die pAVK ist eine chronische Erkrankung; deshalb ist eine regelmäßige Kontrolle wichtig [1]. Laut ESC-Leitlinie wird empfohlen, Menschen mit pAVK mindestens einmal im Jahr nachzuuntersuchen und dabei Beschwerden, Gehfähigkeit, die Einnahme der Medikamente und die Herz-Kreislauf-Risikofaktoren zu beurteilen (I, C) [2]. Je nach Einschränkung kommt eine Reha infrage, häufig nach einem Gefäßeingriff; dazu gehören zum Beispiel Gehtraining, Wundversorgung und Rauchentwöhnung [1].
Ein Bewegungstraining für die Beine wird laut ESC-Leitlinie bei chronischer, die Gliedmaßen bedrohender Ischämie mit Wunden nicht empfohlen (III, C) [2].
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Ein plötzlicher Gefäßverschluss ist laut gesund.bund.de ein Notfall. Anzeichen sind ein plötzlicher starker Schmerz, leichenblasse, kalte Haut und ein Taubheitsgefühl; dann sollte man sofort den Notruf 112 wählen [1]. Die ESC-Leitlinie bezeichnet die akute Mangeldurchblutung einer Gliedmaße als medizinischen Notfall, bei dem die rechtzeitige Erkennung für eine erfolgreiche Behandlung entscheidend ist [2].
Schmerzen in Ruhe sowie Geschwüre oder abgestorbenes Gewebe ordnet die ESC-Leitlinie der chronischen, die Gliedmaßen bedrohenden Ischämie zu. Um die Gliedmaßen zu retten, empfiehlt sie, diese früh zu erkennen und an ein Gefäßteam zu überweisen (Empfehlungsgrad I, Evidenzgrad C) [2]. Bewusstlosigkeit, schwere Atemnot, starke Brustschmerzen und akute, anhaltende stärkste Schmerzen sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung Fälle für den Rettungsdienst unter 112 [19].
Quellen
- Behörde Periphere arterielle Verschlusskrankheit (PAVK). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 05.02.2026. abgerufen am 17.10.2026
- Leitlinie ESC Pocket Guidelines Periphere arterielle Verschlusskrankheiten und Aortenerkrankungen, Version 2024 (deutsche Fassung der "2024 ESC Guidelines for the management of peripheral arterial and aortic diseases", Kapitel 3, 5, 6.1 und 9 mit Anmerkungen der DGK zur AWMF-S3-Leitlinie PAVK). Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK), adaptiert von der European Society of Cardiology (ESC). Stand ESC Pocket Guidelines Version 2024 (ESC-Leitlinie 2024). abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation ASS-ratiopharm 100 mg TAH Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Clopidogrel ratiopharm 75 mg Filmtabletten. Teva B.V. (Zulassungsinhaber)/ratiopharm GmbH. Stand 02/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Clopidogrel ratiopharm 75 mg Filmtabletten. Teva B.V. (Zulassungsinhaber)/ratiopharm GmbH. Stand 02/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Rivaroxaban-ratiopharm 2,5 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Atorvastatin-ratiopharm 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Atorvastatin-ratiopharm 10 mg / 20 mg / 40 mg / 80 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Simvastatin-ratiopharm 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ramipril-ratiopharm 5 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Ramipril-ratiopharm Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2023. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde Risikoinformation: ACE-Hemmer-haltige Arzneimittel, Epinephrin/Adrenalin möglicherweise unwirksam bei durch ACE-Hemmer ausgelöstem Angioödem. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 28.05.2026. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Pletal (Cilostazol): Neue Informationen in Bezug auf die Sicherheit. Otsuka Pharmaceutical Europe Ltd. in Zusammenarbeit mit EMA und BfArM. Stand 01.05.2013 (vom BfArM veröffentlicht am 02.05.2013). abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Eliquis, Pradaxa, Lixiana/Roteas und Xarelto: Die Anwendung bei Patienten mit Antiphospholipid-Syndrom wird nicht empfohlen. Zulassungsinhaber in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 23.05.2019. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Briefe zu clopidogrelhaltigen Arzneimitteln: potentielle Wechselwirkungen mit Protonen-Pumpen-Inhibitoren. Zulassungsinhaber; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 31.07.2009. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Metoprolol-ratiopharm Succinat 47,5 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Propranolol STADA 40 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 10/2014. abgerufen am 17.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Informationsbrief zu den neuen Antikoagulanzien Eliquis (Apixaban), Pradaxa (Dabigatranetexilat) und Xarelto (Rivaroxaban): Risiko von Blutungen verringern. Zulassungsinhaber, von EMA und BfArM geprüft und genehmigt; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte am 06.09.2013. Stand 05.09.2013. abgerufen am 17.10.2026
Häufige Fragen
Was ist die Schaufensterkrankheit?
So nennt man die periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK) der Beine, weil Betroffene wegen der Schmerzen wie bei einem Stadtbummel immer wieder stehen bleiben. Ursache ist laut gesund.bund.de meistens eine Gefäßverkalkung (Arteriosklerose), die die Arterien verengt. Typisch sind krampfartige Schmerzen beim Gehen, die in Ruhe wieder nachlassen.
Welche Medikamente helfen bei pAVK?
Laut ESC-Leitlinie werden Statine für alle Menschen mit pAVK empfohlen (Empfehlungsgrad I, Evidenzgrad A). Bei symptomatischer pAVK ohne Hochrisikofaktoren für die Gliedmaßen oder Hochrisiko-Begleiterkrankungen nennt sie eine Behandlung mit einem Plättchenhemmer, ASS oder Clopidogrel (Klasse I), bei solchen Risiken und ohne hohes Blutungsrisiko ASS zusammen mit Rivaroxaban in niedriger Stärke (Klasse IIa). Bei Bluthochdruck sollten ACE-Hemmer oder Sartane in erster Linie erwogen werden (IIa, B). Welche Mittel für Sie infrage kommen, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
ASS oder Clopidogrel bei pAVK: was gilt?
Die ESC-Leitlinie nennt bei symptomatischer pAVK ohne Hochrisikofaktoren für die Gliedmaßen oder Hochrisiko-Begleiterkrankungen einen der beiden Plättchenhemmer, ASS oder Clopidogrel (Klasse I). Laut einer Anmerkung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie gibt die deutsche S3-Leitlinie mit einer IIb-Empfehlung Clopidogrel den Vorzug gegenüber ASS. Clopidogrel ist laut Packungsbeilage bei pAVK zugelassen; die Packungsbeilage von ASS in niedriger Stärke nennt die pAVK nicht als eigenes Anwendungsgebiet, wohl aber Operationen oder andere Eingriffe an Arterien. Die Wahl trifft Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Hilft Gehtraining bei pAVK?
Ein strukturiertes Gehtraining ist laut gesund.bund.de in den frühen Stadien die wichtigste Maßnahme, um die Beschwerden zu verringern und wieder längere Strecken gehen zu können. Laut ESC-Leitlinie wird bei symptomatischer pAVK ein strukturiertes Bewegungsprogramm empfohlen (Empfehlungsgrad I, Evidenzgrad A); Gehen sollte als Trainingsmethode der ersten Wahl angesehen werden (IIa, A). Bei einer chronischen, die Gliedmaßen bedrohenden Durchblutungsstörung (Ischämie) mit Wunden wird laut ESC-Leitlinie ein Bewegungstraining der Beine nicht empfohlen (Empfehlungsgrad III, Evidenzgrad C).
Gibt es Medikamente, die die Gehstrecke verlängern?
Ist ein Gehtraining nicht möglich oder hilft es nicht ausreichend, können laut gesund.bund.de durchblutungsfördernde Medikamente infrage kommen. Für Cilostazol, ein Mittel gegen die Beschwerden der Schaufensterkrankheit, wurde die Anwendung laut Rote-Hand-Brief vom 1. Mai 2013 eingeschränkt: Es ist nur für Menschen vorgesehen, bei denen Änderungen des Lebensstils wie Rauchstopp und Bewegung die Beschwerden nicht ausreichend gebessert haben; nach drei Monaten sollte die Behandlung neu bewertet werden. Ob eines dieser Mittel infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Können Betablocker die Durchblutung der Beine verschlechtern?
Bei Metoprolol nennt die Packungsbeilage eine Verstärkung der Beschwerden bei zeitweiligem Hinken (Claudicatio intermittens) als Nebenwirkung ohne bekannte Häufigkeit; bei schweren Durchblutungsstörungen der Arme oder Beine darf es nicht eingenommen werden. Bei Propranolol ist eine Verstärkung der Beschwerden sehr selten, Spätstadien peripherer Durchblutungsstörungen sind eine Gegenanzeige. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Wann ist eine pAVK ein Notfall?
Ein plötzlicher Gefäßverschluss ist laut gesund.bund.de ein Notfall. Anzeichen sind ein plötzlicher starker Schmerz, leichenblasse, kalte Haut und ein Taubheitsgefühl; dann sollten Sie sofort den Notruf 112 wählen. Schmerzen in Ruhe sowie Geschwüre oder abgestorbenes Gewebe ordnet die ESC-Leitlinie der chronischen, die Gliedmaßen bedrohenden Ischämie zu; sie empfiehlt, diese früh zu erkennen und an ein Gefäßteam zu überweisen.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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