WirkstoffgruppenWirkstoffgruppe

Schilddrüsenmittel

Schilddrüsenmittel umfassen drei Gruppen: das Schilddrüsenhormon Levothyroxin, das bei einer Unterfunktion das fehlende Hormon ersetzt, Thyreostatika wie Thiamazol und Carbimazol, die bei einer Überfunktion die Bildung neuer Hormone hemmen, und Iod, etwa als Kaliumiodid zur Vorbeugung eines Iodmangels. Wird die Dosisstärke von Levothyroxin nicht vertragen oder liegt eine Überdosierung vor, können laut Packungsbeilage Beschwerden einer Überfunktion wie Herzklopfen, Schlaflosigkeit oder Nervosität auftreten. Unter Thiamazol und Carbimazol sind allergische Hautreaktionen laut Fachinformation sehr häufig. Fieber, Halsschmerzen oder eine Mundschleimhautentzündung können Zeichen eines gefährlichen Rückgangs weißer Blutkörperchen sein.

Frau Mitte vierzig mit dunkelblondem Haar im Gespräch mit einer Ärztin, die behutsam ihren Hals abtastet
Bild: KI-generiert

Schilddrüsenmittel greifen auf entgegengesetzten Wegen in den Hormonhaushalt der Schilddrüse ein: Bei einer Unterfunktion (Hypothyreose) ersetzt das Schilddrüsenhormon Levothyroxin das fehlende Hormon, bei einer Überfunktion (Hyperthyreose) hemmen Thyreostatika wie Thiamazol und Carbimazol die Bildung neuer Hormone [2, 4, 6, 16]. Iodpräparate wie Kaliumiodid beugen einem Iodmangel und einem Kropf vor [8]. Einzelheiten zu jedem Mittel stehen auf den verlinkten Wirkstoffseiten.

Was sind Schilddrüsenmittel?

In Abschnitt 5.1 der Fachinformation ist Levothyroxin als Schilddrüsenhormon (H03AA01) eingeordnet, Thiamazol (H03BB02) und Carbimazol (H03BB01) als Thyreostatika; Kaliumiodid ordnet die Fachinformation von Jodetten Henning der pharmakotherapeutischen Gruppe "Andere Mineralstoff-haltige Zubereitungen" (A12CX) zu [2, 4, 6, 8].

Wie Schilddrüsenmittel wirken

Levothyroxin: Ersatz des fehlenden Hormons

Levothyroxin wirkt laut Fachinformation genauso wie das Hormon, das die Schilddrüse vorwiegend selbst bildet; der Körper kann beide nicht unterscheiden [2]. Ein Teil wird besonders in Leber und Niere in die Form Liothyronin (T3) umgewandelt, die über Andockstellen (Rezeptoren) in den Körperzellen auf Entwicklung, Wachstum und Stoffwechsel wirkt; der Ersatz des Hormons normalisiert die Stoffwechselvorgänge [2]. Zu Beginn einer Behandlung setzt die Wirkung laut Fachinformation nach 3 bis 5 Tagen ein [2]. Die Einstellung der Dosis dauert laut IQWiG meist 2 bis 3 Monate [15].

Thiamazol und Carbimazol: Bremse für die Hormonbildung

Thiamazol hemmt laut Fachinformation den Einbau von Iod und damit die Bildung neuer Schilddrüsenhormone; es wirkt direkt auf das dafür nötige Enzym, die Schilddrüsenperoxidase [4]. Carbimazol wird schnell und vollständig aufgenommen und unmittelbar danach in seine Wirkform Thiamazol umgewandelt [6]. Die Freisetzung bereits gebildeter Hormone beeinflussen beide nicht; deshalb dauert es unterschiedlich lange, bis sich die Hormonwerte normalisieren und die Beschwerden bessern [4, 6]. Werden Thiamazol und Carbimazol nicht vertragen, wird laut IQWiG manchmal Propylthiouracil angewendet [14].

Iod: Baustein der Schilddrüsenhormone

Iod ist ein unentbehrlicher Baustein der Schilddrüsenhormone Thyroxin (T4) und Triiodthyronin (T3) [8]. Physiologische, also dem natürlichen Bedarf entsprechende Iodmengen gleichen laut Fachinformation einen Iodmangel aus, beugen einem Iodmangelkropf vor und können bei Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen die Größe der Schilddrüse normalisieren [8].

Wofür Schilddrüsenmittel eingesetzt werden

Die zugelassenen Anwendungsgebiete stehen in Abschnitt 4.1 der jeweiligen Fachinformation:

  • Levothyroxin: Ersatz des Schilddrüsenhormons bei einer Unterfunktion jeder Ursache, Vorbeugung einer erneuten Kropfbildung nach einer Kropfoperation und Behandlung des gutartigen Kropfes, jeweils bei normaler Schilddrüsenfunktion, sowie Behandlung bei bösartigen Schilddrüsentumoren, vor allem nach Entfernung der Schilddrüse; einzelne Stärken auch als Begleitbehandlung zu Thyreostatika nach Erreichen einer normalen Stoffwechsellage und für einen Schilddrüsensuppressionstest [2].
  • Thiamazol: Behandlung einer Überfunktion mit Medikamenten, insbesondere bei kleinem oder fehlendem Kropf und bei jüngeren Menschen, Vorbereitung auf eine Operation sowie Vorbereitung bzw. Behandlung in der Zeit nach einer Radioiodtherapie; die Injektionslösung bei einer thyreotoxischen Krise, einer lebensbedrohlichen Entgleisung der Überfunktion [4].
  • Carbimazol: dieselben Anwendungsgebiete zum Einnehmen, dazu in Ausnahmefällen eine Dauerbehandlung und eine vorbeugende Behandlung, wenn bei bekannter oder versteckter Überfunktion eine Iodbelastung, etwa durch iodhaltige Röntgenkontrastmittel, unumgänglich ist [6].
  • Kaliumiodid (Jodetten Henning): Vorbeugung eines Iodmangels, zum Beispiel eines Kropfes, und Behandlung eines Kropfes mit normaler Schilddrüsenfunktion bei Neugeborenen, Kindern, Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen [8].

Häufigster Grund einer Unterfunktion ist hierzulande laut IQWiG die Hashimoto-Thyreoiditis, eine Entzündung der Schilddrüse durch eine Autoimmunreaktion [16]. Eine Überfunktion wird laut IQWiG meist zunächst mit Medikamenten gebremst, um normale Hormonwerte zu erreichen; diese sind die Voraussetzung für weitere Behandlungen je nach Ursache, etwa eine Radiojodtherapie oder eine Operation. Bei der Basedow-Krankheit kann es ausreichen, über etwa ein Jahr Medikamente einzunehmen [14]. Nach einer Operation oder Radiojodtherapie entsteht oft eine Unterfunktion; dann muss man meist lebenslang L-Thyroxin einnehmen [14].

Wirkstoffe der Gruppe

Diese Schilddrüsenmittel sind auf dieser Website mit einem geprüften Wirkstoff-Steckbrief beschrieben:

  • Carbimazolz. B. Carbimazol Henning, Carbimazol AristoSchilddrüsenüberfunktion, Vorbereitung auf Operation oder Radioiodbehandlung, Vorbeugung bei unumgänglicher Iodbelastung
  • Kaliumiodidz. B. Jodetten Henning, Jodid-ratiopharm, JodinatVorbeugung von Iodmangel und Kropf, Kropfbehandlung bei jüngeren Menschen
  • Levothyroxinz. B. L-Thyroxin Henning, L-Thyroxin-Na-ratiopharm, L-Thyroxin-Na AbZSchilddrüsenunterfunktion, gutartiger Kropf, nach Schilddrüsenoperation
  • Thiamazolz. B. Thiamazol Henning, Thiamazol AristoSchilddrüsenüberfunktion, Vorbereitung auf Schilddrüsenoperation oder Radioiodbehandlung

Kaliumiodid steht auf dieser Website außerdem bei den Vitaminen und Mineralstoffen. Ein eingestelltes Levothyroxin-Präparat sollte laut Fachinformation nur unter enger Überwachung der Labor- und Krankheitszeichen gegen ein anderes getauscht werden, weil ein Ungleichgewicht der Schilddrüsenhormone möglich ist [2]; laut IQWiG wird empfohlen, möglichst immer dasselbe Präparat zu verwenden [15]. Mehr im Ratgeber Generika und Original.

Jodtabletten für den Notfall sind etwas anderes

Hoch dosierte Kaliumiodid-Tabletten sättigen die Schilddrüse mit nicht radioaktivem Iod und verhindern bei rechtzeitiger Einnahme, dass sich nach einem schweren Unfall in einem Kernkraftwerk radioaktives Iod in ihr ansammelt. Laut Bundesumweltministerium dürfen sie nur nach Empfehlung der Katastrophenschutzbehörden eingenommen werden und nicht zur Behandlung von Schilddrüsenkrankheiten; umgekehrt ist die Iodmenge von Tabletten gegen Schilddrüsenkrankheiten für diese Jodblockade viel zu gering [17].

Typische Nebenwirkungen

Die Nebenwirkungen mit ihrer Häufigkeit stehen auf den Wirkstoffseiten, die vollständige Liste in der Packungsbeilage Ihres Präparats. Zu den häufigsten Nebenwirkungen einer Behandlung mit Thyreostatika zählt das IQWiG Hautausschlag, Fieber und Gelenkbeschwerden [14]. Wie die Produktinformationen der einzelnen Wirkstoffe ausgewählte Nebenwirkungen einstufen, zeigt die Tabelle; was die Angaben bedeuten, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Häufigkeit ausgewählter Nebenwirkungen je Wirkstoff: Angaben aus der Produktinformation
WirkstoffHautausschlagFieberGelenkschmerzenVeränderungen des BlutbildsGeschmacksstörungenBauchspeicheldrüsenentzündung
CarbimazolSehr häufigGelegentlichSehr seltenGelegentlichGelegentlichNicht bekannt
Kaliumiodidnicht genanntnicht genanntnicht genanntnicht genanntnicht genanntnicht genannt
LevothyroxinNicht bekanntNicht bekanntnicht genanntnicht genanntnicht genanntnicht genannt
ThiamazolSehr häufigSeltenHäufigGelegentlichSeltenNicht bekannt

Angaben aus der Packungsbeilage bzw. Fachinformation des jeweiligen Wirkstoffs; die Quellen stehen auf der Wirkstoffseite. "nicht genannt" heißt: Die Wirkstoffseite führt diese Beschwerde nicht als eigene Nebenwirkung auf. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats. Zeilen, die in der Produktinformation gesondert für Kinder oder Jugendliche aufgeführt sind, sind nicht berücksichtigt; sie stehen auf der Wirkstoffseite. Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website mit geprüftem Datensatz beschrieben sind.

Für Kaliumiodid geben Packungsbeilage und Fachinformation keine Häufigkeiten an; bei vorbeugender Einnahme ist laut beiden nicht mit Nebenwirkungen zu rechnen. Deshalb steht in dieser Zeile überall "nicht genannt", auch bei Fieber und Hautausschlag, die bei einer Überempfindlichkeit gegen Iod auftreten können (siehe unten unter "Iod") [7, 8]. Manche Nebenwirkungen von Thiamazol wie Haarausfall, Veränderungen des Blutbilds oder Gelenk- und Muskelschmerzen sind laut Fachinformation auch als mögliche Zeichen der Überfunktion selbst bekannt; die Ursache ist deshalb oft schwer zu ermitteln [4].

Levothyroxin: Beschwerden wie bei einer Überfunktion

Wird die Dosisstärke im Einzelfall nicht vertragen oder liegt eine Überdosierung vor, können laut Packungsbeilage von Levothyroxin die typischen Erscheinungen einer Überfunktion auftreten, besonders bei zu schneller Dosissteigerung zu Beginn der Behandlung [1]. Als sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, führt die Packungsbeilage dabei Herzklopfen, Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen auf, als häufig Herzrasen und Nervosität [1]. Laut Fachinformation sollte die Tagesdosis dann verringert oder die Einnahme für mehrere Tage unterbrochen werden [2]. Das entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt; ändern Sie die Dosis nicht selbst. Unter anderem bei koronarer Herzkrankheit, Herzschwäche oder nach einem Herzinfarkt ist laut Fachinformation auch eine leichtere Überfunktion durch das Medikament unbedingt zu vermeiden [2].

Bei Frauen nach den Wechseljahren mit erhöhtem Osteoporoserisiko sollte die Dosis laut Fachinformation auf die niedrigste wirksame Dosis eingestellt werden; Knochenschwund bei hohen Dosen nennt die Packungsbeilage mit nicht bekannter Häufigkeit [1, 2]. Zur Gewichtsabnahme darf Levothyroxin nicht eingenommen werden: Bei normalen Hormonspiegeln bewirkt es keine Gewichtsabnahme, und eine zusätzliche Einnahme oder Dosiserhöhung ohne ärztliche Anweisung kann schwerwiegende oder sogar lebensbedrohliche Nebenwirkungen verursachen [1]. Allergische Reaktionen an Haut oder Atemwegen können laut Packungsbeilage sofort oder innerhalb weniger Tage auftreten und lebensbedrohlich sein [1]. Mehr unter Knochenschwund und Arzneimittelallergie.

Thiamazol und Carbimazol: Rückgang der weißen Blutkörperchen

Thiamazol und Carbimazol können einen starken Rückgang bestimmter weißer Blutkörperchen auslösen (Agranulozytose). Laut den Fachinformationen tritt er in etwa 0,3 bis 0,6 Prozent der Fälle auf und ist als gelegentlich eingestuft; er kann sich auch noch Wochen bis Monate nach Behandlungsbeginn zeigen und ist meist von selbst rückbildungsfähig [4, 6]. Bei Thiamazol kann er laut Fachinformation auch nach Wiederaufnahme einer Behandlung auftreten [4]. Mögliche Zeichen sind Fieber, Halsschmerzen bzw. eine Rachenentzündung, eine Entzündung der Mundschleimhaut oder Furunkel. Treten sie auf, müssen Sie das Mittel laut Packungsbeilage sofort absetzen und Ihre Ärztin oder Ihren Arzt aufsuchen, damit das Blutbild kontrolliert wird [3, 4, 5]. Vor und während der Behandlung sind regelmäßige Blutbildkontrollen erforderlich [4, 6]. Mehr unter Blutungen und Blutbildveränderungen.

Allergische Hautreaktionen

Allergische Hauterscheinungen wie Juckreiz, Ausschlag und Nesselsucht sind in den Fachinformationen von Thiamazol und Carbimazol als sehr häufig eingestuft, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten. Sie verlaufen meist leicht und bilden sich oft auch unter fortgeführter Behandlung zurück [4, 6]. Sehr selten sind schwere Hautreaktionen einschließlich einer Entzündung der Haut am ganzen Körper (generalisierte Dermatitis), bei Thiamazol auch das Stevens-Johnson-Syndrom [4, 6]. Bei leichteren Überempfindlichkeitsreaktionen wie Ausschlag oder Juckreiz in der Vorgeschichte sollten die Mittel laut Fachinformation nicht angewendet werden [4, 6]. Ist wegen einer Unverträglichkeit ein anderes Thyreostatikum nötig, soll laut Fachinformation von Thiamazol nicht auf Carbimazol gewechselt werden, sondern auf Propylthiouracil oder Perchlorat [4]. Welches Mittel infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Mehr unter Hautausschlag und schwere Hautreaktionen.

Bauchspeicheldrüsenentzündung: Rote-Hand-Brief von 2019

Nach der Zulassung wurde über akute Entzündungen der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) unter Thiamazol und Carbimazol berichtet; ihre Häufigkeit ist laut Fachinformation nicht bekannt [4, 6]. Darüber informierten die Zulassungsinhaber nach Abschluss eines europäischen Signalverfahrens in Abstimmung mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) mit einem Rote-Hand-Brief vom 6. Februar 2019 [13]. Danach sollte die Behandlung bei einer akuten Pankreatitis sofort beendet werden. Weil eine erneute Anwendung zu einer erneuten Pankreatitis mit kürzerer Zeit bis zum Krankheitsbeginn führen könnte, dürfen Menschen, die unter Carbimazol oder Thiamazol schon einmal eine akute Pankreatitis hatten, keines der beiden Mittel mehr erhalten [13]. Bekommen Sie Fieber oder Bauchschmerzen, sprechen Sie laut Packungsbeilage unverzüglich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [3, 5]. Mehr unter Bauchspeicheldrüsenentzündung und im Ratgeber Rote-Hand-Briefe und Rückrufe.

Gelenke, Muskeln, Leber und Geschmack

Gelenk- und Muskelschmerzen sind in der Fachinformation von Thiamazol als häufig eingestuft, in der von Carbimazol als sehr selten; sie können sich schleichend und noch nach mehrmonatiger Behandlung entwickeln [4, 6]. Beide Fachinformationen beschreiben außerdem eine Muskelerkrankung (Myopathie); bei Muskelschwäche oder Muskelschmerzen sprechen Sie laut Packungsbeilage mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [3, 4, 5, 6]. Sehr selten sind eine Gelbsucht durch gestörten Galleabfluss oder eine toxische Leberentzündung, die sich im Allgemeinen nach dem Absetzen zurückbilden [4, 6]. Geschmacks- oder Geruchsstörungen sind nach dem Absetzen rückbildungsfähig; die Normalisierung kann mehrere Wochen dauern [4, 6]. Das Körpergewicht kann steigen, weil der durch die Überfunktion krankhaft gesteigerte Energieverbrauch sinkt [4, 6]. Mehr unter Muskelschmerzen, Leberwerte und Geschmacksstörungen.

Iod: Überfunktion bei Knoten möglich

Bei vorbeugender Einnahme von Iodid in jedem Alter und bei der Kropfbehandlung von Neugeborenen, Kindern und Jugendlichen ist laut Packungsbeilage und Fachinformation von Jodetten Henning nicht mit Nebenwirkungen zu rechnen [7, 8]. Bei größeren, unkontrolliert hormonbildenden Bereichen in der Schilddrüse und täglich mehr als 150 Mikrogramm Iod lässt sich aber nicht völlig ausschließen, dass eine Überfunktion zum Vorschein kommt. Bei der Kropfbehandlung Erwachsener kann es in Einzelfällen zu einer iodbedingten Überfunktion kommen; gefährdet sind vor allem ältere Menschen mit lange bestehendem Kropf [7, 8]. Bei einer Überempfindlichkeit gegen Iod kann die Einnahme zu Fieber, Hautausschlag, Jucken und Brennen der Augen, Reizhusten, Durchfall oder Kopfschmerzen führen; dann ist die Einnahme zu beenden [7, 8].

Wichtige Wechselwirkungen

Mann Anfang sechzig mit grauem Haar steht morgens in einer hellen Küche und trinkt ein Glas Wasser, das Frühstück steht noch unberührt auf dem Tisch
Bild: KI-generiert

Die Fachinformation von Levothyroxin führt zahlreiche Wechselwirkungen auf [2]. Für Thiamazol und Carbimazol sind laut Fachinformation außer dem Einfluss von Iod keine direkten Wechselwirkungen bekannt; weil bei einer Überfunktion Abbau und Ausscheidung anderer Arzneimittel beschleunigt sein können, sind mit Normalisierung der Schilddrüsenfunktion gegebenenfalls Dosisanpassungen nötig [4, 6].

Wichtige Wechselwirkungen von Schilddrüsenmitteln (Auswahl)
Zusammen mitWas passieren kann
Eisenhaltige Mittel (z. B. Eisen(II)-sulfat), Calciumcarbonat, aluminiumhaltige Magensäurebinder (Antazida, Sucralfat)Die Aufnahme von Levothyroxin kann vermindert werden; Levothyroxin laut Fachinformation mindestens 2 Stunden vor diesen Mitteln einnehmen [1, 2]
Cholesterinsenker wie Colestyramin und Colestipol, außerdem Sevelamer und Salze der PolystyrolsulfonsäureHemmen die Aufnahme von Levothyroxin; diese Mittel laut Fachinformation erst 4 bis 5 Stunden nach Levothyroxin einnehmen [1, 2]
Protonenpumpenhemmer wie Omeprazol oder PantoprazolDie Aufnahme von Levothyroxin kann abnehmen; Überwachung der Schilddrüsenfunktion, gegebenenfalls Dosisanpassung [2, 15]
KaffeeKann die Aufnahme von Levothyroxin verringern; nach der Einnahme laut Packungsbeilage mindestens eine halbe bis eine Stunde warten [1, 2]
Blutzuckersenkende Mittel wie Metformin, Glimepirid und InsulinLevothyroxin kann ihre blutzuckersenkende Wirkung vermindern; Blutzucker vor allem zu Beginn und zum Ende einer Schilddrüsenhormonbehandlung regelmäßig kontrollieren [2]
Gerinnungshemmer vom Cumarin-Typ (Blutverdünner)Levothyroxin kann ihre Wirkung verstärken; regelmäßige Gerinnungskontrollen [2]
Östrogenhaltige Mittel zur Empfängnisverhütung, Hormonersatz nach den WechseljahrenDer Bedarf an Levothyroxin kann steigen [2, 15]
Amiodaron und iodhaltige RöntgenkontrastmittelKönnen wegen ihres hohen Iodgehalts eine Über- oder Unterfunktion auslösen [2]. Iodmangel erhöht, Iodüberschuss vermindert das Ansprechen auf Thiamazol und Carbimazol [4, 6]
Rifampicin, Carbamazepin, Phenytoin, Barbiturate, JohanniskrautKönnen den Abbau von Levothyroxin in der Leber beschleunigen und seinen Spiegel senken [2]
Biotin, auch in NahrungsergänzungsmittelnKann Laborwerte der Schilddrüse fälschlich erhöht oder erniedrigt erscheinen lassen; laut IQWiG biotinhaltige Nahrungsergänzungsmittel ab dem Tag vor der Untersuchung weglassen [2, 15]
Kaliumsparende DiuretikaMit höheren Dosen Kaliumiodid kann ein erhöhter Kaliumspiegel im Blut (Hyperkaliämie) entstehen [8]
Schilddrüsenhormone und Thyreostatika in der SchwangerschaftDie gleichzeitige Einnahme ist in der Schwangerschaft kontraindiziert [2, 4, 6]

Die Liste ist nicht vollständig. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke, bevor Sie ein neues Mittel dazunehmen, laut IQWiG auch ein rezeptfreies [15]. Mehr in den Ratgebern Wechselwirkungen, Medikamente und Kaffee und Medikamente vor Untersuchungen; den Überblick behalten Sie mit dem Medikationsplan.

Wann Schilddrüsenmittel nicht oder nur mit Vorsicht angewendet werden

Levothyroxin darf laut Fachinformation nicht angewendet werden bei einer unbehandelten Überfunktion, einer unbehandelten Schwäche der Nebennierenrinde und einer unbehandelten Schwäche der Hirnanhangsdrüse, wenn sie eine behandlungsbedürftige Nebennierenrindenschwäche zur Folge hat; bei einem akuten Herzinfarkt, einer akuten Herzmuskelentzündung oder einer akuten Entzündung aller Herzwandschichten darf die Behandlung nicht begonnen werden [2]. Unter anderem eine koronare Herzkrankheit, Angina pectoris und Bluthochdruck sind vor Beginn auszuschließen bzw. zu behandeln; bei Epilepsie in der Vorgeschichte ist Vorsicht geboten [2].

Thiamazol und Carbimazol dürfen laut Fachinformation unter anderem nicht angewendet werden bei einer Allergie gegen einen der beiden Wirkstoffe oder verwandte Stoffe, bei Veränderungen des Blutbilds mit verminderter Zahl bestimmter weißer Blutkörperchen (Granulozytopenie; bei Thiamazol mäßige bis schwere), bei einer bestehenden Gallenstauung (bei Thiamazol, wenn sie nicht durch die Überfunktion verursacht ist), nach einer Knochenmarkschädigung durch eine frühere Behandlung mit einem der beiden Mittel und nach einer akuten Pankreatitis unter einem der beiden Mittel [4, 6]. Bei einem großen Kropf, der die Luftröhre einengt, sollten sie nur kurzfristig und unter sorgfältiger ärztlicher Überwachung angewendet werden, weil der Kropf weiter wachsen kann [4, 6].

Kaliumiodid darf laut Packungsbeilage und Fachinformation nicht eingenommen werden bei einer bestehenden Überfunktion, bei einer versteckten Überfunktion in Dosierungen über 150 Mikrogramm Iodid pro Tag, bei hormonbildenden Knoten oder Autonomien der Schilddrüse in den hohen Dosierungen der Kropfbehandlung Erwachsener (außer zur Vorbereitung auf eine Operation) sowie bei zwei seltenen Erkrankungen, der hypokomplementämischen Vaskulitis (einer Gefäßentzündung) und der Dermatitis herpetiformis Duhring (einer chronischen Hautentzündung) [7, 8]. Trifft ein Punkt auf Sie zu, besprechen Sie das mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Schwangerschaft und Stillzeit

Levothyroxin: Eine Behandlung mit Schilddrüsenhormonen ist laut Fachinformation gerade in Schwangerschaft und Stillzeit konsequent durchzuführen; trotz umfangreicher Anwendung sind bisher keine unerwünschten Wirkungen auf die Schwangerschaft oder das Kind bekannt geworden [2]. Der TSH-Wert sollte in jedem Schwangerschaftsdrittel gemessen werden [2]. Das Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie der Charité (Embryotox) nennt Levothyroxin das Mittel der Wahl bei einer Unterfunktion in der Schwangerschaft und in der Stillzeit [9].

Thiamazol und Carbimazol: Laut Fachinformation besteht aufgrund von epidemiologischen Studien und Spontanmeldungen der Verdacht, dass beide Wirkstoffe angeborene Fehlbildungen auslösen können, insbesondere im ersten Schwangerschaftsdrittel und bei hoher Dosis [4, 6]. Der Rote-Hand-Brief vom 6. Februar 2019 hat deshalb die Empfehlung zur Verhütung verstärkt: Frauen, die schwanger werden könnten, müssen während der Behandlung zuverlässig verhüten [13]. Eine Überfunktion in der Schwangerschaft sollte angemessen behandelt werden; die Mittel dürfen dann nur nach strenger Nutzen-Risiko-Bewertung in der niedrigsten wirksamen Dosis und ohne zusätzliche Schilddrüsenhormone angewendet werden [4, 6, 13]. Sind Sie schwanger, vermuten Sie es oder planen Sie eine Schwangerschaft, informieren Sie umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [3, 5].

Embryotox ordnet Thiamazol und Carbimazol als schwach fehlbildungsauslösend mit einem charakteristischen Fehlbildungsmuster ein; nach einer Einnahme im ersten Schwangerschaftsdrittel wird laut Embryotox eine weiterführende Ultraschalluntersuchung empfohlen [10, 11]. Ist eine Schwangerschaft unter einer thyreostatischen Behandlung geplant, ist laut Embryotox Propylthiouracil den anderen Thyreostatika vorzuziehen, wobei unter Propylthiouracil die sehr seltene schwere Leberschädigung häufiger auftritt [10, 11, 12]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Gestillt werden kann laut Fachinformation, wenn nur niedrige Dosen ohne zusätzliche Schilddrüsenhormone eingenommen werden und die Schilddrüsenfunktion des Säuglings regelmäßig überwacht wird [4, 6]. Laut Embryotox dürfen reif geborene Kinder unter einer Behandlung der Mutter mit Thiamazol oder Carbimazol gestillt werden; wegen der höheren Lebertoxizität von Propylthiouracil werden in der Stillzeit laut Embryotox inzwischen Thiamazol und Carbimazol vorgezogen [10, 11, 12]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Iod: Sowohl ein Iodmangel als auch eine Überdosierung von Iod können laut Packungsbeilage und Fachinformation dem ungeborenen Kind schaden. In Schwangerschaft und Stillzeit ist der Iodbedarf erhöht; bei Iodpräparaten bis zu 200 Mikrogramm täglich sind bisher keine Risiken bekannt geworden [7, 8]. Laut Packungsbeilage sollte Iodid in Schwangerschaft und Stillzeit nur nach Nutzen-Risiko-Abwägung auf ausdrückliche ärztliche Verordnung eingenommen werden, höhere Dosierungen in der Schwangerschaft nur bei einem klinisch nachgewiesenen Iodmangel [7]. Mehr in den Ratgebern Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.

Absetzen

Für den Behandlungserfolg ist laut Packungsbeilage von Levothyroxin die regelmäßige Einnahme in der verordneten Dosis erforderlich; Sie dürfen die Behandlung auf keinen Fall eigenmächtig verändern, unterbrechen oder vorzeitig beenden, sonst können Ihre Beschwerden wieder auftreten [1]. Bei Thiamazol und Carbimazol ist es laut Fachinformation nicht sinnvoll, das Mittel ganz abzusetzen und nur mit einem Schilddrüsenhormon wie Levothyroxin weiterzubehandeln [4, 6]. Bei Warnzeichen einer Agranulozytose ist das Mittel dagegen laut Packungsbeilage sofort abzusetzen und ärztlich das Blutbild kontrollieren zu lassen [3, 5]. Davon abgesehen gilt: Setzen Sie das Mittel nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr unter Levothyroxin absetzen und im Ratgeber Medikamente absetzen.

Unterschied zu Betablockern und Mineralstoffpräparaten

Führt eine Überfunktion zu Herzrasen oder Herzrhythmusstörungen, kann laut IQWiG zusätzlich zu Thyreostatika ein Betablocker eingenommen werden, meist Propranolol [14]. Laut Fachinformation von Levothyroxin hemmen Betablocker, insbesondere Propranolol, außerdem die Umwandlung von T4 in T3 [2]. Iod nimmt der Körper auch mit der Nahrung auf: Eine ausgewogene Ernährung und jodiertes Speisesalz helfen laut IQWiG, sich ausreichend mit Iod zu versorgen; geeignet sind etwa Meeresfisch, Milch, Milchprodukte und Eier [16]. Mehr unter Vitamine und Mineralstoffe.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation L-Thyroxin Henning 100 (100 Mikrogramm, Tabletten). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 02/2025. abgerufen am 12.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation L-Thyroxin Henning 25 bis 200 (Tabletten). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 06/2023. abgerufen am 12.10.2026
  3. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Thiamazol 5 mg Henning Filmtabletten. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 10/2024. abgerufen am 12.10.2026
  4. Fachinformation Fachinformation Thiamazol Henning (5 mg/20 mg Filmtabletten, 40 mg inject.). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 10/2025. abgerufen am 12.10.2026
  5. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Carbimazol 10 mg Henning Filmtabletten. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 10/2024. abgerufen am 12.10.2026
  6. Fachinformation Fachinformation Carbimazol 5 mg/10 mg Henning. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 02/2025. abgerufen am 12.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Jodetten 100 Henning, 100 Mikrogramm, Tabletten. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 10/2021. abgerufen am 12.10.2026
  8. Fachinformation Fachinformation Jodetten Henning (100/150/200 Mikrogramm und 1 x wöchentlich). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 03/2024. abgerufen am 12.10.2026
  9. Embryotox Embryotox: Thyroxin (Levothyroxin). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  10. Embryotox Embryotox: Thiamazol. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  11. Embryotox Embryotox: Carbimazol. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  12. Embryotox Embryotox: Propylthiouracil. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
  13. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu carbimazol- oder thiamazolhaltigen Arzneimitteln: Risiko einer akuten Pankreatitis und Verstärkung der Empfehlung zur Kontrazeption. Zulassungsinhaber in Abstimmung mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und dem BfArM. Stand 06.02.2019. abgerufen am 12.10.2026
  14. Wie wird eine Schilddrüsenüberfunktion behandelt?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 24.04.2024. abgerufen am 12.10.2026
  15. Schilddrüsenhormone richtig einnehmen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 24.04.2024. abgerufen am 12.10.2026
  16. Schilddrüsenunterfunktion (Hypothyreose). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 24.04.2024. abgerufen am 12.10.2026
  17. Behörde Jodblockade, Schutz bei Reaktorunfall: Jodtabletten. Bundesministerium für Umwelt, Klimaschutz, Naturschutz und nukleare Sicherheit (BMUKN). Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen L-Thyroxin und Thiamazol?

Sie wirken entgegengesetzt. L-Thyroxin (Levothyroxin) ersetzt bei einer Unterfunktion das fehlende Schilddrüsenhormon. Thiamazol und seine Vorstufe Carbimazol sind Thyreostatika: Sie hemmen bei einer Überfunktion die Bildung neuer Schilddrüsenhormone. In der Schwangerschaft dürfen Schilddrüsenhormone und Thyreostatika laut Fachinformation nicht zusammen eingenommen werden.

Welche Nebenwirkungen hat L-Thyroxin?

Wird die Dosisstärke nicht vertragen oder ist die Dosis zu hoch, können laut Packungsbeilage Beschwerden wie bei einer Überfunktion auftreten, besonders bei zu schneller Dosissteigerung zu Beginn. Als sehr häufig nennt sie Herzklopfen, Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen, als häufig Herzrasen und Nervosität. Bemerken Sie solche Beschwerden, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Wie nehme ich L-Thyroxin richtig ein?

Laut Packungsbeilage nehmen Sie die gesamte Tagesdosis morgens nüchtern mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück mit reichlich Flüssigkeit ein, am besten mit einem Glas Wasser. Mit Kaffee warten Sie mindestens eine halbe bis eine Stunde. Eisenhaltige Mittel, Calciumcarbonat und aluminiumhaltige Magensäurebinder nehmen Sie laut Fachinformation erst mindestens 2 Stunden nach L-Thyroxin ein.

Woran erkenne ich einen gefährlichen Rückgang der weißen Blutkörperchen unter Thiamazol oder Carbimazol?

Mögliche Zeichen einer Agranulozytose sind Fieber, Halsschmerzen, eine Mundschleimhautentzündung oder Furunkel. Laut Packungsbeilage müssen Sie das Mittel dann sofort absetzen und Ihre Ärztin oder Ihren Arzt aufsuchen, damit das Blutbild kontrolliert wird. Die Agranulozytose tritt laut Fachinformation üblicherweise in den ersten Behandlungswochen auf, kann sich aber auch noch Wochen bis Monate nach Beginn zeigen.

Kann ich mit L-Thyroxin abnehmen?

Nein. Laut Packungsbeilage bewirkt die zusätzliche Einnahme von Schilddrüsenhormonen bei Hormonspiegeln im normalen Bereich keine Gewichtsabnahme. Eine zusätzliche Einnahme oder eine Dosiserhöhung ohne ärztliche Anweisung kann schwerwiegende oder sogar lebensbedrohliche Nebenwirkungen verursachen, insbesondere zusammen mit bestimmten Mitteln zur Gewichtsabnahme.

Darf ich in der Schwangerschaft Schilddrüsenmittel nehmen?

Das hängt vom Mittel ab. Eine Behandlung mit Levothyroxin ist laut Fachinformation in der Schwangerschaft konsequent fortzuführen; Embryotox nennt Levothyroxin das Mittel der Wahl bei einer Unterfunktion. Thiamazol und Carbimazol stehen im Verdacht, Fehlbildungen auszulösen; Frauen, die schwanger werden könnten, müssen deshalb zuverlässig verhüten. Ist eine Schwangerschaft unter Behandlung geplant, ist laut Embryotox Propylthiouracil vorzuziehen, unter dem allerdings die sehr seltene schwere Leberschädigung häufiger auftritt. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Darf ich mein L-Thyroxin-Präparat wechseln?

Nur in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Laut Fachinformation sollte eine Umstellung auf ein anderes schilddrüsenhormonhaltiges Arzneimittel nur unter enger Überwachung erfolgen, weil ein Ungleichgewicht der Schilddrüsenhormone möglich ist. Laut IQWiG wird empfohlen, möglichst immer dasselbe Präparat zu verwenden; sieht die Packung anders aus als sonst, fragen Sie in der Apotheke nach.

Sind Jodtabletten für den Notfall dasselbe wie Jodtabletten gegen Kropf?

Nein. Hoch dosierte Kaliumiodid-Tabletten zur Jodblockade bei einem schweren Unfall in einem Kernkraftwerk dürfen laut Bundesumweltministerium nur nach Empfehlung der Katastrophenschutzbehörden eingenommen werden und nicht zur Behandlung von Schilddrüsenkrankheiten. Umgekehrt ist die Iodmenge in Tabletten zur Behandlung von Schilddrüsenkrankheiten für die Jodblockade viel zu gering.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

Passt dazu