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Hashimoto-Thyreoiditis
Die Hashimoto-Thyreoiditis ist eine chronische Entzündung der Schilddrüse durch eine Fehlreaktion des Immunsystems und laut IQWiG hierzulande der häufigste Grund für eine Schilddrüsenunterfunktion. Die Ursache lässt sich nicht behandeln; führt die Entzündung zu einer manifesten Unterfunktion, soll laut S2k-Leitlinie der DEGAM immer eine Hormonbehandlung erfolgen, mit Levothyroxin als Monotherapie und Mittel der Wahl (Konsensempfehlungen). Für zusätzliches Selen, Jod oder Vitamine gibt es laut Leitlinie keine Evidenz für einen Nutzen; ob Beschwerden wie Müdigkeit oder Frieren von der Schilddrüse kommen, klärt eine Blutuntersuchung in der Arztpraxis.

Bei der Hashimoto-Thyreoiditis ist die Schilddrüse chronisch entzündet, weil sich das Immunsystem gegen das eigene Schilddrüsengewebe richtet. Mit der Zeit entwickelt sich daraus oft eine Schilddrüsenunterfunktion; hierzulande ist die Hashimoto-Thyreoiditis deren häufigster Grund [2]. Die Ursache lässt sich nicht behandeln, der Hormonmangel aber mit Tabletten ausgleichen. Dadurch verschwinden die Beschwerden in der Regel [2]. Laut S2k-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) soll eine manifeste Unterfunktion immer behandelt werden (Konsensempfehlung 6.1.1); für zusätzliches Selen, Jod oder Vitamine sieht die Leitlinie keine Evidenz für einen Nutzen [1].
Was ist eine Hashimoto-Thyreoiditis?
Die Schilddrüse bildet unter anderem die Hormone T3 und T4, die viele Vorgänge im Körper steuern. Bei der Hashimoto-Thyreoiditis löst eine Autoimmunreaktion eine chronische Entzündung aus: Das Immunsystem greift das Schilddrüsengewebe an. Bei einem Teil der Betroffenen geht dadurch allmählich immer mehr Gewebe verloren und wird durch Bindegewebe ersetzt [2]. Dabei bildet das Immunsystem Antikörper, die sich an das Schilddrüsengewebe binden [4]. Schätzungsweise 4 von 1.000 Frauen und 1 von 1.000 Männern erkranken laut IQWiG, die meisten zwischen dem 30. und 50. Lebensjahr; die Erkrankung kann aber auch bei Kindern oder in höherem Alter auftreten [2].
Verlauf: Zunächst bleibt die Menge der Hormone im Blut laut IQWiG oft normal, obwohl Schilddrüsenzellen absterben, weil das restliche Gewebe mehr Hormone bildet. Dafür muss es wachsen, deshalb wird die Schilddrüse anfangs häufig größer (Kropf oder Struma). Irgendwann ist so wenig Drüsengewebe übrig, dass dieser Ausgleich nicht mehr gelingt; dann entstehen typische Beschwerden einer Unterfunktion [2]. Selten kommt es zu Beginn kurzzeitig zu einer Überfunktion, weil beim Absterben von Gewebe gespeicherte Hormone auf einmal freigesetzt werden [2].
Schilddrüsen-Antikörper im Blut bedeuten laut IQWiG nicht zwangsläufig, dass sich eine Unterfunktion entwickelt. Die Wahrscheinlichkeit, dass aus einer latenten eine spürbare Unterfunktion wird, ist aber höher, wenn die Schilddrüse vergrößert ist und Antikörper nachweisbar sind [3]. Laut DEGAM-Leitlinie ist das Risiko für eine manifeste Unterfunktion bei einer latenten Unterfunktion mit Antikörpern gering erhöht; stärker hängt es mit der Höhe des TSH-Werts zusammen [1].
Symptome
Die Beschwerden entstehen durch den Mangel an Schilddrüsenhormonen. Viele Betroffene fühlen sich laut IQWiG allgemein geschwächt, sind häufig müde und frieren leicht. Möglich sind außerdem [2]:
- ein dickerer Hals, weil die Schilddrüse durch die Entzündung manchmal größer wird; im Verlauf kann sie auch stark schrumpfen,
- manchmal trockenere oder verdickte Haut, sodass das Gesicht etwas aufgedunsen wirkt, und bei manchen eine Gewichtszunahme,
- Heiserkeit, Verstopfung und ein langsamer Pulsschlag,
- Regelbeschwerden oder Erektionsstörungen,
- Stimmungstiefs und Antriebslosigkeit.
Auch ständige Müdigkeit, Konzentrationsprobleme und Haarausfall können laut IQWiG dazugehören [2]. Zu Beginn sind bei einer kurzzeitigen Überfunktion selten Herzrasen, Nervosität und vermehrtes Schwitzen möglich [2]. Die oft genannten Beschwerden sind laut DEGAM-Leitlinie sehr unspezifisch [1]. Weitere mögliche Beschwerden stehen auf der Seite Schilddrüsenunterfunktion; ähnliche Beschwerden durch Medikamente unter Müdigkeit und Haarausfall.
Ursachen und Risikofaktoren
Wie es zu der Fehlfunktion des Immunsystems kommt, ist laut IQWiG unklar; wahrscheinlich spielen genetische Ursachen eine Rolle. Fachleute gehen danach davon aus, dass eine sehr hohe Jodzufuhr, etwa bei einer Röntgenuntersuchung mit jodhaltigem Kontrastmittel, bei Menschen mit entsprechender Veranlagung die Beschwerden auslösen kann. So hohe Jodmengen werden im täglichen Leben über die Nahrung nicht erreicht [2].
Eine Hashimoto-Thyreoiditis kann laut IQWiG gemeinsam mit anderen Autoimmunerkrankungen auftreten; bei entsprechendem Verdacht sind manchmal weitere Untersuchungen nötig, etwa auf eine Glutenunverträglichkeit (Zöliakie) oder Diabetes mellitus [2]. Als Faktoren, die eine Unterfunktion wahrscheinlicher machen, nennt die DEGAM-Leitlinie unter anderem eine Autoimmunerkrankung der Schilddrüse oder eine Unterfunktion bei Verwandten ersten Grades und Autoimmunerkrankungen wie Diabetes Typ 1, Morbus Addison, Zöliakie, Vitiligo oder perniziöse Anämie [1].
Andere Ursachen einer Unterfunktion: Als Dauermedikamente, die eine "echte" Unterfunktion auslösen können, nennt die DEGAM-Leitlinie Amiodaron und Lithium [1]. Was über diese und weitere Medikamente bekannt ist, steht auf der Seite Schilddrüsenunterfunktion.
Diagnose
Bei Verdacht fragt die Ärztin oder der Arzt laut IQWiG nach Beschwerden und tastet die Schilddrüse ab; oft wird sie außerdem per Ultraschall untersucht. Blutuntersuchungen von TSH und Schilddrüsenhormonen zeigen, ob die Funktion gestört ist. Um herauszufinden, ob eine Hashimoto-Thyreoiditis die Ursache ist, hilft ein weiterer Bluttest auf Antikörper gegen Schilddrüsengewebe; sie sind bei den meisten Betroffenen im Blut zu finden [2].
Laut DEGAM-Leitlinie ist bei 90 Prozent der Menschen mit Hashimoto-Thyreoiditis der Wert der Antikörper gegen die thyreoidale Peroxidase (TPO-AK) erhöht und bei 70 Prozent der Wert der Thyreoglobulin-Antikörper (TgAK). Für die Hausarztpraxis empfiehlt sie (Empfehlung 5.4.3.1) [1]:
- Nur bei einer latenten Unterfunktion kann einmalig eine Bestimmung der TPO-Antikörper durchgeführt werden, um den Verdacht auf eine Hashimoto-Thyreoiditis zu klären (Konsens 5 von 5). Nach einem Sondervotum der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie kann bei negativen TPO-Antikörpern einmalig TgAK bestimmt werden.
- Eine Wiederholungsmessung der TPO-Antikörper sollte nicht erfolgen, weil sich aus ihrem Verlauf keine Konsequenzen für die Behandlung ergeben (Konsens 5 von 5).
- Bei einem TSH-Wert im Normbereich sollte keine Bestimmung der TPO-Antikörper erfolgen (Konsens 5 von 5), auch nicht bei Schwangeren (Konsens 4 von 5 bei einer Enthaltung).
TPO-Antikörper sind laut Leitlinie bei 7 bis 14 Prozent der Gesamtbevölkerung nachweisbar. Ihr alleiniges Vorliegen, ohne Nachweis einer manifesten Unterfunktion im Labor und ohne Befund im Ultraschall, reicht für die Diagnose Hashimoto-Thyreoiditis nicht aus. Bei einer manifesten Unterfunktion bringt die Bestimmung für die weiteren hausärztlichen Entscheidungen keinen Zugewinn; Menschen, die die Ursache ihrer Erkrankung verstehen möchten, könnten aber vom Nachweis oder Ausschluss profitieren, wobei dieses Wissen manche auch verunsichern kann [1]. Eine routinemäßige Ultraschalluntersuchung sollte bei erhöhten TSH-Werten nicht durchgeführt werden (Empfehlung 5.4.4.1, Konsens 4 von 5 bei einer Gegenstimme der Patientenvertretung). Ein Ultraschall könnte das Ausmaß einer Hashimoto-Thyreoiditis zwar erfassen, hat laut Leitlinie aber keine Bedeutung für die Entscheidung über die Behandlung [1].
Behandlung ohne Medikamente
Die Ursachen der Hashimoto-Thyreoiditis lassen sich laut IQWiG nicht beheben [2]. Für die zusätzliche Gabe von Spurenelementen, pflanzlichen Präparaten oder Nahrungsergänzungsmitteln wie Jod, Selen oder Vitaminen gibt es laut DEGAM-Leitlinie keine Evidenz für einen Nutzen bei Unterfunktion und Hashimoto-Thyreoiditis [1]. Mehr dazu: Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel.
Selen: Laut DEGAM-Leitlinie, die sich dabei auf eine systematische Übersichtsarbeit stützt, ist die Evidenz zu gering, um eine Ergänzung mit Selen zu empfehlen. Hinweise auf eine mögliche Wirkung gab die Übersichtsarbeit danach anhand von Beschwerden, die die Teilnehmenden selbst berichteten; erprobte und geprüfte Messinstrumente, etwa für die Lebensqualität, kamen dabei nicht zum Einsatz [1]. Auch für die Schwangerschaft lässt sich laut Leitlinie wegen schwacher Evidenz keine Empfehlung zu Selen ableiten [1].
Jod: Kaliumiodid wird laut der Packungsbeilage eines Präparats (Jodetten 100 Henning) angewendet zur Vorbeugung eines Jodmangels, zum Beispiel zur Vorbeugung eines Kropfes in Jodmangelgebieten und nach Entfernung eines Jodmangelkropfes, und zur Behandlung eines Kropfes bei normaler Schilddrüsenfunktion (diffuse euthyreote Struma) bei Neugeborenen, Kindern, Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen. Nicht eingenommen werden darf es danach unter anderem bei einer bestehenden (manifesten) Schilddrüsenüberfunktion und, ab bestimmten Dosen, bei einer latenten Überfunktion oder bei gutartigen hormonbildenden Knoten oder unkontrolliert hormonbildenden Bezirken der Schilddrüse. Vor der Einnahme soll geprüft werden, ob eine Überfunktion oder ein Knotenkropf vorliegt; bei einem Knotenkropf könnte die Einnahme eine Überfunktion herbeiführen [10]. Sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Abwarten bei latenter Unterfunktion: Unabhängig vom Alter sollte laut DEGAM-Leitlinie bei Menschen ohne Beschwerden und einem nur leicht erhöhten TSH-Wert bis 10 mU/l keine Hormonbehandlung erfolgen (Empfehlung 6.1.2, Konsens 5 von 5). Wird keine Behandlung begonnen, kann der TSH-Wert nach 6 bis 12 Monaten erneut kontrolliert werden (Empfehlung 5.4.1.2, Konsens 5 von 5) [1].
Behandlung mit Medikamenten

Führt die Entzündung zu einer Unterfunktion, wird das fehlende Hormon Thyroxin (T4) laut IQWiG durch ein Medikament ersetzt, den Wirkstoff Levothyroxin, auch L-Thyroxin genannt. Er wird einmal am Tag eingenommen, in der Regel lebenslang; bis sich der Hormonspiegel eingependelt hat, dauert es etwa 2 bis 3 Monate [2]. Angewendet wird Levothyroxin laut Packungsbeilage unter anderem zum Ersatz des fehlenden Hormons bei jeder Form einer Schilddrüsenunterfunktion [6]. Die DEGAM-Leitlinie empfiehlt [1]:
- Manifeste Unterfunktion: Eine Hormonbehandlung soll immer erfolgen (Empfehlung 6.1.1, Konsens 5 von 5).
- Latente Unterfunktion: Ob behandelt wird, sollte individuell entschieden werden. Bei Menschen bis 75 Jahre sollte ab einem TSH-Wert über 10 mU/l eine Behandlung eingeleitet werden; je nach Beschwerden und Wunsch kann nach umfassender Aufklärung auch ein Verzicht unter Kontrolle des TSH-Werts (bis unter 20 mU/l) eine Alternative sein. Bei über 75-Jährigen kann bis zu einem TSH-Wert unter 20 mU/l auf eine Behandlung verzichtet werden (Empfehlung 6.1.2, Konsens 5 von 5).
- Wirkstoff: Levothyroxin soll als Monotherapie und Mittel der Wahl verwendet werden; T3, T3/T4-Kombinationen und natürliche Schilddrüsenhormonpräparate sollten nicht verordnet werden (Empfehlungen 6.2.1 und 6.2.3, Konsens jeweils 5 von 5).
Latente Unterfunktion mit Antikörpern: In aktuellen internistischen oder fachübergreifenden Leitlinien findet sich laut DEGAM-Leitlinie keine belastbare Evidenz für einen Nutzen einer Hormonbehandlung bei latenter Unterfunktion und nachgewiesener Hashimoto-Thyreoiditis. Ob eine Behandlung begonnen wird, ist deshalb auch hier gemeinsam mit der Patientin oder dem Patienten sorgfältig abzuwägen. Ältere Leitlinien empfahlen in dieser Lage immer eine Behandlung, ohne ausreichende Evidenz für einen Nutzen [1]. Laut IQWiG wird Menschen mit erhöhten Schilddrüsen-Antikörpern eine Behandlung manchmal schon bei einem TSH-Wert über 6 mU/l empfohlen, um das Fortschreiten zu einer manifesten Unterfunktion zu verhindern; ob sie das leisten kann, ist bisher kaum untersucht [3].
| Wirkstoffgruppe | Beispiel | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Schilddrüsenhormone (Schilddrüsenmittel) | Levothyroxin (L-Thyroxin) [1, 6] | Wirkt genauso wie das Hormon, das die Schilddrüse vorwiegend selbst bildet; der Körper kann beide nicht unterscheiden. Ein Teil wird besonders in Leber und Niere in die Form Liothyronin (T3) umgewandelt, die auf Entwicklung, Wachstum und Stoffwechsel wirkt [7] | Wird die Dosisstärke nicht vertragen oder liegt eine Überdosierung vor: sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, Herzklopfen, Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen; häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten, Herzrasen und Nervosität [6] |
Nach Beginn und nach jeder Änderung der Dosis sollten die Schilddrüsenhormone laut DEGAM-Leitlinie frühestens nach 8 Wochen kontrolliert werden, nach etablierter Dosis halbjährlich und schließlich jährlich (Empfehlungen 6.2.6 und 6.2.7, Konsens jeweils 5 von 5) [1]. Die Angaben der Packungsbeilage zur Dosis stehen unter Dosierung von Levothyroxin; die Dosis legt die Ärztin oder der Arzt anhand von Kontrolluntersuchungen fest [6]. Wie Levothyroxin eingenommen wird und welche Abstände zu anderen Mitteln gelten, steht auf der Seite Schilddrüsenunterfunktion.
Kinderwunsch und Schwangerschaft
Etwa 0,4 Prozent der Schwangeren haben laut Embryotox eine manifeste Unterfunktion und müssen behandelt werden; häufigste Ursache ist eine Autoimmunthyreoiditis wie die Hashimoto-Thyreoiditis [9]. Levothyroxin ist laut Embryotox Mittel der Wahl zur Behandlung einer Unterfunktion in der Schwangerschaft. Nach Feststellung der Schwangerschaft soll danach frühzeitig der TSH-Wert bestimmt und die Dosis angepasst werden, weil der Bedarf in der Regel steigt [8]. Bei Schwangeren mit manifester Unterfunktion soll laut DEGAM-Leitlinie eine Hormonbehandlung eingeleitet oder fortgeführt werden (Empfehlung 6.1.3, Konsens 5 von 5) [1]. Laut Packungsbeilage muss die Behandlung in Schwangerschaft und Stillzeit konsequent unter ärztlicher Aufsicht fortgesetzt werden [6].
Bei Frauen mit erhöhtem TSH-Wert in der Schwangerschaft kann laut DEGAM-Leitlinie einmalig eine Bestimmung der TPO-Antikörper erfolgen, wenn sie zuvor noch nie bestimmt wurden (Empfehlung 5.4.3.1, Konsens 5 von 5). Eine Behandlungsentscheidung abhängig vom TPO-Status lässt sich bei Schwangeren mit latenter Unterfunktion nach der Leitlinie nicht ableiten, und aktuelle Studien weisen keinen Nutzen einer Hormonbehandlung bei Schwangeren mit normaler Schilddrüsenfunktion und positiven TPO-Antikörpern nach. Für Frauen mit künstlicher Befruchtung ist ein gegebenenfalls abweichendes Vorgehen in der Reproduktionsmedizin oder Frauenheilkunde abzuklären [1]. Mehr dazu: Medikamente in der Schwangerschaft.
Nebenwirkungen der Medikamente
Wird die Dosisstärke von Levothyroxin im Einzelfall nicht vertragen oder liegt eine Überdosierung vor, können laut Packungsbeilage die typischen Zeichen einer Überfunktion auftreten, besonders bei zu schneller Dosissteigerung zu Beginn der Behandlung: sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, Herzklopfen, Schlaflosigkeit und Kopfschmerzen, häufig Herzrasen und Nervosität. Die Ärztin oder der Arzt bestimmt dann, ob die Tagesdosis verringert oder die Einnahme für mehrere Tage unterbrochen wird [6]. Laut IQWiG werden die Schilddrüsenwerte deshalb in den ersten Wochen regelmäßig überprüft und die Dosis, wenn nötig, angepasst [2]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Knochen: Knochenschwund (Osteoporose) bei hohen Dosen nennt die Packungsbeilage ohne bekannte Häufigkeit, insbesondere bei Frauen nach den Wechseljahren, hauptsächlich bei einer Behandlung über einen langen Zeitraum [6]. Bei Frauen nach den Wechseljahren mit erhöhtem Osteoporoserisiko sollte laut Fachinformation auf die niedrigste wirksame Dosis eingestellt und die Schilddrüsenfunktion häufiger kontrolliert werden [7]. Mehr dazu: Osteoporose durch Medikamente.
Allergische Reaktionen: Sie können laut Packungsbeilage sofort oder innerhalb weniger Tage an der Haut oder an den Atemwegen auftreten und lebensbedrohlich sein, etwa mit Ausschlag, Juckreiz, Atembeschwerden oder einer Schwellung von Gesicht, Lippen, Hals oder Zunge. Wenden Sie sich dann sofort an eine Ärztin oder einen Arzt oder begeben Sie sich schnellstmöglich in die nächste Notfallambulanz [6]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Mehr dazu: Arzneimittelallergie.
Wechsel des Präparats: Ist die Behandlung eingestellt, sollte laut Fachinformation die Umstellung auf ein anderes Arzneimittel mit Schilddrüsenhormon nur unter enger Überwachung der Labor- und Krankheitszeichen erfolgen, weil ein Ungleichgewicht der Schilddrüsenhormone möglich ist [7]. Laut einem Informationsbrief der Aristo Pharma GmbH vom 27. Juli 2026, abgestimmt mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), sind Eferox Tabletten ab August 2026 in neuer Zusammensetzung erhältlich: Der Hilfsstoff Maisstärke wurde ergänzt, der Wirkstoff Levothyroxin-Natrium ist unverändert. Bei einem Wechsel auf die neue Zusammensetzung wird eine engmaschige Kontrolle empfohlen, weil wegen des engen therapeutischen Fensters von Levothyroxin Veränderungen der Schilddrüsenstoffwechsellage auftreten können. Eine zuverlässige Grundlage für die Überprüfung der Tagesdosis liefert danach die Bestimmung des TSH-Werts 6 bis 8 Wochen nach der Umstellung zusammen mit der klinischen Untersuchung [11]. Laut IQWiG wird empfohlen, möglichst immer dasselbe Präparat zu verwenden [5].
Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem BfArM melden [6]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben mit einer Hashimoto-Thyreoiditis
Führt eine Hashimoto-Thyreoiditis zu einer Unterfunktion, ist laut IQWiG eine Behandlung wichtig, sonst können langfristig Komplikationen wie Herz-Kreislauf-Erkrankungen auftreten. Sehr selten kommt es zu Krampfanfällen, Konzentrations-, Gedächtnis- oder Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma [2]. Ist die Dosis eingestellt, reicht es laut IQWiG später meist aus, die Werte einmal im Jahr zu kontrollieren [2].
Einnahme und Kontrollen: Laut Packungsbeilage nehmen Sie die gesamte Tagesdosis morgens nüchtern mindestens eine halbe Stunde vor dem Frühstück mit reichlich Flüssigkeit ein, vorzugsweise mit einem Glas Wasser [6]. Nahrungsergänzungsmittel mit Biotin sollten Sie laut IQWiG ab dem Tag vor einer Blutuntersuchung weglassen, weil sie das Ergebnis verfälschen können. Zeichen einer zu niedrigen Dosis wie Schwäche, Müdigkeit oder Frieren und Zeichen einer zu hohen Dosis wie Unruhe, Nervosität oder schneller Puls sind ein Grund, die Ärztin oder den Arzt zu kontaktieren [5].
Beschwerden trotz Behandlung: Bleiben Beschwerden, die für die Entscheidung zur Behandlung wichtig waren, unter der Behandlung bestehen oder werden sie schlimmer, sollten laut DEGAM-Leitlinie andere Ursachen geprüft werden, zum Beispiel andere Hormon- oder Autoimmunerkrankungen oder Mangelzustände (Empfehlung 6.2.10, Konsens 5 von 5) [1].
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Zeichen einer allergischen Reaktion nach der Einnahme von Levothyroxin wie Ausschlag, Juckreiz, Atembeschwerden oder eine Schwellung von Gesicht, Lippen, Hals oder Zunge können lebensbedrohlich sein: Wenden Sie sich laut Packungsbeilage sofort an eine Ärztin oder einen Arzt oder begeben Sie sich schnellstmöglich in die nächste Notfallambulanz. Haben Sie mehr eingenommen, als Sie sollten, und bemerken Zeichen einer Überfunktion, suchen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf [6].
Bewusstlosigkeit oder eine erhebliche Bewusstseinstrübung, schwere Atemnot, starke Brustschmerzen oder Herzbeschwerden sowie akute und anhaltende Krampfanfälle sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung Fälle für den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112. Sind die Praxen geschlossen und kann die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 [12].
Quellen
- Leitlinie S2k-Leitlinie Erhöhter TSH-Wert in der Hausarztpraxis, DEGAM-Leitlinie Nr. 18 (AWMF-Register-Nr. 053-046), Langfassung mit Empfehlungen 5.1.1 bis 6.2.10 und Hintergrundtexten. Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Stand 04/2023, Revision geplant 05/2027. abgerufen am 17.10.2026
- Hashimoto-Thyreoiditis. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 24.04.2024. abgerufen am 17.10.2026
- Hat es Vorteile, eine latente Schilddrüsenunterfunktion zu behandeln?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 24.04.2024. abgerufen am 17.10.2026
- Schilddrüsenuntersuchungen verstehen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 24.04.2024. abgerufen am 17.10.2026
- Schilddrüsenhormone richtig einnehmen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 24.04.2024. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation L-Thyroxin Henning 100 (100 Mikrogramm, Tabletten). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 02/2025. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation L-Thyroxin Henning 25 bis 200 (Tabletten). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 06/2023. abgerufen am 17.10.2026
- Embryotox Embryotox: Thyroxin (Levothyroxin). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 17.10.2026
- Embryotox Embryotox: Hypothyreose (Erkrankungen). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Jodetten 100 Henning, 100 Mikrogramm, Tabletten. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 10/2021. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Informationsbrief zu Eferox (Levothyroxin-Natrium): Tabletten in neuer Zusammensetzung, Information und Kontrolle von Patienten bei der Umstellung. Aristo Pharma GmbH in Abstimmung mit dem BfArM. Stand 27.07.2026. abgerufen am 17.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
Häufige Fragen
Was ist Hashimoto?
Bei der Hashimoto-Thyreoiditis ist die Schilddrüse chronisch entzündet, weil sich das Immunsystem gegen das eigene Schilddrüsengewebe richtet. Bei einem Teil der Betroffenen geht dadurch laut IQWiG allmählich immer mehr Gewebe verloren, sodass die Schilddrüse irgendwann nicht mehr genug Hormone bildet. Hierzulande ist sie der häufigste Grund für eine Schilddrüsenunterfunktion. Wie es zu der Fehlreaktion kommt, ist unklar; wahrscheinlich spielen genetische Ursachen eine Rolle.
Welche Symptome hat Hashimoto?
Die Beschwerden entstehen durch den Mangel an Schilddrüsenhormonen. Viele Betroffene fühlen sich laut IQWiG allgemein geschwächt, sind häufig müde und frieren leicht; möglich sind auch ein dickerer Hals, trockene oder verdickte Haut, Gewichtszunahme, Verstopfung, ein langsamer Puls und Stimmungstiefs. Selten kommt es zu Beginn kurzzeitig zu einer Überfunktion mit Herzrasen, Nervosität und vermehrtem Schwitzen. Weil solche Beschwerden viele Ursachen haben können, klärt eine Blutuntersuchung, ob die Schilddrüse dahintersteckt.
Muss Hashimoto mit L-Thyroxin behandelt werden?
Die Ursache lässt sich laut IQWiG nicht behandeln, behandelt wird der Hormonmangel. Bei einer manifesten Unterfunktion soll laut DEGAM-Leitlinie immer eine Hormonbehandlung erfolgen, mit Levothyroxin als Monotherapie und Mittel der Wahl (Konsensempfehlungen). Für einen Nutzen einer Behandlung bei latenter Unterfunktion und nachgewiesener Hashimoto-Thyreoiditis gibt es laut Leitlinie in aktuellen Leitlinien keine belastbare Evidenz; ob behandelt wird, ist gemeinsam sorgfältig abzuwägen. Bei Menschen ohne Beschwerden und einem TSH-Wert bis 10 mU/l sollte laut Leitlinie unabhängig vom Alter keine Hormonbehandlung erfolgen (Konsensempfehlung).
Hilft Selen bei Hashimoto?
Laut DEGAM-Leitlinie, die sich dabei auf eine systematische Übersichtsarbeit stützt, ist die Evidenz zu gering, um eine Ergänzung mit Selen zu empfehlen; erprobte Messinstrumente kamen in der Übersichtsarbeit nicht zum Einsatz. Insgesamt gibt es laut Leitlinie keine Evidenz, dass Spurenelemente, pflanzliche Präparate oder Nahrungsergänzungsmittel wie Jod, Selen oder Vitamine bei Unterfunktion und Hashimoto-Thyreoiditis einen Nutzen haben.
Darf ich bei Hashimoto Jod nehmen?
Fachleute gehen laut IQWiG davon aus, dass eine sehr hohe Jodzufuhr, etwa bei einer Röntgenuntersuchung mit jodhaltigem Kontrastmittel, bei Menschen mit entsprechender Veranlagung die Beschwerden auslösen kann; über die Nahrung werden so hohe Mengen im täglichen Leben nicht erreicht. Für zusätzliches Jod gibt es laut DEGAM-Leitlinie bei Hashimoto-Thyreoiditis keine Evidenz für einen Nutzen. Kaliumiodid wird laut der Packungsbeilage eines Präparats zur Vorbeugung eines Jodmangels und zur Behandlung eines Kropfes bei normaler Schilddrüsenfunktion bei Neugeborenen, Kindern, Jugendlichen und jüngeren Erwachsenen angewendet; bei einer bestehenden Schilddrüsenüberfunktion darf es nicht eingenommen werden, und vor der Einnahme soll geprüft werden, ob eine Überfunktion oder ein Knotenkropf vorliegt. Sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Wie wird Hashimoto festgestellt?
Blutuntersuchungen von TSH und Schilddrüsenhormonen zeigen laut IQWiG, ob die Schilddrüse zu wenig Hormone bildet; ein weiterer Bluttest auf Antikörper gegen Schilddrüsengewebe hilft herauszufinden, ob eine Hashimoto-Thyreoiditis die Ursache ist. Laut DEGAM-Leitlinie kann nur bei einer latenten Unterfunktion einmalig eine Bestimmung der TPO-Antikörper erfolgen; eine Wiederholungsmessung sollte nicht erfolgen, und bei einem TSH-Wert im Normbereich sollten sie nicht bestimmt werden (Konsensempfehlungen). Antikörper allein, ohne Nachweis einer manifesten Unterfunktion im Labor und ohne Befund im Ultraschall, reichen laut Leitlinie für die Diagnose nicht aus.
Was bedeutet Hashimoto für Kinderwunsch und Schwangerschaft?
Häufigste Ursache einer manifesten Unterfunktion in der Schwangerschaft ist laut Embryotox eine Autoimmunthyreoiditis wie die Hashimoto-Thyreoiditis. Levothyroxin ist laut Embryotox Mittel der Wahl; nach Feststellung der Schwangerschaft soll frühzeitig der TSH-Wert bestimmt und die Dosis angepasst werden. Bei Schwangeren mit manifester Unterfunktion soll laut DEGAM-Leitlinie eine Hormonbehandlung eingeleitet oder fortgeführt werden (Konsensempfehlung). Bei Schwangeren mit normaler Schilddrüsenfunktion und positiven TPO-Antikörpern weisen aktuelle Studien laut Leitlinie keinen Nutzen einer Hormonbehandlung nach.
Kann ich L-Thyroxin bei Hashimoto absetzen?
Bei einer Hashimoto-Thyreoiditis wird L-Thyroxin laut IQWiG in der Regel lebenslang eingenommen. Laut Packungsbeilage dürfen Sie die Behandlung auf keinen Fall eigenmächtig verändern, unterbrechen oder vorzeitig beenden, sonst können Ihre Beschwerden wieder auftreten. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Mehr dazu: Levothyroxin absetzen.
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