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Herzinfarkt: Medikamente danach
Bei einem Herzinfarkt ist ein Herzkranzgefäß verstopft; schon bei Verdacht wählen Sie sofort den Notruf 112. Danach sollen Medikamente einem weiteren Infarkt vorbeugen: Laut Pocket-Leitlinie Akutes Koronarsyndrom der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie von 2023 wird ASS für die Langzeitbehandlung empfohlen und für 12 Monate zusätzlich ein zweiter Plättchenhemmer, außer bei hohem Blutungsrisiko (jeweils Klasse I); laut Nationaler VersorgungsLeitlinie soll allen Menschen mit koronarer Herzkrankheit ein Statin empfohlen werden. Nach einem Herzinfarkt sollte laut Nationaler VersorgungsLeitlinie für ein Jahr ein Betablocker empfohlen werden; je nach Herzfunktion und Begleiterkrankungen kommen ACE-Hemmer und Aldosteronantagonisten hinzu. Empfohlen werden außerdem eine Rehabilitation, Bewegung und ein Rauchstopp.

Bei einem Herzinfarkt ist ein Herzkranzgefäß verstopft, ein Teil des Herzmuskels bekommt zu wenig Sauerstoff, und es besteht Lebensgefahr; schon bei einem Verdacht ist der Notruf 112 nötig [3, 4]. Nach dem Infarkt sollen Medikamente einem weiteren Infarkt vorbeugen. Laut der Pocket-Leitlinie Akutes Koronarsyndrom der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) von 2023, einer von der DGK übernommenen Stellungnahme der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC), wird ASS für die Langzeitbehandlung empfohlen und für 12 Monate zusätzlich ein zweiter Plättchenhemmer, außer bei hohem Blutungsrisiko (jeweils Klasse I) [2]. Laut Nationaler VersorgungsLeitlinie (NVL) Chronische KHK, Version 7.0 von 2024, soll allen Menschen mit koronarer Herzkrankheit ein Statin empfohlen werden [1]. Je nach Herzfunktion und Begleiterkrankungen kommen weitere Mittel hinzu, außerdem eine Rehabilitation [1, 2].
Was ist ein Herzinfarkt?
Zu einem Herzinfarkt kommt es, wenn ein Herzkranzgefäß komplett verstopft ist. Hält der Sauerstoffmangel zu lange an, stirbt ein Teil des Herzmuskels ab [3]. Fachleute fassen den akuten Herzinfarkt, die instabile Angina pectoris und den plötzlichen Herztod als akutes Koronarsyndrom zusammen: Episoden der koronaren Herzkrankheit (KHK), die unmittelbar lebensbedrohlich sind [1]. Die KHK selbst ist laut NVL die Verkalkung (Atherosklerose) der Herzkranzarterien, die in der Regel fortschreitet [1]. Mehr: Koronare Herzkrankheit und Angina pectoris.
Beim ST-Hebungsinfarkt (STEMI) hebt sich im Elektrokardiogramm (EKG) ein bestimmter Teil der Herzstromkurve, die ST-Strecke; das weist auf einen schwereren Infarkt hin. Beim Nicht-ST-Hebungsinfarkt (NSTEMI) fehlt diese Hebung [3]. Wer einen Herzinfarkt hatte, hat ein erhöhtes Risiko für weitere Herzinfarkte [24]. Durch den Infarkt kann außerdem eine Narbe im Herzen entstehen, die Herzrhythmusstörungen auslösen kann [24].
Symptome
Typische Anzeichen eines Herzinfarkts sind laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) [4]:
- ein starkes Enge- oder Druckgefühl in der Brust,
- stechende, brennende oder drückende Schmerzen hinter dem Brustbein,
- Schmerzen, die in den linken oder rechten Arm, in den Rücken, Hals oder Oberbauch ausstrahlen,
- Schmerzen oder Taubheitsgefühle im Oberkörper, die in Schulterblätter, Hals, Nacken und Kiefer ausstrahlen können.
Die Beschwerden setzen oft plötzlich ein, können sich aber auch langsam bemerkbar machen; die Schmerzen dauern mehr als fünf Minuten an und bessern sich in Ruhe nicht [4]. Möglich sind auch Luftnot, Übelkeit, Erbrechen, kalter Schweiß, Blässe, Schwächegefühl, Schwindel, Bewusstlosigkeit und Todesangst [4]. Frauen, ältere Menschen und Menschen mit Diabetes oder Herzschwäche spüren die typische Brustenge seltener und haben häufiger Beschwerden wie Luftnot, Übelkeit oder Erbrechen [4].
Ursachen und Risikofaktoren
In der Regel geht einem Herzinfarkt eine mehrjährige koronare Herzkrankheit voraus. Die Verkalkung beginnt mit kleinen Entzündungen an der Wand einer Ader; dort sammeln sich Zellen, Fette und andere Stoffe an. Reißt eine solche Ablagerung plötzlich auf, bildet sich an der Stelle ein Blutgerinnsel, das das Gefäß verschließen kann [3]. Risikofaktoren sind Rauchen, starkes Übergewicht, ein erhöhter Cholesterinspiegel, Bluthochdruck und Diabetes; das Risiko steigt mit dem Alter [3]. Mehr: Hohes Cholesterin.
Medikamente als Ursache: Entzündungshemmende Schmerzmittel wie Ibuprofen können laut Packungsbeilage mit einem geringfügig erhöhten Risiko für einen Herzanfall oder Schlaganfall einhergehen, insbesondere in hohen Dosen [22]. Arzneimittel wie Diclofenac sind laut Packungsbeilage mit einem erhöhten Risiko für Herzanfälle oder Schlaganfälle verbunden, vor allem bei hohen Dosen und länger dauernder Behandlung; nach einem Herzinfarkt darf Diclofenac nicht eingenommen werden [23]. Laut einem Rote-Hand-Brief der Zulassungsinhaber vom Juli 2013 gilt diese Gegenanzeige seit einer europaweiten Überprüfung für Diclofenac in Darreichungsformen, die im ganzen Körper wirken (systemisch), bei Durchblutungsstörungen des Herzens (ischämische Herzerkrankung) [25]. Mehr: Thromboserisiko durch Medikamente und Schmerzmittel richtig anwenden.
Diagnose und Behandlung im Krankenhaus
Die wichtigste Untersuchung ist das EKG [3]. Das verschlossene Herzkranzgefäß muss so schnell wie möglich wieder geöffnet werden. Beim STEMI erhalten Betroffene in der Regel einen Herzkatheter, der das Gefäß aufweitet; meistens wird auch beim NSTEMI mit einem Herzkatheter behandelt [3]. Manchmal wird das Gerinnsel zusätzlich mit Medikamenten über einen Tropf aufgelöst (Thrombolyse) [24]. Nach der Akutphase folgen Behandlungen, die die Gefahr eines weiteren Infarkts verringern sollen [3]. Die Sekundärprävention sollte laut DGK-Pocket-Leitlinie von 2023 so früh wie möglich nach dem Ereignis beginnen [2].
Behandlung ohne Medikamente

Rehabilitation: Nach einem STEMI oder NSTEMI soll laut NVL Chronische KHK eine multidisziplinäre Rehabilitation empfohlen werden; nach einem akuten Koronarsyndrom mit unkompliziertem Verlauf sollte empfohlen werden, bereits nach wenigen Tagen damit zu beginnen [1]. Diese Anschlussrehabilitation kann ambulant oder stationär erfolgen; die DGK-Pocket-Leitlinie empfiehlt allen Menschen nach einem akuten Koronarsyndrom ein strukturiertes, auf Bewegung basierendes Programm zur Rehabilitation und Vorbeugung (Klasse I) [1, 2]. Danach soll laut NVL die Teilnahme an einer ambulanten Herzgruppe oder anderen Nachsorgeprogrammen empfohlen werden [1].
Lebensstil: Für Menschen mit KHK empfiehlt die NVL Chronische KHK unter anderem [1]:
- Nicht rauchen: Es soll empfohlen werden, das Rauchen aufzugeben und möglichst jede passive Tabakexposition zu vermeiden; für Änderungsbereite sollen nicht-medikamentöse und medikamentöse Hilfen zur Verfügung stehen [1]. Mehr: Rauchen aufhören: Medikamente.
- Bewegung: Bei niedrigem Risiko soll ein aerobes Training von insgesamt mindestens 2 Stunden pro Woche empfohlen werden; zur Planung sollte eine Belastungsuntersuchung (Ergometrie) angeboten werden [1].
- Ernährung: Empfohlen werden sollte eine kaloriengerechte, ballaststoffreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse und wenig gesättigten Fetten [1].
- Alkohol: Der Konsum sollte die Grenzen des risikoarmen Alkoholkonsums nicht überschreiten [1].
- Psychische Belastung: Bei psychosozialen Belastungen sollen Angebote aus Aufklärung, Training und psychologischer Unterstützung gemacht werden; bei einer Depression oder Angststörung sollten psychotherapeutische und/oder medikamentöse Behandlungen empfohlen werden [1]. Mehr: Depression.
Komplementäre und alternative Therapien wie Chelattherapie, Phytotherapie, Vitaminergänzung und Omega-3-Fettsäuren sollen laut NVL zur Behandlung der KHK nicht angewendet werden [1].
Behandlung mit Medikamenten
Das akute Koronarsyndrom ist nicht Gegenstand der NVL Chronische KHK; sie verweist dafür unter anderem auf die Leitlinien der DGK und der ESC, für die Behandlung mit Plättchenhemmern ausdrücklich auf die ESC-Leitlinie [1]. Die DGK-Pocket-Leitlinie von 2023 teilt ihre Empfehlungen in Klassen ein: Klasse I "wird empfohlen", Klasse IIa "sollte erwogen werden", Klasse IIb "kann erwogen werden" [2]. Die Tabelle nennt Beispiele mit eigenem Steckbrief auf dieser Website; die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Die Nebenwirkungen stammen aus der Packungsbeilage oder Fachinformation des genannten Wirkstoffs und gelten nur für ihn ("sehr häufig": bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig": bei bis zu 1 von 10); maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Plättchenhemmer: ASS, dauerhaft [2] | Acetylsalicylsäure (ASS) in niedriger Dosierung | Hemmt das Zusammenhaften und Verklumpen der Blutplättchen und beugt so Blutgerinnseln vor [7] | Häufig: Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen und Durchfall sowie geringfügige Blutverluste aus dem Magen-Darm-Bereich [7] |
| Plättchenhemmer: P2Y12-Hemmer, zusätzlich zu ASS, im ersten Jahr [2] | Prasugrel, Ticagrelor, Clopidogrel | Hemmen an den Blutplättchen den Rezeptor für den Botenstoff ADP (P2Y12-Rezeptor) und damit das Verklumpen der Plättchen [9, 10, 11] | Ticagrelor, sehr häufig: Blutungen durch Blutungsstörungen, Gefühl von Kurzatmigkeit, hoher Harnsäurewert im Blut [10]. Clopidogrel, häufig unter anderem: Blutergüsse, Nasenbluten, Magen- oder Darmblutungen, Durchfall, Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen oder Sodbrennen [8, 9] |
| Statine [1, 2] | Atorvastatin, Simvastatin, Pravastatin, Rosuvastatin | Pravastatin verhindert laut Packungsbeilage die Bildung von Cholesterin in der Leber und senkt so den Cholesterinspiegel und andere Blutfette [13] | Atorvastatin, häufig unter anderem: Entzündung der Luftwege in der Nase, Halsschmerzen, Nasenbluten, allergische Reaktionen, Anstieg des Blutzuckers, Kopfschmerzen, Übelkeit, Verstopfung, Blähungen, Verdauungsstörungen, Durchfall, Gelenk-, Muskel- und Rückenschmerzen, Blutwerte, die auf eine gestörte Leberfunktion hinweisen können [12] |
| Weitere Cholesterinsenker, zusätzlich oder bei Statin-Unverträglichkeit [1, 2] | Ezetimib, Evolocumab (PCSK9-Hemmer), Bempedoinsäure | Ezetimib vermindert die Aufnahme von Cholesterin aus dem Darm und ergänzt die Wirkung der Statine [14] | Ezetimib, häufig: Bauchschmerzen, Durchfall, Blähungen, Müdigkeit; zusammen mit einem Statin häufig auch Kopfschmerzen, Muskelschmerzen, Empfindlichkeit oder Schwäche der Muskulatur und erhöhte Leberwerte [14] |
| Betablocker [1, 2] | Metoprolol; bei Herzschwäche auch Bisoprolol und Carvedilol [1] | Beeinflussen die Antwort des Körpers auf bestimmte Nervenimpulse, vor allem am Herzen; der Blutdruck sinkt [15] | Metoprolol, sehr häufig: Müdigkeit; häufig unter anderem: ausgeprägter Blutdruckabfall, auch beim Aufstehen, verlangsamter Puls, Herzklopfen, Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit, Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung, kalte Hände und Füße [15] |
| ACE-Hemmer, bei Unverträglichkeit Sartane [2] | Ramipril; Valsartan | Ramipril verringert die Bildung blutdrucksteigernder Substanzen, entspannt und weitet die Blutgefäße und erleichtert dem Herzen das Pumpen [16] | Ramipril, häufig unter anderem: Kopfschmerzen, Müdigkeit, Schwindelgefühl, niedriger Blutdruck, trockener Reizhusten, Kurzatmigkeit, Magen-Darm-Beschwerden, Hautausschlag, Muskelkrämpfe, erhöhte Kaliumwerte im Blut [16] |
| Aldosteronantagonisten (Diuretika) [2] | Eplerenon | Hemmt die Wirkung des Hormons Aldosteron, das in hohen Konzentrationen den Herzmuskel schwächen kann [18] | Häufig unter anderem: erhöhte Kaliumspiegel im Blut, Schwindel, Kopfschmerzen, niedriger Blutdruck, Husten, Durchfall, Übelkeit, Verstopfung, erhöhte Cholesterinwerte [18] |
| Schnell wirksame Nitrate bei Angina-pectoris-Anfällen [1] | Glyceroltrinitrat als Spray | Entspannt die Muskulatur der Blutgefäße und erleichtert dadurch die Arbeit des Herzens [19] | Häufig: Kopfschmerzen, zu Behandlungsbeginn sehr häufig, sowie Blutdruckabfall und Kreislaufstörungen beim Lagewechsel [19] |
Zwei Plättchenhemmer im ersten Jahr
Laut DGK-Pocket-Leitlinie von 2023 wird ASS allen Betroffenen ohne Gegenanzeige für die Langzeitbehandlung empfohlen (Klasse I). Zusätzlich zu ASS wird bei allen Menschen mit akutem Koronarsyndrom ein P2Y12-Hemmer für 12 Monate empfohlen, es sei denn, es liegt ein hohes Blutungsrisiko vor (Klasse I) [2]. Diese Kombination heißt duale Plättchenhemmung. Prasugrel wird empfohlen, wenn das Herzkranzgefäß mit einem Katheter (perkutane Koronarintervention) behandelt wird und noch kein P2Y12-Hemmer gegeben wurde, Ticagrelor unabhängig von der Behandlungsart, Clopidogrel, wenn Prasugrel oder Ticagrelor nicht verfügbar sind, nicht vertragen werden oder nicht angewendet werden dürfen (jeweils Klasse I) [2]. Prasugrel darf laut Fachinformation nicht angewendet werden, wenn früher ein Schlaganfall oder eine vorübergehende Durchblutungsstörung des Gehirns (TIA) aufgetreten ist [11]. Im Anschluss an die ersten 12 Monate ist ASS allein die Standardstrategie (Klasse I) [2].
Um Blutungen zu verringern, sollte laut DGK-Pocket-Leitlinie bei Menschen, die nach 3 bis 6 Monaten ohne weiteres Ereignis sind und kein hohes Risiko für erneute Durchblutungsstörungen haben, eine Behandlung mit nur einem Plättchenhemmer erwogen werden, vorzugsweise mit einem P2Y12-Hemmer (Klasse IIa) [2]. Bei hohem Risiko für Magen-Darm-Blutungen wird zur dualen Plättchenhemmung ein Magenschutz mit einem Protonenpumpenhemmer empfohlen (Klasse I) [2]. Bei Clopidogrel sollte laut Fachinformation von der gleichzeitigen Anwendung von Omeprazol oder Esomeprazol abgeraten werden; zusammen mit Pantoprazol kann es angewendet werden [9].
Bei Vorhofflimmern: Für Menschen mit Vorhofflimmern und erhöhtem Schlaganfallrisiko (CHA2DS2-VASc-Score ab 1 bei Männern, ab 2 bei Frauen) wird nach einem akuten Koronarsyndrom laut DGK-Pocket-Leitlinie als Standard nach einer bis zu einwöchigen Dreifachtherapie ein direktes orales Antikoagulans (DOAK) zusammen mit einem einzigen Plättchenhemmer, vorzugsweise Clopidogrel, für bis zu 12 Monate empfohlen (Klasse I). Danach wird empfohlen, den Plättchenhemmer abzusetzen und den Gerinnungshemmer allein fortzuführen (Klasse I) [2]. Mehr: Vorhofflimmern und Blutverdünner.
Cholesterinsenker
Allen Menschen mit KHK soll laut NVL unabhängig vom Ausgangswert der Blutfette dauerhaft ein Statin als Mittel der ersten Wahl empfohlen werden [1]. Zum weiteren Vorgehen nennt die NVL zwei Strategien: Nach der von DEGAM und AkdÄ empfohlenen Strategie der festen Dosis soll eine Statinbehandlung in fester Dosis empfohlen werden. Nach der von DGIM, DGK und weiteren Fachgesellschaften empfohlenen Zielwertstrategie soll das LDL-Cholesterin unter 55 mg/dl (1,4 mmol/l) liegen oder mindestens um die Hälfte niedriger als vorher [1]. Die DGK-Pocket-Leitlinie von 2023 empfiehlt nach einem akuten Koronarsyndrom, eine hochdosierte Statinbehandlung so früh wie möglich zu beginnen oder fortzusetzen, unabhängig von den anfänglichen LDL-Werten, einen LDL-Wert unter 55 mg/dl anzustreben und ihn um mindestens die Hälfte des Ausgangswerts zu verringern (jeweils Klasse I) [2].
Wird das Ziel nach 4 bis 6 Wochen trotz höchster vertragener Statindosis nicht erreicht, wird laut DGK-Pocket-Leitlinie zusätzlich Ezetimib empfohlen, danach gegebenenfalls ein PCSK9-Hemmer (jeweils Klasse I) [2]. Die NVL nennt beides im Rahmen der Zielwertstrategie mit "kann" [1]. Treten unter einem Statin Nebenwirkungen auf, soll laut NVL versucht werden, die Behandlung mit einer geringeren Dosis oder einem anderen Statin fortzuführen; bestehen danach weiter Zeichen einer Statin-Unverträglichkeit, nennt sie als Möglichkeiten Bempedoinsäure, Ezetimib und PCSK9-Hemmer [1].
Betablocker
Nach einem Herzinfarkt sollte laut NVL für ein Jahr ein Betablocker empfohlen und dann die weitere Gabe oder das Absetzen neu bewertet werden [1]. Die besten Daten nach einem Herzinfarkt sieht die Leitliniengruppe für Metoprolol, bei Herzschwäche zusätzlich für Bisoprolol und Carvedilol [1]. Metoprolol wird laut Packungsbeilage zur Vorbeugung eines weiteren Herzinfarkts nach einem bereits erlittenen Herzinfarkt angewendet [15]. Die DGK-Pocket-Leitlinie von 2023 empfiehlt Betablocker bei einer Auswurfleistung der linken Herzkammer (LVEF) von höchstens 40 Prozent (Klasse I); eine Routinebehandlung aller Betroffenen unabhängig von der LVEF sollte erwogen werden (Klasse IIa) [2]. Mehr: Herzinsuffizienz.
ACE-Hemmer, Sartane und Aldosteronantagonisten
ACE-Hemmer werden laut DGK-Pocket-Leitlinie empfohlen bei Beschwerden einer Herzschwäche, einer LVEF von höchstens 40 Prozent, Diabetes, Bluthochdruck und/oder chronischer Nierenerkrankung (Klasse I), Sartane bei Unverträglichkeit; eine Routinebehandlung aller Betroffenen mit ACE-Hemmern sollte unabhängig von der LVEF erwogen werden (Klasse IIa) [2]. Aldosteronantagonisten werden bei einer LVEF von höchstens 40 Prozent und Herzschwäche oder Diabetes empfohlen (Klasse I) [2]. Die NVL sieht in der KHK allein keinen Grund für diese Mittel und verweist bei eingeschränkter Pumpfunktion auf die NVL Chronische Herzinsuffizienz [1]. Zugelassen sind unter anderem Ramipril nach einem Herzinfarkt mit Herzschwäche, Valsartan bei Herzschwäche oder eingeschränkter Pumpfunktion nach einem kürzlich aufgetretenen Herzinfarkt und Eplerenon nach einem kürzlich aufgetretenen Herzinfarkt mit Herzschwäche [16, 17, 18].
Nitrospray bei Brustenge
Menschen mit stabiler Angina pectoris sollen laut NVL über ein schnell wirkendes Nitrat verfügen, um Anfälle zu durchbrechen [1]. Glyceroltrinitrat-Spray wird laut Packungsbeilage bei plötzlich auftretenden Herzschmerzen und vorbeugend vor Belastungen angewendet, die erfahrungsgemäß Anfälle auslösen [19]. Es darf nicht angewendet werden, wenn Sie Mittel gegen Erektionsstörungen wie Sildenafil (Phosphodiesterase-5-Hemmer) eingenommen haben, weil sich die blutdrucksenkende Wirkung erheblich verstärken kann [19]. Mehr: Erektionsstörungen.
Nebenwirkungen der Medikamente
Blutungen: Weil Plättchenhemmer die Blutgerinnung verlangsamen, kann es leichter zu Blutungen und blauen Flecken kommen. Kleinere Blutungen wie Nasenbluten sind laut IQWiG kein Grund zur Sorge; dunkelrot oder schwarz verfärbter Stuhl und erbrochenes Blut können auf eine Magenblutung hinweisen und müssen ärztlich abgeklärt werden [5]. Laut einem Informationsbrief der Zulassungsinhaber vom August 2013, abgestimmt mit der Europäischen Arzneimittel-Agentur (EMA) und dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM), wurden im Zusammenhang mit Clopidogrel wenige Fälle einer erworbenen Bluterkrankheit (erworbene Hämophilie) bei Menschen ohne vorherige Störung der Blutgerinnung berichtet. Ist die Diagnose bestätigt, müssen Betroffene laut Informationsbrief und Fachinformation von Spezialisten versorgt werden, und Clopidogrel muss abgesetzt werden; invasive Eingriffe sollten laut Informationsbrief vermieden werden [9, 21]. Mehr: Blutungen und Blutbild.
- Kurzatmigkeit unter Ticagrelor: Sie ist laut Packungsbeilage sehr häufig, im Allgemeinen leicht und tritt gewöhnlich in Ruhe in den ersten Behandlungswochen auf; wird sie schlimmer oder hält lange an, informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [10]. Mehr: Atemnot.
- Muskelbeschwerden unter Statinen: Gelenk-, Muskel- und Rückenschmerzen sind unter Atorvastatin laut Packungsbeilage häufig. Muskelschwäche, Empfindlichkeit oder Schmerzen der Muskeln oder ein rotbrauner Urin, besonders zusammen mit Unwohlsein oder erhöhter Temperatur, können laut Packungsbeilage durch einen seltenen krankhaften Muskelschwund (Rhabdomyolyse) verursacht sein. Die Packungsbeilage verlangt dann, die Einnahme abzubrechen und umgehend die Ärztin oder den Arzt zu informieren oder die nächstgelegene Notaufnahme aufzusuchen [12]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Mehr: Muskelschmerzen.
- Betablocker: Müdigkeit ist unter Metoprolol sehr häufig, ein verlangsamter Puls häufig [15]. Mehr: Müdigkeit und Langsamer Puls.
- ACE-Hemmer und Kalium: Trockener Reizhusten und erhöhte Kaliumwerte sind unter Ramipril häufig, erhöhte Kaliumwerte auch unter Eplerenon [16, 18]. Laut einer Risikoinformation des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) vom 28.05.2026 kann unter ACE-Hemmern jederzeit ein Angioödem auftreten, auch erst zu einem späteren Zeitpunkt der Behandlung; das gilt auch für Kombinationspräparate [20]. Mehr: Reizhusten, Kaliumspiegel und Arzneimittelallergie.
- Nitrate: Die Kopfschmerzen zu Behandlungsbeginn klingen laut Packungsbeilage erfahrungsgemäß meistens nach einigen Tagen ab [19]. Mehr: Kopfschmerzen.
Nicht eigenmächtig absetzen: Die schützende Wirkung von Plättchenhemmern und Statinen hält laut IQWiG nur so lange an, wie man sie nimmt [5]. Hören Sie mit Ticagrelor auf, könnte laut Packungsbeilage die Wahrscheinlichkeit für einen erneuten Herzinfarkt oder Schlaganfall steigen [10]. Ein abruptes Absetzen von Betablockern kann laut Packungsbeilage von Metoprolol eine Herzschwäche verschlechtern und das Risiko eines Herzinfarkts und plötzlichen Herztodes erhöhen [15]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Was die Packungsbeilagen zum Beenden sagen, steht auf den Seiten Clopidogrel absetzen, Atorvastatin absetzen, Metoprolol absetzen und Ramipril absetzen.
Nebenwirkung melden: Nebenwirkungen können Sie laut Packungsbeilage Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem BfArM melden [7]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Leben nach dem Herzinfarkt
Wer eine KHK hat, nimmt in der Regel über lange Zeit mehrere Medikamente. Als hilfreich haben sich laut IQWiG ein möglichst einfacher Einnahmeplan, Dosierer mit Fächern für jeden Tag und regelmäßige Arzttermine erwiesen [5]. Gesetzlich Versicherte, die drei oder mehr verschreibungspflichtige Arzneimittel anwenden, haben Anspruch auf einen bundeseinheitlichen Medikationsplan [5]. Dazu passen der Medikationsplan und die Einnahme-Erinnerung.
Menschen mit KHK sollte laut NVL eine jährliche Grippeschutzimpfung empfohlen werden; die DGK-Pocket-Leitlinie empfiehlt sie nach einem akuten Koronarsyndrom allen Betroffenen (Klasse I) [1, 2]. Die Langzeitbetreuung soll in der Regel die Hausarztpraxis übernehmen, und die Teilnahme am strukturierten Behandlungsprogramm (DMP) KHK soll angeboten werden [1]. Laut NVL-Patientenblatt empfehlen Fachleute, das Notfallmedikament, etwa ein Nitrospray, stets bei sich zu tragen; wichtig ist auch, rechtzeitig für Nachschub zu sorgen, und hilfreich ist ein Zettel mit allen Medikamenten, Erkrankungen und den Telefonnummern von Angehörigen und Hausarztpraxis in der Geldtasche [6].
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Anzeichen eines Herzinfarkts: Bei einem Verdacht wählen Sie sofort den Notruf 112 und fordern einen Rettungswagen mit Notärztin oder Notarzt an; treten die Anzeichen nachts auf, warten Sie keinesfalls bis zum nächsten Morgen [4]. Bei Schmerzen im Brustbereich ist der Notruf 112 zu wählen, nicht der ärztliche Bereitschaftsdienst [3]. Bei bekannter KHK spricht es laut NVL-Patientenblatt für einen Notfall, wenn die Beschwerden in Ruhe auftreten, nach einer Belastung wie Treppensteigen nicht nachlassen, trotz Notfallmedikament anhalten oder länger als ein paar Minuten dauern [6]. Bricht jemand mit Herzstillstand bewusstlos zusammen, rufen Helfende die 112 und beginnen sofort mit der Herzdruckmassage [6].
Unter Blutverdünnern: Plötzliches Taubheitsgefühl oder Schwäche in Arm, Bein oder Gesicht, vor allem auf einer Körperseite, plötzliche Verwirrtheit, Sprach- oder Gangstörungen und plötzliche schwere Kopfschmerzen können laut Packungsbeilage von Ticagrelor Anzeichen einer Hirnblutung sein. Anzeichen von Blutungen sind laut Packungsbeilage außerdem schwerwiegende oder nicht stillbare Blutungen, roter oder brauner Urin, Erbrechen von rotem Blut oder Erbrochenes, das wie gemahlener Kaffee aussieht, und roter oder schwarzer Stuhl. Bei diesen Zeichen suchen Sie laut Packungsbeilage umgehend eine Ärztin oder einen Arzt auf [10].
Unter ACE-Hemmern: Die Packungsbeilage von Ramipril nennt Schwellungen des Gesichts, der Lippen oder des Rachens, die das Schlucken oder Atmen erschweren, als mögliche Anzeichen einer schweren Überempfindlichkeitsreaktion und als Grund, die Einnahme umgehend abzubrechen und sich unverzüglich an eine Ärztin oder einen Arzt zu wenden [16]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe.
Quellen
- Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Chronische KHK, Langfassung, Version 7.0 (AWMF-Register-Nr. nvl-004). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF. Stand Version 7.0, publiziert 30.08.2024, gültig bis 14.08.2029. abgerufen am 17.10.2026
- Leitlinie Pocket-Leitlinie Akutes Koronarsyndrom: Leitlinien für das Management des akuten Koronarsyndroms (ESC Pocket Guidelines Version 2023). Deutsche Gesellschaft für Kardiologie, Herz- und Kreislaufforschung (DGK); von der DGK übernommene Stellungnahme der European Society of Cardiology (ESC). Stand Version 2023. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde Herzinfarkt. gesund.bund.de, Bundesministerium für Gesundheit (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 28.08.2020. abgerufen am 17.10.2026
- Anzeichen eines Herzinfarkts. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 20.10.2021. abgerufen am 17.10.2026
- Medikamente zur langfristigen Behandlung der koronaren Herzkrankheit. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 20.10.2021. abgerufen am 17.10.2026
- Leitlinie NVL Chronische KHK, Patientenblatt "Verhalten im Notfall bei KHK: Was Sie oder Ihre Angehörigen im Notfall tun können". Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) im Auftrag von BÄK und KBV. Stand September 2023. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation ASS-ratiopharm 100 mg TAH Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Clopidogrel ratiopharm 75 mg Filmtabletten. Teva B.V. (Zulassungsinhaber)/ratiopharm GmbH. Stand 02/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Clopidogrel ratiopharm 75 mg Filmtabletten. Teva B.V. (Zulassungsinhaber)/ratiopharm GmbH. Stand 02/2024. abgerufen am 17.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Brilique (Ticagrelor), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. AstraZeneca AB (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2026 (EMA, aktualisiert am 18.08.2026). abgerufen am 17.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Efient (Prasugrel), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. SUBSTIPHARM (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2025 (EMA, aktualisiert am 22.07.2025). abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Atorvastatin-ratiopharm 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Pravastatin-ratiopharm 20 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ezetimib-ratiopharm 10 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Metoprolol-ratiopharm Succinat 47,5 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ramipril-ratiopharm 5 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Valsartan STADA 40 mg/80 mg/160 mg/320 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Eplerenon-ratiopharm 25 mg, 50 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Nitrolingual akut Spray (Glyceroltrinitrat). G. Pohl-Boskamp GmbH & Co. KG. Stand 04/2018. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde Risikoinformation: ACE-Hemmer-haltige Arzneimittel, Epinephrin/Adrenalin möglicherweise unwirksam bei durch ACE-Hemmer ausgelöstem Angioödem. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 28.05.2026. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Informationsbrief zu Clopidogrel: Risiko von erworbener Hämophilie. Zulassungsinhaber clopidogrelhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM (veröffentlicht vom BfArM am 04.09.2013). Stand August 2013. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Diclofenac-ratiopharm 50 mg magensaftresistente Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2025. abgerufen am 17.10.2026
- Folgeerkrankungen einer koronaren Herzkrankheit (Abschnitt Herzinfarkt). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 22.03.2023. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Diclofenac-haltigen Arzneimitteln: Kardiovaskuläre Risiken (Neue Kontraindikationen und Warnhinweise nach europaweiter Überprüfung der kardiovaskulären Sicherheit). Zulassungsinhaber systemisch angewendeter Diclofenac-haltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM (veröffentlicht vom BfArM am 16.07.2013). Stand Juli 2013. abgerufen am 17.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente bekommt man nach einem Herzinfarkt?
Laut Pocket-Leitlinie Akutes Koronarsyndrom der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) von 2023 wird ASS für die Langzeitbehandlung empfohlen und für 12 Monate zusätzlich ein zweiter Plättchenhemmer wie Prasugrel, Ticagrelor oder Clopidogrel, außer bei hohem Blutungsrisiko (jeweils Klasse I). Dazu kommt ein Statin, das laut Nationaler VersorgungsLeitlinie (NVL) Chronische KHK allen Menschen mit koronarer Herzkrankheit empfohlen werden soll. Nach einem Herzinfarkt sollte laut NVL für ein Jahr ein Betablocker empfohlen werden. ACE-Hemmer empfiehlt die DGK-Pocket-Leitlinie unter anderem bei einer Auswurfleistung der linken Herzkammer von höchstens 40 Prozent, Aldosteronantagonisten bei höchstens 40 Prozent zusammen mit Herzschwäche oder Diabetes (jeweils Klasse I). Welche Mittel Sie brauchen, legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.
Wie lange muss ich nach einem Herzinfarkt zwei Blutverdünner nehmen?
Laut DGK-Pocket-Leitlinie von 2023 wird nach einem akuten Koronarsyndrom zusätzlich zu ASS für 12 Monate ein P2Y12-Hemmer empfohlen, es sei denn, es besteht ein hohes Blutungsrisiko (Klasse I). Danach ist ASS allein die Standardstrategie (Klasse I). Bei Menschen, die nach 3 bis 6 Monaten ohne weiteres Ereignis sind und kein hohes Risiko für erneute Durchblutungsstörungen haben, sollte laut der Leitlinie eine Behandlung mit nur einem Plättchenhemmer erwogen werden (Klasse IIa). Wie lange Ihre Behandlung dauert, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Muss ich ein Statin nehmen, auch wenn mein Cholesterin normal ist?
Laut NVL Chronische KHK soll allen Menschen mit koronarer Herzkrankheit unabhängig vom Ausgangswert der Blutfette dauerhaft ein Statin als Mittel der ersten Wahl empfohlen werden. Auch die DGK-Pocket-Leitlinie von 2023 empfiehlt nach einem akuten Koronarsyndrom eine hochdosierte Statinbehandlung unabhängig von den anfänglichen LDL-Cholesterinwerten (Klasse I). Pravastatin wird laut Packungsbeilage nach einem Herzinfarkt auch bei normalen Cholesterinwerten angewendet.
Muss ich nach einem Herzinfarkt lebenslang Betablocker nehmen?
Nicht unbedingt. Laut NVL Chronische KHK sollte nach einem Herzinfarkt für ein Jahr ein Betablocker empfohlen und dann die weitere Gabe oder das Absetzen neu bewertet werden. Ein Jahr nach dem Infarkt sieht die Leitliniengruppe allein wegen des Infarkts keinen eigenständigen Grund mehr für einen Betablocker; anders ist es, wenn ein anderer Grund besteht, etwa Bluthochdruck, Herzschwäche oder bestimmte Herzrhythmusstörungen. Laut Packungsbeilage von Metoprolol darf ein Betablocker nicht abrupt abgesetzt werden; ob und wie die Behandlung endet, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Darf ich die Medikamente nach einem Herzinfarkt absetzen?
Nur nach Rücksprache. Die schützende Wirkung von Plättchenhemmern und Statinen hält laut IQWiG nur so lange an, wie man sie nimmt. Laut Packungsbeilage von Ticagrelor könnte ein Absetzen die Wahrscheinlichkeit für einen erneuten Herzinfarkt oder Schlaganfall erhöhen, laut Packungsbeilage von Metoprolol ein abruptes Absetzen das Risiko eines Herzinfarkts. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Welche Schmerzmittel darf ich nach einem Herzinfarkt nehmen?
Fragen Sie vorher Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke. Diclofenac darf laut Packungsbeilage nach einem Herzinfarkt nicht eingenommen werden. Ibuprofen sollten Sie laut Packungsbeilage nach einem Herzinfarkt vorher ärztlich oder in der Apotheke besprechen; solche Mittel können mit einem geringfügig erhöhten Risiko für einen Herzanfall oder Schlaganfall einhergehen. Außerdem kann Ibuprofen laut Packungsbeilage von ASS bei gleichzeitiger Anwendung die gerinnungshemmende Wirkung niedrig dosierter ASS beeinträchtigen.
Wann beginnt die Reha nach einem Herzinfarkt?
Möglichst bald. Laut NVL Chronische KHK soll nach einem Herzinfarkt eine multidisziplinäre Rehabilitation empfohlen werden; nach einem akuten Koronarsyndrom mit unkompliziertem Verlauf sollte empfohlen werden, bereits nach wenigen Tagen damit zu beginnen. Die Reha kann ambulant oder stationär stattfinden. Danach soll laut NVL die Teilnahme an einer ambulanten Herzgruppe oder anderen Nachsorgeprogrammen empfohlen werden.
Woran erkenne ich einen erneuten Herzinfarkt?
Typisch sind laut IQWiG ein starkes Enge- oder Druckgefühl in der Brust und Schmerzen, die in Arme, Rücken, Hals, Kiefer oder Oberbauch ausstrahlen, länger als fünf Minuten anhalten und sich in Ruhe nicht bessern. Frauen, ältere Menschen und Menschen mit Diabetes haben häufiger andere Beschwerden wie Luftnot, Übelkeit oder Erbrechen. Bei bekannter koronarer Herzkrankheit spricht es laut NVL-Patientenblatt für einen Notfall, wenn die Beschwerden in Ruhe auftreten oder trotz Nitrospray anhalten. Rufen Sie dann sofort den Notruf 112.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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