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Diabetes Typ 2

Bei Typ-2-Diabetes wirkt das körpereigene Insulin nicht mehr richtig, der Blutzucker steigt dauerhaft an; die Erkrankung kann sich über Jahre ohne Beschwerden entwickeln. Grundlage der Behandlung sind laut Nationaler VersorgungsLeitlinie und der Patienteninformation dazu Maßnahmen ohne Medikamente wie Bewegung, ausgewogene Ernährung und Rauchverzicht; erst wenn diese ausgeschöpft sind, sieht die Leitlinie Medikamente vor: zunächst Metformin, bei einer klinisch relevanten Herz-Kreislauf-Erkrankung kommt Metformin zusammen mit einem SGLT2-Hemmer oder GLP-1-Rezeptoragonisten infrage. Bei Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit rufen Sie den Notruf 112.

Mann Ende fünfzig mit kurzem grauem Haar und Brille in einer dunkelgrünen Fleecejacke geht zügig auf einem Kiesweg durch einen herbstlichen Park
Bild: KI-generiert

Bei Typ-2-Diabetes ist der Blutzucker dauerhaft erhöht, weil das körpereigene Insulin nicht mehr richtig wirkt [4]. Die Erkrankung kann sich über Jahre entwickeln, ohne dass Beschwerden auftreten [4]. Grundlage der Behandlung sind Maßnahmen ohne Medikamente; erst wenn sie ausgeschöpft sind, sieht die Nationale VersorgungsLeitlinie Medikamente vor, an erster Stelle Metformin [1].

Was ist Typ-2-Diabetes?

Typ-2-Diabetes ist eine Erkrankung des Stoffwechsels. Das Hormon Insulin aus der Bauchspeicheldrüse sorgt normalerweise dafür, dass Zellen etwa in Leber und Muskeln den Zucker aus dem Blut aufnehmen. Beim Typ-2-Diabetes stellt die Bauchspeicheldrüse zwar eigentlich genug Insulin her, es wirkt aber nicht mehr richtig an den Organen (Insulinresistenz). Eine Zeit lang gleicht die Bauchspeicheldrüse das aus, indem sie mehr Insulin bildet; irgendwann kommt sie an ihre Grenzen, und der Blutzucker steigt [4]. Die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Typ-2-Diabetes, Version 3.0 von 2023, beschreibt einen fortschreitenden Verlust der Insulinausschüttung, häufig vor dem Hintergrund einer Insulinresistenz; im Verlauf nimmt die körpereigene Insulinausschüttung ab und kann in der Spätphase zum Erliegen kommen [1]. Mehr dazu: Insulinresistenz und Prädiabetes.

Etwa 90 von 100 Menschen mit Diabetes haben einen Typ-2-Diabetes [4]. In einer Befragung des Robert Koch-Instituts 2019/2020 gaben laut NVL 8,9 Prozent der Erwachsenen einen bekannten Diabetes an; ab 65 Jahren berichtete jede fünfte Person davon [1]. Weil sie sich oft erst im höheren Lebensalter bemerkbar macht, heißt die Erkrankung auch Altersdiabetes [4]. Davon zu unterscheiden ist der Typ-1-Diabetes, bei dem die Bauchspeicheldrüse kein oder nur sehr wenig Insulin bildet [4].

Symptome und Folgen

Ein Typ-2-Diabetes kann sich über Jahre entwickeln, ohne dass Symptome auftreten; die Diagnose kommt deshalb oft unerwartet [4]. Laut NVL ist er zu Beginn oft symptomarm, oder die Beschwerden werden häufig verkannt [1]. Ein über Monate oder Jahre erhöhter Blutzucker führt laut IQWiG irgendwann zu diesen Beschwerden [4]:

  • starkes Durstgefühl und häufiges Wasserlassen,
  • Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Antriebsschwäche,
  • Konzentrationsstörungen, Übelkeit und Schwindel,
  • Erektionsstörungen.

Ist der Blutzucker sehr stark erhöht, kann es zu Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit kommen (diabetisches Koma) [4]. Langfristig erhöht Typ-2-Diabetes das Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Durchblutungsstörungen der Beine (pAVK), besonders bei zusätzlich hohem Blutdruck, außerdem für Schäden an Augen, Nerven und Nieren und für einen diabetischen Fuß mit schlecht heilenden Wunden [4]. Mehr dazu: Polyneuropathie und Niereninsuffizienz.

Ursachen und Risikofaktoren

Das Risiko für einen Typ-2-Diabetes erhöhen laut IQWiG [4]:

  • Übergewicht und zu wenig körperliche Bewegung (mehr dazu: Adipositas),
  • Rauchen,
  • eine ballaststoffarme, fett- und zuckerreiche Ernährung,
  • bestimmte Medikamente, die den Zuckerstoffwechsel verschlechtern,
  • ein genetisch erhöhtes Risiko; in manchen Familien tritt die Erkrankung gehäuft auf.

Medikamente als Ursache: Bei der Erstuntersuchung fragt die Ärztin oder der Arzt laut NVL unter anderem nach eingenommenen Medikamenten, zum Beispiel Glukokortikoiden, und achtet auf Hinweise auf eine sekundäre Form der Zuckerstoffwechselstörung, etwa bei einer Glukokortikoid-Behandlung [1]. Welche Medikamente den Blutzucker erhöhen können, steht auf der Seite Blutzucker zu niedrig oder zu hoch durch Medikamente. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Diagnose

Die Diagnose Typ-2-Diabetes soll laut NVL in Zusammenschau der Vorgeschichte, der Untersuchungsbefunde und auf Basis bestätigter Laborwerte erfolgen (Empfehlung 4-1, starke Empfehlung). Dafür sollen venöses Plasma und standardisierte, qualitätsgesicherte Labormethoden verwendet werden (Empfehlung 4-3, starke Empfehlung); Geräte zur Selbstmessung eignen sich nach Einschätzung der Leitliniengruppe hierfür meist nicht [1]. Für die Diagnose sind laut NVL mindestens zwei Werte im krankhaften Bereich nötig; sind die Ergebnisse widersprüchlich oder liegen sie im Bereich des erhöhten Risikos, folgt ein dritter Wert, gegebenenfalls ein Zuckerbelastungstest (oGTT) [1].

Laborkriterien nach der NVL Typ-2-Diabetes (Version 3.0, 2023, Tabelle 10)
WertKein DiabetesErhöhtes RisikoDiabetes
Nüchternplasmaglukoseunter 100 mg/dl (unter 5,6 mmol/l)100 bis 125 mg/dl (5,6 bis 6,9 mmol/l)ab 126 mg/dl (ab 7,0 mmol/l)
HbA1c (Langzeitwert)unter 5,7 % (unter 39 mmol/mol)5,7 bis unter 6,5 % (39 bis unter 48 mmol/mol)ab 6,5 % (ab 48 mmol/mol)
Gelegenheitsplasmaglukoseab 200 mg/dl (ab 11,1 mmol/l)

Die Fachgesellschaften DEGAM, AkdÄ, DGfW und DGP schließen sich bei der Nüchternplasmaglukose den Grenzwerten der WHO an: kein Diabetes unter 110 mg/dl (unter 6,1 mmol/l), erhöhtes Risiko 110 bis 125 mg/dl (6,1 bis 6,9 mmol/l). Der HbA1c-Wert ist laut NVL nur aussagekräftig, wenn mit hinreichender Sicherheit keine Störfaktoren vorliegen; er spiegelt den Blutzucker der letzten 8 bis 12 Wochen wider [1].

Bei Menschen mit diabetestypischen Beschwerden soll laut NVL unverzüglich der Blutzucker mit einem Schnelltest bestimmt und der Urin auf Ketonkörper untersucht werden (Empfehlung 4-5, starke Empfehlung), denn diese Beschwerden können auf einen medizinischen Notfall hinweisen [1]. Weil die Werte nur eine Aussage zum aktuellen Zeitpunkt zulassen, soll die Diagnose vor allem bei Ergebnissen im Grenzbereich im Verlauf überprüft werden (Empfehlung 4-7, starke Empfehlung) [1].

Behandlung ohne Medikamente

Frau Mitte fünfzig mit schulterlangem rotblondem Haar in einer senfgelben Strickjacke schneidet in einer hellen Küche Gemüse für einen Salat
Bild: KI-generiert

Maßnahmen ohne Medikamente sind laut NVL eine wirkungsvolle Therapieoption und die Grundlage der Behandlung; erst wenn sie ausgeschöpft sind, sieht die Leitliniengruppe die Indikation zur medikamentösen Therapie [1]. Zur Grundlage jeder Behandlung gehören laut Patientenblatt der NVL körperliche Aktivität, Verzicht aufs Rauchen und eine ausgewogene Ernährung; vielleicht erreichen Betroffene so schon ihre persönlichen Zielwerte und kommen ohne Medikamente aus [2]. Weiter nennt das Patientenblatt [2]:

  • Ernährung: Für Menschen mit Typ-2-Diabetes gelten die gleichen Empfehlungen für eine vollwertige Kost wie für Menschen ohne Diabetes; spezielle Diabetiker-Produkte oder Diät-Lebensmittel sind unnötig.
  • Gewicht: Bei Übergewicht wirkt sich jedes Kilo, das abgenommen wird, günstig auf Diabetes, Blutdruck und Blutfette aus.
  • Bewegung: Körperliche Aktivität ist auch bei Diabetes empfehlenswert; körperliche Anstrengung lässt den Blutzucker meist sinken.
  • Rauchen und Alkohol: möglichst nicht rauchen und keinen oder nur wenig Alkohol trinken.
  • Schulung: In einer Schulung erfahren Betroffene, wie sie ihre Behandlungsziele am besten erreichen.

Wer Gewicht abnimmt und sich mehr bewegt, kann laut IQWiG den Blutzuckerspiegel senken; wer mit dem Rauchen aufhört, senkt sein Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Gelingt es bei sehr starkem Übergewicht nicht abzunehmen, kann auch eine Operation infrage kommen, zum Beispiel eine Magenverkleinerung [4]. Liegen die Laborwerte erst im Bereich des erhöhten Diabetesrisikos, sollen laut NVL Maßnahmen zur Änderung des Lebensstils empfohlen werden (Empfehlung 3-2, starke Empfehlung) [1].

Behandlung mit Medikamenten

Ist nach Ausschöpfung der Basistherapie ohne Medikamente und unter Berücksichtigung der persönlichen Therapieziele eine medikamentöse Behandlung angezeigt, soll laut NVL ihr Therapie-Algorithmus angewendet werden (Empfehlung 5-3, starke Empfehlung). Danach erhalten Menschen ohne hohes Risiko für Herz-Kreislauf- oder Nierenereignisse zunächst Metformin. Bei einer klinisch relevanten Herz-Kreislauf-Erkrankung kommt Metformin zusammen mit einem SGLT2-Hemmer oder einem GLP-1-Rezeptoragonisten infrage; bei hohem Risiko, zum Beispiel einer klinisch relevanten Nierenerkrankung, sieht der Algorithmus eine individuelle Bewertung und gemeinsame Entscheidung vor [1]. Laut Patientenblatt der NVL ist Metformin das Mittel der ersten Wahl, wenn Medikamente nötig sind [3]. Ob und welche Medikamente sinnvoll sind, hängt laut IQWiG vom Behandlungsziel, vom Alter, vom allgemeinen Gesundheitszustand, von anderen Erkrankungen und weiteren Medikamenten ab und davon, wie gut ein Mittel wirkt und vertragen wird [5].

Wird das persönliche Therapieziel unter Metformin nach 3 bis 6 Monaten nicht erreicht, sieht der Algorithmus der NVL die Auswahl eines zweiten Medikaments vor, entsprechend seinen Wirkungen auf die vorrangigen Behandlungsziele (priorisierte Endpunkte); dabei werden Therapiestrategie und Therapieziel jeweils gemeinsam überprüft [1]. Sulfonylharnstoffe und DPP-4-Hemmer nennt die NVL als eine Option in der zweiten oder dritten Stufe zusammen mit Metformin. Alpha-Glukosidasehemmer, Glinide und Glitazone sind danach seltenen Sondersituationen vorbehalten [1]. Die Dosierung laut Packungsbeilage steht auf den Wirkstoffseiten, zum Beispiel bei Metformin.

Medikamente bei Typ-2-Diabetes nach dem Algorithmus der NVL (Version 3.0, 2023): Beispiele mit eigener Wirkstoffseite
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
BiguanideMetforminWirkt laut Fachinformation wahrscheinlich über drei Wege: Die Leber bildet weniger Zucker, die Muskulatur spricht besser auf Insulin an und nimmt mehr Zucker auf, der Darm nimmt Zucker verzögert auf; regt die Insulinausschüttung nicht an und verursacht allein keine Unterzuckerung [7, 8]Sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und Appetitverlust, meistens zu Beginn; häufig, also bei bis zu 1 von 10: Geschmacksveränderungen, verminderte Vitamin-B12-Spiegel im Blut [7]
SGLT2-Hemmer (Gliflozine)Empagliflozin, DapagliflozinHemmen in den Nieren das Transporteiweiß SGLT-2; dadurch wird Zucker mit dem Urin ausgeschieden [9]Empagliflozin, sehr häufig: Unterzuckerung (höheres Risiko zusammen mit einem Sulfonylharnstoff oder Insulin), Flüssigkeitsmangel; häufig: Hefepilzinfektion im Genitalbereich, Harnwegsinfektionen, größere Harnmenge, Juckreiz, Hautausschlag, Durst, erhöhte Cholesterinwerte, Verstopfung [9]
GLP-1-RezeptoragonistenSemaglutid, Dulaglutid, LiraglutidÄhneln dem Darmhormon GLP-1; Semaglutid regt bei hohem Blutzucker die Insulinausschüttung an, senkt die Glucagonausschüttung und verlangsamt die Magenentleerung kurz nach dem Essen leicht [10]Semaglutid (Ozempic), sehr häufig: Übelkeit, Durchfall, Unterzuckerung zusammen mit einem Sulfonylharnstoff oder Insulin; häufig unter anderem Komplikationen einer diabetischen Augenerkrankung (Retinopathie), Erbrechen, Verdauungsstörung, Magenschmerzen, Verstopfung, Gallensteine, Schwindel, Müdigkeit, geringerer Appetit, Gewichtsverlust [10]
DPP-4-Hemmer (Gliptine)SitagliptinSitagliptin verhindert, dass das Enzym DPP-4 die Darmhormone GLP-1 und GIP rasch abbaut; dadurch steigt die Insulinfreisetzung und die Glucagonspiegel sinken, jeweils abhängig vom Blutzucker [12]Häufig: Unterzuckerung, Kopfschmerzen, Infektion der oberen Atemwege, verstopfte oder laufende Nase und Halsschmerzen, degenerative Gelenkerkrankung (Osteoarthrose), Schmerzen in Armen oder Beinen, zusammen mit Metformin auch Übelkeit, Blähungen und Erbrechen; sehr häufig: Unterzuckerung zusammen mit einem Sulfonylharnstoff und Metformin [12]
SulfonylharnstoffeGlimepiridRegen die Bauchspeicheldrüse an, mehr Insulin auszuschütten; das Insulin senkt den Blutzucker [13]Die Packungsbeilage nennt keine häufigen Nebenwirkungen; selten, also bei bis zu 1 von 1.000 Behandelten: starker Abfall des Blutzuckers (Unterzuckerung) und Verminderung von Blutzellen [13]
InsulineInsulin glargin, Insulin degludec, Humaninsulin, Insulin aspartErsetzen oder ergänzen das körpereigene Insulin: fördern die Aufnahme von Zucker vor allem in Muskel- und Fettgewebe und hemmen die Zuckerbildung in der Leber [14]Insulin glargin (Lantus), sehr häufig: Unterzuckerung; häufig: Verdickung der Haut an der Injektionsstelle (Lipohypertrophie) und Haut- oder allergische Reaktionen an der Injektionsstelle [14]

Insulin: Laut NVL soll die Indikation zur Insulintherapie in diesen Situationen geprüft werden: wenn das persönliche Therapieziel trotz Ausschöpfung der Maßnahmen ohne Medikamente und der Tabletten mit oder ohne GLP-1-Rezeptoragonisten nicht erreicht wird, bei Stoffwechselentgleisungen, zum Beispiel bei der Erstdiagnose, unter Medikamenten, die den Blutzucker erhöhen, wie Glukokortikoiden, bei schweren Infekten, Verletzungen oder größeren Operationen (eventuell nur vorübergehend) und bei stark eingeschränkter Nierenfunktion, abhängig vom persönlichen Therapieziel (Empfehlung 5-4, starke Empfehlung). Im Algorithmus der NVL kommt zu Metformin ein Basalinsulin hinzu; wer bereits Metformin mit einem SGLT2-Hemmer oder GLP-1-Rezeptoragonisten erhält, setzt diese Behandlung laut Leitliniengruppe zusammen mit Basalinsulin fort, solange sie gut vertragen wird. Als nächste Stufe nennt der Algorithmus eine Kombination aus Basalinsulin und kurz wirksamem Insulin, gegebenenfalls als Mischinsulin, danach eine intensivierte Insulintherapie. Die Wahl der Insulinart und des Insulinschemas soll sich an der Lebenssituation orientieren (Empfehlung 5-6, starke Empfehlung) [1].

Tirzepatid: Tirzepatid wirkt laut Fachinformation von Mounjaro als lang wirkender Agonist an den Rezeptoren für die Hormone GIP und GLP-1 [11]. Laut EMA-Produktinformation ist Mounjaro angezeigt zur Behandlung von Erwachsenen, Jugendlichen und Kindern ab 10 Jahren mit unzureichend eingestelltem Typ-2-Diabetes als Ergänzung zu Diät und Bewegung, allein, wenn Metformin wegen Unverträglichkeit oder Gegenanzeigen nicht angezeigt ist, oder zusätzlich zu anderen Arzneimitteln zur Behandlung des Diabetes [11]. Sehr häufig sind laut Packungsbeilage Übelkeit und Durchfall sowie Unterzuckerung zusammen mit einem Sulfonylharnstoff oder Insulin; gelegentlich kann eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse auftreten [11].

Ziele vereinbaren: Laut NVL sollen individualisierte HbA1c-Ziele vereinbart werden (Empfehlung 5-8, starke Empfehlung); der Zielkorridor reicht von 6,5 Prozent (48 mmol/mol) bis 8,5 Prozent (69 mmol/mol), abhängig etwa von Begleiterkrankungen, Lebenserwartung, Diabetesdauer, Risiko für Unterzuckerungen und dem Wunsch der Betroffenen [1]. Als Orientierungswert für den Blutdruck nennt die Leitliniengruppe 140/90 mmHg mit individuellen Gründen, nach oben oder unten abzuweichen [1]. Mehr dazu: Bluthochdruck und Hohes Cholesterin.

In der Schwangerschaft

Schwangerschaften mit Diabetes sind laut Embryotox (Charité Berlin) Risikoschwangerschaften; eine normale Blutzuckereinstellung (normoglykämische Stoffwechsellage) sollte bei Typ-1- und Typ-2-Diabetes bereits vor der Empfängnis angestrebt und erreicht werden [15]. Bei einem nicht insulinpflichtigen Typ-2-Diabetes sollten laut Embryotox Tabletten gegen Diabetes oder GLP-1-Analoga auf Humaninsulin oder Insulinanaloga umgestellt werden; eine Metformin-Behandlung kann danach eine alternative Möglichkeit in der Schwangerschaft sein [15]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Wenn Sie schwanger werden möchten oder schwanger sind, sprechen Sie laut Packungsbeilage von Metformin mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, falls Behandlung oder Blutzuckerkontrolle geändert werden müssen [7]. Mehr dazu: Medikamente in der Schwangerschaft.

Nebenwirkungen der Medikamente

Unterzuckerung: Sie ist laut IQWiG meist eine Nebenwirkung blutzuckersenkender Medikamente und betrifft vor allem Menschen, die Insulin spritzen oder bestimmte Tabletten nehmen; unerwartete Anstrengung, eine zu kleine Mahlzeit oder zu viel Alkohol können sie auslösen [6]. Bei Sulfonylharnstoffen nennt die NVL ein Risiko schwerer, lang anhaltender Unterzuckerungen, bei Insulin ein Risiko für Unterzuckerungen, besonders zu Therapiebeginn [1]. Metformin allein verursacht laut Packungsbeilage keine Unterzuckerung; zusammen mit Sulfonylharnstoffen, Insulin oder Gliniden besteht aber das Risiko eines zu niedrigen Blutzuckers [7]. Mehr dazu: Blutzucker zu niedrig oder zu hoch durch Medikamente.

Metformin: Die sehr seltene Laktatazidose tritt laut Packungsbeilage vor allem bei eingeschränkter Nierenfunktion auf; das Risiko erhöhen auch schlecht eingestellter Diabetes, schwere Infektionen, längeres Fasten, Alkohol, Flüssigkeitsmangel, Leberprobleme und Erkrankungen, bei denen ein Teil des Körpers nicht genug Sauerstoff erhält, etwa akute schwere Herzerkrankungen. Haben Sie einen Zustand, der mit einem erheblichen Verlust an Körperflüssigkeit verbunden sein kann, etwa schweres Erbrechen, Durchfall, Fieber, Hitzebelastung oder wenn Sie weniger trinken als sonst, unterbrechen Sie die Einnahme laut Packungsbeilage für kurze Zeit und sprechen mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über das weitere Vorgehen [7]. Vor Untersuchungen mit jodhaltigem Kontrastmittel und vor größeren Operationen wird Metformin unterbrochen; wann, entscheidet die Ärztin oder der Arzt [7]. Mehr dazu: Metformin absetzen und Nährstoffmangel durch Medikamente.

SGLT2-Hemmer: Laut Informationsbrief vom 14. März 2016 muss unter SGLT2-Hemmern bei unspezifischen Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, starkem Durst, Schwierigkeiten beim Atmen, Verwirrtheit oder ungewöhnlicher Müdigkeit die Gefahr einer diabetischen Ketoazidose in Betracht gezogen werden [17]; laut NVL kann der Blutzucker dabei nur mäßig erhöht oder sogar normal sein [1]. Der Rote-Hand-Brief vom 21. Januar 2019 informiert über Fälle von Fournier-Gangrän, einer seltenen, aber schweren und potenziell lebensgefährlichen Infektion im Genitalbereich und Damm; starke Schmerzen, Rötung oder Schwellung dort mit Fieber oder Unwohlsein sind ein Grund, sich umgehend ärztlich behandeln zu lassen [16]. Laut NVL ist es wichtig, alle Behandelten auf eine regelmäßige vorbeugende Fußpflege hinzuweisen [1]. Mehr dazu: Scheidenpilz und Blasenentzündung.

GLP-1-Rezeptoragonisten und DPP-4-Hemmer: Die NVL nennt bei GLP-1-Rezeptoragonisten Magen-Darm-Nebenwirkungen und Gallensteine, bei DPP-4-Hemmern ein Risiko für eine Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) [1]. Laut Packungsbeilage von Ozempic kann eine akute Pankreatitis gelegentlich auftreten und dauerhafte, starke Schmerzen in Bauch und Rücken verursachen; dann suchen Sie umgehend eine Ärztin oder einen Arzt auf [10]. Bei Menschen, die GLP-1-Rezeptoragonisten erhielten und sich einer Vollnarkose oder tiefen Sedierung unterzogen, wurden laut einer vom BfArM veröffentlichten Empfehlung des Sicherheitsausschusses PRAC der EMA Fälle einer Lungenentzündung durch eingeatmeten Mageninhalt (Aspirationspneumonie) berichtet; vor solchen Eingriffen sollte danach bedacht werden, dass wegen der verzögerten Magenentleerung noch Mageninhalt vorhanden sein kann [18]. Wenn eine Operation unter Narkose geplant ist, informieren Sie laut Packungsbeilage von Ozempic Ihre Ärztin oder Ihren Arzt darüber [10]. Mehr dazu: Pankreatitis und Medikamente vor der OP.

Insulin: Wird zu häufig in dieselbe Stelle gespritzt, kann sich laut Packungsbeilage von Lantus die Haut dort verdicken oder dünner werden; Knoten durch Ablagerung des Eiweißes Amyloid sind ebenfalls möglich, und das Insulin wirkt möglicherweise nicht richtig, wenn in einen Bereich mit Knoten gespritzt wird. Laut Packungsbeilage wechseln Sie die Injektionsstelle deshalb bei jeder Injektion [14]. Insulin kann laut NVL außerdem zu Gewichtszunahme führen [1]. Mehr dazu: Gewichtszunahme durch Medikamente.

Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt, Ihrer Apotheke oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [7]; wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben mit Typ-2-Diabetes: Kontrollen und Schulung

Menschen mit Typ-2-Diabetes sollen laut NVL bei der Erstdiagnose und dann regelmäßig strukturiert auf Folge- und Begleiterkrankungen untersucht werden (Empfehlung 4-8, starke Empfehlung) [1]. Sind keine Folgeerkrankungen bekannt, nennt die NVL diese Abstände [1]:

  • Nerven: alle ein bis zwei Jahre nach persönlicher Risikoeinschätzung.
  • Füße: mindestens einmal jährlich, bei Nervenschäden oder Durchblutungsstörungen alle drei bis sechs Monate.
  • Nieren: einmal jährlich.
  • Augen: bei geringem Risiko alle zwei Jahre, sonst jährlich.
  • Psyche: Depression und andere psychische Begleiterkrankungen einmal jährlich oder aus Anlass.

Unterstützung bieten laut IQWiG Ärztinnen und Ärzte, Diabetes- und Ernährungsberatung und die medizinische Fußpflege (Podologie). Möglich ist auch die Teilnahme an einem Disease-Management-Programm (DMP) der Krankenkasse mit Diabetes-Schulung, Beratung und umfassender ärztlicher Betreuung [4]. Weil körperliche Anstrengung den Blutzucker meist sinken lässt, sollten Sie laut Patientenblatt der NVL stets Traubenzucker griffbereit haben [2]. Ihre Medikamente können Sie im Medikationsplan festhalten. Mehr dazu: Medikamente und Alkohol. Wem die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung gegen Pneumokokken empfiehlt und welche Nebenwirkungen die Impfstoffe laut Fachinformation haben, steht auf der Seite Pneumokokken-Impfung.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Ist der Blutzucker sehr stark erhöht, kann es laut IQWiG zu Bewusstseinsstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit kommen; bei Bewusstseinsstörungen, Verwirrtheit oder Bewusstlosigkeit sollte unter der Nummer 112 der Rettungsdienst gerufen werden. Auch eine starke Unterzuckerung kann zu Bewusstlosigkeit führen; können Angehörige kein Notfallmedikament spritzen, sollte sofort unter der Notfallnummer 112 ärztliche Hilfe gerufen werden [6]. Treten Durst, häufiges Wasserlassen, Müdigkeit oder Übelkeit längere Zeit oder immer wieder auf, ist es laut IQWiG wichtig, ärztlichen Rat einzuholen; bei bekanntem Diabetes können sie zeigen, dass die Behandlung angepasst werden muss [6].

  • Laktatazidose unter Metformin: Erbrechen, Bauchschmerzen, Muskelkrämpfe, allgemeines Unwohlsein mit starker Müdigkeit, Schwierigkeiten beim Atmen, verringerte Körpertemperatur und Herzklopfen. Dann die Einnahme laut Packungsbeilage beenden und sich unverzüglich an eine Ärztin, einen Arzt oder das nächstgelegene Krankenhaus wenden, denn eine Laktatazidose kann zum Koma führen [7].
  • Ketoazidose unter SGLT2-Hemmern: rascher Gewichtsverlust, Übelkeit oder Erbrechen, Bauchschmerzen, übermäßiger Durst, schnelle und tiefe Atmung, Verwirrung, ungewöhnliche Schläfrigkeit oder süßlicher Atemgeruch. Dann wenden Sie sich laut Packungsbeilage von Jardiance umgehend an eine Ärztin, einen Arzt oder das nächstgelegene Krankenhaus [9].
  • Bauchspeicheldrüsenentzündung: anhaltende, starke Schmerzen in Bauch und Rücken unter GLP-1-Rezeptoragonisten oder DPP-4-Hemmern. Dann wenden Sie sich laut Packungsbeilagen von Ozempic und Januvia umgehend beziehungsweise sofort an eine Ärztin oder einen Arzt [10, 12].

Quellen

  1. Leitlinie Nationale VersorgungsLeitlinie Typ-2-Diabetes, Langfassung, Version 3.0 (AWMF-Register-Nr. nvl-001). Bundesärztekammer, Kassenärztliche Bundesvereinigung, AWMF (Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien). Stand Version 3.0, 2023 (publiziert 15.05.2023, gültig bis 15.05.2028). abgerufen am 17.10.2026
  2. Leitlinie Patientenblatt "Typ-2-Diabetes: Erkennen und behandeln" (Patienteninformation auf Grundlage der NVL Typ-2-Diabetes). Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) im Auftrag von Bundesärztekammer und Kassenärztlicher Bundesvereinigung. Stand August 2023. abgerufen am 17.10.2026
  3. Leitlinie Patientenblatt "Typ-2-Diabetes: Welche Medikamente gibt es?" (Bestandteil der NVL Typ-2-Diabetes). Programm für Nationale VersorgungsLeitlinien von BÄK, KBV und AWMF, Ärztliches Zentrum für Qualität in der Medizin. Stand 2023. abgerufen am 17.10.2026
  4. Diabetes Typ 2. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 18.10.2023. abgerufen am 17.10.2026
  5. Welche Medikamente helfen bei Typ-2-Diabetes?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 18.10.2023. abgerufen am 17.10.2026
  6. Über- und Unterzuckerung bei Typ-2-Diabetes. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 18.10.2023. abgerufen am 17.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Metformin-ratiopharm 1000 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 17.10.2026
  8. Fachinformation Fachinformation Metformin-ratiopharm 1.000 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 17.10.2026
  9. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Jardiance (Empagliflozin), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Boehringer Ingelheim International GmbH (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 03/2026. abgerufen am 17.10.2026
  10. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Ozempic (Semaglutid), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Novo Nordisk A/S (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2026. abgerufen am 17.10.2026
  11. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Mounjaro (Tirzepatid), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Eli Lilly Nederland B.V. (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
  12. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Januvia (Sitagliptin), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Merck Sharp & Dohme B.V. (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2025. abgerufen am 17.10.2026
  13. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Glimepirid STADA 3 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 17.10.2026
  14. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Lantus (Insulin glargin), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 03/2026. abgerufen am 17.10.2026
  15. Embryotox Embryotox: Diabetes mellitus (Erkrankungen). Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  16. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu SGLT2-Inhibitoren: Risiko einer Fournier-Gangrän (nekrotisierende Fasziitis des Perineums) bei der Anwendung. Zulassungsinhaber von SGLT2-Inhibitoren in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 21.01.2019. abgerufen am 17.10.2026
  17. Behörde Informationsbrief zu SGLT2-Inhibitoren: Aktualisierte Hinweise zum Risiko einer diabetischen Ketoazidose. Zulassungsinhaber im Einvernehmen mit EMA und BfArM (veröffentlicht vom BfArM). Stand 14.03.2016. abgerufen am 17.10.2026
  18. Behörde PRAC-Signal: Glucagon-ähnliche Peptid-1 (GLP-1)-Rezeptor-Agonisten: Aspiration und Aspirationspneumonie. Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026

Häufige Fragen

Welche Medikamente gibt es bei Typ-2-Diabetes?

Die Nationale VersorgungsLeitlinie (NVL) Typ-2-Diabetes nennt Metformin, SGLT2-Hemmer wie Empagliflozin und Dapagliflozin, GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid, Dulaglutid und Liraglutid, Sulfonylharnstoffe wie Glimepirid, DPP-4-Hemmer wie Sitagliptin und Insuline. Am Anfang steht laut Algorithmus der NVL Metformin; bei einer klinisch relevanten Herz-Kreislauf-Erkrankung kommt eine Kombination aus Metformin und einem SGLT2-Hemmer oder GLP-1-Rezeptoragonisten infrage. Welches Mittel zu Ihnen passt, entscheiden Sie gemeinsam mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Muss ich bei Typ-2-Diabetes sofort Tabletten nehmen?

Nein, nicht unbedingt. Grundlage jeder Behandlung sind laut NVL Maßnahmen ohne Medikamente; erst wenn sie ausgeschöpft sind, sieht die Leitlinie Medikamente vor. Wer Gewicht abnimmt und sich mehr bewegt, kann laut IQWiG den Blutzuckerspiegel senken, manchen Menschen gelingt es, den Diabetes allein mit solchen Verhaltensänderungen in den Griff zu bekommen. Wie lange ein Versuch ohne Medikamente dauert, hängt laut NVL von der persönlichen Situation und den Therapiezielen ab.

Welche Nebenwirkungen hat Metformin?

Sehr häufig sind laut Packungsbeilage von Metformin-ratiopharm Verdauungsprobleme wie Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Bauchschmerzen und Appetitverlust, meistens zu Beginn der Behandlung. Häufig sind Geschmacksveränderungen und verminderte Vitamin-B12-Spiegel im Blut. Sehr selten, aber sehr schwerwiegend ist eine Übersäuerung des Blutes mit Milchsäure (Laktatazidose), vor allem bei eingeschränkter Nierenfunktion. Mehr auf der Seite Metformin.

Wann braucht man bei Typ-2-Diabetes Insulin?

Laut NVL soll in diesen Situationen geprüft werden, ob eine Insulintherapie angezeigt ist (Empfehlung 5-4, starke Empfehlung): wenn das persönliche Therapieziel trotz Maßnahmen ohne Medikamente und trotz Tabletten mit oder ohne GLP-1-Spritzen nicht erreicht wird, bei Stoffwechselentgleisungen, zum Beispiel bei der Erstdiagnose, unter Medikamenten, die den Blutzucker erhöhen, wie Glukokortikoiden, bei schweren Infekten, Verletzungen oder größeren Operationen, in diesen Fällen eventuell nur vorübergehend, und bei stark eingeschränkter Nierenfunktion, abhängig vom persönlichen Therapieziel.

Welcher HbA1c-Wert ist bei Typ-2-Diabetes das Ziel?

Einen festen Wert für alle gibt es nicht. Laut NVL sollen individuelle HbA1c-Ziele vereinbart werden (Empfehlung 5-8, starke Empfehlung); der Zielkorridor reicht von 6,5 Prozent (48 mmol/mol) bis 8,5 Prozent (69 mmol/mol). Für jüngere, sonst gesunde Menschen, die die Behandlung gut vertragen, kommt laut Patientenblatt der NVL ein niedrigerer Wert infrage, für körperlich sehr eingeschränkte Menschen mit weiteren Erkrankungen ist ein höherer günstiger.

Was sind GLP-1-Spritzen wie Semaglutid?

GLP-1-Rezeptoragonisten ähneln einem Darmhormon. Semaglutid regt laut Fachinformation von Ozempic bei hohem Blutzucker die Insulinausschüttung an und senkt die Ausschüttung von Glucagon. Die meisten Wirkstoffe der Gruppe werden laut NVL gespritzt. Sehr häufig sind laut Packungsbeilage von Ozempic Übelkeit und Durchfall, die meist im Laufe der Zeit nachlassen. Tirzepatid wirkt zusätzlich am Rezeptor des Hormons GIP; laut EMA-Produktinformation ist Mounjaro bei unzureichend eingestelltem Typ-2-Diabetes ab 10 Jahren angezeigt, ergänzend zu Diät und Bewegung, allein, wenn Metformin wegen Unverträglichkeit oder Gegenanzeigen nicht angezeigt ist, oder zusätzlich zu anderen Diabetesmitteln. Mehr dazu: GLP-1-Agonisten.

Was tun bei einer Unterzuckerung?

Laut IQWiG ist es wichtig, sofort zu reagieren und schnell etwas zu sich zu nehmen, etwa Traubenzucker oder eine zuckerhaltige Limonade; Light- oder Zero-Limonaden mit Süßstoff helfen nicht. Anzeichen können ein schneller Puls, kalter Schweiß, Heißhunger, Zittern und Konzentrationsstörungen bis zu Verwirrtheit sein. Eine schwere Unterzuckerung kann zu Bewusstlosigkeit führen und lebensgefährlich werden; können Angehörige dann kein Notfallmedikament spritzen, sollte sofort der Notruf 112 gerufen werden. Mehr dazu: Blutzucker zu niedrig oder zu hoch durch Medikamente.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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