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Bauchspeicheldrüsenentzündung durch Medikamente
Laut S3-Leitlinie Pankreatitis können zahlreiche Medikamente eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) auslösen. Die Produktinformationen nennen sie zum Beispiel bei GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid und Liraglutid, beim DPP-4-Hemmer Sitagliptin, bei Azathioprin, Valproinsäure und Thiamazol. Typisch sind plötzliche, heftige Schmerzen im Oberbauch, die in den Rücken ausstrahlen können, meistens mit Übelkeit und Erbrechen; dann brauchen Sie sofort ärztliche Hilfe. Die Packungsbeilagen von Sitagliptin und Liraglutid verlangen bei solchen Warnzeichen, die Anwendung zu beenden. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe. Ansonsten gilt: Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis) macht sich laut Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) durch plötzliche, sehr starke Schmerzen im Oberbauch bemerkbar. Die häufigsten Ursachen sind Gallensteine und ein zu starker Alkoholkonsum; manchmal wird eine akute Pankreatitis auch durch Arzneimittel ausgelöst [1]. Laut S3-Leitlinie Pankreatitis der Deutschen Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS) können zahlreiche Medikamente eine akute Pankreatitis auslösen [2]. Die Produktinformationen nennen sie unter anderem bei Mitteln aus der Gruppe der GLP-1-Rezeptoragonisten, beim Diabetesmittel Sitagliptin, beim Immunsuppressivum Azathioprin, beim Antiepileptikum Valproinsäure und beim Schilddrüsenmittel Thiamazol [3, 7, 8, 10, 12].
Welche Medikamente eine Bauchspeicheldrüsenentzündung auslösen können
Für zahlreiche Medikamente ist ein Zusammenhang mit einer akuten Pankreatitis laut Leitlinie als gesichert oder wahrscheinlich beschrieben. Ihr Anteil wird dort mit 0,1 bis 2 Prozent aller Fälle akuter Pankreatitis angegeben; die wahre Häufigkeit ist jedoch unklar, weil eindeutige Kriterien für die Diagnose fehlen [2]. Die Häufigkeitsangaben unten stammen aus den Produktinformationen; jede gehört zu dem Wirkstoff, bei dem sie steht.
- GLP-1-Rezeptoragonisten (Mittel gegen Diabetes und zur Gewichtsregulierung): Laut den Fachinformationen von Semaglutid und Liraglutid wurde akute Pankreatitis unter der Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten beobachtet; die Fachinformation von Dulaglutid spricht von einem Risiko, das mit dem Einsatz dieser Mittel in Verbindung gebracht wurde [3, 4, 5]. In den Packungsbeilagen ist die Pankreatitis bei Semaglutid und Liraglutid als gelegentlich eingestuft (bis zu 1 von 100 Behandelten), bei Dulaglutid als selten (bis zu 1 von 1.000) [3, 4, 5]. Die Packungsbeilage von Liraglutid nennt die Pankreatitis eine schwerwiegende, potenziell lebensbedrohliche Erkrankung [4]. Auch unter dem verwandten Wirkstoff Tirzepatid wurde von akuter Pankreatitis berichtet; die Packungsbeilage stuft sie als gelegentlich ein [6]. In den Studien der Phase 3a lag die Häufigkeit bestätigter Fälle laut Fachinformation von Semaglutid bei 0,3 Prozent gegenüber 0,2 Prozent unter dem Vergleichspräparat, in der zweijährigen Studie zu Herz-Kreislauf-Endpunkten bei 0,5 Prozent gegenüber 0,6 Prozent unter Placebo [3].
- DPP-4-Hemmer (Tabletten gegen Typ-2-Diabetes): Laut Fachinformation von Sitagliptin wurde die Anwendung von DPP-4-Inhibitoren mit einem Risiko für eine akute Pankreatitis in Verbindung gebracht; die Häufigkeit ist nicht bekannt [7]. Nach dem Absetzen von Sitagliptin wurde ein Abklingen der Pankreatitis beobachtet, es wurde aber auch über sehr seltene schwerwiegende Fälle mit Absterben von Gewebe (nekrotisierende Pankreatitis) oder Einblutung (hämorrhagische Pankreatitis) und/oder Todesfälle berichtet [7].
- Azathioprin (unterdrückt das Immunsystem, etwa nach Transplantationen und bei chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen): Packungsbeilage und Fachinformation stufen eine Pankreatitis als gelegentlich ein [8, 9]. Berichtet wurde sie laut Fachinformation insbesondere bei Menschen nach einer Nierentransplantation und mit entzündlichen Darmerkrankungen. Es ist schwierig, die Pankreatitis einem bestimmten Arzneimittel zuzuordnen, auch wenn sich nach erneuter Gabe gelegentlich ein Zusammenhang mit Azathioprin bestätigt hat [9]. Die DGVS-Leitlinie verweist auf neuere Arbeiten, die den Einfluss von Azathioprin relativieren, wenn Rauchen als Risikofaktor berücksichtigt wird [2].
- Valproinsäure (gegen Epilepsie): Die Packungsbeilage stuft eine Pankreatitis als gelegentlich ein; sie kann schwerwiegend sein, in seltenen Fällen wurden Schäden an der Bauchspeicheldrüse festgestellt, manchmal mit tödlichem Ausgang [10]. Schwere Leber- und Pankreasschäden betreffen laut Fachinformation in den meisten Fällen Säuglinge und Kleinkinder unter 3 Jahren mit schweren epileptischen Anfällen, insbesondere wenn Valproinsäure mit anderen Mitteln gegen Krampfanfälle kombiniert wird. Das Risiko einer Pankreatitis nimmt mit zunehmendem Alter ab; treten Leberentzündung und Pankreatitis gleichzeitig auf, steigt das Risiko eines tödlichen Verlaufs [11]. Mehr unter Antiepileptika.
- Thiamazol und Carbimazol (gegen Schilddrüsenüberfunktion): Mit einem Rote-Hand-Brief vom 6. Februar 2019 informierten die Zulassungsinhaber nach einem europäischen Signalverfahren in Abstimmung mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) über das Risiko einer akuten Pankreatitis; es gibt Berichte aus der Routineanwendung beider Wirkstoffe [14]. In der Packungsbeilage von Thiamazol steht die akute Pankreatitis mit nicht bekannter Häufigkeit [12]. Nach Fallberichten, in denen die Entzündung bei erneuter Anwendung wiederkehrte und schneller begann, ist jede erneute Behandlung mit Carbimazol oder Thiamazol bei Menschen, die darunter bereits eine akute Pankreatitis hatten, nicht mehr erlaubt (kontraindiziert) [13, 14]. Mehr unter Schilddrüsenmittel.
- Weitere Wirkstoffe laut Leitlinie: Die Leitlinie führt nach einer Übersichtsarbeit Wirkstoffe auf, für die ein Zusammenhang als "definitiv" oder "wahrscheinlich" gilt, und weist darauf hin, dass sie dafür keine eigene Evidenzprüfung vorgenommen hat [2]. Darunter sind zum Beispiel Enalapril, Furosemid, Hydrochlorothiazid, Simvastatin, Valproat, Mesalazin, Sulfasalazin, Metronidazol, Cotrimoxazol, Doxycyclin, Carbamazepin, Opiate und Steroide (Glucocorticoide) [2]. Als "definitiv" gilt ein Zusammenhang dort bei plausiblem zeitlichem Verlauf, Abklingen nach dem Absetzen und Wiederauftreten bei erneuter Gabe; als "wahrscheinlich", wenn der zeitliche Zusammenhang plausibel ist, die Pankreatitis nach dem Absetzen abklingt und andere Ursachen ausgeschlossen sind [2]. Auch für Checkpoint-Inhibitoren, die in der Krebsbehandlung eingesetzt werden, ist eine Pankreatitis beschrieben; meist verläuft sie mild [2].
Die Tabelle zeigt die Wirkstoffe, deren Produktinformation eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse nennt:
| Wirkstoff | Häufigkeit | Angabe in der Produktinformation |
|---|---|---|
| Adalimumab | Gelegentlich | Entzündung der Bauchspeicheldrüse mit starken Schmerzen im Bauch und Rücken |
| Atorvastatin | Gelegentlich | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), die zu Magenschmerzen führt |
| Azathioprin | Gelegentlich | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), die starke Schmerzen im Oberbauch mit Übelkeit und Erbrechen hervorrufen kann, besonders bei Transplantatempfängern und bei entzündlichen Darmerkrankungen |
| Enalapril | Gelegentlich | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Etoricoxib | Gelegentlich | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Febuxostat | Gelegentlich | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) mit Beschwerden wie Bauchschmerzen, Übelkeit und Erbrechen |
| Hydrochlorothiazid | Gelegentlich | Anstieg des Enzyms Amylase im Blut, akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Infliximab | Gelegentlich | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Liraglutid | Gelegentlich | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), eine schwerwiegende, potenziell lebensbedrohliche Erkrankung |
| Mesalazin | Gelegentlich | Starke Bauchschmerzen durch eine akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Methotrexat | Gelegentlich | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) mit möglichen Zeichen wie Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit, Erbrechen oder Fieber |
| Mycophenolsäure | Gelegentlich | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), die zu schweren Oberbauchschmerzen führt |
| Nivolumab | Gelegentlich | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), Magenschleimhautentzündung (Gastritis) |
| Pembrolizumab | Gelegentlich | Entzündung der Bauchspeicheldrüse; Entzündung des Magens; Geschwür an der Schleimhaut des Magens oder des oberen Dünndarms |
| Ramipril | Gelegentlich | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), in Ausnahmefällen tödlich; erhöhte Werte der Bauchspeicheldrüsenenzyme im Blut |
| Semaglutid | Gelegentlich | Entzündete Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis), die dauerhafte, starke Schmerzen in Bauch und Rücken verursachen kann |
| Tacrolimus | Gelegentlich | Akute und chronische Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Tirzepatid | Gelegentlich | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis), die starke, nicht abklingende Bauch- und Rückenschmerzen verursachen kann |
| Topiramat | Gelegentlich | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Valproinsäure | Gelegentlich | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) mit Übelkeit, Erbrechen und starken, in den Rücken ausstrahlenden Oberbauchschmerzen; kann schwerwiegend sein, in seltenen Fällen wurden Schäden der Bauchspeicheldrüse… |
| Cefpodoxim | Selten | Akute Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) |
| Celecoxib | Selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), die zu Bauchschmerzen führen kann |
| Ciclosporin | Selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse mit starken Oberbauchschmerzen (Pankreatitis) |
| Clozapin | Selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) mit starken, brennenden Oberbauchschmerzen, die bis in den Rücken ausstrahlen, Übelkeit und Erbrechen |
| Doxycyclin | Selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Dulaglutid | Selten | Akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis), die schwere Bauch- und Rückenschmerzen verursachen kann, die nicht weggehen |
| Itraconazol | Selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) mit starken Schmerzen im Oberbauch, oft mit Übelkeit und Erbrechen |
| Levetiracetam | Selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Mirtazapin | Selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) mit Bauchschmerzen und Übelkeit |
| Olanzapin | Selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse mit schweren Magenschmerzen, Fieber und Übelkeit |
| Paliperidon | Selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse, geschwollene Zunge, Stuhlinkontinenz, sehr harter Stuhl, Darmverschluss, aufgesprungene Lippen |
| Prednison | Selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse mit starken Bauchschmerzen (Pankreatitis) |
| Pregabalin | Selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Quetiapin | Selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Ranolazin | Selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) oder des Darms (erosive Duodenitis), Taubheit an Mund oder Lippen (orale Hypästhesie) |
| Risperidon | Selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Rosuvastatin | Selten | Starke Bauchschmerzen durch eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Sertralin | Selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Simvastatin | Selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), oft in Verbindung mit starken Bauchschmerzen |
| Sulfasalazin | Selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), Entzündung der Mundschleimhaut (Stomatitis) |
| Venlafaxin | Selten | Starke Bauch- oder Rückenschmerzen als mögliches Zeichen ernster Darm-, Leber- oder Bauchspeicheldrüsenbeschwerden, etwa einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Xipamid | Selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse mit Blutung (hämorrhagische Pankreatitis) |
| Amlodipin | Sehr selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), die zu starken Bauch- und Rückenschmerzen mit ausgeprägtem Unwohlsein führen kann |
| Carbamazepin | Sehr selten | Schleimhautentzündungen im Mund-Rachen-Bereich (Stomatitis, Gingivitis, Glossitis) und Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Chlortalidon | Sehr selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Ciprofloxacin | Sehr selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Clopidogrel | Sehr selten | Starke Bauchschmerzen mit oder ohne Rückenschmerzen (laut Fachinformation Entzündung der Bauchspeicheldrüse, Pankreatitis) |
| Cotrimoxazol (Sulfamethoxazol/Trimethoprim) | Sehr selten | Zerfall von Lebergewebe (fokale oder diffuse Lebernekrose), Syndrom mit Schwund der Gallengänge, Anstieg bestimmter Blutwerte (Transaminasen, Bilirubin) und akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Diclofenac | Sehr selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Erythromycin | Sehr selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Fluvastatin | Sehr selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) mit starken Schmerzen im Oberbauch |
| Furosemid | Sehr selten | Akut auftretende Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Ibuprofen | Sehr selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Indapamid | Sehr selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), die starke Bauch- und Rückenschmerzen mit ausgeprägtem Unwohlsein verursachen kann |
| Isotretinoin | Sehr selten | Starke Bauchschmerzen im Oberbauch, mit oder ohne schweren blutigen Durchfall, Übelkeit und Erbrechen als mögliche Anzeichen ernsthafter Darmerkrankungen; laut Fachinformation entzündliche Darmerkrankung, Kolitis,… |
| Leflunomid | Sehr selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Lisinopril | Sehr selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse mit Übelkeit oder Erbrechen und starken Bauch- oder Rückenschmerzen |
| Metronidazol | Sehr selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) mit starken Schmerzen im Oberbauch, Übelkeit und Erbrechen |
| Nitrofurantoin | Sehr selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (laut Fachinformation infolge erneuter Anwendung) und Entzündung der Ohrspeicheldrüse (Parotitis) |
| Oxcarbazepin | Sehr selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) mit starken Oberbauchschmerzen, Übelkeit und Appetitverlust; laut Fachinformation auch Anstieg von Lipase oder Amylase |
| Piroxicam | Sehr selten | Entzündung der Speiseröhre (Ösophagitis) und der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Pravastatin | Sehr selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Rivastigmin | Sehr selten | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis); Anzeichen sind starke Schmerzen im Oberbauch, oft mit Übelkeit oder Erbrechen · Bei Exelon Hartkapseln beobachtet und möglicherweise auch beim Pflaster: Bluthochdruck;… |
| Tamoxifen | Sehr selten | Ausgeprägte Erhöhung bestimmter Blutfette (Hypertriglyzeridämie), gelegentlich mit Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Torasemid | Sehr selten | Bauchspeicheldrüsenentzündung (Pankreatitis) |
| Amiodaron | Nicht bekannt | Akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Amoxicillin/Clavulansäure | Nicht bekannt | Akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis); starke und anhaltende Schmerzen im Bauchraum können ein Anzeichen sein |
| Aripiprazol | Nicht bekannt | Entzündung der Bauchspeicheldrüse |
| Azithromycin | Nicht bekannt | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), die starke Bauch- und Rückenschmerzen verursachen kann |
| Carbimazol | Nicht bekannt | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis) |
| Clarithromycin | Nicht bekannt | Entzündung der Bauchspeicheldrüse, einhergehend mit starken Schmerzen in der Oberbauchregion, die in den Rücken ausstrahlen, begleitet von Übelkeit und Erbrechen (akute Pankreatitis) |
| Codein | Nicht bekannt | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) mit Beschwerden wie starken Schmerzen im Oberbauch, die in den Rücken ausstrahlen können, Übelkeit, Erbrechen oder Fieber |
| Dexamethason | Nicht bekannt | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Ezetimib | Nicht bekannt | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), oft mit starken Bauchschmerzen |
| Gabapentin | Nicht bekannt | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Levofloxacin | Nicht bekannt | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) mit Übelkeit, allgemeinem Unwohlsein, Beschwerden oder Schmerzen in der Magengegend oder Erbrechen |
| Levomethadon | Nicht bekannt | Akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Loperamid | Nicht bekannt | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis) mit Oberbauchschmerzen, in den Rücken ausstrahlenden Bauchschmerzen, Druckempfindlichkeit des Bauches, Fieber, schnellem Puls, Übelkeit und Erbrechen |
| Losartan | Nicht bekannt | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Memantin | Nicht bekannt | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Morphin | Nicht bekannt | Beschwerden im Zusammenhang mit einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) und des Gallengangsystems, wie starke Schmerzen im Oberbauch, die möglicherweise in den Rücken ausstrahlen, Übelkeit, Erbrechen… |
| Orlistat | Nicht bekannt | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) mit möglichen heftigen Schmerzen im Oberbauch, die manchmal in den Rücken ausstrahlen, eventuell mit Fieber, Übelkeit und Erbrechen |
| Prednisolon | Nicht bekannt | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Roxithromycin | Nicht bekannt | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) |
| Sitagliptin | Nicht bekannt | Akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis), auch tödlich oder nicht tödlich verlaufende hämorrhagische und nekrotisierende Pankreatitis; anhaltende starke Bauchschmerzen können das charakteristische Zeichen… |
| Terbinafin | Nicht bekannt | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) mit starken Schmerzen im Oberbauch, die in den Rücken ausstrahlen |
| Thiamazol | Nicht bekannt | Entzündung der Bauchspeicheldrüse (akute Pankreatitis) |
Die Tabelle umfasst nur Wirkstoffe, die auf dieser Website bereits mit geprüftem Datensatz beschrieben sind (87 von 358). Auch andere Arzneimittel können diese Beschwerde auslösen. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Was die Häufigkeitsklassen bedeuten, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen; erhöhte Enzymwerte behandelt die Seite Veränderte Laborwerte.
Woran Sie eine Bauchspeicheldrüsenentzündung durch ein Medikament erkennen
Fast immer führt eine akute Pankreatitis zu heftigen Schmerzen im Oberbauch. Sie können in den Rücken ausstrahlen und werden meistens von Übelkeit und Erbrechen begleitet; oft kommt es zu Fieber, Kreislaufproblemen und einem aufgeblähten Bauch [1]. Die Packungsbeilagen beschreiben die Warnzeichen ähnlich: Bei Sitagliptin sind es starke und anhaltende Schmerzen im Bereich des Oberbauches, die in den Rücken ausstrahlen können, mit oder ohne Übelkeit und Erbrechen; bei Semaglutid dauerhafte, starke Schmerzen in Bauch und Rücken [3, 7]. Anhaltende starke Bauchschmerzen können laut Fachinformation von Sitagliptin das charakteristische Symptom einer akuten Pankreatitis sein [7]. Bei Thiamazol nennt die Packungsbeilage Fieber oder Bauchschmerzen als mögliche Anzeichen [12]. Unter Valproinsäure können einer schweren Leber- oder Pankreasschädigung laut Fachinformation auch unspezifische Beschwerden vorausgehen, etwa Schwäche, Appetitlosigkeit, Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen oder häufigere Krampfanfälle [11].
Ob eine Pankreatitis vorliegt, stellen Ärztinnen und Ärzte fest. Laut Leitlinie kann die Diagnose gestellt werden, wenn mindestens 2 von 3 Kriterien erfüllt sind: typische Bauchschmerzen (akut beginnende, anhaltende Oberbauchschmerzen, oft gürtelförmig in den Rücken ausstrahlend), eine Erhöhung des Enzyms Lipase im Blut auf mindestens das Dreifache der oberen Norm und charakteristische Befunde in der Bildgebung [2]. Laut IQWiG fragt die Ärztin oder der Arzt nach Alkoholkonsum, der Einnahme von Medikamenten und Hinweisen auf Gallensteine; in der Regel werden auch Blut abgenommen und ein Ultraschall gemacht [1].
Erhöhte Enzymwerte sind noch keine Entzündung
Unter manchen Mitteln steigen die Enzyme der Bauchspeicheldrüse im Blut, ohne dass eine Entzündung vorliegt. In den Packungsbeilagen von Semaglutid und Tirzepatid ist eine Erhöhung von Pankreasenzymen wie Lipase und Amylase als häufig eingestuft (bis zu 1 von 10 Behandelten) [3, 6]. Fehlen andere Anzeichen und Symptome einer akuten Pankreatitis, sind erhöhte Enzymwerte allein laut den Fachinformationen von Dulaglutid und Tirzepatid kein Hinweis auf eine akute Pankreatitis [5, 6]. Die Leitlinie bezeichnet eine Erhöhung der Lipase auf mindestens das Dreifache der oberen Norm ohne Beschwerden und ohne Befund in der Bildgebung als asymptomatische Hyperlipasämie [2].
Zeitlicher Zusammenhang
Ein klarer Zeitraum zwischen der Einnahme eines Medikaments und dem Beginn einer Pankreatitis ist laut Leitlinie nicht definiert. Die Diagnose einer medikamentös ausgelösten Pankreatitis beruht meist auf dem Ausschluss anderer Ursachen; zwingend beweisen ließe sich der Zusammenhang nur durch eine erneute Gabe des Mittels, die ethisch jedoch oft nicht vertretbar ist [2]. Hinweise geben die Produktinformationen: Nach dem Absetzen von Sitagliptin wurde ein Abklingen der Pankreatitis beobachtet [7]. Bei Thiamazol kann eine erneute Einnahme zu einem Rückfall führen, bei dem die Beschwerden schneller auftreten [13].
Ob Ihr Medikament die Bauchspeicheldrüse betreffen kann, lesen Sie in der Packungsbeilage nach: in Abschnitt 2 bei den Warnhinweisen und in Abschnitt 4 bei den Nebenwirkungen [3, 7, 10]. Notieren Sie im Nebenwirkungs-Tagebuch, seit wann Sie welches Mittel einnehmen und wann welche Beschwerden auftreten. Einen Überblick über alle Mittel gibt der Medikationsplan.
Warum Medikamente eine Bauchspeicheldrüsenentzündung auslösen können
Die Bauchspeicheldrüse bildet einen Verdauungssaft, der normalerweise erst im Dünndarm wirkt. Bei einer Entzündung wird er schon in der Bauchspeicheldrüse aktiv, sodass sich die Drüse laut IQWiG "selbst verdaut" [1]. Die Leitlinie beschreibt die akute Pankreatitis als zunächst keimfreie (sterile) Entzündung, bei der Enzyme an der falschen Stelle aktiviert werden; das führt zu einer Entzündungsreaktion mit Schwellung (Ödem), Gefäßschäden und dem Untergang von Zellen [2].
Mehrere Faktoren können zusammenkommen: Die Ursache einer Pankreatitis ist laut Leitlinie nicht selten multifaktoriell [2]. Die Packungsbeilage von Sitagliptin nennt Gallensteine, Alkoholabhängigkeit und sehr hohe Blutfettwerte, insbesondere Triglyzeride, als Umstände, die das Risiko für eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse erhöhen können [7]. Etwa 10 Prozent der akuten Pankreatitiden gehen laut Leitlinie mit erhöhten Triglyceriden (Hypertriglyceridämie) einher; diskutiert werden eine dickflüssigere Blutbeschaffenheit mit örtlicher Minderdurchblutung oder eine direkte Giftwirkung freier Fettsäuren [2]. Mehr dazu: Erhöhte Blutfette. Auch Rauchen und ein Typ-2-Diabetes sind laut Leitlinie mit einem höheren Risiko verbunden [2].
Was Sie tun können

Nicht eigenmächtig absetzen. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Bei Valproinsäure warnt die Packungsbeilage ausdrücklich davor, die Behandlung eigenmächtig zu unterbrechen oder vorzeitig zu beenden, weil das neue epileptische Anfälle auslösen kann [10]. Was bei Warnzeichen einer Pankreatitis gilt, steht im nächsten Abschnitt. Mehr im Ratgeber Medikamente absetzen.
Eine frühere Pankreatitis ansprechen. Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt vor Beginn der Behandlung, wenn Sie eine Erkrankung der Bauchspeicheldrüse haben oder hatten; die Packungsbeilage von Sitagliptin nennt außerdem Gallensteine, Alkoholabhängigkeit und sehr hohe Blutfettwerte [7]. Auch bei Dulaglutid und Tirzepatid sollen Sie es laut Packungsbeilage ansprechen, wenn Sie jemals eine Pankreatitis hatten [5, 6]. Bei Semaglutid ist bei früherer Pankreatitis laut Fachinformation Vorsicht geboten; Tirzepatid wurde bei solchen Patientinnen und Patienten nicht untersucht [3, 6].
Nach einer bestätigten Pankreatitis. Bestätigt sich eine akute Pankreatitis, wird die Behandlung mit Semaglutid, Liraglutid, Dulaglutid, Tirzepatid oder Sitagliptin laut den Fachinformationen nicht wieder aufgenommen [3, 4, 5, 6, 7]. Bei Thiamazol und Carbimazol ist jede erneute Behandlung nach einer akuten Pankreatitis unter diesen Mitteln nicht mehr erlaubt [13, 14]. Welches Mittel stattdessen infrage kommt, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Kontrollen bei Valproinsäure. Vor Beginn der Behandlung sind laut Fachinformation eine ausführliche Befragung, unter anderem zu Stoffwechselstörungen, Lebererkrankungen und Pankreasschäden, eine körperliche Untersuchung und Laboruntersuchungen vorgesehen. Eltern behandelter Kinder müssen über die möglichen Zeichen einer Leber- oder Pankreasschädigung informiert werden [11]. Mehr unter Erhöhte Leberwerte.
Alkohol. Starker Alkoholkonsum ist laut IQWiG die zweithäufigste Ursache einer Pankreatitis; bei einer alkoholbedingten Pankreatitis ist es sinnvoll, den Alkoholkonsum deutlich zu verringern [1]. Laut Packungsbeilage von Sitagliptin kann eine Alkoholabhängigkeit das Risiko für eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse erhöhen [7]. Mehr im Ratgeber Medikamente und Alkohol.
Nebenwirkung melden. Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich an Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke; Sie können Nebenwirkungen auch direkt dem BfArM melden [10]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden. Was ein Rote-Hand-Brief ist, steht im Ratgeber Rote-Hand-Briefe und Rückrufe.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Eine akute Pankreatitis wird im Krankenhaus behandelt, weil sie bei einem schweren Verlauf lebensbedrohlich werden kann [1]. Die Schmerzen treten laut IQWiG plötzlich auf und sind so stark, dass die meisten Betroffenen sofort zur Ärztin oder zum Arzt gehen; in der Regel werden sie noch am gleichen Tag in ein Krankenhaus überwiesen [1]. Etwa 80 Prozent haben die Entzündung nach etwa einer Woche überstanden; bei ungefähr 20 Prozent treten ernsthafte Folgen auf, und insgesamt sterben etwa 3 bis 5 Prozent der Erkrankten an Komplikationen [1]. Erste Warnzeichen einer Ausbreitung der Entzündung auf den ganzen Körper können hohes Fieber, aber auch eine zu niedrige Körpertemperatur, Blutdruckabfall, ein erhöhter Puls und schnelle Atmung sein [1].
Was Sie bei Warnzeichen mit dem Medikament tun sollen, regeln die Packungsbeilagen unterschiedlich. Bei Semaglutid, Dulaglutid und Tirzepatid sollen Sie sofort einen Arzt oder eine Ärztin aufsuchen [3, 5, 6]. Bei Thiamazol sollen Sie bei Fieber oder Bauchschmerzen unverzüglich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt sprechen; das Mittel muss möglicherweise abgesetzt werden [12]. Bei Valproinsäure sollen Sie bei Beschwerden wie Übelkeit, wiederholtem Erbrechen oder Bauchschmerzen sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt aufsuchen, die Einnahme aber nicht ohne Rücksprache selbst abbrechen [10]. Holen Sie bei diesen Mitteln sofort ärztliche Hilfe. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Bei Sitagliptin und Liraglutid dagegen sollen Sie die Einnahme bzw. Behandlung beenden und sich sofort an eine Ärztin oder einen Arzt wenden [4, 7]. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe.
Akute und anhaltende stärkste Schmerzen, Bewusstlosigkeit oder erhebliche Bewusstseinstrübung und schwere Atemnot sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung Fälle für den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 [15].
Andere Ursachen
Nicht jede Pankreatitis unter einem Medikament kommt vom Medikament. Gallensteinleiden und Alkoholmissbrauch sind laut Leitlinie die häufigsten gesicherten Risikofaktoren und jeweils für 30 bis 50 Prozent der Fälle verantwortlich [2]. Bei etwa 15 Prozent der Patientinnen und Patienten lässt sich laut Leitlinie keine Ursache finden; das IQWiG spricht von bis zu 10 von 100 Menschen ohne eindeutige Ursache [1, 2].
- Gallensteine: Der Gang der Bauchspeicheldrüse mündet in den Zwölffingerdarm und vereinigt sich kurz vor dem Darm mit dem Gallengang. Verstopfen Gallensteine die gemeinsame Mündung, stauen sich Galle und Verdauungssaft; dieser Rückstau führt laut IQWiG wahrscheinlich zur Entzündung [1]. Nach einer durch Gallensteine verursachten Pankreatitis kommt es oft zu einem Rückfall; zur Vorbeugung wird empfohlen, die Gallenblase zu entfernen [1].
- Alkohol: Wie Alkohol eine Pankreatitis auslöst, ist laut IQWiG noch nicht genau geklärt; der Zusammenhang ist aber in vielen Studien beobachtet worden [1]. Mehr unter Alkoholabhängigkeit.
- Blutfette, Kalzium und Gallenwege: Verengungen im Gallengang sowie erhöhte Werte bestimmter Fette (Triglyceride) oder von Kalzium im Blut machen eine Pankreatitis laut IQWiG wahrscheinlicher [1]. Zu den weiteren Ursachen zählt die Leitlinie zum Beispiel einen erhöhten Kalziumspiegel bei einer Überfunktion der Nebenschilddrüsen, Bauchverletzungen und Tumoren der Bauchspeicheldrüse [2].
- Infektionen und Eingriffe: Auch Virusinfektionen können eine akute Pankreatitis auslösen [1]; die Leitlinie nennt unter anderem Mumps- und Hepatitisviren sowie bestimmte Bakterien [2]. Eine Spiegelung der Gallen- und Bauchspeicheldrüsengänge (ERCP) ist mit einem erhöhten Pankreatitis-Risiko verbunden; die Pankreatitis ist mit 3 bis 5 Prozent ihre häufigste Komplikation [2].
- Rauchen und Diabetes: Tabakrauchen geht laut Leitlinie mit einem höheren Risiko für eine nicht durch Gallensteine bedingte akute Pankreatitis einher, ein Typ-2-Diabetes mit einem höheren Risiko für eine akute Pankreatitis [2].
Ähnliche Beschwerden wie eine Pankreatitis können laut IQWiG auch eine entzündete Gallenblase, ein Herzinfarkt oder ein Magendurchbruch infolge eines Geschwürs verursachen [1]. Bauchschmerzen und Sodbrennen als Nebenwirkung behandelt die Seite Magenbeschwerden durch Medikamente.
Quellen
- Akute Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 01.10.2025. abgerufen am 12.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Pankreatitis, Version 2.0 (AWMF-Register-Nr. 021-003), Online-Fassung, Kapitel 3 Definition und Ätiologie der akuten Pankreatitis. Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Stand 09/2021. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Ozempic (Semaglutid), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Novo Nordisk A/S (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Saxenda (Liraglutid), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Novo Nordisk A/S (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2025. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Trulicity (Dulaglutid), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Eli Lilly Nederland B.V. (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 01/2026. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Mounjaro (Tirzepatid), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Eli Lilly Nederland B.V. (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 09/2026. abgerufen am 12.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Januvia (Sitagliptin), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Merck Sharp & Dohme B.V. (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Azathioprin STADA 25 mg/50 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Azathioprin STADA 25 mg/50 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Valproat-ratiopharm chrono 300 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Valproat-ratiopharm chrono 300 mg/500 mg Retardtabletten (Version 14). ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 12.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Thiamazol 5 mg Henning Filmtabletten. Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 10/2024. abgerufen am 12.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Thiamazol Henning (5 mg/20 mg Filmtabletten, 40 mg inject.). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 10/2025. abgerufen am 12.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu carbimazol- oder thiamazolhaltigen Arzneimitteln: Risiko einer akuten Pankreatitis und Verstärkung der Empfehlung zur Kontrazeption. Zulassungsinhaber carbimazol- und thiamazolhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit dem BfArM. Stand 06.02.2019. abgerufen am 12.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 12.10.2026
Häufige Fragen
Welche Medikamente können eine Bauchspeicheldrüsenentzündung auslösen?
Laut S3-Leitlinie Pankreatitis können zahlreiche Medikamente eine akute Pankreatitis auslösen. Die Produktinformationen nennen sie zum Beispiel bei GLP-1-Rezeptoragonisten wie Semaglutid, Liraglutid, Dulaglutid und dem verwandten Tirzepatid, beim DPP-4-Hemmer Sitagliptin, bei Azathioprin, Valproinsäure sowie Thiamazol und Carbimazol. Die Leitlinie führt außerdem unter anderem Enalapril, Furosemid, Hydrochlorothiazid, Simvastatin, Mesalazin, Metronidazol, Opiate und Steroide auf. Welche Wirkstoffe auf dieser Website betroffen sind, zeigt die Tabelle oben; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Können Abnehmspritzen eine Pankreatitis auslösen?
Unter GLP-1-Rezeptoragonisten wurde laut den Fachinformationen akute Pankreatitis beobachtet. Bei Liraglutid und Tirzepatid, die auch zur Gewichtsregulierung zugelassen sind, ist sie in der Packungsbeilage als gelegentlich eingestuft (bis zu 1 von 100 Behandelten). Bei starken, anhaltenden Bauchschmerzen unter einem solchen Mittel holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe.
Woran erkenne ich eine Bauchspeicheldrüsenentzündung?
Fast immer führt eine akute Pankreatitis laut IQWiG zu heftigen Schmerzen im Oberbauch, die in den Rücken ausstrahlen können und meistens von Übelkeit und Erbrechen begleitet werden; oft kommen Fieber, Kreislaufprobleme und ein aufgeblähter Bauch hinzu. Die Packungsbeilagen beschreiben als Warnzeichen starke und anhaltende Bauchschmerzen. Ob eine Pankreatitis vorliegt, klären Ärztinnen und Ärzte, unter anderem mit einer Blutuntersuchung auf das Enzym Lipase und einem Ultraschall.
Was bedeutet eine erhöhte Lipase unter einem Medikament?
Lipase ist ein Enzym der Bauchspeicheldrüse. Bei Semaglutid und Tirzepatid ist eine Erhöhung der Bauchspeicheldrüsenenzyme laut Packungsbeilage häufig (bis zu 1 von 10 Behandelten). Fehlen andere Anzeichen einer akuten Pankreatitis, sind erhöhte Enzymwerte allein laut den Fachinformationen von Dulaglutid und Tirzepatid kein Hinweis auf eine akute Pankreatitis. Wie ein Befund einzuordnen ist, klärt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Muss ich das Medikament bei starken Bauchschmerzen sofort absetzen?
Das regeln die Packungsbeilagen unterschiedlich. Bei Semaglutid, Dulaglutid und Tirzepatid sollen Sie sofort ärztliche Hilfe suchen; bei Valproinsäure sollen Sie sofort Ihre Ärztin oder Ihren Arzt aufsuchen, das Mittel aber nicht ohne Rücksprache selbst abbrechen. In diesen Fällen gilt: Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Bei Sitagliptin und Liraglutid dagegen sollen Sie bei Warnzeichen einer Pankreatitis die Anwendung beenden und sich sofort an eine Ärztin oder einen Arzt wenden. Holen Sie in jedem Fall sofort ärztliche Hilfe.
Darf ich das Medikament nach einer Pankreatitis wieder einnehmen?
Bestätigt sich eine akute Pankreatitis, wird die Behandlung mit Semaglutid, Liraglutid, Dulaglutid, Tirzepatid oder Sitagliptin laut Fachinformation nicht wieder aufgenommen. Bei Thiamazol und Carbimazol ist jede erneute Behandlung nach einer akuten Pankreatitis unter diesen Mitteln laut Rote-Hand-Brief vom 6. Februar 2019 nicht mehr erlaubt, weil die Entzündung dann schneller wiederkehren kann. Welches Mittel stattdessen infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.
Welche anderen Ursachen kann eine Bauchspeicheldrüsenentzündung haben?
Die häufigste Ursache sind laut IQWiG Gallensteine, die zweithäufigste starker Alkoholkonsum. Weitere Auslöser sind unter anderem Verengungen im Gallengang, erhöhte Triglyceride oder erhöhtes Kalzium im Blut, Virusinfektionen und Eingriffe an den Gallenwegen; laut Leitlinie sind auch Rauchen und ein Typ-2-Diabetes mit einem höheren Risiko verbunden. Bei bis zu 10 von 100 Betroffenen lässt sich keine eindeutige Ursache feststellen.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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