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Erythromycin: Nebenwirkungen und Wirkung

Erythromycin ist ein verschreibungspflichtiges Antibiotikum aus der Gruppe der Makrolide, unter anderem gegen Infektionen der Atemwege, Keuchhusten, Infektionen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich und schwere Akne. Häufig sind Magen-Darm-Beschwerden, meist leichter Natur, wie Übelkeit, Bauchschmerzen und Durchfall. Erythromycin kann das QT-Intervall im EKG verlängern und hemmt den Abbau vieler Arzneimittel. Bei ersten Anzeichen einer allergischen Reaktion (Überempfindlichkeitsreaktion) wird die Behandlung sofort abgebrochen.

Mutter in den Dreißigern sitzt in einer hellen Küche neben ihrer kleinen Tochter, die aus einem Glas Wasser trinkt
Bild: KI-generiert

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Häufig: Magen-Darm-Störungen, meist leichter Natur, in Form von Appetitlosigkeit (Anorexie), Brechreiz, Erbrechen, Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit, Krämpfen, weichen Stühlen oder Durchfall[1]

Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Wofür wird Erythromycin eingesetzt?

Erythromycin ist ein verschreibungspflichtiges Antibiotikum aus der Gruppe der Makrolide [1]. Laut Fachinformation von InfectoMycin wird es gegen Infektionen durch Erythromycin-empfindliche Bakterien eingesetzt, die sich mit Arzneimitteln zum Einnehmen behandeln lassen: Infektionen der tiefen Atemwege wie eine akute bakterielle Verschlechterung einer chronischen Bronchitis und Lungenentzündungen, insbesondere durch atypische Erreger wie Legionellen, Mykoplasmen und Chlamydien, außerdem Keuchhusten und seine Vorbeugung [1].

Im Hals-Nasen-Ohren-Bereich behandelt es akute bakterielle Mittelohrentzündungen und Nasennebenhöhlenentzündungen; bei Rachen- und Mandelentzündungen, bei der Wundrose (Erysipel) und bei Scharlach ist es eine Alternative, wenn eine Penicillinallergie besteht. Weitere Anwendungsgebiete sind schwere Formen der Akne, bestimmte Augeninfektionen durch Chlamydien (Einschlusskörperchen-Konjunktivitis und Trachom) und die Diphtherie, auch um Keimträger zu sanieren [1].

Bei einer außerhalb des Krankenhauses erworbenen Lungenentzündung ist Erythromycin laut Fachinformation wegen häufiger Resistenzen der Pneumokokken nicht die Therapie der ersten Wahl; bei einer im Krankenhaus erworbenen Lungenentzündung sollte es nur zusammen mit anderen Antibiotika verwendet werden [1]. Erythromycin kann laut Embryotox zum Einnehmen, als Infusion oder örtlich, etwa auf der Haut bei Akne, angewendet werden [2]. Mehr zum Umgang mit Antibiotika im Ratgeber Antibiotika richtig einnehmen.

Wie wirkt Erythromycin?

Erythromycin hemmt die Eiweißherstellung der Bakterien: Es bindet an die 50S-Untereinheit der bakteriellen Ribosomen, an denen Eiweiße gebildet werden. Dadurch wirkt es zumeist bakteriostatisch: Es hindert die Bakterien an der Vermehrung. Wie gut es wirkt, hängt vor allem davon ab, wie lange der Wirkstoffspiegel oberhalb der Konzentration liegt, die den Erreger hemmt [1].

Erythromycin und seine Salze werden aus dem Darm nur unvollständig aufgenommen, etwa 25 bis 50 % einer eingenommenen Dosis; ein Teil wird durch die Magensäure zerstört. Erythromycin-Estolat, der Wirkstoff von InfectoMycin, wird am besten aufgenommen und im Körper in das wirksame Erythromycin umgewandelt. Die höchsten Blutspiegel werden je nach Darreichungsform und Nahrung nach 1 bis 5 Stunden erreicht, die Halbwertszeit im Blut beträgt etwa 1 bis 2 Stunden. Ausgeschieden wird Erythromycin überwiegend über die Galle [1].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Die Liste nennt alle Nebenwirkungen mit Häufigkeitsangabe aus der Fachinformation von InfectoMycin; die Angaben beruhen auf Studien, Einzelfallberichten und der Literatur. "Häufig" heißt: bis zu 1 von 10 Behandelten, "gelegentlich" bis zu 1 von 100, "selten" bis zu 1 von 1.000 und "sehr selten" bis zu 1 von 10.000; bei "nicht bekannt" lässt sich die Häufigkeit aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen [1]. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Eine Verlängerung des QT-Intervalls mit dem Risiko von Herzrhythmusstörungen wurde bei Menschen beobachtet, die mit Makroliden einschließlich Erythromycin behandelt wurden; es wurden Todesfälle gemeldet. Einige Beobachtungsstudien fanden ein seltenes, kurzfristiges Risiko für Herzrhythmusstörungen, Herzinfarkt und Tod aus Herz-Kreislauf-Ursachen im Zusammenhang mit Makroliden; die Ergebnisse epidemiologischer Studien sind uneinheitlich [1]. Mehr dazu auf der Seite QT-Verlängerung.

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

Seltenkann bis zu 1 von 1.000 Behandelten betreffen

Sehr seltenkann bis zu 1 von 10.000 Behandelten betreffen

  • ImmunsystemSchwere allergische Reaktion (anaphylaktische Reaktion) einschließlich anaphylaktischem Schock[1]Mehr dazu: Allergische Reaktionen
  • NervensystemSichtbarwerden einer bis dahin unerkannten Myasthenia gravis (Demaskierung) oder Verschlimmerung einer Myasthenia gravis[1]Mehr dazu: Muskelschwäche
  • Ohr und GleichgewichtOhrgeräusche (Tinnitus) und meist vorübergehende Hörverluste bzw. Taubheit; sie hängen von der Konzentration ab und treten eher bei stark eingeschränkter Nieren- und/oder Leberfunktion, bei hoher Dosierung oder Überdosierung auf[1]Mehr dazu: Ohrgeräusche
  • Magen und DarmKrampfartige Verengung des Magenausgangs bei Kindern (spastisch-hypertrophische Pylorusstenose)[1]
  • Magen und DarmEntzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis)[1]Mehr dazu: Bauchspeicheldrüsenentzündung
  • Magen und DarmVerfärbung der Zähne, die sich durch intensive Reinigung wieder entfernen lässt[1]Mehr dazu: Zahnschäden
  • Leber und GalleLeberentzündung (Hepatitis), Lebervergrößerung (Hepatomegalie) und Leberversagen[1]Mehr dazu: Leberschäden und erhöhte Leberwerte
  • HautSchwere Hautreaktionen (Erythema exsudativum multiforme, Stevens-Johnson-Syndrom oder toxisch-epidermale Nekrolyse), vor allem bei Kindern aller Altersstufen[1]Mehr dazu: Schwere HautreaktionenHautausschlag
  • Nieren und HarnwegeEntzündung des Nierengewebes (interstitielle Nephritis)[1]Mehr dazu: Nierenfunktionsstörungen

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

  • NervensystemVorübergehende Störungen des zentralen Nervensystems wie Verwirrtheitszustände, Krampfanfälle, Halluzinationen, Kopfschmerzen, Schläfrigkeit und Schwindelgefühl[1]Mehr dazu: VerwirrtheitKrampfanfällePsychose und HalluzinationenKopfschmerzenMüdigkeitSchwindel
  • AugenSehstörungen einschließlich Doppeltsehen (Diplopie) und verschwommenem Sehen[1]Mehr dazu: Sehstörungen
  • HerzVerlängerung des QT-Intervalls im EKG, Herzrhythmusstörungen der Herzkammern (ventrikuläre Arrhythmien wie Torsade de pointes, ventrikuläre Tachykardien), insbesondere bei bereits verlängertem QT-Intervall oder gleichzeitiger Gabe von Mitteln, die den Herzrhythmus oder das QT-Intervall beeinflussen; Herzstillstand, Kammerflimmern[1]Mehr dazu: HerzrhythmusstörungenHerzrasen
  • AtemwegeAtemnot (Dyspnoe), auch asthmatische Zustände[1]Mehr dazu: Atemnot
  • Magen und DarmDurch Antibiotika ausgelöste Darmentzündung (pseudomembranöse Kolitis)[1]
  • HautAkute generalisierte exanthematische Pustulose (AGEP), eine schwere Hautreaktion mit Pusteln[1]Mehr dazu: Schwere HautreaktionenHautausschlag

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Schwere, lebensbedrohliche allergische Reaktionen sind möglich, darunter schwere Hautreaktionen, die laut Fachinformation besonders Kinder aller Altersstufen betreffen; nach dem Absetzen einer Behandlung der Beschwerden können allergische Symptome wiederkehren [1]. Eine Gelbsucht durch Gallestau kann schon bei der ersten Anwendung auftreten; das Risiko steigt bei wiederholter Anwendung und bei einer Behandlung über mehr als 10 Tage [1]. Telefonnummern für den Notfall finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Mann in den Dreißigern ruht mit einer leichten Decke auf dem Sofa, auf dem Couchtisch ein Glas Wasser und eine Schale Suppe
Bild: KI-generiert

Magen und Darm: Magen-Darm-Störungen, meist leichter Natur, gehören zu den häufigen Nebenwirkungen [1]. Der Saft kann zu den Mahlzeiten oder unabhängig davon eingenommen werden, die Tagesdosis lässt sich auf eine Gabe morgens und eine abends verteilen [1]. Erbrechen und Durchfall können die Wirkung dieses und anderer Arzneimittel, etwa der "Pille", beeinträchtigen [1]. Hintergründe stehen auf der Seite Durchfall durch Medikamente und im Ratgeber Pille und Antibiotika.

Herz: Treten Herzklopfen, Schwindel oder Ohnmachtsanfälle auf, kann das ein Zeichen von Herzrhythmusstörungen sein; dann ist umgehend eine Untersuchung mit EKG nötig [1]. Bei Risiken für gestörte Blutsalze, etwa durch Entwässerungs- oder Abführmittel, Erbrechen oder Durchfall, werden laut Fachinformation Laborwerte kontrolliert [1].

Säuglinge: Erbricht ein Säugling beim Füttern oder ist er reizbar, müssen sich die Eltern laut Fachinformation an die Ärztin oder den Arzt wenden; nach Erythromycin in der frühesten Kindheit deuten Studien auf ein erhöhtes Risiko einer Verengung des Magenausgangs hin [1]. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente bei Kindern.

Zähne: Der Saft enthält Zucker und kann den Zähnen schaden; sehr selten verfärben sich Zähne, was sich durch intensive Reinigung wieder entfernen lässt [1]. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.

Wechselwirkungen

Erythromycin blockiert ein Enzymsystem der Leber (Cytochrom P450, insbesondere CYP3A), über das viele Arzneimittel abgebaut werden. Dadurch verstärken sich Wirkung und Nebenwirkungen dieser Mittel [1]. Nicht zusammen eingenommen werden dürfen unter anderem Ergotamin und Dihydroergotamin, Simvastatin, Lovastatin und Atorvastatin, Lomitapid sowie zahlreiche Mittel, die das QT-Intervall verlängern [1]. Bei vielen weiteren Wirkstoffen, etwa Carbamazepin, Ciclosporin, Digoxin, Phenytoin, Tacrolimus, Theophyllin, Valproinsäure oder Blutverdünnern wie Warfarin und Rivaroxaban, können Blutspiegel-Kontrollen und Dosisanpassungen nötig sein [1].

Meiden Sie während der Behandlung grapefruithaltige Speisen und Getränke, weil Grapefruit den Erythromycin-Spiegel erhöhen kann [1]. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente und Grapefruit. Bei Untersuchungen des Urins auf Katecholamine sagen Sie Bescheid, dass Sie Erythromycin einnehmen, denn es kann das Ergebnis verfälschen [1].

Wechselwirkungen von Erythromycin
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Arzneimittel, die das QT-Intervall signifikant verlängern (siehe Gegenanzeigen), z. B. Antiarrhythmika der Klassen Ia und III, Neuroleptika wie Pimozid oder Haloperidol, tri- und tetrazyklische Antidepressiva, bestimmte Fluorchinolone, Imidazol-Antimykotika, Malariamittel, Antihistaminika wie Terfenadin, Ebastin, Diphenhydramin oder Dimenhydrinat, Methadon, Budipin, Cisaprid, Diltiazem, Donepezil, ArsentrioxidStörungen der Erregungsleitung und schwere Herzrhythmusstörungen wie Torsade de pointes und Herzstillstand, Tod[1]Nicht zusammen einnehmen
Ergotamin-PräparateHöheres Risiko von Gefäßkrämpfen und Durchblutungsstörungen in Armen und Beinen, anderen Geweben und im Nervensystem[1]Nicht zusammen einnehmen
Statine: Lovastatin, Simvastatin, Atorvastatin; andere StatineHöhere Statin-Spiegel, seltene Meldungen über Muskelzerfall (Rhabdomyolyse); bei anderen Statinen können Nebenwirkungen, insbesondere Muskelerkrankungen, verstärkt werden[1]Lovastatin, Simvastatin und Atorvastatin nicht zusammen einnehmen; bei anderen Statinen auf Muskelbeschwerden achten
LomitapidStark erhöhte Leberwerte (Transaminasen)[1]Nicht zusammen anwenden
Alfentanil, Alprazolam, Bromocriptin, Carbamazepin, Chinidin, Ciclosporin, Cilostazol, Clozapin, Colchicin, Cumarinderivate (z. B. Warfarin), Digoxin, Disopyramid, Felodipin, Fentanyl, Methylprednisolon, Midazolam, Paclitaxel, Phenytoin, Rifabutin, Rivaroxaban, Sildenafil, Sirolimus, Tacrolimus, Tadalafil, Triazolam, Valproinsäure, Vardenafil, Verapamil, Vinblastin, ZopiclonStärkere Wirkung oder giftige Effekte dieser Mittel, weil sie langsamer ausgeschieden werden; die Wechselwirkungen beruhen hauptsächlich auf einem gehemmten Abbau in der Leber, häufig über CYP3A[1]Ärztin oder Arzt informieren; gegebenenfalls Blutspiegel kontrollieren und Dosis anpassen, insbesondere bei Carbamazepin, Clozapin, Phenytoin oder Valproinsäure
Orale Gerinnungshemmer (z. B. Warfarin, Rivaroxaban)Es gibt Berichte über eine verstärkte gerinnungshemmende Wirkung[1]Ärztin oder Arzt informieren
TheophyllinStärkere Wirkung bzw. giftige Effekte von Theophyllin; der Erythromycin-Spiegel kann zu niedrig werden[1]Gegebenenfalls Theophyllin-Spiegel kontrollieren und Dosis anpassen
Hydroxychloroquin und ChloroquinBeide verlängern das QT-Intervall; Herzrhythmusstörungen und schwere Herz-Kreislauf-Nebenwirkungen möglich[1]Nur mit Vorsicht kombinieren
Kortikosteroide zum Einnehmen, Spritzen oder Inhalieren, die über CYP3A abgebaut werdenMehr Kortikosteroid im Körper[1]Engmaschige Überwachung auf Nebenwirkungen des Kortikosteroids
Cimetidin, Protease-Inhibitoren (z. B. Ritonavir), OmeprazolMehr Erythromycin im Körper und größeres Risiko für Nebenwirkungen; bei Omeprazol auch verstärkte Wirkung von Omeprazol[1]Ärztin oder Arzt informieren
Hormonelle Verhütungsmittel ("Pille")Bei Erbrechen oder Durchfall kann die empfängnisverhütende Wirkung unsicher sein[1]Ärztin, Arzt oder Apotheke fragen
GrapefruitGrapefruit kann den Erythromycin-Spiegel im Blut erhöhen[1]Grapefruithaltige Speisen und Getränke meiden; den Saft nicht mit Grapefruitsaft zubereiten

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Erythromycin nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Trifft einer der Punkte unten auf Sie zu oder sind Sie unsicher, sprechen Sie vor der Behandlung mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke [1]. Eine länger dauernde Behandlung oder Wiederholungsbehandlungen sollten laut Fachinformation nur nach strenger Indikationsstellung und unter fortlaufender Überwachung erfolgen [1].

Nicht einnehmen bei

  • Überempfindlichkeit gegen Erythromycin, andere Makrolid-Antibiotika oder verwandte Stoffe wie Ketolide, den Farbstoff Ponceau 4R (E 124), Methyl- oder Propyl-4-hydroxybenzoat oder einen der sonstigen Bestandteile[1]
  • Schwere Einschränkung der Leberfunktion (schwere Leberinsuffizienz)[1]
  • Schwere dekompensierte Herzschwäche (Herzinsuffizienz NYHA IV)[1]
  • Gleichzeitige Einnahme von Ergotamin oder Dihydroergotamin[1]
  • Gleichzeitige Einnahme bestimmter Antihistaminika (Terfenadin, Ebastin, Diphenhydramin, Astemizol) oder von Domperidon oder Cisaprid, weil QT-Verlängerungen und unter Umständen lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen (Torsade de pointes) auftreten können[1]
  • Gleichzeitige Einnahme anderer Arzneimittel, die das QT-Intervall verlängern können, z. B. Antiarrhythmika der Klassen Ia und III, bestimmte Neuroleptika (z. B. Pimozid, Haloperidol), tri- und tetrazyklische Antidepressiva, Arsentrioxid, Methadon, Budipin, Diltiazem, Donepezil, bestimmte Fluorchinolone, Imidazol-Antimykotika und Malariamittel sowie Pentamidin oder Erythromycin als Infusion[1]
  • Gleichzeitige Einnahme von Simvastatin, Lovastatin oder Atorvastatin; die Behandlung mit diesen Mitteln muss während der Erythromycin-Einnahme unterbrochen werden[1]
  • Gleichzeitige Anwendung von Lomitapid[1]
  • Bestehende angeborene oder erworbene QT-Verlängerung oder Herzrhythmusstörungen der Herzkammern einschließlich Torsade de pointes sowie Störungen der Blutsalze (niedriger Kalium- oder Magnesiumspiegel): Erythromycin sollte dann nicht angewendet werden[1]

Besondere Vorsicht bei

  • Koronare Herzkrankheit, schwere Herzschwäche, Reizleitungsstörungen des Herzens oder klinisch bedeutsamer langsamer Herzschlag; ältere Menschen können empfindlicher auf Wirkungen am QT-Intervall reagieren[1]
  • Risiko für Störungen der Blutsalze, etwa durch Entwässerungs- oder Abführmittel, Erbrechen, Durchfall, Nierenerkrankungen oder Magersucht: Laborkontrollen und gegebenenfalls Ausgleich der Blutsalze[1]
  • Myasthenia gravis: Sie kann sich verschlimmern[1]
  • Eingeschränkte Leberfunktion: nur nach strenger Nutzen-Risiko-Abwägung[1]
  • Längere Behandlung: Das Risiko einer Gelbsucht durch Gallestau steigt bei wiederholter Anwendung und bei mehr als 10 Tagen Behandlung; bei mehr als 3 Wochen wird eine regelmäßige Kontrolle von Blutbild, Leber- und Nierenwerten empfohlen[1]
  • Säuglinge und Kleinkinder: Der empfohlene Dosisbereich sollte genau eingehalten werden, damit keine Leberschädigung durch Überdosierung entsteht; nach Erythromycin in der frühesten Kindheit deuten Studien auf ein 2- bis 3-fach erhöhtes Risiko einer Verengung des Magenausgangs (infantile hypertrophe Pylorusstenose) hin, am höchsten in den ersten 14 Lebenstagen[1]
  • Bekannte Überempfindlichkeit gegen andere Makrolide oder Ketolide: Eine Kreuzallergie ist möglich[1]
  • Erbrechen oder Durchfall: Die Wirksamkeit dieses und anderer gleichzeitig eingenommener Arzneimittel, etwa der "Pille", kann beeinträchtigt sein[1]
  • Saft enthält Saccharose (Zucker, ca. 1,4 g je 5 ml): bei Diabetes berücksichtigen; bei Fructose-Intoleranz, Glucose-Galactose-Malabsorption oder Saccharase-Isomaltase-Mangel nicht einnehmen; kann den Zähnen schaden (Karies)[1]
  • Der Farbstoff Ponceau 4R und die Konservierungsmittel Methyl- und Propyl-4-hydroxybenzoat können allergische Reaktionen bzw. Überempfindlichkeitsreaktionen, auch Spätreaktionen, hervorrufen[1]
  • Urinuntersuchung auf Katecholamine: Erythromycin kann das Ergebnis verfälschen[1]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Die Karten fassen zusammen, was die Fachinformation und das Beratungszentrum Embryotox der Charité zu Alltag, Schwangerschaft und Stillzeit sagen [1, 2]. Zu Alkohol enthält die Fachinformation keinen Hinweis [1]. Fachinformation und Embryotox gewichten Schwangerschaft und Stillzeit unterschiedlich; Embryotox rät in der Schwangerschaft wegen möglicher Leberschäden bei der Mutter, andere Erythromycin-Salze dem Estolat (dem Wirkstoff von InfectoMycin) vorzuziehen [1, 2]. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Schwangerschaft

Laut Fachinformation sollte Erythromycin in der Schwangerschaft nur bei klarer Notwendigkeit angewendet werden. Die Studien zu Fehlbildungen unter Makroliden liefern widersprüchliche Ergebnisse; in einigen Beobachtungsstudien wurden Herz-Kreislauf-Fehlbildungen nach Anwendung in der frühen Schwangerschaft berichtet. Die Einnahme von Makroliden innerhalb von 10 Wochen vor der Entbindung kann mit einem höheren Risiko für eine Verengung des Magenausgangs beim Säugling verbunden sein.[1]

Laut Embryotox ist Erythromycin mit mehr als 13.600 im ersten Schwangerschaftsdrittel dokumentierten Schwangerschaften das am besten untersuchte Makrolid; ein substanzielles Fehlbildungsrisiko erscheint unwahrscheinlich, ein eventuell leicht erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Fehlbildungen lässt sich nicht sicher ausschließen. Bei entsprechender Indikation kann es laut Embryotox in allen Phasen eingesetzt werden; wegen möglicher Leberschäden bei der Mutter durch Erythromycin-Estolat sollten laut Embryotox andere Erythromycin-Salze bevorzugt werden. Als besser geeignete Alternativen nennt Embryotox Penicilline und Cephalosporine. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[2]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Erythromycin geht laut Fachinformation zu etwa 50 % in die Muttermilch über und kann beim Säugling Magen-Darm-Störungen und möglicherweise eine Verengung des Magenausgangs verursachen; auch eine Sensibilisierung oder ein Befall mit Sprosspilzen ist möglich. Vor einer Anwendung in der Stillzeit müssen Nutzen und Risiko sorgfältig abgewogen werden.[1]

Laut Embryotox kann Erythromycin in der Stillzeit indikationsgerecht eingesetzt werden; die meisten gestillten Kinder haben keine Beschwerden, gelegentlich kommt es zu vorübergehendem Durchfall oder Soor. Ein mögliches Risiko für eine Verengung des Magenausgangs wäre im Einzelfall gering und auf die ersten Lebenswochen beschränkt.[2]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Autofahren und Maschinen

Erythromycin hat nach bisherigen Erfahrungen einen vernachlässigbaren Einfluss auf Konzentration und Reaktion; auftretende Nebenwirkungen können die Verkehrstüchtigkeit und das Bedienen von Maschinen aber beeinträchtigen.[1]

Einnahme

Der Saft kann zu den Mahlzeiten oder unabhängig davon eingenommen werden; die Tagesdosis kann auf zwei Gaben, morgens und abends, verteilt werden. Zum Abmessen liegt eine Dosierspritze mit 5 ml und einer Einteilung in 0,25-ml-Schritten bei.[1]

Zubereitung: Pulver vor dem Öffnen kurz aufschütteln, die Flasche bis zur Markierung mit frischem, kühlem Leitungswasser füllen und kräftig schütteln, nach dem Absetzen nochmals bis zur Markierung auffüllen und schütteln. Nur mit Wasser, nicht mit anderen Flüssigkeiten wie Grapefruitsaft mischen. Vor jeder Entnahme kräftig schütteln. Die fertige Suspension im Kühlschrank (2 bis 8 °C) aufbewahren; sie ist 14 Tage haltbar, Reste sind zu verwerfen.[1]

Absetzen

Auch nach dem Abklingen der Beschwerden sollte Erythromycin noch 2 bis 3 Tage länger eingenommen werden, um den Behandlungserfolg zu sichern; bei Infektionen mit Streptococcus pyogenes ist eine Behandlungsdauer von mindestens 10 Tagen angezeigt, um Spätfolgen wie rheumatischem Fieber vorzubeugen.[1]

Überdosierung

Bei einer geringen Überdosierung ist kaum mit Vergiftungserscheinungen zu rechnen. Möglich sind Magen-Darm-Störungen wie Übelkeit, Erbrechen, Bauchschmerzen, Blähungen, weiche Stühle oder Durchfall sowie Hörverluste und Ohrgeräusche. Ein spezifisches Gegenmittel ist nicht bekannt; Erythromycin lässt sich nicht durch Dialyse entfernen.[1]

Dosierung laut Fachinformation

Die Übersicht gibt die Angaben der Fachinformation von InfectoMycin wieder, für den Saft nach Körpergewicht und Stärke [1]. Sie ersetzt nicht die Verordnung: Welche Dosis und Dauer für Sie oder Ihr Kind richtig sind, legt die Ärztin oder der Arzt fest. Für Erythromycin-Tabletten und andere Darreichungsformen gelten eigene Angaben.

Einnahme und Absetzen

Den Saft bereiten Sie mit frischem, kühlem Leitungswasser zu und schütteln ihn vor jeder Entnahme kräftig; abgemessen wird mit der beiliegenden Dosierspritze. Der fertige Saft gehört in den Kühlschrank und ist 14 Tage haltbar [1]. Mischen Sie das Pulver nur mit Wasser, nicht mit anderen Flüssigkeiten wie Grapefruitsaft [1].

Normalerweise reicht eine Behandlung über 7 bis 8 Tage; auch nach dem Abklingen der Beschwerden wird Erythromycin noch 2 bis 3 Tage länger eingenommen, bei Infektionen mit bestimmten Streptokokken (Streptococcus pyogenes) mindestens 10 Tage, um Spätfolgen wie rheumatischem Fieber vorzubeugen [1]. Bei einer geringen Überdosierung ist kaum mit Vergiftungserscheinungen zu rechnen; möglich sind Magen-Darm-Beschwerden, Hörverluste und Ohrgeräusche [1].

Präparate mit Erythromycin

Erythromycin kann laut Embryotox eingenommen, in die Vene gegeben oder örtlich angewendet werden [2]. Grundlage dieser Seite ist die Fachinformation von InfectoMycin Saft mit Erythromycin-Estolat [1]. Für andere Salze und Darreichungsformen, etwa Tabletten, gelten eigene Packungsbeilagen. Weitere Makrolide sind Roxithromycin, Azithromycin und Clarithromycin [1].

Präparate mit Erythromycin
PräparatAnbieterHinweis
InfectoMycinINFECTOPHARM Arzneimittel und Consilium GmbHverschreibungspflichtig; Saft (Pulver zur Herstellung einer Suspension) mit 200, 400 oder 600 mg Erythromycin je 5 ml; Grundlage dieser Seite
ErythrocinAmdipharm Limitedverschreibungspflichtig; Filmtabletten und Pulver zur Herstellung einer Infusionslösung

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Fachinformation Fachinformation InfectoMycin 200 Saft / 400 Saft / 600 Saft (Erythromycin als Estolat). INFECTOPHARM Arzneimittel und Consilium GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 11.10.2026
  2. Embryotox Embryotox: Erythromycin. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 11.10.2026

Häufige Fragen

Wofür wird Erythromycin eingesetzt?

Laut Fachinformation von InfectoMycin wird Erythromycin bei bakteriellen Infektionen eingesetzt: bei einer akuten Verschlechterung einer chronischen Bronchitis und bei Lungenentzündungen, insbesondere durch atypische Erreger, bei Keuchhusten und zu seiner Vorbeugung, bei akuter Mittelohr- und Nasennebenhöhlenentzündung, bei schweren Formen der Akne und bei Diphtherie. Bei Rachen- und Mandelentzündung, Wundrose und Scharlach ist es eine Alternative, wenn eine Penicillinallergie besteht.

Warum ist Erythromycin mit vielen Medikamenten nicht verträglich?

Erythromycin blockiert ein Enzymsystem der Leber (Cytochrom P450, insbesondere CYP3A), das viele andere Arzneimittel abbaut. Dadurch können deren Wirkung und Nebenwirkungen zunehmen. Außerdem kann Erythromycin das QT-Intervall im EKG verlängern; zusammen mit anderen Mitteln, die das ebenfalls tun, können schwere Herzrhythmusstörungen auftreten. Nennen Sie deshalb vor der Behandlung alle Arzneimittel, die Sie einnehmen.

Darf ich während der Behandlung Grapefruitsaft trinken?

Nein. Laut Fachinformation sollten während der Anwendung grapefruithaltige Speisen und Getränke gemieden werden, weil Grapefruit den Erythromycin-Spiegel im Blut erhöhen kann. Der Saft darf auch nicht mit Grapefruitsaft zubereitet werden, sondern nur mit Wasser.

Ist Erythromycin für Säuglinge geeignet?

InfectoMycin 200 Saft enthält Dosierungen ab dem Säuglingsalter. Bei Säuglingen und Kleinkindern sollte der empfohlene Dosisbereich laut Fachinformation genau eingehalten werden, damit keine Leberschädigung durch Überdosierung entsteht. Nach Erythromycin in der frühesten Kindheit deuten Studien auf ein erhöhtes Risiko einer Verengung des Magenausgangs (Pylorusstenose) hin. Erbricht Ihr Baby beim Füttern oder ist es reizbar, wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt.

Darf ich Erythromycin in der Schwangerschaft nehmen?

Laut Fachinformation sollte Erythromycin in der Schwangerschaft nur bei klarer Notwendigkeit angewendet werden. Embryotox bezeichnet es als das am besten untersuchte Makrolid und hält es bei entsprechender Indikation in allen Phasen der Schwangerschaft für einsetzbar. Wegen möglicher Leberschäden bei der Mutter sollten laut Embryotox andere Erythromycin-Salze dem Erythromycin-Estolat, dem Wirkstoff von InfectoMycin, vorgezogen werden. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Darf ich Alkohol trinken, wenn ich Erythromycin einnehme?

Die Fachinformation von InfectoMycin enthält keinen Hinweis zu Alkohol. Ob Alkohol während Ihrer Behandlung infrage kommt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke.

Wie hoch ist die Dosis von Erythromycin?

Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest; sie richtet sich nach der Empfindlichkeit der Erreger, der Schwere der Erkrankung und beim Saft nach dem Körpergewicht. Die Angaben der Fachinformation finden Sie weiter oben im Abschnitt "Dosierung laut Fachinformation".

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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