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Lungenentzündung
Eine Lungenentzündung (Pneumonie) ist eine Entzündung der Lungenbläschen und des umliegenden Lungengewebes, oft durch Bakterien, auch durch Viren und seltener durch Pilze. Ist sie bakteriell, wird sie laut IQWiG in der Regel mit Antibiotika behandelt, etwa 5 bis 7 Tage lang. Bei einer leichten Lungenentzündung ohne definierte Begleiterkrankungen sollen Betroffene laut S3-Leitlinie von 2021, deren Gültigkeit abgelaufen ist, ein hochdosiertes Aminopenicillin wie Amoxicillin erhalten (starke Empfehlung, Evidenz B). Schwere Atemnot und eine erhebliche Bewusstseinstrübung sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Fälle für den Notruf 112.

Eine Lungenentzündung (Pneumonie) macht sich laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) häufig durch ein starkes Krankheitsgefühl mit plötzlich hohem Fieber, Schüttelfrost, Husten und Atemnot bemerkbar. Ist sie durch Bakterien verursacht, lässt sie sich in der Regel gut mit Antibiotika behandeln [1]. Die Auswahl richtet die S3-Leitlinie zur ambulant erworbenen Pneumonie von 2021 nach Schweregrad und Begleiterkrankungen aus; ihre Gültigkeit ist abgelaufen, sie wird überarbeitet [1, 6, 7]. Warnzeichen stehen im Abschnitt Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen.
Was ist eine Lungenentzündung?
Bei einer Lungenentzündung sind laut IQWiG die Lungenbläschen (Alveolen) und das umliegende Lungengewebe entzündet [1]. Wer zu Hause erkrankt, hat eine ambulant erworbene Lungenentzündung, auch wenn später ein Krankenhausaufenthalt nötig wird. Macht sie sich frühestens 2 Tage nach der Aufnahme ins Krankenhaus bemerkbar oder tritt sie innerhalb von 3 Monaten nach einem Krankenhausaufenthalt auf, gilt sie als im Krankenhaus erworben (nosokomial); dann sind meist andere Antibiotika nötig [2]. In Deutschland erkranken laut IQWiG jährlich mehr als 500.000 Menschen an einer Lungenentzündung, etwa 250.000 werden im Krankenhaus behandelt, über 20.000 sterben daran [1].
Schweregrade: Als leicht gilt eine ambulant erworbene Lungenentzündung laut IQWiG, wenn die erkrankte Person jünger als 65 Jahre und klar bei Bewusstsein ist, normalen Blutdruck und Puls hat, weniger als 30 Atemzüge pro Minute macht, genug Sauerstoff im Blut hat, in den letzten drei Monaten weder Antibiotika eingenommen noch im Krankenhaus gelegen hat und keine schweren Begleiterkrankungen hat. Dann kann sie zu Hause mit einem Antibiotikum in Tablettenform behandelt werden. Merkmale einer mittelschweren Lungenentzündung sind unter anderem Bewusstseinsstörungen, niedriger Blutdruck, zunehmende Atemnot oder Risikofaktoren wie höheres Alter und Begleiterkrankungen; sie wird im Krankenhaus behandelt. Schwer ist sie, wenn Herz, Nieren oder Kreislauf zu versagen drohen oder die Lunge nicht mehr genügend Sauerstoff aufnehmen kann [2].
Symptome und Verlauf
Typische Anzeichen einer Lungenentzündung sind laut IQWiG [1]:
- hohes Fieber und Schüttelfrost,
- Schwäche und starkes Krankheitsgefühl,
- Husten mit Auswurf,
- Atemnot und schnelle Atmung,
- schneller Puls.
Nicht immer treten alle Beschwerden gleichzeitig auf. Vor allem bei Kindern und älteren Menschen können manche fehlen, oder es stehen untypische Beschwerden wie Durchfall, Bauchschmerzen oder Bewusstseinsstörungen im Vordergrund [1], bei älteren Menschen zum Beispiel eine zunehmende Verwirrtheit [4]. Eine atypische Lungenentzündung wird laut IQWiG von sogenannten atypischen Erregern verursacht. Vor allem bei älteren Menschen beginnt sie eher langsam mit leichtem Fieber und/oder Kopf- und Gliederschmerzen, statt Husten mit Auswurf tritt eher ein trockener Reizhusten auf. Das bedeutet nicht, dass die Lunge weniger stark entzündet ist oder die Erkrankung milder verläuft [2].
Wer sonst gesund ist, hat eine Lungenentzündung laut IQWiG meist nach wenigen Wochen überstanden; Müdigkeit und Husten können länger anhalten [1]. Mögliche Komplikationen sind eine Rippenfellentzündung, ein Lungenabszess (Eiterhöhle in der Lunge) und lebensbedrohliche Zustände wie Herzrhythmusstörungen, Kreislaufzusammenbruch, Atem- oder Herzversagen oder eine Blutvergiftung (Sepsis). Das Risiko dafür erhöhen unter anderem ein Alter unter 2 oder über 65 Jahre, Herz- oder Nierenerkrankungen und ein geschwächtes Immunsystem [1].
Ursachen und Risikofaktoren
Eine bakterielle Lungenentzündung wird laut IQWiG am häufigsten durch Pneumokokken verursacht, manchmal auch durch Haemophilus influenzae oder Mycoplasma pneumoniae. Wer im Krankenhaus oder Pflegeheim erkrankt, hat ein erhöhtes Risiko für andere Bakterien, die sich oft schlechter behandeln lassen. Auch Viren wie Grippe-, RS-, Masern- oder Coronaviren können eine Lungenentzündung hervorrufen; Pilze sind eine seltene Ausnahme, in der Regel bei starker Abwehrschwäche [3]. Mehr: Grippe und COVID-19.
Die Erreger gelangen beim Einatmen mit winzigen Speichel- oder Wassertröpfchen in die Lunge. Manchmal gelangen beim Verschlucken Keime aus dem Mund- und Rachenraum, Speisereste oder Mageninhalt in die Atemwege (Aspirationspneumonie) [3]. Dadurch gefährdet sind vor allem Menschen, die bettlägerig sind oder zum Beispiel durch eine Demenz oder einen Schlaganfall Bewusstseinsstörungen oder Probleme beim Schlucken haben [1].
Ein erhöhtes Risiko für eine Lungenentzündung haben laut IQWiG vor allem Säuglinge und Menschen über 65 Jahre. Weitere Risikofaktoren sind ein geschwächtes Abwehrsystem, zum Beispiel durch einen Diabetes, eine Nierenfunktionsstörung oder eine Krebserkrankung, Lungenerkrankungen wie Asthma oder COPD, Herzerkrankungen, Rauchen und bestimmte Virusinfektionen wie eine Grippe [1].
Medikamente als Ursache: Auch manche Medikamente werden laut IQWiG mit Lungenentzündungen in Verbindung gebracht, zum Beispiel Mittel, die die Magensäure hemmen; ob sie das Risiko tatsächlich erhöhen, ist aber noch unklar [1]. Mehr: Protonenpumpenhemmer. Für eine Lungenentzündung bei schwerer Immunsuppression, etwa nach einer Organtransplantation oder unter einer längeren Behandlung mit Kortison in höherer Dosis, gelten laut S3-Leitlinie von 2021 (Gültigkeit abgelaufen) die Behandlungsregeln der schweren Immunsuppression [6]. Mehr: Infektanfälligkeit durch Medikamente.
Diagnose
Oft lässt sich eine Lungenentzündung laut IQWiG anhand der typischen Beschwerden feststellen. Die Ärztin oder der Arzt hört die Lunge mit dem Stethoskop ab und misst Puls und Blutdruck; meist wird zusätzlich die Lunge geröntgt. Eine Blutabnahme zeigt zum Beispiel die Entzündungswerte, ein Clip mit Lichtsensor am Finger misst den Sauerstoffgehalt im Blut (Pulsoxymetrie). Auch Blut, Urin und abgehusteter Schleim können auf Erreger untersucht werden [1]. Bei leichten, ambulant behandelbaren Lungenentzündungen ist eine solche Erregerdiagnostik laut S3-Leitlinie von 2021 (Gültigkeit abgelaufen) in der Regel nicht erforderlich (starke Empfehlung, Evidenz B) [6].
Im Zentrum der Entscheidung, ob zu Hause oder im Krankenhaus behandelt wird, steht laut Leitlinie die ärztliche Einschätzung. Ergänzend soll der Punktwert CRB-65 verwendet werden, der Atemfrequenz, Blutdruck, eine neu aufgetretene Bewusstseinstrübung und ein Alter ab 65 Jahren erfasst, zusammen mit dem funktionellen Status, möglicherweise instabilen Begleiterkrankungen und der Sauerstoffversorgung (starke Empfehlung, Evidenz B). Wird zu Hause behandelt, soll nach 48 bis 72 Stunden eine erneute ärztliche Beurteilung erfolgen, weil eine Verschlechterung häufig in diesem Zeitraum eintritt (starke Empfehlung, Evidenz B) [6].
Behandlung ohne Medikamente
Bei einer Lungenentzündung ist es laut IQWiG wichtig, sich nicht zu früh zu belasten, da es sonst zu einem Rückfall oder anderen Komplikationen kommen kann. Hustenmittel aus der Apotheke, spezielle Atemgymnastik oder Physiotherapie werden bei einer Lungenentzündung nicht empfohlen [1]. Im Krankenhaus sollen stabile Patientinnen und Patienten laut S3-Leitlinie von 2021 (Gültigkeit abgelaufen) eine Frühmobilisation erhalten, also in den ersten 24 Stunden nach der Aufnahme mindestens 20 Minuten außerhalb des Bettes verbringen (starke Empfehlung, Evidenz B) [6]. Manchmal ist laut IQWiG das Einatmen von Sauerstoff über eine Nasenmaske nötig, seltener eine Beatmung [1].
Behandlung mit Medikamenten
Wenn Bakterien die Lungenentzündung verursacht haben, wird sie laut IQWiG in der Regel mit Antibiotika behandelt, etwa 5 bis 7 Tage lang, als Tablette oder Saft, im Krankenhaus meist als Infusion [1]. Weil sich der Erreger zu Beginn nur sehr begrenzt vorhersagen lässt, wird laut Leitlinie zunächst kalkuliert behandelt, also bevor er bekannt ist; die Auswahl folgt dem Schweregrad [6]. Die S3-Leitlinie der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP) und weiterer Fachgesellschaften von 2021 ist laut DGP die aktuelle Fassung, ihre Gültigkeit endete aber am 23.04.2025 [6, 7]; laut IQWiG wird sie überarbeitet [1]. Sie empfiehlt:
- Leichte Lungenentzündung ohne definierte Begleiterkrankungen: Betroffene sollen als Therapie der Wahl ein hochdosiertes Aminopenicillin allein erhalten, laut Tabelle der Leitlinie Amoxicillin. Alternativ kann bei Penicillinallergie oder -unverträglichkeit Doxycyclin, ein Makrolid (Azithromycin, Clarithromycin) oder nachgeordnet ein Fluorchinolon (Moxifloxacin, Levofloxacin) gegeben werden (starke Empfehlung, Evidenz B) [6].
- Leichte Lungenentzündung mit definierten, stabilen Begleiterkrankungen (chronische Herzschwäche, Erkrankungen des zentralen Nervensystems mit Schluckstörungen, schwere COPD oder Bronchiektasen, Bettlägerigkeit oder Ernährungssonde durch die Bauchwand): Betroffene sollen ein hochdosiertes Aminopenicillin mit Betalaktamase-Hemmer erhalten, laut Tabelle der Leitlinie Amoxicillin/Clavulansäure. Alternativ kann bei Penicillinallergie oder -unverträglichkeit ein Fluorchinolon eingesetzt werden; für schwere COPD und Bronchiektasen nennt die Leitlinie eigene Möglichkeiten (starke Empfehlung, Evidenz B) [6].
- Mittelschwere und schwere Lungenentzündung (im Krankenhaus): Bei mittelschwerer Lungenentzündung sollen Betroffene ein Aminopenicillin mit Betalaktamase-Hemmer oder ein Cephalosporin der Klasse 2 oder 3a erhalten, gegebenenfalls zusammen mit einem Makrolid; alternativ kann ein Fluorchinolon gegeben werden. Bei schwerer Lungenentzündung sollen sie zu Beginn über die Vene ein Betalaktam-Antibiotikum mit breitem Spektrum zusammen mit einem Makrolid erhalten; ein Fluorchinolon allein ist nur ohne septischen Schock eine mögliche Alternative. Das Makrolid soll jeweils nach 3 Tagen beendet werden, wenn sich der Zustand stabilisiert hat und kein atypischer Erreger nachgewiesen wurde (jeweils starke Empfehlung, Evidenz B) [6].
Die Antibiotika-Behandlung soll laut Leitlinie bei leichter bis mittelschwerer Lungenentzündung 5 Tage dauern; kürzere Behandlungen sind bei rascher Stabilisierung möglich, vor dem Ende soll der Zustand mindestens 2 Tage stabil sein. Bei schwerer Lungenentzündung soll sie 7 Tage dauern (jeweils starke Empfehlung, Evidenz A) [6]. Amoxicillin nehmen Sie laut Packungsbeilage so lange ein, wie es verordnet wurde, auch wenn Sie sich bereits besser fühlen [8]. Die Dosis legt die Ärztin oder der Arzt fest; die Angaben der Packungsbeilage stehen auf den Wirkstoffseiten, zum Beispiel bei Amoxicillin.

| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Aminopenicilline (Penicilline) | Amoxicillin, laut Fachinformation unter anderem bei ambulant erworbener Lungenentzündung angezeigt [9] | Hemmt Enzyme, die Bakterien für den Aufbau ihrer Zellwand brauchen; die geschwächte Zellwand führt in der Regel zum Absterben der Bakterien [9] | Häufig: Hautausschlag, Übelkeit, Durchfall [8] |
| Aminopenicillin mit Betalaktamase-Hemmer (Penicilline) | Amoxicillin/Clavulansäure, laut Fachinformation unter anderem bei ambulant erworbener Lungenentzündung angezeigt [11] | Wie Amoxicillin; Clavulansäure macht einige Betalaktamasen unwirksam, Enzyme, mit denen resistente Bakterien Amoxicillin abbauen [11] | Sehr häufig: Durchfall (bei Erwachsenen); häufig: Pilzinfektion (Candida) an Scheide, Mund oder Hautfalten, Übelkeit, insbesondere bei hohen Dosen, Erbrechen [10] |
| Tetracycline (weitere Antibiotika) | Doxycyclin, laut Fachinformation angezeigt bei Infektionen durch Doxycyclin-empfindliche Erreger, unter den Atemwegsinfektionen ausdrücklich bei Lungenentzündung durch Mykoplasmen, Rickettsien oder Chlamydien; zur Behandlung der Lungenentzündung durch Pneumokokken nicht Mittel der Wahl [12] | Hemmt die Eiweißherstellung der Bakterien, indem es umkehrbar eine Bindungsstelle an ihren Ribosomen blockiert; die Wirkung ist vorwiegend bakteriostatisch, hindert die Bakterien also an der Vermehrung [12] | Sehr häufig: Lichtempfindlichkeitsreaktionen der Haut mit Rötung, Schwellung und Blasenbildung; häufig unter anderem Überempfindlichkeitsreaktionen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Hautausschläge [12] |
| Makrolide (weitere Antibiotika) | Azithromycin für Erwachsene und Jugendliche ab 45 kg [13], laut Fachinformation nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung, wenn bevorzugte Therapieschemata nicht angezeigt sind [24]; Clarithromycin, wenn Penicillin oder ein anderes Betalaktam-Antibiotikum nicht verwendet werden kann [14] | Clarithromycin hemmt die Eiweißherstellung der Bakterien durch Bindung an die 50S-Untereinheit ihrer Ribosomen; daraus resultiert zumeist eine bakteriostatische Wirkung [15] | Azithromycin, sehr häufig: Durchfall, Bauchbeschwerden; häufig: Kopfschmerzen, Erbrechen, Magenschmerzen, Übelkeit, veränderte Blutwerte [13]. Clarithromycin, häufig: Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Magen- und Bauchschmerzen, Verdauungsstörungen, Hautausschlag, verstärktes Schwitzen, Geschmacksstörungen, veränderte Leberwerte [14] |
| Fluorchinolone (weitere Antibiotika), laut Leitlinie nachgeordnet | Moxifloxacin, Levofloxacin; laut Fachinformation sollten beide nur angewendet werden, wenn andere üblicherweise empfohlene Antibiotika als ungeeignet erachtet werden, Moxifloxacin auch, wenn diese versagt haben; Moxifloxacin ab 18 Jahren und ausgenommen schwere Formen, Levofloxacin bei Erwachsenen [17, 19] | Moxifloxacin hemmt die DNS-Gyrase und die Topoisomerase IV, Enzyme, die Bakterien zum Vervielfältigen, Ablesen und Reparieren ihres Erbguts brauchen, und wirkt so bakterizid [17]; Levofloxacin wirkt auf den Komplex aus Erbgut (DNS) und DNS-Gyrase sowie auf die Topoisomerase IV [19] | Moxifloxacin, häufig: Übelkeit, Durchfall, Benommenheit, Magen- und Bauchschmerzen, Erbrechen, Kopfschmerzen, Anstieg bestimmter Leberenzyme, Pilzinfektionen wie Mundsoor, EKG-Veränderung bei niedrigem Kaliumspiegel [16]. Levofloxacin, häufig: Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Anstieg mancher Leberwerte [18] |
"Sehr häufig" heißt: bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig": bei bis zu 1 von 10. Jede Angabe gilt nur für den genannten Wirkstoff; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats [8, 10]. Mehr: Beipackzettel verstehen.
Penicillinallergie
Amoxicillin darf laut Packungsbeilage nicht eingenommen werden, wenn Sie allergisch gegen Amoxicillin oder Penicillin sind oder schon einmal allergisch auf ein anderes Penicillin reagiert haben, etwa mit Hautausschlag oder Schwellungen von Gesicht oder Hals [8]. Etwa 20 Prozent der Patientinnen und Patienten geben laut Leitlinie eine Penicillinallergie an; die Mehrzahl dieser Angaben trifft aber nicht zu. Grundsätzlich wäre laut Leitlinie eine allergologische Abklärung anzustreben [6]. Mehr: Arzneimittelallergie.
Hinweise zu einzelnen Antibiotika
Bei älteren Menschen und bei Begleitmedikamenten mit relevanten Wechselwirkungen ist laut Leitlinie Azithromycin das Makrolid der Wahl [6]. Weil Resistenzen gegen Azithromycin zugenommen haben, wurden seine Anwendungsgebiete in einem europäischen Verfahren überarbeitet; das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) hat den Beschluss der EU-Kommission vom 08.09.2025 mit Bescheid vom 17.09.2025 umgesetzt [22]. Seither enthält die Fachinformation den Warnhinweis, dass eine Behandlung mit Azithromycin nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung unter Berücksichtigung der örtlichen Resistenzlage eingeleitet werden sollte, wenn bevorzugte Therapieschemata nicht angezeigt sind [22, 24]. Für Fluorchinolone nennt die Leitlinie Einschränkungen, etwa bei Sportlerinnen und Sportlern, bei Menschen über 80 Jahre, bei gleichzeitiger Behandlung mit Kortison zum Einnehmen oder Spritzen und bei einem Aneurysma der Hauptschlagader [6]. Orale Cephalosporine werden laut Leitlinie nicht empfohlen [6].
Viren und Kortison
Gegen Grippeviren werden laut IQWiG vor allem Neuraminidasehemmer wie Oseltamivir oder Zanamivir eingesetzt, empfohlen aber nur bei Behandlung im Krankenhaus wegen starker Beschwerden oder bei erhöhtem Risiko für Komplikationen; bei viralen Lungenentzündungen ist der Einsatz solcher Mittel kaum erforscht [5]. Antibiotika werden auch dann oft gegeben, weil sie vor einem zusätzlichen Befall mit Bakterien schützen können [1, 5]. Bei einer schweren Lungenentzündung kann zusätzlich Kortison als Spritze gegeben werden [1]. Mehr: Glucocorticoide.
Schwangerschaft und Stillzeit
Wenn Sie schwanger sind oder stillen, vermuten, schwanger zu sein, oder eine Schwangerschaft planen, fragen Sie laut Packungsbeilage von Amoxicillin vor der Einnahme Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke um Rat [8]. Was das Beratungszentrum Embryotox der Charité zu einzelnen Antibiotika schreibt, steht auf den Wirkstoffseiten, etwa unter Amoxicillin in der Schwangerschaft. Allgemeines: Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.
Nebenwirkungen der Medikamente
Durchfall: Sehr selten kommt es unter Amoxicillin zu einer Entzündung des Dickdarms mit Durchfall, der manchmal Blut enthält, Schmerzen und Fieber; dann nehmen Sie das Mittel laut Packungsbeilage nicht weiter ein und wenden sich sofort an eine Ärztin oder einen Arzt [8]. Mehr: Durchfall durch Medikamente.
Allergische Reaktionen: Unter Amoxicillin sind allergische Reaktionen mit Juckreiz oder Ausschlag, Schwellungen von Gesicht, Lippen, Zunge oder Körper oder Atembeschwerden laut Packungsbeilage sehr selten, also bei bis zu 1 von 10.000 Behandelten; sie können schwerwiegend sein, gelegentlich kam es zum Tod. Auch dann nehmen Sie das Mittel nicht weiter ein und wenden sich sofort an eine Ärztin oder einen Arzt [8]. Mehr: Schwere Hautreaktionen.
Fluorchinolone: Laut einem Rote-Hand-Brief vom 08.04.2019 wurde die Anwendung systemisch und inhalativ angewendeter Fluorchinolone wegen des Risikos lang anhaltender, die Lebensqualität beeinträchtigender und möglicherweise bleibender Nebenwirkungen beschränkt [20]. Ein Rote-Hand-Brief vom 07.06.2023 erinnert daran: Sie sollten unter anderem nicht bei nicht schweren oder selbstlimitierenden Infektionen verschrieben werden und bei leichten bis mittelschweren Infektionen nur, wenn andere üblicherweise empfohlene Antibiotika als ungeeignet erachtet werden. Die sehr seltenen, schwerwiegenden Nebenwirkungen können Sehnenentzündungen und Sehnenrisse, Gelenkschmerzen, Schmerzen in Armen und Beinen, Gangstörungen, Nervenschäden mit Missempfindungen, Depressionen, Erschöpfung, Gedächtnisstörungen, Halluzinationen, Psychosen, Schlafstörungen und Beeinträchtigungen von Hören, Sehen, Schmecken und Riechen einschließen [21]. Das Risiko für Sehnenschäden ist laut Packungsbeilage von Moxifloxacin bei Menschen über 60 Jahre, nach einer Organtransplantation, bei Nierenproblemen und bei gleichzeitiger Behandlung mit Kortikosteroiden erhöht. Beim ersten Anzeichen von Schmerz oder Entzündung einer Sehne beenden Sie die Anwendung, wenden sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt und stellen den schmerzenden Bereich ruhig [16]. Mehr: Sehnenschäden durch Medikamente.
Wechselwirkungen und Herzrhythmus: Bei der Verordnung sollten laut S3-Leitlinie von 2021 (Gültigkeit abgelaufen) Wechselwirkungen berücksichtigt werden, insbesondere zwischen Clarithromycin und Statinen bzw. Gerinnungshemmern sowie zwischen Makroliden oder Fluorchinolonen und anderen Mitteln, die die QT-Zeit im EKG verlängern (starke Empfehlung, Evidenz B) [6]. Clarithromycin darf laut Packungsbeilage unter anderem nicht zusammen mit bestimmten Statinen wie Simvastatin oder Lovastatin, mit Ticagrelor, Ranolazin oder Colchicin eingenommen werden und nicht bei zu niedrigem Kalium- oder Magnesiumspiegel im Blut [14]. Mehr: QT-Verlängerung und Wechselwirkungen.
Doxycyclin und Sonne: Unter Sonnenbestrahlung kann es laut Fachinformation zu phototoxischen Reaktionen der belichteten Haut kommen; Sonnenbaden im Freien oder im Solarium sollte während der Behandlung vermieden werden [12]. Mehr: Lichtempfindlichkeit.
Ob die Pille unter einem Antibiotikum zuverlässig wirkt, erklärt der Ratgeber Pille und Antibiotika. Haben Sie ein Antibiotikum als Auslöser von Beschwerden im Verdacht, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie laut Packungsbeilage Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt melden [8]. Wie das geht: Nebenwirkung melden.
Erholung und Vorbeugung
Bis man nach einer Lungenentzündung wieder richtig belastbar ist, kann es laut IQWiG einen, manchmal sogar mehrere Monate dauern [1]. Vor Infektionen der Atemwege schützen Hygienemaßnahmen wie regelmäßiges Händewaschen und Abstandhalten. Besteht ein erhöhtes Risiko für Lungenentzündungen oder deren Komplikationen, werden Schutzimpfungen empfohlen; für Menschen über 60 Jahre eignen sich die Grippe- und die Pneumokokken-Schutzimpfung [1]. Mehr: Pneumokokken-Impfung und Grippeimpfung. Für pflanzliche Arzneimittel oder Vitaminpräparate zur Stärkung der Abwehr gibt es laut IQWiG keine Studien, die belegen, dass sie sinnvoll sind, außer bei einem nachgewiesenen Vitaminmangel [1]. Rauchen ist ein Risikofaktor für eine Lungenentzündung [1]; Hilfe beim Aufhören: Nikotinabhängigkeit.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Bei älteren Menschen führt eine Lungenentzündung laut IQWiG häufiger zu Komplikationen wie Atemnot, Sauerstoffmangel, Herzschwäche oder Sepsis. Es ist deshalb ratsam, frühzeitig zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen oder um einen Hausbesuch zu bitten, wenn man selbst oder Angehörige das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt. Mögliche Anzeichen für eine Lungenentzündung sind [4]:
- zunehmende Verwirrtheit, Teilnahmslosigkeit oder zeitweise Bewusstlosigkeit,
- Atemnot oder schnelles Atmen mit mehr als 30 Atemzügen pro Minute,
- Herzrasen mit einem Puls über 120 Schlägen pro Minute,
- Kreislaufschwäche mit Blutdruckabfall, oberer Wert unter 90 mmHg oder unterer Wert unter 60 mmHg,
- hohes Fieber von 40 Grad Celsius oder mehr oder eine sehr niedrige Temperatur von 35 Grad Celsius oder darunter.
Ältere Menschen mit chronischen Grunderkrankungen wie COPD, Herzschwäche, koronarer Herzkrankheit, Diabetes oder chronischer Nierenerkrankung sollten bei einer Lungenentzündung laut IQWiG rasch ärztliche Hilfe suchen [4]. Bewusstlosigkeit oder eine erhebliche Bewusstseinstrübung, schwere Atemnot und starke Brustschmerzen sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Fälle für den Notruf 112 [23]. Plötzlich starke Schmerzen im Bauch, im Brustbereich oder im Rücken unter Moxifloxacin oder Levofloxacin können Zeichen einer Ausbeulung oder Aufspaltung der Hauptschlagader sein; dann suchen Sie laut Packungsbeilage unverzüglich eine Notaufnahme auf [16, 18].
Quellen
- Lungenentzündung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 15.10.2025. abgerufen am 17.10.2026
- Wie werden Lungenentzündungen unterschieden?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 15.10.2025. abgerufen am 17.10.2026
- Welche Erreger können eine Lungenentzündung hervorrufen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 15.10.2025. abgerufen am 17.10.2026
- Lungenentzündung: Was ist bei älteren Menschen zu beachten?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 15.10.2025. abgerufen am 17.10.2026
- Wie wird eine virale Lungenentzündung behandelt?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 15.10.2025. abgerufen am 17.10.2026
- Leitlinie S3-Leitlinie Behandlung von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie, Update 2021 (Version 4.0, AWMF-Register-Nr. 020-020), Pneumologie 2021; 75: 665-729; Gültigkeit abgelaufen am 23.04.2025, in Überarbeitung. Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP), Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Chemotherapie (PEG), Deutsche Gesellschaft für Infektiologie (DGI) und weitere Fachgesellschaften. Stand 04/2021 (verabschiedet 21.04.2021, gültig bis 23.04.2025). abgerufen am 17.10.2026
- Leitlinien unter Federführung der DGP, Eintrag "S3-Leitlinie Behandlung von erwachsenen Patienten mit ambulant erworbener Pneumonie, Update 2021 (Version 4.0)". Deutsche Gesellschaft für Pneumologie und Beatmungsmedizin (DGP). Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Amoxicillin-ratiopharm 1000 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Amoxicillin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Amoxicillin-ratiopharm comp. 875/125 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Amoxicillin-ratiopharm comp. 875/125 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2025. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Doxy-M-ratiopharm 100 mg / 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Azithromycin-ratiopharm 500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Clarithromycin STADA 500 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 03/2021. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Clarithromycin STADA 250 mg/500 mg Filmtabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 02/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Moxifloxacin-ratiopharm 400 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Moxifloxacin-ratiopharm 400 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Levofloxacin-ratiopharm 500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2025. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Levofloxacin-ratiopharm 500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Fluorchinolon-Antibiotika: Schwerwiegende und anhaltende, die Lebensqualität beeinträchtigende und möglicherweise irreversible Nebenwirkungen. Zulassungsinhaber fluorchinolonhaltiger Arzneimittel in Abstimmung mit EMA und BfArM; veröffentlicht vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte. Stand 08.04.2019. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Systemisch und inhalativ angewendete fluorchinolonhaltige Antibiotika, Erinnerung an die Anwendungsbeschränkungen. Zulassungsinhaber fluorchinolonhaltiger Antibiotika in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 07.06.2023. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde Azithromycin: Neubewertung des Nutzens und der Risiken (Gutachten des CHMP vom 23.05.2025, Durchführungsbeschluss der EU-Kommission vom 08.09.2025, Bescheid im Stufenplanverfahren vom 17.09.2025). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 22.09.2025. abgerufen am 17.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Azithromycin-ratiopharm 500 mg Filmtabletten (Version 12). ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Welche Antibiotika helfen bei einer Lungenentzündung?
Das hängt laut S3-Leitlinie von 2021, deren Gültigkeit abgelaufen ist, vom Schweregrad und von Begleiterkrankungen ab. Bei einer leichten Lungenentzündung ohne definierte Begleiterkrankungen sollen Betroffene ein hochdosiertes Aminopenicillin wie Amoxicillin erhalten; bei Penicillinallergie oder -unverträglichkeit kann Doxycyclin, ein Makrolid (Azithromycin, Clarithromycin) oder nachgeordnet ein Fluorchinolon (Moxifloxacin, Levofloxacin) gegeben werden (starke Empfehlung, Evidenz B). Bei leichter Lungenentzündung mit definierten Begleiterkrankungen wie chronischer Herzschwäche sollen Betroffene ein hochdosiertes Aminopenicillin mit Betalaktamase-Hemmer wie Amoxicillin/Clavulansäure erhalten (starke Empfehlung, Evidenz B). Moxifloxacin und Levofloxacin sollten laut Fachinformation bei ambulant erworbener Lungenentzündung nur angewendet werden, wenn andere üblicherweise empfohlene Antibiotika als ungeeignet erachtet werden. Welches Mittel Sie bekommen, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Wie lange dauert eine Lungenentzündung?
Die Antibiotika-Behandlung dauert laut IQWiG etwa 5 bis 7 Tage. Wer sonst gesund ist, hat eine Lungenentzündung meist nach wenigen Wochen überstanden. Bis man wieder richtig belastbar ist, kann es aber einen, manchmal mehrere Monate dauern; Müdigkeit und Husten können länger anhalten. Belasten Sie sich laut IQWiG nicht zu früh, da es sonst zu einem Rückfall oder anderen Komplikationen kommen kann.
Muss man mit einer Lungenentzündung ins Krankenhaus?
Nicht immer. Eine leichte Lungenentzündung kann laut IQWiG zu Hause mit Antibiotika-Tabletten behandelt werden. Als leicht gilt sie unter anderem bei Menschen unter 65 Jahren mit klarem Bewusstsein, normalem Blutdruck und Puls, weniger als 30 Atemzügen pro Minute, genug Sauerstoff im Blut und ohne schwere Begleiterkrankungen. Eine mittelschwere Lungenentzündung, zum Beispiel mit Bewusstseinsstörungen, niedrigem Blutdruck oder zunehmender Atemnot, wird im Krankenhaus behandelt. Wird zu Hause behandelt, soll laut Leitlinie von 2021, deren Gültigkeit abgelaufen ist, nach 48 bis 72 Stunden eine erneute ärztliche Beurteilung erfolgen (starke Empfehlung, Evidenz B).
Was tun bei einer Penicillinallergie?
Sagen Sie Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt von der Allergie. Amoxicillin darf laut Packungsbeilage nicht eingenommen werden, wenn Sie allergisch gegen Amoxicillin oder Penicillin sind oder schon einmal allergisch auf ein anderes Penicillin reagiert haben. Bei leichter Lungenentzündung ohne definierte Begleiterkrankungen kann laut Leitlinie von 2021, deren Gültigkeit abgelaufen ist, bei Penicillinallergie oder -unverträglichkeit Doxycyclin, ein Makrolid oder nachgeordnet ein Fluorchinolon gegeben werden, bei definierten Begleiterkrankungen ein Fluorchinolon (starke Empfehlung, Evidenz B). Die Mehrzahl der Angaben zu einer Penicillinallergie trifft laut Leitlinie nicht zu; grundsätzlich wäre eine allergologische Abklärung anzustreben.
Heilt eine Lungenentzündung auch ohne Antibiotika?
Unbehandelt hält das Fieber laut IQWiG etwa eine Woche an; danach folgt eine Phase, in der Komplikationen häufig sind. Dieser Verlauf ist heute selten, weil eine Lungenentzündung üblicherweise sofort behandelt wird. Haben Viren die Lungenentzündung ausgelöst, helfen Antibiotika nicht gegen die Viren; sie werden laut IQWiG trotzdem oft gegeben, weil sie vor einem zusätzlichen Befall mit Bakterien schützen können.
Welche Impfungen schützen vor einer Lungenentzündung?
Besteht ein erhöhtes Risiko für Lungenentzündungen oder deren Komplikationen, werden laut IQWiG Schutzimpfungen empfohlen. Für Menschen über 60 Jahre eignen sich die Grippe- und die Pneumokokken-Schutzimpfung; Kinder können zum Beispiel gegen Haemophilus influenzae und Pneumokokken geimpft werden. Mehr dazu auf den Seiten Pneumokokken-Impfung und Grippeimpfung.
Woran erkennt man eine Lungenentzündung bei älteren Menschen?
Bei älteren Menschen können Fieber, Husten und Auswurf laut IQWiG schwächer sein oder ganz fehlen; manchmal stehen Durchfall oder eine zunehmende Verwirrtheit im Vordergrund. Laut IQWiG ist es ratsam, frühzeitig zur Ärztin oder zum Arzt zu gehen oder um einen Hausbesuch zu bitten, wenn man selbst oder Angehörige das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt; mögliche Anzeichen stehen im Abschnitt Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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