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Grippe (Influenza)

Die Grippe (Influenza) ist eine Infektion mit Grippeviren, die typischerweise plötzlich mit Fieber, Husten oder Halsschmerzen sowie Muskel- und/oder Kopfschmerzen beginnt. Bei einem unkomplizierten Verlauf ohne Risikofaktoren kann die Behandlung laut Robert Koch-Institut überwiegend symptomatisch erfolgen; bei Verdacht auf einen schweren Verlauf oder bei erhöhtem Risiko sollte eine antivirale Behandlung erwogen werden, die so früh wie möglich, also innerhalb von 48 Stunden nach den ersten Symptomen, beginnen sollte. Treten starke Krankheitszeichen auf oder verschlimmern sich die Beschwerden erneut, wenden Sie sich an eine Ärztin oder einen Arzt; bei schwerer Atemnot rufen Sie den Notruf 112.

Mann Mitte fünfzig mit graumeliertem Haar liegt unter einer dunkelroten Wolldecke auf dem Sofa und hält eine Tasse Tee in beiden Händen
Bild: KI-generiert

Die Grippe (Influenza) ist eine Infektion mit Grippeviren. Typisch ist, dass sie nicht nur die Atemwege, sondern den ganzen Körper betrifft [2]. Bei einem unkomplizierten Verlauf ohne Risikofaktoren kann die Behandlung laut Robert Koch-Institut (RKI) überwiegend symptomatisch erfolgen, also gegen die Beschwerden [1]. Schmerzmittel wie Paracetamol, Acetylsalicylsäure (ASS) und Ibuprofen können laut IQWiG Schmerzen lindern und das Fieber senken [2]. Bei Verdacht auf einen schweren Verlauf oder bei erhöhtem Risiko sollte laut RKI eine antivirale Behandlung erwogen werden [1].

Was ist eine Grippe?

Die echte Grippe, auch Influenza genannt, ist eine akute Krankheit der Atemwege, die durch Grippeviren ausgelöst wird. Sie ist eine ernsthafte, mitunter auch lebensbedrohliche Krankheit [5]. Für den Menschen sind vor allem Influenza-A- und Influenza-B-Viren von Bedeutung [1]. Die Viren verändern sich ständig. Deshalb kann man sich im Laufe des Lebens öfter mit Grippe anstecken, und der Impfstoff wird nahezu jedes Jahr neu angepasst [5].

In Deutschland treten Grippewellen typischerweise im Winterhalbjahr auf und können bis Mai andauern. Während einer Grippewelle stecken sich schätzungsweise 5 bis 20 Prozent der Bevölkerung an [10].

Grippe oder Erkältung? Erkältungen, auch grippale Infekte genannt, sind etwas anderes als eine echte Grippe: Sie sind viel häufiger und entwickeln sich meist allmählich [2]; Komplikationen treten bei ihnen eher selten auf [10]. Grippe, Erkältung und COVID-19 können sich aber ähneln und lassen sich nicht allein anhand der Symptome unterscheiden [2, 10]. Mehr dazu: Erkältung und COVID-19.

Symptome und Verlauf

Typisch für die Grippe sind laut RKI ein plötzlicher Erkrankungsbeginn, Fieber, Husten oder Halsschmerzen sowie Muskel- und/oder Kopfschmerzen [1]. Das IQWiG nennt außerdem Fieber zwischen 38 °C und 40 °C oder höher, Gelenkschmerzen, Schüttelfrost, starke Abgeschlagenheit und Müdigkeit, trockenen Husten ohne Schleim, eine verstopfte und/oder laufende Nase und Appetitlosigkeit; selten kommt es zu Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall [2].

Das typische Bild mit Fieber, Schmerzen und Abgeschlagenheit hat aber nur etwa ein Drittel der Infizierten. Ein Drittel hat leichtere Beschwerden wie bei einer Erkältung, und ein Drittel bemerkt die Infektion gar nicht [4]. Ältere Menschen entwickeln während einer Grippe häufig kein Fieber [10]; bei ihnen sind die Krankheitszeichen häufig nicht so ausgeprägt und ähneln eher einer Erkältung [5].

Verlauf: Die Inkubationszeit, also die Zeit zwischen Ansteckung und Erkrankung, ist laut RKI kurz und beträgt etwa 1 bis 3 Tage. Die Krankheitsdauer liegt in der Regel bei 5 bis 7 Tagen, sie kann je nach Konstitution, Komplikationen und Risikofaktoren aber auch deutlich länger sein [1]. Vor allem der Husten kann hartnäckig sein und manchmal 2 bis 3 Wochen dauern [2].

Komplikationen und Risikogruppen

Recht häufig führt die Grippe zu einer Nasennebenhöhlenentzündung, bei Kindern oft zu einer Mittelohrentzündung [2]. Selten nimmt die Grippe einen schweren Verlauf und führt zu Komplikationen wie einer Lungenentzündung; weitere mögliche Komplikationen sind eine Herzmuskel- oder Gehirnentzündung [2]. Bei schweren Verläufen tritt eine Verschlechterung laut RKI oft etwa 3 bis 10 Tage nach Symptombeginn auf [1]. Ein erhöhtes Risiko für einen schweren Verlauf mit Komplikationen haben laut IQWiG insbesondere Menschen mit einem schwächeren Immunsystem, zum Beispiel [2]:

  • Menschen ab 60 Jahren,
  • Säuglinge und Kleinkinder,
  • schwangere Frauen im letzten Drittel der Schwangerschaft,
  • Menschen mit chronischen Erkrankungen wie Asthma, COPD, Herz-Kreislauf-Krankheiten, Diabetes, Leber- oder Nierenkrankheiten, multipler Sklerose oder HIV.

Ursachen und Ansteckung

Grippeviren verbreiten sich über Tröpfcheninfektion: Wer infiziert ist, versprüht insbesondere in den ersten Tagen beim Sprechen, Husten oder Niesen winzige virenhaltige Tröpfchen. Andere atmen sie ein, oder sie lagern sich auf Oberflächen ab [2]. Auch über die Hände und über Gegenstände wie Türklinken oder Haltegriffe werden die Viren weitergegeben. Werden danach Mund, Nase oder Augen berührt, können sie über die Schleimhäute in den Körper gelangen [2, 5].

Wie lange ansteckend? Die Dauer der Ansteckungsfähigkeit beträgt laut RKI im Mittel etwa 4 bis 5 Tage ab Auftreten der ersten Symptome. Eine längere Dauer ist vor allem bei Kindern möglich, und die Viren können schon vor Symptombeginn ausgeschieden werden [1]. Kinder oder Menschen mit geschwächtem Abwehrsystem können die Erreger laut BIÖG auch länger ausscheiden [5]. Ob Medikamente die Abwehr schwächen können, erklärt die Seite Infektanfälligkeit durch Medikamente.

Diagnose

Während einer Grippewelle kann eine Grippe laut RKI bei den meisten Erkrankten mit hinreichender Wahrscheinlichkeit anhand der Beschwerden diagnostiziert werden. Im Labor lassen sich Influenzaviren unter anderem mit einem PCR-Test oder einem Antigen-Schnelltest nachweisen; negative Tests schließen eine Grippe aber nicht aus [1].

Nach § 7 Abs. 1 des Infektionsschutzgesetzes ist der direkte Nachweis von Influenzaviren namentlich an das Gesundheitsamt zu melden, soweit er auf eine akute Infektion hinweist; dazu zählen auch Schnelltests in Arztpraxen [1].

Behandlung ohne Medikamente

Bei einer Grippe ist es zunächst wichtig, sich zu schonen, bis die Beschwerden vorüber sind. Insbesondere bei Fieber oder Husten empfehlen Ärztinnen und Ärzte laut IQWiG, ausreichend zu trinken [2]. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) rät, in der akuten Krankheitsphase zu Hause zu bleiben, Bettruhe einzuhalten und das Krankenzimmer regelmäßig zu lüften [5].

Viele Menschen nutzen Hausmittel wie Hühnerbrühe, Kräutertees oder das Inhalieren von Wasserdampf. Wissenschaftliche Belege, dass sich dadurch die Genesung beschleunigt, gibt es laut IQWiG nicht [2]. Auch für frei verkäufliche Präparate gegen Erkältungs- und Grippesymptome, etwa mit Zink, Vitaminen oder pflanzlichen Extrakten, gibt es keine überzeugenden Nachweise, dass sie bei Grippe helfen [3].

Bei Grippe- und Erkältungssymptomen sollten Sie laut gesund.bund.de enge Kontakte zu anderen Menschen vermeiden und etwa 3 bis 5 Tage zu Hause bleiben, bis sich die Symptome deutlich gebessert haben. Wer ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf oder stärkere Beschwerden hat, wendet sich frühzeitig an die Hausarztpraxis [10].

Behandlung mit Medikamenten

Ältere Frau mit kurzem weißem Haar in einem moosgrünen Pullover spricht in einer hellen Hausarztpraxis mit einem Arzt mit dunklem Bart
Bild: KI-generiert

Das RKI erarbeitet keine eigenen Therapieempfehlungen [1]. Spezielle Grippemittel, die gegen die Vermehrung der Viren wirken, kommen laut IQWiG für Menschen mit einem erhöhten Risiko für ernsthafte Komplikationen infrage [2, 3].

Medikamente bei Grippe im Überblick
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
Neuraminidasehemmer (antivirale Grippemittel); laut RKI zu erwägen bei Verdacht auf einen schweren Verlauf oder erhöhtem RisikoOseltamivir (ohne eigene Wirkstoffseite) [6]; außerdem Zanamivir (ohne eigene Wirkstoffseite) als Infusion oder zum Inhalieren [3], als Infusion laut Fachinformation nur bei komplizierter, potenziell lebensbedrohlicher Grippe [12]Oseltamivir wird im Körper in seine wirksame Form umgewandelt. Diese hemmt die Neuraminidasen von Influenza-A- und -B-Viren, Eiweiße auf der Virusoberfläche, deren Enzymaktivität entscheidend dafür ist, dass die Viren in noch nicht infizierte Zellen eindringen und neu gebildete Viren aus infizierten Zellen freigesetzt werden [6]. Zanamivir hemmt ebenfalls die Neuraminidase, ein Enzym, das Viruspartikel aus infizierten Zellen freisetzt [12]Oseltamivir bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 13 Jahren: sehr häufig Kopfschmerzen und Übelkeit; häufig unter anderem Erbrechen, Bauchschmerzen, Magenverstimmung, Husten, Benommenheit, Schlafstörungen und Müdigkeit [6]. Zanamivir als Infusion: häufig Durchfall, Leberschaden (hepatozelluläre Schädigung), Hautausschlag und erhöhte Leberenzyme [12]
Nichtopioid-Analgetika (Schmerz- und Fiebermittel)Paracetamol [7]; Acetylsalicylsäure (rezeptfreie 500-mg-Tabletten ab 12 Jahren, nicht für Kinder mit Viruserkrankung ohne ärztliche Rücksprache) [9]Wirken schmerzstillend und fiebersenkend [7, 9]Paracetamol: keine häufigen Nebenwirkungen in der Packungsbeilage; selten ein leichter Anstieg bestimmter Leberenzyme [7]. ASS 500 mg: Häufigkeit nicht bekannt, unter anderem Magenschmerzen, Verdauungsstörungen, Übelkeit, Erbrechen und Blutungen [9]
NSAR (entzündungshemmende Schmerzmittel)Ibuprofen [8]Wirkt entzündungshemmend und schmerzstillend; angewendet zur kurzzeitigen Behandlung von Schmerzen und Fieber [8]Häufig: Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung und geringfügige Magen-Darm-Blutverluste, die in Ausnahmefällen eine Blutarmut verursachen können [8]
Antibiotika (nur bei bakterieller Zusatzinfektion)Auswahl durch die Ärztin oder den Arzt [1]Wirken nur gegen Bakterien und nicht gegen Grippeviren [2]Je nach Wirkstoff verschieden; Überblick auf der Seite Antibiotika

Sehr häufig heißt bei mehr als 1 von 10 Behandelten, häufig bei bis zu 1 von 10, selten bei bis zu 1 von 1.000. "Nicht bekannt" bedeutet, dass sich die Häufigkeit aus den verfügbaren Daten nicht abschätzen lässt [6, 7, 9]. Mehr dazu: Beipackzettel verstehen.

Grippemittel (Neuraminidasehemmer)

Bei Verdacht auf einen schweren Verlauf oder bei erhöhtem Risiko, wenn etwa eine oder insbesondere mehrere Vorerkrankungen oder eine Schwangerschaft vorliegen, sollte laut RKI eine antivirale Behandlung erwogen werden. Sie sollte so früh wie möglich beginnen, das heißt innerhalb von 48 Stunden nach Auftreten der ersten Symptome. Zur Behandlung kommen fast ausschließlich Neuraminidasehemmer zum Einsatz [1]. In Deutschland werden laut IQWiG insbesondere Oseltamivir und Zanamivir eingesetzt; beide sind verschreibungspflichtig. Oseltamivir schluckt man meist als Kapsel, Zanamivir gibt es als Infusion oder zum Inhalieren [3]. Die Mittel können laut IQWiG dazu beitragen, dass allgemeine Grippebeschwerden etwas früher abklingen; einen schweren Verlauf können sie danach aber nicht verhindern [3].

Oseltamivir (Tamiflu) ist zur Behandlung von Erwachsenen und Kindern einschließlich reifer Neugeborener mit grippetypischen Beschwerden zugelassen, wenn das Grippevirus in der Bevölkerung auftritt. Die Wirksamkeit wurde nachgewiesen, wenn die Behandlung innerhalb von zwei Tagen nach den ersten Symptomen begann [6]. Laut Packungsbeilage kann es außerdem ab 1 Jahr zur Vorbeugung verschrieben werden, etwa nach Kontakt mit einer an Grippe erkrankten Person; das wird von Fall zu Fall entschieden. Unter bestimmten Umständen, etwa bei einer weltweiten Grippe-Pandemie, kann es auch Säuglingen einschließlich reifer Neugeborener zur Vorbeugung verschrieben werden [6]. Oseltamivir wirkt nur gegen Erkrankungen durch Influenzaviren und ist kein Ersatz für die Grippeschutzimpfung [6]. Die Dosis richtet sich laut Packungsbeilage nach dem Körpergewicht und wird ärztlich festgelegt; es ist danach wichtig, die Behandlung zu Ende zu führen, auch wenn Sie sich rasch wieder besser fühlen [6].

Zanamivir als Infusion (Dectova) ist laut Fachinformation zur Behandlung einer komplizierten und potenziell lebensbedrohlichen Infektion mit Influenza-A- oder -B-Viren bei Erwachsenen, Kindern und Jugendlichen ab 6 Monaten zugelassen, wenn das Virus bekanntermaßen oder vermutlich gegen andere Grippemittel als Zanamivir resistent ist und/oder andere antivirale Grippemittel, einschließlich Zanamivir zur Inhalation, für die Person nicht geeignet sind [12].

Amantadin wird laut RKI in der Praxis nicht mehr verwendet; die zirkulierenden Influenza-A-Subtypen haben eine vollständige Resistenz dagegen entwickelt. Baloxavir marboxil, ein Mittel mit anderem Angriffspunkt, ist zugelassen, wird in Deutschland derzeit aber nicht vermarktet [1].

Schmerz- und Fiebermittel

Paracetamol nehmen Sie laut Packungsbeilage ohne ärztlichen oder zahnärztlichen Rat nicht länger als 3 Tage ein. Verschlimmern sich die Beschwerden, tritt nach 3 Tagen keine Besserung ein oder besteht hohes Fieber, müssen Sie eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen. Um eine Überdosierung zu verhindern, sollte sichergestellt sein, dass andere gleichzeitig angewendete Arzneimittel kein Paracetamol enthalten [7]. Ist Ibuprofen bei Erwachsenen länger als 3 Tage bei Fieber oder länger als 4 Tage bei Schmerzen nötig, bei Kindern und Jugendlichen länger als 3 Tage, oder verschlimmern sich die Beschwerden, sollte laut Packungsbeilage ärztlicher Rat eingeholt werden [8].

Ibuprofen kann laut Packungsbeilage Anzeichen einer Infektion wie Fieber und Schmerzen verdecken. Dadurch kann sich eine angemessene Behandlung der Infektion verzögern, was das Risiko für Komplikationen erhöhen kann; beobachtet wurde das bei bakterieller Lungenentzündung und bei bakteriellen Hautinfektionen im Zusammenhang mit Windpocken. Halten die Infektionsbeschwerden während der Einnahme an oder verschlimmern sie sich, wenden Sie sich unverzüglich an eine Ärztin oder einen Arzt [8]. Bei schwerem Flüssigkeitsmangel, etwa durch Erbrechen, Durchfall oder zu wenig Trinken, darf Ibuprofen nicht eingenommen werden [8].

ASS nicht bei Kindern und Jugendlichen: Acetylsalicylsäure ist laut IQWiG für Kinder und Jugendliche nicht geeignet, weil sie eine seltene, aber gefährliche Nebenwirkung auslösen kann, das Reye-Syndrom [2]. Laut RKI ist die Gabe von Salizylaten wie ASS bei Kindern kontraindiziert [1]. Die rezeptfreien Tabletten mit 500 mg sind laut Packungsbeilage für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren bestimmt; Kindern mit einer Viruserkrankung wie Grippe oder Windpocken darf ASS danach nur nach vorheriger Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt gegeben werden [9]. Wie viel Sie laut Packungsbeilage nehmen dürfen, steht unter Paracetamol, Ibuprofen und Acetylsalicylsäure; mehr im Ratgeber Ibuprofen oder Paracetamol?

Schnupfen und Husten

Gegen eine verstopfte Nase kommen laut IQWiG abschwellende Nasensprays oder Nasentropfen für ein paar Tage infrage. Um den Hustenreiz zu lindern, kann man danach durch Trinken den Rachen feucht halten und trockene Luft oder Rauch meiden; man kann auch pflanzliche Mittel, etwa mit Efeu-, Thymian- oder Primelwurzel-Extrakten, ausprobieren [2]. Mehr dazu: Schnupfen, Husten und Nasensprays.

Antibiotika nur bei bakterieller Zusatzinfektion

Antibiotika wirken nur gegen Bakterien und nicht gegen Grippeviren. Laut IQWiG können sie nur helfen, wenn sich zusätzlich zur Virusinfektion Bakterien in den Atemwegen angesiedelt haben; treten keine Folgeerkrankungen auf, die auf eine bakterielle Infektion hindeuten, ist ihre Einnahme bei Grippe sinnlos [2]. Bei Zeichen einer bakteriellen Superinfektion sind Antibiotika laut RKI angezeigt [1]. Mehr im Ratgeber Antibiotika richtig einnehmen.

Schwangerschaft, Stillzeit und Kinder

Eine Schwangerschaft, vor allem im fortgeschrittenen Stadium, erhöht laut RKI das Risiko für einen schweren Verlauf [1]. Die Einnahme von Oseltamivir kann laut Fachinformation in der Schwangerschaft in Betracht gezogen werden, wenn es notwendig ist und die verfügbaren Informationen zu Sicherheit und Nutzen sowie die krankmachenden Eigenschaften des umlaufenden Virusstamms berücksichtigt wurden. Bei Stillenden kann eine Behandlung erwogen werden, wenn ein klarer Nutzen ersichtlich ist [6]. Paracetamol kann laut Packungsbeilage falls erforderlich in der Schwangerschaft eingenommen werden, in der geringstmöglichen Dosis und für den kürzestmöglichen Zeitraum [7]. Ibuprofen dürfen Sie im letzten Drittel der Schwangerschaft nicht einnehmen [8]. Mehr dazu: Paracetamol in der Schwangerschaft und Medikamente in der Schwangerschaft.

Die 500-mg-Tabletten Paracetamol werden laut Packungsbeilage für Kinder unter 17 kg Körpergewicht (unter 4 Jahren) nicht empfohlen, weil die Stärke für sie nicht geeignet ist; für diese Altersgruppe gibt es geeignete Stärken und Darreichungsformen [7]. Die 400-mg-Tabletten Ibuprofen dürfen laut Packungsbeilage Kinder unter 20 kg (unter 6 Jahren) nicht einnehmen, weil diese Stärke für sie in der Regel nicht geeignet ist [8]. Mehr dazu: Fieber und Medikamente bei Kindern.

Nebenwirkungen der Medikamente

Oseltamivir: Am häufigsten berichtet werden laut Packungsbeilage Übelkeit oder Erbrechen, Bauchschmerzen, Magenverstimmung, Kopfschmerzen und Schmerzen. Sie treten meistens nach der ersten Einnahme auf und verschwinden üblicherweise wieder, wenn die Behandlung fortgesetzt wird; mit Nahrung eingenommen, treten sie seltener auf. Viele der genannten Nebenwirkungen können auch durch die Grippe selbst verursacht werden [6]. Selten, also bei bis zu 1 von 1.000 Behandelten, wurden Krampfanfälle und Delirium mit verändertem Bewusstseinsgrad, Verwirrtheit, anormales Verhalten, Wahnvorstellungen, Sinnestäuschungen, Erregung, Angst und Albträume gemeldet, vor allem bei Kindern und Jugendlichen. In sehr wenigen Fällen führten sie zu Selbstverletzungen, manche mit tödlichem Ausgang. Solche Ereignisse wurden auch bei Grippekranken gemeldet, die kein Oseltamivir eingenommen hatten. Bemerken Sie solche Veränderungen, besonders bei jungen Menschen, suchen Sie laut Packungsbeilage umgehend eine Ärztin oder einen Arzt auf [6]. Mehr dazu: Halluzinationen und Verwirrtheit.

Seit der Markteinführung wurden außerdem selten schwerwiegende Nebenwirkungen berichtet: schwere allergische Reaktionen, Lebererkrankungen mit gelblicher Verfärbung von Haut und Augenweiß, plötzliche starke Schwellungen vor allem an Kopf und Hals mit Atembeschwerden (angioneurotisches Ödem), schwere Hautreaktionen mit Blasen und Abschälen der Haut sowie Magen-Darm-Blutungen. Bemerken Sie eines dieser Symptome, suchen Sie laut Packungsbeilage sofort eine Ärztin oder einen Arzt auf [6]. Mehr dazu: schwere Hautreaktionen und Arzneimittelallergie.

Zanamivir zum Inhalieren: Bei Menschen mit Asthma kann es laut RKI Anfälle auslösen [1]. Laut IQWiG kann Zanamivir die Atemwege verengen oder die Lungenfunktion beeinträchtigen; besonders für Menschen mit Asthma und COPD ist es deshalb wichtig, Vor- und Nachteile gemeinsam mit der Ärztin oder dem Arzt sorgfältig abzuwägen [3].

Ibuprofen: Bei Anzeichen einer Magen-Darm-Blutung wie stärkeren Schmerzen im Oberbauch, Blut im Stuhl oder Teerstuhl, Bluterbrechen oder Erbrochenem, das wie Kaffeesatz aussieht, nehmen Sie Ibuprofen laut Packungsbeilage nicht weiter ein und begeben sich sofort in ärztliche Behandlung [8]. Mehr dazu: Magenbeschwerden durch Medikamente.

Paracetamol: Bei einer Überdosierung treten im Allgemeinen innerhalb von 24 Stunden Beschwerden wie Übelkeit, Erbrechen, Appetitlosigkeit, Blässe und Bauchschmerzen auf. Wurde mehr eingenommen als empfohlen, rufen Sie laut Packungsbeilage sofort die nächst erreichbare Ärztin oder den nächst erreichbaren Arzt zu Hilfe [7]. Mehr dazu: Leberwerte.

ASS bei Kindern: Treten bei einem Kind, das Acetylsalicylsäure erhalten hat, Schwindel oder Ohnmachtsanfälle, auffälliges Verhalten oder Erbrechen auf, muss laut Packungsbeilage sofort eine Ärztin oder ein Arzt informiert werden [9].

Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt, Ihrer Apotheke oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [7]; wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Im Alltag: andere schützen und vorbeugen

Um sich und andere zu schützen, ist es laut IQWiG am besten, die Verbreitung der Viren zu verhindern: häufig gründlich die Hände mit Seife waschen, in die Armbeuge oder ein Taschentuch statt in die Hände husten oder niesen, sich möglichst wenig ins Gesicht fassen, regelmäßig lüften und bei Erkältungsbeschwerden insbesondere in den ersten Tagen mit möglichst wenigen Menschen Kontakt haben. Auch ein medizinischer Mund-Nasen-Schutz kann dabei helfen [2]. Erkrankte sollten den Kontakt zu anderen Menschen möglichst einschränken, besonders zu Säuglingen, Kleinkindern, Schwangeren, Älteren und Menschen mit geschwächter Immunabwehr oder Grunderkrankungen [5].

Impfung: Laut BIÖG sollte die Impfung jährlich gegeben werden, am besten in den Monaten Oktober und November [5]. Bis der Körper genügend Antikörper gebildet hat, dauert es laut gesund.bund.de ungefähr 14 Tage [4]. Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt die Grippeimpfung unter anderem Menschen ab 60 Jahren, Schwangeren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel (bei chronischen Grunderkrankungen schon ab dem ersten) und Menschen mit erhöhter gesundheitlicher Gefährdung durch ein Grundleiden [5]. Welche Personengruppen die STIKO in ihren aktuellen Empfehlungen nennt, steht mit ihrem Wortlaut auf der Seite Grippeimpfung.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Ein sehr schwerer Krankheitsverlauf kann laut IQWiG lebensgefährlich werden; bei Anzeichen dafür sollte man sich an eine ärztliche Praxis wenden. Bei grippeähnlichen Beschwerden kann es ratsam sein, eine Ärztin oder einen Arzt hinzuzuziehen, vor allem für Menschen mit einem erhöhten Risiko für Komplikationen [2]. Laut BIÖG wenden Sie sich an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn starke Krankheitszeichen auftreten oder sich erneut verschlimmern [5].

Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117, wenn die Behandlung aus medizinischen Gründen nicht bis zum nächsten Tag warten kann; als Beispiel nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) eine Erkältung mit Fieber über 39 °C. Bei Bewusstlosigkeit oder erheblicher Bewusstseinstrübung, schwerer Atemnot oder starken Brustschmerzen alarmieren Sie den Rettungsdienst unter der Notrufnummer 112 [11].

Quellen

  1. Behörde RKI-Ratgeber Influenza (Teil 1): Erkrankungen durch saisonale Influenzaviren (Abschnitte Klinische Symptomatik, Dauer der Ansteckungsfähigkeit, Diagnostik, Therapie, Infektionsschutz und Meldepflicht). Robert Koch-Institut (RKI). Stand 14.01.2026. abgerufen am 17.10.2026
  2. Grippe. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 05.08.2026. abgerufen am 17.10.2026
  3. Wie gut helfen spezielle Grippemedikamente?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 05.08.2026. abgerufen am 17.10.2026
  4. Behörde Grippe (Influenza). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 29.11.2024. abgerufen am 17.10.2026
  5. Behörde Erregersteckbrief Grippe (Influenza). Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), infektionsschutz.de, mit dem RKI fachlich abgestimmt. Stand 23.04.2018 (Steckbrief zum Herunterladen aktualisiert 15.10.2024). abgerufen am 17.10.2026
  6. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Tamiflu (Oseltamivir), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. Roche Registration GmbH (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand EMA, aktualisiert am 15.04.2025. abgerufen am 17.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 17.10.2026
  8. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 17.10.2026
  9. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation ASS-ratiopharm 500 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2025. abgerufen am 17.10.2026
  10. Behörde COVID-19, Erkältung, Grippe: Kennzeichen im Überblick. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem RKI). Stand 15.01.2024. abgerufen am 17.10.2026
  11. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer", "Fälle für den Bereitschaftsdienst" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  12. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Dectova (Zanamivir), Anhang I: Fachinformation und Anhang III B: Packungsbeilage. GlaxoSmithKline Trading Services Limited (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand EMA, deutsche Fassung aktualisiert am 10.11.2025. abgerufen am 17.10.2026

Häufige Fragen

Was hilft schnell gegen Grippe?

Wichtig ist laut IQWiG, sich zu schonen, bis die Beschwerden vorüber sind; insbesondere bei Fieber oder Husten empfehlen Ärztinnen und Ärzte, ausreichend zu trinken. Schmerzmittel wie Paracetamol, ASS und Ibuprofen können Schmerzen lindern und das Fieber senken. Dass Hausmittel wie Hühnerbrühe oder Kräutertees die Genesung beschleunigen, ist nicht belegt. Spezielle Grippemittel kommen laut IQWiG für Menschen mit erhöhtem Risiko für ernsthafte Komplikationen infrage.

Wie lange dauert eine Grippe und wie lange ist man ansteckend?

Die Krankheitsdauer liegt laut RKI in der Regel bei 5 bis 7 Tagen, sie kann aber auch deutlich länger sein; der Husten dauert laut IQWiG manchmal 2 bis 3 Wochen. Ansteckend ist man laut RKI im Mittel etwa 4 bis 5 Tage ab den ersten Symptomen, Kinder auch länger, und die Viren können schon vor Beginn der Beschwerden ausgeschieden werden. Bleiben Sie laut gesund.bund.de etwa 3 bis 5 Tage zu Hause, bis sich die Symptome deutlich gebessert haben.

Brauche ich ein Grippemittel wie Oseltamivir (Tamiflu)?

Bei Verdacht auf einen schweren Verlauf oder bei erhöhtem Risiko, etwa wegen Vorerkrankungen oder einer Schwangerschaft, sollte laut RKI eine antivirale Behandlung erwogen werden; begonnen werden sollte sie so früh wie möglich, also innerhalb von 48 Stunden nach den ersten Symptomen. Bei einem unkomplizierten Verlauf ohne Risikofaktoren kann die Behandlung überwiegend symptomatisch erfolgen. Oseltamivir ist verschreibungspflichtig; ob es für Sie infrage kommt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Häufigste Nebenwirkungen sind laut Packungsbeilage unter anderem Übelkeit oder Erbrechen, Bauchschmerzen und Kopfschmerzen.

Darf ich bei Grippe Ibuprofen oder Paracetamol nehmen?

Beide können laut IQWiG Schmerzen lindern und das Fieber senken. Paracetamol nehmen Sie laut Packungsbeilage ohne ärztlichen Rat nicht länger als 3 Tage ein, und andere gleichzeitig angewendete Arzneimittel sollten kein Paracetamol enthalten. Ibuprofen kann laut Packungsbeilage Anzeichen einer Infektion wie Fieber und Schmerzen verdecken; halten die Infektionsbeschwerden an oder verschlimmern sie sich, wenden Sie sich unverzüglich an eine Ärztin oder einen Arzt. Wie viel Sie laut Packungsbeilage nehmen dürfen, steht unter Paracetamol und Ibuprofen.

Warum sollen Kinder bei Grippe kein ASS bekommen?

Acetylsalicylsäure (ASS) kann bei Kindern und Jugendlichen eine seltene, aber gefährliche Nebenwirkung auslösen, das Reye-Syndrom; laut IQWiG ist ASS für sie deshalb nicht geeignet, laut RKI ist die Gabe von Salizylaten bei Kindern kontraindiziert. Laut Packungsbeilage darf ASS Kindern mit einer Viruserkrankung wie Grippe nur nach vorheriger Rücksprache mit einer Ärztin oder einem Arzt gegeben werden. Treten bei einem Kind nach ASS Schwindel, Ohnmachtsanfälle, auffälliges Verhalten oder Erbrechen auf, muss sofort eine Ärztin oder ein Arzt informiert werden.

Helfen Antibiotika gegen Grippe?

Nein. Antibiotika wirken nur gegen Bakterien und nicht gegen Grippeviren. Laut IQWiG können sie nur helfen, wenn sich zusätzlich Bakterien in den Atemwegen angesiedelt haben; bei Zeichen einer solchen bakteriellen Zusatzinfektion sind sie laut RKI angezeigt. Ob das der Fall ist, beurteilt die Ärztin oder der Arzt.

Wann muss ich mit Grippe zum Arzt?

Wenden Sie sich laut BIÖG an Ihre Ärztin oder Ihren Arzt, wenn starke Krankheitszeichen auftreten oder sich erneut verschlimmern. Wer ein hohes Risiko für einen schweren Verlauf oder stärkere Beschwerden hat, wendet sich laut gesund.bund.de frühzeitig an die Hausarztpraxis; ein erhöhtes Risiko haben laut IQWiG zum Beispiel Menschen ab 60 Jahren, Schwangere im letzten Drittel und Menschen mit chronischen Erkrankungen. Außerhalb der Sprechzeiten hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117; bei schwerer Atemnot oder erheblicher Bewusstseinstrübung rufen Sie den Notruf 112.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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