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Nasennebenhöhlenentzündung
Bei einer Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) sind die Schleimhäute der Nasennebenhöhlen und der Nase entzündet; die akute Form wird meist durch Viren ausgelöst und klingt laut IQWiG meist auch ohne Behandlung nach 1 bis 2 Wochen ab. Kortisonhaltige Nasensprays, Schmerzmittel und Salzlösungen können unterstützen, abschwellende Nasensprays nur über wenige Tage; Antibiotika sind meist nicht sinnvoll. Bei hohem Fieber, Schwellungen um die Augen, starken Gesichtsschmerzen, Lichtempfindlichkeit oder Nackensteife ist rasche ärztliche Hilfe wichtig.

Eine akute Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis) klingt laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) meist auch ohne Behandlung nach 1 bis 2 Wochen ab. Kortisonhaltige Nasensprays, Schmerzmittel und Salzwasserlösungen können dabei unterstützen; Antibiotika sind meist nicht sinnvoll [2]. Bei Anzeichen, dass sich die Entzündung ausbreitet, ist rasche ärztliche Hilfe wichtig [1]; welche das sind, steht im Abschnitt Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen.
Was ist eine Nasennebenhöhlenentzündung?
Bei einer Sinusitis sind laut IQWiG die Schleimhäute der Nasennebenhöhlen und der Nase entzündet; deshalb heißt sie auch Rhinosinusitis. Die Nasennebenhöhlen sind Hohlräume im Schädelknochen, die mit der Nasenhöhle verbunden sind: Stirn-, Kiefer- und Keilbeinhöhle sowie Siebbeinzellen [1]. Die akute Form kann mehrmals im Jahr auftreten, verschwindet aber spätestens nach einigen Wochen wieder. Von einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung spricht man, wenn die Beschwerden länger als drei Monate andauern [1].
Die S2k-Leitlinie Rhinosinusitis der Deutschen Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) und der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) unterscheidet die akute Rhinosinusitis mit Beschwerden bis zu 12 Wochen, die wiederkehrende akute Form mit mindestens 4 Episoden innerhalb von 12 Monaten, zwischen denen die Beschwerden vollständig abklingen, und die chronische Rhinosinusitis mit Beschwerden länger als 12 Wochen, mit oder ohne Nasenpolypen [4]. Die Leitlinie stammt von 2017; laut DEGAM war sie bis 04/2022 gültig und wird derzeit aktualisiert [5]. In dieser S2k-Leitlinie drückt das Modalverb die Stärke einer Empfehlung aus: "soll" steht für eine starke, "sollte" für eine moderate und "kann" für eine schwache Empfehlung [4].
Nasenpolypen sind Schleimhautausstülpungen, die als Folge einer chronischen Entzündung entstehen können; sie beeinträchtigen Nasenatmung und Geruchssinn. Mit den bei Kindern oft vergrößerten Rachenmandeln, umgangssprachlich ebenfalls "Polypen", sind sie nicht zu verwechseln [1].
Symptome und Verlauf
Eine Nebenhöhlenentzündung geht laut IQWiG meist mit diesen Beschwerden einher [1]:
- verstopfte Nase,
- erschwerte Nasenatmung,
- eingeschränkter Geruchssinn,
- drückende Schmerzen im Gesicht.
Manchmal kommen Fieber und Kopfschmerzen hinzu. Ein grünliches oder gelbliches Sekret ist ein Zeichen für die Ansiedlung von Krankheitserregern. Die Schmerzen treten häufig im Bereich der Stirn, des Oberkiefers oder um die Augen auf, seltener an den Zähnen; sie verstärken sich meist, wenn man sich nach vorne lehnt [1]. Eine akute Sinusitis klingt laut IQWiG meist innerhalb von 1 bis 2 Wochen ohne Folgen ab. Selten kommt es zu Komplikationen, oder die Beschwerden bleiben über Monate bestehen [1].
Ursachen und Risikofaktoren
Eine akute Sinusitis wird laut IQWiG oft durch eine Erkältung oder eine Grippe hervorgerufen. Erkältungen werden meist durch Viren verursacht, seltener durch Bakterien; nach einer Virusinfektion können sich zusätzlich Bakterien ansiedeln [1]. Meist wird eine Sinusitis durch Viren verursacht [2]. Laut S2k-Leitlinie von 2017 (Gültigkeit abgelaufen) kann es im Rahmen einer Virusinfektion mit zeitlicher Verzögerung in etwa 0,5 bis 2 Prozent der Fälle zu einer akuten bakteriellen Rhinosinusitis kommen [4]. Die Entzündung lässt die Schleimhäute anschwellen und behindert den Abfluss des Sekrets; es verdickt sich, und die Hohlräume füllen sich mit zähem Schleim [1]. Mehr: Schnupfen.
Warum eine chronische Sinusitis entsteht, weiß man laut IQWiG oft nicht. Manchmal entwickelt sie sich aus einer hartnäckigen akuten Sinusitis. Begünstigen oder verstärken können sie zum Beispiel ein allergischer Schnupfen (Heuschnupfen), Asthma oder eine verkrümmte Nasenscheidewand; auch Umweltfaktoren wie Chemikalien oder Zigarettenrauch können eine Rolle spielen [1].
Medikamente als Ursache: Die Einnahme von Acetylsalicylsäure (ASS) kann laut IQWiG eine chronische Nasennebenhöhlenentzündung begünstigen oder verstärken, wenn eine Unverträglichkeit gegen den Wirkstoff besteht. Auch ein geschwächtes Immunsystem, zum Beispiel durch Medikamente, kann das Risiko erhöhen [1]. Mehr: Infektanfälligkeit durch Medikamente. Der Dauergebrauch abschwellender Nasensprays kann laut Packungsbeilage zu einer chronischen Schwellung und schließlich zum Schwund der Nasenschleimhaut führen [8]; mehr dazu unter Verstopfte Nase durch Medikamente.
Diagnose
Die Ärztin oder der Arzt fragt laut IQWiG nach den Beschwerden und prüft durch sanftes Drücken und Klopfen im Gesicht, ob typische Schmerzen bestehen. Mit einem kleinen Endoskop lässt sich das Innere der Nase untersuchen. Nur in Ausnahmen wird ein Abstrich genommen. Ist die Diagnose weiterhin unklar oder gibt es Anzeichen für Komplikationen, kann eine Computertomografie (CT) oder ein Ultraschall gemacht werden [1]. Festzustellen, ob Bakterien oder Viren die Ursache sind, ist aufwendig und meist unnötig; bei einer akuten Sinusitis hat es kaum Einfluss auf die Behandlung [1].
Bei der akuten Rhinosinusitis sollten laut S2k-Leitlinie von 2017 (Gültigkeit abgelaufen) routinemäßig keine bildgebenden Verfahren erfolgen, bei der chronischen sollte eine Endoskopie der Nase erfolgen. Bei starken oder sehr starken Schmerzen kann die Bestimmung von Entzündungswerten im Blut (CRP und/oder Blutsenkung) durchgeführt werden, um die Entscheidung für ein Antibiotikum zu begründen [4]. Bei einer chronischen Sinusitis kann laut IQWiG manchmal ein Allergietest weiterhelfen [1].
Behandlung ohne Medikamente
Salzlösungen können laut IQWiG helfen, das Sekret in den Nebenhöhlen zu lösen. Es gibt sie als fertig zubereitete Nasensprays; außerdem kann man die Nasennebenhöhlen mit speziellen Nasenduschen spülen. Zum Spülen reicht Leitungswasser, in dem Speisesalz oder in der Apotheke erhältliche Salze aufgelöst werden. Hypertone Salzlösungen mit 20 Gramm Salz pro Liter (etwa 5 Teelöffel) sind etwas wirksamer als isotone mit 9 Gramm pro Liter (etwa 2 Teelöffel), führen aber eher zu einer trockenen und gereizten Nasenschleimhaut [2]. Eine andere Möglichkeit ist, Wasserdampf zu inhalieren; seine Wirksamkeit ist laut IQWiG nicht gut untersucht [2].
Bei chronischer Sinusitis kann man laut IQWiG zusätzlich zu Medikamenten Kochsalzlösungen anwenden, um die Schwellung der Schleimhaut zu mildern und das Sekret zu lösen; ihre Wirksamkeit ist wie die von Inhalationen aber nicht ausreichend wissenschaftlich untersucht [3]. Der Zusatz ätherischer Öle beim Inhalieren hat laut S2k-Leitlinie von 2017 (Gültigkeit abgelaufen) keine nachgewiesenen klinischen Effekte [4].
Operation: Bei starken chronischen Beschwerden, die sich durch Medikamente allein nicht ausreichend oder dauerhaft bessern, entscheiden sich manche Menschen für eine Operation; der gängigste Eingriff ist laut IQWiG die funktionelle endoskopische Nasennebenhöhlenoperation (FESS) [3]. Eine Operation ist laut IQWiG eine Möglichkeit, wenn Kortisonsprays und andere Behandlungen keine ausreichende Linderung gebracht haben oder sich die Entzündung ausbreitet und dadurch Komplikationen drohen [3].
Behandlung mit Medikamenten

Bei einer akuten Nasennebenhöhlenentzündung können laut IQWiG kortisonhaltige Nasensprays, Schmerzmittel und Salzlösungen unterstützen [2]. Bei einer chronischen Sinusitis lindern vor allem kortisonhaltige Nasensprays die Beschwerden; bei schwerer Erkrankung mit Nasenpolypen kommen für Erwachsene auch Biologika infrage [3]. Antibiotika sind nur selten sinnvoll [1].
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Kortisonhaltige Nasensprays (Nasensprays) | Mometason, als verschreibungspflichtiges Nasenspray zugelassen bei Nasenpolypen ab 18 Jahren sowie bei Heuschnupfen und ganzjährigem Schnupfen [6] | Kortikosteroid mit örtlich entzündungshemmender Wirkung in Dosierungen, die im übrigen Körper nicht wirksam sind [7] | Häufig: Kopfschmerzen, Niesen und Reizung oder Brennen in der Nase, Nasenbluten (bei Nasenpolypen und zweimal täglicher Anwendung sehr häufig), Nasen- oder Halsschmerzen, Geschwüre in der Nase, Atemwegsinfektion [6] |
| Abschwellende Nasensprays (Nasensprays) | Xylometazolin [8], Oxymetazolin [10]; laut Packungsbeilage unter anderem zur Erleichterung des Sekretabflusses bei Entzündung der Nasennebenhöhlen | Alpha-Sympathomimetika: verengen die Blutgefäße und lassen so die Schleimhaut abschwellen [9, 10] | Häufig: Brennen oder Trockenheit der Nasenschleimhaut, Niesen [8, 10] |
| Schmerzmittel (NSAR, Nichtopioid-Analgetika) | Ibuprofen [11], Paracetamol [13] | Ibuprofen hemmt die Bildung von Prostaglandinen und verringert entzündlich bedingte Schmerzen, Schwellungen und Fieber [12]. Wie Paracetamol schmerzstillend und fiebersenkend wirkt, ist nicht eindeutig geklärt [14] | Ibuprofen, häufig: Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung und geringfügige Blutverluste im Magen-Darm-Trakt [11]. Paracetamol, selten: leichter Anstieg bestimmter Leberenzyme [13] |
| Pflanzliche Schleimlöser (Hustenmittel) | Cineol, ab 12 Jahren bei akuter, unkomplizierter, nicht bakterieller Rhinosinusitis [15]; Myrtol, zur Schleimlösung bei Sinusitis [16] | Laut Packungsbeilage entzündungshemmend und schleimlösend (Cineol) [15] bzw. ein pflanzliches Mittel zur Schleimlösung in den Atemwegen (Myrtol) [16] | Cineol, gelegentlich: Magen-Darm-Beschwerden wie Übelkeit oder Durchfall [15]. Myrtol, häufig: Magen- oder Oberbauchschmerzen [16] |
| Antibiotika, nur in bestimmten Fällen (Penicilline und Cephalosporine) | Laut S2k-Leitlinie von 2017 (Gültigkeit abgelaufen) erste Wahl: Amoxicillin [4, 18], Cefuroxim [4, 20]; beide laut Fachinformation bei akuter bakterieller Sinusitis angezeigt | Hemmen Enzyme (Penicillin-bindende Proteine), die Bakterien zum Aufbau ihrer Zellwand brauchen; das führt in der Regel zum Absterben der Bakterien [18, 20] | Amoxicillin, häufig: Hautausschlag, Übelkeit, Durchfall [17]. Cefuroxim, häufig: Pilzinfektionen (Candida), Kopfschmerzen, Schwindel, Durchfall, Übelkeit, Magenschmerzen, mehr Eosinophile im Blut, erhöhte Leberenzyme [19] |
| Biologika (Antikörper), nur bei schwerer chronischer Rhinosinusitis mit Nasenpolypen | Dupilumab [25], Omalizumab [26], jeweils für Erwachsene mit schwerer Erkrankung zusätzlich zu Kortison-Nasensprays; Dupilumab, wenn sie mit Kortison zum Einnehmen oder Spritzen und/oder einer Operation nicht ausreichend kontrolliert werden kann, Omalizumab, wenn Kortison-Nasensprays keine ausreichende Krankheitskontrolle erreichen | Dupilumab hemmt die Signalwege der Botenstoffe Interleukin-4 und Interleukin-13 [25]; Omalizumab bindet gezielt an Immunglobulin E (IgE), sodass weniger freies IgE zum Auslösen allergischer Reaktionen verfügbar ist [26] | Dupilumab, häufig: Bindehautentzündung, auch allergisch, Lippenherpes, Eosinophilie, Gelenkschmerzen, Reaktionen an der Injektionsstelle [25]. Omalizumab, in Studien zu Nasenpolypen am häufigsten: Kopfschmerzen, Schwindel, Gelenkschmerzen, Schmerzen im Oberbauch, Reaktionen an der Injektionsstelle, jeweils häufig [26] |
"Sehr häufig" heißt: bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig": bei bis zu 1 von 10, "gelegentlich": bei bis zu 1 von 100, "selten": bei bis zu 1 von 1.000. Jede Angabe gilt nur für den genannten Wirkstoff; maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats [8, 17]. Mehr: Beipackzettel verstehen.
Kortisonhaltige Nasensprays
Kortisonhaltige Nasensprays hemmen laut IQWiG die Entzündung, sodass die Schleimhaut in den Nebenhöhlen abschwillt. Studien bestätigen, dass sie Sinusitis-Beschwerden lindern können; allerdings wirken sie oft erst nach ein paar Tagen und nicht bei allen Menschen, vor allem helfen sie bei allergischem Schnupfen und bei regelmäßig wiederkehrenden Nebenhöhlenentzündungen [2]. Bei einer chronischen Sinusitis ist es oft nötig, sie über Monate oder sogar länger als ein Jahr anzuwenden; Polypen können dadurch kleiner werden [3]. Das in der Tabelle genannte Mometason-Nasenspray ist laut Fachinformation zur Behandlung von allergischem Schnupfen und von Nasenpolypen ab 18 Jahren zugelassen; eine Nasennebenhöhlenentzündung ohne Nasenpolypen gehört nicht zu seinen Anwendungsgebieten [7].
Kortison als Tabletten ist bei akuter Sinusitis allein laut IQWiG wahrscheinlich nicht wirksam [2]. Bei chronischer Sinusitis sind Kortisontabletten wegen ihrer Nebenwirkungen nur ausnahmsweise sinnvoll und sollten höchstens drei Wochen lang eingenommen werden [3]. Mehr: Glucocorticoide.
Abschwellende Nasensprays
Abschwellende Nasensprays oder -tropfen wirken laut IQWiG sofort und sorgen kurzfristig für eine bessere Nasenatmung, was nachts beim Schlafen helfen kann. Sie wirken nicht entzündungshemmend und wurden zur Behandlung der Sinusitis bisher nicht ausreichend in Studien geprüft. Anwenden sollte man sie nur über wenige Tage, denn schon wenige Stunden nach der Anwendung kann die Schleimhaut wieder stark anschwellen; dieser Effekt wird umso stärker, je häufiger man sie anwendet [2]. Zur Behandlung einer chronischen Sinusitis sind sie laut IQWiG nicht geeignet, da sie nicht länger als ein paar Tage durchgehend angewendet werden sollten [3]. Abschwellende Mittel für die Nase sollen laut S2k-Leitlinie von 2017 (Gültigkeit abgelaufen) frei vom Konservierungsstoff Benzalkoniumchlorid sein [4].
Selbstbehandlung: Das Xylometazolin-Nasenspray mit 0,1 Prozent darf laut Packungsbeilage nicht länger als 7 Tage angewendet werden, es sei denn auf ärztliche Anordnung; eine erneute Anwendung sollte erst nach einer Pause von mehreren Tagen erfolgen. Bei Kindern unter 6 Jahren darf es nicht angewendet werden; in der Schwangerschaft kann es bei bestimmungsgemäßem Gebrauch für nicht mehr als eine Woche angewendet werden [8]. Die Angaben zur Menge stehen unter Xylometazolin.
Schmerzmittel und pflanzliche Mittel
Gegen die Schmerzen kann man laut IQWiG ASS, Paracetamol oder Ibuprofen einnehmen; wegen ihrer Nebenwirkungen, etwa Magenbeschwerden, sollten auch rezeptfreie Schmerzmittel nur über wenige Tage eingenommen werden [2]. Ist Ibuprofen bei Erwachsenen länger als 4 Tage gegen Schmerzen oder länger als 3 Tage gegen Fieber nötig, sollte laut Packungsbeilage ärztlicher Rat eingeholt werden [11]; Paracetamol nehmen Sie laut Packungsbeilage ohne ärztlichen oder zahnärztlichen Rat nicht länger als 3 Tage ein [13]. Mehr: Schmerzmittel richtig anwenden.
Eine Behandlung der akuten Rhinosinusitis mit einem bestimmten patentierten Pflanzenextrakt (BNO 1016) oder mit definierten Eukalyptusextrakten kann laut Leitlinie empfohlen werden; für die wiederkehrende akute Form reicht die Studienlage laut Leitlinie weder für eine Empfehlung dafür noch dagegen [4]. Bei chronischer Sinusitis gibt es laut IQWiG keine wissenschaftlichen Belege, dass pflanzliche Mittel helfen [3]. Cineol darf laut Packungsbeilage nicht von Kindern unter 12 Jahren eingenommen werden [15], Myrtol nicht von Kindern unter 6 Jahren [16]. Ob ein pflanzliches Nasenspray mit Alpenveilchen-Extrakt bei akuter Sinusitis hilft, ist laut IQWiG unklar; in Studien kam es häufiger zu Reizungen der Nasenschleimhaut [2].
Antibiotika nur in bestimmten Fällen
Auf Antibiotika kann laut IQWiG in der Regel verzichtet werden, denn sie wirken nur gegen Bakterien, und eine Nebenhöhlenentzündung ist meist innerhalb von zwei Wochen ausgeheilt, selbst wenn Bakterien beteiligt sind. Normalerweise kann man zunächst 1 bis 2 Wochen abwarten; dauern die Beschwerden länger, ist noch Zeit, mit der Ärztin oder dem Arzt über Antibiotika zu sprechen [2]. Bei einem schweren Verlauf ist die schnelle Anwendung von Antibiotika jedoch unerlässlich [2].
Laut Leitlinie sollten bei einer akuten Rhinosinusitis oder einem akuten Schub der wiederkehrenden Form in der Regel keine Antibiotika gegeben werden. Eine Antibiotikagabe sollte erwogen werden bei besonderen Risikofaktoren, insbesondere einer chronisch entzündlichen Lungenerkrankung oder einer Immunschwäche bzw. Immunsuppression, und sie sollte erfolgen bei Hinweisen auf Komplikationen wie starken Kopfschmerzen, Gesichtsschwellungen oder Lethargie. Sie kann empfohlen werden bei starken bzw. sehr starken Schmerzen plus erhöhten Entzündungswerten (CRP über 10 mg/l oder Blutsenkung über 10 mm/h bei Männern bzw. über 20 mm/h bei Frauen), und sie kann erwogen werden bei starken Beschwerden und/oder Verstärkung der Beschwerden im Verlauf und/oder Fieber über 38,5 °C [4]. Als Auswahl für 5 bis 10 Tage kann laut Leitlinie empfohlen werden: erste Wahl Amoxicillin bzw. ein Cephalosporin (Cefuroxim), zweite Wahl ein Makrolid wie Azithromycin, Amoxicillin/Clavulansäure, Doxycyclin oder Cotrimoxazol, gegebenenfalls andere Antibiotika entsprechend regionalen Resistenzmustern [4]. Laut Packungsbeilage bzw. Fachinformation sind Azithromycin, Amoxicillin/Clavulansäure (nach angemessener Diagnosestellung) und Doxycyclin bei bakterieller Nebenhöhlenentzündung angezeigt, Cotrimoxazol bei Infektionen im Hals-Nasen-Ohren-Bereich [21, 22, 23, 24]. Die Dosis legt die Ärztin oder der Arzt fest; die Angaben der Packungsbeilage stehen zum Beispiel unter Amoxicillin.
Fluorchinolone sollten laut Rote-Hand-Brief vom 07.06.2023 bei leichten bis mittelschweren Infektionen, ausdrücklich auch bei akuter bakterieller Rhinosinusitis, nicht verschrieben werden, es sei denn, andere üblicherweise empfohlene Antibiotika werden als ungeeignet erachtet [27]. Bei einer chronischen Sinusitis konnten Studien laut IQWiG nicht klären, wie gut Antibiotika helfen [3]. Mehr: Antibiotika richtig einnehmen.
Biologika bei Nasenpolypen
Für Erwachsene mit schwerer chronischer Nasennebenhöhlenentzündung und Nasenpolypen sind laut IQWiG die Biologika Dupilumab, Omalizumab und Mepolizumab zugelassen; sie werden zusätzlich zu einer Kortison-Behandlung angewendet [3]. Dupilumab und Mepolizumab sind laut Fachinformation als Zusatz zu Kortison-Nasensprays angezeigt, wenn die schwere Erkrankung mit Kortison zum Einnehmen oder Spritzen und/oder einer Operation nicht ausreichend kontrolliert werden kann [25, 29], Omalizumab ab 18 Jahren als Zusatz zu Kortison-Nasensprays, wenn diese keine ausreichende Krankheitskontrolle erreichen [26].
Schwangerschaft und Stillzeit
Wenn Sie schwanger sind oder stillen, fragen Sie laut Packungsbeilage von Xylometazolin vor der Anwendung Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke um Rat; die empfohlene Dosierung darf dann nicht überschritten werden [8]. Was das Beratungszentrum Embryotox der Charité zu einzelnen Wirkstoffen schreibt, steht auf den Wirkstoffseiten. Allgemeines: Medikamente in der Schwangerschaft und Medikamente in der Stillzeit.
Nebenwirkungen der Medikamente
Kortisonhaltige Nasensprays: Laut IQWiG können sie vor allem die Nasenschleimhaut reizen oder austrocknen, manchmal treten vorübergehend Kopfschmerzen auf, insbesondere bei höherer Dosierung kann es zu Nasenbluten kommen. Sie haben deutlich weniger Nebenwirkungen als Kortison, das als Tablette oder Infusion im ganzen Körper wirkt [3]. Ohne bekannte Häufigkeit nennt die Packungsbeilage von Mometason unter anderem einen Anstieg des Augeninnendrucks, grauen Star und verschwommenes Sehen [6]. Mehr: Sehstörungen.
Abschwellende Nasensprays: Gelegentlich tritt laut Packungsbeilage nach Abklingen der Wirkung ein stärkeres Gefühl einer verstopften Nase auf, außerdem Nasenbluten [8]. Mehr: Verstopfte Nase durch Medikamente.
Schmerzmittel: Unter entzündungshemmenden Schmerzmitteln wie Ibuprofen wurde laut Fachinformation sehr selten eine Verschlechterung infektionsbedingter Entzündungen beschrieben. Treten während der Einnahme Anzeichen einer Infektion neu auf oder verschlimmern sie sich, wird empfohlen, unverzüglich eine Ärztin oder einen Arzt aufzusuchen [12]. Mehr: Magenbeschwerden durch Medikamente.
Antibiotika: Sie können laut IQWiG Nebenwirkungen wie Magen-Darm-Probleme und Pilzinfektionen haben; ein zu häufiger Einsatz kann dazu beitragen, dass sich resistente Erreger bilden [2]. Unter Amoxicillin sind allergische Reaktionen mit Juckreiz oder Ausschlag, Schwellungen von Gesicht, Lippen, Zunge oder Körper oder Atembeschwerden laut Packungsbeilage sehr selten, also bei bis zu 1 von 10.000 Behandelten; dann nehmen Sie das Mittel nicht weiter ein und wenden sich sofort an eine Ärztin oder einen Arzt [17]. Mehr: Durchfall durch Medikamente und Arzneimittelallergie.
Haben Sie ein verordnetes Medikament als Auslöser von Beschwerden im Verdacht, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie laut Packungsbeilage Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [6]. Wie das geht: Nebenwirkung melden.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Sehr selten breitet sich die Entzündung laut IQWiG auf umliegende Körperregionen aus, etwa die Augen oder das Gehirn. Anzeichen dafür sind [1]:
- hohes Fieber,
- Schwellungen um die Augen,
- entzündliche Hautrötungen,
- starker Gesichtsschmerz,
- Lichtempfindlichkeit,
- Nackensteife.
Bei solchen Symptomen ist rasche ärztliche Hilfe wichtig, entweder in einer Praxis oder Klinik [1]. Als Warnzeichen für Komplikationen nennt die S2k-Leitlinie von 2017 (Gültigkeit abgelaufen) außerdem starke Schmerzen, Gesichtsschwellungen, anhaltendes Fieber, Lethargie und neurologische Symptome [4]. Laut Packungsbeilage von Cineol sollte eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden bei Beschwerden, die länger als eine Woche anhalten, bei Atemnot, Fieber, eitrigem oder blutigem Auswurf, Nasenbluten, starken Schmerzen, eitrigem Nasensekret, Sehstörungen, einer Asymmetrie von Mittelgesicht oder Augen oder Taubheitsgefühl im Gesicht [15]. Bewusstlosigkeit oder eine erhebliche Bewusstseinstrübung sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Fälle für den Notruf 112 [28].
Quellen
- Nasennebenhöhlenentzündung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 10.04.2024. abgerufen am 17.10.2026
- Mittel gegen akute Nasennebenhöhlenentzündung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 10.04.2024. abgerufen am 17.10.2026
- Behandlung einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 10.04.2024. abgerufen am 17.10.2026
- Leitlinie S2k-Leitlinie Rhinosinusitis, Langfassung (AWMF-Register-Nr. 017-049 und 053-012); Gültigkeit abgelaufen (gültig bis 04/2022), Aktualisierung geplant. Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) und Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Stand 04/2017. abgerufen am 17.10.2026
- DEGAM-Leitlinie S2k 053-012 Rhinosinusitis (Detailseite: publiziert 04/2017, gültig bis 04/2022, Aktualisierung mit geplanter Fertigstellung 30.12.2026). Deutsche Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM). Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Mometasonfuroat-ratiopharm 50 Mikrogramm/Sprühstoß Nasenspray, Suspension (verschreibungspflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 05/2023. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Mometasonfuroat-ratiopharm 50 Mikrogramm/Sprühstoß Nasenspray, Suspension (verschreibungspflichtig). ratiopharm GmbH. Stand 05/2023. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation NasenSpray-ratiopharm Erwachsene (Xylometazolinhydrochlorid 0,1 %). ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation NasenSpray-ratiopharm Erwachsene (Xylometazolinhydrochlorid 0,1 %). ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation WICK Nasivin Nasenspray ohne Konservierungsstoffe Erwachsene und Schulkinder 0,5 mg/ml (Oxymetazolin). P&G Health Germany GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Paracetamol-ratiopharm 500 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Soledum Kapseln forte 200 mg, magensaftresistente Weichkapseln (Cineol). Cassella-med GmbH & Co. KG. Stand 08/2023. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation GeloMyrtol forte 300 mg, magensaftresistente Weichkapseln (Myrtol). G. Pohl-Boskamp GmbH & Co. KG. Stand 02/2018. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Amoxicillin-ratiopharm 1000 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Amoxicillin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Cefuroxim-ratiopharm 500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2023. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Cefuroxim-ratiopharm 250 mg/500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Azithromycin-ratiopharm 500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Amoxicillin-ratiopharm comp. 875/125 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2025. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Doxy-M-ratiopharm 100 mg / 200 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Cotrim forte-ratiopharm 800 mg/160 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 17.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Dupixent (Dupilumab), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Sanofi Winthrop Industrie (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 08/2026. abgerufen am 17.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Xolair (Omalizumab), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation). Novartis Europharm Limited (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 06/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief: Systemisch und inhalativ angewendete fluorchinolonhaltige Antibiotika, Erinnerung an die Anwendungsbeschränkungen. Zulassungsinhaber fluorchinolonhaltiger Antibiotika in Abstimmung mit EMA und BfArM. Stand 07.06.2023. abgerufen am 17.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Nucala (Mepolizumab), Anhang I: Zusammenfassung der Merkmale des Arzneimittels (Fachinformation), Abschnitt 4.1. GlaxoSmithKline Trading Services Limited (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 07/2026. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Was hilft schnell bei einer Nasennebenhöhlenentzündung?
Abschwellende Nasensprays wirken laut IQWiG sofort und sorgen kurzfristig für eine bessere Nasenatmung, wirken aber nicht entzündungshemmend; anwenden sollte man sie nur wenige Tage. Kortisonhaltige Nasensprays hemmen die Entzündung, wirken aber oft erst nach ein paar Tagen. Gegen die Schmerzen kommen Ibuprofen, Paracetamol oder ASS infrage, wegen möglicher Nebenwirkungen nur über wenige Tage. Salzlösungen als Nasenspray oder Nasendusche können helfen, das Sekret zu lösen.
Wie lange darf ich abschwellendes Nasenspray nehmen?
Laut Packungsbeilage von Xylometazolin-Nasenspray nicht länger als 7 Tage, es sei denn auf ärztliche Anordnung; eine erneute Anwendung sollte erst nach einer Pause von mehreren Tagen erfolgen. Bei Dauergebrauch kann die Nasenschleimhaut chronisch anschwellen und schließlich schwinden. Wie viele Sprühstöße am Tag laut Packungsbeilage erlaubt sind, steht unter Xylometazolin.
Brauche ich bei Sinusitis ein Antibiotikum?
Meist nicht. Eine Sinusitis wird laut IQWiG meist durch Viren verursacht und ist meist innerhalb von zwei Wochen ausgeheilt, selbst wenn Bakterien beteiligt sind; man kann zunächst 1 bis 2 Wochen abwarten. Laut S2k-Leitlinie von 2017, deren Gültigkeit abgelaufen ist, sollten in der Regel keine Antibiotika gegeben werden. Eine Antibiotikagabe sollte erwogen werden bei besonderen Risikofaktoren wie einer chronisch entzündlichen Lungenerkrankung oder Immunsuppression, und sie sollte erfolgen bei Hinweisen auf Komplikationen wie starken Kopfschmerzen, Gesichtsschwellungen oder Lethargie. Bei einem schweren Verlauf ist laut IQWiG die schnelle Anwendung von Antibiotika unerlässlich.
Welches Antibiotikum wird bei Sinusitis gegeben?
Als erste Wahl kann laut S2k-Leitlinie von 2017 (abgelaufen) Amoxicillin oder ein Cephalosporin wie Cefuroxim empfohlen werden, als zweite Wahl ein Makrolid wie Azithromycin, Amoxicillin/Clavulansäure, Doxycyclin oder Cotrimoxazol, jeweils für 5 bis 10 Tage. Fluorchinolone sollten laut Rote-Hand-Brief vom 07.06.2023 bei akuter bakterieller Rhinosinusitis nur verschrieben werden, wenn andere üblicherweise empfohlene Antibiotika als ungeeignet erachtet werden. Welches Mittel Sie bekommen, entscheidet die Ärztin oder der Arzt.
Helfen pflanzliche Mittel bei Nasennebenhöhlenentzündung?
Eine Behandlung der akuten Rhinosinusitis mit einem bestimmten patentierten Pflanzenextrakt (BNO 1016) oder mit definierten Eukalyptusextrakten kann laut S2k-Leitlinie von 2017 (abgelaufen) empfohlen werden; für die wiederkehrende und die chronische Form reichte die Studienlage nicht für eine Empfehlung. Als Eukalyptus-Extrakte nennt die Leitlinie Myrtol und Cineol; Cineol ist laut Packungsbeilage ab 12 Jahren zur Behandlung der Symptome bei akuter, unkomplizierter, nicht bakterieller Rhinosinusitis bestimmt, Myrtol ab 6 Jahren zur Schleimlösung bei Sinusitis. Bei chronischer Sinusitis gibt es laut IQWiG keine wissenschaftlichen Belege, dass pflanzliche Mittel helfen.
Wann muss ich mit einer Nasennebenhöhlenentzündung zum Arzt?
Rasch ärztliche Hilfe brauchen Sie laut IQWiG bei hohem Fieber, Schwellungen um die Augen, entzündlichen Hautrötungen, starkem Gesichtsschmerz, Lichtempfindlichkeit und Nackensteife, entweder in einer Praxis oder Klinik. Dauern die Beschwerden länger als 1 bis 2 Wochen, können Sie mit der Ärztin oder dem Arzt besprechen, ob Antibiotika sinnvoll sein könnten. Laut Packungsbeilage von Cineol sollte außerdem eine Ärztin oder ein Arzt aufgesucht werden bei Beschwerden länger als eine Woche, Atemnot, Fieber, eitrigem oder blutigem Auswurf, Nasenbluten, starken Schmerzen, eitrigem Nasensekret, Sehstörungen, einer Asymmetrie von Mittelgesicht oder Augen oder Taubheitsgefühl im Gesicht.
Was ist eine chronische Sinusitis?
Von einer chronischen Nasennebenhöhlenentzündung spricht man laut IQWiG, wenn die Beschwerden länger als drei Monate andauern. Sie kann ohne oder mit Nasenpolypen auftreten, also gutartigen Schleimhautausstülpungen. Vor allem kortisonhaltige Nasensprays lindern die Beschwerden, oft über Monate oder länger als ein Jahr angewendet; zusätzlich kann man Salzlösungen anwenden, deren Wirksamkeit aber nicht ausreichend untersucht ist. Bringen Medikamente keine ausreichende Besserung, ist eine Operation eine Möglichkeit.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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Krankheiten MittelohrentzündungEine akute Mittelohrentzündung klingt in der Regel in 2 bis 3 Tagen von selbst ab.
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