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Mittelohrentzündung
Eine akute Mittelohrentzündung gehört zu den häufigsten Erkrankungen bei Babys und Kleinkindern und klingt laut IQWiG in der Regel innerhalb von 2 bis 3 Tagen von selbst ab. Im Mittelpunkt steht eine schnelle Schmerzlinderung mit Mitteln wie Paracetamol oder Ibuprofen; Antibiotika sind laut IQWiG häufig unnötig, können aber bei eitrigem Ausfluss aus dem Ohr, bei Kindern unter zwei Jahren mit Entzündung beider Ohren oder bei Komplikationen sinnvoll sein. Ist ein Antibiotikum nötig, ist laut WirkstoffAktuell von KBV und AkdÄ Amoxicillin Therapie der Wahl. Ärztlicher Rat ist laut IQWiG sinnvoll, wenn es dem Kind nicht gut geht, und ratsam, wenn sich die Beschwerden nicht bessern oder Hörstörungen auftreten; Schmerzen hinter dem Ohr können auf eine Mastoiditis hinweisen, die mit Antibiotika behandelt werden muss.

Eine akute Mittelohrentzündung klingt laut dem Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in der Regel innerhalb von 2 bis 3 Tagen von selbst ab; ernsthafte Komplikationen sind sehr selten [1]. Im Mittelpunkt der Behandlung steht meist eine schnelle Schmerzlinderung, etwa mit Paracetamol oder Ibuprofen, die es auch als Zäpfchen oder Saft gibt [1]. Antibiotika sind laut IQWiG häufig unnötig; sinnvoll sein können sie zum Beispiel bei eitrigem Ausfluss aus dem Ohr oder wenn bei Kindern unter zwei Jahren beide Ohren entzündet sind [1].
Was ist eine Mittelohrentzündung?
Bei einer akuten Mittelohrentzündung (akute Otitis media) staut sich Flüssigkeit im Mittelohr und drückt auf das Trommelfell; das kann wehtun und das Hören beeinträchtigen [1]. Sie ist eine der häufigsten Erkrankungen bei Babys und Kleinkindern: Bis zum Alter von drei Jahren haben 80 von 100 Kindern schon einmal eine Mittelohrentzündung gehabt, bis zu einem Drittel der erkrankten Kinder hat mehrmals damit zu tun [1]. Nach dem siebten Lebensjahr sind Mittelohrentzündungen seltener, weil sich die Ohrtrompete und das Immunsystem weiterentwickelt haben [1].
Hält eine Mittelohrentzündung über mehrere Wochen an, spricht man von einer chronischen Otitis media: Schmerzen und Fieber klingen ab, die Flüssigkeit bleibt aber im Mittelohr [1]. Bleibt nach einer abgeklungenen Entzündung Flüssigkeit im Mittelohr, heißt das Paukenerguss; es kann zu Hörstörungen kommen, die die Sprachentwicklung verzögern können [1].
Symptome
Eine akute Mittelohrentzündung bei einem Kleinkind äußert sich laut IQWiG in der Regel durch [1]:
- starke Ohrenschmerzen,
- Fieber über 38 °C,
- schlechtes Hören, weil sich im Mittelohr Flüssigkeit angesammelt hat.
Meist geht es den Kindern plötzlich sehr schlecht, manche müssen sich übergeben [1]. Kleinkinder können Schmerzen oft nicht zuordnen und klagen vielleicht über Bauchweh, auch wenn ihnen die Ohren wehtun. Manche schütteln häufig den Kopf, fassen sich an die Ohren oder reiben sie [1].
Drückt das Sekret zu stark auf das Trommelfell, kann es einreißen. Die zähe, manchmal mit Eiter und Blut vermischte Flüssigkeit fließt dann nach außen in den Gehörgang, und die Schmerzen lassen nach [1]. Der Riss ist meist klein und verheilt innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen von selbst; bis dahin kann immer wieder ein wenig Flüssigkeit aus dem Ohr laufen [1].
Ursachen und Risikofaktoren
In der Regel tritt eine akute Mittelohrentzündung im Zusammenhang mit einer Erkältung, einer Grippe, einer Halsentzündung oder einer ähnlichen Infektion auf [1]. Viren oder Bakterien dringen in den Rachenraum ein, die Schleimhäute entzünden sich und bilden mehr Flüssigkeit; schwellen dann auch die Schleimhäute im Ohr und in der Ohrtrompete (Eustachische Röhre) an, dem Verbindungsgang zwischen Mittelohr und Rachen, kann die Flüssigkeit nicht mehr abfließen [1]. Bei Babys und Kleinkindern ist die Ohrtrompete noch sehr fein und kurz, sodass sich Krankheitserreger aus dem Nasen-Rachen-Raum leicht bis ins Mittelohr ausbreiten können [1].
Häufigste Erreger sind laut WirkstoffAktuell, einer Verordnungshilfe der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) in Zusammenarbeit mit der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ), Viren wie RS-, Rhino-, Influenza-, Parainfluenza- und Adenoviren. Bakterielle Infektionen werden meist durch Pneumokokken (Streptococcus pneumoniae) oder unbekapselte Stämme von Haemophilus influenzae verursacht, seltener durch Moraxella catarrhalis oder A-Streptokokken [5].
Auch vergrößerte Rachenmandeln ("Polypen") können die Entlüftung des Mittelohrs behindern; allergische Reaktionen oder Infektionen der Nasennebenhöhlen (Nasennebenhöhlenentzündung) können ebenfalls dazu führen, dass die Ohrtrompete zuschwillt [1]. Kinder bekommen laut IQWiG etwas häufiger Mittelohrentzündungen, wenn sie [1]:
- einen Schnuller benutzen,
- oft engen Kontakt zu anderen Kindern haben, zum Beispiel in der Kita oder im Hort,
- von Anfang an Flaschennahrung anstatt Muttermilch bekommen,
- häufig Tabakrauch ausgesetzt sind.
Diagnose

Die Ärztin oder der Arzt fragt nach den Beschwerden, untersucht beide Ohren, den Hals und den Rachenraum und misst die Körpertemperatur. Das Trommelfell wird mit einem Otoskop betrachtet, einem Gerät mit Lupe und Lämpchen; mit einem Tympanometer lässt sich prüfen, ob sich das Trommelfell frei bewegen kann [1]. Hinweise auf eine akute Mittelohrentzündung sind laut IQWiG ein plötzlicher Beginn mit heftigen Ohrenschmerzen und Fieber, Hörstörungen und allgemeiner Schwäche, ein gerötetes Trommelfell und ein nach außen gewölbtes, starres und undurchsichtiges Trommelfell. Manchmal ist es allerdings nicht einfach, die Erkrankung sicher zu erkennen [1].
Behandlung ohne Medikamente
Kinder mit akuter Mittelohrentzündung brauchen laut IQWiG vor allem viel Zuwendung [2]. Für Hausmittel wie Wadenwickel gegen Fieber, Zwiebelsäckchen auf dem schmerzenden Ohr oder Wärme durch Rotlicht gibt es keine Belege für eine Wirksamkeit; manche Kinder empfinden sie jedoch als wohltuend [2]. Auch für pflanzliche Mittel fehlen Belege, dass sie bei einer akuten Mittelohrentzündung helfen; homöopathische Mittel sind laut IQWiG unwirksam [2].
Beobachten und abwarten: Bei den meisten Kindern ist es laut IQWiG sinnvoll, 2 bis 3 Tage abzuwarten, ob sich die Beschwerden von selbst bessern, und erst dann zu entscheiden, ob Antibiotika eingesetzt werden. Gegen die Ohrenschmerzen erhalten die Kinder bis dahin schmerzstillende und falls nötig fiebersenkende Mittel [2]. Möglich ist auch, dass die Ärztin oder der Arzt ein Rezept für ein Antibiotikum ausstellt und die Eltern bittet, es erst einmal nicht einzulösen [2]. Wichtig ist, die Beschwerden aufmerksam zu beobachten und mit der Praxis in Kontakt zu bleiben, falls sich die Infektion nicht bessert oder verschlechtert; eine ärztliche Nachkontrolle ist sinnvoll [2, 3]. Studien haben gezeigt, dass es durch dieses abwartende Vorgehen nicht häufiger zu Komplikationen oder neuen Erkrankungen kommt [2].
Trommelfellschnitt: Manchmal wird das Trommelfell leicht eingeritzt (Parazentese), damit die Flüssigkeit ablaufen kann. Der kleine Eingriff wird laut IQWiG nur vorgenommen, wenn Probleme auftreten, zum Beispiel wenn das angestaute Sekret zu sehr starken Schmerzen führt [2].
Behandlung mit Medikamenten
Eine akute Mittelohrentzündung kann stark schmerzen, deshalb steht laut IQWiG eine schnelle Schmerzlinderung meist im Mittelpunkt [1]. Die Nebenwirkungen stammen aus der Packungsbeilage des genannten Präparats (bei Erythromycin aus der Fachinformation) und gelten nur für diesen Wirkstoff ("sehr häufig": bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig": bei bis zu 1 von 10, "selten": bei bis zu 1 von 1.000); maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
| Wirkstoffgruppe | Beispiele | Wie sie wirken | Häufige Nebenwirkungen |
|---|---|---|---|
| Schmerz- und Fiebermittel (Nichtopioid-Analgetika, NSAR) | Paracetamol, Ibuprofen, für Kinder als Zäpfchen oder Saft [2] | Lindern den Schmerz und senken das Fieber; Ibuprofen kann zusätzlich Entzündungen hemmen [2] | Ibuprofen-Fiebersaft, häufig: Magen-Darm-Beschwerden wie Sodbrennen, Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Blähungen, Durchfall, Verstopfung und leichte Blutverluste im Verdauungstrakt [17]. Paracetamol-Zäpfchen: keine häufigen Nebenwirkungen genannt; selten ein leichter Anstieg bestimmter Leberenzyme [18] |
| Penicilline (Penicilline und Cephalosporine) | Amoxicillin (Therapie der Wahl laut WirkstoffAktuell) [5, 7], Amoxicillin/Clavulansäure [8] | Hemmen Enzyme, die Bakterien zum Aufbau ihrer Zellwand brauchen (Penicillin-bindende Proteine); die Zellwand wird geschwächt, was in der Regel zum Absterben der Bakterien führt [7]. Clavulansäure macht einige Betalaktamasen unwirksam, Enzyme, mit denen resistente Bakterien Amoxicillin abbauen [8] | Amoxicillin, häufig: Hautausschlag, Übelkeit, Durchfall [6]. Amoxicillin/Clavulansäure, sehr häufig: Durchfall bei Erwachsenen; häufig: Pilzinfektionen (Candida), Übelkeit, Erbrechen, Durchfall bei Kindern [9] |
| Cephalosporine zum Einnehmen (Penicilline und Cephalosporine) | Cefuroxim [10], Cefaclor [12] | Cefuroxim bindet an Penicillin-bindende Proteine und hemmt so den Aufbau der Bakterienzellwand; die Bakterienzelle löst sich auf und stirbt ab [10] | Cefuroxim, häufig: Pilzinfektionen, Kopfschmerzen, Schwindel, Durchfall, Übelkeit, Magenschmerzen, im Blut mehr Eosinophile und erhöhte Leberenzyme [11]. Cefaclor, häufig: allergische Hautreaktionen sowie Magen-Darm-Störungen wie Appetitlosigkeit, Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall, Erbrechen und Übelkeit [12] |
| Makrolide (Antibiotika), laut WirkstoffAktuell bei Allergie gegen Betalaktam-Antibiotika | Azithromycin [14, 15], Erythromycin [16] | Hemmen die Eiweißherstellung der Bakterien, indem sie an die 50S-Untereinheit der bakteriellen Ribosomen binden [15, 16] | Azithromycin, sehr häufig: Durchfall, Bauchbeschwerden; häufig: Kopfschmerzen, Erbrechen, Magenschmerzen, Übelkeit, veränderte Blutwerte [13]. Erythromycin, häufig: Magen-Darm-Störungen meist leichter Natur in Form von Appetitlosigkeit, Brechreiz, Erbrechen, Bauchschmerzen, Blähungen, Übelkeit, Krämpfe, weiche Stühle oder Durchfall [16] |
| Abschwellende Nasentropfen und Nasensprays (Nasensprays) | Xylometazolin [19], Oxymetazolin [20] | Verengen Blutgefäße und lassen so die Nasenschleimhaut abschwellen [19, 20]; laut IQWiG vermutlich ohne Einfluss auf Krankheitsverlauf und Beschwerden der Mittelohrentzündung [1] | Häufig: Brennen oder Trockenheit der Nasenschleimhaut, Niesen [19, 20] |
Schmerz- und Fiebermittel für Kinder
Für Kinder sind in Deutschland Paracetamol und Ibuprofen rezeptfrei erhältlich, als Zäpfchen oder Saft. Die Dosierung richtet sich nach dem Alter und dem Körpergewicht des Kindes, und zwischen zwei Gaben muss ein zeitlicher Mindestabstand liegen; bei Unsicherheit beraten die kinderärztliche Praxis oder die Apotheke [2]. Welche Mengen die Packungsbeilagen nennen, steht auf den Wirkstoffseiten unter Ibuprofen und Paracetamol.
Die Altersgrenzen hängen vom Präparat ab. Ein Ibuprofen-Fiebersaft mit 20 mg/ml ist laut Packungsbeilage für Kinder ab 7 kg Körpergewicht (6 Monate) bis 29 kg (9 Jahre) vorgesehen; bei Kindern unter 7 kg (6 Monaten) wird die Anwendung nicht empfohlen [17]. Paracetamol-Zäpfchen mit 125 mg sind laut Packungsbeilage für Kinder von 7 kg (6 Monate) bis 12 kg (2 Jahre) vorgesehen und nicht für Kinder unter 6 Monaten bzw. unter 7 kg geeignet; ohne ärztlichen Rat dürfen sie nicht länger als 3 Tage angewendet werden [18].
Acetylsalicylsäure (ASS) darf Kindern und Jugendlichen laut IQWiG nur auf ärztliche Anweisung gegeben werden, weil das Risiko einer seltenen, aber gefährlichen Nebenwirkung besteht, des Reye-Syndroms [2]. Mehr in den Ratgebern Medikamente bei Kindern und Ibuprofen oder Paracetamol.
Antibiotika: wann und welche
Antibiotika helfen nur gegen bakterielle Infektionen [3]. Laut IQWiG sind sie bei einer Mittelohrentzündung meist unnötig, denn sie beeinflussen ihren Verlauf nur wenig, können aber Nebenwirkungen haben; die Ohrenschmerzen in den ersten 24 Stunden lindern sie nicht [2]. Sinnvoll sein können Antibiotika laut IQWiG [1, 2]:
- bei eitrigem Ausfluss aus dem Ohr,
- wenn bei Kindern unter zwei Jahren beide Ohren entzündet sind,
- bei Komplikationen wie einer Mastoiditis, einer bakteriellen Infektion im Knochen hinter dem Ohr.
Zudem werden Antibiotika laut IQWiG Kindern mit Immunschwäche und schweren Grunderkrankungen empfohlen [2].
WirkstoffAktuell von KBV und AkdÄ (Ausgabe 03/2024) hält eine antibiotische Therapie in den meisten Fällen für nicht angezeigt. Ausnahmen sind Kinder mit stärkeren Allgemeinsymptomen (Fieber, starke Schmerzen und Erbrechen), mit durchbrochenem Trommelfell (perforierte Otitis) oder beidseitiger Entzündung und Kinder unter sechs Monaten. Eine weitere Indikation können Risikofaktoren sein, etwa ein Cochleaimplantat, eine begünstigende Fehlbildung von Schädel und Gesicht, wiederkehrende Mittelohrentzündungen oder eine schwere Grunderkrankung [5]. Bei Kindern von sechs Monaten bis zwei Jahren sollte laut WirkstoffAktuell eine Antibiotikaverordnung mit eventuell verzögertem Behandlungsbeginn erwogen werden: begonnen wird, wenn sich innerhalb der folgenden ein bis zwei Tage der Allgemeinzustand und/oder die Beschwerden und Befunde am Ohr verschlechtern. Das muss mit den Eltern oder Betreuungspersonen besprochen werden [5].
Welches Antibiotikum: Therapie der Wahl ist laut WirkstoffAktuell Amoxicillin [5]; zugelassen ist es unter anderem für die akute Mittelohrentzündung bei Erwachsenen und Kindern [7]. Bei Unverträglichkeit nennt WirkstoffAktuell orale Cephalosporine (Gruppe 1 oder 2) oder Makrolide als geeignete Alternativen, Makrolide bei einer Allergie gegen Betalaktam-Antibiotika, zu denen Penicilline und Cephalosporine gehören [5]. Amoxicillin mit Clavulansäure kommt laut WirkstoffAktuell infrage, wenn der Krankheitsverlauf schwer ist oder ein zusätzliches Erregerspektrum erfasst werden soll, außerdem nach einer Vorbehandlung mit Amoxicillin oder Makroliden ohne Ansprechen, wenn ampicillinresistente Stämme von Haemophilus influenzae die Ursache sind [5].
Für die akute Mittelohrentzündung zugelassen sind laut Fachinformation auch Amoxicillin mit Clavulansäure bei Erwachsenen und Kindern [8] und Cefuroxim bei Erwachsenen und Kindern ab 3 Monaten [10]. Cefaclor ist laut Packungsbeilage unter anderem bei einer Mittelohrentzündung durch Cefaclor-empfindliche Erreger zugelassen [12]. Azithromycin-Tabletten sind für die akute bakterielle Mittelohrentzündung bei Erwachsenen und Jugendlichen ab 45 kg zugelassen [15], ein Azithromycin-Saft für Kinder ab 6 Monaten mit einem Körpergewicht unter 45 kg [14] und Erythromycin für die adäquat diagnostizierte akute bakterielle Mittelohrentzündung [16]. Weil Azithromycin die Entwicklung von Resistenzen begünstigen könnte, sollte eine Behandlung laut Fachinformation nur nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung unter Berücksichtigung der örtlichen Resistenzlage begonnen werden, wenn bevorzugte Therapieschemata nicht angezeigt sind [15]. Diesen Warnhinweis hat der Ausschuss für Humanarzneimittel der EMA nach einer Neubewertung von Azithromycin empfohlen; das BfArM hat den Beschluss der EU-Kommission mit Bescheid vom 17.09.2025 umgesetzt [22]. Welches Mittel infrage kommt und wie lange es eingenommen wird, entscheidet die Ärztin oder der Arzt; die Angaben der Packungsbeilage zur Dosis stehen auf den Wirkstoffseiten, etwa bei Amoxicillin. Mehr im Ratgeber Antibiotika richtig einnehmen.
Nasentropfen und Ohrentropfen
Laut IQWiG ist nicht erwiesen, dass abschwellende Nasentropfen oder Nasensprays die Heilung einer Mittelohrentzündung unterstützen oder die Beschwerden lindern; bei verstopfter Nase können sie für einige Stunden die Atmung erleichtern. Sie sollten nur für wenige Tage und in der für das Alter empfohlenen Dosierung angewendet werden; bei zu langer, zu häufiger oder zu hoch dosierter Anwendung können sie die Nasenschleimhaut dauerhaft schädigen [2].
Ein Nasenspray mit Xylometazolin für Kinder ist laut Packungsbeilage für Kinder von 2 bis 6 Jahren bestimmt und darf bei Säuglingen und Kleinkindern unter 2 Jahren nicht angewendet werden; länger als 7 Tage darf es nur auf ärztliche Anordnung angewendet werden [19]. Dosiertropfer mit Oxymetazolin für Säuglinge und Kleinkinder bis zu 1 Jahr sollten laut Packungsbeilage nicht länger als 7 Tage angewendet werden, es sei denn auf ärztliche Anordnung. Bei Neugeborenen und jungen Säuglingen ist besondere Vorsicht nötig, weil es einzelne Berichte über schwere Nebenwirkungen, insbesondere Atemstillstand, bei Anwendung der empfohlenen Dosis gibt [20]. Mehr: Nasensprays.
Ohrentropfen: Gegen die Ohrenschmerzen können auch örtlich wirkende Ohrentropfen angewendet werden; in Deutschland enthalten sie laut IQWiG meist Lidocain oder eine Kombination der Wirkstoffe Phenazon und Procain. Ist das Trommelfell gerissen, dürfen diese Ohrentropfen nicht angewendet werden, weil sie ins Innenohr gelangen und es schädigen können. Im Zweifel ist es besser, vorher mit der Ärztin oder dem Arzt zu sprechen [2].
Schwangerschaft und Stillzeit
Wenn Sie schwanger sind oder stillen, fragen Sie laut Packungsbeilage vor der Einnahme von Amoxicillin Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke um Rat [6]. Ibuprofen darf laut Packungsbeilage während der letzten drei Monate der Schwangerschaft nicht angewendet werden [17]. Mehr: Amoxicillin in der Schwangerschaft, Paracetamol in der Schwangerschaft und der Ratgeber Medikamente in der Schwangerschaft.
Nebenwirkungen der Medikamente
Amoxicillin: Häufig, also bei bis zu 1 von 10 Behandelten, sind laut Packungsbeilage Hautausschlag, Übelkeit und Durchfall [6]. Gelegentlich tritt ein leichter juckender Ausschlag mit runden, rosa-roten Flecken und wabenartig geschwollenen Bereichen auf; dann muss die Einnahme beendet werden, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [6]. Bei Zeichen einer allergischen Reaktion wie Schwellung von Gesicht, Lippen oder Zunge oder Atembeschwerden, bei schweren Hautreaktionen oder bei einer Dickdarmentzündung mit Durchfall, der manchmal Blut enthält, nehmen Sie Amoxicillin laut Packungsbeilage nicht weiter ein und wenden sich sofort an eine Ärztin oder einen Arzt [6]. Hauptsächlich bei Kindern wurde ein arzneimittelbedingtes Enterokolitissyndrom (DIES) berichtet, eine allergische Reaktion mit anhaltendem Erbrechen 1 bis 4 Stunden nach der Einnahme; wie häufig, ist nicht bekannt [6]. Mehr: Arzneimittelallergie und Hautausschlag.
Wer schon einmal allergisch auf ein Penicillin reagiert hat, darf Amoxicillin laut Packungsbeilage nicht einnehmen [6]. Bei Verdacht auf Pfeiffersches Drüsenfieber sollte Amoxicillin laut Fachinformation vermieden werden, weil ein masernartiger Ausschlag auftreten kann [7]. Cefuroxim darf laut Packungsbeilage nicht eingenommen werden, wenn jemand schon einmal eine schwere allergische Reaktion auf ein anderes Betalaktam-Antibiotikum hatte [11].
Makrolide: Bei schnellem oder unregelmäßigem Herzschlag unter Azithromycin brechen Sie laut Packungsbeilage die Einnahme ab und suchen sofort eine Ärztin oder einen Arzt auf [13]. Mehr: QT-Verlängerung. Bei Säuglingen wurde nach einer Behandlung mit Erythromycin über eine Verengung des Magenausgangs (infantile hypertrophe Pylorusstenose) berichtet; Eltern müssen sich laut Fachinformation an die Ärztin oder den Arzt wenden, wenn es bei der Ernährung des Säuglings zu Erbrechen oder Reizbarkeit kommt [16].
Einnahmedauer: Amoxicillin, Cefuroxim und Azithromycin nehmen Sie laut Packungsbeilage über die ganze verordnete Dauer ein, auch wenn es Ihnen schon besser geht; bei zu frühem Abbruch kann die Infektion erneut auftreten [6, 11, 13]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Ibuprofen und Paracetamol: Ibuprofen kann laut Packungsbeilage Anzeichen einer Infektion wie Fieber und Schmerzen verdecken; halten die Beschwerden während einer Infektion an oder verschlimmern sie sich, konsultieren Sie unverzüglich eine Ärztin oder einen Arzt [17]. Bei Paracetamol sollte sichergestellt werden, dass gleichzeitig angewendete Arzneimittel kein Paracetamol enthalten, um eine Überdosierung zu verhindern [18]. Mehr: Magenbeschwerden und Erhöhte Leberwerte.
Nasentropfen: Der Dauergebrauch kann zu chronischer Schwellung und schließlich zum Schwund der Nasenschleimhaut führen [19]. Besonders bei Kindern kommt es nach einer Überdosierung laut Packungsbeilage häufig zu Krämpfen und Koma, langsamem Herzschlag und Aussetzen der Atmung [19]. Mehr: Verstopfte Nase durch Medikamente.
Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [6]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Vorbeugen und Alltag
Mittelohrentzündungen sind laut IQWiG häufig nicht vermeidbar; einige Maßnahmen senken das Erkrankungsrisiko aber vermutlich etwas [4]:
- Rauchfreie Umgebung: Passivrauchen erhöht das Risiko für Infektionen der Atemwege und des Nasen-Rachen-Raums und schwächt die Immunabwehr des Kindes [4].
- Schnuller seltener geben: beispielsweise nur zum Einschlafen [4].
- Pneumokokken-Impfung: Geimpfte Säuglinge bekommen etwas seltener Mittelohrentzündungen. Die Ständige Impfkommission (STIKO) rät laut IQWiG, alle Babys im Alter zwischen 2 und 14 Monaten dreimal impfen zu lassen [4]. Mehr: Pneumokokken-Impfung.
- Grippeimpfung: Sie senkt möglicherweise auch das Risiko für Mittelohrentzündungen; die STIKO empfiehlt sie laut IQWiG aber nur bei erhöhtem Risiko für schwerwiegende Grippekomplikationen, etwa bei Kindern mit Atemwegs-, Herz- oder Stoffwechselerkrankungen [4]. Mehr: Grippeimpfung.
- Paukenröhrchen: Bei Kindern mit immer wiederkehrenden Mittelohrentzündungen und anhaltendem Paukenerguss verringert ein Paukenröhrchen das Risiko für weitere Mittelohrentzündungen [1].
Bei lang anhaltenden Entzündungen besteht die Gefahr, dass die Hörfähigkeit dauerhaft beeinträchtigt wird. Eltern können darauf achten, ob ihr Kind im Laufe der Zeit schlechter hört, und das beim nächsten Arztbesuch ansprechen [1].
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Wenn es dem Kind nicht gut geht, ist es laut IQWiG sinnvoll, frühzeitig ärztlichen Rat zu suchen. Bessern sich die Beschwerden trotz Behandlung nicht oder treten Probleme wie Hörstörungen auf, ist ein erneuter Besuch in der Praxis ratsam [2]. Laut Packungsbeilage eines Ibuprofen-Fiebersafts müssen Sie auf jeden Fall eine Ärztin oder einen Arzt aufsuchen, wenn sich die Beschwerden Ihres Kindes verschlimmern oder nach 3 Tagen keine Besserung eintritt [17]; laut Packungsbeilage der Paracetamol-Zäpfchen auch, wenn das Kind hohes Fieber hat [18].
Komplikationen: Selten kommt es laut IQWiG zu einer Mastoiditis, zu einer Hirnhautentzündung (Meningitis) oder zu einer Schädigung des Innenohrs, die zu Hörverlusten führen kann [1]. Eine Mastoiditis macht sich meist durch Schmerzen hinter den Ohren bemerkbar, manchmal auch mit Schwellungen und Fieber. Sie muss mit Antibiotika behandelt werden, damit sie sich nicht auf den Knochen ausbreitet oder eine Hirnhautentzündung verursacht [1].
Säuglinge: Bei Kindern unter sechs Monaten mit akuter Mittelohrentzündung ist laut WirkstoffAktuell eine Antibiotikatherapie angezeigt [5].
Bereitschaftsdienst und Notruf: Starke Hals- oder Ohrenschmerzen nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung als Beispiel für den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, wenn die Praxen geschlossen sind und die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann. Bewusstlosigkeit oder erhebliche Bewusstseinstrübung, schwere Atemnot sowie akute und anhaltende Krampfanfälle sind Fälle für den Notruf 112 [21].
Quellen
- Mittelohrentzündung. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 10.06.2026. abgerufen am 17.10.2026
- Was können Eltern bei einer Mittelohrentzündung tun?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 10.06.2026. abgerufen am 17.10.2026
- Können Antibiotika bei Babys und Kleinkindern die Beschwerden lindern?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 10.06.2026. abgerufen am 17.10.2026
- Wie kann man einer Mittelohrentzündung vorbeugen?. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 10.06.2026. abgerufen am 17.10.2026
- WirkstoffAktuell Ausgabe 03/2024: Rationale Antibiotikatherapie, Infektionen der oberen Atemwege (Abschnitt Akute Otitis media und Tabelle 1). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) in Zusammenarbeit mit der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ). Stand Ausgabe 03/2024, Stand 09.11.2024. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Amoxicillin-ratiopharm 1000 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Amoxicillin-ratiopharm Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Amoxicillin-ratiopharm comp. 875 mg/125 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2025. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Amoxicillin-ratiopharm comp. 875 mg/125 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Cefuroxim-ratiopharm 250 mg/500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Cefuroxim-ratiopharm 500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2023. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation CEFACLOR BASICS 125 mg TS, Granulat zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen. Basics GmbH. Stand 07/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Azithromycin-ratiopharm 500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Azithromycin-ratiopharm 200 mg/5 ml Pulver zur Herstellung einer Suspension zum Einnehmen. ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Azithromycin-ratiopharm 500 mg Filmtabletten (Version 12). ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Fachinformation Fachinformation InfectoMycin 200 Saft / 400 Saft / 600 Saft (Erythromycin als Estolat). INFECTOPHARM Arzneimittel und Consilium GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation IBU-ratiopharm Fiebersaft für Kinder 20 mg/ml (rezeptfrei). ratiopharm GmbH. Stand 03/2025. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Paracetamol-ratiopharm 125 mg Zäpfchen (rezeptfrei). ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation NasenSpray-ratiopharm Kinder (Xylometazolinhydrochlorid 0,05 %). ratiopharm GmbH. Stand 05/2026. abgerufen am 17.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation WICK Nasivin Dosiertropfer ohne Konservierungsstoffe Baby 0,1 mg/ml (Oxymetazolinhydrochlorid). P&G Health Germany GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 17.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112? Für alle Fälle die richtige Nummer", "Fälle für den Bereitschaftsdienst" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
- Behörde Azithromycin: Neubewertung des Nutzens und der Risiken (Bescheid im Stufenplanverfahren vom 17.09.2025). Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand 22.09.2025. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Was hilft schnell bei einer Mittelohrentzündung?
Laut IQWiG steht eine schnelle Linderung der Ohrenschmerzen im Mittelpunkt. Dafür eignen sich schmerzstillende und fiebersenkende Mittel wie Paracetamol oder Ibuprofen, die es auch als Zäpfchen oder Saft gibt; Antibiotika können die Ohrenschmerzen in den ersten 24 Stunden nicht lindern. Viele Kinder sind schon nach einem Tag wieder schmerzfrei, und viel Zuwendung ist wichtig. Welche Menge die Packungsbeilage nennt, steht auf den Seiten Ibuprofen und Paracetamol.
Braucht man bei einer Mittelohrentzündung ein Antibiotikum?
Meist nicht. Laut IQWiG legen sich die Beschwerden meist nach wenigen Tagen von selbst, und bei den meisten Kindern ist es sinnvoll, 2 bis 3 Tage abzuwarten. Sinnvoll sein können Antibiotika bei eitrigem Ausfluss aus dem Ohr, wenn bei Kindern unter zwei Jahren beide Ohren entzündet sind, bei Komplikationen wie einer Mastoiditis; Kindern mit Immunschwäche und schweren Grunderkrankungen werden sie laut IQWiG empfohlen. WirkstoffAktuell von KBV und AkdÄ nennt außerdem Kinder unter sechs Monaten, Kinder mit stärkeren Allgemeinsymptomen (Fieber, starke Schmerzen und Erbrechen) sowie Kinder mit durchbrochenem Trommelfell oder beidseitiger Entzündung. Die Entscheidung trifft die Ärztin oder der Arzt.
Welches Antibiotikum wird bei einer Mittelohrentzündung gegeben?
Therapie der Wahl ist laut WirkstoffAktuell von KBV und AkdÄ (Ausgabe 03/2024) Amoxicillin. Bei Unverträglichkeit nennt WirkstoffAktuell orale Cephalosporine oder Makrolide, Makrolide bei einer Allergie gegen Betalaktam-Antibiotika; für die Mittelohrentzündung zugelassen sind zum Beispiel die Cephalosporine Cefuroxim und Cefaclor und für die akute bakterielle Mittelohrentzündung die Makrolide Azithromycin und Erythromycin. Amoxicillin mit Clavulansäure nennt WirkstoffAktuell bei schwerem Krankheitsverlauf oder wenn ein zusätzliches Erregerspektrum erfasst werden soll. Amoxicillin, Cefuroxim und Azithromycin werden laut Packungsbeilage über die ganze verordnete Dauer eingenommen, auch wenn es schon besser geht.
Wie lange dauert eine Mittelohrentzündung?
Eine akute Mittelohrentzündung klingt laut IQWiG in der Regel innerhalb von 2 bis 3 Tagen von selbst ab. Reißt das Trommelfell ein, kann bis zur Heilung des meist kleinen Risses innerhalb von wenigen Tagen oder Wochen immer wieder etwas Flüssigkeit aus dem Ohr laufen. Bleibt nach der Entzündung Flüssigkeit im Mittelohr, spricht man von einem Paukenerguss; er bildet sich meist nach einigen Tagen oder Wochen zurück. Hält eine Mittelohrentzündung über mehrere Wochen an, spricht man von einer chronischen Otitis media.
Helfen Nasentropfen oder Ohrentropfen bei einer Mittelohrentzündung?
Abschwellende Nasentropfen haben laut IQWiG vermutlich keinen Einfluss auf den Krankheitsverlauf und die Beschwerden; bei verstopfter Nase können sie für einige Stunden die Nasenatmung erleichtern und sollten nur für wenige Tage angewendet werden. Ohrentropfen mit Lidocain oder mit Phenazon und Procain können gegen die Schmerzen angewendet werden, dürfen laut IQWiG aber nicht angewendet werden, wenn das Trommelfell gerissen ist, weil sie ins Innenohr gelangen und es schädigen können. Im Zweifel sprechen Sie vorher mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.
Ab welchem Alter dürfen Kinder Ibuprofen- oder Paracetamol-Präparate bekommen?
Das hängt vom Präparat ab und steht in der Packungsbeilage. Ein Ibuprofen-Fiebersaft mit 20 mg/ml ist laut Packungsbeilage für Kinder ab 7 kg Körpergewicht (6 Monate) bis 29 kg (9 Jahre) vorgesehen, Paracetamol-Zäpfchen mit 125 mg für Kinder von 7 kg (6 Monate) bis 12 kg (2 Jahre). Bei Kindern unter 7 kg (6 Monaten) wird der Saft laut Packungsbeilage nicht empfohlen, die Zäpfchen sind für Kinder unter 6 Monaten bzw. unter 7 kg nicht geeignet. Acetylsalicylsäure (ASS) darf Kindern und Jugendlichen laut IQWiG nur auf ärztliche Anweisung gegeben werden.
Was bedeutet es, wenn Flüssigkeit aus dem Ohr läuft?
Drückt das angesammelte Sekret zu stark auf das Trommelfell, kann es laut IQWiG einreißen. Dann fließt eine zähe, manchmal mit Eiter und Blut vermischte Flüssigkeit in den Gehörgang, und die Schmerzen lassen nach; der Riss ist meist klein und verheilt von selbst. Eitriger Ausfluss aus dem Ohr weist laut IQWiG auf eine bakterielle Infektion hin, bei der Antibiotika sinnvoll sein können. Lassen Sie das ärztlich abklären; Ohrentropfen gegen Schmerzen dürfen bei gerissenem Trommelfell nicht angewendet werden.
Wann muss man mit einer Mittelohrentzündung zum Arzt?
Wenn es dem Kind nicht gut geht, ist es laut IQWiG sinnvoll, frühzeitig ärztlichen Rat zu suchen; bessern sich die Beschwerden nicht oder treten Hörstörungen auf, ist ein erneuter Besuch ratsam. Schmerzen hinter dem Ohr, manchmal mit Schwellung und Fieber, können auf eine Mastoiditis hinweisen, die mit Antibiotika behandelt werden muss. Bei Säuglingen unter sechs Monaten sieht WirkstoffAktuell von KBV und AkdÄ eine Antibiotikatherapie vor, über die die Ärztin oder der Arzt entscheidet. Bei starken Ohrenschmerzen, wenn die Praxen geschlossen sind und die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten kann, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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