Ratgeber

Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel

Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel und werden vor dem Verkauf nicht behördlich geprüft oder zugelassen; trotzdem können sie die Wirkung von Medikamenten verstärken oder abschwächen, zum Beispiel wenn hohe Mengen an Calcium, Magnesium, Zink oder Eisen die Aufnahme bestimmter Antibiotika beeinträchtigen. Wer regelmäßig Arzneimittel einnimmt, sollte Nahrungsergänzungsmittel laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) möglichst nicht ohne ärztliche oder pharmazeutische Beratung verwenden. Schreiben Sie alle Mittel auf Ihre Medikamentenliste und sagen Sie in Arztpraxis und Apotheke, was Sie einnehmen.

Frau Ende vierzig mit kurzem braunem Haar in gelber Bluse schneidet in einer hellen Küche Gemüse, daneben eine Schale mit Obst und ein Glas Wasser
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Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel, keine Arzneimittel. Sie dürfen weder arzneilich wirksam sein noch den Eindruck eines Arzneimittels erwecken, und anders als Arzneimittel werden sie vor dem Verkauf nicht behördlich geprüft und zugelassen [1]. Wechselwirkungen mit Medikamenten sind trotzdem möglich: Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kann eine unbedachte Einnahme die Wirkung bestimmter Medikamente verstärken oder abschwächen. Die Inhaltsstoffe werden über Nahrungsergänzungsmittel meist in isolierter und häufig deutlich konzentrierterer Form aufgenommen als über normale Lebensmittel, was Wechselwirkungen wahrscheinlicher macht. Wer regelmäßig Arzneimittel einnimmt, sollte Nahrungsergänzungsmittel laut BfR deshalb möglichst nicht ohne ärztliche oder pharmazeutische Beratung verwenden [4].

Ob Ihr Medikament betroffen ist, steht in seiner Packungsbeilage in Abschnitt 2 bei der Einnahme zusammen mit anderen Arzneimitteln. Manche Packungsbeilagen nennen Nahrungsergänzungsmittel ausdrücklich, etwa die von Ciprofloxacin und von Levothyroxin [15, 22]. Wie Wechselwirkungen allgemein entstehen und wer sie prüft, erklärt der Ratgeber Wechselwirkungen.

Was Nahrungsergänzungsmittel von Arzneimitteln unterscheidet

Ein Nahrungsergänzungsmittel ist nach § 1 Abs. 1 der Nahrungsergänzungsmittelverordnung (NemV) ein Lebensmittel, das die allgemeine Ernährung ergänzen soll, ein Konzentrat von Nährstoffen oder sonstigen Stoffen mit ernährungsspezifischer oder physiologischer Wirkung darstellt und in dosierter Form in den Verkehr gebracht wird, etwa als Kapseln, Tabletten, Pulverbeutel oder Flüssigkeiten in abgemessenen kleinen Mengen. Nährstoffe sind dabei Vitamine und Mineralstoffe einschließlich Spurenelemente (§ 1 Abs. 2 NemV) [3]. Nahrungsergänzungsmittel dürfen laut BfR per Definition nicht arzneilich wirken und nicht damit werben, Krankheiten zu heilen, zu lindern oder zu verhüten [4]. Hätte ein Produkt eine pharmakologische Wirkung, könnte es also zum Beispiel den Blutdruck oder den Blutzuckerspiegel senken, müsste es laut IQWiG als Arzneimittel zugelassen werden. Nahrungsergänzungsmittel sind frei verkäuflich, auch in Drogerien und Supermärkten [7].

Wer ein Nahrungsergänzungsmittel als Hersteller oder Einführer in den Verkehr bringen will, muss es spätestens beim ersten Inverkehrbringen dem Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) anzeigen und dabei ein Muster des Etiketts vorlegen (§ 5 Abs. 1 NemV) [3]. Das BVL nimmt laut eigener Auskunft keine rechtliche oder gesundheitliche Bewertung der Produkte vor. Es leitet die Anzeigen an die obersten Lebensmittelüberwachungsbehörden der Länder weiter, die die Produkte auf dem Markt risikoorientiert kontrollieren. Die Verantwortung dafür, dass ein Nahrungsergänzungsmittel die Gesundheit nicht schädigt, liegt beim Hersteller und Inverkehrbringer [2].

Auf der Verpackung stehen nach § 4 NemV unter anderem die Bezeichnung "Nahrungsergänzungsmittel", die empfohlene tägliche Verzehrsmenge mit dem Warnhinweis, dass sie nicht überschritten werden darf, der Hinweis, dass Nahrungsergänzungsmittel nicht als Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung verwendet werden sollten, und der Hinweis, die Produkte außerhalb der Reichweite von kleinen Kindern zu lagern [3]. Auf zugelassenen Fertigarzneimitteln muss dagegen die Zulassungsnummer mit der Abkürzung "Zul.-Nr." stehen (§ 10 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 AMG); bei registrierten traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln tritt an ihre Stelle die Registrierungsnummer mit der Abkürzung "Reg.-Nr." (§ 10 Abs. 4a AMG) [11].

Welche Medikamente betroffen sein können

Die Tabelle gibt wieder, was die Packungsbeilage je eines Präparats zu Nahrungsergänzungsmitteln, Vitamin- oder Mineralstoffpräparaten sagt; bei Colecalciferol kommt die Fachinformation hinzu. Welches Präparat gemeint ist, steht in den Quellen am Ende der Seite. Wartezeiten zwischen den Mitteln gibt die Tabelle so wieder, wie die jeweilige Packungsbeilage sie nennt [13, 15, 18, 19, 22].

Beispiele: Angaben aus der Packungsbeilage (Auswahl)
WirkstoffWas die Packungsbeilage sagtMehr dazu
AlendronsäureCalcium-haltige Nahrungsergänzungsmittel, Antazida und einige andere Arzneimittel zum Einnehmen können bei gleichzeitiger Einnahme die Aufnahme beeinflussen. Nach der Tablette mindestens 30 Minuten warten, bevor Sie andere Arzneimittel wie Antazida, Calcium- oder Vitaminpräparate einnehmen; die Tablette ist nur auf nüchternen Magen wirksam [13]Alendronsäure: Wechselwirkungen
CalcitriolWährend der Einnahme keine Vitamine oder Nahrungsergänzungen mit Vitamin D und keine mit Vitamin D angereicherten Nahrungsmittel. Wer die Menge an Calcium oder Vitamin D aus der Nahrung ändert, etwa Vitaminpräparate einnimmt, ohne es dem Arzt mitzuteilen, kann das Risiko von Nebenwirkungen erhöhen [14]Calcitriol: Wechselwirkungen
CiprofloxacinArzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel mit Calcium, Magnesium, Aluminium oder Eisen sowie Mineralergänzungsmittel können die Wirkung vermindern; den Arzt informieren; sind solche Präparate unbedingt nötig, Ciprofloxacin ca. zwei Stunden vorher oder nicht früher als vier Stunden nachher einnehmen [15]Ciprofloxacin: Wechselwirkungen
Colecalciferol (Vitamin D3)Vor der Einnahme von zusätzlichem Calcium mit dem Arzt sprechen [16]. Laut Fachinformation eines verschreibungspflichtigen Präparats sollte seine Vitamin-D-Menge berücksichtigt werden, wenn Vitamin D enthaltende Nahrungsergänzungsmittel eingenommen werden; zusätzliche Dosen von Vitamin D sollten unter strenger medizinischer Überwachung eingenommen werden [17]Colecalciferol: Wechselwirkungen
Eisen(II)-sulfatWer zusätzlich diätetische oder andere Eisensalz-Ergänzungen verwendet, spricht vor der Einnahme mit dem Arzt, um eine mögliche Eisenüberdosierung zu vermeiden. Calcium-, Magnesium- und Zink-Ergänzungspräparate setzen bei gleichzeitiger Einnahme die Aufnahme von Eisen herab; die Eisentabletten sollten nicht innerhalb der folgenden 2 bis 3 Stunden nach solchen Präparaten eingenommen werden [18]Eisen(II)-sulfat: Wechselwirkungen
IbandronsäureBesonders bei Ergänzungspräparaten mit Calcium, Magnesium, Eisen oder Aluminium Arzt oder Apotheker informieren, da sie die Wirkung möglicherweise beeinflussen können. Nach der Tablette 1 Stunde warten, bevor Sie irgendein anderes Arzneimittel einnehmen, einschließlich Calcium- oder Vitaminpräparaten [19]Ibandronsäure: Wechselwirkungen
IndapamidCalciumtabletten oder andere calciumhaltige Nahrungsergänzungsmittel dem Arzt unbedingt mitteilen, da besondere Vorsicht erforderlich sein kann [20]Indapamid: Wechselwirkungen
IsotretinoinWährend der Behandlung keine Vitamin-A-haltigen Vitaminpräparate einnehmen; Isotretinoin ist mit Vitamin A verwandt [21]Isotretinoin: Wechselwirkungen
LevothyroxinBiotin (Vitamin H, B7 oder B8), das auch in Multivitaminpräparaten oder Nahrungsergänzungsmitteln für Haare, Haut und Nägel enthalten sein kann, kann Laborergebnisse fälschlicherweise erhöhen oder verringern: Arzt oder Laborpersonal vor einer Untersuchung der Schilddrüsenwerte informieren. Eisen- oder calciumhaltige Arzneimittel können die Aufnahme von Levothyroxin vermindern; Levothyroxin sollte deshalb mindestens 2 Stunden vor diesen Arzneimitteln eingenommen werden [22]Levothyroxin: Wechselwirkungen
MethotrexatEs ist besonders wichtig, den Arzt zu informieren, wenn Sie Vitaminpräparate einnehmen, die Folsäure oder ihre Abkömmlinge enthalten [23]Methotrexat: Wechselwirkungen
RamiprilKalium-Ergänzungsmittel einschließlich Salzersatzmittel können den Kaliumgehalt im Blut erhöhen; den Arzt informieren, da bei gleichzeitiger Einnahme das Risiko von Nebenwirkungen erhöht wird [24]Ramipril: Wechselwirkungen

Die Tabelle ist eine Auswahl. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Calcium, Magnesium, Eisen und Zink

Apotheker mit kurzem dunklem Haar im weißen Kittel spricht an einem hellen Beratungstisch mit einer Frau Anfang fünfzig mit hellbraunem Haar in einer grünen Strickjacke
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Hohe Mengen an Magnesium oder Calcium, aber auch Zink und Eisen können laut BfR die Aufnahme verschiedener Arzneistoffe beeinträchtigen, zum Beispiel bestimmter Antibiotika und Schilddrüsenmedikamente [4]. Nahrungsergänzungsmittel mit Mineralstoffen können laut gesund.bund.de die Wirkung eines Antibiotikums hemmen und sollten nicht gleichzeitig mit ihm eingenommen werden [9]. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) nennt als Beispiele, dass Nahrungsergänzungsmittel mit Calcium die Wirkung von Bisphosphonaten gegen Osteoporose und von Antibiotika verringern können [10]. Mehr in den Übersichten Antibiotika und Osteoporosemittel.

Auch Mineralstoffe untereinander können sich beeinflussen: Eisensalze vermindern laut Packungsbeilage von Eisen(II)-sulfat die Aufnahme von Zink, und Calcium-, Magnesium- und Zink-Ergänzungspräparate setzen bei gleichzeitiger Einnahme die Aufnahme von Eisen herab [18]. Calcium steckt auch in Lebensmitteln: Milchprodukte und andere kalziumhaltige Produkte können laut gesund.bund.de ebenfalls die Aufnahme einiger Wirkstoffe verringern [9]. Mehr dazu im Ratgeber Medikamente mit Milch einnehmen? und in der Übersicht Vitamine und Mineralstoffe.

Vitamine und andere Inhaltsstoffe

  • Vitamin K: Vitamin K kann laut BfR die Wirkung bestimmter gerinnungshemmender Arzneimittel vom Cumarin-Typ abschwächen, die insbesondere ältere Menschen häufig zur Vorbeugung von Thrombosen einnehmen. Wer gerinnungshemmende Medikamente einnimmt, sollte laut BfR vor der Einnahme Vitamin-K-haltiger Nahrungsergänzungsmittel ärztlichen Rat einholen [4]. Was die Packungsbeilage eines solchen Mittels dazu sagt, steht bei Phenprocoumon; mehr in der Übersicht Blutverdünner.
  • Glucosamin und Vitamin E: Nahrungsergänzungsmittel mit Glucosamin oder Vitamin E können laut BfR die Wirkung von Gerinnungshemmern vom Cumarin-Typ verstärken und das Blutungsrisiko erhöhen. Wer gerinnungshemmende Arzneimittel nimmt, sollte laut BfR keine Glucosamin-haltigen Nahrungsergänzungsmittel verwenden; auch bei Vitamin-E-Präparaten ist laut BfR Vorsicht geboten [4]. Mehr: Blutungen durch Medikamente.
  • Biotin: Hochdosierte Biotin-Präparate können laut BfR die Ergebnisse bestimmter Laboruntersuchungen verfälschen und so zum Beispiel die Diagnose eines Herzinfarkts oder die Beurteilung von Schilddrüsenwerten erschweren. Wer regelmäßig Biotin einnimmt, sollte das laut BfR vor einer Laboruntersuchung mit der Ärztin, dem Arzt oder dem Laborpersonal besprechen [4]. Biotin kann laut Packungsbeilage eines Levothyroxin-Präparats auch in Multivitaminpräparaten oder Nahrungsergänzungsmitteln für Haare, Haut und Nägel enthalten sein [22]. Auf das Risiko falscher Laborwerte durch Biotin haben die Firmen, die biotinhaltige Arzneimittel und Nahrungsergänzungsmittel vermarkten, in Absprache mit dem BfArM in einem Rote-Hand-Brief vom Mai 2019 hingewiesen (vom BfArM veröffentlicht am 15.05.2019): Je nach Testprinzip können Laborwerte falsch erhöht oder falsch erniedrigt ausfallen [26].
  • Melatonin: Melatonin ist laut BfR Wirkstoff verschreibungspflichtiger Arzneimittel und wird auch in Nahrungsergänzungsmitteln angeboten. Wer bestimmte Arzneimittel einnimmt, insbesondere gewisse blutdrucksenkende Mittel oder Gerinnungshemmer, sollte melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel laut BfR nur nach Rücksprache mit einem Arzt einnehmen; Wechselwirkungen können im Einzelfall die Wirkung der Arzneimittel oder des Melatonins beeinflussen [6].
  • Piperin: Der Inhaltsstoff aus verschiedenen Pfeffersorten wird laut BfR manchen Nahrungsergänzungsmitteln zugesetzt. In Studien am Menschen wurden schon bei relativ geringen Mengen Piperin Wechselwirkungen beobachtet: Die Wirkung verschiedener Arzneistoffe wurde verstärkt [4].

Die Beispiele sind eine Auswahl; laut BfR gibt es zahlreiche weitere Wechselwirkungen zwischen Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneistoffen [4]. Wer ein Medikament verschrieben bekommt und regelmäßig Nahrungsergänzungsmittel nimmt, sollte laut IQWiG die Ärztin oder den Arzt darüber informieren [7].

Pflanzliche Arzneimittel sind keine Nahrungsergänzungsmittel

Manche Inhaltsstoffe kommen laut BfR sowohl in Nahrungsergänzungsmitteln als auch in Arzneimitteln vor, und beide werden in gleichen Darreichungsformen wie Tabletten oder Kapseln angeboten. Ob ein Produkt ein zulassungspflichtiges Arzneimittel oder ein Lebensmittel ist, entscheidet im Einzelfall die Überwachung der Bundesländer [5]. Für Nahrungsergänzungsmittel gelten laut IQWiG bei Qualität und Sicherheit andere Bestimmungen als für chemische oder pflanzliche Arzneimittel [7].

Ein Beispiel ist Johanniskraut. Ein Präparat gegen leichte depressive Störungen ist laut Packungsbeilage ein pflanzliches Arzneimittel. Wirkstoffe aus Johanniskraut können danach die Ausscheidung anderer Arzneimittel beschleunigen und so deren Wirksamkeit herabsetzen oder die Wirkung anderer Arzneimittel verstärken. Nicht zusammen eingenommen werden darf es unter anderem mit Mitteln zur Unterdrückung von Abstoßungsreaktionen wie Ciclosporin und Tacrolimus und mit Gerinnungshemmern vom Cumarin-Typ wie Phenprocoumon und Warfarin. Bei Frauen, die hormonell verhüten, können Zwischenblutungen auftreten, und die Sicherheit der Verhütung kann herabgesetzt sein; es sollten laut Packungsbeilage deshalb zusätzliche empfängnisverhütende Maßnahmen ergriffen werden [25].

Bei Bestellungen im Internet und Produkten aus dem Ausland ist laut IQWiG Vorsicht angebracht: In anderen Ländern gelten zum Teil andere Regeln, sodass ein Mittel so hoch dosierte Inhaltsstoffe enthalten kann, dass es in Deutschland als Arzneimittel gelten würde, oder Stoffe, die deutsche Behörden als gesundheitsschädlich einschätzen [7]. Mehr im Ratgeber Medikamente online kaufen.

So gehen Sie vor

  1. Alle Mittel aufschreiben In eine Medikamenten-Liste gehören laut IQWiG alle Mittel, die Sie anwenden: verschriebene Medikamente, nicht rezeptpflichtige Arzneien, pflanzliche Mittel und Nahrungsergänzungsmittel [8]. Eine solche Liste hilft laut gesund.bund.de, mögliche Wechselwirkungen in Arztpraxis oder Apotheke abzuklären [9]. Eine Vorlage bietet das Werkzeug Medikationsplan.
  2. Vorher beraten lassen Nahrungsergänzungsmittel sollten laut BfR zusammen mit Arzneimitteln über längere Zeiträume nur in Absprache mit dem behandelnden Arzt eingenommen werden [5]. Auch in der Apotheke lassen sich mögliche Wechselwirkungen mithilfe Ihrer Liste abklären [9].
  3. Packungsbeilage des Medikaments lesen Hinweise zu Mineralstoff-, Vitamin- und Ergänzungspräparaten stehen in Abschnitt 2 bei der Einnahme zusammen mit anderen Arzneimitteln, zum Beispiel bei Ciprofloxacin, Ibandronsäure und Methotrexat [15, 19, 23].
  4. Etikett des Nahrungsergänzungsmittels lesen Dort stehen die Kategorien der Nährstoffe oder sonstigen Stoffe, die für das Erzeugnis kennzeichnend sind, und die empfohlene tägliche Verzehrsmenge, die laut vorgeschriebenem Warnhinweis nicht überschritten werden darf (§ 4 Abs. 2 NemV) [3]. Derselbe Stoff kann in mehreren Produkten stecken: Biotin zum Beispiel laut Packungsbeilage eines Levothyroxin-Präparats auch in Multivitaminpräparaten [22]. Laut Fachinformation eines Präparats mit Colecalciferol sollte seine Vitamin-D-Menge berücksichtigt werden, wenn Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin D eingenommen werden; bei zusätzlichen Eisensalz-Ergänzungen sprechen Sie laut Packungsbeilage von Eisentabletten vorher mit dem Arzt [17, 18].
  5. Zweifel am Produkt melden Haben Sie berechtigte Zweifel an Kennzeichnung oder Zusammensetzung eines Nahrungsergänzungsmittels, können Sie sich laut BVL an die Lebensmittelüberwachungsbehörde Ihres Landkreises oder Ihrer kreisfreien Stadt wenden [2]. Wie Sie Nebenwirkungen eines Arzneimittels melden, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Über Nahrungsergänzungsmittel nimmt der Körper laut IQWiG unter Umständen viel mehr der enthaltenen Stoffe auf, als es über die normale Ernährung möglich wäre; eine solche Überdosierung kann riskant sein [7]. Für je ein Arzneimittel mit Colecalciferol (Vitamin D3), Calcitriol und Eisen nennen die Packungsbeilagen diese Zeichen und Schritte:

  • Zu viel Vitamin D: Wurde von einem Arzneimittel mit Colecalciferol mehr eingenommen als vorgesehen oder hat ein Kind es versehentlich eingenommen, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihren Arzt oder die Notaufnahme. Die häufigsten Zeichen einer Überdosierung sind Übelkeit, Erbrechen, übermäßiger Durst, große Urinmengen, Verstopfung und Austrocknung [16].
  • Zu viel Calcitriol: Zu den Zeichen einer Überdosierung gehören laut Packungsbeilage Appetitlosigkeit, Gewichtsverlust, Übelkeit, Erbrechen, Verstopfung, Kopfschmerzen und das Gefühl von Trägheit, Benommenheit oder Schwäche. Teilen Sie das unverzüglich einem Arzt mit oder begeben Sie sich in ein Krankenhaus und nehmen Sie die Packung mit [14].
  • Zu viel Eisen: Bei einer Überdosierung von Eisentabletten oder dem Verdacht darauf, insbesondere bei Kindern, ist laut Packungsbeilage unverzüglich ein Arzt zu verständigen [18].

Vergiftungen, Bewusstlosigkeit oder erhebliche Bewusstseinstrübung und schwere Atemnot sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Fälle für den Notruf 112 [12].

Quellen

  1. Behörde Themenseite Nahrungsergänzungsmittel (Zehn kompakte Fakten zu Nahrungsergänzungsmitteln). Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
  2. Behörde Sind Nahrungsergänzungsmittel sicher? (FAQ für Verbraucher). Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
  3. Behörde Verordnung über Nahrungsergänzungsmittel (Nahrungsergänzungsmittelverordnung, NemV), §§ 1, 4 und 5. Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand NemV zuletzt geändert durch Art. 11 V v. 5.7.2017 I 2272. abgerufen am 18.10.2026
  4. Behörde Nutzen und Risiken von Mikronährstoffsupplementen im Alter (Fragen und Antworten, u. a. "Was ist bei der Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln und Arzneimitteln zu beachten?"). Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Stand 24.08.2026. abgerufen am 18.10.2026
  5. Behörde Fragen und Antworten zu Nahrungsergänzungsmitteln. Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Stand 04.12.2018. abgerufen am 18.10.2026
  6. Behörde Melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel sollten nicht unkritisch eingenommen werden (Fragen und Antworten). Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR). Stand 08.08.2024. abgerufen am 18.10.2026
  7. Nahrungsergänzungsmittel: was zu beachten ist. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 03.09.2025. abgerufen am 18.10.2026
  8. Medikamenten-Liste. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 03.09.2025. abgerufen am 18.10.2026
  9. Behörde Umgang mit Arzneimitteln: Richtig lagern, einnehmen und entsorgen (Abschnitte zu Lebensmitteln, Wechselwirkungen und Antibiotika). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem BfArM). Stand 17.02.2026. abgerufen am 18.10.2026
  10. Behörde Wechselwirkungen von Medikamenten (Abschnitt "Wechselwirkungen zwischen Medikamenten und Nahrungsergänzungsmitteln"). Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), gesund-aktiv-aelter-werden.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
  11. Behörde Arzneimittelgesetz (AMG), § 10 Kennzeichnung (Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 und Abs. 4a). Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand AMG zuletzt geändert durch Art. 2 Abs. 4 G v. 12.05.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 143); Änderung durch Art. 6 G v. 26.06.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 195) textlich nachgewiesen. abgerufen am 18.10.2026
  12. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
  13. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Alendronsäure STADA 70 mg Tabletten. STADAPHARM GmbH. Stand 11/2021. abgerufen am 18.10.2026
  14. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Calcitriol-GRY 0,25 Mikrogramm Kapseln. TEVA GmbH. Stand 09/2025. abgerufen am 18.10.2026
  15. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ciprofloxacin-ratiopharm 500 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 08/2026. abgerufen am 18.10.2026
  16. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Colecalciferol-ratiopharm 20 000 I.E. Weichkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
  17. Fachinformation Fachinformation Colecalciferol-ratiopharm 20 000 I.E. Weichkapseln (Abschnitt 4.4). ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
  18. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Eisentabletten-ratiopharm 100 mg Filmtabletten (Eisen(II)-sulfat). ratiopharm GmbH. Stand 04/2021. abgerufen am 18.10.2026
  19. EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Bonviva (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilage Bonviva 150 mg Filmtabletten (Ibandronsäure). Atnahs Pharma Netherlands B.V. (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 04/2024. abgerufen am 18.10.2026
  20. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Indapamid-ratiopharm 1,5 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 10/2024. abgerufen am 18.10.2026
  21. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Isotretinoin-ratiopharm 20 mg Weichkapseln. ratiopharm GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 18.10.2026
  22. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation L-Thyroxin-Na-ratiopharm 75 Mikrogramm Tabletten (Levothyroxin). ratiopharm GmbH. Stand 06/2024. abgerufen am 18.10.2026
  23. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation metex 7,5 mg/10 mg Tabletten (Methotrexat). medac Gesellschaft für klinische Spezialpräparate mbH. Stand 08/2026. abgerufen am 18.10.2026
  24. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ramipril-ratiopharm 5 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 18.10.2026
  25. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Jarsin 300 mg überzogene Tabletten (Johanniskraut-Trockenextrakt). Cassella-med GmbH & Co. KG. Stand 01/2024. abgerufen am 18.10.2026
  26. Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu biotinhaltigen Arzneimitteln: Risiko falscher Ergebnisse von Laboruntersuchungen durch Biotininterferenzen. Firmen, die biotinhaltige Arzneimittel sowie biotinhaltige Nahrungsergänzungsmittel oder diätetische Lebensmittel vermarkten, in Absprache mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Brief vom Mai 2019, veröffentlicht vom BfArM am 15.05.2019. abgerufen am 18.10.2026

Häufige Fragen

Darf man Nahrungsergänzungsmittel zusammen mit Medikamenten einnehmen?

Das hängt von den Mitteln ab. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) kann die unbedachte Einnahme von Nahrungsergänzungsmitteln die Wirkung bestimmter Medikamente verstärken oder abschwächen; wer regelmäßig Arzneimittel einnimmt, sollte Nahrungsergänzungsmittel deshalb möglichst nicht ohne ärztliche oder pharmazeutische Beratung verwenden. Was für Ihr Medikament gilt, steht in Abschnitt 2 seiner Packungsbeilage.

Sind Nahrungsergänzungsmittel geprüft oder zugelassen?

Nein. Nahrungsergänzungsmittel sind Lebensmittel und werden vor dem Verkauf nicht behördlich geprüft und zugelassen. Hersteller oder Einführer müssen ein Produkt spätestens beim ersten Inverkehrbringen beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) anzeigen (§ 5 Abs. 1 NemV). Das BVL bewertet die Produkte dabei laut eigener Auskunft weder rechtlich noch gesundheitlich; verantwortlich sind Hersteller und Inverkehrbringer, kontrolliert wird durch die Lebensmittelüberwachung der Länder.

Welche Nahrungsergänzungsmittel vertragen sich nicht mit Antibiotika?

Nahrungsergänzungsmittel mit Mineralstoffen können laut gesund.bund.de die Wirkung eines Antibiotikums hemmen und sollten nicht gleichzeitig mit ihm eingenommen werden. Laut BfR können hohe Mengen an Magnesium, Calcium, Zink oder Eisen die Aufnahme bestimmter Antibiotika beeinträchtigen. Die Packungsbeilage von Ciprofloxacin nennt ausdrücklich Arzneimittel oder Nahrungsergänzungsmittel mit Calcium, Magnesium, Aluminium oder Eisen. Fragen Sie in Ihrer Apotheke, was für Ihr Antibiotikum gilt.

Was müssen Menschen mit Gerinnungshemmern bei Nahrungsergänzungsmitteln beachten?

Vitamin K kann laut BfR die Wirkung von Gerinnungshemmern vom Cumarin-Typ abschwächen; vor der Einnahme Vitamin-K-haltiger Nahrungsergänzungsmittel sollten Sie laut BfR ärztlichen Rat einholen. Glucosamin und Vitamin E können die Wirkung dagegen verstärken und das Blutungsrisiko erhöhen; Glucosamin-haltige Nahrungsergänzungsmittel sollte laut BfR nicht verwenden, wer gerinnungshemmende Arzneimittel nimmt. Melatoninhaltige Nahrungsergänzungsmittel sollten laut BfR Menschen, die Gerinnungshemmer einnehmen, nur nach Rücksprache mit einem Arzt einnehmen.

Warum soll ich Biotin vor einer Blutuntersuchung angeben?

Hochdosierte Biotin-Präparate können laut BfR die Ergebnisse bestimmter Laboruntersuchungen verfälschen, etwa bei der Diagnose eines Herzinfarkts oder bei Schilddrüsenwerten. Laut Packungsbeilage eines Levothyroxin-Präparats können die Ergebnisse dadurch fälschlicherweise erhöht oder verringert sein; Biotin kann auch in Multivitaminpräparaten oder Nahrungsergänzungsmitteln für Haare, Haut und Nägel enthalten sein. Sagen Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder dem Laborpersonal vor der Untersuchung, dass Sie Biotin einnehmen.

Ist Johanniskraut ein Nahrungsergänzungsmittel?

Ein Johanniskraut-Präparat gegen leichte depressive Störungen ist laut Packungsbeilage ein pflanzliches Arzneimittel. Wirkstoffe aus Johanniskraut können laut dieser Packungsbeilage die Ausscheidung anderer Arzneimittel beschleunigen und so deren Wirksamkeit herabsetzen oder die Wirkung anderer Arzneimittel verstärken. Mit bestimmten Mitteln, etwa Ciclosporin oder Gerinnungshemmern vom Cumarin-Typ, darf es nicht eingenommen werden, und bei hormoneller Verhütung kann deren Sicherheit herabgesetzt sein.

Woran erkenne ich, ob ein Produkt ein Arzneimittel ist?

Auf einem Nahrungsergänzungsmittel steht die Bezeichnung "Nahrungsergänzungsmittel" (§ 4 Abs. 1 NemV). Auf zugelassenen Fertigarzneimitteln muss die Zulassungsnummer mit der Abkürzung "Zul.-Nr." stehen, auf registrierten traditionellen pflanzlichen Arzneimitteln die Registrierungsnummer mit der Abkürzung "Reg.-Nr." (§ 10 AMG). Ob ein Produkt im Einzelfall ein Arzneimittel ist, entscheidet laut BfR die Überwachung der Bundesländer. Bei Produkten aus dem Ausland ist laut IQWiG Vorsicht angebracht, weil dort zum Teil andere Regeln gelten.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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