Ratgeber
Wechselwirkungen prüfen lassen: so geht es
Werden mehrere Arzneimittel gleichzeitig eingenommen, kann ihre Wirkung laut gesund.bund.de verstärkt, abgeschwächt oder sogar aufgehoben werden, und es können unerwünschte Nebenwirkungen auftreten; das Risiko steigt mit der Zahl der Medikamente. Welche Wechselwirkungen für Ihr Mittel bekannt sind, steht in Abschnitt 2 der Packungsbeilage. Prüfen lassen können Sie Wechselwirkungen in Arztpraxis und Apotheke; eine Liste aller Mittel oder ein Medikationsplan erleichtert das laut gesund.bund.de. Auf einen Medikationsplan haben gesetzlich Versicherte ab drei gleichzeitig angewendeten verordneten Arzneimitteln Anspruch (§ 31a SGB V, Stand Oktober 2026).

Werden mehrere Arzneimittel gleichzeitig eingenommen, kann ihre Wirkung verstärkt, abgeschwächt oder sogar aufgehoben werden, und es können unerwünschte Nebenwirkungen auftreten; dieses Risiko steigt laut dem Gesundheitsportal gesund.bund.de, je mehr verschiedene Medikamente man einnimmt [1]. Auch bestimmte Lebensmittel und Alkohol können die Wirkung von Arzneimitteln beeinflussen [1]. Welche Wechselwirkungen für Ihr Mittel bekannt sind, steht in Abschnitt 2 der Packungsbeilage; die EU-Vorlage für Packungsbeilagen sieht dort einen Absatz zur Einnahme zusammen mit anderen Arzneimitteln vor [2].
Prüfen lassen können Sie Wechselwirkungen in Ihrer Arztpraxis und Ihrer Apotheke. Eine Liste aller regelmäßig eingenommenen Mittel, auch frei verkäuflicher Mittel und Nahrungsergänzungsmittel, oder ein Medikationsplan erleichtert das laut gesund.bund.de [1]. Gesetzlich Versicherte, die gleichzeitig mindestens drei verordnete Arzneimittel anwenden, haben Anspruch auf einen Medikationsplan (§ 31a Abs. 1 Satz 1 SGB V, Stand Oktober 2026) [3]. In der Apotheke gehört die erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation zu den pharmazeutischen Dienstleistungen, auf die gesetzlich Versicherte Anspruch haben (§ 129 Abs. 5e Satz 3 Nr. 3 SGB V) [4].
Wie Wechselwirkungen entstehen
Packungsbeilagen, Fachinformationen und gesund.bund.de beschreiben unter anderem diese Wege, auf denen sich Mittel gegenseitig beeinflussen:
- Ein Mittel wird schlechter aufgenommen: Aluminiumhaltige Magensäurebinder, eisenhaltige Arzneimittel und Calciumcarbonat können laut Packungsbeilage die Aufnahme von Levothyroxin aus dem Darm und damit seine Wirksamkeit vermindern [15]. Milchprodukte und andere calciumhaltige Produkte können laut gesund.bund.de die Aufnahme einiger Wirkstoffe verringern, darunter viele Antibiotika, Schilddrüsenhormone und Methotrexat [1].
- Ein Mittel wird anders abgebaut: Grapefruitsaft enthält laut Packungsbeilage von Simvastatin Bestandteile, die den Stoffwechsel einiger Arzneimittel verändern [18]. Wirkstoffe aus Johanniskraut können laut Packungsbeilage eines Präparats die Ausscheidung anderer Arzneimittel beschleunigen und dadurch deren Wirksamkeit herabsetzen oder auch die Wirkung anderer Arzneimittel verstärken [13].
- Ein Mittel wird schlechter aktiviert: Clopidogrel wird laut Fachinformation teilweise über das Leberenzym CYP2C19 in seinen wirksamen Stoff umgewandelt; Arzneimittel, die dieses Enzym hemmen, lassen einen niedrigeren Spiegel des wirksamen Stoffs erwarten. Die klinische Bedeutung ist laut Fachinformation ungewiss; als Vorsichtsmaßnahme sollte vom gleichzeitigen Gebrauch starker oder mäßig starker Hemmstoffe dieses Enzyms abgeraten werden [10].
- Zwei Mittel wirken in dieselbe Richtung: Sildenafil verstärkt laut Fachinformation den blutdrucksenkenden Effekt von Nitraten [17]. Entzündungshemmende oder schmerzlindernde Mittel wie Acetylsalicylsäure oder Naproxen können die Wirkung von Apixaban verstärken und eine Blutung wahrscheinlicher machen [6]. Zusammen mit Beruhigungsmitteln wie Benzodiazepinen erhöht Tramadol laut Packungsbeilage das Risiko für Schläfrigkeit, Atembeschwerden (Atemdepression) und Koma [19].
- Ein Mittel schwächt ein anderes ab: Ibuprofen kann laut Packungsbeilage die Wirkung von entwässernden und blutdrucksenkenden Arzneimitteln abschwächen [11]. Laut Fachinformation weisen experimentelle Daten außerdem darauf hin, dass Ibuprofen die Wirkung niedrig dosierter Acetylsalicylsäure auf die Blutplättchen hemmen kann, wenn beide gleichzeitig gegeben werden [12].
Laut gesund.bund.de treten Wechselwirkungen häufig bei diesen Gruppen auf: blutzuckersenkende Medikamente, gerinnungshemmende Medikamente, Medikamente bei Herzrhythmusstörungen und bei Herzschwäche, Antidepressiva, die Antibabypille sowie Antibiotika und Mittel gegen Viren [1]. Mehr zu den Gruppen auf den Seiten Blutverdünner, Antidepressiva und Antibiotika.
Welche Medikamente betroffen sein können
Die Tabelle gibt Angaben aus Abschnitt 2 der Packungsbeilage je eines Präparats wieder, bei Clopidogrel und Ibuprofen ergänzt um die Fachinformation; welches Präparat, steht in den Quellen am Ende der Seite [2]. Jede Zeile nennt nur eine Auswahl.
| Wirkstoff | Was die Packungsbeilage sagt | Mehr dazu |
|---|---|---|
| Apixaban | Bestimmte Mittel gegen Pilzinfektionen (z. B. Ketoconazol), bestimmte HIV-Mittel (z. B. Ritonavir), andere Gerinnungshemmer, entzündungshemmende oder schmerzlindernde Mittel wie Acetylsalicylsäure oder Naproxen, Diltiazem und Antidepressiva aus den Gruppen SSRI und SNRI können die Wirkung verstärken und eine unerwünschte Blutung wahrscheinlicher machen; über 75 Jahren mit Acetylsalicylsäure ist das Blutungsrisiko besonders erhöht. Mittel gegen Epilepsie (z. B. Phenytoin), Johanniskraut und Rifampicin könnten die Wirkung vermindern [6] | Wechselwirkungen von Apixaban |
| Citalopram | Darf nicht eingenommen werden zusammen mit Arzneimitteln, die den Herzrhythmus beeinflussen können, etwa Antiarrhythmika der Klasse IA und III, Antipsychotika wie Pimozid oder Haloperidol, trizyklische Antidepressiva, bestimmte Mittel gegen Infektionen und bestimmte Antihistaminika [7]. Laut Rote-Hand-Brief vom 31.10.2011 ist die gleichzeitige Anwendung von Citalopram mit anderen Arzneimitteln, die bekannterweise das QT-Intervall verlängern, kontraindiziert (Gegenanzeige); Citalopram wird darin mit einer dosisabhängigen QT-Intervall-Verlängerung in Zusammenhang gebracht [8]. Ebenfalls nicht, wenn Sie MAO-Hemmer wie Moclobemid einnehmen oder bis vor kurzem eingenommen haben [7] | Wechselwirkungen von Citalopram |
| Clopidogrel | Insbesondere sollten Sie dem Arzt mitteilen, wenn Sie Mittel einnehmen, die das Blutungsrisiko erhöhen können (zum Beispiel Gerinnungshemmer zum Einnehmen, entzündungshemmende Schmerzmittel, Heparin oder bestimmte Antidepressiva aus der Gruppe der SSRI), und wenn Sie Omeprazol oder Esomeprazol einnehmen [9]. Laut Fachinformation sollte von der gleichzeitigen Anwendung von Omeprazol oder Esomeprazol als Vorsichtsmaßnahme abgeraten werden; Messergebnisse mit Pantoprazol weisen laut Fachinformation darauf hin, dass Clopidogrel zusammen mit Pantoprazol angewendet werden kann [10] | Wechselwirkungen von Clopidogrel |
| Ibuprofen | Kann gerinnungshemmende Mittel (z. B. Acetylsalicylsäure, Warfarin) und blutdrucksenkende Mittel beeinträchtigen oder von ihnen beeinträchtigt werden; zusammen mit anderen entzündungs- und schmerzhemmenden Mitteln oder Glukokortikoiden steigt das Risiko für Magen-Darm-Geschwüre oder -Blutungen. Vor der Anwendung zusammen mit anderen Arzneimitteln sollten Sie immer den Rat von Arzt oder Apotheker einholen [11] | ASS oder Ibuprofen? |
| Johanniskraut | Darf nicht zusammen angewendet werden mit Mitteln gegen Abstoßungsreaktionen wie Ciclosporin, bestimmten HIV-Mitteln, bestimmten Krebsmitteln und Gerinnungshemmern vom Cumarin-Typ wie Phenprocoumon. Bei hormoneller Empfängnisverhütung können Zwischenblutungen auftreten und die Sicherheit kann herabgesetzt sein; es sollten zusätzliche empfängnisverhütende Maßnahmen ergriffen werden [13] | Wechselwirkungen von Johanniskraut |
| Levonorgestrel und Ethinylestradiol (Pille) | Einige Arzneimittel, etwa gegen Epilepsie (z. B. Carbamazepin, Phenytoin), Tuberkulose (Rifampicin), HIV- und Hepatitis-C-Infektionen sowie Johanniskraut, können die Blutspiegel beeinflussen und die empfängnisverhütende Wirksamkeit mindern oder zu unerwarteten Blutungen führen. Ärzte, Zahnärzte und Apotheker können Ihnen sagen, ob Sie zusätzlich verhüten müssen [14] | Pille und Antibiotika |
| Levothyroxin | Aluminiumhaltige Magensäurebinder, eisenhaltige Arzneimittel und Calciumcarbonat können die Aufnahme aus dem Darm und die Wirksamkeit vermindern; die Packungsbeilage nennt dafür einen zeitlichen Abstand. Biotin, auch in Nahrungsergänzungsmitteln für Haare, Haut und Nägel, kann Laborwerte der Schilddrüse verfälschen [15] | Einnahme von Levothyroxin |
| Ramipril | Schmerz- und Entzündungsmittel wie Ibuprofen oder Acetylsalicylsäure können die Wirkung abschwächen. Kaliumpräparate einschließlich Salzersatzmittel, kaliumsparende Entwässerungsmittel wie Spironolacton und andere Mittel, die den Kaliumgehalt im Blut erhöhen können, erhöhen das Risiko von Nebenwirkungen; mit Sacubitril/Valsartan darf Ramipril nicht eingenommen werden [16] | Wechselwirkungen von Ramipril |
| Sildenafil | Darf nicht eingenommen werden, wenn Sie Arzneimittel einnehmen, die Nitrate genannt werden, oder Stickstoffmonoxid-Donatoren wie Amylnitrit ("Poppers"), da die Kombination einen gefährlichen Abfall des Blutdrucks bewirken kann. Bei einem medizinischen Notfall sollten Sie sagen, dass und wann Sie das Mittel eingenommen haben [17] | Wechselwirkungen von Sildenafil |
| Simvastatin | Darf nicht zusammen eingenommen werden mit bestimmten Mitteln gegen Pilzinfektionen (Itraconazol, Ketoconazol, Posaconazol, Voriconazol), den Antibiotika Erythromycin, Clarithromycin und Telithromycin, HIV-Protease-Hemmern, Gemfibrozil, Ciclosporin und weiteren Mitteln; den Genuss von Grapefruitsaft sollten Sie vermeiden [18] | Medikamente und Grapefruit |
| Tramadol | Mit bestimmten Antidepressiva können sich die Wirkungen gegenseitig beeinflussen, und ein Serotoninsyndrom ist möglich. Zusammen mit Beruhigungsmitteln wie Benzodiazepinen steigt das Risiko für Schläfrigkeit, Atemdepression und Koma; das kann lebensbedrohlich sein. Auch die Wirkung von Gerinnungshemmern vom Cumarin-Typ kann beeinflusst werden, es kann zu Blutungen kommen [19] | Wechselwirkungen von Tramadol |
Die Tabelle ist eine Auswahl. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Lebensmittel, Getränke und Alkohol

Die Wirkung von Medikamenten kann sich ändern, wenn sie zusammen mit bestimmten Nahrungsmitteln und Getränken eingenommen werden; auf einige Produkte sollte man laut gesund.bund.de während der Einnahme verzichten [1]. Das Portal nennt als Beispiele [1]:
- Grapefruit und Grapefruitsaft: Sie verstärken oder verringern die Wirkung vor allem von Medikamenten, die den Blutdruck oder den Cholesterinspiegel senken oder die Reaktion des Immunsystems beeinflussen; ähnlich wirken Bitterorange, Pampelmuse und Sternfrucht [1]. Mehr: Medikamente und Grapefruit.
- Milchprodukte und calciumhaltige Produkte: Sie können die Aufnahme einiger Wirkstoffe verringern, auch calciumreiche Mineralwasser oder mit Calcium angereicherter Orangensaft [1]. Mehr: Medikamente mit Milch einnehmen?
- Kaffee und schwarzer Tee: Sie können etwa bei Einnahme der Antibabypille, bestimmter Antibiotika oder Kortisonpräparate zu Schlaflosigkeit und verstärktem Harndrang führen und hemmen die Aufnahme von Eisen [1]. Mehr: Medikamente und Kaffee.
- Lakritz: Zusammen mit bestimmten blutdrucksenkenden Medikamenten kann Lakritz Herzbeschwerden oder Muskelschwäche auslösen [1].
- Alkohol: Medikamente sollten generell nicht zusammen mit Alkohol eingenommen werden, weil Alkohol die Wirkung vieler Medikamente in schwer vorhersehbarer Weise verstärken kann [1]. Mehr: Medikamente und Alkohol.
Ob ein Mittel vor, zu oder nach dem Essen eingenommen wird, erklärt der Ratgeber Medikamente vor oder nach dem Essen?, wie Rauchen die Wirkung von Medikamenten beeinflussen kann, der Ratgeber Medikamente und Rauchen.
Rezeptfreie Mittel, pflanzliche Mittel und Nahrungsergänzungsmittel
Auch Mittel ohne Rezept können Wechselwirkungen haben. gesund.bund.de rät, auf der Liste aller Medikamente auch frei verkäufliche Mittel und Nahrungsergänzungsmittel zu vermerken [1]. Beispiele aus den Packungsbeilagen:
- Rezeptfreie Schmerzmittel: Vor der Anwendung von Ibuprofen zusammen mit anderen Arzneimitteln sollten Sie laut Packungsbeilage immer den Rat Ihres Arztes oder Apothekers einholen [11].
- Pflanzliche Arzneimittel: Johanniskraut darf laut Packungsbeilage eines Präparats nicht zusammen mit bestimmten Mitteln angewendet werden, darunter Gerinnungshemmer vom Cumarin-Typ [13]. Ginkgo biloba, ein pflanzliches Arzneimittel, kann laut Packungsbeilage von Ibuprofen das Blutungsrisiko von entzündungshemmenden Schmerzmitteln (NSAR) erhöhen [11].
- Nahrungsergänzungsmittel: Biotin, auch in Multivitaminpräparaten oder Nahrungsergänzungsmitteln für Haare, Haut und Nägel, kann laut Packungsbeilage von Levothyroxin die Ergebnisse von Laboruntersuchungen fälschlich erhöhen oder verringern; informieren Sie vor der Blutabnahme Ihren Arzt oder das Laborpersonal [15].
Mehr dazu im Ratgeber Medikamente und Nahrungsergänzungsmittel.
Medikationsplan und Medikationsberatung
Gesetzlich Versicherte, die gleichzeitig mindestens drei verordnete Arzneimittel anwenden, haben Anspruch darauf, dass eine Ärztin oder ein Arzt in der vertragsärztlichen Versorgung einen Medikationsplan in Papierform erstellt und aushändigt und einen elektronischen Medikationsplan erstellt (§ 31a Abs. 1 Satz 1 SGB V, Stand Oktober 2026) [3]. Das Nähere zu den Voraussetzungen dieses Anspruchs vereinbaren die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband in den Bundesmantelverträgen (§ 31a Abs. 1 Satz 2 SGB V) [3]; ob sie bei Ihnen erfüllt sind, klärt Ihre Arztpraxis. Die Ärztin oder der Arzt muss Sie bei der Verordnung über diesen Anspruch informieren (§ 31a Abs. 1 Satz 3 SGB V) [3]. Im Plan stehen mit Anwendungshinweisen alle verordneten Arzneimittel, Arzneimittel, die Sie ohne Verschreibung anwenden, und Hinweise auf Medizinprodukte, soweit sie für die Medikation wichtig sind (§ 31a Abs. 2 SGB V) [3]. Ändert sich die Medikation, aktualisiert die Ärztin oder der Arzt den Plan; auf Ihren Wunsch nimmt auch die Apotheke bei der Abgabe eines Arzneimittels die nötige Aktualisierung vor (§ 31a Abs. 3 Satz 1 und 2 SGB V) [3]. Eine Vorlage für eine eigene Übersicht bietet das Werkzeug Medikationsplan.
Außerdem haben gesetzlich Versicherte Anspruch auf pharmazeutische Dienstleistungen durch Apotheken, die über die Pflicht zur Information und Beratung nach § 20 der Apothekenbetriebsordnung hinausgehen; dazu zählt das Gesetz ausdrücklich die erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation (§ 129 Abs. 5e Satz 1 und Satz 3 Nr. 3 SGB V, Stand Oktober 2026) [4]. Diese Dienstleistungen können auch ärztlich verschrieben werden (§ 129 Abs. 5e Satz 4 SGB V) [4]. Nach einer erweiterten Medikationsberatung informiert die Apotheke Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt (§ 129 Abs. 5e Satz 10 Nr. 2 SGB V) [4]. Das Nähere zu den Anspruchsvoraussetzungen vereinbart die maßgebliche Spitzenorganisation der Apotheker mit dem GKV-Spitzenverband (§ 129 Abs. 5e Satz 11 SGB V) [4]; ob die Voraussetzungen bei Ihnen erfüllt sind, erfahren Sie in Ihrer Apotheke. Mehr zum Thema im Ratgeber Viele Medikamente gleichzeitig.
Für wen es besonders wichtig ist
- Menschen, die viele Medikamente einnehmen: Das Risiko für Wechselwirkungen steigt laut gesund.bund.de, je mehr verschiedene Medikamente man einnimmt [1]. Wer über 75 Jahre alt ist und Acetylsalicylsäure einnimmt, hat unter Apixaban laut Packungsbeilage ein besonders erhöhtes Blutungsrisiko [6]. Mehr: Medikamente im Alter.
- Frauen, die hormonell verhüten: Informieren Sie laut Packungsbeilage einer kombinierten Pille jeden Arzt, Zahnarzt oder Apotheker, der Ihnen andere Arzneimittel verschreibt, dass Sie die Pille einnehmen; diese können Ihnen sagen, ob Sie zusätzlich verhüten müssen [14]. Mehr: Pille und Antibiotika.
- Menschen vor einer Operation oder im Notfall: Vor geplanten Eingriffen mit Voll- oder Teilnarkose sollten Sie laut Packungsbeilage eines Johanniskraut-Präparats mit Ihrem Arzt sprechen, um mögliche Wechselwirkungen zu erkennen [13]. Bei einem medizinischen Notfall sollten Sie laut Packungsbeilage von Sildenafil sagen, dass und wann Sie das Mittel eingenommen haben [17]. Mehr: Medikamente vor einer Operation.
So gehen Sie vor
- Alle Mittel aufschreiben Notieren Sie alle Medikamente, die Sie regelmäßig einnehmen, auch frei verkäufliche Mittel und Nahrungsergänzungsmittel, und nehmen Sie die Liste zum Arztbesuch und in die Apotheke mit [1].
- Medikationsplan ansprechen Wenden Sie gleichzeitig mindestens drei verordnete Arzneimittel an, haben Sie als gesetzlich Versicherte oder Versicherter Anspruch auf einen Medikationsplan (§ 31a Abs. 1 Satz 1 SGB V) [3].
- Vor jedem neuen Mittel Bescheid geben Die Packungsbeilagen bitten darum, Arzt oder Apotheker zu informieren, wenn Sie andere Arzneimittel einnehmen, kürzlich eingenommen haben oder einnehmen wollen [2, 9]. Das gilt auch für rezeptfreie Schmerzmittel [11].
- Abschnitt 2 der Packungsbeilage lesen Dort stehen die bekannten Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln und Hinweise zu Nahrungsmitteln, Getränken und Alkohol [1, 2]. Wichtige Kombinationen können auch unter "darf nicht eingenommen werden" stehen, zum Beispiel bei Simvastatin [18].
- Beratung in der Apotheke nutzen Fragen Sie nach der erweiterten Medikationsberatung bei Polymedikation (§ 129 Abs. 5e Satz 3 Nr. 3 SGB V) und lassen Sie Ihren Medikationsplan auf Wunsch bei der Abgabe aktualisieren (§ 31a Abs. 3 Satz 2 SGB V) [3, 4].
- Beschwerden ansprechen und melden Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihren Arzt oder Apotheker; Sie können Nebenwirkungen auch direkt dem BfArM melden [11]. Hilfreich sind das Werkzeug Fragen fürs Arztgespräch, das Nebenwirkungs-Tagebuch und der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Diese Warnzeichen nennen die Packungsbeilagen aus der Tabelle:
- Zeichen eines Serotoninsyndroms unter Tramadol, etwa zusammen mit bestimmten Antidepressiva: Veränderungen des Gemütszustands wie Unruhe oder Halluzinationen, Fieber, beschleunigter Herzschlag, instabiler Blutdruck, unwillkürliches Zucken, Muskelsteifheit, Koordinationsstörungen oder Übelkeit, Erbrechen und Durchfall. Suchen Sie laut Packungsbeilage sofort einen Arzt auf [19].
- Unklare Muskelschmerzen, Empfindlichkeit oder Schwäche der Muskulatur unter Simvastatin: Wenden Sie sich laut Packungsbeilage unverzüglich an Ihren Arzt; Erkrankungen der Muskulatur können in seltenen Fällen schwerwiegend sein [18]. Mehr: Muskelschmerzen durch Medikamente.
- Brustschmerzen unter Sildenafil: Beenden Sie laut Packungsbeilage die Einnahme und suchen Sie sofort einen Arzt auf; treten sie während oder nach dem Geschlechtsverkehr auf, verwenden Sie keine Nitrate, um die Brustschmerzen zu behandeln [17].
- Notfälle: Bewusstlosigkeit oder erhebliche Bewusstseinstrübung, schwere Atemnot, starke Brustschmerzen oder Herzbeschwerden, starke, nicht stillbare Blutungen und Vergiftungen sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Fälle für den Notruf 112 [5]. Mehr: Blutungen und Blutbildveränderungen durch Medikamente.
Quellen
- Behörde Mit Arzneimitteln richtig umgehen (Abschnitte zu Lebensmitteln, Alkohol und Wechselwirkungen). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem BfArM). Stand 17.02.2026. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde QRD-Vorlage für Produktinformationen, Version 10.4, deutsche Fassung mit markierten Änderungen (Packungsbeilage, Abschnitt 2). Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA). Stand 02/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde § 31a SGB V: Medikationsplan. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, gesetze-im-internet.de. Stand SGB V zuletzt geändert durch Art. 1 G v. 26.06.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 195); Änderungen durch Art. 1 G v. 24.07.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 228) und Art. 2 G v. 06.10.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 289) berücksichtigt bzw. textlich nachgewiesen. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde § 129 SGB V: Rahmenvertrag über die Arzneimittelversorgung, Verordnungsermächtigung (Absatz 5e: pharmazeutische Dienstleistungen). Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, gesetze-im-internet.de. Stand SGB V zuletzt geändert durch Art. 1 G v. 26.06.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 195); Änderungen durch Art. 1 G v. 24.07.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 228) und Art. 2 G v. 06.10.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 289) berücksichtigt bzw. textlich nachgewiesen. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation Eliquis (EPAR), Anhang III B: Packungsbeilagen Eliquis 2,5 mg und 5 mg Filmtabletten (Apixaban). Bristol-Myers Squibb/Pfizer EEIG (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 04/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Citalopram-ratiopharm 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 12/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Rote-Hand-Brief Rote-Hand-Brief zu Cipramil (Citalopram): Risiko für dosisabhängige QT-Intervall-Verlängerung. Lundbeck GmbH in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Stand Brief vom 31.10.2011, veröffentlicht vom BfArM am 31.10.2011. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Clopidogrel ratiopharm 75 mg Filmtabletten. Teva B.V. (Zulassungsinhaber), ratiopharm GmbH. Stand 02/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation Clopidogrel ratiopharm 75 mg Filmtabletten (Abschnitt 4.5). Teva B.V. (Zulassungsinhaber), ratiopharm GmbH. Stand 02/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Fachinformation Fachinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten (Abschnitt 4.5). ratiopharm GmbH. Stand 06/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Jarsin 300 mg überzogene Tabletten (Johanniskraut-Trockenextrakt). Cassella-med GmbH & Co. KG. Stand 01/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Asumate 30 150/30 Mikrogramm Filmtabletten (Levonorgestrel/Ethinylestradiol). Exeltis Germany GmbH. Stand 06/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation L-Thyroxin Henning 100 (100 Mikrogramm, Tabletten; Levothyroxin). Sanofi-Aventis Deutschland GmbH. Stand 02/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Ramipril-ratiopharm 5 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2024. abgerufen am 18.10.2026
- EMA-Produktinformation EMA-Produktinformation VIAGRA (EPAR), Anhang I (Abschnitte 4.3 und 4.4) und Anhang III B: Packungsbeilage VIAGRA 25 mg/50 mg/100 mg Filmtabletten (Sildenafil). Viatris EESV (Zulassungsinhaber), Europäische Arzneimittel-Agentur. Stand 10/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Simvastatin-ratiopharm 20 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 09/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Tramadol-ratiopharm 100 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 05/2025. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Was sind Wechselwirkungen bei Medikamenten?
Werden mehrere Arzneimittel gleichzeitig eingenommen, kann ihre Wirkung laut gesund.bund.de verstärkt, abgeschwächt oder sogar aufgehoben werden; zudem können unerwünschte Nebenwirkungen auftreten. Auch bestimmte Lebensmittel und Alkohol können die Wirkung von Medikamenten beeinflussen. Das Risiko steigt, je mehr verschiedene Medikamente man einnimmt.
Wo finde ich die Wechselwirkungen meines Medikaments?
In Abschnitt 2 der Packungsbeilage. Die EU-Vorlage für Packungsbeilagen sieht dort einen Absatz zur Einnahme zusammen mit anderen Arzneimitteln vor und einen zur Einnahme zusammen mit Nahrungsmitteln, Getränken und Alkohol. Manche Packungsbeilagen nennen wichtige Kombinationen auch unter den Gegenanzeigen, also bei den Mitteln, mit denen das Medikament nicht eingenommen werden darf.
Wer prüft, ob sich meine Medikamente vertragen?
Ihre Arztpraxis und Ihre Apotheke. Laut gesund.bund.de lassen sich mögliche Wechselwirkungen mit einer Liste aller regelmäßig eingenommenen Medikamente oder mit einem Medikationsplan leichter abklären. In der Apotheke zählt die erweiterte Medikationsberatung bei Polymedikation zu den pharmazeutischen Dienstleistungen, auf die gesetzlich Versicherte nach § 129 Abs. 5e SGB V Anspruch haben.
Wer hat Anspruch auf einen Medikationsplan?
Gesetzlich Versicherte, die gleichzeitig mindestens drei verordnete Arzneimittel anwenden, haben Anspruch auf einen Medikationsplan in Papierform und auf einen elektronischen Medikationsplan, erstellt von einer Ärztin oder einem Arzt in der vertragsärztlichen Versorgung (§ 31a Abs. 1 Satz 1 SGB V, Stand Oktober 2026). Das Nähere zu den Voraussetzungen vereinbaren die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband in den Bundesmantelverträgen (§ 31a Abs. 1 Satz 2 SGB V). Auf Wunsch aktualisiert die Apotheke den Plan bei der Abgabe eines Arzneimittels (§ 31a Abs. 3 Satz 2 SGB V).
Können auch rezeptfreie oder pflanzliche Mittel Wechselwirkungen haben?
Ja. Johanniskraut darf laut Packungsbeilage eines Präparats zum Beispiel nicht zusammen mit Gerinnungshemmern vom Cumarin-Typ wie Phenprocoumon oder mit Ciclosporin angewendet werden, und bei hormoneller Verhütung kann die Sicherheit herabgesetzt sein. Ginkgo biloba kann laut Packungsbeilage von Ibuprofen das Blutungsrisiko von NSAR erhöhen. Auf die Liste aller Medikamente sollte man laut gesund.bund.de auch frei verkäufliche Mittel und Nahrungsergänzungsmittel schreiben.
Darf ich Ibuprofen zusammen mit ASS nehmen?
Laut Fachinformation von Ibuprofen wird die gleichzeitige Gabe mit Acetylsalicylsäure wegen möglicher vermehrter Nebenwirkungen im Allgemeinen nicht empfohlen; Experimentelle Daten weisen laut Fachinformation außerdem darauf hin, dass Ibuprofen die Wirkung niedrig dosierter Acetylsalicylsäure auf die Blutplättchen hemmen kann, wenn beide gleichzeitig gegeben werden. Vor der Anwendung zusammen mit anderen Arzneimitteln sollten Sie laut Packungsbeilage immer den Rat Ihres Arztes oder Apothekers einholen.
Warum soll ich keinen Grapefruitsaft trinken?
Grapefruitsaft kann laut gesund.bund.de die Wirkung vor allem von Medikamenten verstärken oder verringern, die den Blutdruck oder den Cholesterinspiegel senken oder die Reaktion des Immunsystems beeinflussen. Laut Packungsbeilage von Simvastatin enthält Grapefruitsaft Bestandteile, die den Stoffwechsel einiger Arzneimittel verändern; bei Simvastatin sollten Sie den Genuss von Grapefruitsaft vermeiden. Ob das für Ihr Mittel gilt, steht in Abschnitt 2 der Packungsbeilage.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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