Ratgeber
Medikamente im Alter (PRISCUS-Liste)
Viele Medikamente verursachen bei älteren Menschen mehr und manchmal andere Nebenwirkungen als bei jüngeren; betroffen sind laut den Autorinnen und Autoren der PRISCUS-2.0-Liste vor allem Mittel, die Schwindel oder einen schnellen Blutdruckabfall auslösen, das Denkvermögen beeinträchtigen oder die Sturzgefahr erhöhen. Die Liste nennt Wirkstoffe, die für ältere Menschen potenziell ungeeignet sind, ist aber kein Verbot: Ob ein Mittel für Sie passt, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt. Lassen Sie Ihre Medikamente mit einem Medikationsplan regelmäßig überprüfen und setzen Sie nichts eigenmächtig ab.

Viele Medikamente verursachen bei älteren Menschen mehr und manchmal andere Nebenwirkungen als bei jüngeren; dadurch kann sich das Verhältnis von Nutzen und Risiken verschieben. Das schreiben die Autorinnen und Autoren der PRISCUS-2.0-Liste, einer Liste potenziell inadäquater, also für ältere Menschen möglicherweise ungeeigneter Medikamente, die gemeinsam für Deutschland und Österreich erstellt wurde [1]. Betroffen sind laut der Veröffentlichung vor allem Mittel, die Schwindel oder einen schnellen Blutdruckabfall auslösen, das Denkvermögen beeinträchtigen oder die Sturzgefahr erhöhen [1].
Laut gesund.bund.de nehmen viele ältere Menschen mehrere unterschiedliche Medikamente; ein aktueller Medikationsplan hilft, den Überblick zu behalten und Wechselwirkungen zu vermeiden [4]. Steht ein Mittel auf der PRISCUS-2.0-Liste, ist das laut den Autorinnen und Autoren kein allgemeingültiges Negativurteil und kein Verbot; im Einzelfall kann die Verordnung trotzdem nötig sein, und die Auswahl der passenden Medikamente bleibt eine zentrale Aufgabe der behandelnden Ärztinnen und Ärzte [1].
Warum ältere Menschen anders auf Medikamente reagieren können
Ältere Menschen werden laut den Autorinnen und Autoren der PRISCUS-2.0-Liste häufig nicht in klinische Studien einbezogen. Deshalb fehlen für viele Arzneimittel Daten dazu, wie gut sie im Alter vertragen werden [1]. Listen potenziell inadäquater Medikamente stellen darum Fachleute zusammen, meist in einem mehrstufigen Befragungsverfahren, dem sogenannten Delphi-Verfahren [1]. Zahlreiche Studien haben laut der Veröffentlichung einen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Mitteln der ursprünglichen PRISCUS-Liste und unerwünschten Arzneimittelereignissen gezeigt, insbesondere ein erhöhtes Risiko für Krankenhausaufnahmen [1].
Manche Medikamente können laut IQWiG die Aufmerksamkeit und die Reflexe beeinträchtigen und dadurch zu Stürzen führen. Auch Alkohol kann das Risiko erhöhen, und wer schon einmal hingefallen ist, hat ein erhöhtes Risiko, erneut zu stürzen [6]. Manche Packungsbeilagen weisen darauf hin, dass ältere Menschen empfindlicher auf ein Mittel reagieren können oder dass bei ihnen besonders auf die Nierenfunktion zu achten ist; Beispiele zeigt die Tabelle unten [14, 15, 18]. Mehr zur Nierenfunktion: Niereninsuffizienz und Nierenschäden durch Medikamente.
Auch Alkohol verträgt der Körper im Alter anders: Laut dem Portal Kenn dein Limit des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) sinkt der Wasseranteil im Körper, die gleiche Menge Alkohol verteilt sich auf weniger Körperflüssigkeit und wirkt stärker, und die Leber arbeitet langsamer [10]. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte laut dem Portal möglichst ganz auf alkoholische Getränke verzichten; je mehr Medikamente, desto höher die Risiken, auch bei freiverkäuflichen Mitteln [10]. Mehr: Medikamente und Alkohol.
Was die PRISCUS-2.0-Liste ist
Die PRISCUS-Liste (lateinisch priscus: alt, ehrwürdig) wurde 2010 veröffentlicht. Sie war der erste Katalog potenziell inadäquater Medikamente, der für den deutschen Arzneimittelmarkt erstellt wurde und in der Praxis Verbreitung fand; inzwischen steht sie in Lehrbüchern und Verordnungsprogrammen [1]. Die erste Fassung umfasste laut der Projektseite der Universität Witten/Herdecke 83 für ältere Menschen möglicherweise ungeeignete Arzneimittel, dazu Therapiealternativen und weitere Empfehlungen für die Praxis [3]. Solche Listen sollen laut Projektseite Menschen ab 65 Jahren schützen [2].
Für die aktualisierte Fassung PRISCUS 2.0, erschienen im Januar 2023, bewerteten Fachleute aus Praxis und Forschung in einem dreistufigen Delphi-Verfahren, ob ausgewählte Wirkstoffe für ältere Menschen potenziell inadäquat sind. Grundlage waren unter anderem eigens dafür erstellte systematische Übersichtsarbeiten [1]. 59 Personen nahmen teil, und insgesamt wurden 187 Wirkstoffe als potenziell inadäquat eingestuft [1]. Die Liste gilt gemeinsam für Deutschland und Österreich. PRISCUS 2.0 umfasst 177 Wirkstoffe und Wirkstoffgruppen; Mittel, die in Deutschland nicht mehr im Handel oder nicht verordnungsfähig sind, stehen gesondert [1].
Neu aufgenommen wurden laut der Veröffentlichung 133 Wirkstoffe, darunter einige Mittel gegen Diabetes zum Einnehmen (orale Antidiabetika), alle selektiven COX-2-Hemmer und mittellang wirkende Benzodiazepine wie Oxazepam [1]. Bei manchen Wirkstoffen gilt die Einstufung erst ab einer bestimmten Dauer oder Dosis: bei Protonenpumpenhemmern (Magensäureblockern) für eine Behandlung über mehr als 8 Wochen, bei Risperidon über mehr als 6 Wochen und bei Ibuprofen oberhalb einer bestimmten Tagesdosis über mehr als eine Woche ohne einen Protonenpumpenhemmer [1].
Zu jedem Wirkstoff enthält die ausführliche Fassung mögliche Alternativen, Hinweise zur Überwachung, zu meidende Begleitmedikamente und Begleiterkrankungen, den Grund für die Einstufung und Diskussionspunkte [1]. Die Liste steht auf der Projektseite der Universität Witten/Herdecke als PDF-Datei zum Herunterladen bereit [3]. gesund.bund.de rät pflegenden Angehörigen, die behandelnden Ärztinnen und Ärzte auf die Liste anzusprechen [4]. Laut den Autorinnen und Autoren können auch Apothekerinnen und Apotheker, Pflegekräfte und Angehörige mit der Liste Mittel erkennen, die möglicherweise nicht geeignet sind; die Behandlung lässt sich dann gemeinsam mit den behandelnden Ärztinnen und Ärzten überprüfen [1].
Ausgewählt wurden die Wirkstoffe anhand der Verordnungsdaten der gesetzlichen Krankenkassen; Mittel, die es ohne Rezept gibt, sind deshalb laut den Autorinnen und Autoren nicht ausreichend berücksichtigt [1]. Die persönliche Krankheitssituation berücksichtigt die Liste nicht; ob ein Mittel für einen Menschen geeignet ist, lässt sich nur in Kenntnis dieser Situation entscheiden [1]. Ob das Absetzen potenziell inadäquater Medikamente Krankheiten und Todesfälle verringert, ist laut der Veröffentlichung noch nicht belegt [1]. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.
Welche Medikamente betroffen sein können
Die folgenden Packungsbeilagen nennen eigene Hinweise für ältere Menschen, vor allem in Abschnitt 2 bei den Warnhinweisen [11, 17]. Die Tabelle gibt diese Hinweise aus der Packungsbeilage je eines Präparats wieder; welches, steht in den Quellen am Ende der Seite. Sie ist keine Einstufung nach der PRISCUS-2.0-Liste.
| Wirkstoff | Was die Packungsbeilage zu älteren Menschen sagt | Mehr dazu |
|---|---|---|
| Amitriptylin | Bei älteren Menschen sind bestimmte Nebenwirkungen wahrscheinlicher, zum Beispiel Schwindelgefühl beim Aufstehen wegen niedrigen Blutdrucks. Ein Delirium nennt die Packungsbeilage als seltene Nebenwirkung, insbesondere bei älteren Menschen [11] | Gegenanzeigen und Vorsicht bei Amitriptylin |
| Doxylamin | Bei älteren Menschen ist die Gefahr von Nebenwirkungen größer; dadurch kann sich auch die Sturzgefahr erhöhen. Beobachten Sie eine Nebenwirkung, nehmen Sie das Mittel nicht weiter ein und benachrichtigen Sie Ihren Arzt [12] | Gegenanzeigen und Vorsicht bei Doxylamin |
| Ibuprofen | Bei älteren Menschen treten nach der Anwendung von Entzündungshemmern (NSAR) häufiger Nebenwirkungen auf, insbesondere Blutungen und Durchbrüche im Magen- und Darmbereich, die unter Umständen lebensbedrohlich sein können; daher ist bei ihnen eine besonders sorgfältige ärztliche Überwachung erforderlich [13] | NSAR im Überblick |
| Lorazepam | Ältere oder geschwächte Menschen reagieren möglicherweise empfindlicher auf die Wirkung und sollten während der Behandlung sehr engmaschig überwacht werden. Vorsicht ist auch bei älteren Menschen geboten, bei denen das Risiko eines Sturzes erhöht ist [14] | Lorazepam absetzen |
| Metformin | Während der Behandlung kontrolliert die Ärztin oder der Arzt mindestens einmal jährlich die Nierenfunktion, auch häufiger, wenn Sie älter sind und/oder sich Ihre Nierenfunktion verschlechtert [15] | Gegenanzeigen und Vorsicht bei Metformin |
| Pregabalin | Benommenheit und Schläfrigkeit könnten bei älteren Menschen zu häufigeren unfallbedingten Verletzungen führen; seien Sie vorsichtig, bis Sie sich an alle Auswirkungen gewöhnt haben. Über Herzmuskelschwäche wurde hauptsächlich bei älteren Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen berichtet [16] | Gegenanzeigen und Vorsicht bei Pregabalin |
| Quetiapin | Ältere Menschen mit Demenz sollten Quetiapin nicht einnehmen, da die Arzneimittelgruppe bei ihnen das Risiko für Schlaganfälle oder in einigen Fällen das Sterberisiko erhöhen kann. Schwindel oder ein starkes Schläfrigkeitsgefühl können bei älteren Menschen zu einem erhöhten Risiko für unfallbedingte Verletzungen durch Stürze führen [17] | Demenz |
| Spironolacton | Bei älteren Menschen ist auf eine mögliche Einschränkung der Nierenfunktion zu achten. Sie haben ein erhöhtes Risiko für schwere Nebenwirkungen, zum Beispiel Kalium- oder Natriummangel im Blut, Flüssigkeitsmangel, Blutdruckabfall beim Wechsel vom Liegen zum Stehen und Thrombosen [18] | Natriummangel durch Medikamente |
| Zolpidem | Ältere oder geschwächte Menschen sollten eine niedrigere Dosis erhalten. Wegen der muskelentspannenden Wirkung besteht vor allem bei älteren Menschen beim nächtlichen Aufstehen die Gefahr von Stürzen und Verletzungen; psychiatrische und sogenannte paradoxe Reaktionen treten bei ihnen mit größerer Wahrscheinlichkeit auf [19] | Zolpidem absetzen |
Die Tabelle ist eine Auswahl. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.
Ihre Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Die Angaben der Packungsbeilage zur Dosierung stehen auf den Wirkstoffseiten, etwa bei Zolpidem.
Wem die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung gegen Pneumokokken empfiehlt, steht auf der Seite Pneumokokken-Impfung.
Stürze, Schwindel und Verwirrtheit

Manche Arzneimittel erhöhen laut IQWiG allein oder in Kombination mit anderen Mitteln das Risiko für Stürze. Dazu gehören Beruhigungs- oder Schlafmittel, entwässernde und blutdrucksenkende Medikamente, Mittel gegen Epilepsie (Antiepileptika), Opioide und einige Diabetes-Medikamente [5]. gesund.bund.de nennt starke Schmerzmittel, Psychopharmaka, Beruhigungsmittel und Blutdruckmedikamente [4]. Absetzen sollte man solche Mittel laut IQWiG aber nicht ohne ärztliche Absprache [5].
Meist hat ein Sturz laut IQWiG nur eine Prellung oder Abschürfung zur Folge. Bei etwa 5 bis 10 von 100 Stürzen zu Hause kommt es aber zu Verletzungen wie Knochenbrüchen, größeren Platzwunden oder Kopfverletzungen, und vor allem im höheren Alter erhöhen Stürze mit ernsthaften Folgen das Risiko, pflegebedürftig zu werden [6]. Zur Vorbeugung nennt das IQWiG neben dem Beseitigen von Stolperfallen und Bewegungsprogrammen auch ein Gespräch über die eingenommenen Medikamente mit der Ärztin oder dem Arzt [6]. Mehr: Schwindel durch Medikamente, Niedriger Blutdruck durch Medikamente, Medikamente, die müde machen und Osteoporose.
Auch ein Delirium, also eine plötzliche und schwerwiegende Veränderung des Geisteszustands, die eine Person verwirrt oder desorientiert erscheinen lässt, kann eine Nebenwirkung sein: Die Packungsbeilage von Zolpidem nennt es mit nicht bekannter Häufigkeit [19]. Bei Amitriptylin steht es als seltene Nebenwirkung, insbesondere bei älteren Menschen (Tabelle oben) [11]. Selten heißt: bei bis zu 1 von 1.000 Behandelten [11]; was die Häufigkeitsangaben bedeuten, erklärt das Werkzeug Häufigkeit übersetzen. Mehr: Vergesslichkeit und Verwirrtheit durch Medikamente und Demenz.
Mittel ohne Rezept
In den Medikationsplan gehören nach § 31a Abs. 2 Satz 1 Nr. 2 SGB V auch Arzneimittel, die ohne Verschreibung angewendet werden [7]; gesund.bund.de nennt ausdrücklich frei erhältliche Präparate und Naturheilprodukte [4]. Auch Packungsbeilagen von Mitteln zur Selbstmedikation enthalten Hinweise für ältere Menschen, zum Beispiel die von Doxylamin gegen medikamentös behandlungsbedürftige Ein- und Durchschlafstörungen und von Ibuprofen zur kurzzeitigen Behandlung leichter bis mäßig starker Schmerzen und von Fieber (Tabelle oben) [12, 13]. Fühlen Sie sich nach 3 Tagen bei Fieber oder 4 Tagen bei Schmerzen nicht besser oder sogar schlechter, wenden Sie sich laut Packungsbeilage von Ibuprofen an Ihren Arzt [13]; bei Doxylamin gilt das laut Packungsbeilage, wenn Sie sich nach wenigen Tagen nicht besser oder gar schlechter fühlen [12].
Mittel, die es ohne Rezept gibt, hat die PRISCUS-2.0-Liste laut den Autorinnen und Autoren nicht ausreichend berücksichtigt [1]. Die Packungsbeilage von Doxylamin bittet, Arzt oder Apotheker über alle anderen Arzneimittel zu informieren, die Sie einnehmen, kürzlich eingenommen haben oder einnehmen wollen [12]. Mehr zu Schmerzmitteln im Ratgeber Schmerzmittel richtig anwenden, zu Schlafmitteln auf der Seite Schlafstörungen.
Wo Sie Rat bekommen
Gesetzlich Versicherte, die gleichzeitig mindestens drei verordnete Arzneimittel anwenden, haben nach § 31a Abs. 1 Satz 1 SGB V Anspruch darauf, dass eine an der vertragsärztlichen Versorgung teilnehmende Ärztin oder ein solcher Arzt einen Medikationsplan in Papierform erstellt und aushändigt (Stand Oktober 2026) [7]. Das Nähere zu den Voraussetzungen vereinbaren die Kassenärztliche Bundesvereinigung und der GKV-Spitzenverband (§ 31a Abs. 1 Satz 2 SGB V) [7]. Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung müssen es mindestens drei verordnete, systemisch wirkende Arzneimittel sein, die gleichzeitig über mindestens 28 Tage angewendet werden [8].
Die Arztpraxis muss Sie bei der Verordnung über diesen Anspruch informieren und den Plan aktualisieren, sobald sie die Medikation ändert oder von einer anderen Änderung erfährt; auf Ihren Wunsch aktualisiert ihn auch die Apotheke, wenn sie Ihnen ein Arzneimittel abgibt (§ 31a Abs. 1 Satz 3 und Abs. 3 Satz 1 und 2 SGB V) [7]. Eine Vorlage zum Ausfüllen bietet das Werkzeug Medikationsplan. Wie Sie den Überblick behalten, wenn Sie viele Medikamente gleichzeitig einnehmen, erklärt der Ratgeber Viele Medikamente gleichzeitig; Wechselwirkungen allgemein der Ratgeber Wechselwirkungen.
So gehen Sie vor
- Alle Mittel aufschreiben Notieren Sie im Medikationsplan alle aktuell verwendeten Medikamente und ihre Dosierung, auch frei erhältliche Präparate und Naturheilprodukte [4]. Diese Liste können Sie laut IQWiG zu jedem Arzttermin mitbringen [5].
- Regelmäßig überprüfen lassen Besprechen Sie laut IQWiG regelmäßig mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, welche Medikamente noch nötig sind [5]. Fragen dafür sammelt das Werkzeug Fragen fürs Arztgespräch.
- Die PRISCUS-Liste ansprechen gesund.bund.de rät pflegenden Angehörigen, die behandelnden Ärztinnen und Ärzte auf die PRISCUS-Liste anzusprechen [4]. Auch Angehörige und Pflegekräfte können die Liste laut den Autorinnen und Autoren nutzen, um mögliche Probleme zu erkennen und mit der Arztpraxis zu besprechen [1].
- Packungsbeilage lesen Achten Sie in Abschnitt 2 auf Hinweise zu älteren Menschen; Beispiele zeigt die Tabelle oben. Wenn Sie weitere Informationen oder einen Rat brauchen, fragen Sie laut Packungsbeilage in Ihrer Apotheke [12, 13]. Wie eine Packungsbeilage aufgebaut ist, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.
- Veränderungen melden Wenn Sie Nebenwirkungen bemerken, etwa Schwindel, Unsicherheit beim Gehen oder Verwirrtheit, wenden Sie sich laut Packungsbeilage an Ihren Arzt oder Apotheker; Sie können Nebenwirkungen auch direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [13, 19]. Notieren können Sie Beschwerden im Nebenwirkungs-Tagebuch; wie Melden geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.
Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen
Bewusstlosigkeit oder erhebliche Bewusstseinstrübung, schwere Atemnot, starke, nicht stillbare Blutungen, Unfälle mit Verdacht auf starke Verletzungen und Vergiftungen nennt die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) als Beispiele für Fälle, in denen Sie den Notruf 112 wählen [9]. Diese Warnzeichen nennen Packungsbeilagen aus der Tabelle:
- Zeichen einer Magen-Darm-Blutung unter Ibuprofen: stärkere Schmerzen im Oberbauch, Blut im Stuhl oder schwarzer Stuhl (Teerstuhl), Bluterbrechen oder Erbrochenes, das wie Kaffeesatz aussieht. Dann nehmen Sie Ibuprofen laut Packungsbeilage nicht weiter ein und begeben sich sofort in ärztliche Behandlung [13]. Mehr: Magenbeschwerden durch Medikamente.
- Zeichen einer Laktatazidose unter Metformin: Erbrechen, Bauchschmerzen, Muskelkrämpfe, allgemeines Unwohlsein mit starker Müdigkeit, Schwierigkeiten beim Atmen, verringerte Körpertemperatur und Herzklopfen. Dann beenden Sie laut Packungsbeilage die Einnahme und wenden sich unverzüglich an einen Arzt oder an das nächstgelegene Krankenhaus, da dieser Zustand zum Koma führen kann [15].
- Psychiatrische und paradoxe Reaktionen unter Zolpidem: Unruhe, Reizbarkeit, Aggressivität, Wahnvorstellungen, Wutanfälle, Albträume, Halluzinationen, Schlafwandeln, unangemessenes Verhalten, verstärkte Schlafstörungen oder andere Verhaltensstörungen. Dann sollten Sie laut Packungsbeilage die Einnahme beenden und Ihren Arzt kontaktieren; diese Reaktionen treten bei älteren Menschen mit größerer Wahrscheinlichkeit auf [19].
Quellen
- Mann NK, Mathes T, Sönnichsen A et al.: Potentially Inadequate Medications in the Elderly: PRISCUS 2.0. First Update of the PRISCUS List. Dtsch Arztebl Int 2023; 120: 3-10. DOI: 10.3238/arztebl.m2022.0377. Deutscher Ärzteverlag (Volltext über PubMed Central, PMC10035347). Stand 09.01.2023. abgerufen am 18.10.2026
- Priscus 2.0: Über das Projekt. Universität Witten/Herdecke. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- PRISCUS 2.0: Dokumente und Literatur; Die Erstellung der PRISCUS-Liste. Universität Witten/Herdecke. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Pflegewissen für pflegende Angehörige (Abschnitt "Was ist bei der Einnahme von Medikamenten zu beachten?"). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (geprüft durch die Verbraucherzentrale Hessen). Stand 17.05.2023. abgerufen am 18.10.2026
- Was ältere Menschen tun können, um Stürzen vorzubeugen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand aktualisiert am 23.03.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Stürze bei älteren Menschen. Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand aktualisiert am 23.03.2022. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde § 31a SGB V: Medikationsplan. Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz, gesetze-im-internet.de. Stand SGB V zuletzt geändert durch Art. 1 G v. 26.06.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 195); Änderungen durch Art. 1 G v. 24.07.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 228) textlich nachgewiesen und Art. 2 G v. 06.10.2026 (BGBl. 2026 I Nr. 289) berücksichtigt. abgerufen am 18.10.2026
- Medikationsplan (Abschnitt Anspruch). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV). Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitt "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Behörde Alkohol im Alter: Zu alt für Alkohol? Da ist was dran!. Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG), kenn-dein-limit.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Amitriptylin-CT 25 mg Tabletten. AbZ-Pharma GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation SchlafTabs-ratiopharm 25 mg Tabletten (Doxylamin; Versionscode Z06). ratiopharm GmbH. Stand 04/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation IBU-ratiopharm 400 mg akut Schmerztabletten. ratiopharm GmbH. Stand 11/2024. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Metformin-ratiopharm 1.000 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Pregabalin-ratiopharm Hartkapseln (25 bis 300 mg). ratiopharm GmbH. Stand 11/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Quetiapin-ratiopharm 50/150/200/300/400 mg Retardtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 01/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Spironolacton-ratiopharm 50 mg Tabletten. ratiopharm GmbH. Stand 03/2025. abgerufen am 18.10.2026
- Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Zolpidem-ratiopharm 10 mg Filmtabletten. ratiopharm GmbH. Stand 04/2024. abgerufen am 18.10.2026
Häufige Fragen
Was ist die PRISCUS-Liste?
Die PRISCUS-Liste nennt Wirkstoffe, die für ältere Menschen potenziell ungeeignet sind und möglichst vermieden werden sollten. Die erste Fassung erschien 2010, die aktualisierte Fassung PRISCUS 2.0 im Januar 2023. Für sie stuften 59 Fachleute in einem mehrstufigen Verfahren 187 Wirkstoffe als potenziell inadäquat ein; die ausführliche Fassung nennt zu jedem Wirkstoff mögliche Alternativen und Hinweise zur Überwachung.
Ab welchem Alter gilt die PRISCUS-Liste?
Listen potenziell inadäquater Medikamente wie PRISCUS sollen laut der Projektseite der Universität Witten/Herdecke Menschen ab 65 Jahren schützen. Ob ein Mittel für Sie geeignet ist, hängt aber von Ihrer persönlichen Situation ab; die Liste berücksichtigt sie laut den Autorinnen und Autoren nicht.
Muss ich ein Medikament absetzen, wenn es auf der PRISCUS-Liste steht?
Nein, nicht von sich aus. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Laut den Autorinnen und Autoren ist ein Eintrag auf der Liste kein allgemeingültiges Negativurteil und kein Verbot, und im Einzelfall kann die Verordnung nötig sein. gesund.bund.de rät pflegenden Angehörigen, die behandelnden Ärztinnen und Ärzte auf die Liste anzusprechen.
Welche Medikamente erhöhen im Alter die Sturzgefahr?
Laut IQWiG können unter anderem Beruhigungs- und Schlafmittel, entwässernde und blutdrucksenkende Medikamente, Antiepileptika, Opioide und einige Diabetes-Medikamente allein oder zusammen mit anderen Mitteln das Sturzrisiko erhöhen. Absetzen sollte man sie laut IQWiG nicht ohne ärztliche Absprache; am besten bespricht man regelmäßig mit der Ärztin oder dem Arzt, welche Medikamente noch nötig sind.
Habe ich Anspruch auf einen Medikationsplan?
Gesetzlich Versicherte, die gleichzeitig mindestens drei verordnete Arzneimittel anwenden, haben nach § 31a SGB V Anspruch darauf, dass ihre Arztpraxis einen Medikationsplan in Papierform erstellt und aushändigt. Laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung müssen es systemisch wirkende Arzneimittel sein, die mindestens 28 Tage lang angewendet werden. Auf Wunsch aktualisiert auch die Apotheke den Plan, wenn sie ein Arzneimittel abgibt.
Warum vertragen ältere Menschen Alkohol schlechter, und was gilt bei Medikamenten?
Mit dem Alter sinkt laut Kenn dein Limit der Wasseranteil im Körper, der Alkohol verteilt sich auf weniger Körperflüssigkeit und wirkt stärker, und die Leber arbeitet langsamer. Wer regelmäßig Medikamente einnimmt, sollte laut dem Portal möglichst ganz auf alkoholische Getränke verzichten; je mehr Medikamente, desto höher die Risiken, auch bei freiverkäuflichen Mitteln.
Wo stehen in der Packungsbeilage Hinweise für ältere Menschen?
In den Packungsbeilagen der Beispiele auf dieser Seite stehen sie vor allem in Abschnitt 2 bei den Warnhinweisen, zum Teil auch in Abschnitt 3 zur Einnahme und in Abschnitt 4 bei den Nebenwirkungen. Fragen Sie in Ihrer Apotheke, wenn Sie weitere Informationen oder einen Rat brauchen.
Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu
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