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Lorazepam: Nebenwirkungen und Wirkung

Lorazepam ist ein verschreibungspflichtiges Beruhigungsmittel aus der Gruppe der Benzodiazepine. Es ist zur kurzzeitigen Behandlung schwerer Angst-, Spannungs- und Erregungszustände und dadurch bedingter Schlafstörungen sowie zur Beruhigung vor und nach Eingriffen zugelassen. Sehr häufig macht es müde und benommen. Es kann abhängig machen und soll deshalb nur kurz eingenommen und schrittweise abgesetzt werden.

Frau in den Fünfzigern sitzt in der Abenddämmerung auf der Bettkante und blickt ruhig zu einem Fenster mit hellen Vorhängen
Bild: KI-generiert

Die häufigsten Nebenwirkungen

  • Sehr häufig: Beruhigung (Sedierung), Müdigkeit, Benommenheit[1, 2]
  • Häufig: Bewegungs- und Gangunsicherheit (Ataxie)[1, 2]
  • Häufig: Verwirrtheit[1, 2]
  • Häufig: Depression oder Hervortreten einer bisher verdeckten Depression[1, 2]
  • Häufig: Schwindelgefühl[1, 2]
  • Häufig: Muskelschwäche, Mattigkeit[1, 2]

Alle Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Wofür wird Lorazepam eingesetzt?

Lorazepam ist ein beruhigendes und angstlösendes Arzneimittel aus der Wirkstoffgruppe der Benzodiazepine; die Packungsbeilage nennt es einen Tranquilizer [1]. Zugelassen ist es für zwei Anwendungsgebiete: für die kurzzeitige Behandlung der Beschwerden bei Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen und dadurch ausgelösten Schlafstörungen (wenn diese Zustände schwer sind, die Betroffenen beeinträchtigen oder unzumutbar belasten) und für die Beruhigung (Sedierung) vor Untersuchungen sowie vor und nach Operationen [1, 2].

Die Packungsbeilage weist darauf hin, dass nicht jede Angst, Anspannung oder Schlafstörung mit Arzneimitteln behandelt werden muss. Oft sind solche Beschwerden Ausdruck einer körperlichen oder seelischen Erkrankung und lassen sich durch andere Maßnahmen oder die Behandlung der Grunderkrankung beheben. Angst und Anspannung durch gewöhnlichen Alltagsstress sollen normalerweise nicht mit Lorazepam behandelt werden. Als Schlafmittel ist Lorazepam nur dann gerechtfertigt, wenn zugleich eine Benzodiazepin-Wirkung am Tag erwünscht ist [1, 2]. Mehr zu den Krankheitsbildern lesen Sie unter Angststörung und innere Unruhe.

Wie wirkt Lorazepam?

Lorazepam bindet im zentralen Nervensystem an spezielle Bindungsstellen, die eng mit den Rezeptoren des Botenstoffs Gamma-Aminobuttersäure (GABA) verknüpft sind. GABA ist ein hemmender Botenstoff; Lorazepam verstärkt seine hemmende Wirkung. Daraus ergeben sich die Wirkungen, die die Fachinformation beschreibt: Lorazepam dämpft Angst, Anspannung und Erregung, wirkt beruhigend und schlaffördernd, senkt die Muskelspannung und wirkt gegen Krampfanfälle [2].

Lorazepam gehört zu den Benzodiazepinen mit mittellanger Halbwertszeit. Für die Eliminationshalbwertszeit (die Zeit, in der sich die Menge im Blut halbiert) nennt die Fachinformation 12 bis 16 Stunden [2]. Wird Lorazepam als Schlafmittel genommen, vor allem in höherer Dosis und bei zu kurzer Schlafdauer, kann es am nächsten Morgen nachwirken, etwa mit Müdigkeit oder vermindertem Reaktionsvermögen. Deshalb muss eine Schlafzeit von etwa 7 bis 8 Stunden sichergestellt sein [1, 2].

Nebenwirkungen nach Häufigkeit

Unten stehen alle Nebenwirkungen, für die Packungsbeilage oder Fachinformation eine Häufigkeit angeben. "Sehr häufig" heißt: bei mehr als 1 von 10 Behandelten, "häufig" bei bis zu 1 von 10, "gelegentlich" bei bis zu 1 von 100; bei "nicht bekannt" lässt sich die Häufigkeit aus den vorliegenden Daten nicht abschätzen [1, 2]. Wie Sie solche Angaben lesen, erklärt der Ratgeber Beipackzettel verstehen.

Nebenwirkungen sind vor allem zu Beginn der Behandlung, bei zu hoher Dosis und bei besonders empfindlichen Menschen zu erwarten, etwa im höheren Alter. Viele klingen im weiteren Verlauf oder nach einer Verringerung der Dosis wieder ab [1, 2]. Die häufigste Nebenwirkung ist die Dämpfung selbst: Müdigkeit, Benommenheit und Beruhigung. Häufig kommen Gangunsicherheit, Verwirrtheit und Schwindel hinzu [1, 2].

Sehr häufigkann mehr als 1 von 10 Behandelten betreffen

  • NervensystemBeruhigung (Sedierung), Müdigkeit, Benommenheit[1, 2]Mehr dazu: Müdigkeit

Häufigkann bis zu 1 von 10 Behandelten betreffen

Gelegentlichkann bis zu 1 von 100 Behandelten betreffen

Nicht bekanntHäufigkeit nicht abschätzbar oder in der Quelle nicht angegeben

  • Blut und LymphsystemVeränderungen des Blutbilds: Mangel an Blutplättchen (Thrombopenie), starker Mangel an bestimmten weißen Blutkörperchen (Agranulozytose), Mangel an allen Blutzellen (Panzytopenie)[1, 2]Mehr dazu: Veränderungen des Blutbilds
  • PsycheMissbrauch und Abhängigkeit von dem Arzneimittel[1, 2]Mehr dazu: Absetz- und Entzugserscheinungen
  • NervensystemVerlängerte Reaktionszeiten[1, 2]
  • NervensystemStörungen der Bewegungsabläufe (extrapyramidale Symptome)[1, 2]Mehr dazu: Parkinson-Symptome
  • NervensystemZittern[1, 2]Mehr dazu: Zittern
  • NervensystemSchwindel[1, 2]Mehr dazu: Schwindel
  • NervensystemSehstörungen mit Doppeltsehen oder verschwommenem Sehen[1, 2]Mehr dazu: Sehstörungen
  • NervensystemSprechstörungen, undeutliches Sprechen[1, 2]
  • NervensystemKopfschmerzen[1, 2]Mehr dazu: Kopfschmerzen
  • NervensystemKrampfanfälle, Krämpfe[1, 2]Mehr dazu: Krampfanfälle
  • NervensystemGedächtnislücken (Amnesie)[1, 2]Mehr dazu: Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • NervensystemEnthemmung, gehobene Stimmung (Euphorie)[1, 2]
  • NervensystemKoma[1, 2]
  • NervensystemEingeschränkte Aufmerksamkeit und Konzentration[1, 2]Mehr dazu: Konzentrations- und Gedächtnisstörungen
  • NervensystemGleichgewichtsstörungen[1, 2]Mehr dazu: Schwindel
  • NervensystemParadoxe Reaktionen, also Wirkungen entgegen der erwarteten Beruhigung, zum Beispiel Angst, Erregungszustände, Ruhelosigkeit, aggressives Verhalten (Feindseligkeit, Aggression, Wut), Schlafstörungen oder Schlaflosigkeit, sexuelle Erregung, Trugbilder (Halluzinationen)[1, 2]Mehr dazu: AngstUnruhe und NervositätAggressivität und ReizbarkeitSchlafstörungenPsychose und Halluzinationen
  • NervensystemGedanken an Selbsttötung (Suizidgedanken) oder Suizidversuch[1, 2]
  • HerzVerringerte Muskelspannung, niedriger Blutdruck (Hypotonie), leichter Blutdruckabfall[1, 2]Mehr dazu: Niedriger Blutdruck
  • AtemwegeGedämpfte Atmung (Atemdepression; Ausmaß abhängig von der Dosis), Atemaussetzer (Apnoe), Verschlechterung einer Schlafapnoe (zeitweiser Atemstillstand im Schlaf)[1, 2]
  • AtemwegeVerschlechterung einer Lungenerkrankung mit verengten Atemwegen (obstruktive Lungenerkrankung)[1, 2]
  • Magen und DarmVerstopfung[1, 2]Mehr dazu: Verstopfung
  • Magen und DarmAnstieg von Bilirubin und von Leberenzymen (Transaminasen, alkalische Phosphatase) im Blut[1, 2]Mehr dazu: Leberschäden und erhöhte Leberwerte
  • Magen und DarmGelbsucht: Gelbfärbung von Haut und Augen, heller Stuhl und dunkler Urin[1, 2]Mehr dazu: Leberschäden und erhöhte Leberwerte
  • HautAllergische Hautreaktionen mit Ausschlag und Entzündung der Haut[1, 2]Mehr dazu: HautausschlagAllergische Reaktionen
  • HautHaarausfall (Alopezie)[1, 2]Mehr dazu: Haarausfall
  • Allgemeine BeschwerdenÜberempfindlichkeitsreaktionen, schwere allergische (anaphylaktische oder anaphylaktoide) Reaktionen; Schwellung von Haut und Schleimhäuten (Angioödem)[1, 2]Mehr dazu: Allergische ReaktionenSchwellungen von Gesicht, Zunge oder Rachen
  • Allgemeine BeschwerdenUnangemessen hohe Ausschüttung des antidiuretischen Hormons (SIADH) und zu niedriger Natriumwert im Blut (Hyponatriämie)[1, 2]Mehr dazu: Natriummangel
  • Allgemeine BeschwerdenErniedrigte Körpertemperatur (Hypothermie)[1, 2]
  • Allgemeine BeschwerdenEntzugssyndrom[1, 2]Mehr dazu: Absetz- und Entzugserscheinungen

Eine Häufigkeit sagt, wie oft eine Beschwerde während der Behandlung beobachtet wurde. Sie sagt nicht, dass das Medikament sie verursacht hat.

Wann Sie ärztliche Hilfe brauchen

Bei diesen Warnzeichen muss die Behandlung laut Packungsbeilage sofort beendet werden; informieren Sie umgehend Ihre Ärztin oder Ihren Arzt oder wenden Sie sich an den medizinischen Notdienst [1]. Paradoxe Reaktionen sind besonders bei Kindern und älteren Menschen zu erwarten [1, 2]. Unter Benzodiazepinen einschließlich Lorazepam kann es zu einer Atemdämpfung kommen, die tödlich verlaufen kann [1, 2]. Tritt unter einem Benzodiazepin ein Angioödem auf, darf das Arzneimittel laut Fachinformation nicht erneut gegeben werden [2].

Was Sie bei Nebenwirkungen tun können

Mann in den Sechzigern sitzt in einem hellen Sprechzimmer einer Ärztin gegenüber und hört aufmerksam zu
Bild: KI-generiert

Müdigkeit und Benommenheit: Diese Wirkungen sind sehr häufig und vor allem in den ersten Behandlungstagen zu erwarten. Führen Sie kein Fahrzeug, bedienen Sie keine gefährlichen Maschinen und arbeiten Sie nicht ohne sicheren Halt [1]. Nehmen Sie Lorazepam bei Schlafstörungen etwa eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen und nicht auf vollen Magen ein und sorgen Sie für 7 bis 8 Stunden Schlaf; so lassen sich Nachwirkungen am Morgen meist vermeiden [1]. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt kann Ihnen dafür genaue Hinweise für Ihren Alltag geben, etwa für den Beruf [1].

Schwindel und Gangunsicherheit: Bei älteren Menschen können Beruhigung und Muskelschwäche das Risiko für Stürze erhöhen, die in dieser Altersgruppe schwerwiegende Folgen haben können [2]. Sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, wenn Sie sich unsicher auf den Beinen fühlen. Tipps zur Einnahme im Alter bietet der Ratgeber Medikamente im Alter.

Weitere Beschwerden: Bleiben Nebenwirkungen bestehen, informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt; sie oder er entscheidet, ob die Behandlung beendet wird [1]. Ändern Sie die Dosis nicht selbst [1]. Welche Wirkstoffe eine bestimmte Beschwerde auslösen können, zeigt der Nebenwirkungs-Finder.

Wechselwirkungen

Informieren Sie Ihre Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Apotheke über alle Arzneimittel, die Sie einnehmen, vor kurzem eingenommen haben oder einnehmen wollen [1]. Besonders gefährlich ist die Kombination mit Opioiden, also starken Schmerzmitteln, Mitteln zur Substitutionstherapie und einigen Hustenmitteln. Sie erhöht das Risiko für Schläfrigkeit, eine gedämpfte Atmung und Koma und kann lebensbedrohlich sein. Laut Packungsbeilage kommt sie nur infrage, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt; Dosis und Dauer begrenzt dann die Ärztin oder der Arzt. Es kann hilfreich sein, Angehörige zu bitten, auf solche Anzeichen zu achten [1, 2]. Auch andere dämpfende Mittel und Alkohol können die dämpfende Wirkung verstärken [1, 2].

Wechselwirkungen von Lorazepam
Zusammen mitWas passieren kannHinweis
Opioide (starke Schmerzmittel, Mittel zur Substitutionstherapie und einige Hustenmittel)Höheres Risiko für Schläfrigkeit, Atembeschwerden (Atemdepression) und Koma; kann lebensbedrohlich sein[1, 2]Gleichzeitige Anwendung nur, wenn es keine anderen Behandlungsmöglichkeiten gibt; Dosis und Dauer begrenzt die Ärztin oder der Arzt. Angehörige können helfen, auf diese Anzeichen zu achten
Andere Mittel, die das zentrale Nervensystem dämpfen: Psychopharmaka, Schlaf-, Beruhigungs- und Narkosemittel, Betablocker, Antihistaminika (Allergiemittel), AntiepileptikaDie dämpfenden Wirkungen können sich gegenseitig verstärken[1, 2]Ärztin, Arzt oder Apotheke informieren
Mittel zur Muskelentspannung (Muskelrelaxanzien) und SchmerzmittelDeren Wirkung kann verstärkt werden[1, 2]Ärztin, Arzt oder Apotheke informieren
Clozapin (Mittel gegen Psychosen)Ausgeprägte Dämpfung, übermäßiger Speichelfluss und Störungen der Bewegungskoordination[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
Valproinsäure (Mittel gegen Epilepsie)Höhere Konzentration von Lorazepam im Blut[1, 2]Die Lorazepam-Dosis soll laut Packungsbeilage etwa halbiert werden, darüber entscheidet die Ärztin oder der Arzt
Probenecid (Gichtmittel)Schnellerer Wirkungseintritt oder verlängerte Wirkung von Lorazepam[1, 2]Die Lorazepam-Dosis ist laut Packungsbeilage zu halbieren, darüber entscheidet die Ärztin oder der Arzt
Theophyllin oder Theophyllin-Ethylendiamin (Asthmamittel)Die beruhigende Wirkung von Lorazepam kann nachlassen[1, 2]Ärztin oder Arzt informieren
AlkoholAlkohol kann die Wirkungen von Lorazepam unvorhersehbar verändern und verstärken[1, 2]Gleichzeitigen Alkoholkonsum vermeiden

Die Liste nennt die wichtigsten Wechselwirkungen aus der Produktinformation, nicht alle. Welche Mittel Sie zusammen einnehmen können, klären Sie am besten mit Ihrer Apotheke, auch bei rezeptfreien und pflanzlichen Mitteln.

Wer Lorazepam nicht oder nur mit Vorsicht nehmen sollte

Lorazepam darf nicht eingenommen werden, wenn Sie früher von Arzneimitteln, Alkohol oder Drogen abhängig waren [1, 2]. Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt außerdem, wenn Sie illegale Drogen genommen haben oder nehmen, wenn Sie das Verlangen hatten oder haben, große Mengen an Arzneimitteln einzunehmen, oder wenn Sie eine Persönlichkeitsstörung haben (etwa Schwierigkeiten im Umgang mit anderen Menschen oder mit Lebenssituationen, auch wenn Ihnen das nicht immer bewusst war) [1]. Lorazepam darf nicht an Familie oder Freunde weitergegeben werden [1].

Nicht einnehmen bei

  • Allergie gegen Lorazepam, laut Fachinformation auch gegen andere Benzodiazepine, oder gegen einen der sonstigen Bestandteile[1, 2]
  • Abhängigkeit von Arzneimitteln, Alkohol oder Drogen in der Vorgeschichte[1, 2]

Besondere Vorsicht bei

  • Krankhafte Muskelschwäche (Myasthenia gravis)[1, 2]
  • Störungen der Bewegungskoordination durch Erkrankungen von Rückenmark oder Kleinhirn (spinale und zerebellare Ataxien)[1, 2]
  • Akute Vergiftung mit Alkohol oder mit Arzneimitteln, die das zentrale Nervensystem dämpfen, etwa Schlaf- oder Schmerzmittel, Neuroleptika, Antidepressiva oder Lithium[1, 2]
  • Störungen der Atemfunktion, etwa Atemaussetzer im Schlaf (Schlafapnoe-Syndrom) oder eine chronisch-obstruktive Lungenerkrankung (COPD)[1, 2]
  • Depression: Die depressiven Beschwerden können hervortreten oder sich verschlimmern, und die Gefahr eines Suizids kann steigen; eine Behandlung mit Benzodiazepinen sollte hier nicht ohne ausreichende antidepressive Behandlung erfolgen[1, 2]
  • Erhöhtes Risiko für Abhängigkeit: Missbrauch von Alkohol, Arzneimitteln oder Drogen in der Vorgeschichte oder eine erhebliche Persönlichkeitsstörung. Informieren Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auch, wenn Sie regelmäßig Alkohol trinken oder früher häufig größere Mengen getrunken haben[1, 2]
  • Eingeschränkte Nieren- oder Leberfunktion, Herzschwäche (Herzinsuffizienz) oder niedriger Blutdruck: häufig höhere Empfindlichkeit gegenüber der Wirkung[1, 2]
  • Stark eingeschränkte Leberfunktion oder eine durch Leberschaden bedingte Gehirnerkrankung (hepatische Enzephalopathie), die sich verschlechtern kann[1, 2]
  • Ältere oder geschwächte Menschen: Sie reagieren möglicherweise empfindlicher auf die Wirkung und sollten deshalb während der Behandlung sehr engmaschig überwacht werden; Vorsicht ist auch bei älteren Menschen geboten, bei denen das Risiko eines Sturzes erhöht ist[1, 2]
  • Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren sollten nicht mit Lorazepam behandelt werden, außer eine Beruhigung (Sedierung) vor Operationen oder Untersuchungen ist dringend erforderlich; bei Kindern unter 6 Jahren sollte Lorazepam nicht angewendet werden[1, 2]
  • Unverträglichkeit gegenüber bestimmten Zuckern: Die Tabletten enthalten Lactose[1]

Alkohol, Autofahren, Schwangerschaft

Die Karten fassen zusammen, was Packungsbeilage, Fachinformation und das Beratungszentrum Embryotox der Charité zu Alkohol, Verkehrstüchtigkeit, Schwangerschaft und Stillzeit sagen [1, 2, 3]. Wenn Sie schwanger werden möchten oder vermuten, schwanger zu sein, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über die Behandlung [1, 2]. Hintergründe bieten die Ratgeber Medikamente und Alkohol und Medikamente und Autofahren.

Schwangerschaft

Nehmen Sie Lorazepam in der Schwangerschaft oder wenn Sie schwanger werden könnten nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein: Benzodiazepine können dem ungeborenen Kind schaden, wenn sie früh in der Schwangerschaft eingenommen werden. Laut Fachinformation sollte Lorazepam in der Schwangerschaft nicht angewendet werden, besonders nicht im ersten und letzten Schwangerschaftsdrittel.[1, 2]

Wird Lorazepam gegen Ende der Schwangerschaft oder während der Geburt eingenommen, können beim Neugeborenen vorübergehend verminderte Aktivität, niedrige Körpertemperatur, schlaffe Muskeln, Atemprobleme oder Schwierigkeiten beim Trinken auftreten; auch die Reaktion auf Kälte kann beeinträchtigt sein. Eine regelmäßige Einnahme gegen Ende der Schwangerschaft kann beim Kind nach der Geburt zu Entzugssymptomen führen.[1, 2]

Laut Embryotox konnte eine Studie mit mehr als 100 ausgewerteten Schwangerschaften für das erste Schwangerschaftsdrittel kein erhöhtes Fehlbildungsrisiko nachweisen. Nach regelmäßiger Einnahme im letzten Drittel oder hohen Dosen kurz vor oder während der Geburt ist laut Embryotox mit teilweise schwerwiegenden Beschwerden beim Neugeborenen zu rechnen: von Anpassungsstörungen mit Sedierung, Hypotonie, Trinkschwäche und Blaufärbung der Haut (Zyanose) über eine gedämpfte Atmung nach der Geburt bis zum teilweise wochenlang anhaltenden "Floppy-Infant-Syndrom"; außerdem können Entzugszeichen wie Krampfanfälle auftreten. Wegen möglicher schwerer Entzugskomplikationen wie Krampfanfällen und Delirien muss ein abruptes Absetzen in der Schwangerschaft laut Embryotox in jedem Fall unterbleiben; über eine mögliche Verringerung der Dosis sollte im Einzelfall entschieden werden. Je nach Anwendungsgebiet sollten laut Embryotox besser geeignete Psychopharmaka eingesetzt werden: zur angst- und spannungslösenden Akutbehandlung Promethazin, bei psychotischen Erkrankungen Quetiapin, bei Schlafstörungen Amitriptylin; für die Beruhigung vor oder nach Eingriffen nennt Embryotox keine Alternative. Wechseln Sie nicht selbst, sprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Stillzeit

Laut Packungsbeilage sollen Sie Lorazepam nicht einnehmen, wenn Sie stillen: Der Wirkstoff geht in die Muttermilch über und kann dazu führen, dass der Säugling weniger aktiv ist und schwach saugt. Die Fachinformation lässt eine Anwendung nur zu, wenn der Nutzen für die Mutter das mögliche Risiko für das Kind überwiegt; gestillte Kinder sollen dann auf Beruhigung und Reizbarkeit beobachtet werden.[1, 2]

Laut Embryotox liegen publizierte Erfahrungen zu mehr als 100 Mutter-Kind-Paaren vor; die meisten unter Lorazepam gestillten Kinder waren unauffällig. Nach Einzeldosen zur Akutbehandlung ist laut Embryotox keine Stillpause nötig; bei Langzeitbehandlung hält Embryotox Stillen als alleinige Behandlung in niedriger Dosierung für akzeptabel.[3]

Unabhängige Beratung zu Arzneimitteln in Schwangerschaft und Stillzeit: Embryotox, Charité Berlin.

Alkohol

Lorazepam macht empfindlicher für die Wirkung von Alkohol. Vermeiden Sie Alkohol während der Behandlung: Er kann die Wirkungen von Lorazepam unvorhersehbar verändern und verstärken und das Reaktionsvermögen zusätzlich verschlechtern.[1, 2]

Autofahren und Maschinen

Auch wenn Sie Lorazepam wie verordnet einnehmen, sollten Sie, vor allem in den ersten Behandlungstagen, mit einem eingeschränkten Reaktionsvermögen rechnen; Sie können dann auf unerwartete und plötzliche Ereignisse nicht mehr schnell genug reagieren. Führen Sie keine Fahrzeuge, bedienen Sie keine gefährlichen elektrischen Werkzeuge oder Maschinen und arbeiten Sie nicht ohne sicheren Halt. Laut Fachinformation sollten diese Tätigkeiten unterbleiben, bis sich gezeigt hat, dass Ihre Reaktionsfähigkeit durch Lorazepam nicht beeinträchtigt ist. Ob und wann Sie wieder am Straßenverkehr teilnehmen können, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt nach Ihrer Reaktion und Dosierung.[1, 2]

Einnahme

Tabletten unzerkaut mit etwas Flüssigkeit schlucken, zum Beispiel mit einem halben bis einem ganzen Glas Wasser, unabhängig von den Mahlzeiten. Bei Schlafstörungen etwa eine halbe Stunde vor dem Schlafengehen und nicht auf vollen Magen einnehmen, sonst kann die Wirkung später einsetzen und am nächsten Morgen stärker nachwirken; eine Schlafzeit von etwa 7 bis 8 Stunden muss sichergestellt sein.[1, 2]

Einnahme vergessen: beim nächsten Mal wie gewohnt einnehmen, nicht die doppelte Menge.[1]

Geben Sie Lorazepam nicht an Familie oder Freunde weiter und bewahren Sie es sicher und für Kinder unzugänglich auf, damit es anderen nicht schadet. Reste nicht über Toilette oder Waschbecken entsorgen, sondern in der Apotheke nachfragen.[1, 2]

Absetzen

Brechen Sie die Einnahme nicht plötzlich ab, außer bei Verdacht auf eine schwerwiegende Nebenwirkung, sondern verringern Sie die Dosis schrittweise nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Nach abruptem Absetzen oder schneller Dosisverringerung können Entzugserscheinungen auftreten, manche davon lebensbedrohlich: von leichter depressiver Verstimmung und Schlaflosigkeit bis zu einem schweren Zustand mit Muskel- und Bauchkrämpfen, Erbrechen, Schwitzen, Zittern und Krampfanfällen; zu den schwerwiegenderen Entzugserscheinungen, darunter lebensbedrohliche, können Delirium tremens, Depression, Halluzinationen, Manie, Psychose, Krampfanfälle sowie Suizidgedanken oder ein Suizidversuch gehören.[1, 2]

Die ursprünglichen Beschwerden können nach dem Absetzen für kurze Zeit verstärkt zurückkehren (Rebound). Laut Fachinformation können Entzugssymptome wie Schlafstörungen und vermehrtes Träumen nach dem Absetzen schon nach wenigen Tagen täglicher Einnahme auftreten, besonders wenn plötzlich abgesetzt wird.[1, 2]

Überdosierung

Besteht nach Einnahme größerer Mengen der Verdacht auf eine Vergiftung, benachrichtigen Sie umgehend eine Ärztin oder einen Arzt; lösen Sie ohne ausdrückliche Anweisung kein Erbrechen aus. Anzeichen sind Benommenheit, Verwirrtheit, Schläfrigkeit, verminderte Atmung, Störungen der Bewegungskoordination, Teilnahmslosigkeit und in schweren Fällen Bewusstlosigkeit. Laut Fachinformation wurden Überdosierungen vor allem zusammen mit Alkohol oder anderen Arzneimitteln berichtet.[1, 2]

Dosierung laut Packungsbeilage

Die Packungsbeilage nennt Tagesdosen für die Behandlung von Angst-, Spannungs- und Erregungszuständen, Einzeldosen für die Beruhigung vor und nach Eingriffen sowie Regeln für ältere Menschen und Kinder [1]. Die Übersicht gibt diese Angaben wieder; sie ersetzt nicht die Verordnung. Ihre Ärztin oder Ihr Arzt legt Dosis, Häufigkeit und Dauer so fest, dass Sie die niedrigste mögliche Dosis über den kürzest möglichen Zeitraum einnehmen [1].

Einnahme und Absetzen

Nehmen Sie Lorazepam immer genau nach Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ein und ändern oder überschreiten Sie die verordnete Dosis nicht [1]. Vor Beginn der Behandlung sollten Sie gemeinsam vereinbaren, wie lange Sie das Arzneimittel einnehmen werden; Benzodiazepine sollen grundsätzlich nur kurz angewendet und schrittweise abgesetzt werden [1]. Nach längerer Anwendung kann die Wirkung nachlassen (Toleranz) [1].

Brechen Sie die Einnahme nicht plötzlich ab. Zum Beenden der Behandlung verringert die Ärztin oder der Arzt die Dosis schrittweise; das senkt das Risiko für Entzugserscheinungen, die in manchen Fällen lebensbedrohlich sein können [1]. Zu den möglichen Entzugserscheinungen zählen laut Packungsbeilage außerdem Kopfschmerzen, Angst, Ruhelosigkeit, Anspannung, Reizbarkeit, ein Gefühl der Entfremdung von sich selbst und der Umgebung, Ohrgeräusche, Kribbeln und Taubheit in Armen und Beinen, Überempfindlichkeit gegenüber Licht, Lärm und Berührung, Panikattacken, Herzklopfen und Herzrasen sowie ein Anstieg der Körpertemperatur [1, 2]. Laut Fachinformation können schon nach wenigen Tagen täglicher Einnahme nach dem Absetzen Entzugssymptome wie Schlafstörungen und vermehrtes Träumen auftreten, besonders wenn plötzlich abgesetzt wird [2]. Was Packungsbeilage und Fachinformation zum Absetzen sagen, wie Ärztinnen und Ärzte vorgehen und wann Sie sofort Hilfe brauchen, erklärt die Seite Lorazepam absetzen. Mehr dazu lesen Sie unter Abhängigkeit und Entzug und im Ratgeber Medikamente absetzen.

Bewahren Sie Lorazepam sicher und für Kinder unzugänglich auf und entsorgen Sie Reste nicht über das Abwasser [1]; wie es richtig geht, erklärt der Ratgeber Medikamente entsorgen. Was bei einer Überdosierung zu tun ist, steht in der Karte oben; Telefonnummern finden Sie unter Notfall und Giftnotruf.

Präparate mit Lorazepam

Lorazepam ist unter anderem in Tabletten verschiedener Stärken enthalten. Grundlage dieser Seite sind Packungsbeilage und Fachinformation von Lorazepam neuraxpharm Tabletten [1, 2]. Andere Darreichungsformen haben eigene Packungsbeilagen. Die folgende Auswahl ist alphabetisch sortiert und keine Empfehlung [3].

Präparate mit Lorazepam
PräparatAnbieterHinweis
Lorazepam neuraxpharmneuraxpharm Arzneimittel GmbHTabletten mit 0,5 mg, 1 mg oder 2,5 mg, verschreibungspflichtig; Grundlage dieser Seite
Tavorverschreibungspflichtig
Tolidverschreibungspflichtig

Auswahl ohne Wertung. Präparate mit demselben Wirkstoff können sich in Stärke, Hilfsstoffen und zugelassenen Anwendungsgebieten unterscheiden. Maßgeblich ist die Packungsbeilage Ihres Präparats.

Quellen

  1. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 10.10.2026
  2. Fachinformation Fachinformation Lorazepam neuraxpharm 0,5 mg / 1 mg / 2,5 mg Tabletten. neuraxpharm Arzneimittel GmbH. Stand 02/2026. abgerufen am 10.10.2026
  3. Embryotox Embryotox: Lorazepam. Pharmakovigilanz- und Beratungszentrum für Embryonaltoxikologie, Charité Universitätsmedizin Berlin. abgerufen am 10.10.2026
  4. Behörde Betäubungsmittelgesetz (BtMG), Anlage III, Eintrag Lorazepam. Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de). Stand 19.05.2026. abgerufen am 10.10.2026

Häufige Fragen

Macht Lorazepam abhängig?

Ja, Lorazepam kann abhängig machen. Laut Fachinformation besteht bereits bei täglicher Einnahme über wenige Wochen die Gefahr einer seelischen und körperlichen Abhängigkeit, auch im üblichen Dosisbereich. Das Risiko steigt mit Dosis und Dauer und ist höher, wenn früher Alkohol, Arzneimittel oder Drogen missbraucht wurden. Missbrauch und Abhängigkeit stehen auch in der Liste der Nebenwirkungen.

Wie lange darf man Lorazepam nehmen?

Die Dauer legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest. Laut Packungsbeilage sollte die Anwendung bei akuten Erkrankungen auf einzelne Gaben oder wenige Tage beschränkt werden. Bei chronischen Erkrankungen richtet sich die Dauer nach dem Verlauf; nach 2 Wochen täglicher Einnahme sollte die Ärztin oder der Arzt durch eine schrittweise Verringerung der Dosis klären, ob die Behandlung weiterhin nötig ist. Die Fachinformation nennt als Grundsatz für Benzodiazepine kurze Zeiträume, zum Beispiel höchstens 4 Wochen, und empfiehlt keine Langzeitanwendung.

Was passiert, wenn ich Lorazepam plötzlich absetze?

Nach plötzlichem Absetzen oder schneller Dosisverringerung können Entzugserscheinungen auftreten, manche davon lebensbedrohlich; zu den schwereren zählen unter anderem Krampfanfälle, Delirium tremens und Halluzinationen. Auch die ursprünglichen Beschwerden können kurzzeitig verstärkt zurückkehren. Die Dosis wird deshalb in Absprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt schrittweise verringert.

Darf ich während der Einnahme von Lorazepam Alkohol trinken?

Nein, laut Packungsbeilage sollen Sie während der Behandlung keinen Alkohol trinken. Lorazepam macht empfindlicher für die Wirkung von Alkohol, und Alkohol kann die Wirkungen von Lorazepam unvorhersehbar verändern und verstärken. Alkohol verschlechtert das Reaktionsvermögen zusätzlich.

Darf ich mit Lorazepam Auto fahren?

Auch bei richtiger Einnahme kann Lorazepam das Reaktionsvermögen einschränken, vor allem in den ersten Behandlungstagen. Führen Sie kein Fahrzeug und bedienen Sie keine gefährlichen Maschinen; laut Fachinformation gilt das, bis sich gezeigt hat, dass Ihre Reaktionsfähigkeit nicht beeinträchtigt ist. Ob und wann Sie wieder fahren dürfen, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Ist Lorazepam ein Betäubungsmittel?

Lorazepam steht in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes. Ausgenommen sind Zubereitungen, die ohne einen weiteren Stoff der Anlagen I bis III bis zu 2,5 mg Lorazepam je abgeteilter Form enthalten, zum Beispiel je Tablette; für sie gelten jedoch die betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften über Einfuhr, Ausfuhr und Durchfuhr. Die Tabletten, auf denen diese Seite beruht, enthalten 0,5, 1 oder 2,5 mg Lorazepam und fallen unter diese Ausnahme; sie sind verschreibungspflichtig.

Darf ich Lorazepam in der Schwangerschaft oder Stillzeit nehmen?

Nur nach Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt. Benzodiazepine können dem ungeborenen Kind schaden, und eine Einnahme gegen Ende der Schwangerschaft kann beim Neugeborenen zu Atemproblemen, Trinkschwierigkeiten und Entzugssymptomen führen. Laut Packungsbeilage sollen Sie Lorazepam in der Stillzeit nicht einnehmen; das Beratungszentrum Embryotox hält nach Einzeldosen keine Stillpause für nötig.

Wie hoch ist die Dosis von Lorazepam?

Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest, so niedrig und so kurz wie möglich. Was die Packungsbeilage für die einzelnen Anwendungsgebiete angibt, steht im Abschnitt Dosierung laut Packungsbeilage.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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