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Niedriger Blutdruck

Ein niedriger Blutdruck (Hypotonie) kann zum Beispiel Schwindel verursachen; fällt der Blutdruck beim Aufstehen plötzlich ab (orthostatische Hypotonie), kommt es typischerweise zu Schwindel, Sehstörungen und Benommenheit, manchmal zu einer Ohnmacht. Die häufigste Ursache dieses Blutdruckabfalls sind laut Leitlinie Medikamente. Die Leitlinie sieht zuerst Aufklärung, Lebensstilmaßnahmen und eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit und Salz vor; bei anhaltenden Beschwerden nennt sie weitere Maßnahmen wie Stützstrümpfe und die Wirkstoffe Midodrin und Fludrocortison, die erwogen werden sollten (Empfehlungsgrad IIa). Bei Bewusstlosigkeit, schwerer Atemnot oder starken Brustschmerzen rufen Sie den Notruf 112.

Frau Mitte fünfzig mit kurzem rotblondem Haar sitzt an einem heißen Sommernachmittag im Schatten auf einer Parkbank und trinkt Wasser aus einer Glasflasche
Bild: KI-generiert

Ein niedriger Blutdruck (Hypotonie) kann sich zum Beispiel durch Schwindel bemerkbar machen [2]. Fällt der Blutdruck beim Aufstehen plötzlich ab, sprechen Fachleute von einer orthostatischen Hypotonie; dann kommt es typischerweise zu Schwindel, Sehstörungen und Benommenheit, manchmal zu einer Ohnmacht [1]. Die häufigste Ursache dafür sind laut Leitlinie Medikamente [4]. Laut Leitlinie stehen am Anfang Aufklärung und Maßnahmen ohne Medikamente; bei anhaltenden Beschwerden sollten auch die Wirkstoffe Midodrin oder Fludrocortison erwogen werden (Empfehlungsgrad IIa) [4].

Was ist niedriger Blutdruck?

Das Herz pumpt das Blut durch die Schlagadern in alle Bereiche des Körpers. Der Druck in den Schlagadern muss hoch genug sein, damit alle Organe genug Blut erhalten [2]. Ein Blutdruckwert besteht aus zwei Zahlen: dem höchsten Druck, wenn das Herz das Blut hinauspumpt, und dem niedrigsten Druck, wenn es sich wieder mit Blut füllt [2]. Ein normaler Blutdruck kann laut gesund.bund.de etwa bei 120 zu 80 liegen, je nach Alter oder Vorerkrankungen auch etwas höher oder niedriger. Bei Belastung steigt er natürlicherweise an, in der Nacht sinkt er normalerweise ab [2].

Die ärztliche Diagnoseverschlüsselung (ICD-10) unterscheidet unter anderem einen niedrigen Blutdruck ohne bekannte Ursache (idiopathische Hypotonie), den Blutdruckabfall beim Aufstehen (orthostatische Hypotonie) und einen niedrigen Blutdruck durch Arzneimittel [2]. Bei der orthostatischen Hypotonie fällt der Blutdruck kurz nach dem Aufstehen aus dem Liegen oder Sitzen stark ab. Das kann einmalig oder immer wieder vorkommen; meist betrifft es Menschen über 65 Jahre [1].

Eine Ohnmacht durch orthostatische Hypotonie gilt laut Leitlinie als festgestellt, wenn beim Aufstehen der obere (systolische) Wert um mindestens 20 mmHg oder der untere (diastolische) Wert um mindestens 10 mmHg gegenüber dem Ausgangswert fällt oder der obere Wert auf unter 90 mmHg sinkt und dabei Beschwerden auftreten (Empfehlungsgrad I) [4].

Symptome

Menschen mit orthostatischer Hypotonie wird bis zu 30 Minuten nach dem Aufstehen aus dem Sitzen oder Liegen schwindelig, sie fühlen sich benommen oder werden ohnmächtig [1]. Weitere mögliche Beschwerden sind Sehstörungen, seltener Kopf- oder Brustschmerzen [1]. Setzen oder legen sie sich wieder hin, geht es ihnen unmittelbar besser [1]. Bei älteren Menschen kommt es außerdem 15 bis 90 Minuten nach dem Essen häufiger zu einem plötzlichen Blutdruckabfall (postprandiale Hypotonie) [1].

Bei einer Ohnmacht (Synkope) ist man kurz bewusstlos, weil für kurze Zeit nicht genug Blut im Gehirn ankommt [3]. Dazu kann es zum Beispiel bei einem schnellen Wechsel der Körperlage wie beim Aufstehen kommen, nach langem Stehen, bei zu wenig Flüssigkeit im Körper oder wenn das Herz viel zu langsam, zu schnell oder unregelmäßig schlägt [3].

Ursachen und Risikofaktoren

Bei der orthostatischen Hypotonie ist die Regulation des Blutdrucks gestört: Beim Stehen verlagert sich das Blut durch die Schwerkraft zu stark in den Unterkörper, die obere Körperhälfte und das Gehirn sind dann ungenügend durchblutet [1]. Als Ursachen nennt die Leitlinie [4]:

  • Medikamente: laut Leitlinie die häufigste Ursache, zum Beispiel gefäßerweiternde Mittel (Vasodilatatoren), entwässernde Mittel (Diuretika), Phenothiazine und Antidepressiva.
  • Volumenmangel: zu wenig Flüssigkeit im Kreislauf, etwa durch Blutungen, Durchfall oder Erbrechen.
  • Störungen des autonomen Nervensystems (neurogene orthostatische Hypotonie): zum Beispiel bei der Parkinson-Krankheit, der Multisystematrophie oder der Lewy-Körper-Demenz, außerdem als Folge anderer Erkrankungen wie Diabetes, Amyloidose, Verletzungen des Rückenmarks oder Niereninsuffizienz.

Laut gesund.bund.de kommt die immer wiederkehrende Form gehäuft bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor; auch der Konsum von Alkohol und Drogen kann zu einem Blutdruckabfall nach dem Aufstehen führen, und manchmal bleibt die Ursache unklar [1].

Flüssigkeitsmangel: Ein deutlicher Mangel an Flüssigkeit kann laut IQWiG besonders bei älteren Menschen unter anderem zu niedrigem Blutdruck, Stürzen und stärkeren Kreislaufbeschwerden bei Hitze führen [5]. Dazu kommt es etwa, wenn man zu wenig trinkt, im hohen Alter weniger Durst hat, bei Hitze oder starker körperlicher Anstrengung stark schwitzt, bei Durchfall, Erbrechen oder Fieber, unter entwässernden Medikamenten oder nach hohem Blutverlust [5].

Medikamente als Ursache: Bei der langjährigen Einnahme von Medikamenten gegen Depressionen oder Bluthochdruck kann die orthostatische Hypotonie laut gesund.bund.de als Nebenwirkung vorkommen [1]. Welche Wirkstoffe laut Packungsbeilage einen niedrigen Blutdruck oder einen Blutdruckabfall beim Aufstehen auslösen können, woran Sie das erkennen und was Sie tun können, steht auf der Seite Niedriger Blutdruck durch Medikamente.

Diagnose

Bei Anzeichen einer orthostatischen Hypotonie ist laut gesund.bund.de zunächst die hausärztliche Praxis die richtige Anlaufstelle [1]. Die Ärztin oder der Arzt fragt nach typischen Beschwerden und der Krankengeschichte und misst in der Regel Blutdruck und Puls im Liegen und Sitzen, kurz nach dem Aufstehen und etwa eine Minute danach [1]. Laut Leitlinie ist bei der ersten Abklärung einer Ohnmacht angezeigt, Blutdruck und Herzfrequenz im Liegen und während aktiven Stehens über 3 Minuten wiederholt mit einer Blutdruckmanschette zu messen (Empfehlungsgrad I) [4]. Spezialisierte Ärztinnen und Ärzte können zusätzlich eine Kipptischuntersuchung machen, bei der Blutdruck und Puls unter kontrollierten Bedingungen gemessen werden [1].

Für eine orthostatische Ursache einer Ohnmacht spricht laut Leitlinie unter anderem ein zeitlicher Zusammenhang mit dem Beginn oder einer Dosisänderung blutdrucksenkender oder entwässernder Medikamente [4]. Bringen Sie eine Liste aller Mittel mit, zum Beispiel Ihren Medikationsplan.

Behandlung ohne Medikamente

Für die orthostatische Hypotonie nennt die Leitlinie der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie (ESC), die die Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK) als Pocket-Leitlinie übernommen hat (Version 2018), diese Maßnahmen [4]:

  • Erklärung der Diagnose, Beruhigung, Erklärung des Rückfallrisikos und das Vermeiden von Auslösern und Risikosituationen sind bei allen Patientinnen und Patienten angezeigt (Empfehlungsgrad I).
  • Eine ausreichende Zufuhr von Flüssigkeit und Salz ist angezeigt (Empfehlungsgrad I).
  • Isometrische Gegenregulationsmanöver sollten in Betracht gezogen werden (Empfehlungsgrad IIa).
  • Kompression am Bauch und/oder Stützstrümpfe sollten erwogen werden, damit weniger Blut in den Venen versackt (Empfehlungsgrad IIa).
  • Schlafen mit leicht erhöhtem Oberkörper (mehr als 10 Grad) sollte erwogen werden, um das Flüssigkeitsvolumen im Körper zu erhöhen (Empfehlungsgrad IIa).

Besteht kein Bluthochdruck, sollten Patientinnen und Patienten laut Leitlinie angewiesen werden, ausreichend Salz und Wasser aufzunehmen; anzustreben wären 2 bis 3 Liter Flüssigkeit und 10 Gramm Kochsalz am Tag [4]. Wie viel für Sie passt, besprechen Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt.

Im Alltag lässt sich Schwindel und Ohnmachtsanfällen laut gesund.bund.de mit diesen Maßnahmen vorbeugen [1]:

  • langsam und schrittweise aufstehen, besonders morgens,
  • vor dem Aufrichten die Wadenmuskulatur anspannen und wieder lockerlassen,
  • bei heißem Wetter körperliche Belastung meiden,
  • Stützstrümpfe tragen und ausreichend trinken,
  • weniger kohlenhydratreiche Lebensmittel wie Kartoffeln, Weißbrot und geschälten Reis essen, vor allem wenn der Blutdruckabfall mit dem Essen zusammenhängt.

Blutdruckmittel überprüfen: Lösen Medikamente die orthostatische Hypotonie aus, hilft laut gesund.bund.de mitunter ein Wechsel der Präparate [1]. Laut Leitlinie sollte erwogen werden, blutdrucksenkende Medikamente anzupassen oder abzusetzen (Empfehlungsgrad IIa) [4]. Bei Menschen mit Blutdruckabfall beim Aufstehen und Risikofaktoren für Stürze sollten aggressive blutdrucksenkende Behandlungen vermieden und als Ziel ein oberer Wert von 140 bis 150 mmHg festgelegt werden [4]. Das entscheidet die Ärztin oder der Arzt. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab.

Behandlung mit Medikamenten

Mann Anfang siebzig mit grauem Haar in einer dunkelgrünen Strickjacke spricht in einem hellen Sprechzimmer mit einer Ärztin mit zurückgebundenem braunem Haar
Bild: KI-generiert

Bei anhaltenden Beschwerden sollte laut Leitlinie Midodrin erwogen werden (Empfehlungsgrad IIa), ebenso Fludrocortison (Empfehlungsgrad IIa); im Behandlungsschema der Leitlinie stehen beide auf derselben Stufe wie isometrische Gegenregulationsmanöver, Kompressionskleidung und Schlafen mit leicht erhöhtem Oberkörper [4]. Laut gesund.bund.de kann eine medikamentöse Behandlung in Betracht gezogen werden, wenn die Beschwerden sehr belastend sind und die Maßnahmen nicht helfen; das kommt selten vor [1]. Beide Wirkstoffe werden ärztlich verordnet [6, 7]. Die Angaben zu beiden Wirkstoffen stammen aus den Packungsbeilagen je eines Präparats, Gutron Tropfen und Astonin H Tabletten.

Medikamente bei Blutdruckabfall beim Aufstehen (orthostatische Hypotonie) laut Leitlinie
WirkstoffgruppeBeispieleWie sie wirkenHäufige Nebenwirkungen
Blutdrucksteigernde MittelMidodrin (Tropfen und Tabletten) [6]Wirken blutdrucksteigernd [6]Sehr häufig: Juckreiz, vor allem der Kopfhaut, Gänsehaut, Kältegefühl, erschwerte Blasenentleerung; häufig unter anderem Kribbeln der Haut, Hautrötung und Hautausschlag, Sodbrennen, Übelkeit, Entzündung der Mundschleimhaut [6]
Mineralocorticoide (Nebennierenrindenhormone)Fludrocortison [4]Reguliert laut gesund.bund.de den Wasser- und Salzhaushalt und stabilisiert so den Blutdruck [1]; laut Leitlinie steigert Fludrocortison die Rückresorption von Natrium und erhöht das Plasmavolumen [4]Häufigkeit laut Packungsbeilage nicht angegeben: Gewichtszunahme, Wassereinlagerungen, zu niedriger Kaliumspiegel im Blut, verschwommenes Sehen, Vergrößerung des Herzmuskels, Bluthochdruck, Kopfschmerzen [7]

Midodrin

Midodrin ist laut Packungsbeilage zugelassen gegen einen Blutdruckabfall beim Lagewechsel ohne Veränderung der Herzschlagrate bei Erkrankungen des autonomen Nervensystems (neurogene orthostatische Hypotension). Angezeigt ist es nur, wenn alle verfügbaren Allgemeinmaßnahmen ausgeschöpft sind und die Behandlung der Grunderkrankung den Blutdruckabfall nicht ausreichend kontrolliert hat [6]. Es darf unter anderem nicht eingenommen werden bei Bluthochdruck, einem Tumor des Nebennierenmarks, verengenden Gefäßerkrankungen, grünem Star, Entleerungsstörungen der Harnblase, einer Schilddrüsenüberfunktion, schweren Herzerkrankungen, akuten oder schweren Nierenerkrankungen sowie in Schwangerschaft und Stillzeit [6]. Kinder unter 12 Jahren dürfen es nicht erhalten [6].

Während der Behandlung muss laut Packungsbeilage der Blutdruck im Liegen und Sitzen mehrmals täglich überprüft werden, weil es bei manchen Menschen zu einem hohen Blutdruck im Liegen kommen kann; die letzte Einnahme sollte mindestens 4 Stunden vor dem Schlafengehen erfolgen [6]. Die Dosis legt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt fest.

Fludrocortison

Fludrocortison ist ein Nebennierenrindenhormon (Mineralocorticoid) mit Wirkung vor allem auf den Elektrolythaushalt [7]. Zugelassen ist es unter anderem zur kurzzeitigen Behandlung schwerer Störungen der Blutdruckregulation während des aufrechten Stehens (hypoadrenerge orthostatische Hypotension, Dysautonomie), und zwar nur, wenn allgemeine und physikalische Maßnahmen nicht ausreichen [7]. Die Dauer ist dabei in der Regel auf höchstens 2 Monate zu begrenzen; die Wirkung setzt gewöhnlich nach 2 bis 3 Tagen ein [7]. Nicht eingenommen werden darf es unter anderem von Menschen über 65 Jahre (außer bei der Hormonersatzbehandlung), bei Bluthochdruck, bei einem zu niedrigen Kaliumspiegel, bei niedrigem Blutdruck aufgrund einer Herzerkrankung und bei Krankheiten, für die ein Blutdruckanstieg oder Wassereinlagerungen ein erhöhtes Risiko darstellen, etwa Erkrankungen der Herzkranzgefäße, schwere Herzschwäche oder eine eingeschränkte Nierenfunktion [7]. Zur Behandlung gehören laut Packungsbeilage Kontrolluntersuchungen, zum Beispiel von Gewicht, Blutdruck und Blutsalzen [7]. In der Schwangerschaft darf es außer zum Ersatz eines Hormonmangels nur verwendet werden, wenn es eindeutig erforderlich ist [7].

Nebenwirkungen der Medikamente

Midodrin: Die häufigsten Nebenwirkungen stehen in der Tabelle. Sehr häufig, also bei mehr als 1 von 10 Behandelten, lässt sich laut Packungsbeilage bei hoher Dosierung die Blase nicht mehr entleeren [6]. Bemerken Sie Zeichen eines hohen Blutdrucks im Liegen wie Herzklopfen, Kopfschmerzen oder verschwommenes Sehen, besonders vor dem Einschlafen, sollten Sie das laut Packungsbeilage Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt berichten [6]. Bei Zeichen eines verlangsamten Herzschlags wie Pulsverlangsamung, zunehmender Benommenheit oder Herzklopfen und bei starken Blutdruckschwankungen sollten Sie die Behandlung laut Packungsbeilage nicht fortsetzen; informieren Sie dann Ihre Ärztin oder Ihren Arzt [6]. Mehr: Medikamente, die den Blutdruck erhöhen, Blasenprobleme und Verlangsamter Herzschlag.

Fludrocortison: Eine Häufigkeit nennt die Packungsbeilage für keine der Nebenwirkungen in der Tabelle. Ein zu niedriger Kaliumspiegel im Blut bringt laut Packungsbeilage die Gefahr von Herzrhythmusstörungen, Teilnahmslosigkeit, Verstopfung und Muskelschwäche mit sich [7]. Bei solchen Nebenwirkungen ist laut Packungsbeilage baldmöglichst eine Ärztin oder ein Arzt aufzusuchen [7]. Bei einem Phäochromozytom, einem seltenen hormonabhängigen Tumor der Nebenniere, kann es unter der Behandlung zu einer Krise kommen, die tödlich verlaufen kann; mögliche Zeichen sind Kopfschmerzen, Schweißausbruch, Herzklopfen und Bluthochdruck. Sprechen Sie dann unverzüglich mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt [7]. Mehr: Kaliumstörungen und Wassereinlagerungen.

Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt ab. Nebenwirkungen können Sie Ihrer Ärztin, Ihrem Arzt oder Ihrer Apotheke mitteilen oder direkt dem Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) melden [6]. Wie das geht, erklärt der Ratgeber Nebenwirkung melden.

Leben mit niedrigem Blutdruck

Bei einigen Menschen tritt eine orthostatische Hypotonie nur eine Zeit lang auf, mit wenigen Schwindel- oder Ohnmachtsanfällen. Andere fallen durch den Blutdruckabfall nach dem Aufstehen immer wieder in Ohnmacht, können stürzen und sich verletzen; das kann den Körper stark beeinträchtigen und das Unfallrisiko erhöhen [1]. Ältere Menschen haben laut IQWiG oft weniger Durst; wer sich im höheren Alter ausschließlich auf seinen Durst verlässt, riskiert, zu wenig zu trinken [5]. Einen höheren Flüssigkeitsbedarf nennt das IQWiG unter anderem bei großer körperlicher Anstrengung, hohen Außentemperaturen, Infektionen mit Fieber, Durchfall oder Erbrechen und bei Medikamenten, die in den Wasser- und Natriumhaushalt eingreifen [5].

Unter Midodrin können laut Packungsbeilage Schwindel oder Benommenheit auftreten; fühlen Sie sich unwohl, lenken Sie kein Fahrzeug und bedienen Sie keine Werkzeuge oder Maschinen [6]. Mehr in den Ratgebern Medikamente bei Hitze, Medikamente im Alter und Medikamente und Autofahren.

Wann Sie sofort ärztliche Hilfe brauchen

Bewusstlosigkeit oder eine erhebliche Bewusstseinstrübung, schwere Atemnot sowie starke Brustschmerzen oder Herzbeschwerden sind laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) Fälle für den Notruf 112 [8]. Als Merkmale einer Ohnmacht, die auf eine ernste Ursache hinweisen, nennt die Leitlinie unter anderem neu einsetzende Brust-, Bauch- oder Kopfschmerzen oder Atemnot, eine Ohnmacht während körperlicher Belastung oder im Liegen und plötzliches Herzklopfen, auf das unmittelbar eine Ohnmacht folgt [4]. Mehr: Herzrasen.

Bei einem schweren Flüssigkeitsmangel kann es laut IQWiG zu einem Schock kommen, einem Notfall: Hände und Füße fühlen sich kühl an, es kommt zu Unruhe, Schüttelfrost oder Schweißausbrüchen, zu Angst oder Teilnahmslosigkeit bis hin zur Bewusstlosigkeit [5]. Bei ungewöhnlicher Schwäche, Verwirrtheit oder Schwindel ist rascher ärztlicher oder notärztlicher Rat wichtig, vor allem bei Kindern und älteren Menschen [5].

Bei wiederholtem Schwindel beim Aufstehen ist zunächst die hausärztliche Praxis die richtige Anlaufstelle [1]. Sind die Praxen geschlossen und kann die Behandlung nicht bis zum nächsten Tag warten, hilft der ärztliche Bereitschaftsdienst unter 116117 [8].

Quellen

  1. Behörde Blutdruckabfall beim Aufstehen (Orthostatische Hypotonie). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (in Zusammenarbeit mit dem IQWiG). Stand 06.05.2022. abgerufen am 17.10.2026
  2. Behörde ICD-Code I95: Hypotonie (Erläuterungen zu I95.0, I95.1, I95.2 und I95.9). Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (Erläuterungen der Was hab' ich? gGmbH). Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  3. Behörde ICD-Code R55: Synkope und Kollaps. Bundesministerium für Gesundheit, gesund.bund.de (Erläuterungen der Was hab' ich? gGmbH). Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026
  4. Leitlinie ESC Pocket Guidelines: Diagnose und Management von Synkopen (deutsche Fassung der 2018 ESC Guidelines for the diagnosis and management of syncope), Tabellen 1, 3 und 4, Abschnitte 8, 18 und 20. European Society of Cardiology (ESC) und Deutsche Gesellschaft für Kardiologie (DGK), Kommission für Klinische Kardiovaskuläre Medizin. Stand Version 2018. abgerufen am 17.10.2026
  5. Flüssigkeitsmangel (Dehydration). Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG), gesundheitsinformation.de. Stand 18.10.2023. abgerufen am 17.10.2026
  6. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Gutron Tropfen 1 % (Midodrinhydrochlorid). CHEPLAPHARM Arzneimittel GmbH. Stand 07/2021. abgerufen am 17.10.2026
  7. Gebrauchsinformation Gebrauchsinformation Astonin H 0,1 mg Tabletten (Fludrocortison), Herstellerdokument, einzeln über den PatientenInfo-Service abgerufen, weil beim Zulassungsinhaber und bei der EMA keine frei abrufbare Fassung vorliegt. Merck Healthcare Germany GmbH. Stand 03/2022. abgerufen am 17.10.2026
  8. Über den ärztlichen Bereitschaftsdienst (Abschnitte "116117 oder 112?" und "Fälle für die Notrufnummer 112"). Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV), 116117.de. Stand ohne Datumsangabe. abgerufen am 17.10.2026

Häufige Fragen

Ab wann ist der Blutdruck zu niedrig?

Ein normaler Blutdruck kann laut gesund.bund.de etwa bei 120 zu 80 liegen, je nach Alter oder Vorerkrankungen auch etwas höher oder niedriger. Für den Blutdruckabfall beim Aufstehen nennt die Leitlinie ein Kriterium: Fällt der obere Wert um mindestens 20 mmHg oder der untere um mindestens 10 mmHg oder sinkt der obere Wert auf unter 90 mmHg und treten dabei Beschwerden auf, gilt eine Ohnmacht durch orthostatische Hypotonie als festgestellt. Ob ein niedriger Wert bei Ihnen eine Bedeutung hat, klärt Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Was hilft sofort, wenn mir beim Aufstehen schwindelig wird?

Setzen oder legen Sie sich hin: Bei einer orthostatischen Hypotonie geht es Betroffenen laut gesund.bund.de dann unmittelbar besser. Vorbeugen lässt sich mit langsamem, schrittweisem Aufstehen, besonders morgens, und mit dem Anspannen und Lockerlassen der Wadenmuskulatur vor dem Aufrichten. Auch ausreichendes Trinken und Stützstrümpfe gehören zu den Maßnahmen.

Welche Medikamente gibt es gegen niedrigen Blutdruck?

Für den Blutdruckabfall beim Aufstehen nennt die Leitlinie zwei Wirkstoffe: Bei anhaltenden Beschwerden sollten Midodrin und Fludrocortison erwogen werden (Empfehlungsgrad IIa). Laut gesund.bund.de kann eine medikamentöse Behandlung in Betracht gezogen werden, wenn die Beschwerden sehr belastend sind und die anderen Maßnahmen nicht helfen. Beide Mittel werden ärztlich verordnet und sind nur für bestimmte Formen zugelassen, Fludrocortison dafür nur zur kurzzeitigen Behandlung und nicht für Menschen über 65 Jahre.

Was bedeutet niedriger Blutdruck mit hohem Puls?

Ein moderater oder schwerer Flüssigkeitsmangel kann sich laut IQWiG unter anderem durch Schwindel nach schnellem Aufstehen und Herzrasen äußern. Steigt der Puls innerhalb von 10 Minuten aktiven Stehens um mehr als 30 Schläge pro Minute oder auf über 120 Schläge pro Minute, ohne dass eine orthostatische Hypotonie auftritt, und treten typische Beschwerden auf, ist laut Leitlinie ein sogenanntes posturales orthostatisches Tachykardiesyndrom (POTS) als wahrscheinlich anzusehen (Empfehlungsgrad IIa). Kühle Hände und Füße, Unruhe, Schüttelfrost oder Schweißausbrüche, Angst oder Teilnahmslosigkeit können laut IQWiG Zeichen eines Schocks bei schwerem Flüssigkeitsmangel sein; ein Schock ist ein Notfall. In lebensbedrohlichen Fällen rufen Sie den Notruf 112. Mehr: Herzrasen.

Können Medikamente den Blutdruck zu stark senken?

Ja. Laut Leitlinie sind Medikamente die häufigste Ursache eines Blutdruckabfalls beim Aufstehen, zum Beispiel gefäßerweiternde und entwässernde Mittel oder Antidepressiva. Welche Wirkstoffe laut Packungsbeilage einen niedrigen Blutdruck auslösen können, steht auf der Seite Niedriger Blutdruck durch Medikamente. Ob ein Medikament die Ursache ist und was geändert wird, entscheidet Ihre Ärztin oder Ihr Arzt.

Ist niedriger Blutdruck gefährlich?

Das hängt von der Ursache und den Beschwerden ab. Bei einigen Menschen tritt ein Blutdruckabfall beim Aufstehen laut gesund.bund.de nur eine Zeit lang auf, andere fallen immer wieder in Ohnmacht, können stürzen und sich verletzen. Ein deutlicher Flüssigkeitsmangel kann laut IQWiG besonders bei älteren Menschen zu niedrigem Blutdruck, Stürzen und Verwirrtheit führen. Lassen Sie wiederholten Schwindel oder eine Ohnmacht ärztlich abklären.

Was hilft bei niedrigem Blutdruck nach dem Essen?

Bei älteren Menschen fällt der Blutdruck laut gesund.bund.de 15 bis 90 Minuten nach dem Essen häufiger plötzlich ab (postprandiale Hypotonie). Steht der Blutdruckabfall im Zusammenhang mit dem Essen, gehört ein reduzierter Verzehr kohlenhydratreicher Lebensmittel wie Kartoffeln, Weißbrot und geschälter Reis zu den empfohlenen Maßnahmen. Besprechen Sie die Beschwerden mit Ihrer hausärztlichen Praxis.

Medizinischer Hinweis: Diese Seite informiert allgemein und ersetzt keine ärztliche oder pharmazeutische Beratung. Setzen Sie ein verordnetes Medikament nicht ohne Rücksprache ab. Vermutete Nebenwirkungen können Sie selbst melden: nebenwirkungen.bund.de. Mehr dazu

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